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Full text of "Die pluemen der tugent des Hans Vintler"

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AELTERE 


TIROLISCHE  DICHTER. 


EESTER  BAND: 


DIE  PLÜEMEN  DER  TÜGENT 


DES 


HANS  VIMffeEß{h 


HERAUSG.EGEBEK 


IGNAZ    V.    ZINdERLE. 


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INNSBRUCK. 

VERLAG  DER  W AGNER'SCTIEN  ÜNIVERSITÄTS- BUCHHANDLUNG. 

1874. 


DIE 


PLÜEMEN  DER  TÜGENT 


DES 


HANS  VINTLER. 


HERAUSGEGEBEN 


IGNAZ   V.   ZINGEELE, 


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INNSBRUCK. 

VERLAG  DER  WAGNER'SCHEN  UNIVERSITÄTS  -  BUCHHANDLUNG. 
1874. 


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Druck  der  WAGrNER'schen  Universitäts-Buchdruckerei. 


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Dr.  J.  Victor  Scheffel 


gewidmet. 


Verehrtester  Herr! 

Als  ich  vor  einigen  Jahren  zum  ersten  Male  Ihr  Gedicht 

RüNGLSTEIN    BEI    BOTZEN. 

Noch  heute  freut's  mich,  o  Runglstein, 
Dass  einstmals,  zu  guter  Stunden, 
In  der  Talfer  felsenges  Thal  hinein 
Zu  Dir  den  Weg  ich  gefunden. 

Melodisch  scholl  aus  der  Tiefe  empor 
Des  Wildbachs  entströmendes  Tosen, 
Am  Burgpfad  erblühten  in  lustigem  Chor 
Glutnelken  und  wilde  Rosen. 

Des  Rungisteins  verfallen  Gebäu 
Weiss  Nichts  von  Grämen  und  Trauern, 
Der  Geist  der  Dichtung,  fröhlich  und  frei, 
Nistet  in  seinen  Mauern. 

Herr  Konrat  Vintler  einst  oben  sass, 
Des  Kurzweil  war,  allerwegen 
Beim  Klang  der  Laute  und  Stengelglas 
Der  freien  Künste  zu  pflegen. 

Längst  war  des  Minnelieds  Glanz  vorbei 
Und  Anderes  wollt'  sich  gestalten, 
Drum  dacht'  er,  ein  künstlerisch  Konterfey 
Entschwundener  Pracht  zu  behalten. 

Viel  sinnige  Maler  malten  ihm  gern 

Die  Helden  der  altdeutschen  Lieder; 

Noch  schauen  Herr  Hagen  und  Dietrich  von  Bern 

Vom    Söller  zum  Burghof  hernieder. 


VIII 

Und  Grau  iu  Grau  —  dort  den  Saal  entlang, 
"Wer  deutet  die  Gruppen,  die  holden? 
's  ist  Gottfrieds  von  Strassburg  minniger  Sang 
Von  Tristan  und  Isolden. 

Tristan  und  Isolde  auf  -weitem  Meer,  — 
Isolde  und  Tristan  im  Walde,   — 
Brangäne  lächelt  —  betrüblich  sehr 
Steht  König  Marke  der  Alte  .  .  . 

Noch  heute  freut's  mich,  o  Runglstein, 
Dass  einstmals,  zu  guter  Stunden, 
In  der  Talfer  felsenges  Thal  hinein 
Zu  Dir  den  "Weg  ich  gefunden. 

Durch  der  Fenster  farbige  Scheiben  entsandt' 
Die  Sonne  ihr  Gold  vor  dem  Scheiden; 
Es  umflammte  die  Schildereien  der  Wand 
Wie  ein  Gruss  vergehender  Zeiten. 

Im  Rittersaale  am  hohen  Kamin 
Sass  lang  ich,  in  Sinnen  versunken, 
Und  habe  im  feurigen  Wein  von  Tramin 
Des  Vintlers  Gedächtniss  getrunken. 

Wer  immer  in's  sonnige  Etschland  fährt, 
Halt'  Einkehr  in  diesen  Räumen, 
Und  ist  ihm  eine  Isolde  bescheert, 
Mag  ^r  von  ihr  hier  träumen. 

Gaudeamus  118. 

las,  dachte  ich  mir,  diesem  Herren  hat  es  auch  der  Burggeist  von 
Runkelstein  angethan,  wie  so  vielen  Andern,  —  und  auch  meiner 
Wenigkeit.  Es  freute  mich  unsäglich,  auch  Sie  als  Genossen  zu 
sehen,  noch  mehr  freute  mich  die  Verherrlichung  des  in  seiner  Art 
einzigen  Schlosses.  Und  wenn  ich  seitdem  auf  dem  Runkelstein 
sass  und  von  dem  alten  Glanz  der  Burg  träumte,  so  schwebten 
auch  im  langen  Zuge  jene  Männer  vorüber,  die  einst  hier  gewohnt, 
oder  das  Schloss  besucht  und  hochgeehrt  hatten.  Darunter  er- 
schienen Oswald  von  Wolkenstein,  Georg  von  Freundsberg,  Kaiser 
Max,  der  letzte  Ritter,  Josef  von  Görres  und  der  alternden  Bnrg 
hoher  Verehrer  König  Ludwig  I.  von  Baiern  u.  A.  Den  langen 
Zug  schloss  aber  der  jungfrische  Trompeter  von  Säkkingen.     Wie 


IX 

oft  habe  ich  seitdem  auch  Ihr  Lied  gelesen,  das  mir  oft  neuen 
Trost  gewährte,  wenn  die  letzte  Hoffnung  für  unsere  Burg  zu 
schwinden  begann.     Wie  oft  klangen  die  Verse  dann: 

„Des  Rungisteins  verfallen  Gebäu 
Weiss  Nichts  von  Grämen  und  Trauern, 
Der   Geist  der  Dichtuug,  fröhlich  und  frei, 
Nistet  in  seinen  Mauern". 

wie  labende  Profezie  an  meine  Seele,  Aber  selbst  der  Trost  dieser 
lustsamen  Worte  mnsste  endlich  verwehen,  wie  dünner  Nebel  im 
Morgenwinde.  In  die  Berühmteste  der  tirolischen  Burgen  ist  trotz 
des  Geistes  der  Dichtung,  der  dort  ahnungsvoll  weht  und  webt, 
Grämen  und  Trauern  eingezogen,  denn  sie  steht  dem  gänz- 
lichen Verfalle  nahe.  Im  Jahre  1868  schon  ist  eine  Mauer  mit 
Tristans-Fresken  in  die  Tiefe  gestürzt,  und  die  von  Kaiser  Max  I. 
so  hochgehaltene  Burg  ist  nun  eine  traurige  Ruine.  Es  wäre  längst 
Ehrenpflicht  des  Landes  oder  Anderer  gewesen,  dies  Kleinod  tiro- 
lischer Kunst  zu  retten,  allein  meine  seit  1857  wiederholten  Not- 
rufe verhallten  an  tauben  Ohren.  Obwol  man  auf  alte  Herrlichkeit 
so  gerne  prahlt  und  pocht,  es  fehlt  dennoch  Sinn  und  Herz  für 
alte  Grösse.  Selbst  Jene,  die  von  ihren  Ahnen  und  deren  Lieb- 
lingssitzen so  gerne  erzählen,  lassen  die  alten  Burgen  zerfallen  und 
der  romantische  Zauber  der  Ruinen  mehrt  sich  hierzulande  in 
schauriger  Weise *).  Sollte  Runkelstein ,  die  durch  Kunst  und 
Dichtung  geheiligte  Burg,  sich  allein  eines  bessern  Looses  erfreuen? 
Lasst  die  grauen  Mauern  mit  den  berühmten  Fresken  nur  hinunter- 
rollen in  die  wildaufschäumende  Talfer,  lasst  das  vom  „letzten 
Ritter"  erneuerte  und  verschönerte  Schloss  in  Trümmer  fallen,  der 
Burggeist  wird  fortleben  und  einst  rächend  mit  Euch  Gericht  halten, 
besserer  Ahnen  unwürdige  Eintagsmenschen!  Wer  das  theuerste 
und  schönste  Erbstück  der  Ahnen,  um  das  uns  Andere  nah'  und 
ferne  beneiden,  pietätlos  preisgibt,  der  ist  selbst  der  Unholden 
dunkler  Macht  verfallen  .... 

Sie  aber,  vereintester  Freund,  haben  die  zusammenbrechende 


')  Sieh  Augsburger  Allgemeine  Zeitung  1868  No.  305  u.  33 1. 


Burg  noch  einmal  mit  ihrer  melodischen  Poesie  verklärt,  und  ihr, 
ohne  es  zu  ahnen,  das  Schwan enlied  gesungen,  in  dem  ihr  An- 
denken fernerhin  fortleben  wird.  Nehmen  Sie  als  Ausdruck 
herzlichen  Dankes  dafür  Hans  Vintlers  Buch  entgegen,  das  Sie 
oft  an  Runkelstein  und  dessen  letzten  treuen  Knappen  erinnern 
möge. 

Wüten  am  17.  März  1874. 

Dr.  J.  V.  Zingerle. 


Einleitung. 


Der  Verfasser  unser's  Werkes    nennt   seinen  Namen   an 
mehreren  Stellen: 

also  han  ich  Hans  Vintler  122. 

mein  Hans  Vintler,  la  der  von  5370. 

sweiga,  mein  Hans  Vintlär  5761. 

ei,  mein  lieber  Hans  Vintlär   10091. 

dass  man  mich  haisset  den  Vintlär  10103 1). 
und  lässt  uns  über  seine  Familie  und  seine  Heimat  in  keinem 
Zweifel.  Er  gehörte  also  dem  reichen,  mächtigen  Geschlechte  der 
Vintler  an,  die  wol  ihren  Namen  von  ihrem  Stammorte  Vintel2) 
führten  und  im  Ausgange  des  14.  Jahrhunderts  zu  den  angesehen- 
sten Herren  der  Bozener  Gegend  zählten  3).  Ein  Thor  und  eine 
Gasse  dieser  berühmten  Handelstadt  war  nach  ihnen  benannt.  Den 
grössten  Aufschwung  nahm  dies  Geschlecht  aber  unter  dem  geld- 
mächtigen  und  kunstsinnigen  Nikolaus  Vintler,  Rath  und  Amt- 
mann des  Erzherzogs  Leopold.  Nikolaus  erkaufte  mit  seinem  Bruder 
Franz  am  Pfingstdienstag  1385  das  Schloss  Runkelstein  sammt 
Zugehör  von  dem  Ritter  Ciprian  von  Villanders  und  wurde  damit 
am  9.  Dezember  1385  von  Bischof  Albert  von  Trient  belehnt.  Die 
neuen  Herren,  welche  diese  an  der  Mündung  der  Talferschlucht  so 
herrlich   gelegene   Burg    zu   ihrer    Lieblingsstätte   erkoren,    sparten 


»)  SGD.  schreiben  Vindler.  W.  bietet  Vincklär  5370,  Vinclär  5761, 
1091,  10105.  Letzteres  weiset  auf  Vintlär,  da  t  und  c  leicht  verwechselt 
werden  konnten. 

2)  Vintulen  um  1150,  Vintelu  um  1200  ein  Dorf  im  Pusterthale,  drei 
Stunden  von  Brixen  entfernt.    Staffier,  Tirol  II,  156.    Tinkhauser,  Brixen  I,  295. 

3)  Vergl.  über  dies  Geschlecht  B.  Weber's,  Meran  82  ff.  Tirol,  Ge- 
schichtsfreund 1866,  S.  298.     Tirol.  Archiv  I,  296. 


XII 

nicht  Gut,  Geld  und  Kunstsinn,  um  dieselbe  in  einen  Prachtbau, 
geschmückt  von  Kunst  und  Poesie,  umzugestalten,  denn  sie  erbauten 
nun  den  nordwestlichen  Flügel,  die  der  hl.  Catharina  geweihte 
Capelle  und  zwei  Thürme,  und  umgaben  das  Castell  mit  neuen 
Vorwerken 1).  Und  dass  der  erweiterten  Burg  die  Weihe  der 
Kunst  und  Poesie  nicht  fehle ,  wurden  die  Säle  mit  Fresken 
aus  Tristan  und  Isolde,  aus  Pleier's  Garel,  der  Gang  mit  Triaden 
aus  der  deutschen  Heldensage  und  aus  andern  Dichtungen,  die 
Halle  mit  Schildereien  und  Medaillons  geschmückt.  Die  Capelle 
erhielt  von  einem  sehr  guten  Meister  der  alten  italienischen  Schule 
jene  Bilder  aus  dem  Leben  der  hl.  Catharina,  deren  spärlichen 
Resten  H.  Hess  seine  Bewunderung  zollte.  Dass  Sinnsprüche  und 
Reime  an  den  Wänden  nicht  fehlten,  zeigen  uns  noch  die  vor 
wenigen  Jahren  lesbaren  Zeilen: 

ich  sach  den  mai  mit  rosen  umfan, 

darzu  vil  maniger  hande  vogellin. 


—     —     —     —     solden  stan, 
si  sungen  so  schone,  daz  es  erhall 
"    in  den  bergen  überall 2). 
Diese  durch  Kunst  verklärten  Hallen  sollten   aber   auch    eine 
Pflegestätte  der  Wissenschaft  und  Poesie  werden.    Die  Burgherren 
hatten  den  gelehrten  Schreiber  Hainz  Sentlinger  aus  München  nach 
Runkelstein  berufen,  der  hier  die  Christherrechronik  schrieb  3),  und 


')  Noch  im  17.  Jahrhundert  fand  man  an  der  Capelle  die  Inschrift :  Ego 
Nicolaus  Vintler  hoc  castrum  Runkelstain  nuneupatum  legaliter  comparavi. 
Tandem  anno  MCCCLXXXVIIL  mense  Augusti  possessionem  eiusdem  castri 
corporaliter  subiuivi,  quod  quidem  castrum  hactenus  in  strueturis,  minalibus  (?) 
muris  vactm  .  .  .  mar  .  .  .  desolatum,  edifieiis ,  fossato,  antimuralibus  canipis, 
cisternis,  salis,  stubis  et  pluribus  commodis  augendo  a  novo  edidi  et  reforraavi. 
Tir.  Archiv  I,  296. 

2)  Ueber  die  Fresken  vergl.  Freskencyclus  des  Schlosses  Runkelstein  bei 
Bozen.  Gezeichnet  und  litografirt  von  Ignaz  Seelos,  erklärt  von  J.  V.  Zingerle. 
Innsbruck  1857. 

3)  Pergamenthandschrift,  305  BI.  in  Grossfolio,  nun  im  Besitze  der 
Herren  von  Vintler  in  Bruneck.  Am  Schlüsse  heisst  es:  auch  hat  ditz  puech 
geschriben  und  volpracht  Hainz  Sentlinger  von  München  und  ein  tail  getichtet, 
und  ist  gar  volpracht,  do  man  zalt  von  Christes  geburd  tausend  jar,  drew 
hundert  jar  und  in  dem  vier  und  neuntzigsten  jar  an  der  Etsch  auf  dem 
Runkelstain  pei  meinem  herrenNiclas  dem  Vintler  in  dem  moned 


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legten  eine  reiche  Büchersammlung  an.  Obwol  letztere  längst  spur- 
los verschwunden  ist,  können  wir  doch  einige  Werke  derselben  mit 
Sicherheit  nennen.  Ausser  der  Christherrechronik  fanden  sich  in 
dieser  Bücherei  Tristan  und  Isolde  *),  Pleier's  Garel,  H.  von  Trim- 
berg's  Renner,  H.  v.  Mügeln's  Uebersetzung  des  Valerius  Maximus 
und  das  italienische  Werk  „Fiore  di  virtü".  Zweifelsohne  gehörte 
auch  das  Heldenbuch  an  der  Etsch,  das  Kaiser  Max  I.  von  Hans 
Ried,  Zollner  in  Bozen,  abschreiben  liess2),  der  Bibliothek  dieses 
Schlosses  an,  für  das  der  grosse  Kaiser  eine  so  grosse  Vorliebe 
hegte3).  Hier  auf  diesem  Musensitze  übertrug  ein  Vintler  die 
Fiore  di  virtü  in  deutsche  Verse  und  schuf  ein  Werk,  das  nicht 
so  sehr  als  Dichtung,  wie  als  Uebersetzung  bedeutend  genannt  werden 
muss.  Die  Handschriften  nennen  ihn  Hans  Vintler,  nur  F  nennt 
ihn  einmal  V.  10091  Chunrat,  und  hat  am  Schlüsse:  Explicit 
Über  Conradi  Vintler.  Da  diese  Handschrift  bis  gegen  die  dreis- 
siger  Jahre  dieses  Jahrhunderts  im  Besitze  der  Vintler  war,  erklärt 
sich    die   Stelle   im  Vintlerischen    Stammbuch4):    „Ich   finde    einen 


Junius  an  dem  dreizehenden  tag,  do  waz  der  tag  S.  Antonii  coufer  de  Padua". 
Bruchstücke  daraus  veröffentlichte  ich  in  den  Sitzungsberichten  der  k.  Akademie 
in  Wien,  L.  Band,  S.  371 ;  „Eine  Geographie  aus  dem  dreizehnten  Jahrhundert", 
in  Pfeiffers  Germania  XVII,  307,  XVIII,  220.  Die  Zusätze  des  S.entlinger 
fallen  nicht  in's  Gewicht,  denn  sie  beschränken  sich  meist  nur  auf  Einschiebung 
von  Uebergängen,  die  gleich  durch  unechte  Reime  und  regellosere  Verse  kennt- 
lich sind.  Wenn  B.  Weber  ihn  einen  „Reimkünstler"  nennt  (Stadt  Botzen 
S.  238),  so  klingt  dies  wie  der  bitterste  Hohn.  Auch  eine  gleiche  in  Wolfenbüttel 
sich  befindliche  Handschrift  rührt  von  unser'm  gelehrten  Schreiber  her.  Er 
schrieb  sie  1399  „an  dem  Lueg  pei  Leiupolden  dem  Vintler,  der  die 
weil  zollner  do  was".  Im  Jahre  1437  war  sie  im  Besitze  von  Jörg  Mülichz, 
der  sie  „von  dem  bischofl  Ulrich  von  Prixen"  den  4.  November,  nach  des  Bi- 
schofs Tode  erlangt  hatte,  später  kam  sie  nach  Paris  und  endlich  nach  Wolfen- 
büttel. Massmann's  Kaiserchronik  III,  179.  Eine  Papierhandschriffc  „Summa 
Johannis"  von  Sentlinger  befindet  sich  auf  der  hiesigen  Universitätsbibliothek 
Sign.  II~3a  549.  Am  Schlüsse:  „Ditz  puech  hat  geschriben  Hainrice  Sent- 
linger von  Münichen,  und  ist  auch  volpracht,  do  man  zalt  von  Christus  purd 
tausend  und  drew  hundert  und  neuntzik  jar  in  dem  manod  Julius,  an  dem 
xxi  tag  dez  manotz",     Näheres  s    Anzeiger  f.  K.  d.  V.    1859,  S.  41. 

{)  Vermuthlich   in   den  Bearbeitungen    des  Eilhart  von  Oberg    und   von 
Gottfried  von  Strassburg.     Vergl.  Zarnckes  1.   Centralblatt   1858.  S.   115. 

2)  Tirol.  Archiv  I,   100  ff,     Germania  IX,  381  ff. 

3)  Freskencyclus  S.    1.     Tirol.  Archiv  I,  301   ff. 

4J  Vintlerisches  Stambenbuch.    Stemmatographica   Vintlerianae  prosapiae 
descriptio    authore  Adamo  Vintler    de  Platsch,    aus  dem    17.  Jahrh.     Eine  Ab' 


XIV 

Cunraden  Vintler,  welcher  de  anno  141  i  ein  schönes  buch  von 
der  eitelkheit  der  weldt  gedieht  und  versweiss  beschrieben,  so  noch 
in  unsern  händten;  muss  ein  anderer  Cunrad  gewesen  sein".  Adam 
Vintler  stützte  sich  hier  eben  nur  auf  den  Schluss  der  HS.  F., 
wie  der  Verfasser  des  Aufsatzes  über  unser  Gedicht  im  Tiroler 
Boten  1824  Nr.  2S.  29.  Letzter'm  folgte  Canonicus  Mayrhofen  in 
seinem  Stammbaume  der  Vintler  !J,  der  „Conrad  der  Poet"  1403, 
1412,  1414  aufführt.  Auch  ß.  Weber2)  und  Staffier3)  nennen 
Conrad  als  Dichter.  Auch  ich  folgte,  als  ich  nur  die  Handschrift 
F  kannte,  dieser  Annahme.  (Haupt's  Zeitschrift  X,  257).  Seit- 
dem ich  aber  in  sämmtlichen  Handschriften  mit  Ausnahme  einer 
Stelle  in  F  consequent  Hans  fand,  musste  ich  in  meiner  Annahme 
schwankend  werden^  und  bei  näherer  Nachforschung  kam  ich  zu  der 
festen  Ueberzeugung,  dass  Conrad  der  Verfasser  nicht  sei,  sondern 
Hans.  Es  sind  nämlich  die  geschichtlichen  Ueberlieferungen  der 
Annahme  eines  Conrad  höchst  ungünstig.  Conrad  Vintler  I.  starb 
schon  1352  uud  kann  nicht  in  Betracht  kommen,  Conrad  IL,  ein 
Sohn  Leopold's,  begegnet  uns  urkundlich  1426 — 1464 4).  Von 
diesem,  der  demnach  noch  1464  lebte,  können  wir  doch  nicht  an- 
nehmen, dass  er  schon  •  141 1  ein  Werk  vetfasst  habe,  in  dessen 
selbständigen  Theilen  er  so  gereifte  Lebensansichten,  ein  so  sicheres 
und  festes  Urteil,  und  eine  so  bedeutende  Bildung,  wie  scharfe 
Satyre  zeigt.  Ich  glaube,  dass  der  Schreiber  der  HS.  F.,  der  den 
berühmten  Conrad  II.,  dessen  Macht  und  Ansehen  kannte,  am 
Schlüsse  dem  „Hans"  Conrad  untergeschoben  habe.  Dagegen  finden 
wir  einen  Hans  Vintler,  gegen  den  als  Verfasser  des  Gedichtes 
keine  haltbaren  Gründe  auftauchen. 

Es  ist  dies  Hans  Vintler  II.,  Sohn  Hans  des  Ersten,  und 
kommt  140/  als  Pfleger  des  Gerichtes  Stein  auf  dem  Ritten  voi\ 
Im  Gegensatze  zu  den  andern  Herren  Tirols,  die  meist  feindlich 
dem   Herzog   Friedrich    entgegenstunden,    hielt   er   zu    diesem    und 


schritt  im  Besitze  der  Herren  von  Vintler  in  Meran,    eine    zweite    im    hiesigen 
Ferdinandeuni.  Sign.  MS.    108 T.    Die  Stelle  befindet  sich  in  letzerer  S.   183. 
')  Genealogien  des  tiroL    Adels  Bd,  II. 

2)  Tirol  II,  262.      Meran  83.     Botzen  238. 

3)  Das  deutsche  Tirol  II,  1074.  Wenn  B.  Weber  ihn  als  Dichter  von 
Minneliedern  bezeichnet,  und  Staffier  dies  nachschreibt,  so  fehlt  jeder  Be- 
weis dafür. 

4J  Tirol.  Geschichtsfieund  1866,  S.  311—313. 


XV 

erfreute  sieh  dessen  Gunst  und  Gnade.  In  einer  Urkunde  vom 
Jahre  1416,  Febr.  16.  erscheint  er  mit  Heinrich  Millauner,  Archi- 
diacon  zu  Trient,  als  Amtmann  Herzog  Friedrich's  an  der  Etsch. 
Im*  Jahre  1417  ward  Hans  Vintler  mit  Heinrich  Seldenhorn  als 
Gesandter  an  den  Dogen  von  Venedig,  Thomas  Mocenigo,  von 
seinem  Herzog  geschickt,  um  ein  Bündniss  abzuschliessen.  Aus 
diesem  ehrenvollen  Auftrage  ergibt  sich,  dast  dieser  Vintler  der 
italienischen  Sprache  kundig  war,  wie  der  Verfasser  unsers  Werkes. 
Er  starb,  wie  Adams  Stammbuch  meldet,  kinderlos  1419.  Dieser 
Vintler  erhielt  am  7.  Mai  1415  von  Kaiser  Sigmund  in  Ansehen 
seines  Adels  und  seiner  und  seiner  Vorältern  Verdienste  das  Recht, 
auf  dem  Helm  eine  goldene  Krone  zu  führen,  und  seitdem  linden 
wir  die  Königskrone  über  dem  Vintlerischen  Wappen  1). 

Zu  gleicher  Zeit  mit  dem  Genannten  lebte  Hans  Vintler  III., 
ein  Sohn  des  Franz  Vintler,  1422  verehelicht  mit  Agnes  Gerlacher, 
der  nach  J.  Ladurners  Forschungen  schon  1425  starb,  nach  C. 
Stampfers  Aufsatze  aber  sich  zum  zweiten  Male  mit  Appollonia 
Schrattenberger  aus  Trient  vermählte  und  vor  1447  abschied2). 
Ich  glaube,  dass  unser  Werk,  das  in  den  selbständigen  Theilen 
einen  sehr  gereiften,  an  Welterfahrung  reichen  Geist  zeigt,  eher 
Hans  11.  zuzuschreiben  sei.  Da  die  Handschrift  F  Hans  und  Con-^ 
rad  als  Verfasser  nennt,  so  könnte  man  glauben,  dass  das  Werk 
von  zweien  gemeinschaftlich  abgefasst  sei,  dass  der  eine  nur  das 
italienische  Original  übersetzt,  der  andere  die  selbständigen  An- 
rufungen, Einleitungen  und  die  satyrischen  Teile  geschrieben  habe. 
Es  würde  dies  der  Annahme  Zarncke's  entsprechen,  der  das  Gedicht 
als  Arbeit  zweier  bezeichnen  möchte  3).  Allein  selbst  in  der  Hand- 
schrift F  wird  in  selbständigen  Theilen  der  Verfasser  mit  Aus- 
nahme des  V.  10091  auch  Hans  genannt,  und  alle  die  dem  ita- 
lienischen Originale  zugesetzten  Stellen  zeigen  einen  selbständigen, 
freiem,  schwunghaftem  und  „gänzlich  veränderten  Ton". 

Es  darf  uns  dies  nicht  wundern,  denn  bei  der  Uebersetzung 
schloss  sich  Vintler  mit  grösster  Pietät  knapp  und  ängstlich  an 
das  italienische  Werk  an,  wo  er  aber  selbst  dichtete,  gab  er  seinen 


l)  Ladurner,    Beiträge    zur  Geschichte    der  Pfarrkirche    vou    Botzen   10. 
Tirol.   Ge.schichtsfreund   3866  S.  309. 

*)  Tirol.  Geschichtsfreund  1S66.  S.  308.  £     J 

3)  Haupt's  Zeitschrift  IX,  68  ff".,  bes.  88.  ~* 


XVI 

Ansichten,  Gedanken  und  Gefühlen  freiem,  bewegtem,  lebendigem 
Ausdruck.  In  Betreff  der  Sprache,  des  Verses  und  der  Reime 
dürfte  man  aber  im  Ganzen  keine  massgebenden  Abweichungen  und 
Eigenheiten  finden,  die  mit  einiger  Sicherheit  auf  zwei  Verfasser 
schliessen  Hessen.  Die  Einleitung,  in  der  sich  der  Verfasser  V.  122 
selbst  Hans  Vintler  nennt,  sieht  den  folgenden  Einleitungen  und 
dem  Schlüsse  ähnlich,  wie  ein  Ei  dem  andern,  und  doch  ist  sie 
mit  dem  folgenden  Theile,  wo  die  einfachste  Uebersetzung  beginnt, 
auf  das  innigste  durch  einen  glücklichen  Uebergang  verbunden. 
Vergl.  V.  183 — 212  und  Beiträge  zur  altern  tirol.  Literatur  II, 
lo.  16. 

Unser  Dichter  bezeichnet  sich  als  Laien: 

wann  ich  pin  ain  eitel  lai, 

der  teutsch  ain  chlain  lesen  chan  10130, 
und  betont  in  seinem  Werke  wiederholt,  dass  er  kein  eigentlicher 
Dichter  sei,  dass  ihm  wahre  Kunst  und  Erfindung  mangeln,  und 
ersucht  die  Leser  deshalb  um  Nachsicht  —  z.  B.  46 — 54.  63 — 69, 
10101—10111.  10119—10129.  Er  gesteht,  dass  er  der  Gram- 
matik und  Rhetorik  unkundig  sei  10126  ff.  und  nennt  in  Anbetracht 
seiner  Mängel  bescheiden  sein  Werk  das  Büchlein  185.  188.  10084. 
10112.  10120.  10138  ^  oder  das  kleine  Werk  7.  7600.  Am 
Schlüsse,  als  das  ziemlich  umfangreiche  Werk  vollendet  vor  ihm 
lag,  gebraucht  er  den  Ausdruck  Buch: 

hie  mit  das  puech  gemachet  ist 

in  dem  namen  der  heiligen  drivalt. 

do  man  tausent  jar  zalt 

von  gotes  gepurde  sicher  zwar 

und  vierhundert  und  aindlif  jar* 

zehen  tag  in  dem  Junius, 

quarta  die  Idus, 


*)  Aehnlich  nennt  der  Verfasser  des  Werkes    „Das  liecht  der  sei"  däs^ 
selbe,  das  doch  98  doppelspaltige  Folioblätter  füllt,  das  Büchlein: 
hilf,  das  er  mir  welle  kunst  verleichen, 
pis  ich  ditz  piechlein  gericht, 

fleissigleich  von  latein  zu  teutsch  gedieht.     Bl.  198. 
sicher  es  ist  ain  biechleio  guet.     Bl.   198. 
und  ditz  biechlein  straffen  well.     Bl.  386. 
Das  Licht  der  Seele,  das  sich  in  einem  Codex  (Papier  386  Bl.  in  Folio) 
des  Stiftes  Wüten  befindet,  ist  1426  vollendet.      . 


XVII 

in  dem  zaichen  Aquario, 

do  ward  das  puech  volpracht  also.     10162  ff. 

Aus  dieser  Bescheidenheit  und  Geringschätzung  seines  poe- 
tischen Talentes  erklären  sich  die  öfteren  Anrufungen  Gottes  und 
Maria  um  Hilfe  und  Beistand  23  ff.,  2843  ff.,  5315  ff.,  7594  ff, 
10065  ff. 

Als  Zweck  seines  Werkes  bezeichnet  er  nützliche  Unterhal- 
tung und  bildenden  Zeitvertreib  für  ihn,  und  die  Belehrung  und 
Besserung  Anderer  90  ff,  10085.  Wenn  er  etwa  auch  Ruhm  bei 
Verfassung  des  Gedichtes  gesucht  habe,  so  solle  Maria  um  Gnade 
für  ihn  bitten   10154  ff. 

Was   die   Bildung   des   Verfassers   betrifft,    so    war    dieselbe 
nicht  so  gering,  als  man  aus  der  Stelle: 
wann  ich  pin  ain  eitel  lai, 
der  teutsch  ain  chlain  lesen  chan  10130. 
und  anderen  Aeusserungen  schliessen  möchte.     Vintler    besass    für 
jene  Zeit  bedeutende  Kenntnisse.    Er  war  des  Italienischen  kundig, 
und   zwar   dergestalt,    dass    er   ein  Werk   dieser   Sprache   ziemlich 
sicher,  treffend   und   gewandt   übersetzen   konnte.     Freilich   gelingt 
ihm  dies  nicht  überall,  und  manchmal  begegnen  ihm  arge  Verstösse, 
wie  z.  B.  wenn  er  disposizione  durch  disputatio  324,  albero 
durch  wer  km  an  478,    l'ira  durch   das  recht  1438,    r  ipr  en- 
der e  durch  v  er  fachen  3052  u.  dergl.  wiedergibt.   V.  1478  ver- 
wechselt er  mansuetüdine  mit  consuetüdine,  V.  1507  mele 
mit  male,  V.  6288  delitti  mit  diletti  u.  ä.    Neben  dem  Ita- 
lienischen verstand  er  auch  etwas  Latein,    was    folgende,   von  ihm 
gebrauchte    Wörter   beweisen:  memoria    13.  240.  3265.    sapiencia 
14.  4276.  in  jubilo  25.  3035.  fantasmata  101.  flores  virtutum  126. 
gesta  Romanorum  172.  karitas  314.  disputatio  324.  325.    vanitas 
354.  presencia  467.  5505.  absencia  468.  duplex  1063.  milleartifex 
1064.  8235.  precepta  3827.  veritas  3881.   injusticia   3214.   peni- 
tencia  3893.   timorosus  4438.   animalia  5062.    temperancia   5143. 
reverencia  5418.   differencia  5639.   in   monte   Syon    5374.    nomina 
5672.  gula  5844.  fornicatio  6169.  raptus  6173.  adulterium  6175. 
incestus  6179.  stuprum  6183.  luxuria  6257.  6299.  6378.  Altissi- 
mus  1476.  6900.6942.6996.  Zentrum  7160.  7261.  occiput  7170. 
cerebrum  7171.  sinciput  7171.  polum  articum  7260.  usuram  7320. 
sentenciis  7478.  spiritus  sauctus  7624.  clementissimus  7625.   prin- 
cipatus  7673.   virtutes    7682.    invisibilis   7794.   characteres   7915- 


XVIII 

virgineum  7916.  dialogus  7797.  rex  8237.  in  mundo  9018.  in- 
cantacio  9019.  concilio  Lugdunensi  9670.  et  cetera  9700.  in  pro- 
verbio  9864.  quarta  die  Idus  10168.  Aquario  10169  1). 

Freilich  gibt  es  auch  viele  Stellen,  die,  wie  Zarncke  bemerkt2), 
„es  höchst  unwahrscheinlich  machen,  dass  Vintler  überhaupt  Latein 
verstand  und  lateinische  Schriftsteller  gelesen  hatte".  Zu  den  von 
ihm  angeführten  Stellen  V.  915.  1319.  4332.  6380  füge  ich  fol- 
gende hinzu: 

die  philosophus  149. 

in  Valerio  Maximum  171. 

des  chünigs  tochter  Armoniam  genant  906. 

do  gewan  Armoniam  junkfrau  so  grosse  swär  910. 

das  si  leget  an  Armoniam  chlait  912. 

und  do  sach  Armoniam  die  trewe  gros  920. 

Emilia,  ain  weib  Scipio  Africanus  942. 

in  dem  puech  Machabeo  1689. 

und  also  volget  der  senat 

Marco  Regulo  seinem  rat  3616. 

und  was  des  chaisers  Anastasia  tochter  4035. 

wann  indert  chain  ander  animalia  5062. 

in  dem  lant  Ceciliam  6057. 
-  Gewöhnlich  stehen ,  ausser  Armoniam  für  alle  Casus ,  die 
fehlerhaften  Wörter  im  Reime,  für  den  sich  Vintler  die  Endung 
nach  Belieben  machte.  Was  die  Nominative  auf  o  statt  us  be- 
trifft, z.  B.  Yppolito,  Theodosio,  so  sind  diese  Formen  theils  dem 
italienischen  Original  entnommen,  theils  der  italienischen  Form  nach- 
gebildet. Der  Fehler  Armoniam  906  scheint  aber  nicht  unserem 
Dichter  zur  Last  zu  fallen,  sondern  H.  v.  Mügeln,  „des  künigs 
tochter  Harmania  genannt"  Bl.  42*>.  Dasselbe  gilt  von  Scipio 
Africanus  942,  denn  H.  v.  Mügeln  schrieb :  „Do  Emilia  Affricanus 
weib«  Bl.  88b. 

Im  Reime  gebraucht  auch  Vintler  das  „mit  usurara"  7319, 
während  er  jedoch  „male"  im  Innern  des  Verses  sich  erlaubt: 
wann  das  male  ist  so  prait  7363. 
wann  chain  male  doch  niemant  frumpt  7365. 
Nach  meiner  Ansicht  besass  Vintler   einige  Kenntniss    des  Latei- 


')  Vergl.  Beiträge  zur  ä.  tir.  Lit.  II,  21. 
8)  Haupt's  Zeitschrift  IX,  116. 


XIX 


nischen,  die  aber  nicht  so  weit  reichte,  dass  er  diese  Sprache  ohne 
Fehler  schreiben  konnte. 

In  meinen  Beiträgen  zur  altern  tirolischen  Literatur  II,  22 
bemerkte  ich,  dass  unser  Verfasser  den  Valerius  genau  gekannt 
habe,  und  mir  galt  es  unwahrscheinlich,  dass  er  die  Uebersetzung 
des  H.  v.  Mügeln  benützt  habe.  Seitdem  konnte  ich  diese  mit 
Vintler's  Werk  vergleichen,  und  es  erwies  sich,  dass  Vintler  die 
genannte  Uebersetzung  sehr  zu  gebrauchen  verstand.  Alle  die  mit 
dem  Namen  Valerius  Maximus  vorgeführten  Erzählungen  sind  mit 
drei  Ausnahmen  4530  ff.,  4772  ff.,  6054  ff.  nach  H.  v.  Mügeln's 
Uebersetzung  bearbeitet.     Man  vergleiche 


899  ff. 

und 

Mügeln 

Bl. 

42b. 

942  ff. 

r> 

55 

55  . 

88b. 

1551  ff. 

» 

55 

55 

128a. 

1570  ff. 

r> 

55 

55 

128  a. 

1730  ff. 

r> 

55 

55 

21a. 

1800  ff. 

» 

55 

55 

124a. 

1822  ff. 

55 

55 

55 

125a. 

2042  ff. 

55 

55 

55 

64b. 

2176  ff. 

T 

55 

55 

128b. 

2662  ff. 

55 

55 

55 

95a. 

3570  ff. 

» 

55 

55 

5b. 

4106  ff. 

55 

55 

55 

139  a. 

4330  ff. 

55 

55 

55 

39a. 

4416  ff. 

55 

55 

55 

137  a. 

4506  ff. 

55 

55 

55 

53b. 

4530  ff. 

55 

55 

55 

86a. 

4662  ff. 

55 

55 

55 

119b. 

4742  ff. 

55 

55 

55 

43a. 

4818  ff. 

55 

55 

55 

50a. 

5102  ff. 

55 

55 

55 

51b. 

5120  ff. 

55 

55 

55 

58a. 

5548  ff. 

55 

55 

55 

.          35a. 

6658  ff. 

55 

55 

55 

122b. 

7181  ff. 

55 

55 

55 

.       113b. 

9283  ff. 

55 

55 

55 

.          26a. 

Wie  Vintler  H.  v.  Mügeln  benützte, 

mögen  folgende  Beispiele 

zeigen.     Man  vergl.  942— 

-958  mit  H.  v 

.  Mügeln  Bl.  88  b.     „Do 

Emilia,  Affricanus 

weib,  sähe. 

das 

ir  man  ir  juukfrauen  eine 

** 

XX 

lieb  het,  da  was  si  so  gedultig  und  guetig,  das  si  taet,  als 
ob-  si  es  nit  wisst  und  verstuende,  durch  das  si  iren 
man  und  sein  muott  icht  betrueben  mocht,  und  daz  die 
tat  icht  offenbar  würd  der  stat  eins  söllichen  hohen 
manns,  und  vertruog  daz  bis  an  sein  tod.  Durch  die  lieb, 
die  si  zuo  im  het  gehabet,  gab  si  die  dieren  eim  freien 
mann,  wie  daz  si  eigen  was". 

4663  und  H.  v.  Mügeln  Bl.  119  b.  „Pausanias  in  Kriechen 
der  ritter  was  so  ern  geitig,  das  er  fragett  den  maistel* 
Hermoclem,  wie  er  darzuo  kaeme,  das  sein  name  würde 
bekannt  dem  volk  in  allen  landen.  Do  sprach  der 
m eiste r,  waer,  daz  er  toetet  einen  klaren  erleuchten  man, 
so  würd  er  weit  genennet.  Da  was  Pausanias  so  eren 
geitig,  das  er  den  künig  Philippum  von  Kriechen  er- 
schluog  auff  das-  ende,  das  er  benennet  würde,  das  sich  wol  er- 
volget,  wann  durch  den  mord,  den  er  an  seinem  herren  thaet,  da 
warde  weit  bekennet  sein  nam". 

4742  und  H.  v.  Mügeln  Bl.  43a.  „Do  Alexander  mit 
keiser  Dario  lang  het  gestriten,  und  het  in  überwunden, 
da  opfert  er  den  götern  in  dem  tempel  nach  dem  alten 
siten,  da  stuonde  ein  kint  vor  im  von  Macedonia  geporn 
und  hielt  das  rachvass  vor  dem  altar.  Dem  selben  schose 
ein  glüender  kol  aufden  arm  und  p  rannt  den  j  ungen  so  ser, 
daz  der  geschmack  den  tempel  gancz  füllet.  Da  hielt  der 
jung  das  rachvass  mit  gestracktem  arm  stille  und  achtet 
nit  der  prunst,  daz  er  die  götter  und  den  keiser  icht  be- 
truebet  und  sein  opfer  irret.  Da  Alexander  das  ersähe, 
da  macht  er  das  opffer  dester  lenger,  das  er  des  jungen 
staetigkeit  auf  ein  ende  sähe.  Da  harret  der  jung  mit 
staetikeit  auss  den  muot  des  küniges.  Darumb  spricht  der 
maister:  AchhetDarius  der  keiser  gewisste  und  gesehen 
die  staetikeit  und  gedult  der  Macede,  er  het  dz  volke  ver- 
standen, das  Alexander  nit  mocht  überwinden,  seit  die  jungen  so 
staet  und  gedultig  warn,  wie  warn  denn  die  alten". 

7181  und  H.  v.  Mügeln  Bl.  113 b.  „Socrates,  dem  keiner 
Vernunft  noch  weissheit  geprach,  macht  sich  oft  müssige 
voler,  und  nam  ein  ror  zwischen  die  bain,  und  rait  mit 
den  kinden,  und  schampt  sich  des  nicht,  dasseinver- 


XXI 

n un ft  wider  krefftige    würd.     Des    lachet  Alcibia  und 
spotet  des  hohen  weisen  manns". 

Es  ergibt  sich   aus    solchen  Beispielen,    dass  Vintler  H.  von 
Mügeln's  Bearbeitung  des  Valerius  beinahe  wörtlich  in  sein  Werk 
herüber  genommen  habe.     Einige  kleinere  Belege  mögen  dies  noch 
schlagender  bestätigen. 
1578  er  sprach: 

das  sullen  sein  vier  lewen, 

die  das  römisch  reich  zestrewen. 
H.  v.  M.  Bl.  128 a:  und  jähe,  er  zug  vier  leoen,  die  das  römisch 

reich  zerstörn  und  zerreissen  sölten. 
1736  ff.  in  der  stat  Tramonia, 

die  da  leit  in  dem  lant  Tesalia 

do  chomen  zwen  jungling  für  die  tür. 
H.  v.  M.  Bl.  21 »:   In  Famona  der   stat   in   dem   land   Thessalia, 

do  kamen  zwen  Jünglinge  an  das  thor  gegangen. 
2043  ff.  und  spricht:  do  Titus  Quintus 

den  chünig  Philippum  von  Chriechen  twang 

und  das  ganz  lant  het  gevangen  lang, 

do  gepot  er  dem  ganzen  volk,  das  si  kamen. 
H.  v.   M.    Bl.    64^:    und    sprichet,    da   Tytus    Quintus    der   keiser 

Philippum  den  küng  von  Kriechen  bezwang  vnd  das  gancz 

lant  gefangen  het  on  zal,   do  gepot  er  dem  ganzen  land- 

volke. 
2050  ff.  do  hies  er  mit  den  pusaunen  zaichen  geben, 

das  das  volk  alles  solt  sweigen  eben 

und  hies  damit  auf  ruefen. 
H.  v.  M.  1.  c.  do  Hess  er  zeichen  geben   mitt   den  pusaunen,   das 

daz    volk    sollt    schweigen    vnd    hiess    do     auftreten    und 

rueffen. 
2062  ff.  do  ward  von  danken  ain  solich  ruef, 

das  er  den  vögeln  in  den  lüften  schuef, 

das  si  betumbelt  vielen  zue  der  erde  nider. 
H.  v.  M.  1.  c.  do  ward  von  dancken    des  volcks   vnd    rueffen   ein 

soelich   glam,    daz    die   vogel,    die   über   daz   gross   volck 

flugen,   von    dem   grossen    geschrei   betumlett   wurden, 

als  von  einem  doner,  vnd  vielen  nider  vnder  die  leüt. 
Wass   seine   weitere  Kenntniss    der   deutschen   Literatur   be- 
trifft, erhalten  wir  von  ihm  keine  Aufschlüsse.     Wenn  er  sagt: 


XXII 

ich  han  gesuecht  in  Alexander, 

was  der  hie  auf  erd  getan  hat  136, 
so  ist  vermutlich  Ulrich's  von  Eschenbach  Alexander  gemeint,  den 
H.  Sentlinger  in  seiner  Abschrift   der  Christherrechronik  gibt i). 
Die  Verse: 

darumb  sol  manz  für  guet  han, 

wann  ich  han  es  getan  in  guet 

und  das  es  pringe  hohen  muet  10132  ff., 
könnten    an    Tristan   5 — 8    und   Rudolfs   Einleitung    zum    „guten 
Gerhart",  sowie  an  den  Schluss  desselben  6879  ff.  erinnern.  Auch 
bei  der  Stelle: 

und  war  ich  halt  auf  den  süessen  perg  getreten, 

der  Elicon  mit  namen  haist, 

und  da  die  götter  allermaist 

ir  allerhöchstes  geticht  vinden  2905  ff., 
könnte  Vintler  an  Tristan  4863  ff.  gedacht  haben. 
Die  Verse: 

ach  und  säch  ich  si  die  raben 

strälen  an  der  sunne, 

allererst  so  hiet  ich  wunne  3473. 
gemahnen   an   Helmbrecht   626,    wie   die    Stelle    6630   ff.   an   die 
nichtigen    Vorwände    erinnert,    aus    denen    Helmbrecht   raubt    und 
schädigt  (Helmbrecht  1129—1175). 

Dass    Vintler    H.    v.   Trimberg's    Renner    gekannt    habe, 
möchte  man  aus  den  V.  6660 — 65  schliessen,   wenn   man  sie  mit 
Renner  13941  vergleicht.     S.  Anm. 
Die  Verse: 

das  maniger  petet  mit  dem  munt, 

das  doch  dem  herzen  ist  unchunt  6914. 
klingen  wie  eine  Reminiscenz  aus  Freidank  62,  10,  an  den  Vintler 


4)  Vintler  beginnt  die  Erzählung  von  Alexander  und  dem  Seeräuber: 
Von  der  parmherzikait  list  man  also  in  dem  puech  Machabeo   1688. 
Sentlinger  schreibt: 

und  als  uns  sagt  an  ein  drum 
liber  Machabeorum. 
das  buech,  das  also  ist  genant, 
das  tuet  uns  von  erst  erkant 
von  Alexander  Macedo  Bl.   167  B3., 
und  flicht  Ulrichs  Gedicht   ein,    wo   Bl.  194  A 2    die  Geschichte   von    dem  See- 
räuber erzählt  wird. 


XXIII 

auch  sonst  Anklänge   bietet,   z.  B.  9624.     Frd.  108,    27 .—9780. 
Frd.  29,  6. 

Die  Stelle  5315 — 5369  erinnert  an  „die  goldene  Schmiede" 
und  ähnl.  Loblieder  an  Jesus  und  Maria. 

Reicher  als  an  solchen  Stellen,  die  auf  Bekanntschaft  mit 
andern  Dichtungen  deuten  könnten,  ist  Vintler  an  Sprichwörtern, 
die  er  dem  Volksmunde  entlehnt.  Mit  Liebe  schöpft  er  aus  dem 
Borne  der  Volks  Weisheit  und  verwendet  sie  mit  sichtlichem  Be- 
hagen. Selbst  in  die  dem  italienischen  Werke  nachgedichteten  Theile 
webt  er  Sprichwörter,  besonders  aber  streut  er  sie  in  den  eigenen 
Parthien  reichlich  aus.  Man  vergleiche  1889.  1930.  2650.  3662. 
3874.  5785.  5974.  6441.  6509.  6522.  6529.  6572.  6650.  6754. 
6789.  7153.  7174.  7269.  7407.  7421.  7440.  7456.  8796.  8954. 
8974.  8994.  9050.  9074.  9099.  9129.  9553.  9564.  9566.  9624. 
9650.  9780.  10094.  10099  u.  a. 

Dazu  gehören  auch  die  den  Proverbien  nachgedichteten  Stellen 
6264 — 6284,  die  beinahe  sprichwörtlichen  Vergleiche  7243  ff.  und 
9997  ff.  und  die  Priamel  9472  ff.  All  dieses  tritt  aber  in  den 
Hintergrund  gegen  das  italienische  Werk,  das  er  in  deutsche  Sprache 
zu  übersetzen  sich  bemühte.     Er  nennt  uns  dasselbe  selbst: 

ich  han  durchsuecht  flores  virtutum, 

das  do  ain  wälsches  puech  ist. 

das  han  ich  gemacht  ze  diser  frist, 

das  es  teutsche  zung  vernimpt, 

wann  es  der  rechten  tugent  zimpt. 

davon  han  ich  es  ze  teutsche  pracht.  126  ff. 
Er  bezeichnet  hier  seine  Vorlage  ausdrücklich  als  ein  wälsches 
d.  h.  italienisches  Buch,  nach  dem  er  auch  sein  Werk  benannt 
wissen  will:  davon  will  ich,  das  mein  werk  das  ciain  haisz  „die 
pluemen  der  tugent"  rain.  J.  M.  Lappenberg  gebührt  das 
Verdienst,  dies  italienisshe  Original,  ein  um  das  Jahr  1320  ge- 
schriebenes Werk,  welches  dem  Tomaso  Leoni  zugeschrieben 
wird,  nachgewiesen  zu  haben1).  Dasselbe  führt  den  Titel  Fiori 
di  vir  tu  und  wird  unter  die  testi  di  lingua  toscana  gezählt.  Wie 
beliebt  und  verbreitet  dies  Werk  war,  zeigen  die  vielen  Ausgaben 
bis  in  die  neueste  Zeit2). 


1)  Haupt's  Zeitschrift  10,  258  ff. 

2)  Lappenberg  führt  folgende  an: 


XXIV 

Was  Vintler'sVerhältniss  zu  seiner  Vorlage  betrifft,  so  schliesst 
er  sich  bald  ängstlich  an  dieselbe  an,  übersetzt  diese  beinahe  wört- 
lich, bald  bewegt  er  sich  wieder  freier,  weicht  ab  und  geht  stellen- 
weise ganz  seine  eigenen  Wege,  bis  er  wieder  auf  das  Original 
einlenkt.  Ich  habe  seine  Behandlungsweise  in  meinen  Beiträgen 
zur  älteren  tirolischen  Literatur  II,  31  ff.  ausführlich  besprochen, 
und  in  den  Anmerkungen  dieser  Ausgabe  so  viele  Proben  des  ita- 

1.  1474  nel  Berentin  convento  de  lä  cha  grande  de  lalma  Venesia. 
75  Bl.  4. 

2.  Venexia  1474  apr.  29.  72  Bl.  4. 

3.  Vicenza  1475.  4. 

4.  Messina  s.  a.  4. 

5.  Venezia  1477.  4. 

6.  Pavia  1484,  gedruckt  bei  Maestro  Andrea  de  Pavia. 

7.  Firenze  1489. 

8.  Treviso  1489. 

9.  Venezia  1492. 

10.  Firenze  1498- 

11.  Roma,  per  Marcello  Silber,  alias  Frank  1515. 

12.  Ausgabe  von  G.  Bottari.     Roma,  Rossi  1740. 

13.  Padova  1751. 

14.  Roma  1761. 

15.  Verona,  per  Dionisio  Romanzini  1810. 

16.  Palermo  1819. 
Dazu  trage  ich  nach: 

17.  Die  venezianer  Ausgabe  1493.  Ein  Exemplar  befindet  sich  auf  der 
Bibliothek  zu  Gotha. 

18.  Fiore  di  virtü,  ridotto  alla  sua  vera  lezione  secondo  l'edizione  di 
Roma  del  1740.     üdine  1853. 

19.  Fiore  di  virtü,  testo  de  lingua  ridotto  a  corretta  lezione  per  Agenore 
Gelli.     Firenze  1855. 

Eine  Pergamenthandschrift  dieses  "Werkes  aus  dem  14.  Jahrhundert  be- 
findet sich  auf  der  Biblioteca  Bertoliana  in  Vicenza,  deren  Vorstand  Ab.  An- 
drea Capparozzo  daraus  Proben  mitteilt  iu  der  Festschrift :  Fiore  di  virtü,  codice 
membranaceo  del  secolo  XIV.     Vicenza  1872. 

„Eine  italienische  Nachbildung  dieses  Werkes  findet  sich  in  Fior  di 
Virtü  Historiato,  Utilissimo  ä  Fanciulli,  et  ad  ogni  fedel  Christiane  Nuova- 
mente  ristampato,  et  con  somma  diligenza  ricorrecto.  In  Padova  M.DC.LVI, 
Appresso  Andrea  Forni.  Französische  Uebersetzungen  dieses  Buches,  Paris  1530 
und  1532,  hat  Brunet  verzeichnet.  So  auch  (Paulmy)  melanges  tires  d'une 
grande  bibliotheque  t.  15,  s.  157.  Eine  armenische  Uebersetzung  ist  zu  Rom 
1675  in  8  gedruckt".  (Lappenberg  1.  c.)  Das  Werk  wurde  auch  1468  in 
deutscher  Prosa  übersetzt,  Die  Handschrift,  über  die  Lappenberg  in  Haupt' s 
Zeitschrift  10,  260  ff.  ausführlichen  Bericht  gibt,  befindet  sich  in  der  ham- 
burgischen Stadtbibliothek. 


XXV 

lienischen  Originals  beigegeben,  dass  sich  jeder  Leser  über  das 
Vorgehen  Vintler's  ein  Urteil  bilden  kann.  Wie  enge  sich  der 
Verfasser  an  das  italienische  Werk  oft  anschloss,  ja  sogar  Worte 
und  Reime  daraus  entlehnte,  zeigen  V.  4272.  5058  ff.  5504.  5538, 
5638.  6256.  6378.  6588.  7114  ff.  7365  u.  ö.  Manchmal  lässt 
sich  unser  Verfasser  Missverständnisse  und  Fehler  zu  Schulden 
kommen,  wie  z.  B.  471.  478.  1438.  1478,  1507.  1990.  6283- 
6541.  7083  u.  ö.,  ja  einmal  vergisst  er,  den  Nachsatz  auch  zu 
geben  1235.  Im  Ganzen  aber  übersetzt  er  sicher  und  gewandt, 
und  versteht  es  sogar,  das  Italienische  in  der  Darstellung  zu  über- 
treffen, so  z.  B.  4032  fi.,  7122  ff.,  8545  ff. 

Der  Dichter  begnügte  sich  aber  nicht  damit,  das  italienische 
Werk  in  seiner  Weise  zu  übertragen,  sondern  bestrebte  sich,  das 
Originalwerk  zu  erweitern,  mit  anderswo  gefundenen  Sprüchen  und 
Erzählungen  zu  bereichern,  und  fügte  überdies  manches  Eigene 
hinzu.  Er  gibt  uns  selbst  hierüber  Bericht  in  der  Einleitung 
113 — 186.    Da  sagt  er  u.  a.: 

auch  han  ich  darzue  gemacht 

vil  manig  1er  und  abenteur, 

die  zu  tugent  gebent  steur.   132  ff. 
und:  noch  sind  der  maister  vil  und  vil  mer, 

die  ich  nicht  all  genenneu  chan, 

wann  es  wurd  verdriessen  etwan. 

doch  han  ich  si  all  durch  claubt 

und  iegleichen  ain  wenig  beraubt, 

damit  das  doch  ain  püechlein 

ist  volpracht  nach  dem  willen  mein  180  ff. 
Wenn  man  aber  aus  der  Einleitung  schliessen  wollte,  dass 
Vintler  alle  genannte  Autoren  gelesen  und  benützt  habe,  würde 
man  sehr  irren,  denn  die  Sentenzen  der  genannten  Schriftsteller 
entlehnt  er  mit  sehr  wenigen  Ausnahmen  dem  italienischen  Werke. 
Dagegen  erweiterte  er  den  erzählenden  Theil  in  beträchtlicher 
Weise.  Das  italienische  Werk  gibt  in  jedem  Abschnitte  nur  eine 
Erzählung,  Vintler  meist  zwei,  ja  drei  solche  Exempel.  H.  v. 
Mügeln's  Valerius  Maximus  entlehnte  er  fünfundzwanzig  Aben- 
teuer V.  899  ff.,  941  ff.,  1552  ff,  1570  ff.,  1730  ff,  1800  ff., 
1822  ff.,  1842  ff.,  2042  ff.,  2176  ff.,  2662  ff.,  3168  ff.,  4106  ff.,- 
4330  ff.,  4416  ff.,  4506  ff.,  4662  ff.,  4742  ff.,  4818  ff.,  5102  ff., 
5120  ff.,  6054  ff,  6358  ff.,  7181  ff.,  9283  ff. 


XXVI 

Auch  die  Erzählungen   von  der   unstäten  Römerin  4934  ff., 
von   Latine  5290  ff.,  von  dem  keuschen  Einsiedler  6074  ff.,   von 
Salomon's   Katze   6755    ff.    fehlen  im  italienischen  Werke.     Drei 
andere  Erzählungen  scheint  Vintler   aus   Hörensagen   geschöpft   zu 
haben.     So  die  Sage  vom  Modeneser,  der  dem  Teufel  eine  Kerze 
opferte  3246  ff.,  die  er  heginnt:   „also  hör  ich  von  ihm  sagen",  die 
Geschichte  von  dem  mörderischen  Bauern  4194 ff.  mit  dem  Anfange: 
von  der  selben  fraidichait  muss  ich  sagen, 
das  da  geschehen  ist  in  churzen  tagen 
an  ainem  päurischen  man, 
und  die  Erzählung  von  Albertus  Magnus  6890  ff.,    wobei   er  sich 
auf  seinen  Gesellen  als  Gewährsmann  beruft  6891. 

In  der  bekannten  Legende,  „der  Engel  und  der  Einsiedler" 
3058  ff.  weicht  der  Verfasser  von  der  italienischen  Darstellung  ab. 

Bei  dem  Neide  gibt  das  wälsche  Buch  (Gelli  S.  21.  22) 
ausnahmsweise  drei  Exempel,  deren  zwei  Vintler  übergeht.  In 
Bezug  der  Gleichnisse  hält  sich  Vintler  strenge  an  das  Original, 
denn  nur  einmal  weicht  er  davon  ab,  da  er  anstatt  des  Einhornes 
den  Otter  als  Sinnbild  der  Unmässigkeit  5226  ff.  gebraucht.  Mit 
Ausnahme  der  oben  genannten  Erzählungen  sind  die  Zuthaten  des 
Vintlers,  so  lange  er  die  Fiore  di  virtü  behandelte,  sehr  gering. 
Ausser  ganz  kleinen  Parthieen  gehören  nur  folgende  Stellen  ihm 
an:  V.  9—186,  1055—1068,  2090  —  2119,  2385  —  2415, 
2843  —  2913,  3784  —  3799,  5314  —  5381,  5692  —  5763, 
6625  —  6931. 

Mit  V.  7028  beginnt  Vintler  den:  „Ammaestramenti  de' 
Filosofi",  die  in  manchen  Codices  dem  Werke  ,, Fiore  di  virtü"  als 
Anhang  sind,  zu  folgen  *),  und  in  diesem  Theile  tritt  nun  unser  Dichter 
viel  selbständiger  auf  und  fügt  so  umfangreiche  Stellen  hinzu,  dass 
man  diese  Parthie  grossentheils  als  seine  eigene  Schöpfung  ansehen 

*)  Gelli  p.  101  bemerkt  hiezu :  A  questo  punto,  secondo  la  maggior 
parte  de'  Codici,  ha  fine  il  Fiore  di  Virtü.  Pocchi  sono  quelli  da  me  veduti, 
che  contengono  ciö  che  segue.  Nel  Codicetto  Riccardiano  di  N.  1702  si  trova 
separato  col  titolo  :  „Ammaestramenti  de' Filosofi",  ma  imperfetto.  Lappenberg 
nimmt  an  (Haupt's  Zeitschrift  10,  263.  64) ,  dass  Vintler  Albertano's  von 
Brescia  Abhandlungen:  „Della  consolazione  e  del  consilio"  und  „Delle  sei  ma- 
niere  di  parlare"  benützt  habe.  Dies  geschah  aber  nur  indirekt,  denn  die 
Ammaestramenti,  denen  Vintler  folgt,  sind  nach  Albertano's  „Delle  sei  maniere 
di  parlare"  gearbeitet,  und  Albertano  wird  darin  als  Gewährsmann  genannt,  S. 
Anm.  zu  V.  8510. 


XXVII 

nross.  So  sind  z.  B.  die  Stellen:  V.  7206—7271.  7536—8510. 
8890-8957.  9050—9123.  9134—9167.  9283-9320  und  9397 
bis  zum  Schlüsse  Vintlers  Eigenthum.  In  den  eigenen  Zuthaten 
dieses  Theiles  liegt  die  Hauptbedeutung  des  Werkes.  Es  scheint, 
als  ob  dem  Dichter  erst  während  der  Abfassung  Selbstvertrauen, 
Kraft  und  Schwung,  Freimuth  und  Energie  gewachsen  seien.  Je 
weiter  er  vorwärts  schreitet,  desto  selbständiger  und  kühner  wird 
er.  Schon  Gervinus *)  betonte  diese  Erscheinung :  „Allein  all- 
mählig  legt  der  Verfasser  seine  Rückhaltung  ab;  fast  furchtsam 
spricht  er  hie  und  da  von  Schmeichlern  und  Bauern  mit  einem 
Blick  auf  die  Zeitgenossen,  und  von  der  Unfreigebigkeit  der  Fürsten, 
zieht  sich  aber  sogleich  wieder  zurück,  und  will  seinen  Athem 
sparen,  wo  er  nichts  bessern  kann.  Weiterhin  aber  geht  er  in 
einen  ganz  andern  Ton  über,  wendet  sich  auf  seine  lebendige  Um- 
gebung und  Zeit  und  geisselt  ihre  Fehler  mit  völliger  Verläugnung 
der  früheren  Scheu.  Hier  erinnert  er  eben  so  sehr,  wie  vorher 
an  den  Geschmack  der  Mystiker,  an  den  der  Satyriker,  an  Brant 
und  an  Murner". 

Vintler  rügt  und  straft  mit  männlichem  Freimuthe,  mit  Kraft 
und  Würde  die  Gebrechen  seiner  Zeit,  vorzüglich  aber  wendet  er 
sich  gegen  den  Adel  und  die  Hochfart  der  Frauen.  Es  ist  für 
unsern  Dichter,  der  selbst  einer  der  angesehensten  und  reichsten 
Adelsfamilien  des  Landes  angehörte,  bezeichnend,  dass  er  verhält- 
nissmässig  schonend  die  Bauern  beurtheilt,  und  die  Waffe  der 
Satyre  desto  schonungsloser  gegen  seine  Standesgenossen  schwingt. 

Den  Bauern  wirft  er  an  zwei  Stellen  Falschheit  vor  34652)  ff. 
und  3784  ff.,  jedoch  nicht  dem  ganzen  Stande,  sondern  er  nimmt 
die  Guten  aus,  und  später  sagt  er  einmal,  dass  drei  entartete 
Edelleute  nur  einen  Bauern  werth  seien  6707.  Gegen  den  Adel 
spricht  er  sich  aber  öfters  und  energischer  aus,  und  zeigt  so  vor- 
urteilslose Ansichten  über  diesen  Stand,  dass  wir  dieselben  für 
jene  Zeit  bewundern  müssen.  Schon  V.  2090  ff.  wendet  er  sich 
gegen  den  Geiz  der  Herren,  die  deshalb  Würde  und  Ehre  ver- 
lieren. Die  Undankbarkeit,  Unbarmherzigkeit  und  Habsucht  der 
Herren  geisselt  er  V.  6624  ff.  Er  zählt  die  Tugenden  und  Vor- 
züge auf,  die  der  Adelige  besitzen  soll,  um  diesen  Namen  zu  ver- 


1)  Geschichte  der  deutschen  Dichtung  (1853)  II,  349.     (1871)  II,  612. 

2)  Der  Anfang  dieser  Stelle  ist  dem  ital.  Werke  entnommen:    la    terza 
fu  Falsitä,  e  quella  diede  a'  villani. 


XXVIII 

dienen,  beklagt  sich  aber  bitter,  dass  die  Herren  ihres  Berufes 
nicht  eingedenk  seien,  dass  sie  anstatt  die  Armen  zu  schirmen, 
dieselben  nun  scheeren,  dass  sie  Ehre  um  Gut  verkaufen.  Solche 
sollte  man  aus  dem  Adel  stossen  und  zu  den  bösen,  falschen 
Wichten  zählen.  Sie  wissen  besser,  wie  man  das  Zugvieh  führe 
oder  wie  man  den  Acker  dünge,  als  was  Adel  sei  und  zu  dem- 
selben gehöre.  Er  vergleicht  solche  Herren  mit  der  Fledermaus» 
Sollen  sie  das  Land  beschützen  und  Ehre  im  Kampfe  erwerben,  so 
wollen  sie  Mäuse  sein  und  zu  Hause  bleiben,  sollen  sie  aber 
Steuer  zahlen,  dann  geben  sie  sich  als  Vögel  aus.  Solche  Piss- 
edell eute  solle  man  nicht  zu  den  edeln  Falken  zählen,  sondern  zu 
den  Eulen  6680  ff.  Kein  Wunder,  dass  solche  ehrvergessene 
Herren  ihren  Anstand  und  ihre  Würde  ganz  vergeben!  Vintler 
rügt  in  beredter  Weise  ihr  tolles  Treiben  und  ihre  Thorheiten 
9055  ff.,  sowie  das  Prahlen  entarteter  Adeliger  mit  ihren  Vätern 
9595  ff.  Der  sittliche  Adel  mache  edel  und  nicht  das  Blut.  Denn 
zwischen  dem  Blute  eines  Herren  und  eines  andern  Menschen  sei 
kein  Unterschied,  wie  man  dies  bei  dem  Aderlassen  sehen  könne. 
9622  ff.  Am  bittersten  spricht  er  sich  aber  gegen  den  Stolz  jener 
Adeligen  aus,  die  mit  ihren  Wappen  Kirchen,  Messkleider  und 
Kelche  zieren  und  ihre  Grüfte  bei  Altären  bauen,  obwohl  es 
besser  wäre,  dass  solch'  unreines  Aas  bei  gemeinen  Leuten  läge 
9653  ff. 

Zurückhaltender,  als  gegen  die  Herren,  zeigt  sich  unser  Dichter 
gegen  den  Clerus.  Wenn  er  sagt,  dass  die  Scheinheiligkeit  den 
Priestern  und  Religiösen  angetraut  sei,  so  lehnt  er  sich  an  das 
italienische  Werk  an *)  3494,  aber  zweimal  rügt  er  den  Geiz  und 
die  Gewinnsucht  derselben  7268  und  9694  ff.  und  ereifert  sich 
gegen  jene  Priester,  die  Zauberei  und  Aberglauben  lehren  7701  ff. 

Mehr  und  eingehender  beschäftigt  sich  der  Dichter  mit  den 
Frauen,  denen  er  anfangs  Gutes  nachrübmt  720  ff.,  und  die  er 
gegen  Salomon's  ungerechten  Spruch,  dass  er  nie  eine  Gute  ge- 
funden habe,  vertheidigt.  Es  sind,  sagt  er,  in  frühern  und  spätem 
Zeiten  viele  zarte,  reine  Frauen  gewesen,  und  Salomon  habe  dies 
nur  im  Zorne  geschrieben.  Besitzen  die  Frauen  üble  Seiten,  so 
haben  sie  auch  viel  Gutes.  Es  gibt  ja  auch  nur  wenige  tadellose 
Männer.     Wer  ein  schönes,  hehres  Weib,    das  Freude   und  hohen 


')   La  quinta  fu  Ipocrisia,   e  questa  raaritö  a'  religiosi. 


XXIX 

Muth  spendet,  schilt,  der  würde  besser  schweigen.  Ein  solcher 
ist  ein  Thor  und  ein  Narr.  804  ff.  —  Aber  später  wendet  sich 
der  Dichter  gegen  die  Putzsucht  und  Hochfahrt  vieler  Frauen  in 
bitterster  Weise,  und  schildert  mit  kräftigen  "Worten  ihr  tolles 
Treiben  und  ihre  thörichte  Tracht.  Diese  Stelle  9416  ff.  zählt  zu 
den  treffendsten  des  Gedichtes,  und  hat  selbst  heutzutage  noch 
ihre  volle  Geltung.  Auch  hier  nimmt  der  billige  Dichter  die  braven 
Frauen  aus,  fährt  aber  im  Tadel  der  Hochmüthigen  und  Prunk- 
süchtigen desto  schonungsloser  fort.  Er  geisselt  namentlich  jene 
Damen,  die  an  Perlen  und  Spangen  es  einer  Fürstin  gleichthun 
wollen,  und  dabei  nicht  so  viel  in  der  Küche  haben,  um  einen 
Hahn  füttern  zu  können,  die  sich  mit  Wasser  für  Wein  und  mit 
Schöpsenfleisch    statt   besserer  Bissen   begnügen    müssen.  9446  ff. 

Nebst  der  Eitelkeit  uud  Hochfahrt  der  Frauen,  dem  Geize, 
dem  Stolze  und  der  Verkommenheit  der  Herren,  geisselt  der  Dichter 
vorzüglich  den  Aberglauben  seiner  Zeit.  Von  dieser  für  deutsche 
Culturgeschichte  und  Mythologie  so  wichtigen  Stelle  7595 — 8497 
sagt  Gervinus,  dass  sie  als  eine  klassische  für  diese  Gegenstände 
gelten  könne 1).  Vintler  zeigt  hier  nicht  nur  frommen  Aerger, 
sondern  einen  freien  und  scharfen  Blick  für  das  Leben  uud  die 
Gebrechen  seiner  Zeit.  Er  steht  hier  unbeirrt  durch  Vorurtheile 
auf  der  Höhe  derselben  und  spricht  schon  damals  sein  Verdam- 
mungsurtheil  über  viele  Aberglauben,  die  heutzutage  noch,  nicht 
nur  in  „rohen  Kreisen",  fortleben.  Sehr  bezeichnend  für  ihn  und 
seine  fortgeschrittene  Bildung  ist  die  Stelle  über  die  Hexenfahrten 
8168  ff.  und  über  die  vermeinten  Künste  alter  Weiber  8458  ff. 
Wären  Vintler's  gesunde  Ansichten  durchgedrungen,  hätten  nicht 
so  viele  Opfer  auf  dem  Scheiterhaufen  ihr  Leben  lassen  müssen  2). 

An  andern  Ausfällen  gegen  die  entarteten  und  wirren  Ver- 
hältnisse seiner  Zeit  und  gegen  die  Corruption  seiner  Zeitgenossen 
im  Allgemeinen  fehlt  es  nicht.  Stoff  hiezu  war  ja  genug  vor- 
handen, und  eine  Umschau  in  nächster  Nähe  musste  unsern  Dichter, 
mochte  er  in  seinem  Urtheile  noch  so  nachsichtig  und  milde  sein, 
zu  Entrüstung  und  ernstlicher  Rüge  stimmen.  Diese  entfaltet  sich 
in  allen  Scalen,  vom  leisen  Tadel  bis  zur  heftigsten  Verdammung. 
Schon  im  ersten  Theile  V.  2386  ff.  klagt  er,  dass  die  Schmeichelei 


1)  Geschichte  der  deutschen  Dichtung  (1871)  II,  614. 

2)  Ueber  Hexenbrände  in  Tirol   vergl.    Barbara  Pachlerin    und    Mathias 
Perger.     Zwei  Hexenprozesse.     Innsbruck,  Wagner  1858.     S.  VI.  YIT. 


XXX 

und  Falschheit  an  die  Stelle  der  wahren  Freundschaft  und  der 
Aufrichtigkeit  getreten  sei,  später  V.  3374  ff.  bedauert  er,  dass 
die  Treue  abgenommen  habe  und  Ungerechtigkeit  und  Trug  allent- 
halben herrschen.  Der  Biedere  nnd  Treue  werde  jetzt  altfränkisch 
genannt.  Besonders  aber  eifert  er,  wie  wir  schon  gehört,  gegen 
den  Geiz  und  die  Habsucht  seiner  Zeitgenossen.  Eine  der  schönsten 
und  kräftigsten  Stellen  ist  in  dieser  Beziehung  die  Apostrofe  an 
den  Herrn  Pfennig  7214  ff. i).  Dass  unser  Dichter  die  Hochfahrt 
und  Putzsucht  der  Frauen  geisselte,  ist  schon  bemerkt  worden.  Am 
schärfsten  aber  spricht  er  sich  gegen  diese  Sünde  in  dem  nach 
ihr  benannten  Abschnitte  aus,  wo  er,  empört  über  diese  allgemein 
verbreitete  Untugend,  das  baldige  Einbrechen  des  göttlichen  Straf- 
gerichtes mit  grossem  Redeschwunge  wünscht  5743  ff.  Wenn  ihn 
hier  seine  Entrüstung  zum  Aeussersten  treibt,  so  zeigt  er  sonst 
meist  ein  ruhiges,  mildes  Gemüth,  ein  billig  abwägendes  Urtheil 
und  verfolgt  nur  den  einen  Zweck,  durch  seine  Schrift  zu  belehren 
und  zu  bessern.  Ferne  liegt  es  ihm,  als  strenger,  stolzer  Sitten- 
richter über  andere  den  Stab  zu  brechen,  er  betont  zu  wiederholten 
Malen  seine  eigenen  Schwächen  und  zeigt  sich  durchwegs  als  einen 
ernsten  und  gerechten,  aber  bescheidenen  und  liebevollen  Mann. 
Nur  die  Fehler  und  Verirrungen  seiner  Zeit  entrüsten  ihn  und 
zwingen  ihn  zu  feuriger  Rede  und  harten  Worten.    An  poetischer 


4)  Diese  Stelle  stellt  in  engster  Beziehung  mit  einem  Spruche  der  Wil- 
tener  Meistersängerhandscbrift.  Bl.   116b. 

Her  pfenning,  was  ir  wunder  tuet,  ir  seit  ain  tail  zu  wert, 

mich  muet,  das  eur  die  weide  hie  so  geitigkleich  begert. 

ir  get  vor  an  der  weisen  rat, 

da  nement  eur  die  hochen  herren  gaume. 

ir  stiftet  kirchen,  klöster  guet  nnd  manigen  kappelan, 

ir  habt  an  eren  schönen  frawen  vii  zu  laid  getan, 

ir  stiftet  mord,  raub  unde  not, 

ir  löst  den  dieb  von  stock  und  auch  von  päume, 

ir  seit  für  acht  und  für  den  pan 

zu  hof  geraitet  für  ain  falsch  gerichte. 

der  hoche  purg  ersteigen  kan 

mit  falschem  rat  und  schmaler  treu,  zu  dem  so  habt  ir  pflichte. 

man  hat  euch  lieb,  darumb  das  recht  so  lästerleich  ergat  : 

got  den  verkauft  ein  klaines  guet, 

der  euch  und  alle  weld  beschaffen  hat. 

Bericht  über  die  Wiltener  Handschrift  S.  50.  Sitzungsberichte  der  k. 
Akademie  zu  Wien  XXXVH,  378. 


XXXI 

Begabung,  an  umfassender  Bildung  und  scharfem  Weitblicke  stellt 
Vintler  weit  seinem  vielgewanderten,  genialen  Zeitgenossen  Oswald 
von  Wolkenstein  nach,  überragt  ihn  aber  durch  den  Adel  seines 
Charakters  und  durch  seine  sittliche  Lebensanschaunng.  Bei  beiden 
Dichtern  zeigt  sich  der  Einfluss  der  italienischen  Literatur.  Vintler 
übersetzt  und  bearbeitet  geradezu  ein  wälsches  Buch,  Oswald  kennt 
Dante  und  Petrarca  1).  Hält  sich  aber  Vintler  meist  enge  an  seine 
italienische  Vorlage,  so  wandelt  der  Wolkensteiner  selbständig 
seine  Wege.  Besitzt  Vintler's  Werk  im  Ganzen  nicht  grossen 
poetischen  Werth,  so  ist  es  dagegen  für  die  Cultur-  und  Sittenge- 
schichte jener  Zeit  von  Bedeutung,  und  wird  immer  in  der  Ge- 
schichte der  deutschen  Lehrdichtung  genannt  werden  müssen.  Auch 
wo  der  Einfluss  der  italienischen  Literatur  auf  die  deutsche  be- 
sprochen, oder  wo  von  älterer  Uebersetzungskunst  gehandelt  wird, 
dürfen  die  Blumen  der  Tugend  nicht  übersehen  werden.  Wie  hoch 
aber  dies  Werk  im  Ansehen  des  fünfzehnten  Jahrhuudert's  stand, 
zeigt  uns  der  Umstand,  dass  es  uns  in  fünf  Handschriften  erhalten 
und  schon  1486  im  Drucke  erschienen  ist.  Grossen  Einfluss  auf 
die  Werke  Anderer  scheint  aber  dasselbe  nicht  geübt  zu  haben. 
Der  Gedanke,  dass  Geiler  von  Kaisersberg  durch  den  Abschnitt 
über  den  Aberglauben  zu  seiner  Emeis  angeregt  worden,  und  dass 
er  Vintler  benützt  habe,  musste  bei  näherer  Vergleichung  aufge- 
geben werden.     Dagegen  beruht  der  Spruch: 

Welcher  mensch  do  gelaubt  an  vogel  geschrei2) 
auf  Vintlers  Stelle  7745  ff. 

Nachdem  beinahe  vierhundert  Jahre  seit  dem  ersten  Drucke 
verflossen  sind,  veröffentliche  ich  wieder  das  Werk  meines  Lands- 
mannes.     Ich   benützte   hiebei   alle   mir  bekannten  Handschriften : 

W,  die  Handschrift  der  k.  k.  Hof bibliothek  in  Wien  No  13567, 
olim  suppl.  1168.  Papier,  215  Bl.  in  Fol.  Sie  enthält  Bl.  2*  — 
177  b  Vintler's  Gedicht  und  gehört  der  ersten  Hälfte  des  fünf- 
zehnten Jahrhunderts  an.  Es  fehlen  hier  der  Anfang  bis  612, 
ferners  V.  1205—1253.  2259—2297.  3037—3069.  4386—4466. 
6898—6931.  7790-7844. 

F,  im  Besitze  des  hiesigen  Ferdinandeums,  Dip.  tom.  DCCCLXXI, 
No.  877.  Papier,  200  Bl.  in  Kleinfolio  aus  der  ersten  Hälfte  des 


4)  Yergl.  Gedichte  XXV  und  CXVII,  2,  13. 
2)  Yergl.  Fastnachtspiele  IIT,  1382.   1438. 


XXXII 

15.  Jahrh.  Die  Handschrift,  die  zwei  verschiedene  Schriften  zeigt, 
ist  nicht  vollständig.  Es  fehlen  V.  49—168.  231—330.  385—672. 
899—947.  2402-2449.  3291—3347.  3442—3496.  4010—4030. 
5269—5348.  7536—7547.  9124—9167.  üeberdies  sind  einzelne 
anstössige  Wörter,  sowie  Nudidäten  in  den  Bildern  ausgeschnitten 
worden. 

S,  die  Papierhandschrift  der  k.  Bibliothek  in  Stockholm, 
230  Bl.  in  Folio.  Unser  Gedicht  schliesst  Bl.  222  b.  Sie  gehört 
dem  15.  Jahrh.  an.  Ausser  einzelnen  Versen  fehlen  V.  530 — 552. 
5333—5359.  9952—9966. 

G,  die  Papierhandschrift  No.  594  der  herzog].  Bibliothek  zu 
Gotha.  229  Bl.  in  Folio.  Sie  ist  von  einem  alemannischen  Schreiber 
wol  noch  am  Ende  des  15.  Jahrh.  gefertigt.  Obwol  sie  die  voll- 
ständigste ist,  denn  sie  zeigt  nur  eine  grössere  Lücke  V.  930 — 958, 
so  steht  sie  an  Güte  den  andern  bedeutend  nach. 

B,  die  Papierhandschrift  No.  961  der  k.  k.  Universitäts- 
bibliothek in  Innsbruck,  3  Hefte  in  Dimidiatfolio.  Das  erste  Heft 
hat  36  beschriebene  Blätter,  von  denen  Bl.  la  bis  34 b  Excerpte 
aus  Vintler's  Werke  enthalten,  das  zweite  Heft  bietet  Bl.  3  a  bis 
10 a  Bruchstücke  aus  unserm  Gedichte,  wie  das  ganze  Dritte  mit 
28  Bl.  Die  unschöne  Handschrift  gehört  dem  Ende  des  15.  Jahr- 
hunderts an  und  rührt  zweifelsohne  von  einem  Priester  her,  der 
fromme  Sentenzen  für  seine  Predigten  sammelte.  Darauf  weisen 
die  Stellen  aus  Freidank  und  die  lateinischen  Sentenzen  im  ersteu 
und  zweiten  Hefte.  Auch  aus  Vintler's  Werke  sind  meist  nur 
Sprüche  ausgehoben,  und  die  Erzählungen,  Einleitungen,  Gleich- 
nisse etc.  ganz  übergangen.  Die  hier  vorhandene  Auslese  beruht 
auf  einer  sehr  guten  Vorlage,  und  es  ist  zu  bedauern,  dass  diese 
Handschrift  nicht  vollständiger  ist  1). 

An  dieses  handschriftliche  Material  schliesst  sich  der  Augs- 
burger Druck  des  Joh.  Plaubirer  (D)  von  1486  an2).  Er  stimmt 
mit  G  grösstentheils  aufs  Genaueste  überein.  Man  würde  sich 
aber  irren,  wenn  man  G  als  die  Vorlage  des  Druckes  annehmen 
würde,  denn  die  V.  92.  9164.  9165.  9185  u.  a.  fehlen  in  G, 
während  sie  D  bietet.     Dass  G  aber  nicht   nach  dem  Drucke  ge- 

')  Ausführlichem  Bericht  über  die  Handschriften  gab  ich  in  den  „Bei- 
trägen zur  altern  tirolischen  Literatur,  II,   1 — 8. 

2)  Flores  Virtutum,  oder  das  buch  der  tugent.  Vergl.  Panzer,  Annalen 
1,  164.     Zus.  58. 


XXXIII 

fertigt  sei,  ergibt  sich  daraus,  dass  in  D  Verse  mangeln,  die  G 
enthält,  z,  B.  8479.  8480.  9644  —  9649.  9659  —  9661.  Der 
Schreiber  der  Handschrift  G  und  der  Herausgeber  haben  aus  der 
nämlichen  Vorlage  geschöpft i). 

Unter  den  Handschriften  nehmen  F  und  W  den  ersten  Platz 
ein,  B  schliesst  sich  meist  an  W  an.  Allein  selbst  die  zwei  besten 
und  ältesten  Handschriften  geben  manchmal  entschieden  Unrichtiges2). 

Im  Ganzen  bietet  F,  abgesehen  von  der  oft  rohen  Schreib- 
weise, den  besten  Text,  W  steht  an  Güte  zunächst,  die  oft  das 
Richtige  bietet,  wo  F  irrt.  Mit  W  innigst  verwandt  ist  B.  S 
neigt  bald  zu  W,  bald  zu  F.  G  schliesst  sich  am  meisten  S  an, 
stimmt  aber  oftmals  mit  F  oder  W  überein.  Ich  folgte  vorzüg- 
lich F  und  W,  berücksichtigte  aber  auch  gewissenhaft  die  andern 
Handschriften  dort,  wo  sie  das  Richtige  zu  bieten  schienen.  An 
einigen  Stellen,  wo  die  Wahl  der  richtigen  Leseart  schwer  fiel, 
kam  das  italienische  Werk  zu  Hilfe.  Ich  muss  gestehen,  dass  ich 
mich  zu  ängstlich  an  die  Ueberlieferung  hielt,  man  hätte  mit  leichten 
Aenderungen  oft  einen  lesbarem  Text  und  bessere  Verse  herstellen 
können.  Unter  dem  Striche  gebe  ich  die  Lesearten  der  Hand- 
schriften, unbedeutende  Abweichungen  in  der  Schreibweise  abge- 
rechnet, möglichst  vollständig,  nur  die  des  alten  Druckes  konnte 
ich  nicht  durchwegs  so  genau  berücksichtigen. 

Dem  Texte  gab  ich  Anmerkungen  bei,  bei  denen  ich  vor- 
züglich das  Verhältniss  unsers  Werkes  zum  italienischen  Originale 
im  Auge  hatte.  Bei  dem  Abschnitte  gegen  den  Aberglauben 
7694—8245  suchte  ich  zu  zeigen,  dass  die  von  Vintler  aufgezählten 
Aberglauben  und  zauberischen  Gebräuche  nicht  nur  Tirol  ange- 
hörten, sondern  selbst  bis  heutzutage  noch  auch  in  andern  Gegen- 
den fortleben. 

Das  Wörterbuch,  das  auf  Vollständigkeit  keinen  Anspruch 
macht,  sondern  nur  das  Verständniss  des  Werkes  bei  Laien  etwas 
erleichtern  soll,    fügte   ich    auf   den  Wunsch   einiger  Freunde   bei. 


*)  Vergl.  Beiträge  zur  altern  tirol.  Literatur  IT,  8  ff. 
2)  Vergl.  Beiträge  II,  10. 


Inhalt 


Seite. 

Seite. 

Von  der  lieb ,         7 

Von  der  valschait   .... 

.     125 

Von  der  lieb  karitas    . 

.       11 

Von  der  warbait      .... 

.     132 

Von  dem  neid    .     .     . 

32 

Von  der  lug       ..... 

136 

Von  der  freude  .     .     . 

36 

Von  der  sterk 

142 

Von  der  traurickait 

38 

Von  der  vorcbt 

150 

Von  dem  frid     .     .     . 

43 

Vcn  der  starkmüetikait    .     . 

153 

Von  dem  zorn    . 

46 

Von  der  eitel  er      ... 

.     156 

Von  der  parmherzikait 

55 

Von  der  stäticbait  .     .     ,     . 

.     160 

Von  der  greuleicbait    . 

60 

Von  der  unstät 

165 

Von  der  milt      .     . 

65 

Von  der  mässichait      .     .     . 

172 

Von  der  geiticbait  . 

73 

Von  der  unmässichait       .     .     . 

179 

Von  der  straffung  . 

77 

Von  der  diemüetichait 

183 

Von  der  smaicbung 

82 

Von  der  hocbfart    .... 

190 

Von  der  weishait    .     . 

87 

Von  der  mässicbait 

196 

Von  der  torhait 

96 

Von  der  frasshait    .... 

198 

Von  der  gerechtikait   . 

102 

Von  der  keuschait 

201 

Von  der  ungerechtikait 

111 

Von  der  uncheusch      ,     .     . 

,     208 

Von  der  treu      .     .     . 

121 

Aber  von  der  mässicbait  .     . 

218 

DIE  PLÜEMEN  DEE  TUGENT. 


y 


ch  han  getan  recht  als  ain  man, 

4  der  do  cham  auf  ainen  plan, 
da  er  vant  pluemen  manigerlai, 
als  si  bringen  mag  der  mai, 

und  der  die  pluemen  aller  pluemen  nimpt, 

ain  kränzlein  macht,  das  im  gezimpt. 

davon  will  ich,  das  mein  werk  das  ciain 

haisz  „die  pluemen  der  tugent"  rain. 

davon  so  pitt  ich,  herre,  dich, 
10  das  dein  genade  du  an  mich 

legest  an  mich  chunstlosen  man; 

wann  unchunst  sät  den  seinen  sam 

allzeit  in  mein  memoria. 

du  gib  mir  die  sapiencia, 
15  damit  das  ich  dein  gotleich  chunst 

hab  pei  mir  und  deine  gunst, 

so  mag  mir  zwar  gewerren  nicht, 

als  das  her  Salomon  spricht: 

do  du  im  gabst  die  weishait, 
20  do  het  er,  was  die  erde  prait 

ie  von  zierd  au  sicli  genam; 

das  alles  von  deiner  weishait  cham. 

also  macht  du,  herre,  mir 

wol  helfen,  das  ich  chum  zu  dir, 
25  da  du  sitzest  in  jubilo. 

ich  main  dich,  chünig,  Alpha  et  0. 

V.  1—612  fehlen  W.  V.  1  —  192  fehlen  B.  2  da  S.  3  do]  und  S. 
6  iemen  zimpt  F.  im  wol  g.  G.  7  ich  mein  w.  S.  8  haissen  S.  plum  GD. 
10  an  fehl  t  S.  11  mich  vil  ch.  F.  12  den  fehlt  S.  synnen  san  D.  synnen 
säum  G.  14  so  gib  du  mir  herre  die  G.  15  die  göttliche  G.  16  und 
auch  die  g.  G.  17  gewern  S.  gewerden  GD.  1 8  das]  der  F.  auch  sp. 
G.  19  gäbde  dein  w.  S.  gäbt  die  G.  21  gnomen  F.  22  deiner  hoche  w. 
G.  23  herre  wol  m.  G.  24  wol]  alle  zitt  G.  kom  S  25  in  dem  hoche  i. 
G.   26  et]  und  D. 

Zingerle,  Vintler.  \ 


an  dein  genad  ich  schreie 

und  an  die  magt  Marie, 

das  du  mir  helfest,  frau,  zu  dir. 
30  hailiger  gaist,  du  hilf  auch  mir, 

wann  an  dich  hilft  nicht  pet  noch  tat, 

wann  du  in  der  trinitat 

pist  ain  ewig  vollaist, 

du  vater,  sun  und  hailiger  gaist; 
35  also  hastu  dich  ein  gedrungen. 

du  gib  auch  meiner  zungen 

weishait,  chunst  und  sin, 

wann  ich  es  alles  von  dir  nim. 

ich  main,  was  ich  guetes  tue, 
40  da  geistu  deinen  willen  zue, 

und  dein  will  der  ist  so  guet, 

das  er  nicht  wan  guetes  tuet, 

wann  alles  guete  chumpt  von  dir. 

als  macht  du  mir  gepüessen  schier 
45  was  mich  gen  dir  verwirret. 

mein  sin  der  ist  verirret, 

das  ich  nicht  wol  getichten  chan 

das,  das  ich  in  dem  muete  han, 

und  das  ich  geren  prächt  her  für. 
50  so  ist  verschlossen  mir  die  tür, 

da  der  gaist  des  getichtes  leit. 

also  hat  unchunst  mit  chunste  streit 

gen  mir  und  pricht  doch  unchunst  für, 

als  ich  es  in  meinen  sinnen  spür. 
55  doch  macht  du  wol  mein  sinne 

enzünden  mit  deiner  minne, 

das  ich  es  volpringe  dir  ze  lob, 

so  ist  mir  doch  mein  sin  ze  grob, 

das  ich  es  nicht  vol  gereden  chan. 

28  und  auch  an  G.  30  doj  nu  S.  31  nit  FG.  rat  G,  32  deiner  S. 
der  hochen  hailigen  t.  G.  33  ewigen  G.  34  sun  und  sun  und  GS.  hailiger] 
vater  S.  38  es  doch  a.  S.  wenn  ich  es  doch  v.  d.  alles  nim  G.  41  fehlt 
G.  der  fehlt  S,  42  er]  der  GS.  gut  F.  43  guet  das  eh.  S.  45  gen]  von 
S.  46  ist  fast  v.  G.  verwirret  S.  49  — 168  fehlen  F.  52  kunst  mit  unk, 
G.    57  pring  G.    58  ist  es  mir  S.  doch]  ett  G.    59  nit  G.  vol]  wol  G. 


3 

60  so  tue  mir,  herr,  als  du  hast  getan 

deinem  chnecht  Jeremia, 

der  da  sprach  „a  a  a." 

herre  got,  ich  pin  ain  chint, 

wann  mir  meine  sinne  sint 
65  ze  krank,  das  ich  dein  lere 

an  dir  volpring.  so  tue  dein  ere 

an  mir  chunstlosen  man, 

als  du  das  auch  hast  getan 

Moyses,  dem  lieben  chnechte  dein, 
70  dem  da  was  die  zunge  sein 

behaftet  ser  in  seinem  munt, 

das  er  nicht  wol  gereden  chunt. 

den  machtest  du  mit  deiner  chraft, 

so  das  er  wart  gar  redehaft. 
75   also  macht  du  den  sinnen  mein, 

herre,  mir  wol  geben  ein 

deines  gaistes  getichte. 

mein  sin  der  war  ze  nichte, 

wolt  mir  dein  hilf  nicht  pei  gestan. 
80  doch  wil  ich  tuen  das  pest,  so  ich  chan; 

wann  ich  es  angevangen  hab  in  guet, 

iedoch  mich  ser  im  herzen  muet, 

das  villeicht  spricht  etwer: 
„sich  numerdum,  wie  mag  der 
85  guetes  icht  getichten, 

der  selber  sich  verrichten 
chan  zue  gueter  sache  nicht  ?" 
wer  also  redet  unde  gicht, 
der  selbe  hat  unweisen  muet. 
90  was  schadet  mir,  was  ainer  tuet, 
von  dem  ich  besserung  nim? 

61  d.  heiligen  k.  G.  65  eh.  so  d.  S.  66  v.  allzitt  so  G.  69  Moysen  G. 
lieben  fehlt  S.  71  behaft  fast  sere  G.  dem  G.  74  gar]  wol  G.  76  mir 
fehlt  G.  77  deines  heiligen  g.  G.  78  zue  G.  79  nit  G.  80  doch]  do  S. 
so  fehlt  S.  ichs  G.  81  es]  daz  G.  83  vil  fehlt  S.  etswer  S.  84  sich] 
sy  SG.  nummerdumm  D  numerdumbman  S.  nummerdummanner  G.  88 
ret  S.  und  auch  spricht  G.  und]  oder  D.  90  ainer]  jener  GD?«  91  neme 
GS. 

1* 


tuet  er  nicht  wol,  das  wirt  im 

und  ist  sein  1er  doch  nutze  mir. 

davon  so  wend  ich  meine  gir 
95  auf  hübsche  edle  märe, 

ungern  ich  sein  enpäre 

durch  tugentleiches  herzen  sitte, 

auch  mach  ich  mir  selbs  damitte 

freude  und  churzweile  guet. 
100  wann  es  geit  mir  hohen  muet 

und  nimpt  mir  manig  fantasmata 

und  unnutz  melancolia, 

die  ich  all  damit  vertreib  gar  schon. 

also  nim  ich  mir  selb  den  don. 
105  auch  spricht  das  vil  maniger  man, 

der  sich  nicht  pas  versinnen  chan: 

„der  hat  vil  arbait  verloren, 

das  war  vil  pesser  verporen. 

wann  er  hat  manigen  maister  genant, 
110  und  seint  im  doch  nicht  recht  bechant." 

das  sprich  ich  selb,  und  ist  auch  war, 

ich  waiss  ir  maisterschaft  nicht  gar. 

so  hat  vor  mein  auch  nie  chain  man 

alle  chunst  allain  mocht  han. 
115  es  hat  ainer  von  dem  andern  genomen, 

also  haben  si  die  chunst  überchomen. 

also  han  alhie  getan  auch  ich. 

ich  han  gesuechet  des  geleich 

von  allen  maistern,  die  vor  mein 
120  gaben  hoher  chünste  schein 

und  die  uns  gaben  guete  1er. 

also  han  ich  Hans  Vintler 

92  fehlt  G.  wir  S.  im]  niue  S.  93  nütze  D.  95  hrobsche  S.  96  und 
auch  ungern  G.  enpere  SD.  97  tugentreiches  S.  98  mir]  newer  S.  selbs 
fehlt  D.  99  eh.  vil  guet  G.  102  und  auch  vil  un.  G.  melancolica  S.  melen- 
colia  D.  103  alle  vertreib  damit  g.  S.  104  fehlt  S.  selber  D.  106  nit 
GD.  108pösserD.  110  nicht  feh  lt  G.  1 1 1  ist  fehl t  D.  112maister- 
scheft  S.  nit  GD.  1 1 3  mein]  mir  G.  114  mocht  han]  gehan  GD.  1 1 5  hat 
auch  allweg  a.  G.  116  überkumen  G.  117  han  ich  allhie  g.  D.  118  hab  S. 
120  gabent  D.    121  gabent  D.    122  als  S.  H.  der  Vintler  S.   Vindler  D. 


die  red  geklaubt  aus  m  anigen  puechen, 

und  die  ich  alle  muest  durchsuechen, 
125  ee  das  ich  die  red  pracht  zu  ainer  summ. 

ich  han  durchsuecht  flores  virtutum, 

das  do  ain  wälsches  puech  ist. 

das  han  ich  gemacht  ze  diser  frist, 

das  es  teutsche  zung  vernimpt, 
130  wann  es  der  rechten  tugent  zimpt. 

davon  han  ich  es  ze  teutsche  pracht. 

auch  han  ich  darzue  gemacht 

vil  manig  1er  und  abenteur, 

die  zu  tugent  gebent  steur. 
135  die  han  ich  all  pracht  zu  einander. 

ich  han  gesuecht  in  Alexander, 

was  der  hie  auf  erd  getan  hat. 

darnach  suecht  ich  der  Römer  tat, 

was  die  wunders  habent  getriben, 
140  oder  was  die  propheten  habent  geschriben, 

wie  David  und  Salomon  sprach, 

Josue,  Jeremias  und  Jhesus  Syrach 

und  was  si  wunders  geschriben  haben, 

oder  was  die  püecher  der  altväter  sagen. 
145  das  han  ich  alles  sampt  durchsuecht, 

und  wie  got  Pharaone  fluecht 

und  vil,  das  in  der  bibel  geschriben  ist. 

darnach  suecht  ich  alle  list, 

die  haben  geschriben  die  philosophus: 
150  Plato,  Aristotiles  und  Tullius, 

Ofidius,  Pharo,  Socrates  und  Catho, 

Pytagoras,  Galienus  und  Faceto, 

Tolomeus  und  Ypocras, 

123  püchern  SG.  klaubet  G.  klaubt  D.  125  suraen  G.  128  das]  da  S. 
zue  GD.  130  gezimpt  S.  131  davon]  darumb  D.  zu  thaufcsch  S.  132 
fehlt  D.  133  mangew  G.  mange  D.  und  auch  a.  G.  135  ich  praucbfc 
alle  z.  e.  G.  pracht  all  D.  136  auch  in  G.  140  haben  GD.  142  Osue  S. 
Sydrach  GD.  144  alt  wachter  S.  145  alle  sampt  G.  146  wie  fehlt  S. 
147  das]  was  GD.  wiblen  S.  148  allen  S.  alle  die  1.  GD.  149  die  da  h. 
G.  die  do  h  D.  150  Aristotoles  S.  Arostotoles  G.  Arestoteies  D.  153  Tol- 
meus  S.  Ptholomeus  D. 


6 


Salustius,  der  auch  ain  maister  was, 
155  Magrobius  und  Ermogenes 

und  ainer  der  hiez  Ermes, 

Wassiliko  und  Cassiderus, 

Andronico  und  Longinus, 

Terencio  und  Juvenale, 
160  Thomas  de  Aquino  und  Sermoniale. 

noch  han  ich  gesuecht  der  maister  mere, 

oder  was  die  Decret  gebent  lere, 

oder  was  Augustinus  und  Ambrosius, 

Gregorius  und  Jeronimus 
165  haben  geschriben  in  iren  sermonen, 

Beda,  Chrisostomus  und  Orienem, 

die  all  geschriben  haben  manigerlai  figur, 

oder  was  das  puech  der  natur 

inne  hat  von  allen  wesen, 
170  das  han  ich  alles  sampt  durch  lesen. 

auch  han  ich  gesuecht  in  Valerio  Maximum 

und  ain  puech,  haist  gesta  Romanorum, 

was  Wunders  darin  geschriben  ist, 

oder  ivas  do  hat  gesprochen  Jesu  Christ 
175  und  sand  Peter  und  sand  Paul,  der  da  wart  bechart. 

auch  hat  gesagt  sand  Perenhart 

vil  von  der  gotes  gerechtikait. 

Isiderus  und  Boecius  sait, 

das  man  tue  von  der  weite  eher. 
180  noch  sind  der  maister  vil  und  vil  mer, 

die  ich  nicht  all  genennen  chan, 

wann  es  wurd  verdriessen  etwan. 


154  Salfastius  S.  Saluastius  G.  155  Hermogenes  G.  157  Waselliko  S. 
Kassiodorus D.  158  und]  et  S.  159  TerenciusD.  161  mer  D.  162  lerD. 
163  und  164  sind  in  S.  zusammenzogen:  oder  was  Augustinus 
und  Jeronimus.  163  sant  Aug.  G.  164  und  sant  G.  165  habent  D.  166 
Bedam  Crisostimum  D.  und  auch  O.G.  168  der]  von  S.  169  allem  D.  170 
habS.  d.  gelesen  G.  171  ich  han  auch  g.  GD.  hab  S.  Valero  F.  ValeriusS 
Maximi  SGD.  172  Romani  SGD.  173  darinne  GS.  174  da  gesprochen 
hat  GD.  Jhesus  GD.  175  Peter  und  sand  fehlt  GD.  bekert  GD.  oder  S. 
176  undwaz  [santG.]  Bernhardus  gesagt  hat  der  wert  GD.  177  vil  fehlt 
GD.    180  und  vil  fehlt  S.    181  neraen  G.  nennen  D.    182    etschwan  S. 


doch  han  ich  si  all  durch  ciaübt 

und  iegleichen  ain  wenig  beraubt, 
185  damit  das  doch  ain  püechlein 

ist  volpracht  nach  dem  willen  mein, 

und  ob  an  dem  püechlein  icht  gepresten  ist, 

so  pit  ich  den,  der  es  da  list, 

das  er  das  wend,  wann  ich  im's  gan, 
190  wann  ich  der  chunst  nicht  enhan, 

das  mein  geticht  sei  straffe  frei. 

het  ich  aber  chünste  chrei, 

das  ich  die  chunde  laiten  wol, 

dannoch  man  mich  straffen  schol. 
195  wann  wer  die  straffung  nicht  wil  han, 

der  ist  den  schänden  undertan, 

als  das  her  Salomon  auch  spricht: 

„wer  sich  wil  lassen  straffen  nicht, 

dem  ist  nicht  vast  nach  tilgenden  we; 
200  wann  straffung  macht  nur  tugent  me." 

auch  ist  straffung  manigerlai  sach, 

etleich  ist  guet  und  etleich  swach. 

aber  welche  straffung  von  liebe  chumpt, 

die  selbig  straffung  vast  frumpt 
205  und  pringt  darzue  vil  nutzperkait. 

aber  wer  da  straft  mit  kunterfait, 

da  selbs  ist  chaine  liebe  nit, 

wann  rechte  liebe  ist  da  quit. 

wann  alle  ding  an  der  liebe  leit, 
210  als  uns  sand  Thomas  urchund  geit, 

das  lieb,  wolgevallenchait  und  der  lust 

sind  pei  einander  in  ainer  prust. 

wann  er  das  offenleichen  spricht 

183  d.  so  han  si  alle  durich  S.  185  iedleichen  F.  187  geprechen  GD. 
189  wann]  wenn  GD.  im  des  g.  D.  190  nitGD.  192  het  ich]  ich  halt  GD. 
aber]  aller  SGD.  193  chunde]  chünste  F.  kunt  S.  künd  B.  kind  D.  194 
dannochtB.  solBGD.  198  straffen  lassen  SGB.  1  99  nach  fehlt  F.  tugentS. 
tugende  G.  200  fehlt  S.  nur]  nu  G.  nun  D.  202  gut  etleich  ist  sw.  BS. 
GD.  203  von  ganzer  lieby  G.  komptD.  204  selb  straffBSGD.  fromptD. 
206  kunterckait  F.  208  recht  liebS.  rechtewG.  210sanctusD.  211  lieb 
gevallikait  S.  woüevälligkait  G.   212  sei  S.  seien  G.   213  offenleich  BFG. 


und  in  seiner  summ  ausricht, 
215  das  die  erst  bewegung  ainer  igleichen  liebschaft 

das  das  sei  die  verstantnus  mit  ir  chraft, 

als  do  spricht  sand  Augustein : 

„chainem  menschen  mag  ain  ding  lieb  sein, 

er  hab  es  dann  vor  etwas  erchant." 
220  das  selb  das  chumpt  von  der  fünf  sinne  pant, 

also  das  sehen  mit  den  äugen, 

den  oren  das  gehörd,  das  ist  an  laugen, 

und  als  das  smecken  mit  der  nasen 

und  als  das  chosten  mit  dem  prasem 
225  und  als  das  rüeren  mit  den  henden, 

wie  es  die  sinne  mainent  wenden, 

wann  sie  es  doch  alles  regieren, 

und  in  dem  andern  tail  des  hieren, 

da  do  leit  der  vernüftig  gaist 
230  in  der  betrachtung  allermaist. 

wann  die  verstantnus  ist  also  frei, 

das  ir  wont  guet  und  pöses  pei, 

und  macht  ir  oft  selb  ain  lieb  urspring, 

als  ich  es  in  meinen  sinnen  vind. 
235   das  chumpt  alles  von  der  äugen  gesicht, 

als  der  philosophus  auch  spricht  : 

wenn  der  mensch  seinen  willen  naigt, 

das  er  dann  der  erchantnus  zaigt, 

das  selb  verwechselt  sich  alda 
240  in  die  inner  memoria 

und  verchert  sich  dann,  als  man  sait, 

in  ain  wolgevallenchait, 

und  das  gevallen  erwegt  die  pegir, 

215  begirungBG.  begierung  S.  216  irer  B.  218  gesein  BS.  219  es  hab 
FS.  es  hab  auch  dann  es  vor  D.  h.  auch  denn  G.  etzwas  B.  220  selb  eh. 
GS.  selbig  B.  sinnen  BSG.  222  gehört  FS.  gehör  GD.  ane  BGS.  223 
fehlt  F.  224  den  FS.  prasenSD.  225  ruren  FBS.  226  wie  sy  dy  sinne 
mainet  w.  S.  mein  F.  maine  B.  mainen  G.  meinen  D.  227  wen  es  si  d.S. 
229  da  da  BFS.  unvernüftig  F.  vernufft  G.  vernünftig  D.  231—330 
fehlen  F.  232  want  S.  guetz  und  auch  p.  G.  pös  SG.  233  selb  fehlt 
GS.  238  ers  erkantnuss  denn  z.  G.  der  kantnus  S.  240  inner]  in  der  G. 
242  wohlgevellikait  GD.    243  das  fehlt  B. 


9 

das  im  die  sach  gevallet  schier, 
245  da  pirt  sich  dann  die  höchste  tugent. 

wann  rechte  liebe  ist  so  mugent, 

das  si  ist  würz,  anevank  und  leben, 

wann  si  misset  alle  ding  gar  eben. 

si  ist  auch  ain  seul  aller  tugenthait, 
250  als  der  philosophus  uns  sait 

und  sand  Thomas  auch  bericht 

und  bewärt,  das  chain  tugent  nicht 

an  rechte  lieb  nit  mug  gesera, 

wann  si  formet  sich  so  ein 
255  und  macht  ir  ainen  anevank  durch  sei, 

und  wer  erchennen  wil  da  pei, 

ob  er  tugent  oder  laster  tue, 

so  wart  nur  das  ansehen  zue, 

ob  es  von  der  tugent  her  gee, 
260  oder  ob  es  mit  dem  laster  bestee. 

Die  lieb  mag  ich  geleichen  wol 

dem  calander,  wann  der  sol 

ain  siechen  menschen  sehen  an, 

sol  im  die  sucht  dann  nit  engan, 
265  so  chert  er  seine  äugen  von  im; 

sol  er  aber  des  siechtumbs  chomen  hin, 

so  chert  er  seine  äugen  dar 

und  nimpt  des  siechen  fleissichleichen  war, 

das  er  den  siechthumb  in  sich  zeucht. 
270  also  auch  die  tugent  fleucht, 

das  si  die  lasterperleiche  tat 

alzeit  scheuhet  an  aller  stat ; 

und  also  tuet  ain  edel  gemüet, 

das  zeucht  an  sich  mit  seiner  güet, 
275  das  si  es  begreifen  wirt  gar  pald, 

244  gevallen  BS.  gevellet  D.  246  den  SD.  247  ist  fehlt  GD.  248 
müssend  G.  249  sal  S.  250  uns  auch  s.  G.  251  sanctus  GD.  254  sei 
formiert  G.  ornet  S.  also  D.  258  nur  fehlt  S.  nur]  nu  G.  262  Galiander 
GD.  kalanders  S.  263  fehlt  G.  264  so  im  die  s.  nit  sol  G.  dann  fehlt 
SG.  268  siechtum G.  nissigklich  GD.  fleischleichen  S.  271  sei  die  schant- 
lichew  lasterparlichew  G.  getat  S.    274  zeucht  fehlt  GD. 


10 

recht  als  die  vogel  in  dem  wald, 

den  ir  begir  nach  laube  stat. 

also  sät  die  tugent  ir  sat. 

und  als  ain  liecht  in  ainer  vinster, 
280  das  da  leucht  mit  seinem  glinster 

noch  vester,  denn  ob  es  der  tag  an  schin, 

also  ist  dem  tugenthaften  sein  sin. 

sand  Thomas  spricht  noch  rae, 

das  die  recht  Ordnung  bestee, 
285  und  das  auch  die  ganze  liebe  ist, 

das  ist,  das  man  minne  Christ 

vor  allen  dingen  hie  auf  erden, 

und  das  du  bedenk'st,  wer  du  muest  werden. 

das  selb  macht,  das  man  sich  selber  mint, 
290  und  wer  das  selbe  recht  versint, 

das  war  wol  ain  hoher  hört  genueg. 

wann  wer  im  selben  hie  ist  clueg, 

der  mag  sich  wo!  vor  sünden  hüeteu. 

auch  sol  man  vater  und  mueter  güeten, 
295  das  man  die  in  eren  hab. 

den  nächsten  freunten  auch  guetes  trag 

iegleichem  darnach,  als  er  dir  sei 

mit  seiner  sippe  nahen  pei. 

darnach  solt  du  ain  iegleichen  man 
300  nach  seinem  wesen  also  han 

und  auch  ee  die  gueten  wann  die  pösen. 

auch  soltu  niemant  nicht  verösen 

sein  leumunt,  noch  ander  leut  laster. 

wann  wer  das  tuet,  der  schent  sich  vaster, 
305  als  sand  Augustin  do  spricht. 

am  ersten  han  ich  euch  bericht 

277  ir  fehlt  S.  labe  G.  278  also  stat  die  t.  S.  sat  B.  281  denn  fehlt 
S;  dann  D.  286  minne]  lieb  hab  D.  Jhesum  Chr.  GD.  288  wer]  was  GD. 
289  besint  D.  290  wer  fehlt  G.  versunt  S.  befint  D.  292  selb  GD. 
selber  S.  294  gutten  S.  295  in  allen  e.  G.  haben  mag  D.  297  als  er 
dir]  und  er  GD,  299  ainen  G.  301  wann]  denn  GD.  die|die]denjden  D. 
303  seinen  GD.  leunden  n.  G.  lümbden  D.  304  wer]  der  GD.  sich  selber 
vaste  G.  selbs  vast  D.  305  do  fehlt  GD  Augustinus  D.  306  am]  diu 
S.  ew.  S. 


11 

von  der  gottes  liebe  tirspring, 
darumb  das  er  ist  über  alle  ding, 
darnach  wil  ich  eu  sagen  me, 
310  wie  die  tailung  der  liebe  ste. 
darnach  so  offenbar  ich  eu 
von  der  lieb  und  von  der  frawen  treu. 

Von  der  lieb  karitas. 

Die  rechte  gottes  lieb  ist  das, 

die  man  haisset  karitas, 
315  wann  die  chumpt  herab  von  gottes  sun, 

als  der  gelaub  und  die  hoffnung. 

wann  es  mag  niemant  minnen  got, 

wil  er  nicht  behalten  gots  gepot 

und  das  gänzleich  gelauben  an  allen  spot, 
320  das  wir  zue  dem  herren  Sabaoth 

hoffen  ze  chomen  in  sein  reich 

und  bei  im  peleiben  ewichleich. 

die  zwo  tugent  sein  also 

in  ainer  disputatio, 
325  und  durch  der  disputatio  willen  so  wil  ich 

es  auslegen  in  der  lieb  gottes,  die  mich 

alzeit  zwinget  mit  ir  chraft. 

hiet  ich  nur  chunst  und  maisterschaft, 

die  wolt  ich  durch  des  heiligen  gaistes  willen 
330  und  durch  sein  tugent  mich  nicht  lan  bevillen. 

Künig  Salomon  ze  Jerusalem  sas, 

in  seinen  sinnen  er  im  mas, 

das  er  in  allen  sachen  weis  wolt  werden 

von  allen  dingen  auf  diser  erden. 

307  Ursprung  GS.  308  allew  G.  309  darnach  so  w.  B.  euch  GD.  nie 
fehlt  G.  312  und  auch  ron  d.  falschen  fr.  G.  313  lieb  gotes  D»  316 
als  uns  der  g.  G.  317  lieb  haben  D.  3 19  gänzlich]  auch  G.  320  herren 
fehlt  S.  hailigen  G.  322  und  auch  pi  G.  325  und  auch  d.  G.  so  fehlt  S. 
326  es  fehlt  GD.  der]  die  D.  der  er  und  lieb  G.  327  mit  fehlt  S.  328 
het  S.  und  auch  m.  G.  330  durch]  auch  GD.  seiner  G.  mich  fehlt  GD. 
332  seinem  G.  i.  s.  ersinnen  im  was  F.  V.  333.  334  fehlen  GD.  334 
sachen  BS. 


12 

335  der  spricht  von  der  gottes  lieb  also: 

„ich  han  stift  heuser,  die  sind  ho, 

und  pflanzt  Weingarten  von  aller  hant 

wild  und  zam,  wie  das  ist  genant, 

und  han  gross  silber  und  golt. 
340  ich  han  vil  volks,  die  da  nement  mein  solt. 

ich  han  auch  liebhaber  von  aller  diet, 

ich  han  herschaft,  ich  han  miet 

von  allem  volk,  wenn  ich  wolt, 

und  wem  ich  wolt,  dem  gab  ich  solt 
345  und  macht  in  ze  ainem  mächtigen  man, 

das  chain  ander  wol  mocht  haben  getan. 

ich  han  chunst  für  jeden  man, 

und  was  doch  chain  ding,  da  ich  gevallen  het  an. 

do  ich  es  in  meiner  gewissen  mas 
350  und  ich  bedacht  ditz  und  das, 

und  das  ich  so  vil  arbait  lait 

in  meiner  grossen  müssichait, 

do  erfand  ich,  das  es  nichtz  nicht  was, 

dann  ain  snöde  vanitas 
355  und  ain  peinung  des  gaistes  gar. 

ich  vand  auch  under  der  sunnen  zwar 

nicht  anders,  dann  ain  snödichait. 

auch  vind  ich  nindert  stätichait, 

neur  der  die  rechte  liebe  hat 
360  zue  gottes  dienst  frue  und  spat. 

ich  pat  oft  got,  das  er  den  tot 

mir  hiet  gesant  in  meiner  not." 

sand  Paulus  spricht,  das  die  weishait 

von  diser  weit  sei  üppichait 

335  der  spricht]  ze  redenD.  bereden G.  336  han  fehlt  F.  stift  fehlt  B. 
han  hüsser  gestiftet  G.  V.  337 — 340  fehlen  B.  337  und  fehl  t  S.  ich 
gephlanzt  han  w.  S.  338  si  sind  S.  339  han  fehlt  F.  han  auch  g.  G. 
340  volk  S.  meinen  S.  mein  fehlt  G.  342  mit  miet  F.  h.  und  ich  haun 
m.  G.  V.  343.  344.  345  fehlen  B.  344  geb.  S.  solt]  gold  G.  Dann 
folgt:  Und  viel  mangem  grossen  sold  G  346  mocht  wol  han  S.  347 
han  auch  k.  G.  ieder  m.  S.  348  wais  FS.  349  meinem  B.  350  ich  auch 
b.  G.  gedacht  F.  353  nicht  fehlt  G.  355  und  auch  G.  356  vind  BF. 
357wannBS.  358  niendert  chain  st.  G.  362  hetBSGD.  363  das  fehlt 
B.  364  sei]  ain  S.  sei  ain  üp.  G. 


13 

365  und  sei  ain  narrhait  gen  der  gottes  gesicht, 

wann  wer  da  wänet  chunnen,  der  chan  ir  nicht. 

Aristotiles  schreibt  in  seinem  puech: 

„ich  cham  nackent  an  ain  tuech, 

recht  als  ain  tor  ane  sin, 
370  und  nackend  var  ich  wider  hin." 

sand  Augustin:  „o  mensch  wie  forschestu 

nach  frid!  ich  wil  dich  leren  nu 

und  geben  gar  ain  nutzen  rat: 

rieht  dein  herz  frue  und  spat 
375  in  die  gottes  lieb  gar  vast. 

tuestu  das,  so  hastu  rast." 

wer  die  üppichait  wil  spehen 

diser  weit,  der  mag  wol  sehen 

das  nimmer  chainer  wirt  geert, 
380  es  mües  der  ander  vor  sein  entert. 

es  mag  auch  chainer  chain  reichturn  han, 

es  mües  ain  ander  mit  armuet  stan. 

als  ist  die  weit  beschaffen  hinz  her 

recht  als  ain  tisch,  wenn  nu  der 
385  ist  bedeckt  mit  ainer  zweheln  gar 

und  die  als  chlain  ist  für  war, 

wenn  ainer  si  zuckt  an  seinen  ort, 

so  mues  der  ander  mangeln  dort. 

also  ze  geleicher  weis  ist  die  weit. 
390  wer  die  rahmet  umb  das  gelt, 

der  wirt  oft  gar  traurig  davon, 

wann  si  nicht  anders  geit  ze  Ion 

dann  eitel  böse  snödichait; 

aber  wer  da  got  lieb  hat, 

365  sei]  auch  G.  sei  fehlt»  D.  geschichtS.  366  wer]  derGD.  ze  kommen 
GD.  der  kennt  nicht  GD.  367  spricht  D.  368  und  spricht  F.  n.  in  an  F. 
nachant  B.  an  alles  t.  G.  369  sunder  sinne  B.  370  nakchant  B  w.  von 
hin  GD.  371  sand  Augustin  fehlt  B.  Augustein  spricht  G.  o  du  m.  FS. 
372  lernen  F.  373  und  geben  fehlt  BSGD.  ainen  BS.  gar  ain  n.  und 
glitten  r.  G.  378  wol  fehlt  F.  381  fehlt  S.  rechtung  F.  383  also  GD. 
disse  G.  hinz]  pisz  GD.  V.  385—672  fehlen  F.  387  zeucht  S.  389 
ist  auch  d.  G.  391  oft  fehlt  G.  392  nichtz  D.  393  den  S.  wenn  G. 
394  da  fehlt  GD. 


14 

395  der  beleibt  alzeit  fröleich. 
wie  er  war,  so  war  er  reich. 

Die  ander  lieb  ist  die  magensehaft, 

die  selb  pirt  sich  von  naturl eicher  craft 

und  die  begirung  haben  wir. 
400  die  selb  pringt  die  natur  zue  ir, 

als  der  da  lieb  hat  seiner  sippe  pluet. 

natur  uns  also  maistern  tuet 

und  darumb  spricht  der  prophet  an  ainer  stat: 

„du  solt  dem  nicht  trawen,  der  da  hat 
405   seinen  freunt  nicht  lieb  und  im  liebschaft  zaigt. 

wann  wie  möcht  der  immer  sein  genaigt, 

das  er  die  frömden  lieb  het?" 

Salomon  der  spricht  an  ainer  stet: 

„alle  wasser,  die  do  sein, 
410  die  chomen  vom  mer  und  gent  auch  drein, 

und  alle  menschen  sein  ertreich 

und  werden  dem  ertreich  wider  gel  eich. 

seider  ich  nu  erchenne  wol 

die  armuet  und  die  trüebsal, 
415  so  lob  ich  mer  die  toten  chint, 

wann  die,  die  do  lebentig  sint. 

es  sein  auch  die  vil  säliger  zwar, 

die  da  nicht  geporen  sein,  das  ist  war, 

wann  die,  die  da  geporen  sint, 
420  wann  die  selben  die  sein  plint, 

wann  sie  sehen  das  übel  nicht, 

das  da  unter  der  sunnen  geschieht." 

zwo  sach  sein  alweg  gar 

wider  einander,  das  ist  war. 

395  belieb  S.  alle  z.  G.  396  war]  ist  D.  er  ist  oder  gaut  so  ist  er  all- 
wegr.  G.  397  mangeschaftGS.  magschaftD.  398  selbigB.  selb  fehlt  D. 
399  begerung  GD.  400  selbig  ß  selb  die  p.  GD.  401  als  do  der  1.  D. 
seiner]  der  GD.  402  also  uns  die  n.  ra.  D.  403  und  fehlt  GD.  404 
trewen  G.  405  nicht  fehlt  G.  freuntschaft  D.  406  wie  fehlt  S.  der] 
er  S.  408  der  fehlt  SD.  an]  in  S.  409  die  do]  wie  die  S.  410  wider  dr. 
G.  und  auch  dr.  D.  genB.  413  i.  dann  nuS.  nun  ich  GD.  414  und  auch 
d.  G.  416  ein  die  fehlt  BS.  lembtigBS.  420  selben  sind  pl.  GSD.  421 
sie]  die  selben  BS.    422  da  fehlt  SD. 


15 

425  das  pös  ist  wider  das  guet  alzeit, 

so  hat  der  tot  mit  dem  leben  streit. 

die  reichait  und  die  tugenthait 

das  freut  das  herz,  als  man   sait; 

aber  über  die  paide  ist 
430  die  lieb  gottes  vaters,  Jesu  Christ. 

wann  das  ist  die  lieb  der  freunde  gotes, 

die  da  wartent  seines  gepotes. 

Die  dritte  lieb  hat  auch  vil  chraft 

als  von  freuntschaft  und  gesellschaft 
435  als  wenn  sich  zwen  verpinten  geren 

zu  ainer  sach,  die  doch  ist  mit  eren 

und  das  die  freuntschaft  des  leibs  bestät 

wirt  auf  ain  ewichait  stät, 

als  do  ain  mensch  ainem  wol  gevelt, 
440  das  er  im  wil  zue  sein  geselt, 

und  das  chumpt  von  sachen  drein. 

das  erst  ist  guettat,  die  man  aim 

hat  erzaigt  zu  aller  stund, 

oder  hoffet  noch  ze  tuen. 
445  die  selbe  lieb  ist  kunterfait 

und  ist  ain  lieb  der  valschait. 

man  mag  es  nicht  haissen  rechte  lieb, 

wann  es  ist  der  liebe  dieb. 

die  ander  sach  wil  ich  eu  sagen, 
450  das  er  wil  die  guettat  seins  freundes    im    herzen  tragen; 

die  dritte  sach  durch  der  guettat, 

die  sein  geselle  an  im  hat 

und  die  der  mensch  mit  im  tauen  wil. 

die  zwo  lieb  sein .  geleiches  spil 

429  über  fehlt  GD.  paidewG.  430  lieb  fehlt  B.  gottes  des  vGD.  431 
431  ist  die  fehlt  G.  435  sich  ainer  yerbint  D.  436  die  da  doch  mit  S. 
die  da  hoch  mit  B.  437  ieibsj  lib  G.  lieb  D.  bestetiget  BS.  438  a.  stät 
ewichait  BS.  440  im  widerum  sein  gevelt  B.  im  wildtun  sein  geselt  S. 
wil  tun  sein  gefeit  GD.  441  das  fehlt  S.  dreien  D.  442  aim]  im  B. 
ainem  D.  444  hoffet]  oft  G.  oft  noch  ist  ze  t.  D.  zu  S.  tuen]  stund  G„ 
446  ist  auch  a.  G.  447  wann  man  B.  lieb  gar  D.  448  das  mag  nicht 
anders  bedeuten  zwar  D.  V.  449 — 509  fehlen  D.  451  durich  S.  452 
die]  das  B.    453  die]  das  G. 


16 

455  und  auch  als  ain  liebeu  freuntschaft, 

als  sand  Thomas  hat  gedacht 

und  bewärt  also:  „in  drein  sachen 

mag  man  liebe  freunte  machen: 

mit  ainem  lautern  herzen  guet 
460  und  das  in  rechter  liebe  tuet; 

das  ander,  das  er  sich  hüeten  sol, 

das  seinem  gesellen  nicht  misseval, 

oder  das  er  im  chainen  schaden  tue. 

und  der  freuntschaft  wird  man  nu 
465  innen  wol  ze  gleicher  weis 

in  drein  sachen,  als  ich  eu  beweis  : 

freunt  eren  in  presencia, 

ze  loben  in  absencia, 

ze  dienen  in  seiner  notdurft  schon," 
470  als  da  spricht  her  Salomon: 

„deinen  trewen  freunten 

darft  du  nicht  sein  gepunten." 

Ofidius  tuet  uns  das  chunt: 

„in  deinem  wolgen  hastu  freunt, 
475  die  dir  alle  volgen  mit  gemain, 

aber  in  deinem  übelgen  beleibstu  allain" 

Aristotiles  lert  ain  hübschen  list : 

„als  vil  der  werkman  grösser  ist, 

als  vil  ist  das  ain  notdurft  gar  wol, 
480  das  man  im  ain  aufenthaltung  tuen  sol 

pilleichen  und  ze  aller  frist. 

so  vil  auch  der  mensch  mächtiger  ist 

und  seiner  fantaseie  scharf, 

dester  mer  er  auch  nur  freunt  bedarf. 
485  es  mag  auch  nieraan  wol  sein  all  ain 

und  darumb  ist  die  sälichait  so  rain 

455  liebe  B.  457  und  also  b.  G.  drei  G.  460  und  auch  daz  G.  461  sich] 
dichS.  462  seinen  SG.  gesell  S.  463  im]anS.  464newG.  466  fehltG. 
472  bedarft  du  G.  seinen  S.  473  uns  auch  d.  G.  474  wolgen  hast  du] 
wolgehabten  G.  vil  fr.  B.  47  7  leret  uns  a,  G.  479  gar  fehlt  G.  480 
auferhaltung  B.  481  pilleich  S  und  auch  z.  G.  482  vil  der  m.  auch  G. 
483  fantasneyeB.  fanthasei  S.  484  nur]  nun  G.  nur  BS.  485  niemantB. 
auch  fehlt  G.   586  und  fehlt  S.  so]  ser  B.  so  fehlt  G. 


17 

der  menschen  hie  nicht  anders  zwar, 

wann  die  gottes  lieb  für  war" 

Tulius  hat  gesprochen  das : 
490  „fiier  ain  mensch  gen  himel  an  underlas, 

und  säch  da  die  schönhait,  gottes  wunne 

und  den  schein  der  claren  sunne, 

den  mon  mit  der  steren  krei 

und  der  engel  ierarchei 
495  und  alle  ander  schönhait  gar, 

die  der  himel  hat  für  war, 

und  chäm  denn  wider  auf  die  erd, 

es  deucht  in  alles  unwerd, 

solt  er  mit  leuten  reden  nicht, 
500   neur  mit  im  allain,  es  war  im  enwicht" 

Plato  lert  uns  in  seinem  puech: 

„ee  das  du  aiuen  lieb  habest,  so  versuech, 

und  wenn  du  das  hast  getan, 

so  hab  in  lieb  an  argen  wan 
505  mit  lauterm  herzen,  mit  ganzer  chraft." 

auch  spricht  er  von  der  freuntschaft, 

die  man  da  hat  mit  pösen  leuten, 

das  mag  nicht  anders  zwar  beteuten, 

wann  eitel  pöse  von  vil  Sachen. 
510  das  guote  pricht  sich  durch  der  swachen 

gesellschaft  des  pösen  ze  aller  zeit, 

und  das  pös  wirt  guet  an  widerstreit, 

wann  es  nimpt  im  den  pösen  leumunt  ab, 

wenn  er  sich  also  gesellet  hab 
515  mit  ainem  erbären  man, 

der  pesser  ist,  denn  er  getan. 

Die  vierde  lieb  die  ist  so  guet, 
das  si  inwendig  ain  gros  gemuet 
hat,  das  haist  man  liepleichait 

491  sach  B.  493  maune  G.  Sternen  G.  494  und  auch  d.  G.  495  allen 
andern  G.  500  es  war  im  enwichtj  waz  solt  das  ichfc  G.  501  uns  daz  i.  G. 
503  und]  nu  BS.  du  denn  d.  SG.  506  sprach  S.  508  ander  G.  510  der] 
die  G.  513  leutten  G.  517  lieb  ist  SG.  519  man]  wan  S.  man  die  1.  G. 
Zin^erle,  Yintler.  2 


18 

520  oder  ain  liebe  verständichait, 

die  nimpt  von  drein  Sachen  sprung. 

die  erste  lieb  die  ist  begirung, 

recht  als  der  man  lieb  hat  die  frawen 

neur  allain  durch  lustes  prawen, 
525  das  der  man  von  ir  wolt  haben, 

und  sich  seins  lustes  wolt  entladen, 

als  auch  tuet  der  maist  tail  zwar 

aller  menschen,  und  die  lustichait  gar 

chumpt  allez  von  leibleicher  lustichait 
530  nach  dem,  als  sand  Thomas  sait 

und  bewärt,  das  chaineriai  zung 

müg  lieb  gesein  an  ain  hoffnung 

ze  haben  etwas  guetes  aldo, 

und  chumpt  doch  etleich  zeit  also, 
535  das  es  pös  ist  und  unfruet, 

aber  nach  seinem  ge Valien  ist  es  guet 

also  muesz  in  ainer  iegleichen  liebe  sein 

aintweders  wollust  oder  pein, 

es  sei  in  der  leipliclien  vernunftichait 
540  leipleich  lieb  chumpt,  als  man  sait, 

von  den  fünf  anvahenden  sinnen 

des  leibes,  als  euch  mein  stimme 

vormal  da  oben  hat  gesait. 

die  lieb  der  edeln  vernunftichait 
545  chumpt  von  iatrachtung  der  Vernunft, 

wann  die  hat  vil  list  in  irer  chunst, 

und  das  selb  chumpt  alles  dar 

von  dem  greifen,  das  ist  war, 

als  sand  Thomas  gesprochen  hat, 
550  das  aller  lust  an  der  liebe  stat. 

wann  die  begirung  enpfacht  die  liebleichait, 

daraus  macht  si  ir  dann  ain  lustichait. 

520  liebew  S.  521  Ursprung  G.  522  lieb  ist  SG.  526  entlagen  S.  528 
und  auch  d.  G.  529  liebleicher  S.  V.  530— 55  2  fehlen  S.  530  sanctus 
G.  534  doch  fehlt  G.  535  und  auch  u.  G.  536  g.  so  i.  B.  537  mues 
es  in  B.  539  in  leiplicher  G.  540  liebleich  B.  541  annahenden  B.  an- 
fechtenden G.  542  stimmen  B.  544  edeln]  rechten  G.  545  von  der  B. 
eintrachtung  G.    547  selbig  B.    549  Th.  der  lerer  g.  G. 


19 

iedoch  genüegt  si  sich  nicht  daran, 

an  dem  vernünftigen  lust  ze  han, 
555  und  muesz  dann  lassen  ain  grosses  ding 

vor  aines  clainen  urspring, 

wann  der  man  nicht  anders  achtet, 

neur  das  sein  wille  alzeit  trachtet, 

das  sein  wölkst  neur  für  sich  gee, 
560  nicht  das  er  an  sech  der  frawen  er, 

das  er  die  von  lieb  hab  als  lieb  gehabt, 

neur  das  er  sich  seins  willen  sat 

ze  gleicher  weise,  als  das  vich. 

darumb  mag  man  es  haissen  nicht 
565   aigenleich  ain  rechte  lieb, 

wann  es  ist  der  lieb  hinschieb. 

Aristotiles  spricht  auch  da  pei, 

das  die  lieb  nicht  anders  sei, 

was  das  ist,  das  der  mensch  lieb  hat, 
570  das  das  sei  in  rechter  guettat 

und  nicht  von  chainer  fleisch I eichen  begir, 

wann  das  ist  verpoten  dir, 

und  solt  auch  der  andern  menschen  leben 

lieb  haben  von  iren  wegen, 
575  und  hab  si  auch  lieb  durch  ir  guethait 

und  nicht  von  fleischleicher  nutzperchait, 

und  darumb  der  also  spricht,  das  er 

die  frawen  lieb  hab  durch  der 

guettat  willen,'  die  si  soll  haben, 
580  der  wil  sich  neur  seins  lustes  laben, 

und  ain  soleich  lieb  die  ist  also 

ain  begirung,  davon  mag  man  do 

wol  sprechen,  im  sei  das  herz  entzogen. 

der  liebhaber  mag  nicht  gelogen, 
585  wann  in  seinem  sinne  mag  man  nicht 

556  Ursprung  S.  557  anders  nicht  a.  G.  acht  B.  561  gehabt]  habt  G. 
562  er  fehlt  G.  563  recht  ze  gl.  B.  als  die  sich  G.  565  aigenlichen  S. 
567  auch  fehlt  S.  569  was]  das  G.  mensche  B.  570  sy  ain  rechtew  g. 
G.  571  falschlicher  G.  576  falschlicher  G.  nutzperichait  B.  577  also] 
da  G.    581   und  auch  sölliche  G.  solch  S.  die  fehlt  SG. 

2* 


20 


nimmer  erfüllen  sein  gesicht. 
auch  mag  man  an  im  erchennen  wol, 
das  er  ist  alzeit  vorchte  vol, 
so  muesz  er  auch  laugen  ze  aller  zeit 
590  der  sache,  die  im  liebe  geit. 
auch  muesz  er  oft  zitternt  stan 
vor  dem  snellen  gesicht,  daz  er  muesz  han. 
im  ist  gar  eng  mit  seiner  lieb  alsus, 
wann  er  ist  in  stätichleicher  gedenknus 
595  von  der  liebe,  die  er  hat. 

sein  herz  hat  ain  vorchtsamleiche  stat, 
er  slaffet  wenig  und  isst  nimmer  gnueg. 
er  hat  auch  nimmer  ainen  stäten  muet 
von  den  gedenken,  die  er  hat  ze  aller  zeit, 
600  als  uns  Ermes  des  ain  urchunt  geit, 
das  chain  dienst  also  groz  sei, 
als  ain  chnecht,  der  da  der  minne  pei 
ist  alzeit  tag  und  nacht. 
Plato  hat  es  auch  pedacht 
605  und  spricht,  das  die  lieb  nicht  hab  äugen, 
davon  so  ist  es  ane  laugen, 
das  ain  so  getane  liepleichait 
nicht  anders  ist,  dann  ain  laster  prait 
und  ain  hässichait  nach  der  regel 
610  und  ain  model  der  narren  tegel, 

wann  seine  äugen  seind  alweg  in  forchten  zwar 
und  sein  gedank  und  red  ist  alweg  gar 
von  der  lieb  der  begirlichait. 
das  ist  gar  ain  grosser  tadel  gerait 
615  der  rechten  lieb  und  ain  geteusch, 
wann  ez  ist  ain  laster  der  uncheusch, 
sand  Thomas  spricht  auch  davon: 


587  an  feh  It  S.  588  alzeit  ist  v.  G.  589  luegen  G.  590  die]  das  BG. 
591  zitteren  S.  zittren  G.  592  geschieht  S.  596  ffechsamleiche  S.  597 
sleft  S.  600  als  das  uns  des  E.  B.  als  das  E.  uns  des  S.  als  der  Hermo- 
gines  G.  606  davon  ist  daz  aun  alles  G.  607  also  G.  608  dann  fehlt 
S.  ain  fehlt  G.  609  hässichait  fehlt  S.  hassimkait  G.  610  und  auch 
a.  G.    611   seind  fehlt  SG.     612  und  auch  s.  G.  red  fehlt  G. 


21 

„ain  iegleich  gemüet,  wie  daz  ist  getan, 

es  sei  junk  oder  alt, 
620  oder  wie  der  mensch  sei  gestalt, 

der  begert  alweg  in  seinem  muet 

lieb  haben  die  ding,  die  da  guet 

sein  und  schön  und  minnichleich, 

er  sei  denn  ain  narr  naturleich. 
625   dem  selben  gevallent  nimmer  nicht 

die  gueten  schönen  ding,  die  er  sieht, 

wann  si  machent  im  chain  lustperchait, 

noch  chain  solich  gedank  tuet  im  lait 

nach  fleischlicher  pegir  nicht." 
630  sand  Bernhart  der  spricht, 

das  die  selb  lieb  nicht  anders  sei, 

denn  ain  vercherung  der  narrenchrei, 

als  si  das  auch  wol  erzaigen 

in  allen  iren  werken,  die  sie  naigen 
635  neur  alzeit  auf  so  getane  sach, 

wann  guete  ding,  die  sein  in  swach. 

Die  fünft  lieb  ist  von  maugerlei  figur, 

als  si  maistert  die  natur, 

wann  die  natur  ist  gar  reich, 
640  das  ain  iegleich  geleich  hat  lieb  sein  geleich, 

wann  in  der  natur  bewärt  es  sich, 

das  man  lieb  hat  seinen  geleich 

aintweders  mit  leiplicher  formichait 

oder  von  natur  oder  von  gewonhait 
645  geleicher  weis  und  in  dem  muet, 

als  das  vich  und  der  narr  tuet 

das  ding,  das  er  lieb  hat  also, 

618  igleichB.  623  sein  schön  B.  und  auch  seh.  G.  624  dann  BS.  625  d. 
selbigen  dem  g.  B.  gevellt  BSG.  626  guete  SG.  schöne  GW.  627  lust- 
perichait  B.  628  chain  fehlt  G.  soleich  B.  solch  S.  gedenk  S.  tuend  G. 
im  nicht  lait  B.  631  selbig  B.  632  dann  B.  wenn  G.  633  auch  das  w. 
G.  634  si  fehlt  G.  636  sind  S.  im  W.  637  ist  fehlt  G.  manigerlaiB. 
638  seiS.  639  gar]  so  B.  640  geleich  lieb  hab  s.  g.  S.  i.  glich  lieb  hafcG. 
hat  fehlt  B.  V.  641  und  642  fehlen  S.    643  antwederS.    647  hab  G. 


22 

nicht,  das  er  welle  welen  do 

chain  grophait  oder  lustichait, 
650  neur  als  vil  als  im  die  natur  rait. 

des  mag  man  ain  ebenpild  wol  nemen 

pei  den  voglein,  die  sich  senen, 

und  pei  andern  tieren  wild, 

die  da  habent  etleich  vernünftig  pild. 
655   wann  si  haben  etleich  verstäutnus, 

das   si  sich  alle  gesellen  alsus 

und  haben  auch  darin  wollust  und  pein 

mit  iren  gesellen,  wa  si  sein, 

und  doch  an  flaischleich  lustichait. 
660  es  ist  auch  chain  tier  so  gemait, 

es  ziech  sich  alweg  ane  wan 

zue  seiner  natur,  wa  es  chan; 

und  alle  menschen  auf  diser  erden, 

die  geschepht  sein  under  ainem  steren, 
665  das  geit  die  natur  in  ein, 

das  si  alweg  ainander  holt  sein 

und  gevelt  alweg  ains  dem  andern  schon. 

das  macht,  das  si  under  ainer  complexion 

sein  gemacht  in  ainer  ainung 
670  und  darumb  ain  iegleich  liebhabung 

muesz  sein,  die  im  liebe  macht, 

und  die  geleichnus  wirt  pracht 

aus  der  Schöpfung  der  steren, 

wann  alle  hantwerker  haben  geren 
675  lieb  anainander  mit  ir  chraft, 

das  selb  chumpt  von  der  maisterschaft 
•    das  merer  tail  oder  von  dem  lob, 

das  der  ander  maister  an  im  hab 

648  wolteB.  wellen  G.  650  in  BG.  sait  BG.  jait  S.  651  des]  das  S.  652 
voglen  G.  653  und  fehlt  G.  655  rerstantnus  BS.  656  alle  fehlen  G. 
658  wo  S.  659  doch]  auch  G.  an]  ain  W.  auf  G.  661  alweg  fehlt  G. 
662  zue]  in  S.  wa]  wie  S.  663  allen  G.  664  geschept  W.  gescheph  S. 
666  an  ainander  S.  anainder  B.  667  gewellt  W.  alweg  fehlt  G.  schon] 
wol  G.  669  ainSG.  670  fehlt  G.igleichB.  iegleicheS.  674  antwericher 
B.  antwerkerS.  675  an  fehlt  D.  676  selbig  B.  der  fehlt  F,  der]  ir  G. 
irer  D    677  raeror  F.  mere  G.  678  maister]  tail  F.  ane  hub  G.  anhübe D. 


23 

oder  etwenn  von  nasses  wegen, 
680  und  der  selb  neid  wird  nimmer  gelegen, 

wie  wol  si  in  ainer  complexion  sein. 

wann  si  haben  gar  vil  inval  drein, 

das  die  natür  würchet  an  in. 

wann  alle  menschen,  wie  die  sein, 
685   die  haben  ee  lieb  iren  nutz  allain 

wann  indert  aines  menschen  chain. 

und  darumb,  der  da  also  spricht, 

das  er  die  frawe%i  lieb  hab  umb  nicht 

anders,  dann  das  er  lig  pei  ir, 
690  die  selben  laichent  si,  das  gelaubet  mir, 

als  ich  es  da  vor  gesprochen  han. 

Tulius  spricht  auch  davon, 

der  die  volchomne  liebe  misst, 

die  sei  nit  anders,  denn  das  man  ist 
695  freunt  lieb  haben  also 

nicht  von  notung,  noch  von  dro, 

nicht  von  vorcht,  noch  von  chaim  pösen  list, 

als  das  der  mensch  oft  wartend  ist; 

wann  es  ist  gar  vil  nutzperchait 
700  in  der  vernü fügen  lustichait, 

die  von  der  liebe  also  chumpt." 

Plato  spricht:   „ob  du  freunt 

wilt  wol  erchennen,  so  1er  ich  dich: 

wer  dir  geleich  sei,  an  den  sich, 
705   das  du  in  treulich  lieb  habest 

an  allen  valsch  und  in  begäbest." 

679  etwenn  fehlt  F.  hasses]  haissern  S.  680  selbig  B.  neid  fehlt  S. 
nimmer  mer  GD.  geligen  F.  682  sew  F.  einvell  GD.  gar  fehlt  D.  683 
das]  als  S.  684  all  di  W.  685  ee]  er  F.  ir  W.  686  wan]  dann  F.  von 
B.  w.  chains  andern  WBSGD.  dehain  WB.  687  da  fehlt  SG.  689  dann 
fehlt  W.  690  sie]  sich  WD.  sei  G.  691  es]  auchG.  ich  davon  geschriben 
D.  693  volkumne  S.  volkumen  G.  694  das  si  nicht  a.  s.  F.  695  liebhaben 
freunt  a.  B.  696  notturft  D.  nicht  WBSG.  697  noch  pösemBSGD.  chaim 
fehlt  W.  698  das]  des  GD.  da  oft  GD.  699  ist  fehlt  S.  nutzperichait 
BS.  700  lustperkait  F.  701  liebste  B.  davon  der  liebe  a.D.  705  das] 
ob  GD.  so  wart  das  du  F.  das  du]  und  W.  getreuIeichF.  706  und  auch 
in  G. 


24 

Und  darumb  wil  ich  den  zarten  frawen, 

die  disen  formung  iu  tugenden  pawen, 

in  ze  lieb  und  auch  ze  rest 
710  ir  chempfe  ze  sein,  so  ich  allerpest 

chan,  und  ir  beschirmer  sein 

gen  mänikleich,  der  da  spricht  von  in, 

iedoch  so  wil  ich  chünden  von  in 

etleich  auslegung  der  heiligen  sin, 
715  die  da  haben  gesprochen  gar  wol 

von  den  frawen.  darnach  sol     , 

ich  her  für  pringen  die, 

die  den  frawen  sprachen  übel  hie, 

nnd  am  lesten  wil  ich  doch 
720  die  beweisung  sagen  noch 

und  machen  ain  war  erlösung, 

das  man  sneid  den  valschen  ire  zung 

aus,  die  den  frawen  übel  gesprochen  haben. 

die  guettat  der  frawen  wil  ich  sagen, 
725  als  ich  das  immer  peste  chan. 

Salomon  spricht  auch  davon  : 

„wer  do  vindt  das  guet  weib,  der  geud, 

wann  er  vindet  alle  freud. 

das  guet  weib  treibt  von  ir  all  poshait." 
730  Salomon  hat  uns  auch  mer  gesait : 

„das  weib,  das  iren  man  hat  schon, 

die  ist  des  mannes  höchste  chron: 

wann  si  ordent  das  haus  uud  macht  reichtum, 

si  ist  ain  gemahel  gottes  sun, 
735  si  freut  ir  freunt  an  allem  ort. 

got  der  hat  den  selben  hört 

gesant,  ich  main  das  weise  weib. 

708  dissew  G.  tugent  G.  709  auch  fehlt  FG.  rechst  F.  rast  G.  in  lieb 
und  in  rast  D.  710  chempfer  FGD.  aller  fehlt  WS.  712  gen]  von  S. 
meniglichem  D.  der  fehlt  F.  übel  spricht  F.  spricht  fehlt  WBSGD.  in] 
ein  GD.  713  fehlt  FSG.  iedoch]  sagen  tut  D.  717  ich  fehl  t  G.  718 
übel  sprechen  S.  sprechen  FG.  719  so  wil  FS.  720  weissung  W.  721 
war]  wider  WBSFD.  722  ir  WBS.  725  das  fehlt  G.  pest  F.  727  do 
fehlt  GD.  729  treib  von  aller  F.  treib  S.  730  mer  fehlt  G.  733  ordnet 
G.  reichtung  W.  734  ain  fehlt  G.  gemehel  S.    735  erfreut  F. 


25 

die  selben  weib  sein  laidvertreib, 

wann  si  pringen  das  haus  alles  wider, 
740  aber  die  torocht  truckt  es  nider. 

des  wil  ich  euch  ain  geleichnus  geben : 

recht  als  der  mensch  nicht  mag  geleben 

in  diser  weit  an  chainen  enden 

ane  die  vier  elementen, 
745  also  wenig  so  mag  man 

an  das  weib  nicht  leben  han. 

darumb  so  ist  notdurft  zwar, 

das  man  das  weib  setze  dar 

an  des  fünften  elementen  stat. 
750  ob  man  des  weibes  nicht  enhat, 

so  mues  die  weit  verderben  gar 

von  dem  alter,   das  ist  war." 

Salomon  tuet  uns  das  chunt: 

„durch  das  weib  ward  getan  die  erste  sund, 
755  und  durch  si  so  sterben  wir." 

Salomon  spricht  darnach  schier: 

„von  tausent  mannen  ainen 

vand  ich  ainen  gueten  rainen, 

aber  von  allen  den  frawen 
760  so  mag  ich  chainer  nicht  getrawen. 

du  solt  nicht  wonung  bei  den  frawen  haben, 

wann  von  dem  gewant  pern  sich  die  schaben, 

und  von  den  frawen  pirt  sich  das  unrecht  gar." 

„noch  ist  pesser  die  ungerechtichait  für  war, 
765  und  ob  die  frau  soit  herschaft  han, 

so  tat  si  gar  vil   übel  irem  man." 

Salomon  spricht:   „dreu  ding  treiben  aus 

den  hauswirt  aus  seinem  haus  : 

739pringetF.  alles  fehlt  W.  740  torhait  S.  torotewF.  toretD.  t.  die  G. 
741  euch  fehlt  F.  eu  B.  742  leben  WBS.  744  an  WBS.  vir  WS.  745 
so  fehlt  FS  7  17  notturftig  GD.  748  weibe  S.  749  der  WFSD.  fünfte 
elementz  G.  750  enacht  G.  751  müst  WBS.  verderben]  werden  F.  753 
uns  auch  das  F.  755  so  fehlt  G.  756  gar  schir  F.  759  den  fehl t  G. 
760  nicht  fehlt  FG.  761  nitWB.  762  wann  fehlt  F.  763  und  fehlt 
F.  sich  fehlt  WBSGI).  764  poser  F.  posser  S.  unrechtikait  SD.  765 
frawen  F.    766  vil  fehlt  F.  übel  fehlt  B.  Übels  G.  an  irem  F. 


26 

das   übel  gedeckte  dach 
770  und  das  pöse  weib  swach 

und  der  rauch,  wann  der  über  hant  gat." 
.   Ipocras  auch  gesprochen  hat: 

„ich  sach  ain  weib  fewer  tragen, 

da  was  das  vil  prünstiger,  hör  ich  sagen, 
775  das  da  trueg,  denn  das  getragen  wTart." 

Salomon  spricht  auf  der  vart 

von  ain  er,  die  was  siech  gar  vast, 

auf  ainem  pette  het  si  ir  rast: 

„hie  leit  das  pöse  auf  dem  pösen, 
780  wer  mag  ir  wunder  gar  erlösen?" 

Salustius  auch  von  ainer  spricht, 

von  ainer,  die  lert  nemen  gift 

von  der  nater  und  hab  erchant, 

das  verchert  sich  in  die  gift  des  tarant. 
785  Salomon  spricht:  „etwevil  weib  Hessen  sich  schawen 

die  wainten  alle  umb  ain  toten  frawen : 

„ei,  du  pöses,  wie  du  betrüebet  pist 

von  dem  pösen,  das  da  verloren  ist." 

Plato  der  hoch  maister  wert 
790  spricht  von  ainer,  die  do  schreiben  lert: 

„nicht  mer  das  pöse  mit  dem  pösen!" 

die  wäre  entpintung  wil  ich  lösen, 

das  man  es  offenleich  mag  sehen. 

was  pöses  von  weiben  ist  geschehen, 
795  das  cham  alles  von  Adam  uud  Eva, 

das  wider  pracht  uns  Maria. 

sand  Augustin  spricht  auch  das, 

769  deckte  G.  771  wenn  G.  V.  772  —  788  fehlen  B.  772  J.  daz  auch  G. 
774  do  ward  D.  775  denn]  wan  FS.  das  da  g.  S.  getragen]  da  tragen  G. 
776  Saloman  W.  der]  die  G.  778  ir  fehlt  G.  780  erlesen  FG.  V.  781 
— 84  fehlen  D.  782  lernet  G.  lert  da  n.  S.  nemmen  F.  783  von  der] 
und  die  GS.  n.  hab  er  erchant  F.  784  und  daz  G.  die]  disse  G.  torant  F. 
785  sagt:  viel  weib  teten  sich  D.  lassen  W.  sich  sechen  und  seh.  G.  786 
wann  die  WS.  tote  WS.  7S7  eya  G.  wie]  weib  FD.  du  so  b.  WS.  788 
do  S.    791  rne  W.  792  enpintungBS.  enpfindung  GD.  lesen  G.  auflösen  D. 

793  man  es  mag  offen! eich  s.  B.  offenleichen  S.  o.  wo!  mag  G.  gesechenFD. 

794  besehenen B.  795  und  von  E.  S.  und  auch  von  G.  796  prachS.  uns] 
die  junkfraw  G.     797  sprach  S. 


27 

das  chain  ding  nie  was 

noch  nimmer  wirt  auf  diser  erde,    . 
.800  das  da  pesser  und  pöser  werde, 

dann  ain  weib,  als  man  list, 

und  die  widerwärtichait  die  ist 

ze  versten  neur  von  der  pösen  frawen. 

das  mag  man  offenleichen  sohawen, 
805   wann  es  ist  dariinib  nicht, 

das  das  Salomon  also  spricht, 

das  er  nie  chain  guet  hab  fnndeu. 

ir  ist  doch  vil  ze  disen  stunden, 

und  ob  er  ir  dann  nicht  fanden  hat, 
810  so  seind  ir  doch  vil  ane  missetat. 

ir  seind  auch  vil,  die  si  runden  haben. 

so  mag  er  auch  das  nicht  gesagen, 

wann  es  sein  vor  und  nach  sein 

gewesen  zarte  frawen  rain. 
815  doch  ist  nit  dürft,  das  ich  sie  nenne, 

wann  es  ist  ain  offen  bechenne, 

und  mit  seinem  urlaub  sprich  ich  das, 

das  er  das  sprach  in  ainem  rechten  has, 

das  chain  guete  frau  sei  gewesen. 
820  nu  mag  man  doch  offenleichen  lesen, 

der  do  liset  seine  tat, 

das  er  das  in  ainem  zorn  gesprochen  hat. 

Man  vindt  doch  in  der  alten  schritt, 
do  Salomon  den  tempel  stift, 
825   das  in  zwang  ain  schwarze  haidenin. 

798  dink  W.  auch  nie  S.  799  nimmer  mer  F:  800  pesserd  W.  pössert 
W.  801  den  W.  802  die  atlweg  widerwertig  ist  G.  widerwertig  ist  D. 
803  weiber  S.  805  ist  fehlt  F.  807  guet]  trewGD.  befunden  D.  808 
zue  WFGD.  diser  F.  809  —  816  fehlen  B.  809  denn  W.  gefunden  GD 
810  doch]  noch  GD.  811  gefunden  GD.  812  des  W.  das  fehlt  GD.  813 
wan]  (der  WS.  wenn  es  vor  sein  F.  sein  vor  sein  S.  sei  vor  sein  oder  nach 
sein  G.  und]  oder  D.  814  so  seind  gewesen  fr.  F.  vein  S.  815  ist  es  D. 
dürft]  notGD.  816  bekchennen  S.  817  urlab  F.  ich  fehlt  G.  820  nunF. 
nun  wir  doch  D.  offenbar  GD.  821  der  der  da  F.  822  er  es  in  GD.  V. 
823  —  843  fehlen  B.  geschrift  GD.  fristWS.  823  doch  fehlt  D.  825 
in  do  z.  F.  haidin  G.  heidynn  D. 


-  28 

durch  der  selben  willen  verlos  er  sein  sin, 

das  er  gotes  verlaugent  damit, 

wann  er  pett  di  abgötter  an  nach  irem  sit. 

auch  pracht  si  in  so  gar  von  sinnen, 
830  das  er  ir  muest  lernen  spinnen 

und  muest  auch  tragen  frawen  gewant, 

das  er  für  ain  dieren  wurd  ercbant. 

also  gieng  si  mit  im  umbe 

und  davon  wil  ich,  das  er  darumbe 
835  das  hab  gesprochen  von  zorens  wegen, 

das  chain  gueteu  frau  sull  leben. 

wer  wil  aber  alle  übel  sagen, 

die  di  frawen  an  in  haben, 

so  haben  si  auch  vil  guettat, 
840  das  sich  wol  erfindt  an  maniger  stat. 

so  seind  auch  ietz  gar  wenig  man, 

oder  si  haben  auch  tadel  etwan. 

was  narr  und  tor  ist  nun  der, 

der  do  sieht  ain  schön  weib  her, 
845  die  im  geit  freud  und  hohen  muet, 

und  redt  von  ir  dann  unguet. 

warleich  es  war  vil  pesser, 

das  da  ain  hübsches  sweigen  war. 

Von  der  tugent  der  lieb  list  man  das, 
850  das  ze  Rom  ain  chünig  was, 
der  Dionisius  was  genant, 
für  den  pracht  man  zehant 

826  vlos  S.  827  verlaugnet  GSD.  828  pettot  F.  pettet  G.  petet  SD. 
und  auch  nach  G.  noch  ire  W.  sitten  S.  829  in  fehlt  W.  seinen  s.S.  830 
leren  S.  831  tragen  fehlt  D.  832  diernen  G.  dienerin  D.  833  im  fehlt 
S.  834  davon]  darumbFSD.  so  wil  S.  er  es  d.GD.  Hrumme  SD.  836  gute 
WSGD.  sollen  S.  sol  F.  soll  G.  sülle  D.  837  allen G.  838  die]  dasWSGD. 
839  si]  sich  W.  840  erfuendt  W.  erfindet  GD.  menger  G.  841  sind  FS. 
842  etswan  WS.  843  und  auch  tor  G.  nur  W.  8.44  do  fehlt  WS.  nun 
ain  F.  schön  fehlt  GD.  her]  kertG.  845  und  auch  G.  846  redt  dann  von 
ir  FD.  847  vil  pesser  es  war  G.  848  do  S.  hübsch  WSGD.  war]  mer  D. 
V.  849 — 958  fehlen  B.  850  zu  S.  ram  W.  851  der  was  F. 
genampt  G. 


29 


ain  weil),  die  hiez  Physoia. 

der  selben  frawen  wolt  man  da 
855  das  haubt  haben  ab  geslagen. 

si  sprach:  „her  chünig,  nu  lat  euch  sagen, 

wann  ich  beger  an  ewer  gnad, 

das  ich  mir  acht  tag  zil  hab, 

so  wil  ich  hin  haim  in  mein  haus 
860  und  wii  da  mein  dink  richten  aus." 

der  chünig  sprach  in  schimpf  also, 

er  wolt  es  tuen,  mocht  si  im  do 

aiu  guet  sicherhait  gegeben : 

ob  si  also  nit  gar  eben 
865  auf  das  selbe  zil  chäm, 

das  man  dem  purgen  das  haupt  näm. 

Physoia  die  schickt  do  alzehant 

nach  ainem,  der  was  Amore -genant. 

den  selben  het  si  aus  erlesen 
870  für  all  die  weit  in  irem  wesen. 

si  sprach:  „Amore,  ich  pitte  dich, 

das  du  dich  hie  stellest  für  mich, 

wann  ich  mues  ee  richten  mein  ding." 

der  chünig  sprach  do  zue  dem  jungeling: 
875   „Amore,  ich  wil  dir  das  hie  sagen 

chumpt  Physoia  nicht  in  acht  tagen, 

so  wirt  dir  zwar  dein  haupt  genomen, 

und  sol  Physoia  nicht  auf  das  zil  wider  choinen." 

iedoch  versprach  Amore  der  rain. 
880   Physoia  die  gieng  hin  haim 

und  richtet  aus  alles  ir  ding. 


853  die  fehlt  S.  —  G.  liest  immer  Visaya;  D.  Fysaia.  856  ew  S.  sp. 
lieber  her  G.  857  wann  fehlt  W.  genad  vil  D.  858  mir]  von  euch  GD. 
hab  zil  D.  859  hin  fehlt  G.  860  da  fehlt  WS.  daj  auchG.  861  eh.  der 
sprach  G.  in]  ich  GD.  862  macht  F.  863  geben  WGD.  866  dem]  den 
WSD.  purgen  den  das  W.  dan  das  S.  867  die  fehlt  G.  do  al]  alldan  G. 
868  der  was  fehlt  D.  der  was]  das  G.  869  si  ir  aus  erchorn  F.  870  die 
fehlt  F.  871  ich  pit,  Amore,  dich  F.  873  dinkch  S.  874  eh.  der  spr.  G. 
do  fehlt  S.  iungklinkch  S.  877  zwar  fehlt  WSG.  878  auf  das  zil  nit 
her  wider  GD.  auf  dy  zeit  nit  W.  880  gieng  da  hin  G.  881  r.  da  wol 
aus  ir  d.  G. 


30 

iederman  spottet  des  jimgeling, 

das  er  als  närrisch  het  getan, 

Physoia  die  wurd  in  lassen  verstau. 
885  aber  Amore  der  wag  es  gar  ring, 

wann  er  west  wol,  das  sein  freundin 

in  nicht  liez  in  solcher  not, 

wann  si  lag  ee  tausend  tode  tot. 

und  do  das  zil  her  zue  nu  chaui, 
890  do  cham  Physoia  und  liez  Amore  gan, 

als  si  im  vor  verhaissen  het. 

das  sach  der  chünig  an  der  stet, 

das  die  ganze  liebe  wa^  in  in. 

do  liez  er  erwaichen  seinen  sin, 
895  das  er  in  all  ir  schuld  vergab, 

darumb  das  ain  solich  lieb  uit  ab 

solt  also  von  trewen  verderben, 

und  also  wendet  Amore  Physoia  ir  sterben. 

Ich  han  gelesen  in  ainer  coronica, 
900  das  in  der  stat  Syracusa 

der  ganze  povel,  der  da  was, 

die  chomen  alle  auf  des  chünigs  palas 

und  toten  darin  iederman, 

gross  und  chlain,  was  si  chomen  an. 
905   darnach  ward  den  mordern   bechant, 

das  des  chünigs  tochter  Armoniam  genant 

wäre  noch  nicht  von  in  tot, 

wann  si  war  entpflochen  der  mortleichen  not. 

do  suechten  si  die  greuleichen  morder. 
910  do  gewan  Armoniam  junkfrau  so  grosse  swär 

883  also  G.  884  in  da  LG.  885  gar  fehlt  W.  886  daz  in  seiuGD.  887 
sölicher  W.  888  läge  t.  F.  laid  ee  tausentstund  tode  tot  S.  litte  GD.  töde 
GD.  889  do  fehlt  FS.  herzue  nu]  nun  her  GD  890  1.  den  A.  G.  891 
vor  fehlt  F.  894  er  feh  i  t  S.  895  all  ir]  alle  WG.  897  wolt  G.  898 
wendet  fehlt  G.  errat  D.  V.  899  —947  'fehlen  im  ital.  Originale  und 
in  F.,  jedoch  hat  F.  bl.  23  b.  ein  darauf  bezüglichem  Bild.  900  SyracustaS. 
903  t.  auch  d.  G.  904  und  was  s.  GD.  906  Arornoma  G.  908  war  allain 
enpfl.  G.  der  mortleichen  not  fehlt  G,  in  grosser  notD.  mortleich  S.  910 
Armonia  die  i    gross  G.  so  fehlt  D.  groz  W. 


31 


und  als  gros  trüebsal,  als  man  sait, 

das  si  leget  an  Armoniam  chlait 

und  gieng  willikleich  hin  für 

zue  den  mordern  für  die  tür, 
915  und  sprach:  „ich  pin  Armoniam 

geporn  aus  chünikleichem  stam; 

davon  so  solt  ir  töten  mich." 

do  wart  ir  getan  vil  manig  stich, 

daz  si  ir  werdes  leben  da  verlos. 
920  und  do  sach  Armoniam  die  trewe  gros, 

die  ir  junkfrau  het  an  ir, 

do  gedacht  si  des:   „nu  zweu  solt  mir 

leib,  guet  oder  leben, 

seit  sich  mein  junkfrau  hat  gegeben 
925   willichleich  für  mich  in  den  tot? 

des  leid  ich  auch  pilleich  die  selben  not, 

wann  ich  ir  ie  ir  trewe  gelten  wil." 

hie  mit  so  rueft  si  vast  und  vil 

mit  ainem  h erzen welichen  muet 
930  „o  ir  morder,  ir  habt  das  unschuldig  pluet 

so  gar  unschuldichleichen  getötet. 

wie  habt  ir  euch  so  gar  verschrotet! 

wann  ich  pin  selber  des  chünigs  chint. 

wie  sein  ewer  äugen  so  plint, 
935  das  ir  nicht  erchant  des  chünigs  fruchtf 

o  ir  morder,  was  habt  ir  Unzucht 

pegangen  an  meiner  junkfrawen  zier!"' 

hiemit  wart  ir  das  leben  schier 

von  den  mordern  genomen. 
940  also  chunt  si  ir  junkfrawen  mit  trewen  Ionen. 


911  trubsayl  S.  912  Armoniam]  ir  junkfrawen  S.  ir  junkfrewlich  GD. 
913  g.  auch  w.  G.  her  f.  GD.  917  so  solt]  send  G.  darvon  sullefc  D.  918 
menger  G.  manger  D.  920  und  doch  sach  A.  S.  da  Armenia  sach  GD.  922 
scholt  ir  S.  si  ir  des  im  zwar  s.  G.  zweu  fehlt  D.  923  lieb  S.  oder]  und 
auch  G.  undD.  924  geben  W.  926  den  selben  tod  G.  928  so  fehlt  GD. 
r.  mit  si  hie  v.  G.  V.  930— 958  fehlen  G.  931  unschuldichleichSD.  932 
ew  W,  935  kennt  D.  936  wes  D.  937  frawen  W.  junkfraw  SD.  939 
madern  YVr. 


32_ 

Von  der  lieb  spricht  auch  Valerius, 

das  Emilia,  ain  weib  Scipio  Africanus, 

die  sach  das  wol  und  west  auch  das, 

das  ir  junkfrau  irem  man  lieb  was, 
945   und  das  si  ir  man  beslafen  het. 

noch  was  si  so  gedultig  an  aller  stet, 

das  si  tet,  als  ob  si  sein  nicht  verstüend, 

durch  das  si  iren  man  nicht  müend 

und  das  si  iren  gemahel  nicht  betrüeben  wolt, 
950  und  auch  das  die  tat  nicht  offenbar  werden  solt 

von  ainem  solichen  hohen  manne, 

und  vertrueg  das  also  lange, 

unz  das  er  an  dem  leib  gestarb. 

dennoch  die  rechte  lieb  an  ir  warb, 
955  die  si  zu  irem  man  het  gehabt, 

das  si  die  diern  gar  wol  begabt 

mit  aiuem  man  von  freier  art, 

also  das  si  fürpas  nimmer  aigen  wart. 

Von    dem     neid. 

Der  neid  ist  ain  widerwärtichait 
960  gen  der  tugentleichen  lieb,  als  man  sait, 

und  ist  doch  zwaierlai  zwar. 

das  ain  ist  beswärnus  gar 

des  andern  guetz,  was  im  geschieht; 

der  ander  neid  hat  also  ph licht, 
965  wenn  man  sich  freut  ander  leute  laid, 

und  die  tadel  sein  doch  etwann  gemait, 

als  wenn  ainer  das  sieht  in  seinem  muet, 

das  ain  ander  alzeit  übel  tuet. 

941  schreibt  D.  943  die]  das  S.  944  manne  W.  945  das  si  fehlt  D. 
947  als  fehlt  S.  sein]  das  D.  verstennd  F.  verstund  WS.  948  durch  das 
das  F.  ichtFS.  muend  F.  niüfcWS.  949  si  fehlt  F.  951  solchen  S.  manF. 
952  lang  F  dann  D.  853  hintz  WS.  liebe  S.  starb  D.  954  darnach  F. 
rechtew  F.  ward  F.  955  und  956  sind  umgestellt  F.  957  manne  von 
hoher  a.  W.  958  wart]  was  F.  959  neid  der  i.  G.  960  tugentleichen 
fehlt  D.  962  ain  fehlt  S.  963  des]  das  ander  FD.  beschicht  G.D. 
966  etwenn  WBG.  doch]  durch  W.  auch  G.    967  das]  etwas  S. 


33 

das  macht,  das  sich  ainer  erchent  davon, 
970  wenn  er  sieht  den  pösen  Ion, 

den  der  ander  davon  trait. 

also  macht  er  sich  selber  gemait. 

Salomon  spricht:  „die  tugent  ist  ain  guete  gestalt, 

wann  durch  si  so  wirt  man  alt 
975  und  durch  si  so  lebt  man  wol.a 

und  aber  das  man  merken  sol: 

si  ist  aine  auslegung  des  muetes 

und  ain  stäte  anweisung  des  guetes 

und  nicht  ain  anlegung  der  naturleichen  schönhait. 
980  si  ist  ain  recht  leben  der  güetichait 

und  der  sitten  und  ain  liebe  gottes  sun, 

ain  er  des  menschen,  wer  da  also  recht  wil  tuen. 

Ich  mag  geleichen  den  pösen  neit 

dem  aren,  wenn  der  leit 
985  in  seinem  nest  und  das  er  das  waiz, 

das  seineu  chind  sein  ze  vaiz, 

so  peist  er  sie  in  die  diech, 

darumb  das  sie  werden  siech, 

und  das  in  das  fleisch  werd  mager  davon. 
990   Seneca  spricht  auch  gar  schon: 

„wer  da  hat  den  neid  in  seinem  muet, 

der  zucket  von  dem  pösen  das  guet, 

und  von  dem  gueten  die  poshait." 

auch  hat  er  das  oft  gesait, 
995  das  noch  pesser  ze  neiden  sei, 

wann  das  man  won  der  verzagten  armuet  pei. 

auch  sagt  man  in  der  sum  aller  laster, 

969  sich  fehlt  GD.  chent  F.  972  selbert  W.  973  spricht  fehlt  D. 
iugent  F.  ain  fehlt  F.  974  sei  WS.  976  und  aber  fehlt  D.  man  eben 
m.  D.  978  anlegung  WS.  981  u.  auch  der  G.  sum  S.  982  des]  der  S. 
also]  alze  S.  wer]  die  G.  also  fehlt  G.  recht  wil  tuen]  reebtisch  tuen 
WBSG.  menschen  die  also  recht  tuen  D.  V.  983  —  1002  fehlen  B.  984 
arrenW.  wenn  so  der  GD.  der]  er  nun  F.  985  und  er  daz  G.  und  fehlt  D. 
und  wan  er  das  wais  S.  das  er  waicztF.  986  sein  WS.  zu  vaistFD.  987 
sie]  sei  S.  989  fleichs  W.  und  auch  in  G.  990  gar  schon]  davon  S.  992 
zucht  F.  zeucht  S.  den  G.  993  und  auch  v.  G.  995  das]  doch  S.  pessor  F. 
996  won]  von  FS. 

Zingerle,  Vintler.  3 


54 

das  der  neid  verzer  vaster 

des  menschen  leichnam  und  sein  muet, 
1000  recht  als  das  fewer  das  holz  tuet 

und  die  schaben  das  gewant. 

Salomon  tuet  uns  auch  bechant: 

„wenn  dein  veint  vellet  in  not, 

so  solt  du  dich  nit  frevven  der  tat, 
1005   wann  es  missevelt  der  warhait, 

wer  im  selber  wil  abnemen  sein  lait." 

aber  so  spricht  er:   „wer  die  sein, 

die  sich  frewent  ander  leute  pein, 

die  beleiben   ungepessert  nicht," 
1010  als  das  sand  Gregorius  spricht, 

das  chain  grösser  chumernus  nicht  ist 

in  diser  weit,  als  man  list, 

als  der  neit,  wer  den  hat ; 

da  chan  chain  lieb  haben  stat. 
1015   die  gröste  räch,  die  man  mag  tuen, 

das  ist,  das  man  sol  haben   suen, 

und  das  man  recht  tuen   sol. 

davon  spricht  Seneca  gar  wol : 

„Bis   nicht  neidig,  wann  es  ist  swach, 
1020  und  versuech  dein  veint  nit  ane  sach, 

wann   man  oft  das  tuet  hören, 

das  der  neid  vil  tuet  zerstören.'*4 

der  neidig  ist  alweg  in  zoren, 

wann  er  sieht  ander  leute  choren, 
1025   das  das  schöner,  wann  das  seine,  sei. 

Ofidius  spricht  auch  da  pei : 

„der  neidig  ist  nimmer  ane  smerzen 

998  verzert  WS.  vestor  F.  vester  S.  vaste  G.  fast  verzer  D.  1001  schaben] 
habent  D.  1003  vellet]  wellen  F.  fallet  G.  1004  du  fehlt  F.  d.  fräwen 
nicht  d.  G.  1006  im]  im  G.  selbs  G.  selb  B.  abnemen  wil  s.  S.  1007  so 
fehlt  FS.  er]  der  F.  1008  frewen  WSG.  an  der  S.  1009  unbesert  GD. 
1010  das]  danF.  gichtGD.  '011  chumernusse  W.  chumbermiss  B.  10  J  4 
do  da  mag  haben  kain  lieb  st.  S.  mag  und  eh.  GD.  lieb  nicht  h.  F.  1015 
grosteu  F.  1016  man  hab  suen  F.  1017  m.  auch  r.  G.  1020  deinen  F. 
den  S.  nit  fehlt  F.  1021  m.  das  tuet  oft  h.  G9  1022  zestoren  F.  tuet  vil 
z.  G.  1023  neid  B.  1024  wenn  G.  sich  FS.  an  der  WS.  1025  das  da 
schonor  F.  schöriär  W.  wann]  denn  G.     1027  n.  der  ist  G. 


35 

und  ane  anfechtung  in  seinem  herzen. u 

sand  Augüstin'  spricht  auch  das : 
1030   „wo  neid  ist  und  auch  has, 

da  mues  die  rechte  lieb  sich  gesten, 

und  darumb  ist  chain  grösser  presten 

an  dem  menschen,  wann  der  neit." 

als  uns  Ofidius  urchunt  geit : 
1035   „du  solt  dich  hüeten  ze  aller  stund 

mer  vor  dem  neidigen  freund, 

wann  vor  deinem  rechten  veind, 

wann  si  paid  nach  geleich  seind." 

sand  Thomas:   „der  neidig  begert  in  seinem  herzen 
1040  alzeit  ze  haben  grossen  smerzen, 

darumb  das  er  schaden   mug  pringen 

seinen  veinten  in   allen   dingen." 

Noch  sag  ich  von  dem  neide  nie, 

als  man  list  in  der  alten  e. 
1045  do  Cayn  sach  alle  ding, 

wie  Abel  der  jungeling 

an  im  het  alle  tugenthait, 

und  die  meret  sich  so  prait, 

das  er  got  gar  gen  am  was ; 
1050  do  erzaiget  Cayn  sein  has, 

wann  er  slueg  sein  prueder  von  neid  ze  tot. 

das  was  auf  erde  die  erste  not, 

und  was  das  erste  pluetvergiez, 

das  sich  auf  erde  ie  geliez. 

1055   Neid  der  ist  gar  swach, 

wenn  man   neidet  ane  sach, 

1028  im  h.D.  1030  da  ist  auch  h.  G.  auch  fehlt  WBS.  1031  muss  sie 
sich  die  r.  1.  besten  G.  die  müssen  sich  die  rechte  lieb  besten  D.  müsse  W. 
müsse  S.  sich  fehlt  F  1032  chain  grösser]  ain  pnser  F.  gepresten  G. 
1033  wenn  der  pössn  G.  1035  hutten  WF.  guten  S.  1036  von  B.  1037 
denn  W.  1038  dann  B  noch  F.  nahen  B.  1040  loben  S.  groz  F.  1041 
das]  dar  W.  V.  1043  — 1054  fehl  en  B.  1044  ich  fehlt  S.  1045 
dingk  W.  1046  wie]  d'w  S.  die  sein  prueder  GD.  1048  und  auch  die  G. 
10  49  g.  lieb  und  gen.  G.  1050  do]  das  G.  erzaigtFS.  1051  w.  von  neid 
schlug  er  s.  p.  z.  GD.  1053  vergos  S.  pl,  vergessen  GD.  1054  verlies  F. 
geliesse  G.  geliessen  D. 


36 

als  das  ietz  ist  gar  geinain. 

auch  ist  der  neid  gar  unrain, 

wenn  man  neidet  umb  guettat, 
1060  die  ain  andrer  an  im  hat, 

oder  umb  wird  und  erberchait,  ■ 

und  doch  dem  andern  nicht  pringet  lait. 

der  selbe  neid  ist  duplex. 

der  chumpt  von  milleartifex. 
1965  ach  got,  was  man  sein  doch  tuet, 

das  man  oft  ainen  neidet  umb  sein  guet, 

oder  umb  sein  wirde  und  gelück ! 

sich,  weit,  das  sein  deine  tück. 

Von     der     freude. 

Die  freude,  die  da  wirt  gemacht 
1070  von  der  liebe,  als  Priscianus  acht 

und  spricht,  das  si  ist  ain  rastung  des  muetes, 

sich  ze  frewen  etleiches  guetes. 

Jesus  Syrach  gesprochen  hat: 

„das  leben  des  menschen  also  stat, 
1075  das  suecht  alweg  freud  des  herzen 

und  hohen  muet  ane  smerzen 

vil  dinges,  das  nicht  zimleich  ist; 

das  ist  nicht  ain  tugent,  es  ist  ain*  tadel,"  als  er  list. 

sand  Augustin  hat  uns  oft  gelert, 
1080  das  sich  die  gross  freud  diser  weit  verchert 

oft  gar  in  ain  grosses  lait.     , 

das  hat  er  von  der  weit  freud  gesait. 

Von  der  freude  list  man  das, 
das  ain  heiliger  vater  was, 

1057  ietz]  es  WBS.  ietzund  F.  da  G.  alles  das  do  ist  D.  1059  neidet 
fehlt  S.  1060  der  ain  ander  F.  ain]  der  G.  die  manger  an  D.  1061 
umb  fehlt  F.  1064  von  dem  m.  G.  1065  ach  got]  auch  F.  was]  wes  G. 
sein]  sy  G.  1066  oft  ainen]  ain  oft  G.  1068  sich  an  w.  GD.  1071  ge- 
mutes  GD.  1072  sich  fräwent  ettlich  irs  g.  G.  sich]  auch  F.  ebtlichs  W. 
1074  des]  dem  F.  1075  das  es  allweg  sieht  fi.  GD.  1078  es  ist]  aberG. 
1081  ofte  F.  ain  fehlt  FGD.  1082  weite  B.  freud  fehlt  GD.  V.  1083 
—  1115   fehlen  B. 


37 

1085  den  man  mit  nam  Macario  hies. 

der  selb  vater  sich  verhies  \n^^'t*(J' 

über  mer  zue  dem  heiligen  grab.  / 

des  wolt  er  ie  chomen  ab, 

wann  er  wolt  sehen,  wo  Christus  begraben  was. 
1090  und  do  er  also  vor  dem  hailigen  grab  sass, 

do  viel  er  nider  und  was  tot. 

des  hetten  sein  gesellen  grosse  not. 

die  do  mit  im  waren  da, 

die  selben  wanden  alle  sa, 
1095  das  er  in  ain  amacht  war  gevallen, 

und  schickten  nach  den  ärzten  allen, 

das  si  besahen  seine  swär. 

die  sprachen,  das  er  tot  war. 

da  wolten  sein  gesellen  han  gesehen, 
1100  wie  der  tod  so  gähes  an  im  was  geschehen, 

und  hiessen  in  do  auf  tuen. 

do  vand  man  in  im  gottes  sun, 

der  in  sein  herz  was  geschriben  alsus : 

„mein  lieb,  mein  lieb  Jesus  Christus!" 
1105  do  verstunden  die  ärzte  das 

in  des  selben  gewissen,  als  er  da  was, 

und  auch  nach  seiner  complexion, 

und  richten  das  aus  gar  schon, 

das  er  von  rechter  lieb  was  tot, 
1110  nicht  das  er  het  gehabt  chain  not, 

neur  die  lieb,  die  er  het  zu  dem  heiligen  grab. 

und  also  stirbet  nach  der  sag 

1085  namen  Wentoro  GD.  Wentaro  W.  Vataro  F.  Vencaro  S.  1087  zu 
dem  über  mer  zu  d.  h.  g.  S.  1088  des]  das  GD.  1089  wann  fehlt  GD. 
w.  ie  sechen  G.  wa  GD.  1092  grossew  FG.  1094  wainten  GD.  alsa  G. 
also  D.  vanten  W.  wonten  S.  1095  amächt  war  W.  aummacht  was  G. 
onmacht  wasD.  1096  artzattenG.  1097  besechen  GSD.  seinew  F.  1099 
han  fehlt  G.  besechen  GD  1100  fehlt  F.  gaches  S.  gäch  G.  gach  D. 
war  beschechen  GD.  1103  der]  dem  F.  seinem  herzen  W.  was  fehlt  G. 
1105  da  vestondenF.  artzate  G.  1106  selben]  tagen  F.  taugen  G.  in  dem 
guten  g.  D.  da  fehlt  F.  daz  G.  daigen  S.  1107  auch  fehlt  F.  1110 
het  fehlt  G.  gehebt  hab  D.  1111  hat  F.  het  fehlt  GD.  1112  stirbet] 
starb  er  G. 


38 

ain  man  ee  von  freadeu  reichait, 
wann  er  tat  von  grosser  traurickait. 

Von    der    traurickait. 

1115   Die  traurickait  ist  ain  widerpart 

der  rechten  freude  nach  dem  wart, 

als  d^s  Macrobius  spricht, 

und  ist  doch  in  dreierlai  geschieht: 

die  erste  sache  die  ist  die, 
1120  wenn  ain  mensch  trauret  hie 

mer,  wann  es  von  rechte  sol. 

das  haist  man  zum  ersten  wol 

traurickait  in  dem  muet. 

die  ander  sach  ist,  wenn  der  mensch  nicht  tuet 
1125   noch  nicht  spricht,  noch  gedenket  nicht 

und  auch  vestichleich  betrachtet  nicht, 

und  stet  recht  als  ain  toter  man. 

das  ist  ain  tadel  und  ain  schäm 

und  ist  ain  pöse  müssichait. 
1130  die  dritte  pringt  auch  gar  vil  lait, 

und  ist  ain  intrachtung  der  natur, 

also  wenn  ain  mensch  ain  figur 

mit  grossen  gedänken  nimpt  für  sich  sa. 

das  haisset  man  melancolia, 
11&6  und  das  chumpt  von  manigerlai  last. 

sand  Augustin  spricht:   „von  dem  ast 

der  torhait  und  der  traurichait 

chumpt  der  ast  der  verzaghait, 

und  das  ist  die  gröste  sund, 

1113freudenckaitF.  freudikait  WS.  1115  die]  von  der  F.  die  ist  F.  1116 
wort  BG.  1117  das]  der  maister  G.  das  f  e  hl  t  D  1118  gesicht  F.  1119 
erstW.  sach  ist  FS  1120  wanne  F.  1121  wen  W.  denn  er  G.  1124  ist 
fehlt  G.  wan  S.  1126  fehlt  D.  vestenkleich  S.  betrachtW.  icht  WBS. 
1127  recht]  auch  W.  1128  und  auch  G.  1130  auch  fehlt  F.  gar  fehlt 
GD.  1131  ain  trachtung  WF.  ist  in  trachtung  BSD.  der]  in  GD.  1132 
ain  m.]  der  m.  F.  1133  grossem  gedenken  D.  gedankeu  F.  sa]  also  G. 
so  D.  1134  melancolica  WBSG.  melencolico  D.  1136  spricht  fehlt  G. 
ost  W\  1137  und  von  dem  ast  der  tr.  BFSGD.  i  138  fehlt  B.  der]  von 
dem  WFSGD.  verzakeit  W.     1139  grosseu  F.    grozze  S. 


39 

1140   die  auf  dise  weit  chumpt, 
als  das  alle  maister  sagen, 
das   man  sich  hüete  vor  verzagen." 

Ich  mag  geleichen  die  traurickait 

dein  rappeu,  als  die  geschrift  uns  sait. 
1145  wenne  der  sieht  seine  junge  chint 

als  si  erst  geporen  sint, 

so  tranret  er  als  vast  davon, 

das  si  nicht  swarze  vedern   hau, 

das  er  fleugt  von  in  mit  grosser  pein, 
1150   wann  er  gelaubet  nicht,  das  si  sein  chint  sein, 

und  lat  si  ligen  und  speist  ir  nicht 

unz  als  lang,  das  er  sieht, 

das  si  swarze  vedern  han. 

die  weil  lat  si  der  rapp  stan 
1155   ungespeiset  alle  tag, 

das  si  nicht  haben  ander  lab, 

des  si  leben,  wann  des  taues  tror, 

der  da  chumpt  von  dem  himelkor. 

er  trauret  auch  mer,  han  ich  vernomen, 
1160  wenn  im  sein  chind  werden  genomen, 

wann  indert  chain  ander  tier 

oder  vogel,  das  gelaubet  mir. 

„Gib  nicht  traurickait  deinem  muet," 
also  spricht  Syrach  der  guet, 
1165   „und  treib  si  vast  von  dir, 

wann  ir  sein  vil  tot  gar  schier 
von  übergrosser  traurickait." 

1140  w.  kume  künde  G.  kommen  kund  D.  1141  sagennt  F.  1142  hüten 
solWBSGD.  vonBS.  V.  1143  —  1163  fehlen  B.  1143  torhait  S.  1144 
raben  F.  schritt  S.  uns  fehlt  FD.  als  uns  die  G.  1147  also  F.  1148 
vedern]  werden  F.  1150  das  das  si  seine  F.  seinew  G.  1151  si]  seu  F. 
ir]  sey  G.  si  D.  1152  unz]  hintz  S.  unz  fehlt  GD.  als  fehlt  WS  das] 
biss  D.  1153  seu  F.  sey  G.  1154  seu  F.  sey  G.  rab  F.  rapp  fehlt  S. 
1157  des]  das  FD.  sey  G.  tron  F.  ror  D.  1159  ze  trawer  auch  F.  auch 
hab  ich  mer  v.  S.  1 160  seinew  G.  1161  ander  fehlt  F.  nindert  D.  ander 
yender  kain  G.  1 162  des  SG.  gelauben  D.  1163  nicht]  ich  S.  1164 
Sydrach  G.     1165  si]  so  G.     1166  wenn  G. 


40 

so  ist  es  auch  cham  nutzperchait. 

es  hanget  auch  vil  poshait 
1170  an  überiger  müssichait, 

und  als  man  silber  und  golt 

bewärt  in  dem  feur,  also  solt 

man  die  menschen  schon 

bewärn  in  traurickait,  als  Salomon 
1175   spricht,  das  chain  grösser  traurickait  nit  sei 

auf  diser  weit,  wann  der  da  pei 

sei  alweg  gewesen  in  säliekait 

und  der  darnach  chumpt  in  grosses  lait. 

Tulius:  „dem  weisen  man  zimpt  nicht 
1180  traurig  ze  sein  von  chainerlai  geschieht." 

und  darumb  spricht  sand  Augustin: 

„wer  nicht  trauret  in  dem  sin 

umb  das,  das  er  verloren  hat, 

des  herz  das  rast  an  aller  stat, 
1185  und  sein  sin  ist  voller  diemuet." 

sand  Thomas  der  guet 

spricht:  „tot,  ich  wil  ee,  das  du  mir 

mein  leben  chürzest  schier, 

ee  das  mich  überwinde 
1190  die  torhait  mit  irem  gesinde.44 

Ofidius  der  tuet  ain  straffen: 

„nicht  hab  lieb  das  slaffen, 

darumb  das  dir  auf  diser  erde 

die  armuet  nicht  peraitet  werde.44 
1195  Paulus  spricht  der  zwelfpot: 

„die  melancolia  ist  der  tot 

und  ain  grab  des  lebens 

in  diser  weit  vergebens.44 

1168  es  fehlt  F.  auch  es  S.  1172  webart  F.  fewer  F.  scholt  S.  1 175 
nicht  S.  1176  weit]  erd  GD.  weit  wer  wann  da  F.  denn  GD.  wenn  WS, 
1177  glücksäligkaitGD.  1178  darnach]  da  G.  do  D.  1179  man  fehlt  F. 
1180  gesicht  FGD  1182  welcher  mensch  nicht  F.  in  dem  sin]  umb  daz 
sein  GD.  1183  umb  daz  er  W.  1184  rest  in  a.  F.  das]  hat  B.  das  rast] 
ist  rasten  G.  ist  fast  D.  1185  sin  fehlt  F.  sin]  hertz  WBSG.  senno  O. 
1191  straffung  S.  1192  fehlt  F.  1195  es  spricht  Paulus  F.  1196melan- 
colica  WB.  melancoly  G.  melancolei  D.     1197  und  auch  a.  G. 


41 

das  gesetz  sagt  auch  da  pei 
1200  das  chain  ding  gewisser  sei, 

wann  die  zeit  der  todleichkait 

und  ungewisser,  wann  die  zeit  der  sälichait. 

sand  Thomas  spricht  auch  das : 

„du  solt  der  traurickait  tragen  has, 
1205  und  das  du  dich  ir  nicht  begreifen  last, 

und  ob  du  ir  dann   nicht  entrinnen  mast, 

so  erzaig  si  doch  nicht  iedem  man, 

wann  da  chumpt  vil  tadel  von, 

und  ste  auch  nicht  vil  müssig." 
1210  Aristotiles  der  maister  spricht: 

„als  sich  die  sele  von  natur 

maistert  alweg  in  ir  figur, 

also  wirt  ainer  von  müssichait 

zue  ainem  narren  an  underschait." 
1215  sand  Paulus  der  spricht: 

„chain  sach,  die  man  nicht 

mit  parmherzickait  tuet, 

und  der  got  nicht  erchennt  in  dem  muet, 

das  mag  nimmer  wesen  guet, 
1220  und  wer  nicht  hofft  an  got  an  aller  stat," 

nach  dem,  als  Cassiderus  gesprochen  hat : 

„wer  sich  lat  daran, 

das  er  dem  gelück  ist  undertan, 

der  selb  verlaugent  gots  zu  aller  stunt 
1225  und  vellet  in  der  verzagnus  grünt." 

Von  der  traurickait  so  liset  man, 
do  Alexander,  der  gewaltig  man, 
was  nu  von  der  gift  tot, 

1199  gesetzt  FG.  s.  uns  auch  G.  1200  ding  nit  g.  GD.  1201  todlechkait 
S.  torleichkait  W.  torhait  G.  1202  dann  F.  denn  G.  1203  auch  fehlt 
WBF.  V.  1205-1253  fehlen  W.  1205  lest  S.  1206  ichtS.  entringen 
F.  machst  F.  macht  B.  mechst  S.  1206  yederman  BSGD.  1208  tadel  da 
von  F.  1210  gicht  BGD.  1212  irer  BG.  1219  das]  dem  S.  wessen  F. 
1220  nit  G.  in  got  F.  1222  let  S.  lasset  D.  1224  verlaugt  S.  verlaugnet 
BGD.  1225  vallentG.  V.  1226  —  1238  fehlen  B.  1226  so  fehlt  GD. 
list  man  daz  D.  1227  man  fehlt  G.  man]  wazD.  1228  der  was  nun  D. 
giftec  F. 


42 

do  hetten  sein  lantherrn  grosse  not 
1230  und  machten  ain   truchen  von  golde, 

darin  man  in  tragen  solde 

ze  begraben,  do  gieng  nach  im 

vil  manig  hoher  philosophin, 

die  in  alle  clagten   vast. 
1235  Salomon  spricht:   „der  do  herschaft 

das  ertreich  von  aufgang 

der  sunnen  unz  zu  ir  nidergang." 

Ofidius  spricht:   „Alexander  mocht  sprechen, 

das  chainer  wider  in  mocht  gerechen, 
1240  nu  mag  ain  iegleicher  man 

frevelleich  wider  in  sprechen,  was  er  chan, 

wann  sein  or  mag  es  nicht  vervahen." 

Tulius  spricht:   „all,  die  Alexander  sahen, 

die  vorchten  sich  allsampt  vor  im, 
1245  und  all,  die  in  ietzund  sehent,  die  habent  sich  wider  in." 

ain  ander  maister  der  spricht: 

„chain  sach  mocht  wider  Alexander  nicht 

gewern  noch  wider  sein  gepot 

und  er  hat  nicht  mugen  weren  wider  den  tot." 
1250  Aristotiles  der  maister  sprach: 

„o  du  mächtigister,  wie  pistu  so  swach 

in  ain  totenpar  gelait ! " 

ain  ander  philosophus  vaste  chlait: 

„o  du  vinster  und  spehender  tot, 
1255   wannen  cham  dir  das  gepot, 

1229  herren  lant  S.  1230  machten]  jn  F.  1232  gierigen  nach  sein  D. 
1233  manger  SGD.  hoher  fehlt  D.  philosopheyn  D.  1234  die  auch  in 
cl.  G.  alle  fehlt  D.  1235  der  der  S.  do  het  herschaft  D.  1236  von  des 
ertreichs  aufg.  G.  das  ertreich  f  eh  1 1  D.  von  der  sonnen  auffgangD.  1  237 
der  sunnen  fehlt  D.  unz  piss  zue  dem  n.  G.  ir]  dem  D.  1238  spricht 
fehlt  GD.  —  A.  der  m.  D.  macht  F.  Ofidius  mocht  sprechen  B.  ]239 
das  sich  eh.  GD.  mocht]  nicht  B.  macht  F.  1240  iedleicher  F.  igleicher  B. 
ieglichG.  yglichD.  1241  freileichen  S.  freileichBG.  frylichD.  1242  seinor] 
er  S.  or]  er  GD.  1244  alle  sampt  BS.  1245  die  dy  in  F.  ietz  G.  sach  F. 
halten  F.  1247  macht  F.  1248  noch]  oder  GD.  wie  D.  1249  mocht  nicht 
geweren  wider  GD.  weren  mugen  F.  V.  1250 — 1274  fehlen  B.  1251 
mächtigoster  GD.  also  D.  1252  einen  toten  poer  S.  1253  ander]  ainerF. 
vaste  chlait]  der  saitGD.  1254  spaher  W.  1255  wann  an  G.  von  wann D. 


43 

das  du  also  keckleich  torstes  geu 

zu  dem,  dem  alle  weit  nit  mocht  widersten!" 

Seneca:  „o  sin  der  verporgenhait ! 

o  geniderteu  gerechtichait ! 
1260  o  rechteu  treu  verloren 

und  alle  hofleichait  verchoren ! 

o  mächtickait  so  gar  verzaget! 

o  fraidichait  hin  gejaget ! 

o  stara  aller  edelchait! 
1265   wer  tuet  nu  mer  chain  frumchait? 

das  tet  alles  Alexander. 

nu  wainen  alle  mit  ainander, 

und  wer  nu  sein  clag  nicht  wil  schainen, 

dem  zimpt  fürpas  nicht  ze  wainen." 
1270  do  hueb  ze  wainen  alles  volk  an, 

was  da  was,  frawen   und  man, 

und  do  hueb  sich  eist  die  gröste  not, 

als  si  auf  erd  ie  cham  von  ainem  tot. 

Von    dem    frid. 

Der  frid  ist  gar  ains  wesen  guetes 
1275  und  ain  lauterchait  des  muetes, 
ain  ainvältichait  des  herzen, 
ain  rastung  des  sinnes  smerzen 
und  ain  recht  freudholdenung 
und  ain  gesellschaft  der  rechten  liebung. 

1280    Den  frid  mag  ich  geleichen  schier 
dem  piber.  das  ist  ain  tier, 

1256  klegleich  S.  käblisch  G.  1257  zu  dem  alle  F.  macht  F.  dorst  GD. 
1259  genitterteF.  geniderteS.  gemütrotte  G.  1260  rechte  S.  verkorn  GD. 
1261  und]  o  G.  höfleikait  W.  verlorn  GD.  1265  wer  tet  nie  kein  D.  nu] 
nuer  F.  nu  fehlt  G.  frumikait  GD.  1266  alles  fehlt  GD.  1267  mitten- 
ander W.  1268  nu]  im  WSGD.  nit  well  schonen  GD.  und  sein  clag  nun 
nicht  F.  1271  was]  das  G.  wann  FD.  und]  oder  S.  und  auch  GD.  12  72 
da  W.  do  fehlt  F.  gross  F.  grossew  G.  grosten  S.  1273  si  fehlt  W. 
erd]  ertraich  F.  er  W.  erden  S.  ainem  tot]  kainer  not  S.  chainem  GD. 
V.  1274  — 1280  fehlen  D.  1274  wegen  F.  ain  weisens  guet  G.  1276 
ainvältichait  W.  herzens  G.  1277  sinnes|  seines  W.  seinenF.  sinnes  fehlt 
G.  schmerzes  G.  1278  freund  B.  freud  der  h.  G.  fr.  holdnung  B.  fr. 
holdungF.     1279  fehltG.    V.  1280-1291  fehlen  B. 


44 

das  da  von  natur  erchent, 

warumb  im  der  Jäger  nach  hengt, 

das  das  umb  sein  gromen  sei, 
1285  wann  man  nutzt  si  in  vil  erznei. 

und  so  man  im  so  lang  nach  jagt, 

das  der  piber  ist  verzagt, 

und  das  er  nicht  mag  entrennen, 

so  peist  er  mit  seinen  zenden 
1290  im  selben  die  gromen  ab, 

darumb  das  er  frid  hab. 

Ysaias  der  prophet 

hat  gesprochen  an  maniger  stet, 

das  chain  pöser  mensch  nimmer  sei, 
1295  denn  der,  dem  chain  frid  wone  pei. 

Isiderus  der  maister  sagt : 

„der  fridsam  mensch  der  tragt 

an  im  gar  ain  sichers  leben  ane  schaden, 

wann  er  mag  nimmer  wenig  haben." 
1300  Barbonicus  spricht  also, 

der  frid  sei  über  alle  ding  ho 

in  diser  weit  und  der  reichtumb. 

davon  lert  uns  Plato  darumb: 

„wenn  das  ist,  das  dein  veint 
1305  und  du  paide  geleich  seint 

an  dem  vermugen,  so  ist  guet 

ze  reden  umb  frid  in  meinem  muet; 

mag  aber  ainer  den  andern  überwinden, 

so  mag  man  si  nimmer  über  ain  pringen." 
1310  Plato:  „wer  den  frid  erchent,  der  hat 

1283  nachheng  F.  1284  hoden  F.  grumen  G.  gruomen  D.  1285  sew  F. 
sein  vil  in  e.G.  vil  in  der  e.  D.  1286  und  wann  man  F.  1288  nit  m.  noch 
kan  e.  G.  entrinnen  WFSGD.  1289  zennen  WSB.  1290  selber  D. 
hoden  FS.  grumen  G.  gruomen  D.  1291  er  fehlt  S.  1292  der  hoch  pr.  G. 
1293  menger  SG.  1294  chain  mensch  nimmer  poser  sei  F.  1295  denn  der 
fehltWFSG.  wonetBS.  wäreD.  1298  ain  fehltF.  schichersW.  sicher G. 
schänden  F.  1299  mag  niemant  veintschaft  geben  D.  1301  frid  der  sei  FS. 
1303  und  davon  F.  uns  fehlt  FDG.  drum  F.  1304  vrenne  F.  1305  paide] 
garW.  1306  an  vermügend  GD.  so]  daz  GD.  1308  überdringen  D.  1309 
sew  F.  nimmer  wol  ü.  BFD. 


45 

chain  sin  ze  chriegen  an  chainer  stat. " 
David :  „in  die  weit  chumpt  chain  frid  nicht, 
aber  in  got  ist  frid,  als  er  gicht." 
Ysaias:  „ain  werk  der  rechten  gerechtickait 
1315  das  ist,  der  den  frid  alweg  trait." 

Von  dem  frid  so  list  man 

in  der  historjen  von  Rom, 

das  ain  grosser  lantherr  do 

was,  der  hies  Ypolito. 
1320  der  het  ainen  veint,  der  hies 

Eligisto.  der  selbe  lies 

Ypolito  sein  vater  erslagen, 

und  chriegten  paid  also  in  den  tagen, 

und  do  das  Ypolito  ersach 
1325  die  müe  und  die  arbait  so  swach 

des  chrieges  und  do  er  maz  die  pein 

und  das  er  muest  seiner  diener  undertan  sein, 

und  das  ir  chainer  was  so  unfruet, 

er  muest  iegleichem  tuen  nach  seinem  muet, 
1330  und  do  er  das  nu  alles  bedacht, 

do  hueb  er  sich  recht  auf  ain  nacht 

allain  und  rait  zue  der  veste 

seines  veintes,  da  er  in  weste. 

und  do  er  cham  an  das  tor, 
1335  do  hies  er  im  auf  tuen  hie  vor 

und  sprach :  „ich  bin  es  Ypolito." 

das  selb  daucht  den  wachter  do 

gar  ain  grosses  wunder, 

und  sagt  es  seinem  herren  besunder. 

1311  chainer]  aller  F.  1312  D.  spricht  G.  1314  grechten  grechtikait  S. 
gerechten  B.  1 3 1 5  das  ist  frid,  der  den  alw.  F.  V.  1316—1363  fehlen  B. 
1316  so  fehlt  GD.  1318  lantzher  G.  1319  was  gehaissen  GD.  der  do 
h.  S.  1321  Elistige  und  der  G.  Elisage  D.  —  G.  liest  immer  Elistigo. 
1322  seinen  lieben  v.G.  1323  also  fehlt  F.  also]  da  G.  do  D.  1324  der 
sach  S.  do]  dazG.  1325  uud  arb.  FS.  so  fehlt  F.  1326  do  er  fehlt  GD. 
maz]  was  F.  1327  das  fehlt  GD.  dieren  F.  1328  das  fehlt  G.  und  das 
was  so  chainer  unfr.  F.  was]  ist  W.  1329  mnst  ie  tuen  gleich  nach  F. 
1330  nu]  im  F.  nu  fehlt  S.  nun  das  a.  D.  1332  der]  diser  F.  1335 
hinvor  F.  h'rvor  W.  1336  ich]  in  W.  es  fehlt  W. 


46 

1340  und  do  das  Eligisto  hört, 

das  sein  veint  was  an  der  port 

an  alle  gesellschaft  allain, 

do  hies  im  auf  tuen  der  rain, 

und  do  er  zue  im  hin  ein  chom, 
1345   do  lief  er  zu  seinem  veint  schon 

und  sprach :  „Eligisto,  mein  süesser  her ! 

icli  beger,  das  mir  dein  gnade  wer 

von  dir  umb  das  ich  dich  betrüebet  han." 

do  sprach  zue  im  Ypolito  der  man  : 
1350   „wann  ich  dir  alles  das  vergeben  wil, 

was  du  mir  hast  getan  unz  auf  ditz  zil. 

wann  dein  herschaft  tuet  mir  vil  ee  recht, 

wann  die  herschaft  meiner  chnecht." 

und  do  das  Eligisto  bechant, 
1855   der  nam  ainen  strick  in  die  hant 

und  warf  im  den  selben  umb  den  chragen 

und  hueb  auf  ain  wainen  und  ain  chlagen 

und  viel  Ypolito  ze  fues 

und  sprach  :  „ich  sten  dir  hie  ze  pues 
1360   umb  alles,  das  ich  dir  ie  hab  getan; 

das  wil  ich  an  dein  geuade  lan." 

also  machten  si  ain  freuntschaft 

und  beliben  paid  in  pruederschaft. 

Von     dem     zorn. 

Der  zorn  ist  des  muetes  ain  betrüebnus 
f  1365  als  das  bewärt  Aristotilus, 

und  ist  am  vercherung  des  pluetes 

1340  heligisto  F.  derhort  F.  erhört  GD.  1341  veint  Ypolito  W.  veint 
Polito  S,  veind  Yppolitus  GD.  1342  gesellschaft]  gescheit  S.  1344  ein] 
in  FS.  chom]  ward  gelon  D.  1346  mein]  du  G.  suzzer  F.  1347  mich  S. 
wen-  W.  1348  das  daz  ich  S.  umb  fehlt  D.  1  349  do]  und  GD.  1351 
getaun  hast  G.  unz]  pis  FGD.  ditz]  das  FG.  1354  do  fehlt  SD.  1355 
die]  sein  GD.  1356  dem  selben  W.  selber  F.  den]  seinen  G.  sein  D.  1359 
fehlt  S.  ste  W.  stand  G.  1360  ie  fehlt  S.  han  F.  1361  deiner  S.  1362 
sew  F.  1363  paid]  pi  ainander  G.  freuntschaft  F.  1364  wetrubung  F. 
ein  truebnus  des  muotes  D.  1365  das]  uns  W.  Aristotiles  BFG.  1366 
bekerung  G. 


47   ' 

dem  herzen  durch  aines  muetes, 

das  dann  da  ain  räche  wirt  getan, 

und  von  dem  zoren  pirt  sich  dan 
1370  ain  Unwille;  wann  das  pluet 

betrüebet  das  herze  guet, 

so  beleibt  es  do  unwillig  und  lass. 

darnach  verchert  es  sich  in  ainen  hass, 

und  wenn  man  dann  die  unwillichait 
1375   etwevil  zeit  im  herzen  trait, 

uud  von  den  dreien  ädern  wirt 

nämlich  der  zorn,  davon  sich  pirt 

unwillichait  und  hass; 

und  von  dem  unwilligen  zoren  chumpt  das 
1380  oft  ain  unainung. 

dar  aus  wirt  dann  ain  wagenung, 

als  das  auch  sand  Thomas  sait. 

wann  die  unwillickait  wirt  so  prait 

in  dem  herzen,  das  ainer  nicht  well 
1385   wellen,  wil  das  sein  gesell. 

Den  zorn  den  geleicht  man  dem  pern, 

wann  der  isset  honig  gar  gern, 

und  wenn  er  dann  in  die  vässel  wil  prechen, 

so  tuend  die  pein  mit  irem  stechen 
1390  dem  pern  in  den  äugen  also  gedon. 

so  lat  der  per  das  honig  stan 

und  wartet  dann  fürsich  an  dem  zil, 

das  er  die  selben  pein  töten  wil. 

so  chumpt  ain   ander  pein  dann  her 
1395   und  stiebet  dann  aber  so  den  per. 

1367  durich  F.  1368  daime  ain  F.  dann]  denn  W.  rachung  GD.  1371 
hat  wetrubetF.  1372  do  fehlt  BSG.  lazz  S.  1373  esj  er  G.  1374  dann 
fehlt  F.  1375  etwestlS.  etwievilB.  1376  drein  äderen W.  dry  G.  1377 
zoren  sich  davon  geniert  F.  13  78  u.  nyd  und  h.  G  1379  unbilligen  F. 
unwilleu  G.  1380  am  grossew  G.  1383  willigkait  G.  1385  w.  wil  daz 
denn  will  s.  G.  welen  was  do  sein  D.  V.  1386  —  1403  fehlen  B.  1386 
zorngel.FG.  man  fehlt  S.  1387  der]  erW.  hinick  G.  1388  denn  WSGD. 
vassel]  steck  D.  13&9  tun  W.  pynen  GD.  mit  irem|  ir  D.  1390  den] 
die  FGD.  so  D.  getan  FD.  1391  h.  denn  st.  G.  h.  dann  st.  D.  1392  warten 
den  f.  W.  denn  G.  1393  selb  F.  pyn  G.  1394  danne  herr  F.  pyn  dennG. 
1395  dann]  denn  WG 


48 

so  lat  er  sten  die  ersten  gar 

und  wartet  auf  die  andern  dar, 

so  wirt  sein  zürnen  denn  so  gros, 

das  im  oft  tausent  geben  stos. 
1400  so  wil  er  sich  rechen  an  iegleicher  allain 

und  also  erwischt  er  nimmer  chain, 

wann  er  lat  ie  aine  fliegen, 

das  er  die  nächsten  wolt  betriegen. 

und  davon  spricht  der  weis  man:  „die  toren 
1405  die  offen  fürsich  iren  zoren, 

aber  wer  da  ist  weis, 

der  behalt  seinen  zorn  gar  leis." 

Jesus  Syrach  der  sprach : 

„die  eifrimg  und  der  zorn  sind  swach 
1410  und  minnern  des  menschen  tag, 

wann  si  prechen  im  sein  zeit  ab 

und  machen t  alt  sein  gedank. 

der  zornig  mensch  ist  alweg  chrank, 

wann  er  enpfacht  davon  das  haisse  feur." 
1415  Cassiderus  der  maister  teur 

spricht:  „der  zoren  macht  den  menschen  mat, 

wann  er  sei  ain  mueter  aller  Übeltat." 

aber  spricht  er:  „alles  das  man  tuet 

in  chain em  zornigen  muet, 
1420  das  das  selbe  nimmer  nicht 

mug  gerecht  sein  von  chainerlai  geschieht, 

noch  erleich,  noch  wolgetan. a 

und  also  spricht  der  weise  man, 

das  der  zoren  nicht  hab  äugen. 
1425  so  spricht  Seneca  ane  laugen: 

1396  stan  denn  die  G.  er  dann  stan  D.  1398  zoren  F.  w.  denn  sein  z.  D. 
dann  F.  1399  oft  geben  tausent  S.  1400  iegleich  S.  yglichem  D.  1402 
ainen  GD  1403  nächst  F.  nochsten  W.  vertriegen  W.  fehlt  G.  1404 
und  davon]  von  demGD.  man  der  dieG.  1405  iren]  den  F.  1407  behabt 
S.  14  09  sind]  ist  WBFS.  1410  minnerren  W.  mindern  BSGD.  mindert  F. 
tag]  gabD.  1411  sew  prechendF.  1412  machen  ß.  1413  der  selbz.GD. 
1414  haissetW.  1415  Cassiodorus  G.  1418  aber  so  sp.  WB.  1419  ainem 
W.  dhaim  B.  die  haim  G.  1420  das  selbe]  da  selbs  G.  1421  recht  gesein 
GD.  geschick  F.  gericht  S.  1422  und  noch  w.  G.  1424  der  fehlt  F. 


49 

„der  zornig  mensch  ist  gar  swach, 

er  redt  nicht  wann  von  pöser  sach.44 

Beda  spricht:  „so  vil 

der  mensch  mächtiger  ist  an  seinem  zil, 
1430  dester  mer  darf  er  sich  hüeten 

vor  dem  zoren  und  vor  seinem  wüeten, 

darumb,  wann  es  ist  vil  mer  sorgsam." 

Priscianus  spricht  auch  davon  : 

„den  grösten  veint,  den  der  mensch  überwint, 
1435   das  ist,  das  ainer  sein  selbs  zoren  pint. 

der  zornig  gelaubt  alweg  in  seiner  sag 

vil  mer  ze  tuen,  dann  er  tuen  mag.'4 

Socrates  spricht:  „das  recht  das  sieht 

den  zornigen,  aber  der  zornig  sieht  das  recht  nicht,'4 
1440  Pharo  spricht:   „der  zoren  der  bechümert  gar  vast, 

wann  er  macht  trunken  des  menschen  last, 

das  er  nicht  wol  mag  gesehen, 

noch  erchennen,  noch  die  warhait  spehen. 

es  ist  wol  menschleich  sich  erzürnen, 
1445  aber  es  ist  ain  teufelichs  gehürne 

nach  ze  volgen  dem  pösen  zoren.44 

in  der  altväter  leben  hie  voren 

so  list  man  uns  darumb: 

„wer  da  ist  ain  stumb 
1450  des  zornes,  der  ist  ain  stumb  der  schaut.44 

Ofidius  tuet  uns  auch  bechant, 

das  der  zorn  der  narren  sei 

alweg  in  iren  Worten  da  pei, 

aber  der  zorn  des  weisen  man, 

1427  red  nicht  dann  S.  fehlt  GD.  1428  auch  spricht  W.  1430  bedarf 
FB.  1431  und  seinem  D.  1432  darumb  fehlt  F.  wann  fehlt  GD.  ist 
es  G.  1435  das  ainer]  wann  ainer  F.  sein  zorn  selbs  überwint  G.  zwingt  D. 
1436  in  fehlt  GD.  1437  denn  WGD.  1439  den  zornigen  fehltD.  aber] 
ob  WS.  unrechtD.  1440  Pharo]  was  derB.  Varo  der  sp.  S.  zorn  bekumert 
SG.  gar  fehlt  G.  1441  wenn  G.  trukehen  W.  1442  mag  wol  g.  F.  1443 
sprechen  G.  jenen  D.  1444  m.  erzürnen  sich  D.  1445  ist  ain  fehlt  F. 
teufelisch  SBG.  gehurnenS.  gehören  G.  gehören  teuffellich  D.  1447  leben 
f  ehl  t  G.  buoch  D.  vornen  GD.  1450  ist  auch  ain  G  1451  0.  der  t.  G. 
1453  da  fehlt  GD. 

Zingerle,  Vintler.  4 


50 

1455  der  wirt  mit  den  werchen  getan. 

Tulius  spricht:  „der  zorn  hat  ain  solich  mugent, 

das  er  ist  ain  Zerrüttung  aller  tugent." 

Seneca  spricht:  „wer  da  zwingt  den  zorn  sein, 

der  zampt  die  zungen  und  säubert  die  sele  sein." 
1460  Tulius  spricht:  „du  solt  trag  sein  zue  der  zorenhait 

und  snell  zue  der  parmherzichait, 

und  stät  in  deiner  widerwärtichait  besten 

und  beschaiden  in  deinem  wolgen." 

Seneca  schreibt  uns  auch  davon  : 
1465  „der  zoren  stirbt  pald  an  dem  weisen  man." 

sand  Jacob  hat  uns  auch  gesait: 

„die  leut  sulien  alweg  sein  perait 

ze  hören,  doch  so  solt  du  sein 

trag  in  der  antwurt  dein 
1470  und  solt  auch  trag  sein  zu  erzürnen  dich, 

und  die  leut  die  sulien  sich 

fleissen,  das  si  nutzen  ire  zornichait 

alweg  zue  der  gotes  gerechtichait. K 

sand  Augustin  spricht:  „wildu  dein  räch  wol  tuen, 
1475  so  lass  si  ganz  an  gottes  suen." 

Socrates  spricht:  „du  wilt  dich  lassen  den  zoren 

überwinden,  nain,  tue  das  voren, 

das  dein  gewonhait  den  zorn  überwint." 

darumb  spricht  Gregorius  der  wol  besint: 
1480  „nim  wider  den  zorn  ain  remedien, 

1456  hab  WGS.  solich]  solch  B.  fröleich  S.  1457  Zerrüttung]  ausrewtung 
W.  derrüttung  B.  rittung  S.  erröttung  0.  laster  und  schand  G.  1458 
zwingen  kan  W.  1459  zaumpt  WS.  zäumt  B.  der  sele  schein  WS.  1460 
du  solt  trag  sein]  piss  trag  GD.  1461  snelle  F.  und  auch  s.  G.  V.  1462. 
1463  fehlen  D.  1462  besten]  wesen  WBSG.  1463  und  in  deinem  wol 
geschaiden  G,  1464  sait  GD.  1465  d.  zoren  der  st.  WB.  stirbt  pald] 
schreibt  auch  GD.  1468  doch  so]  aber  doch  F.  so  fehlt  GD.  1470  und 
solt  auch  trag  sein  zue]  piss  auch  trag  ze  G.  scholt  S.  ze  B.  1471  das 
zweite  die  fehlt  FSG.  1472  iren  S  zorkaitW.  zornkaitBS.  ir  zornhait 
G.  1474  spricht  fehlt  SGD.  wilt  dein  WSD.  räche  tuen  F.  rauch  auch 
wol  D.  1475  si]  in  D.  1476  spricht  fehlt  GD.  wiltu  dichD.  1477  nain 
das  tue  F.  nain]  nu  G.  1478  gewonhait]  manhait  GD.  1479  sand  Gr. 
BS.  der  wol]  wer  daz^  GD.  1480  nim  fehlt  D.  ain  remedien]  er  das 
thuo  D. 


51c 

süesse  antwurt  und  ain  sweigen, 

und  fuder  ze  gen  und  nicht  den  zoren  üeben." 

Salomon  spricht:  „zwo  sach  betrüeben 

den  menschen,  das  ain  ist  benotung, 
1485  das  hat  mir  gemacht  gross  unainung. 

der  zorn  erwegt  des  menschen  muet 

ze  krieg  und  zu  armuet, 

wann  die  weisen  versmähen  in  iren  mueten, 

das  si  sich  schaiden  sullen  von  dem  gueten, 
1490  und  das  si  das  pös  sullen  auf  clauben." 

auch  soitu  deinem  veint  nimmer  gelauben ; 

ob  er  sich  halt  diemüetig  gen  dir, 

so  soltu  im  doch  nicht  getrawen  schier, 

wann  in  deiner  traurikait  so  waint  er; 
1495   sieht  er  aber  die  zeit  konien  her, 

so  benüegt  in  nimmer  nicht 

deines  pluetes,  als  das  Pharo  spricht, 

das  chain  reich  tum  nicht  lang  mug  weren 

in  chriegen.   so  tuet  sand  Augustin  uns  leren, 
1500  das  man  in  fünferlai  sach  an  triegen 

mug  man  zimleich  wol  chriegen: 

durch  willen  des  gelauben, 

oder  der  die  cristenhait  wolt  berauben, 

und  das  das  durch  frides  willen  sei, 
1505  und  das  man  sich  von  aigen  frei, 

auch  das  man  sich  von  benotung  lös. 

Tulius  spricht:   „das  pös 

macht  man  mit  dem  pösen  rain, 

1481  sus  a.  F.  und  auch  a.  G.  1482  und  fehlt  GD.  für  sich  geen  u. 
d.  z.  nit  üben  D.  1483  spricht  auch  S.  1484  ist  ain  D.  ist  die  wenotung 
F.  benötung  WD.  1485  ain  ainung  G.  1486  z.  der  erbekt  S.  erweckt 
F.  bewegt  GD.  1487  und  auch  zue  G.  1488  versmachen  F.  1489 
sew  F.  1491  veinten  F.  nimmer]  nichtz  nit  G.  nichtz  D.  getrauwen  D. 
getrewenG.  1492  diemutigtF.  diemuettigklich  G.  1493  doch  fehlt  GD. 
gelauben  GD.  1494  so  fehlt  G.  1495  er  fehlt  S.  1496  dasj  do  D.  inj 
er  sich  G.  1497  Pharao  F.  1498  mug  lang-  B.  mug]  kund  G.  kind  D. 
1499  Augustein  S.  1503  der  fehlt  F.  wer  G  1504  und  durch  des  fr. 
w.  s.  F.  frid  S.  1505  fehlt  G.  vor  W.  1506  und  auch  sich  v.  GD.  vor 
WS.  von  fehlt  B.  nottung  F.     1508  guten  B. 

-i* 


52 

und  eisen  veilt  man  mit  stahelzain." 
1510  sand  Augustin  spricht:  „sälig  ist  der  mensch  zwar, 

der  mit  seiner  gedult  gar 

erlöst  ains  andern  mannes  zornickait 

und  der  do  mit  seiner  diemüetichait 

gesigt  an  des  andern  hochfart, 
1515  und  wer  do  hat  die  selben  art, 

das  ainer  mit  seiner  snellichait 

erwegt  des  andern  traghait, 

und  der  mit  seiner  minne 

erzünt  des  audern  sinne." 

1520    Von  dem  zoren  list  man  das, 

das  David  der  prophet  was 

gevallen  in  ain  lieb  ainer  frawen  clar. 

die  selb  hies  Bersabe  für  war 

und  was  ains  weib,  der  hies  Urias. 
1525  die  selb  pei  David  swanger  was. 

do  sant  David  nach  Uriam, 

das  er  pald  zue  seinem  weibe  cham. 

der  was  ze  veld  pei  ainer  stet, 

die  da  Davides  volk  besessen  het, 
1530  wann  er  darumb  chomen  solt, 

das  im  sein  weib  Bersabe  wolt 

das  chind  gegeben,  das  David  het  gemacht. 

und  do  Urias  cham  und  betracht, 

das  sein  weib  an  im  het  getan, 
1535   do  wolt  er  mit  ir  nicht  ze  schaffen  han, 

und  wolt  auch  pei  ir  nicht  ligen. 

das  ward  David  nicht  verswigen. 

1509  fehltG.  stachelF.  stähel  WS.  zain]  klain  D.  veihelfcD.  1510  sand 
un  d  spricht  fehlt  GD.  Augustinus  GD.  1512  ander  F.  zornkait  WS. 
zornhaitBGD.  1513  der  fehlt  S.  do  fehlt  G.  1514  ander  F.  hoffarfcBG. 
1517  erweckt  FS.  ander  F.  treghait  S.  trahait  W.  tragkait  D.  1818  der 
damitF.  der  fehltD.  1519  enzuntWBSG.  des]  ains  F.  ander  F.  minneS. 
V.  1520  —  1601  fehlen  B.  1522  ainer]  ain  G.  1523  Warsabe  F.  1524 
der  fehlt  F.  Orias  FS.  1526  0riamFS.  1527  zu]  nach  F.  kchem  S.  kämD. 
1528  pei]  vor  W.  1529  da  fehlt  S.  1531  Warsabe  F.  1532  geben  FGD. 
hat  gemantS.  1533  Orias  F.  Oriara  S.  1534  im  das  het  FG.  im  het  das  S. 
1536  auch  fehlt  FD    1537  beswigen  G. 


53 

und  do  das  David  ersach, 

do  tet  er  gar  ain  übel  räch, 
1540  wann  er  erwegt  sich  für  sich  in  ainen  zoren 

und  schraib  den  haubtleuten  hie  voren, 

die  des  selben  veldes  phlagen. 

den  brief  muest  Urias  selber  tragen. 

der  selbe  brief  der  laut  also, 
1545   das  die  haubtleut  alle  do 

solten  an  die  stat  ainen  stürm  han 

und  solten  ze  vodrist  Uriam 

an  die  maur  lassen  gen, 

das  er  dem  tod  nicht  mocht  engen. 
1550  und  also  ward  getötet  Urias. 

das  alles  von  Davides  zoren  chomen  was. 

Von  dem  zoren  schreibt  uns  Valerius, 

das  die  chünigin  Semiramus, 

die  in  Assiria  die  chrone  trueg, 
1555  die  was  zornig  und  greuleich  genueg. 

wann  do  man  ir  ains  tags  das  haupt  kralt, 

und  das  halb  tail  nicht  gar  was  gestralt, 

do  cham  ir  ain  strenge  potschaft, 

das  die  purger  von  Babilon  mit  kraft 
1560  hetten  von  ir  geworfen  sich. 

do  lief  si  mit  zoren  ungestümlich 

mit  ungestraltem  haubt 

an  alles  weipleich  gepend,  das  gelaubt, 

und  vacht  so  lang  mit  irer  macht, 
1565  pis  das  si  die  stat  wider  in  ir  gewalt  pracht. 

1540  erwegt]  weck  F.  das  erste  sich  fehlt  G.  ainemF.  1541  fehlt  G. 
hie]  hin  F.  1543  OriasFS.  1544  der  fehlt  FS.  lauttett  F.  1545  aldo  F. 
1546  ain  FG.  1547  voderst  W.  fodrost  G.  Oriam  FS.  1548  mawer  S. 
1549  macht  F.  ergen  GD.  1550  getot  W.  ertottet  G.  ertöt  D.  OriasFS. 
1551  chomen  fehlt  F.  zorn  zu  chomen  w.  WD.  1553  Semiramis  WS. 
1555  greileichF.  1556  das  haupt  fehlt  GD,  krewlt  W.  kältGD.  berawlt 
S.  stralt  F.  1557  und]  do  S.  was  nicht  gar  g.  F,  was  gar  gestralt  S.  gar 
fehltG.  gestralt D.  1559  Babilonie  WS.  1560hetGD.  gewoffen S.  1561 
mit]  in  F.  ungestimkleich  F.  1562  ungestrelten  S.  1563gepardW.  geperd 
S.  gepärd  G.  1565  das  fehlt  GD.  gewalt]  hand  GD. 


54 

des  ward  ir  ain  pild  gemacht  schon 
und  ward  gesetzt  auf  den  platz  ze  Babilon 
mit  ungestraltem  har  und  langem, 
gleich  als  si  die  tat  het  begangen. 

1570  Von  dem  zoren  list  man  in  Valerio, 

das  der  chünig  von  Karthago, 

der  da  Hanibal  s  vater  was, 

der  selb  hiez  Amulcar,  als  ich  las, 

wann  er  was  der  Romär  veint  ze  aller  zeit 
1575   und  hetten  mit  ainander  manigen  streit, 

als  uns  die  püecher  der  poeten  sagen. 

nu  het  er  vier  sün  in  den  tagen. 

er  sprach:  „das  sullen  sein  vier  lewen, 

die  das  römisch  reich  zestrewen." 
1580  und  do  der  selb  chünig  Amulcar  genant 

wolt  varen  in  Yspanien  lant, 

do  fuert  er  mit  im  Hanibal  den  helt, 

dem  waren  dennoch  nur  neun  jar  gezelt, 

und  opfert  in  do  den  göten  sein 
1585   auf  der  Romär  chünftig  pein, 

und  das  er  solt  meren  der  Romär  schaden. 

so  gar  was  er  mit  zorn  beladen 

auf  der  Romär  ungemach. 

und  do  der  jung  Hanibal  das  lant  sach, 
1590  do  trat  er  in  den  staub  mit  dem  fues 

und  sprach:  „geleich  also  mues 

zwischen  mein  und  Romär 

alweg  sein  chrieg  immer  mer 

unz  an  die  zeit,  pis  das  geschieht, 
1595   das  man  Rom  oder  Karthago  sieht 

1566  des]  darumb  G.  was  ein  pilde  g.  S.  1568  ungestreltem  herr  S. 
1569  hat  W.  1570  list  man  das  in  ValerianoF.  1574  wanne  F.  wenn  G. 
allzitt  G.  allzeit  D.  1575  mitenander  W.  15  78  leben  S.  leonen  G.  1579 
zerstören  S.  gestrawen  G.  1580  selb  fehlt  G.  1581  wolt]  solten  G. 
Egipten  1.  D.  1583  dennoch  WS.  dannocht  G.  newer  nawen  S.  15  84 
gote  S.  götter  G.  göttern  D.  1586  weren  S.  1588  römer  W.  1589  do 
fehlt  GD.  jung  fehlt  GD.  1590  in  fehlt  G.  1591  u.  sprach  do:  geleich 
als  ain  mues  F.  1592  römär  W.  1593  chrieg  fehlt  F.  1594  unz]  hinz 
WS.  pis]  hinz  WS.  daz  GD.  1595  oder]  und  WG. 


55 

geleich  dem  tritt  in  diser  erde, 
das  ir  ains  also  geleich  werde." 
das  selb  sich  alles  erfolget  hernach, 
wann  es  alles  sampt  geschach, 
1600  das  Karthago  ward  verprant  ganz  und  gar. 
das  cham  alles  von  dem  zoren  dar. 

Von    der    parmherzikait. 

Die  parmherzikait  ist  ain  hoche  rieht, 

als  sand  Augustin  das  spricht, 

das  man  sol  lieb  haben  sein  sei  die  armen 
1605  und  sich  über  ander  leut  erparmen, 

und  parmherzig  ze  sein  in  deinem  wesen. 

sand  Thomas  hat  uns  auch  gelesen 

und  spricht  also,  das  alt  und  jung 

vergeben  sol  die  laidung, 
1610  das  im  sein  widertail  hat  getan, 

und  raten  den,  die  da  zweivel  han, 

und  ze  maistern  den,  der  do  nicht  verstat, 

und  trösten  den  traurigen  frue  und  spat, 

und  got  pitten  für  ander  leut. 
1615  Ofidius  uns  auch  bedeut, 

ob  die  menschen  nicht  sunten, 

da  darf  man  nicht  enzunten 

die  tugent  der  parmherzikait, 

wann  es  tat  niemant  dem  andern  lait. 

1620  Ich  mag  geleichen  die  parmherzikait 

den  jungen  tahen,  als  die  geschrift  uns  sait. 
wenn  die  selben  sehen  das, 

1596  den  trittenD.  der  erden GD.  1597  das  ir]  darin  F.  werden  G.  1598 
als  W.  volgetF.  1599  es  fehlt  WS.  sampt  hernach  g.  F.  1600  verprant 
ward  G.  1601  eh.  also  alles  von  z.  GD.  1602  p.  die  ist  gar  ain  F.  1603 
das  fehltBGD.  1604  das  fehlt  F.  han  GD.  sein  sei  fehlt  F.  arme  GD. 
1605  erparme  GD.  1606  ze  fehlt  FGD.  1612  dem  F.  da]  dan  S.  der 
fehlt  G.  1613  den]  die  S.  1619  uns  fehlt  G.  1616  süntten  F.  1617 
da]  so  F.  1619  nyeman  S.  nyemantz  D.  V.  1620—1633  fehlen  B. 
1620  ich  geleich  D.  1621  tachen  F.  schritt  S.  uns  fehlt  F.  als  uns  die 
ff.  s.  G. 


56 


das  in  vatter  und  mueter  ist  lass 

von  dem  alter,  und  das  si  Verliesen  ir  gesicht, 

1625  und  das  si  gefliegen  mügen  nicht, 

so  machent  in  die  jungen  taben  ainen  test 
und  speisent  si  altag  in  dem  nest 
und  raufent  in  die  alten  federn  aus 
und  prechent  in  aus  der  äugen  claus. 

1630  so  salben  si  dann  die  jungen  tahen  als  lang, 
das  in  wachsent  ir  vedern  an  alles  getwang, 
als  das  auch  die  natur  von  in  gicht, 
das  in  wider  chumpt  ir  gesicht. 
Plato  der  maister  spricht  das, 

1635  das  chainem  menschen  frume  bas 
und  im  auch  als  wol  gefrum, 
als  das  man  den  siechen  ze  staten  chum, 
und  speisen  den  hungrigen,  wa  man  chan, 
und  geben  ze  trinken,  die  do  durst  han, 

1640  und  lösen  die  gefangen  von  irem  pant, 
und  das  man  den  nakenden  geb  gewant, 
und  auch  ze  herbergen  die  eilenden  chind, 
und  ze  begraben,  die  do  tot  sind, 
wer  da  parmherzikait  erzaiget 

1645  über  ander  leut,  dem  wirt  genaiget 
auch  die  parmherzikait. 
Longinus  hat  uns  das  gesait : 
„die  mächtikait  der  menschen  wächst  alhie 
von  zwain  Sachen  ie  und  ie: 


1623  hass  und  lass  G.  1624  und  Verliesen  das  ir  gesicht  F.  und  fehlt  S. 
das  si  fehlt  G.  1625  si  fehlt  F.  1626  ain  FG.  nest  G.  1627  si]  sich  F. 
1630  danneF.  tehen  S.  thachen  F.  1631  ir]  die  FD.  verdern  F.  an]  und 
F.  allen  zwang  D.  1632  das]  es  G.  1633  chom  F.  1635  frome  WB. 
frumen  G.  1636  und]  das  F.  gefrumen  F.  als  fehlt  GD.  1637  stäten  S. 
chäm  WB.  chumen  F.  1638  und  den  hungrigen  ze  speisen  w.  GD.  1639 
und  ze  trenken  geben  den,  die  sein  notturft  han  G.  und  ze  trenken  den, 
die  sein  notturft  han  D.  do]  den  W.  die  do  den  BS.  1640  und  die  gefangen 
lösen  GD.  los  F.  ir  B.  1641  und  fehlt  GD.  man  auch  den  n.  geb  daz  g. 
GD.  den  fehltS.  nakandenB.  1642  und  herbergeGD.  1643  und  begrabe 
dieGD.  die  die  da  BS.  1647  L.  der  hat  G.  L.  das  uns  hat  g.  F.  das  fehlt 
GD.  1648  wächst  alhie  fehlt  S.  alle  hie  G.  1649  zwai  G. 


57 

1650  das  ain,  wenn  man  getrew  fretint  hat, 

das  ander,  wo  die  parmherzikait  hat  stat, 

das  du  deinem  veint  vergeben  macht  di  pein; 

wann  chain  räch  an  schaden  mag  nicht  gesein." 

Salomon  der  weise  spricht: 
1655   „wer  dem  armen  geit,  der  pettelt  nicht, 

und  wer  da  verspert  die  oren  sein 

vor  dem  armen  pilgrein, 

so  wirt  das  rueffen  sein  zerstört, 

so  das  er  auch  nicht  wirt  erhört." 
1660  Cassiderus  hat  uns  das  gesait: 

„pis  nicht  geitig  in  parmherzikait, 

wild  du  si  auch  selber  an  dir  vinden." 

Sermoniale  spricht  zue  seinen  chinden  : 

„du  solt  sein  parmherzig  in  der  jugent 
1665  wann  die  parmherzikait  ist  ain  mueter  aller  tugent." 

Pytagoras  der  spricht  an  alles  laugen 

„ist  das  die  hent  weren  den  äugen 

und  die  zende  der  zungen, 

so  tuest  du  nimmer  chain  rachungen, 
1670  und  wer  das  selbe  also  tuet, 

der  macht  im  selber  gueten  muet." 

Christus  der  sprach  hie  auf  erde: 

„wildu,  das  dir  vergeben  werde, 

so  vergib  du  auch  iederman." 
1675  Plato  spricht  auch  davon: 

„der  tuet  gar  ain  grossen  streit, 

der  do  seinem  veint  vergeit, 

und  er  sich  wol  mocht  han  gerochen." 

1650  wenn]  wan  F.  trew  GD.  1651  waBG.  hat  fehlt  GD.  1652  veint 
macht  vergeben  WBS.  1653  räch  mag  an  schaden  n.  g.  F.  schaden  nicht 
mag  g.  SG.  nit  sein  B.  1654  weiss  maister  G.  1657  pilgram  S.  1659 
er  rauch  nit  G.  d'rach  nitD.  1660  CaledriusF.  CaladrinusWS.  Kaladrinus 
D.  C.  der  maister  hat  uns  g.  G.  1661  in  der  p.  F.  1662  sei  BS.  es  F. 
selber  fehlt  GD.  1663  Sermoniales  F.  Giovenale  0.  1664  parmherzige 
in  dein  iungentF.  1665  die  fehltD.  parmherzigung  G.  aller]  der  D.  1666 
der  fehlt  GS.  1667  werentF.  werdentSG.  1669  tuocht  G.  raichunge  G. 
1671  macht  fehlt  G.  hat  in  im  selbs  D.  selber  fehlt  F.  selb  G.  1672 
der  und  hie  fehlt  G.  1673  auch  du  iedem  man  F.  1677  do]  der  WBG. 
seinen  veinten  F. 


58 

Ofidius  der  hat  auch  gesprochen : 
1680  „als  oft  der  mensch  in  die  sunde  vall, 

solt  man  si  darumb  pessern  all, 

so  ward  ir  wenig  in  churzer  zeit. 

gedenk,  haben  getan  dein  streit, 

so  du  si  wol  mochtest  haben  getan, 
1685  wann  da  prüeft  man  dein  tugent  an." 

Salomon  spricht  zue  maniger  stund: 

„der  gelaub  und  die  parmherzikait  rainigen  die  sund." 

Von  der  parmherzikait  list  man  also 

in  dem  puech  Machabeo, 
1690  das  ainest  gar  ain  grosser  dieb  was. 

der  raubet  auf  dem  mer  alles,  das  da  was. 

der  wart  aines  tages  gevangen 

und  wart  pracht  für  Alexander  an  ainer  strängen. 

do  fragt  für  sich  der  chünig  den  dieb, 
1695  warumb  er  hiet  den  raub  so  lieb? 

do  antwurt  er  dem  chünig  gar  sittleich 

und  sprach:  „das  das  du  tuest  auf  dem  ertreich, 

da  pistu  nicht  ain  dieb  umb  gehaissen, 

wann  du  verst  in  der  weit  chraissen 
1700  mit  grossem  gewalt  für  manige  stat, 

aber  ich  var  allain  frue  und  spat. 

dar  umb  haist  man  ainen  dieb  mich. 

füerest  du  aber  allain  als  ich, 

so  wärst  du  als  wol  ain  dieb  zwar 
1705  gehaissen  als  ich,  das  gelaub  für  war. 

wann  welche  dich  fliehen,  den  jagest  du  nach, 

und  die  da  nicht  sunten,  an  den  tuest  du  dein  räch, 

1679  der  fehlt  W.  1681  sew  F.  si  fehlt  G.  die  D.  1682  weniger  S. 
in  ainer  eh.  F.  1683  getan  fehlt  F.  dein]  deinen  B.  den  S.  1684  machtest 
S.  1685  prieftG.  man  wol  die  t.  G.  1687  der  gelaub  und  fehlt  GD.  und 
fehlt  F.  rainigend  FG.  V.  1688  —  1751  fehlen  B.  1690  ainost  G. 
aines  S.  gar  fehlt  F.  1691  fehlt  SGD.  1  6 9 2  ward  gefangen  aines  tags 
GD.  1693  und  auch  gepracht  f.  G.  und  gebracht  D.  ainem  strängen  dort 
her  GD.  1694  für  sich  fehlt  WSGD  1695  het  WSGD.  allso  W.  1697 
das  das]  das  G.  was  D.  auf]  auss  d.  G.  1698  umb  fehlt  GD.  1699  werst 
S.  1704  du  fehlt  G.  1705  daz  ist  war  GD.  1706  fliechent  diej.  F.  den] 
da  G.  wer  dich  fleucht,  dem  D.    1707  da  fehl  t  G.  dein]  der  S. 


59 

aber  die  angst  des  todes  treibet  mich  umb 

zue  meiner  clainen  ranbung; 
1710  aber  dein  raubung  ist  vil  pöser  denn  die  mein. 

das  ist  an  dir  oft  warden  schein, 

das  du  das  alles  tuest  von  begir  des  muetes ; 

wann  ie  mer  dn  hast  des  guetes, 

und  ie  mer  das  gelück  pei  dir  ist, 
1715  ie  pöser  und  pöser  du  nur  pist. 

aber  viel  mir  ain  wenig  gelück  zu, 

so  war  ich  vil  pesser  dann  du 

und  stäl  noch  raubte  niemant  nicht  mer." 

und  do  Alexander  der  her 
1720  horte  an  dem  den  freien  muet, 

do  erwegt  sich  für  sich  sein  herz  in  guet, 

das  er  nam  an  sich  ain  parmung. 

wann  do  er  sach,  das  er  darumb 

was  ain  dieb  von  grosser  armuet, 
1725   das  erwegte  Alexander  den  muet, 

das  er  im  die  schuld  des  todes  vergab. 

darnach  ward  er  sein  ritter  nach  der  sag 

und  ward  auch  der  mächtigisten  ainer, 

als  an  seinem  hof  was  indert  chainer. 

1730   Von  der  parmherzikait  han  ich  gelesen, 

das  Syraonides  der  poet  ist  gewesen 

als  gar  parmherzig,  hör  ich  sagen, 

das  er  die  toten  tet  begraben. 

der  selb  Symonides  ains  tages  sas 
1735   mit  seinem  freunr  Scopia  und  as 

in  der  stat  Tramonia, 

1710  dan  F.  1711  ist  fehlt  G.  das  an  dir  oft  worden  ist  D.  1712  du 
alles  G.  aus  begird  dein  GD.  1714  und  auch  ye  me  daz  G.  1715  ye  nie 
und  ye  posser  und  üppiger  du  pist  G.  pesser  und  posoer  S.  und  üppiger 
du  D.  1717  wann  S.  1718  nicht  fehlt  W.  1719herrFS.  der  gross  her r 
G.  1720  höretF.  den  fehlt  G.  V.  1721.  1722.  1723  fehlen  S.  1721 
erbeckt  F.  sich  sein  herz  fiirpass  in  GD.  1722  an  sich  nam  F.  1723  wan] 
und  GD.  das  fehlt  G.  das  er  fehlt  D.  1724  do  was  D.  1725  erweckt 
FS.  den]  sein  GD.  1727  richter  F.  1728  fehlt  S.  raechtigost  GD.  1729 
an]  in  WS.  nindertGD.  1731  der  poet  fehlt  GD.  1732  gar  fehlt  GD. 
1735  feind  der  das  hiess  Soppia  G.  1736  Tremonia  F. 


60 

die  da  leit  in  dem  laut  Tesalia. 

do  chomen  zweu  jungling  für  die  tür 

und  rueften  Symonides  her  für, 
1740  das  er  snell  cliäm  und  nicht  anders  tat, 

wann  das  er  zue  der  porten  ain  tritt  trat. 

also  gierig  Symonides  nach  dem  wort 

pald  und  reschlich  zue  der  port, 

und  do  er  zue  der  porten  cham, 
1745  do  vand  er  vor  dem  tor  niemant  stan. 

do  wolt  er  zue  dem  haus  hin  wider, 

da  viel  es  hinter  sein  dernider 

und  slueg  alle,  die  darum,  ze  tot. 

also  cham  Symonides  von  der  not, 
1650  als  das  Valerius  Maximus  sait, 

das  in  nicht  schirmet,  dann  die  parmherzikait. 

Von    der    greuleichait. 

Die  greuleichait  ist  ain  wider wertikait 

der  parmherzikait,  als  das  Andronicus  sait, 

und  ist  doch  fünferlai  in  seinem  beschreiben. 
1755  die  erst  ist  nicht  mit  haben  chain  leiden 

ains  andern  menschen,  was  im  geschieht. 

die  ander  sach  hat  also  pflicht, 

das  im  alweg  widerstet  in  seinem  muet, 

das  er  chain  erparmung  seinem  nächsten  tuet. 
1760  die  dritte  sache  die  ist  die, 

das  er  nicht  wil  vergeben  hie 

der  laidung,  die  man  hat  getan. 

die  vierde,  das  er  wil  mer  pessrung  han, 

wann  man  von  recht  verdienet  hat. 

1738  chamen  W.  kament  D.  für]  an  F.  1740  chom  F.  1742  dem] 
tem  F.  wört  S.  1743  restlich  G.  1744  port  G.  1745  port  GD.  1747 
der  fehlt  F.  ninder  D.  1748  die  darinn]  darinne  G.  1749  also  cham] 
das  F.  1751  dann]  wenn  W.  1752  gr.  die  ist  G.  1754  doch]  auch  G. 
seim  beschribenF.  schriben  G.  1755  die]  das  B.  ist  chain  mitleiden  haben 
in  niemantz  leiden  G.  ist  kein  mitleiden  han  in  yemantz  1.  D.  1756  ander 
F.  im  fehlt  F.  1757  sach  die  h.  G.  1759  parraungGD.  seim  WSD.  1760 
sach  daz  ist  G.  1762  im  hie  hat  BF.  hat]  hiet  S.  1763  das  fehlt  GD. 
1764  verdienen  G. 


61 

1765  die  fünfte  sach,  das  ainer  lat 

sein  muet  ze  snelle  an  ain  sach, 

damit  das  er  an  dem  andern  tue  sein  räch. 

Die  greulichait  die  geleichet  man 

dem  basilisken,  das  ist  ain  wurm  und  ain  han, 
1770  als  die  natur  von  im  spricht, 

das  er  tötet  leut  und  tier  mit  seinem  gesicht, 

als  gar  ist  er  ane  parmherzikait. 

wann  im  ist  von  natur  gar  lait, 

das  er  nicht  mag  vinden  leut  oder  tier, 
1775  die  er  müg  vergiften  schier, 

so  derret  er  doch  paum  und  gras 

mit  seinem  gestank  ,  der  im  chumpt  von  mund  und  nas, 

und  alleu  chreuter,  die  da  umb  in  sten, 

die  müssen  all  von  seinem  atem  zergen. 
1780   das  dorret  alles,  als  man  sait, 

von  seiner  grossen  greuleichait. 

Jesus  Syrach  der  spricht  also : 

„du  solt  nicht  sein  als  der  leo 

in  seinem  haus,  wann  er  hat 
1785  chain  parmherzikait  an  der  selben  stat 

über  seine  undertan." 

Marsianus  der  spricht  auch  davon 

„es  ist  chain  snöder  ding  in  diser  weit  nicht, 

wann  ain  snöde  person,"  als  er  gicht, 
1790  „in  seinem  handel  und  wesen." 

Ermes  hat  uns  auch  gelesen: 

„gib  dem  peinigten  nicht  mer  peinung, 

das  er  nicht  val  in  ain  verzagung." 

Casiodrus  der  hat  uns  auch  gesait: 

1766gemütGü.  ]  768  — 1781  fehlen  B.  1769  wurmen  W.  1771 
und  auch  t.  G.  17  72  an  WS.  an  alle  p.  G.  1773  im  von  natur  ist  gar  1. 
F.  ist  allwegv.G.  gar  fehlt  G.  1774  oder]  und  F.  noch  SG.  1775  mug] 
gern  wolt  G.  1776  doch  die  p.  und  auch  daz  gr.  G.  1777  stank  SGD. 
im]  doD.  chumpt  von  seiner  nas  Gü.  1778  alleWSG.  da  fehlt  F.  1779 
müssent  FD.  ergen  WGD.  1780  darret  W.  derret  S.  1782  der  fehlt  FS. 
1787  der  fehlt  BFG.  1788  chain  schnöder  ding  ist  inGD.  1789  snödeu 
W.  1790  undl  von  G.  1791  E.  der  hat  G.  1794  der  fehl  t  FG. 


62 

1795   „über  alle  greuleichait, 

die  man  in  diser  weit  tuet, 

das  ist,  das  man  ainem  nimpt  sein  guet, 

und  man  doch  das  wol  wais, 

das  er  es  gewunnen  hat  mit  hertem  swais." 

1800  Von  der  greuleichait  list  man  das, 

das  ze  Rom  ain  herre  was. 

der  was  Lucius  Syla  genant 

und  was  ainer  von  dem  höchsten  ampt, 

der  da  was  in  dem  senat, 
1805   und  tet  doch  so  greuleiche  tat, 

das  es  unzimleich  ist  ze  sagen. 

wann  er  lies  auf  ainen  tag  slahen 

ze  tot  vier  vinster  ritterschaft, 

die  sich  alle  mit  chraft 
1810  heten  an  sein  treu  gegeben, 

und  het  in  doch  gesichert  ir  leben 

pei  seinen  trewen,  als  man  sait. 

do  lies  er  si  an  alle  parmherzikait 

werfen  in  der  Teifer  fluss, 
1815  als  uns  sagt  Valerius  Maximus, 

das  sein  mordischait  niemant  müg  gedeuten. 

darnach  hies  er  den  toten  leuten 

iegleichem  ab  slahen  den  chragen, 

und  hies  die  häubter  für  in  tragen, 
1820  das  er  da  sach  sein  freude  gerait 

in  dem  spiegel  seiner  poshait. 

Auch  sagt  man  von  chünig  Hanibal  von  Karthago, 

1795  alle  die  gr.  GD.  1797  man]  ainer  BS.  1798  man]  er  WBS  GD 
doch  fehlt  GD.  1799  es  fehlt  F.  1800  — 1880  fehl  en  B.  1801  zej 
datz  G.  her  WFG.  1802  genampt  G.  1803  bochen  G.  1804  dem  weisen 
s.  G.  1805  doch  dy  grewlisten  W.  so  fehlt  G.  .greuleich  F.  1806  un- 
zeitlich W.  unmügleich  F.  ist  unziml.  G.  1807  wanne  F.  hies  S.  erschlachen 
G.  1808  finster  der  r.  GD.  1809  alle]  alsampt  F.  mit  gantzer  ehr.  G. 
1810  ergeben  G.  1811  in  doch]  auch  D.  auch  in  G.  gesichrofc  G.  1813 
sey  S.  allewF.  1815  uns]  do  1).  1816  mordikaitS.  mag  bedeuten  WSGD. 
1817  lies  SG.  1818  iedleichem  F.  den]  seinen  G.  1819  hiess  im  die  h. 
alle  f.  sich  tr.  G.  hewbfcer  S.  in]  sich  D.  1820  sehe  D.  berait  GD.  1821 
seiner  grosse  p.  G.     1822    von  dem  WSG.   Hanibal  fehlt  W. 


63 

als  das  beschreibet  Seibio, 

das  so  gar  mordisch  was  sein  hant, 
1825  do  er  in  dem  streit  die  Romär  überwant, 

do  was  er  so  greuleich  und  so  pitter, 

das  er  aus  den  römischen  ritter 

Hess  machen  ain  prucken  prait, 

das  sein  volk  über  die  römischen  ritter  rait, 
1830  und  was  des  römischen  volkes  müed  was, 

den  lies  er  absiahen  mund  und  nas, 

auch  hend  und  fües  auf  dem  veld, 

und  die  gefangen  fuert  man  für  sein  gezelt. 

do  gedacht  er  im  erst  ain  newes  mort, 
1835  und  lies  prueder  und  prueder  fort, 

und  freunt  und  freunt  zu  ainander  pinden. 

darnach  lies  er  vorn  und  hinden 

gar  scharfe  eisen  umb  si  löten, 

und  muesten  ainander  selber  töten, 
1840  auch  lies  er  ir  chainen  von  der  not, 

unz  das  si  alle  lagen  tot. 

Von  der  greuleichait  schreibt  man  das, 
das  das  volk  von  Otoria  was 
so  gar  mordisch  auf  der  menschen  leben, 
1845  das  si  die  toten  punden  gar  eben 
auf  die  lebentigen  mit  dem  pant, 
munt  auf  munt,  hant  auf  hant, 
und  ain  iegleich  gelid  besunder  zwar 
das  muest  auf  das  ander  dar. 

1823  als  uns  schribet  G.  als  do  schreibt  D.  1  824  mürdisch  W.  mordlich  G. 
1825  doj  daz  G.  1826  er  gr.  S.  und  pitter  F.  1827  dem  F.  r.  edlen  r,  G. 
1828  prucke  F.  pruge  G.  1829  fehlt  W.  diej  den  F.  über  sy  auss  und 
ein  r.  G.  1830  volk  FG.  römischen  reichs  W.  1833  man  fehlt  S.  man 
all  für  W.  zeit  G.  1834  erdaucht  er  sich  G.  er  fehlt  W.  imj  nü  S.  eins 
D.  mords  Gl).  1835  fehlt  Gl).  1836  und  hiess  frund  und  feind  [frundD.] 
zesamen  p.  DG.  ein  und  freunt  fehlt  F.  1837  hies  F.  erumbsy  WSGD. 
vor  F.  vornen  D.  fornan  und  hindan  G.  1838  sew  F.  sey  S.  scharpfen  G. 
lotten  F.  1839  fehlt  G.  u.  muost  einer  den  andern  s.  D.  an  ainander  F. 
totten  F.  1841  untzt  F.  unz  biss  das  GD.  lagent  D.  sew  F.  1843  Gtbria. 
f.  was  fehlt  G.   1845  die  fehlt  S.    1846  lembtigen  &  1848  igleich  S. 


64 

1850  also  Hessen  sie  die  lebentigen  mit  den  toten 
auf  ainander  faulen  und  soten. 

Von  der  greuleichait  list  man,  in  Troya, 

als  Ofidius  spricht,  do  Medea 

viel  in  die  lieb  her  Jason, 
1855  do  lief  si  im  nach  und  fueret  schon 

iren  prueder  mit  ir 

und  tötet  den  in  irer  gir, 

und  legt  in  auf  den  weg  also  erslagen. 

ob  ir  der  vater  nach  wurd  jagen, 
1860  das  er  dan  fund  sein  sun  den  klainen, 

so  wurd  er  als  lang  ob  im  wainen, 

und  wurd  ain  clag  ob  im  beginnen, 

das  si  die  weil  möcht  entrinnen. 

und  also  entran  si  dar  von 
1865  und  cham  zue  irem  puelen  Jason. 

da  was  si  pei  etwe  vil  zeit, 

und  gewan  pei  im  zwen  sün  gemeit. 

do  nam  Jason  sich  ainer  andern  an 

und  lies  Medea  allain  stan. 
1870  und  do  er  sein  minne  von  ir  prach, 

do  tet  si  gar  ain  greulich  räch, 

wann  si  tötet  ire  kind  paide, 

darumb  das  Jason  auch  viel  in  laide 

und  trank  ze  tratz  von  in  das  pluet. 
1875   dar  nach  ward  si  so  gar  unguet, 

das  si  gar  ir  sinn  verlos. 

wann  si  gieng  in  der  weit  weislos, 

nur  das  si  Jason  möcht  tuen  ain  schäm 

und  also  waiss  niemant,  wa  si  hin  cham. 
1850  lemtigen  W.  lembtigen  S.  mit  den]  und  die  GD.  1851  soten]  saitten 
G.  1852  greyleichkait  W.  grewleichkait  S.  1853  Media  W.  1855  loffF. 
1856  ieren  S.  1857  irrer  W.  ir  F.  ]858  lag  S.  1859  vatter  S.  wurd] 
wolt  S.  1860  dan]  denn  WSG.  seinen  WG.  1862  ain  fehlt  S.  1864 
entran]  kam  GD.  der  van  S.  1865  chom  F.  1866  pei  fehlt  D.  etwenD. 
etwe  vil]  etsleich  S.  1867  gemeit]  seit  WSGD.  1868  umb  ain  andre  F. 
1870  er  also  sein  F.  pracht  F.  1872  tottet  F.  paidew  F.  1874  und  vor 
im  tranck  sy  ze  tratze  das  pl.  F.  imD.  pluetteG.  1875  nach  so  ward  WS. 
si  gar  SF.  gar  fehlt  GD.  unguette  G.  1878  si  nit  mocht  tun  Jason  ain 
schom  F.  1879  und  fehlt  F.  west  F.  waisst  G,  hin  fehlt  W. 


65 


Von     der     milt. 

1880  Das  milt  gemüet  das  ist  so  mugent, 

das  si  ist  ain  widerwärtigen  tugent 

gen  der  snöden  greuleichait 

nach  dem,  als  Aristotiles  sait, 

und  ist  ze  geben  den,  die  da  dürftig  sint; 
1885   aber  das,  das  man  geit  in  den  wint 

mit  fürsichtigem  muet, 

das  ist  ain  tadel  und  ist  nicht  guet, 

als  den  ze  geben,  die  sein  nicht  dürftig  sein, 

geleich  als  der  do  wasser  trüeg  in  den  Rein. 
1890   wann  wer  da  mer  geit,  dan  er  mag  han, 

der  tailt  sich  von  der  miltikait  in  die  schäm 

und  vellet  in  der  geudung  urspring. 

und  das  selb  ist  gar  ain  pöses  ding, 

wann  in  der  summ  da  der  tadel  stat, 
1895  wa  man  mer  verzert,  wann  es  dürft  hat, 

und  da  chain  mas  noch  Ordnung  sei, 

der  wil  der  geudung  wonen  pei. 

das  selb  haist  man  wol  ain  narrhait 

nach  dem,  als  das  gesetz  sait. 
1900  aber  die  geitikait  ist  pöser  vil 

nach  dem,  als  sand  Thomas  wil, 

und  ist  doch  in  dreierlai  mainung. 

das  erst  ist,  das  der  tadel  der  geudung 

sich  geleicht  vil  mer  mit  ir  tugent 
1905  gen  der  miltikait,  wan  die  ist  so  mugent, 

das  si  nur  alweg  ze  geben  ist, 

1880  gemüet  ist  FGD.  1881  widerbertikait  F.  wirdige  G.  1882  schönden 
F.  grewleichkait  W.  1883  uns  sait  F.  1885  man  da  geit  G.  den]  dem  F. 
1887  fehlt  F.  liederleich  aussgeit  sein  gut  G.  1889  do  fehlt  G.  in  den 
Rein]  in  wein  GD.  1890  do  fehlt  D,  dann]  wann  BD.  wenn  G.  denn  W. 
gehan  W.  1891  miltikait  und  steiget  in  s.  F.  1892  vallet  G.  gawdungS. 
1893  selbig  B.  gar  fehlt  F.  1894  wann  es  ist  geschriben  in  der  sum  ff. 
F.  tadel  in  stat  G.  1895  wann]  denn  W.  es]  man  GD.  1896  da  aueh  G. 
1897  fehlt  S.  der]  do  D.  geyderD.  1898  selb  das  haist  F.  selbig  haissefc 
B.  man  fehltGD.  1899  nach]  als  S.  gesatztG.  1890  guetikait  D.  1903 
ist  fehlt  G.  1904  sich]  gleich  D.  1905  gen]  denn  GD.  wan  fehlt  F. 
so  fehlt  W.     1906  nur]  nu  G. 

Zingerle,  Vintler.  5 


66 

aber  die  geitikait  zeucht  zue  ze  aller  frist 

zu  dem  andern  mal  ist  der  geudig  man 

mit  seinem  tadel  nützer  iederman, 
1910  wann  der  geitig  immer  mag  gesein. 

zu  dem  dritten  mai  ist  das  wol  schein, 

das  der  geudig  man  hat  grösser  er 

in  seinem  tadel,  wan  der 

geitig  mit  seiner  geitikait, 
1915  wann  er  hat  da  von  nur  alles  iait. 

Ich  mag  geleichen  die  tugent  der  milt 

dem  adler,  dem  selben  ist  si  gezilt, 

das  er  der  miltist  vogel  sei,  als  man  list, 

als  er  auch  auf  ertreich  indert  ist. 
1920   wann  er  mag  nimmer  als  grossen  hunger  haben, 

er  lass  die  andern  vogel  mit  im  laben 

alle  die,  die  da  pei  im  sein. 

wann  das  ist  oft  worden  schein, 

das  im  etleich  vogel  fliegen  nach, 
1925  darumb  das  si  selber  sein  so  swach, 

das  si  in  nit  mugen  speis  gewinnen. 

davon  spricht  Salomon  in  seinen  sinnen  : 

„wiss  das,  wenn  du  ain  guettat  tuest, 

das  du  darumb  vil  genaden  haben  muest; 
1930  und  als  das  wasser  erleschet  das  prinnent  feur, 

also  chumpt  das  almusen  der  sund  ze  steur. 

du  solt  dein  phenning  verpergen  nicht 

vor  vater  und  mueter,"  als  er  spricht. 

Alexander:   „gib  auch  andern  leuten  hie  auf  erde, 

1907  ze  fehlt  FSGD.  1908  so  ist  BSGD.  gwdung  BF.  1910  wenn  G. 
1912  gawdig  S.  1913  wenn  S.  1915  wanne  F.  wenn  G.  nur  fehlt  FS. 
V.  1916 —1926  fehlen  B.  1916  die  der  F.  ich  geleiche  D.  1917  adeler 
F.  dem  selben  fehlt  FS.  selben  fehlt  GD.  1919  auch  fehlt  GD.  indert 
fehlt  W.  ninderfc  GD.  1920  wan  erj  der  G.  er  D.  gehaben  F.  1922  da 
fehlt  F.  1923  wanne  F.  1925  sein  fehlt  W.  so  fehlt  F.  si  sein  selber 
soS.  1926  sew  F.  1927  davon  fehltB.  Salomon  spricht  B.  1928  wanne  F. 
1929  du  fehlt  F.  gnade  F.  guots  D.  1930  prinnunt  S.  1931  sund]  sei 
SD.  sele  G.  1932  dein]  auch  F.  den  D.  1933  und  vor  m.  F.  er  da  sp.  G. 
1934  gab  FS.  A.  spricht  G. 


67 

1935  wildu,  das  dir  dort  gegeben  werde." 

Ofidius  spricht:  „wildu  geben,  so  gib  pald  und  eben, 

damit  das  nicht  ze  spat  sei  dein  geben." 

Facetus:  „der  verzert  miltikleich  sein  guet, 

der  das  an  alles  murmelen  tuet»" 
1940  Syrach  spricht:  „ain  iegleich  gab  ist  gar  reich, 

die  dir  man  nur  tuet  froleich, 

und  nun  dir  auch  chain  traurichait, 

ob  man  dir  pöse  wort  zue  sait, 

wann  es  ist  pesser,  wa  ain  süesse  red  leit, 
1945   dann  ain  gab,  die  mau  an  willen  geit." 

Catho  spricht:   „schau,  wem  du  wild  geben, 

und  beforsch  dich  auch  gar  eben, 

das  das  auch  gerecht  sei; 

wann  dem  wonet  torhait  pei 
1950  ding  ze  forschen,  das  das  man 

von  rechts  wegen  versagen  chan." 

Tulius  spricht,  das  chain  ding  ist  als  sües, 

und  das  da  als  vil  chumers  pües, 

als  die  milt,  und  das  da  pringt  als  gros  er. 
1955  Seneca  spricht:  „man  sol  den  mer 

unter  die  äugen  sehen  an, 

der  do  geit,  wann  ainen  andern  man. 

man  sol  sein  auch  nicht  schimpfen, 

wann  es  pringt  chain  gelimpfen, 
1960  das  da  mit  dem  almusen  gechauft  wirt  in  diser  zeit." 

Seneca  spricht:  „der,  der  da  geit, 

1935  geben  W.  gebe  G.  1936  spricht  fehlt  B.  wild  du  W.  1937  spot 
F.  lebenn  F.  sei]  werd  G.  1938  F.  spricht  FGD.  der  fehlt  S.  1939  müe- 
melen  F.  murmlen  G.  1940  igleich  B.  spricht  Sydrach  G.  1941  die  man 
nun  geit  fr.  D.  dir]  dy  FS.  der  G.  die  di  der  WB.  tuet  fehlt  G.  1943 
wartW.  1944  es  pesser  ist  F.  pösserD.  wo  ainerS.  1945  dann]  wannB. 
1946  wem]  wenn  GD.  1947  und]  soBSGD.  beforsch]  besieh  B.  besargF. 
auch  fehlt  S.  auch  vor  g.  GD.  1949  wanne  F.  dem]  wem  do  D.  1950 
ding  ze]  sol  man  nit  D.  1951  recht  G.  wegen  fehlt  F.  w.  vol  v.  W.  w. 
woly.  D.  1952  das  fehlt  B.  ist  als]  so  GD.  1953  da  fehlt  G.  als]  alles 
S.  chumbers  B  ebumer  FD.  1954  pringF.  und  auch  pring  als  grossewG. 
1955  dem  F.  195  6  die]  den  GD.  195  7  wann]  für  S.  wenn  GD.  ander  F. 
1958  sein  fehlt  S.  1959  gewint  W.  chainem  F.  ain  S.  i960  da  fehlt 
GD.  erkauft  GD.  diser]  der  D.  1961  ein  der  f e  hlt  F. 

5* 


68 

der  sol  sweigen  mit  dein  münd, 

wann  die  gab  redt  selber  wo!  sweigund. 

es  ist  erleicher  ainem  ain  dienst  ze  versagen, 
1965  wann  das  man  in  ain  lange  zeit  wil  auf  haben, 

und  wer  auch  redt  mit  forchtsamen  äugen, 

das  ist  ain  sach,  das  er  des  dienstes  wil  laugen," 

Socrates  spricht:  „wer  da  nicht  seinen  freunten  geren 

dient,  wenn  er  mag,  der  mues  auch  ir  enperen 
1970  das  si  im  auch  nicht  dienen  scharf 

in  seinen  nöten,  wenn  er  ir  bedarf." 

Tereutius  spricht:    „chainerlai  ding  dem  menschen  wirser 

an  stat, 

wan  wider  treiben  den  dienst,  den  er  getan  hat, 

und  wer  sein  dienst  also  wider  treibt, 
1975  der  verleust  da  von  die  vergangen  zeit" 

Sand  Peter  spricht:   „es  ist  sälichlicher  wol 

ze  geben,  wan  der  nemen   sol. 

die  gab  die  plent  die  weisen  siechten, 

und  die  gab  verchert  die  gerechten." 
1980  das  decret  sagt  auch  dapei, 

wenn  der  herr  des  hauses  milt  sei, 

so  sol  der  chnecht  nicht  karchait  haben. 

Socrates  spricht:   „wenn  du  wild  laden 

deine  freund,  so  fürsich  e  dich 
1985  fünferlai  sach  gar  weislich: 

am  ersten,  was  du  gebest  und  was  du  wild  geben, 

das  gib  fröleich,  schon  und  eben 

mit  ainem  lautern  antlütz  fröleich 

1963  wol  selber  F.  1964  ze  fehlt  S.  1965  in]  im  F.  in  lenger  zeit  D, 
1967  das  ist  ain  sach  fehlt  D.  der  will  im  d.  d.  1.  D.  des  fehlt  F.  dinst 
BG.  V.  1968  — 1971  fehlen  D.  1968  wer  mit  s.  G.  sein  F.  1969  ir 
auchG.  entperenW.  1970si]sewF.  1971  fehlt  G.  1972  spricht  fehlt 
D.kainD.  ding  fehlt  G.  wirser]  snoderF.  wiesterS.  wirss  stat  D.  1973 
wann  den  dienst  wider  triben  G.  1795  verleurt  D.  1976  ist  ain  salich- 
leicher  F.  sälliglich  GD.  1977  der  da  n.  F.  wenn  GD.  1978  gab  plent  F. 
1979  gab  die  v.  SG.  rechten  FS.  1980  auch  sagt  d.  F.  1982  charkchait 
WF.  1983  wenn  die  weisen  laden  GD,  1984  so  sich  füre  dich  F.  versieh 
B.  die  frund  so  betrachten  si  sich  D.  1986  an  dem  e.  F.  wil  F  1987  gib 
du  W.  schon  fehlt  WBSGD.  und  auch  e.  G.  1988  lautern]  fröleich  WS. 
antlitz  S. 


69 

und  mit  schönen  worten  tugentleich. 

1990   vil  menschen  sünden  zwar 

von  grosser  armuet,  das  ist  war. 
o  tod,  wie  ain  süesses  ding  ist  armuet!" 
Catho  spricht:  „hab  ander  leut  lieb  und  guet, 
aber  doch  das  du  selber  dir  der  liebest  pist. 

1995   das  ist  dir  als  pald  guet,  als  es  dir  schad  ist. 
da  chumpt  chain  schad  von  sicherleich. 
handel  dein  sach,  als  du  solt,  mässleich. 
darumb  wa  die  speis  alweg  übrig  beleibt, 
da  wirt  si  doch  verzert  in  ain  er  churzen  zeit. 

2000  das  man  lang  zue  ainander  hat  pracht, 

du  solt  es  aber  tailen  mässleich  nach  der  acht." 
Aristotiles  spricht:   „wer  das  sein  verzert,  der  hat 
teur  von  im  selber  an  aller  stat." 
Seneca  der  weis  der  gicht: 

2005   „es  ist  auf  ertreich  chain  grösser  traurickait  nicht, 
wann  der  mues  vorsehen  von  dem  andern, 
und  darumb  lern  etleich  hantwerch  oder  wandern." 
Plato  spricht:   „der  sich  lat  benüegen 
an  dem,  das  im  got  tuet  zue  füegen, 

2010  der  selb  hat  nindert  chain  armuet, 

aber  wer  da  vil  begert,    der  ist  arm,  was  er  hat  guet." 
Socrates  spricht:   „die  freunt  erchennet  man 
in  nöten;  die  weil  es  ainem  wi!  wol  gan, 
so  wil  iederman  sein  freunt  sein." 

19  89  und  auch  mit  G.  schonBS.  niinnichleichF.  1992  tod]  got  F.  süss  WSD. 
dinckch  F.  1994  das  [ob  D.J  du  dir  selber  WBSD.  doch  dir  selber  lieber 
p.G-.  der  fehlt  D.  lieber  D.  1995  es  fehlt  S.  es]  daz  er  G.  1996  davon 
komptD.  sicherhait  G.  1997  dein  fehltG.  dieD.  weisleichF.  mässigklich 
G.  messiglich  D.  1998  alweg  f  eh  ltW.  über  G.  1999  doch  fehl  t  F. 
2001  mässigklich  G.  2002  spricht  fehlt  BD.  der  fehlt  FS.  2003  teur 
fehlt  F.  bedewtleich  S.  ürung  G.  teutung  D.  selbs  G.  2004  der  g.]  also 
g.  F.  sprichtGD.  2005  ist  fehlt  S.  erd  G.  grösserewF.  grossew  G.  2006 
der]  er  W.  der  da  m.  G.  wann  wer  da  forschen  mus  F.  2007  und  fehlt 
BG.  1er  F.  leret  G  lerent  D.  antwerkBS.  oder]  und  F.  oder  fehlt  S.  oder 
aber  wandret  G.  2008  der]  wer  SG.  2009  im  fehl t  G.  ze  WF.  2010 
indert  F.  2011  sunst  ist  er  arm  wie  vil  er  hat  guet  D.  armer FBW.  was] 
und  S.  wie  vil  G.  wer]  der  G.  2012  freunt  die  WF.  2013  notten  F.  n. 
wann  die  w.  G.  vil  wol  mag  gan  S. 


70 

2015  Syrach  spricht:   „bedenk  die  armuet  dein 

in  der  zeit,  so  du  genueg  mainst  ze  haben, 

wann  von  dem  morgen  unz  auf  den  abent 

so  verchert  sich  gar  oft  die  zeit." 

Plato  spricht:  „der,  der  da  in  armuet  leit, 
2020   das  ist  gar  ain  pöses  ding  über  al, 

aber  durch  sei  übel  tuen  ist  noch  ain  pösrer  val." 

Cassiderus  spricht:   „o  wie  ain  greuleich  erparmen 

ist  die  gewissen  der  armen ! 

so  er  vorsehen  mues  mit  grosser  schäm, 
2025   so  lestert  er  sein  aigen  nam, 

und  ob  er  dann  vor  schäm  vordert  nicht, 

so  verdirbt  er  in  der  selben  geschieht." 

Tulius  spricht:   „ie  mer  das  scheff  hat  gueten  wint, 

ie  mer  das  volk  nur  sorg  gewint, 
2030  das  es  ungewarleich  sei, 

und  also  ist  es  hie  pei 

geleich  getan  umb  des  menschen  leben  : 

ie  mer  im  das  gelück  tuet  zue  streben, 

ie  ungewisser  ist  im  sein  zeit," 
2035  als  uns  des  Salomon  urchunt  geit. 

Plato  spricht:  „es  istpesser,  das  der  mensch  nach  seinem  tot 

lass  seinen  veinten  guet,  wann  das  er  not 

solt  hie  in  armuet  alzeit  lomen, 

uud  das  er  solt  seinen  freunten  mit  pitt  ze  gnade  chomen. 
2040  und  versmach  auch  nicht  ain  ciain  urspring, 

wann  da  wachset  oft  von  ain  grosses  ding." 

Von  der  milt  schreibt  Valerius 

2015  JhesusS.  GD.  gedenkSD.  2016  der]  diserGD.  mainst  ze]  magstF. 
mainst  gnug  ze  GD.  2017  wann  fehlt  F.  hincz  WSG.  auf]  an  F.  abenF. 
2018  ofte  F.  2020  ain  fehlt  G.  2021  sei]  sy  W.  sein  GD.  noch  fehlt 
GD.  pöserWFSG.  2022  wie  gar  ain  S.  2025  er  fehlt  F.  2026  danne  F. 
forscht  F.  2027  angesicht  GD.  2028  spricht  fehlt  D.  2029  fehlt  G. 
mer  nun  daz  volkD.  2030  er  GS.  ungrewleich  S.  ungewerlichB.  2031  es 
fehlt  S.  erG.  2032  des]  daz  W.  2033  ze  F.  V.  2036  — 2039  fehlen  D. 
2036  pesser  ist  G.  poser  F.  sein  S,  2037  las  ain  gut  sein  v.  F.  2039  sein 
FS.  mit  pitt]  mit  vorschenBSG.  pitt  zefehltF.  2040  versmaichF.  klainen 
WGS.  2041  wanne  davon  wachst  F.  oft  auss  gross  G.  von  fehlt  S.  V. 
2042  —  2119  fehlen  B.    2042  schrybt  uns  V.  G. 


71 

und  spricht:  do  Titus  Quintus 

den  chünig  Philippurn  von  Chriechen  twang 
2045  und  das  ganz  lant  het  gevangen  lang, 

do  gepot  er  dem  ganzen  volk,  das  si  chamen 

und  sein  red  gar  eben  vernamen. 

do  das  volk  alles  zesamen  cham 

auf  ainen  schönen,  weiten  plan, 
2050  do  hies  er  mit  den  pusaunen  zaichen  geben, 

das  das  volk  alles  solt  sweigen  eben, 

und  hies  damit  auf  ruefen, 

daz  der  ganz  senat  mit  grossem  wuefen 

und  Titus  Quintus,  der  da  was 
2055   von  der  Romer  wegen,  als  ich  las, 

das  man  dem  chünig  Philippo  leut  und  lant 

heut  wider  geit  in  seine  hant, 

und  alle  gefangen  leut 

die  sullen  alle  ledig  sein  heut 
2060  gefänknus,  dienstes,  er  sei  mit  waffen  oder  mit  schilde, 

durch  wäre  tugent  und  milde. 

do  ward  von  danken  ain  solich  ruef, 

das  er  den  vögeln  in  den  lüften  schuef, 

das  si  betumbelt  vielen  zue  der  erde  nider. 
2065  von  dem  grossen  geschrai,  das  da  wider 

auf  in  die  lüfte  hal, 

do  wurden  die  vogel  genotet  zue  dem  val 

von  der  grossen  milt  wegen,  die  da  geschaeh, 

wann  das  leut  und  vogel  sach. 

2070  Von  der  milde  so  list  man, 

2044  den  fehlt  D.  chriegen  F.  2045  und  auch  G.  het  fehlt  F.  2046 
potS.  chomenF.  kaemen  D.  2047  gar  fehlt  S.  verneinen  SD.  2048  alles 
fehlt  G.  alles  sampt  z.  F.  chomen  F.  2049  schon  S.  plannen  F.  2050 
pusawn  S.  pusawm  W.  2051  alles  fehlt  F.  2053  daz]  do  W.  grossem] 
gantzen  GD.  waffen  D.  2054  do]  das  F.  2056  Philippurn  S.  2058  fehlt 
S.  2060  wappen  WS.  wapen  D.  2061  durich  F.  tugenten  F.  und  auch 
in.  G.  2063  vogel  W.  2064  betumbelt]  hauffent  D.  betumbelt  vielen] 
wegunden  fliegen  F.  vielen  fehltW.  zu  erden  S.  2066  in  fehlt  G.  2067 
statt  dieses  Verses  hat  F.  von  dem  grozzenn  schal  und  V.  2068. 
2069  fehlen  F.  2067  val]  tall  G.  2069  wann  daz  das  1.  G.  2070  mild 
list  man  das  F.  so  fehlt  G. 


72 

das  zu  Alexander  ain  armer  mensch  cham 

und  vorseht  an  Alexander  ain  pfenning, 

do  gab  er  im  fürsich  ain  stat  ein, 

das  doch  nicht  zimleich  was  ze  geben 
2075   ahn,  der  ain  solichs  snödes  leben 

mit  seiner  armuet  an  im  het. 

do  sprach  Alexander  an  der  stet: 

„ich  sich  nicht  an,  das  zimleich  ist  dir, 

aber  ich  sich  an,  das  zimleich  ist  mir." 
2080  aber  chünig  Dyonisi  tet  nindert  das. 

wenn  er  aim  versagen  wolt  etwas 

umb  ain  ciain  ding,  darumb  er  gepeten  wart, 

so  het  er  geleich  die  widerpart, 

die  da  Alexander  an  im  het, 
2085  so  antwurt  der  chünig  Dyonisi  an  der  stet, 

es  war  nicht  zimleich  noch  eben 

ain  ding  ze  geben,  das  man  muest  wider  geben, 

und  das  man  doch  nicht  behalten  möcht, 

was  dan  dem  zu  geben  töcht? 

2090  Ich  gelaub,  man  vind  der  herren  ietz  vil  under  der  sann, 

die  da  haben  den  selben  sieclitumb. 

wann  ainer  von  in  sol  geben  pfenning  oder  ros, 

so  vint  er  für  sich  darauf  ain  glos, 

damit  das  er  im  doch  nicht  geit. 
2095  nun  secht,  wie  sich  der  pöse  geit 

so  gar  greuleich  überzogen  hat, 

und  sieht  doch  nindert  an  chainer  stat, 

das  ir  chainer  dester  reicher  werd, 

wann  er  verleust  da  von  wird  und  er. 
2100  gab  er  aber  schon  und  eben 

2071  das  ain  arm  mensch  zue  A.  kam  G.  2072  und  an  A.  begert  ain  G. 
von  S.  2074  was]  ist  W.  2075  solliches  G.  2078  duz  daz  G.  2079  das 
daFGD.  2080  Dyonisius  G.  wolt  versagen  F  2082  umb  fehlt  GD.  ding 
fehlt  S.  2085  so]  da  G.  do  D.  2087  wider  mustg.G.  2088  doch  fehlt 
SG.  gehalten  S.  2089  dan  fehlt  F.  dan]  denn  SGD.  docht  S.  döchtFG. 
2090  itzund  F.  vind  ietz  der  herren  vil  G.  sunnen  G.  2091  die  selben  G. 
2092  wenn  G.  2095  sich]  seiS.  geit]  seit  S.  2096  greuleich  fehlt  GD. 
sichsogarGD.  seysoS.  2097  doch  fehltF.  nindert  fehlt  GD.  an]  inW. 
2098  wer  S. 


73 

und  wenn  er  ze  recht  solt  geben, 

das  chäm  im  wol  zwifach  wider  ein. 

aber  die  herren  geben  ietz  nur  den  ribaldein 

und  den  pösen  falschen  chlaffern  ir  guet, 
2105  das  macht  auch,  das  manig  piderman  tuet 

anders,  wann  er  pilleich  sol; 

wan  er  waiss  das  vorhin  wol, 

das  sein  dienst  ist  zwirhalben  verloren. 

aber  pei  den  alten  Zeiten  hie  voren, 
2110  do  die  herren  gaben  ir  guet  miltikleich, 

do  namen  si  auf  und  wurden  reich. 

so  ist  aber  ietz  vil  maoiger  herr, 

der  do  nicht  wil  haben  wird  noch  er. 

das  peleib  also  pei  seinem  alten  sit, 
2115  wann  ich  mag  es  doch  erwenten  nit, 

und  ob  ich  mich  denn  vast  darumb  swend 

und  verleus  die  weil  all  meine  zend, 

wer  legt  mir  denn  ab  den  schaden  mein? 

davon  so  wil  ich  mit  gemach  sein. 

Von     der     geitichait. 

2120  Die  geitichait  ist  ain  widerpart 

gen  der  milte  nach  dem  wart, 

als  Tulius  spricht  in  seiner  suin, 

das  si  sei  ain  hochmüetige  begirung 

ze  gewinnen  das  gerecht  und  das  ungerecht,  -» 

2125  und  das  ze  verhalten,  das  notdurft  ist  und  siecht, 

und  ze  verzeren  alle  ding  gar  swach, 

und  ze  wüesten,  das  da  übrig  beleibt  an  saeh. 

2101  und  fehlt  WSGD.  2102  zwiflach  G.  2103  gend  GD.  ietzund  F. 
der  ribaldry  G.  rebaldeyD.  2105  manger  GD.  2106  änderst  denn  er  GD. 
2107  Yorchen  S.  2108  zwier  halber  F.  zwir  halb  SGD.  2109  hin  v.  W. 
2110  willickleichF.  2111  do]  und  S.  si]  seu  F.  2112  ietzund  F.  manig  F. 
2113  haben  weder  wird  G.  21 1  4  seinen  sit S.  21 15  gewendenGD.  2116 
mich  fehlt  F.  denn]  dan  F.  2117  und  auch  v.  G.  verlur  F.  die  weil]  da- 
mit S.  2118  wer]  der  G.  ab  dan  den  F.  ab  denn  den  S.  2119  so  fehlt 
FS.  2120  widerbertig  part  F.  2121  wort  BD.  2123  hochgemutige  WB. 
hochmütigung  der  begerung  GD.  wegernung  F.  begierung  S.  2124  recht 
D.  unrecht  GD.  2125  not  D.  2126  zer  vercheren  F.  2127  da]  das  F. 


74 

in  der  süm,  da  man  alle  tadel  list, 
spricht  man,  das  der  aigenlich  geitig  ist, 

2130  der  da  verhalt  das,  das  man  verzeren  sol, 

und  der  verzert  das,  das  man  behalten  mocht  wol. 
Gregorius  spricht:  „in  aller  diser  weit  prait 
vindet  man  etleich  end,  wan  in  der  geitichait 
nicht,  wann  man  mag  sei  nimmer  erfüllen  recht, 

2135  und  wer  ir  da  dient,  der  ist  seins  chnechtes  chnecht." 

Die  geitichait  mocht  man  wol  geleichen 

der  chroten,  die  lebt  allzeit  des  ertreichen 

durch  der  grossen  forcht  wegen,  di  si  an  ir  hat, 

wann  si  furcht,  das  si  das  ertreich  nit  müg  machen  sat; 
2140  wann  si  erfült  sich  mit  essen  nicht. 

alle  chroten  sein  geitig  mit  irem  gesicht. 

in  der  sum,  da  sich  aller  tadel  pirt, 

vindt  man,  das  chain  schand  auf  erden  wirt 

als  vil  gepraucht,  als  die  geitichait, 
2145  und  die  doch  ist  ain  mutter  aller  poshait. 

wann  doch  alle  tadel  werden  alt 

an  dem  menschen,  wie  sie  sein  gestalt, 

aber  die  geitichait  wird  albeg  zwar 

ie  lenger,  ie  junger  von  jar  ze  jar. 
2150  sand  Paulus  spricht:  „die  würz  aller  poshait, 

das  ist  die  rechte  geitichait." 

Salomon  spricht:    „der   geitig  mag  nimmer  erfült  werden 

2128  allen  WBS.  2129  aigenlich]  recht  B.  2130  verhalt  hat  S.  pehalt 
FGD.  2132  Gr.  der  sp.  G.  diser  fehlt  GD.  2133  end]  und  FG.  wan] 
dannG.  wan  fehlt  D.  2134  nicht  fehlt  G.  siBWD.  sei  fehlt  S.  wann 
man  mag  si  erfüllen  nimmer  mit  r.  G.  si  erfüllen  nimer  r.  D.  V.  2136 — 
2141  fehlen  B.  2136  macht  WS G.  mag  D.  geleich  WSG.  gelich  D. 
1237  ertreichs  W.  etterreichen  F.  ertreich  SG.  ertricht  D.  2138  durch 
forcht  wegen  G.  durch  vorcht  die  D.  wegen]  willen  F.  2139  wenn  si  furcht 
daz  si  sich  des  ertrich  mug  m.  G.  wann  si  furcht  fehlt  D.  daz  si  sich 
dez  ertreichD.  machen]  werden  D.  nit  fehlt  F.  2141  irem]  dem  F.  2142 
da]  daz  W.  aller]  der  D.  2143  erde  FG.  2144  als  vil  fehlt  D.  als  vil 
gepraucht]  geprucht  als  fast  G.  2145  die  fehlt  G.  und  doch  ist  si  D. 
2146  werdent  S.  2147  si  fehlt  WS.  sew  F.  si]  die  G.  2149  junger] 
lenger  D.  2150  schribtG.  spricht  fehlt  D.  2152  Salomon  spricht  fehlt 
B.  spricht  fehlt  D.  g.  man  mag  G.  nimer]  nit  D. 


75 

mit  chaiuem  guet  auf  diser  erden, 

und  wer  auch  lieb  den  reich tumb  hat, 
2155  der  hat  chain  frucht  von  irer  sat." 

Alicus  spricht,  das  der  geitig  man 

nimer  wol  eralten  chan, 

und  der  neidig  mit  seinem  streit, 

die  gerasten  nimer  ze  chainer  zeit. 
2160  Juvenalis  spricht:   „die  phenning  sint 

nicht  des  geitigen,  aber  der  geitig  ist  wol  der  phenning  chint," 

dem  pfenning  mag  man  wol  ain  namen  schaiden 

ainen  abgot,  den  die  haiden 

peten  an  nach  irer  ee. 
2165  geleich  also  petet  der  geitige  me 

die  phenning  an.  wann  er  gelaubt  da  pei, 

das  chain  ander  got  nicht  sei. 

„o  du  geitiger  man!"  spricht  Seneca, 

„was  hilft  dich  dein  reichtum  herna, 
2170  das  du  nicht  getarst  wol  von  dem  deinen  leben? 

wänst  du,  das  dir  die  phenning  sein  gegeben, 

das  du  si  solt  versperren  in  deinem  schrein? 

het  es  got  gewolt,  si  solten  wol  versperret  sein, 

und  het  dich  si  auch  nimmer  lassen  vinden. 
2175  wes  wilt  du  dich  denn  underwinden? 

Von  der  geitichait  so  list  man  das, 
das  Marcus  Cassius  so  geitig  was, 
do  er  zoch  in  Hispanienlant, 
als  ainer  von  dem  höchsten  ampt, 

V.  2154.  2155  fehlen  B.  21  54  den]  die  GD.  2155  frucht]  forcht  G. 
vorcht  was  man  von  im  sagt  D.  ir  FSG.  2156  Alicus  spricht  das]  und 
auch  B.  Silicus  S.  datz  das  S.  2157  wolt  S.  2158  und  auch  d.  G.  der 
fehlt  F.  2159  grasten  S.  rasten  G.  2160  phenning  die  s.  BSG.  2161 
geistigen  fehlt  GD.  wol  fehlt  GD.  2162  den  pfeningen  W.  nam  W. 
ainFSG.  2163  ainF.  aptgotW.  den]  die  GD.  einemD.  2164  irFS.  2165 
als  S.  2166  die]  denG.  g.  auchWBS.  2168  gütiger  D.  2  1  69  dich  fehl  t 
G.  2170  terst  F.  getarfft  G.  deinen]  armen  S.  mit  dem  guot  zetuon  in 
deim  1.  D.  2171  der  pf.  sei  GD.  geben  W.  2172  du  si]  da  dy  S.  seu  F. 
sperren  GD.  deinem  fehlt  W.  2173  hiet  F.  es  fehlt  D.  sew  F.  2174 
het]  ich  F.  sew  F.  het  si  dich  nimmer  G.  2175  danneBF.  V.  2176 — 2223 
fehlenB.  2176  geitigkait  WG.  so  fehltGD.  2 1 7 7  Cassidius  GD.  2178 
do]  das  D   Yspanian  F.  Jspanien  S.  Hyspania  D. 


76 

2180  und  den  der  römisch  rat  het  auserwelt, 

do  vand  er  Chalphurnum  den  helt 

und  Silum  den  gesellen  sein, 

die  do  paid  hetten  gesworen  Cassius  pein, 

und  hetten  auch  paid  die  waffen  in  der  hant, 
2185  damit  im  der  tot  solt  sein  bechant. 

die  liess  er  paid  leben  umb  geitikait 

umb  ain  ciain  guet,  als  man  sait; 

wann  im  liebet  mer  das  guet  an  der  stet, 

wann  im  gerech tichait  des  gerichtes  tet. 
2190  darumb  spricht  der  maister  alsus: 

„was  wänstu,  das  Marcus  Cassius 

het  gegeben  in  solicher  not? 

er  war  ee  tausend  töd  gelegen  tot, 

ee  das  er  soleich  gelt  het  gegeben, 
2195  und  damit  het  gefristet  sein  leben. 

als  gar  het  in  der  geit  überchomen, 

das  im  sein  guet  nicht  war  ze  staten  chomen." 

Von  der  geitichait  schreibt  man  uns  sus 

von  ainem,  der  hiez  Geminus, 
2200  der  het  all  sein  tag  chain  ander  wunn, 

neur  das  er  vil  guetes  gewunn, 

und  chund  doch  nie  erfüllen  seinen  muet. 

und  do  er  als  reich  ward  an  guet 

über  alle,  die  in  der  stat  waren, 
2205  da  er  inne  was  geporen, 

und  do  sich  etJicb  zeit  vergieng  da  pei, 

2180  Römer  D.  2181  do]  des  G.  sant  der  KaLphur  von  im  den  GD.  da 
sand  er  Calphurron  W.  sand  Chalphurram  S.  Kalphur  von  dem  h.  F.  In 
W  ist  aus  er  „der"  gemacht  und  chunig  darüber  gesetzt.  2183 
Cassidius  GD.  paid  fehlt  D.  2184  die  fehlt  GD.  wappen  WS.  2185 
in  GD.  solt  sein]  ward  D.  2186  er  fehlt  F.  umb  die  g.  GD.  2188  mer] 
nu  S.  nun  D.  2189  im  die  g.  SGD.  gericht  D.  2190  und  darumb  SGD. 
2191  wänst  das  M.  WS.  das  wänst  das  G.  2192  geben  WSGD.  2193 
ee  wer  er  D.  tod  FG.  2194  solch  S.  hiet  F.  2195  damit  erfristet  hett  s. 
G.  d.  gefr  stet  h.  D.  hiet  F.  er  gefristS.  sein]  daz  W.  2196  der  fehlt  S. 
2197  wer  steten  S.  2198  uns  fehlt  FD.  alsus  GD.  2199  der  selb  h.  G. 
2201  nur  wie  F.  guetes]  phenningF.  2202  muet]  mundW.  s.  mund  und 
muet  F.  2205  innen  ward  S.  inn  GD.  in  F.  2206  do  fehlt  FGD. 


77 

do  rueft  er  zue  im  seiner  süne  drei, 

die  er  gar  lieb  het  und  sprach: 

„mein  lieben  sün,  ich  pit  euch  umb  ain  sach, 
2210  das  ir  mein  guet,  das  mich  hat  gemacht  reich, 

werd  von  euch  verzeret  alzeit  miltikleich, 

wa  sein  notdurft  sei,  mein  lieben  sün, 

wann  ich  mag  sein  laider  nicht  getün, 

wann  ich  han  die  geitichait  so  lang  erchant 
2215  für  als  ain  grossen  tadel,  als  er  in  allem  laut 

oder  auf  ertreich  indert  mag  gesein. 

wann  der  mensch  hat  alzeit  davon  pein, 

wann  ich  erchant  auch  nie  grösser  poshait." 

und  do  er  in  das  alles  gesait, 
2220  do  tet  got  ains  seiner  wunder  schein, 

wann  man  vand  des  geitigen  herz  in  ainera  schrein, 

da  sein  phenning  inne  waren  verslossen, 

das  was  mit  pluet  alles  sampt  begossen. 

Von     der     straffling. 

Die  rechte  straffung  ist  das 
2225  ze  züchtigen  den  andern  umb  etwas, 

und  das  auch  das  ain  werk  der  liebe  sei, 

und  das  die  straff  hab  masse  pei 

an  werken  und  an  Worten  wol 

und  auch  ze  recht,  als  man  sol. 
2230  wann  wer  da  nicht  ain  masse  hat 

in  seinem  straffen  an  chainer  staf, 

der  tailt  sich  von  der  lieb  der  tugenthait 

und  chumpt  in  den  tadel  der  greuleichait. 

2207  zu  im  fehlt  G.  seinen  G.  2209  lieb  FGD.  2211  alzeit  fehlt  S. 
alzeit]  alsoGD.  mynicleich  F.  2212  wa]  da  G.  sein]  sy  G.  ist  WGD.  esD. 
lieb  GD.  2213  sein]  sy  G.  2214  wann  fehlt  GD.  so  fehlt  F.  2215  als 
fehlt  D.  ainen  W.  tadele  F.  2216  erd  GD.  2217  alzeit  fehlt  G.  davon 
alle  p.  G.  davon  allzeit  D.  2219  alles  fehlt  F.  also  D.  2220  ains  fehlt 
WSD.  2221  daz  geitig  hertz  D.  sein  SD.  seinem  WG.  herzen  S.  2222 
innen  S.  ynn  D.  2223  was  alles  mit  p.  b.  F.  allesampt  D.  2226  das  das 
auch  ain  F.  auch  ain  G.  u.  doch  auch  das  ain  S.  2227  straffung  S.  dar 
beyD.  2229  auch  fehlt  F.  2230  mass  D.  2232  lieb  tugenhait  F.  2233 
eh.  auch  in  G. 


78 

Salomon  der  weise  spricht  da  pei, 
2235   das  zimleich  die  torhait  sei 

in  dem  herzen  der  clainen  chinder, 

aber  die  ruet  macht  si  linder, 

und  zeucht  die  torhait  von  in 

von  dem  herzen  und  von  dem  sin. 
2240  und  ob  du  das  chind  mit  der  rueten  straffst, 

so  stirbt  es  nicht,  davon  so  magst 

du  das  chind  straffen  alle  zeit, 

wann  gar  vil  tugent  an  der  rueten  leit. 

Die  tugent  der  straffung  geleichet  man 
2245  ainem  wilden  wolf,  wenn  der  wil  gan 

etwa  hin  an  aine  stat, 

da  er  muet  ze  rauben  hat, 

und  wenn  er  also  hin  maust, 

das  im  dann  der  fues  etwa  rauscht, 
2250  so  reckt  er  den  fues  zue  den  zenden 

und  peisset  darein  an  manigen  enden. 

also  strafft  er  sein  gemüet, 

das  er  sich  ain  ander  mal  davor  hüet. 

Davon  so  lert  uns  Salomon  hie  pei, 
2255  das  das  ain  rechte  tugenthafte  straffung  sei, 

die  dem  andern  wol  gevalt, 

und  wer  auch  straffet  an  gewalt, 

der  vint  die  gnad  nahend  all  pei  im. 

Seneka  spricht:   „des  weisen  mannes  sin 
2260  der  straft  seinen  tadel  sicher  zwar, 

2234  Salomon  spricht  der  weis  man  d.  F.  weis  WS.  2235  die]  und  F. 
2237  r.  die  macht  B.  machent  sich  S,  sew  F.  2239  und  auch  v.  G.  2240 
Salomon  spricht  und  B.  du  fehlt  G.  straffet  W.  strafft  F.  2241  so]  ob 
du  F.  machest  S.  2242  du  fehlt  F.  du  auch  d.  G.  2243  in  WBSGD. 
V.  2244— 2253  fehlen  B.  2244  die  geleicht FSGD.  2245  wilden  fehl  t 
D.  2246  etwo  F.  ettwan  G.  etwen  D.  aine]  sein  F.  2248  must  D.  2249 
dann  fehlt  D.  etwo  F.  etwen  D.  rawst  S.  fuss  entrust  G.  rust  D.  2250 
recht  F.  entreckt  G.  fues]  fitz  S.  2251  darein  mangen  W.  2252  und  str. 
also  s.  GD.  2254  so  fehlt  SGD.  2257  und  fehlt  WBSG.  wer]  der  G. 
2258  nahen  S.  nachen  B.  alle  S.  V.  2259  —  2297  fehlen  W.  2259 
Seneka  spricht  fehlt  B.  —  S.  der  sp.  G.  2260  seinem  F. 


79 

wann  er  ains  andern  straffung  nimpt  war. 

du  solt  auch  straffen  haimleich." 

ain  ander  maister  lert  uns  weisleich: 

„ nicht  vervach  mit  spot  dein  freund  noch  freundin, 
2165  darumb  das  er  chain  hass  zue  dir  gewin. 

du  solt  im  sein  sach  weisleich  vervahen, 

so  gewint  er  dich  lieb  an  alles  versmahen, 

wann  wer  sein  freunt  straft  spotleich, 

der  wirt  doch  selten  davon  reich." 
2270  Origenes  spricht:  „wer  da  lieb  gehabt  wil  werden 

von  seinem  freunt  auf  diser  erden, 

der  straff  in  haimleich  und  allain; 

wann  die  süesse  straffung  in  gehaim, 

das  macht,  das  dir  ain  rechte  lieb  entspringt, 
2275  aber  die  offen  straffung  die  pringt 

Unwillen  an  maniger  stat.tt 

Cassiderus  auch  gesprochen  hat: 

„der,  der  do  stätichleich  straft, 

und  ist  doch  selber  tadelhaft, 
2280  der  selb  erchent  sich  selber  nicht, 

und  ist  sein  straffung  wol  halb  enwicht; 

wann  wer  im  selber  ist  nicht  guet, 

wie  mag  der  immer  haben  den  muet, 

das  er  ander  leut  gestraffen  tar?" 
2285  Plato  lert  uns  offenbar, 

das  man  nimmer  straff  ze  chainer  frist, 

wenn  ain  mensch  zornig  ist, 

oder  wenn  ander  leut  sind  engagen, 

wann  davon  chumpt  oft  grosser  schaden. 

2261  wenn  BG.  V.  2262.  2263  fehlen  B.  2263  ander  fehlt  D.  uns 
auch  SGD.  2264  versach  S.  gespöt  B.  den  S.  noch]  oder  FGD.  2265 
chainen  B.  hab  F.  2266  versahen  S.  vervachen  F.  2267  versmehen  S. 
versmachen  F.  2268  seinen  B.  2270  Origenes  spricht  fehlt  B.  Oryenes 
SG.  weren  F.  2271  von]  und  S.  seinen  freunten  BFSGD.  2272  strafft  F. 
2273  fehlt  GD.  wanne  F.  2275  offejilich  GD.  straf  D.  2277  fehlt  B. 
auch  davon  F.  2278  da  stetleich  S.  22  79  selb  G.  22  81  ist  auch  s.  G.. 
straffen  D.  halbe  F.  hnlbs  G.  halben  nicht  D.  2282  wer]  er  F.  selb  G. 
selbsD.  2283  der]  er  F.  der  selbD.  2284  straffen  BSGD.  2285  lernet  F. 
lernt  D.  uns  auch  GD.  2288  engangen  FSGD.  2289  da  chumpt  oft  von 
gros  F.  schänden  FS. 


80 

2290  Aristotiles  der  maister  gicht: 

„du  solt  deines  veintes  straffen  nicht, 

wann  er  getraut  dir  doch  nicht  guetes, 

wann  er  waiss  wol,  das  du  seins  pluetes 

ain  störer  und  ain  hinleger  pist. 
2295  auch  straff  nimmer  zu  chainer  frist 

umbe  das,  das  nicht  ain  schulde  sei, 

wann  da  prüeft  man  smaichen  pei." 

Von  der  straffung  list  man  uns  gewis 

in  dem  puech,  das  da  haisset  Genesis, 
2300  das  dick  wart  gevordert  schon 

von  got  sein  povel  an  chünig  Pharaon; 

die  er  in  seiner  vanknus  het, 

die  wolt  er  nicht  ledig  lassen  von  gotes  pet. 

so  tet  got,  als  er  noch  oft  tuet, 
2305  und  wolt  becheren  Pharaonis  muet 

und  sandt  ain  grossen  presten  in  sein  lant, 

das  alleu  wasser  wurden  für  pluet  erchant. 

der  ander  slag,  das  das  lant  alles  was 

Voller  chrotten,  Wo  man  gieng  oder  sas. 
23 10  das  dritt  das  Waren  fliegen  manigfalt, 

die  teten  dem  volk  schaden  und  gewalt. 

das  vierde  das  was  ain  schawer  gros, 

der  Wüestet  alles,  das  er  vand  plos, 

es  war  laub,  chraut,  gros  oder  ciain. 
2315   das  fünft  Waren  heuschrecken  unrain; 

die  selben  assen  alle  die  waid, 

das  das  vich  solt  essen,  dem  volk  ze  laid. 

229Ö  fehlt  B.  spricht  SG.  2291  solt  auch  d.  B.  2292  traut  S.  trewtG. 
mchtz  FG.  2293  du  fehlt  BS.  sein  F.  2294  storrer  F.  erstörer  und  h. 
GD.  2295  du  straff  auch  n.  BS.  straff  auch  n.  GD.  2296  urab  daz  da  BS. 
schuld  BS.  2297  schaden  G.  V.  2298—2369  fehlen  B.  2299  da]  man 
G.  das  da  haisset  fehlt  D.  2300  das]  da  SG.  2301  povel]  volk  FGD. 
Pharon  S.  2303  nit  wolt  1.  G.  von]  durch  G.  gotz  ge^ettF.  2304  tet  er 
got  S.  2307  alle  WS.  2308  die  a.  plaug  G.  2309  vol  G.  2310  das]  die 
F.  dritte  waren  SG.  neugen  G  2311  u.  grossen  gew.  F.  2312  vierde  was 
WG.  was  fehlt  S.  2313  alles  sambt  der  v.  F.  2314  gras  oder  chain  S. 
2315  fünft  das  warn  haberschrekch  S.  hewschrickel  D.  häschrickel  vast 
u.  G.  heuschrick  W.    2316  selb  assen  da  alle  F.  fraussend  G.  straften  D. 


81 

das  sechste  das  was,  das  alles  das  vich  darnach  starb. 

das  sibent,  das  alles  das  von  hunger  verdarb, 
2320  das  da  in  dem  lant  indert  mocht  gesein. 

das  achtet,  das  der  tag  verlos  sein  schein 

und  das  ain  solich  vinster  cham, 

das  sich  erviel  manig  man. 

und  von  der  straffung  allersampt, 
2325  die  im  got  het  tan  bechant, 

wolt  er  sich  dannoch  nicht  cheren  an  got, 

do  tet  got  durch  Moyses  pot 

zue  dem  neunten  mal  ain  grosse  räch, 

das  aiu  prest  cham  gar  streng  und  swach 
2330   under  das  Volk,  das  aus  iegleichein  haus 

muesten  ie  zwai  mensch  sterben  aus, 

das  malst  und  das  minnist  also, 

und  hueb  an  des  chüniges  chind  Pharao. 

darnach  sprach  got  ze  Moyses  das, 
2335   das  er  seinem  povel  gepüt  fürpas, 

das  ir  iegleicher  an  dem  andern  solt  morgen 

etwas  entlechen  auf  ain  porgen, 

es  war  gros  oder  chlain, 

von  allen  iren  nachgepaurn  gemain, 
2340  die  da  chünig  Pharaonis  volk  waren, 

und  darnach  solten  si  varen, 

wa  sy  Moyses  wolt  frieren  hin. 

das  ward  also  getan  nach  seinem  sin. 

also  fuert  Moyses  das  volk  hin  dan. 
2345   und  do  das  ersach  chünig  Pharaon, 

do  eilt  er  im  gar  vaste  nach. 

2318  das  da  was  F.  alles  viechF.  das  was  fehlt  G.  2319  subent  S.  vor 
G.  2320  da  fehlt  G.  2321  acht  S.  2322  solch  S.  2324  allen  s.  F. 
2325  getan  S.  taun  hettG.  2326  dennoch  WS  dannocht  G.  2328  neun- 
demW.  2329  prechGD.  gar  fehlt  GD.  2331  zwen  menschen  G.  daraus 
F.  2332  mynst  sicher  also  F.  miu.stGD.  2333ananW.  des]  dasS.  PharoS. 
2334  Moysen  G.  2335  volk  F.  peput  FD.  2336  igleich  S.  iegl.  solt  an 
d.  a,  m.  G.  den  WS.  2337  endlichen  W.  entlichen  G.  endlichen  S.  2339 
nachtpaurn  F.  nachpaurn  S.  nachpuren  G.  2340  Pharaons  S.  volk  fehlt 
GD.  warden  S.  2341  so  solten  seu  F.  2342  seil  F.  si  wolten  füren  hain  G. 
si  wolten  furo  hin  D.    2344  hinj  her  F. 

Zingerle,  Vintler.  (J 


82_ 

und  do  das  volk  von  Israhel  ersach, 

das  si  gen  den  veinten  hetten  so  ciain  wer, 

do  friert  seu  Moyses  an  das  rot  mer 
2350  und  slueg  mit  seiner  nieten  darauf 

auf  das  mer,  das  tet  sich  auf, 

von  ain  ander  in  der  mitte, 

das  das  volk  mit  truckem  tritte 

cham  durch  das  mer  an  alles  lait. 
2355  und  do  das  Pharaon  ward  gesait, 

das  seu  durch  das  rote  mer 

waren  chomen  an  alle  wer, 

do  eilt  er  mit  seinem  volk  vast  nach; 

und  do  Moyses  Pharaon  sach, 
2360  do  rueft  Moyses  got  aber  an. 

do  tet  got,  als  er  oft  vor  het  getan 

und  erzaigt  alda  ain  wunder  gros, 

das  mer  sich  wider  zesamen  flos 

und   ertrenkte  chünig  Pharaon  gar, 
2365  und  alle,  die  mit  im  chomen  dar. 

also  chund  si  got  straften  in  den  tagen, 

das  si  in  nicht  für  ainen  got  wolten  haben. 

Von    der    smaichung. 

Von  smaichen-red  so  wil  ich  sagen, 
das  ist  süesse  red  in  dem  mund  haben, 
2370  und  das  an  dem  herzen  nicht  ist. 
das  selb  ist  gar  ain  valscher  list, 
und  er  want  doch  freunt  damit  gewinnen. 
es  ist  aber  ain  grosser  tadel  in  meinen  sinnen, 
smaichen  ist  gar  ain  pöser  sit, 

2347  dö  fehlt  G.  da  das  v.  F.  J.  daz  ers.  G.  2348  gegen  S.  2349  sy 
SG.  2351  auf]  und  G.  2352  mit  F.  2353  fcrit  F,  2354  chöm  S.  das  rot 
mer  D.  2355  und  das  do  Pharon  S.  2356  sy  SG.  2358  er  vast  m.  s.  v. 
n.  F.  er  in  mitGD.  vast]  stark  GD.  2360  got  fehlt  G.  2361  vor  oft  FS. 
2363  das  sich  dz.  mer  w.D.  2364  ertrankt  S.  ertrenkent F.  2365  die  dieG. 
chamenWG.  2366  seu  F.  2367  seu  F.  ain  F.  ainen  fehltG.  got  fehlt  F. 
2368  schmaichender  r.  wil  G.  V.  2372.  2373  fehlen  B.  2372  und 
wellent  doch  frewd  S.  went  doch  G.  damit]  dadurch  G.  2373  ain  fehlt  F. 
grosser  fehlt  GD.     2374  schmaikcher  W. 


83 

2375  man  gewint  nicht  gar  vil  gueter  freund  damit, 

die  da  in  die  leng  besten. 

man  sieht  si  vast  hinder  sich  gen, 

wenne  si  die  rechten  erchennen. 

ich  wais  ir  vil,  solt  ich  si  nennen, 
2380  die  da  ain  süezzes  in  dem  mund  tragent 

und  doch  da  pei  ain  valsches  herze  habent. 

aber  guete  wort  die  schaden  nicht, 

freunt  damit  ze  machen,  als  man  gicht, 

und  das  doch  nicht  sei  durch  nutzperkait, 
2385   das  selb  das  ist  ain  wolgevallenchait. 

wann  wer  die  sein,  die  geren  smaichen, 

die  wellent  die  leut  nur  alzeit  laichen 

und  machen  in  mit  valscher  red  freuntschaft. 

die  selb  freuntschaft  hat  doch  nicht  chraft 
2390  und  ist  doch  ietz  ain  grosser  sit, 

das  sich  iederman  liebet  damit, 

paide  alt  und  auch  junge. 

ach  got,  solt  ich  die  valschen  zungen 

aus  dem  nacke  manigen  reissen, 
2395   sich  müest  doch  etleicher  fletssen, 

das  er  die  smaichenred  müest  lan. 

ich  sich  manigen  vor  mir  stan, 

der  mir  guetz  under  die  äugen  sait 

und  doch  dapei  ain  valsches  herze  trait 
2400  gen  mir,  wo  er  mag  und  chan. 

dem  selben  wünsch  ich  auch  sein  Ion. 

ach  schmaichen,  was  valschhait  in  dir  ist! 

du  erzaigest  dich,  der  du  nicht  pist, 

und  leugst  dich  selber  also  an. 

2375  gar  fehl  t  F.  gueter  fehlt  B.  gut  F.  mit  WS.  2377  seuF.  seyG. 
V.  2378  —  2381  fehlen  B.  2378  rechten  warhait  e.  SD.  rechte  warhait 
G.  2379  ich  fehlt  F.  sew  F.  2380  die  ains  süsses  S.  tragen  FG.  2381 
haben  F.  tragen  G.  2382  die  fehlfcG.  V.  2384  — 2401  fehlenB.  2384 
doch  nicht]  das  nitG.  2385  selb  istSGD.  wolgevalchait  F.  wohlgevälligkait 
G.  wolgefellikaitl).  2386  sind  F.  seind  S.  send  G.  2387  welln  S.  newer  S. 
2390  doch  ietz]  ytzund  F.  poser  F.  2391  sich  fehlt  G.  lebtG.  2392  auch 
fehlt  F.  auch  die  jungen  D.  2394  den  WS.  nackch  F.  nakchen  S.  2395 
doch]  noch  SD.  2296  smachen  red  F.  2398  guetz]  gantzF.  die  fehlt  G. 
2401   lan  WBSD    V.  2402  —  2449  fehlen  F.    2402  we's  volschhait  W. 

6* 


84 

2405  dein  liegen  das  pringet  manigen  man, 

das  er  dir  getraut  und  sait 

alles,  das  er  in  dem  herzen  trait. 

smaichen  chan  vil  poshait  mer, 

si  redet  hin,  si  redet  her 
2410  alles  auf  ir  nutzperchait, 

wann  si  ist  voller  kunterfait. 

wer  chan  ir  poshait  gar  volschreiben  ? 

man  muess  ain  tail  lassen  beleiben 

von  der  pösen  leut  wegen,  di  si  an  in  haben; 
2415   darumb  so  tar  man  es  nicht  gar  gesagen. 

Die  smaichungred  die  ist  nicht  frisch. 

die  selben  geleicht  man  der  Syreen  visch. 

die  selb  formet  von  der  mitte  auf  sich 

ains  menschen  pild  gar  minnichlich, 
2420  und  das  doch  ainer  frawen  pilde  trait, 

und  underhalb,  als  man  sait, 

ist  es  geformet  alles  vischein 

mit  zwain  swänzen,  die  über  sich  gecheret  sein, 

und  ist  doch  alweg  in  dem  mer,  wie  es  gat, 
2425   an  der  forchtsamisten  stat, 

und  hat  doch  dapei  als  ein  süesse  stimm, 

das  es  die  marner  pringt  von  sinn, 

die  des  sclieffes  schullen  phlegen, 

das  si  sich  oft  slaffen  müessen  legen. 
2430   und  wenn  si  dann  also  entslaffen  sint, 

so  chumpt  das  tier  an  underwint 

in  das  scheff  gar  taugen leich, 

und  tötet  si  dann  alle  geleich 

2405  manigem  D.  2406  getrawet  B.  trawet  G.  traut  D.  2410  aus  D. 
nutzperichait  B.  2412  ir  fehlt  S.  verschreiben  G.  2414  in]  sy  W.  wann 
vil  leut  han  sich  an  si  ergeben  D.  2415  alles  von  ir  posshait  wegen  D. 
so  tar]  getar  B.  sagen  WG.  V.  2416—2434  fehlen  B.  2416  schmaik- 
chungr.  W.  schmaichend  r.  GD.  2417  selben  fehlt  D.  dem  serenen  v.  G. 
dem  sirenen  v.  D.  2418  selbe  S.  selben  G.  von  fehlt  G.  die  formet  vor 
damit  aufD.  2420  das  doch]  auchG.  das  doch  fehlt  D.  pild  doch  t.  GD. 
2421  und  auch  u.  G.  man  von  im  s.  G.  2422  als  ain  D.  2423  zwen  G. 
kert  G.  die  umb  sich  kert  D.  2424  doch]  auch  G.  doch  fehlt  D.  2425 
grewsamisten  G.  grusamesten  D.  2426  doch]  auch  G„  doch  fehlt  D.  als 
fehlt  GD.  2430  wann  D.  2433  denn  WG. 


85 

und  trinket  das  pluet  alles  aus  in. 
2435  Tulius  spricht:  „für  smaichen  nim 

gar  ain  guet  erznei: 

wer  dir  won  mit  smaichen  pei, 

da  soltu  chain  güetichait  zue  haben, 

wann  er  smaicht  allzeit  umb  dein  schaden.* 
2440  Ofidius  spricht  in  seiner  schrift: 

„under  dem  süessen  honig  vacht  man  das  pös  gift. 

alle  red,  die  da  hat  vil  smaichung, 

die  trait  darunter  ain  giftige  zung, 

aber  man  sol  es  hin  wider  nicht  erzaigen, 
2445  nur  gen  den  pösen  und  den  vaigen, 

wann  es  ist  ain  grosse  Übeltat." 

Virgilius  lert  an  ainer  stat: 

„es  ist  pesser  ze  wandeln  an  gever 

mit  seinen  veinten,  denn  mit  dem  smaicher." 
2450  Seneca  spricht:   „es  ist  mer  ze  fürchten  die  smaichung, 

wann  ain  chlaine  raissung." 

Catho  spricht:  „wer  dich  lobt  in  deiner  gagenhait, 

so  soltu  alweg  sein  berait, 

das  du  heist  dein  selbes  richter, 
2455  und  gelaub  nicht  ainem  andern  mer, 

dann  dir  selber  wol  ist  chunt." 

Seneca  spricht:  „der  pöse  freunt, 

der  smaicht  sein  freunt  in  valschait 

und  zaigt  im  den  weg  der  kunterfait. " 
2460  Plato  spricht:   „du  solt  dem  getrauen  ze  chainer  frist, 

der  dich  lobt  von  dem,  das  da  nicht  ist, 

wann  also  schilt  er  dich  leicht  gar 

hinten  nach  von  dem,  das  da  nicht  ist  war. 

2437  derG.  wann  und  mitG.  wontB.  2439  dein]  den  G.  2440  geschrift 
GD.  2441  hinick  G.  2442  vil]  die  GD.  schmaichunge  G.  2443  tret  G. 
under  giffte  zunge  G.  2445  newer  S.  und  faigen  D.  2447  lert  auch  an  G. 
2448  es  fehlt  B.  geverd  B.  gewär  W.  gefärt  G.  2449  denn]  wann  BS. 
dem  fehlt  S.  dem]  ainem  G.  aim  D.  2450  spricht  fehlt  G.  mer]  mir  F. 
mer  ist  ze  D.  2452  spricht  fehlt  GD.  lob  F.  gegenhait  S.  2454  den 
selber G.  2455  nicht  fehlt  S.  ainem]  anS.  ainsGD.  maerD.  2456  danne 
F.  wenn  G.  selbs  G.  2458  schmakt  W.  valschhait  F.  2460  Katho  B. 
getrewn  S.  trewen  zue  G.  getjawen  nicht  B.  2462  wenn  D.  2463  von] 
mit  F. 


86 

der  tarant  smaicht  mit  den  äugen  ser 
2465  und  mit  dem  swanz  so  hecket  er." 

Varo  spricht:   „die  pein  trait  das  honig  in  dem  snabel 

und  das  stechent  in  dem  zagel." 

Isopus  spricht:   „der  narr  misvelt  den  leuten  allen 

mit  dem,  das  er  in  wänt  wol  gevallen." 
2470  Socrates  spricht:  „das  gras  auf  der  wisen  deckt  das  ertreicli, 

also  deckt  die  hofleichait  geleich 

den  tadel,  der  an  dem  menschen  ist, 

wann  hübschait  ist  ain  schöner   list, 

und  das  doch  den  leuten  ist  ane  schaden, 
2475   aber  wer  sich  wolt  überladen 

mit  übriger  snöder  hübschait, 

das  war  ain  zaichen  der  valschait." 

Isopus  der  schreibt  auch  das, 

das  ain  est  ain  rapp  was, 
2480  der  het  ainen  chäs  in  dem  mund. 

das  ersach  ain  fuchs  an  der  stund. 

der  gedacht  des  in  seinen  sinnen, 

wie  das  er  den  chäs  möcht  gewinnen, 

und  das  er  den  rappen  möcht  gelaichen 
2485  und  lobt  den  rappen  mit  schönem  smaichen 

und  sprach:  „als  schön  du  pist  zwar 

und  er  allem  dem  gefügel  gar, 

als  vil  ich  sein  noch  ie  gesehen  han. 

ist  dein  gesank  also  getan, 
2490  als  schön  du  sunst  pist  gestalt, 

so  hat  got  wol  sein  gewalt 

mit  seinem  fleiz  an  dich  gelait." 

2465  und  auch  G.  2466  spricht  fehlt  G.  2467  stechung  F.  2  468  Esopo 
D.  spricht  fehlt  D.  2469  mit  das  er  S.  im  F.  meint  WB.  want  F.  2470 
Socrates  spricht  fehlt  B.  spricht  fehlt  GD.  gras  der  wisz  D.  2473  poser 
1.  F,  2474  doch  fehlt  F.  ane]  ain  F.  V.  2478—2505  fehlen  B.  2478 
auch]  uns  GD.  2479  ainsten  F.  ainost  G.  2480  ain  FG.  2481  ain]  der 
D.  an]  auff  GD.  2482  des]  im  F.  im  des  D.  2484  raben  WS.  2485 
schönem]  pösenF.  2486  und  sprach  fehl  t  FGD.  2487  und  sprach under 
F.  dem  fehlt  FGD.  sein]  sy  G.  2488  sein  fehlt  FD.  noch  ie  fehlt  S. 
2490  also  D   pist  sust  S.  sunst  fehlt  G.  2491  seinen  SG. 


87 

und  do  er  dem  rappen  das  also  vorsait 

und  do  der  rab  horte  das, 
2495  das  in  der  fuchs  also  lobend  was, 

do  hueb  er  auf  ze  singen  an  der  stund. 

do  viel  im  der  chäs  aus  dem  mund, 

und  do  der  fuchs  das  ersach, 

do  was  im  zue  dem  chäse  gach, 
2500  und  zuckt  in  auf  und  lief  sein  strass 

und  sprach:   „dein  gesank  hat  nit  mass, 

ich  wil  den  chäs  für  mich  haben." 

also  gieng  er  hin  und  liez  den  raben 

in  dem  gespötte  da  stan. 
2505  also  pracht  der  fuchs  den  chäs  davon. 

Von    der    weishait. 

Die  weishait  oder  die  vernuftichait 

nach  dem,  als  das  Tulius  sait, 

die  ist  dreierlai  sach,  als  auch  spricht  Salvastus. 

die  erst  ist  die  bedenknus 
2510  ze  bedenken  die  vergangen  ding, 

die  ander  sach  nimpt  urspring 

in  ir  verstantnus  ze  besehen 

und  ze  erchennen,  was  da  sol  geschehen 

an  im  und  was  er  dan  ze  schaffen  hat, 
2515  und  das  er  erchenne  das  war  von  der  valschen  tat, 

und  das  pöse  von  dem  gueten, 

und  das  er  das  recht  hab  in  hueten. 

die  dritte  sach  der  weishait, 

das  ist  ain  fürbesehenhait 
2520  vor  hin  von  der  sach  wegen, 

und  das  die  drei  verainung  gar  eben 

2493  r*ben  S.  das  fehlt  FSD.  also  das  v.  G.  2494  do  fehlt  WG.  hört 
S.  rapp  G.  2495  loben  SGD.  2496  auf]  an  GD.  2498  und  do  das  der  f. 
e.  S.  2499  zu]  nach  F.  2504  in]  mit  F.  2507  das]  uns  W.  da  S.  2508 
sach  fehlt  GD.  als  auch  spricht]  also  redtGD.  Salfaustius  F.  SalustiusD. 
2509  d.  e.  dy  istdyW.  gedächtnuss  GD.  251  0  vorgangen  W.  2511  sach 
fehlt  S.  sach]  die  GD.  Ursprung  S.  2513  beschehen  W.  2514  er  fehlt 
F.  denn  G.  2515  und  erkennen  das  war  G.  das  er  fehlt  D.  falschait  F. 
2516  und  auch  das  G.  2519  furbesichtikait  F.  fürbesehenkait  WS.  2521 
förmig  F. 


88 

besehenen  mit  rat  und   emzichait, 
als  das  Aristotiles  sait, 
das  der  rat  sei  ain  ewige  erforschung 
2525   und  die  da  get  von  ainer  zung 
zue  der  andern  mit  fürbesehen, 
ob  guetes  oder  pöses  darnach  sol  geschehen, 
emzichait  ist  emzig  ze  sein  frue  und  spat 
in  dem,  was  der  mensch  ze  schaffen  hat. 

2530  Die  fürbesichtikait  die  geleichet  man 
der  amaisen,  als  ich  vernomen  hau, 
wann  si  ist  gar  emzig  mit  irem  zuetragen. 
was  si  auf  den  winter  sol  haben, 
das  claubt  si  in  dem  sumer  zue  ainander, 

2535   wann  si  bedenkt  ains  und  das  ander, 

si  bedenkt  auch  gar  wol  die  vergangen  zeit 
und  erchent  den  chünftigen  winter,  der  auf  ir  leit. 
davon  claubt  si  den  sumer  in  ir  hol, 
wes  si  den  winter  leben  sol. 

2540  und  was  si  chorens  ein  trait, 

das  spalt  si  von  ainander,  als  mau  sait, 
das  es  nicht  wachs  wider  an  sein  stat, 
und  das  tuet  si  von  aim  natürlichen  rat. 
Salomon  spricht:  „die  weishait  ist  ain  hocher  gelt, 

2545   wann  si  ist  pesser  denn  aller  reichtumb  diser  weit, 
wann  die  weit  begert  nur  allzeit  ze  reichen, 
darumb  mag  man  es  der  weishait  nicht  gel  eichen." 
Syrach  spricht:  „das  choren  und  der  wein, 
die  erfrewent  das  herze  mein, 

2522  und]  von  W.  entzikaitF.  2523  als  uns  W.  2525  zungen  WB.  2527 
gutz  o.  pös  BFS.  sull  G.  beschehen  W.  2528  embzikait  F.  entzig  F.  ze 
fehlt  G.  2529  dem  allem  waz  G.  das  W.  V.  2530—2543  fehlen  B. 
2530  fürsichtichaitFGD.  2532wanneF.  2534  zue]  über  F.  2535  fehlt 
GD.  2536  fehlt  F.  gedenkt  G.  die]  der  G.  2537  kent  GD.  2539  was 
FS.  daz  GD.  den]  dem  W.  2540  ein]  in  SG.  2541  spalt]  wehalt  S .  2542 
wider  fehlt  S.  nit  wider  wachs  an  G.  2543  ainer  naturlicher  art  G.  von 
naturlicher  art  D.  2544  spricht  fehlt  GD.  hoch  WBS.   hocher]  gross  GD. 

2545  sipezzerseiF.  denn]  wann  FSG.  allew  G.  V.  2546.  2547  fehlenB. 

2546  nu  G.  nun  D.  ze  fehlt  F.  2547  man  fehlt  GD.  2548  Syrach 
spricht  fehlt  B.    2549  erfrewen  WBS.  das]  die  S. 


2550  aber  über  si  paide  alhie 

frewet  mich  die  weishait  ie  und  ie, 

und  darumb  der  weise  chnecht, 

der  dient  fr  eileich  und  gerecht. 

und  darumb  1er  in  deiner  jugent 
2555   etleich  chunst  und  hohe  tugent 

unz  an  deine  graben  liar." 

und  darumb  spricht  der  weis:   „nim  war, 

das  die  weishait  alle  chumpt  von  got," 

als  das  auch  sagt  der  zwelfpot. 
2560  David  spricht:   „an  dem  anevang  des  potes, 

das  ist  die  vorcht  des  starchen  gotes. 

die  selb  weishait  dein  engel  loben  mues." 

Seneca  spricht:  „hiet  ich  den  ainen  fues 

in  meinem  jüngsten  grab, 
2565  dannoch  wolt  ich  nimmer  ab 

lassen  von  der  lerung, 

wann  lernen  macht  uns  ordenung." 

Tolomeus    spricht:    „du  solt  nach  weishait  alzeit  werben, 

wann  wer  da  weis  ist,  der  mag  nimmer  sterben, 
2570  noch  chain  armuet  auf  im  haben, 

als  das  alle  maister  sagen." 

Priscianus  spricht :  „das  herz  des  weisen  man 

und  des  starchen,  die  sein  paid  geleich  getan." 

Aristotiles  spricht:  „der  weis  der  mag  widersten 
2575  dem  gueten  und  dem  pösen,  was  in  an  wil  gen. 

die  weishait  hat  ze  allen  dingen  fueg." 

also  spricht  Socrates  der  maister  clueg: 

2550  sew  F.  paide  alle  h.  G.  2552  darumb  des  der  F.  weis  W.  2553 
frewleich  F.  frölich  u.  [auch  G.]  recht  GD.  2554  und  fehlt  B.  lern  GD. 
25  55  uod  auch  h.  G.  2556  die  untz  an  D.  deinWSG.  die  F.  grabe  WBS. 
grab  GD.  2557  fehlt  B.  2558  die  weizhait  kumbt  von  got  zwar  B. 
2559  fehlt  B.  sagt  fehlt  F.  2560  anfankF.  2562  fehlt  B.  dem  engel 
WFG.  der  S.  leben  F.  2563  het  WG.  ich  in  einen  S.  ich  meinen  WBGD. 
Aus  F.  2564  jungisten  S.  2566  lernung  BGD.  2567  lernung  m.  GD. 
Ordnung BSGD.  ornungF.  2568  Tolomeus  spricht  fehlt  B.  spricht  fehlt 
D.  alzeit  fehltD.  2372  spricht  fehl  t  D.  des]  am  G.  eynsD.  2573  seind 
F.  2574  Aristotiles  spricht  fehlt  B.  spricht  f ehlt  D.  A.  der  spricht  S. 
weis  mag  SGD.  2575  dem  pösen  und  guoten  D.  an  in  w.  F.  in  will  an 
g.  GD.  2576  allem  ding  F. 


90 

„die  chunst  verpirgt  sich  in  das  herz 

dem  weisen  man  an  allen  smerz, 
2680  und  nicht  in  die  püecher  noch  priefe  prait." 

Aristotiles  spricht:  „der  weise  trait 

sein  waffen  wider  iederman 

nur  mit  seinen  gedenken  schon. 

der  hat  wol  ain  närrischen  muet, 
2585   der  do  gelaubt,  das  gelück  geb  übel   und  guet, 

wann  alles  guet  geit  die  weishait." 

als  das  der  maister  von  den  hohen  sinnen  sait: 

„das  ist  der  slüssel  der  rechten  sicherhait, 

das  ainer  vor  bedenk,  was  er  sait, 
2590  wann  das  kurz  bedenken 

macht  dem  menschen  vil  irrung  und  wenken." 

maister  Alexander  der  weise  man 

spricht:   „die  nacht  die  machte  man, 

das  ain  mensch  bedenk  gar  wol, 
2595  was  er  den  tag  tuen  sol." 

Seneca  spricht:  „es  ist  gar  ain  leichtes  ding 

ze  understen  ain  sach  gar  ring, 

wenn  es  ist  an  dem  anevang, 

wider  es  sei  an  dem  ausgang." 
2600  das  decret  tuet  uns  sagen : 

„wer  zum  ersten  ain  pösen  anfang  wil  haben, 

da  wirt  das  ende  nimmer  guet, 

wann  es  zickt  ie  in  sein  alte  stuet." 

Marsianus  spricht:  „wann  das  chraut  ist  mar, 
2605   so  grabt  rnans  aus  an  alle  müe  gar, 

aber  wenn  es  vast  zäch  ist, 

so  grabt  mans  nicht  aus  in  churzer  frist." 

2578  die  eh.  die  WS.  2579  alle  S.  2580  noch]  und  GD.  berait  S.  2581 
weist  trait  B.  weise  der  tr.  FS.  2582  wider  manB.  2583  seinem  F.  2584 
ainen  B.  2585  das  das  SD.  2587  das  fehlt  G.  den  fehlt  BG.  2589 
bedenkt  F.  gedenkt  S.  2590  wanne  F.  2591  den  G.  2593  fehlt  S.  macht 
machet  G.  2594  bedenkt  W.  gedenk  F.  2596  Hechtes  F.  lichtz  D.  2597 
ze  fehlt  B.  2598  wann  F.  anfanck  F.  2599  weder  G.  2600  t.  auch  u. 
G.  2601  zum  ersten]  ze  lesten  F.  zu  lesen  WBS.  anfanck  F.  anefankg  S. 
ersten  wil  ainen  p.  a.  h.  G.  2603  zieht  S.  zucket  in  F.  zuckt  in  sein 
G.  seinen  alten  S.  alteu  W.  2605  grebt  FGJ).  2606  wanne  F.  zach  F. 
2607  grebt  JG.  nit  B.  churzer]  kainer  GD. 


91 

Salomon  spricht :  „tue  alle  sach  mit  rat 

und  tail  dich  nimmer  davon  frue  noch  spat," 
2610  Pitagoras  spricht,   es  sei  chain  rat  trewär 

und  der  do  nimmer  hab  gevär, 

wann  der,  den  man  geit  an  der  stat 

in  ainem  scheff,  das  da   sorgsamleichen  gat. 

Socrates  spricht:   „die  chtnist  ist  neidig  gar  leis, 
2615  aber  si  macht  doch  den  menschen  weis." 

Juvenalis  der  maister  spricht : 

„erzaig  deinen  willen  nimmer  nicht 

zue  dem,   da  du  rat  von  forschen  wil, 

wann  er  rat  alweg  auf  dein  zil. 
2620  wann  das  merer  tail  ist  also  gestelt, 

das  man  geren  rat,  das  den  leuten  wol  gefeit, 

und  das,  das  er  geren  von  im  höret, 

wann  das  man  im  den  muet  zerstöret, 

und  darumb  weren  als  vil  wüetreich, 
2625   das  in  iederman  rat  geleich 

nicht  anders,  wan  das  in  wol  gefeit. 

die  selben  rat  sein  abgescheit, 

da  man  die  weishait  hat  erchoren." 

Saiomon  spricht:    „die    weishait    und   die   1er   versmähen 

die  toren." 
2630  Seneca  spricht:   „wenn  das  du  rat  wild  nemen, 

so  lass  dir  das  alweg  gezemen, 

das  du  wartest  auf  sein  gestalt 

und  wie  er  sich  selber  halt." 

Proverbiorum :  „ir  habt  versmacht  allen  mein  rat 
2635   und  habt  mein  straff  versauinpt  frue  und  spat, 

2608  mit]  nach  WBSGD.  2609  der  von  S.  noch]  weder  B.  und  SGD. 
2610  es  ist  BSG.  tewer  S.  2611  hab  nimmer  B.  nindert  S.  minder  G.  do 
hab  minder  g.  D.  2612  wann  den  man  B.  2613  das  da]  so  das  D.  sorg- 
samlich  SGD.  2614  spricht  fehlt  D.  2615  m.  gar  w.  FD.  2616  fehlt 
B.  2618  von  fehlt  F.  an  B.  2619  redt  WB.  2620  merrer  WF.  2621 
raut  den  lütten  daz  in  wol  G.  2622  hört  BFS.  2623  das  gemuet  G.  zer- 
stört BS.  zestortF.  2624  und  fehlt  B.  werden  B.  werdentG.  wem  es  WS. 
2625  im  F.  2626  wan]  dann  BD.  denn  WG.  das  fehlt  GD.  im  WBFSD. 
V.  2628.  2629  fehlen  B.  2628  do  man  hat  die  w.  e.  F.  2629  Salomon 
spricht]  wann  D.  die  toren]  den  zorn  D.  und  1er  F.  2630  wann  G.  2634 
versmächt  B.  versmäht  S.  alle  mein  G.     2635  habt  fehlt  D. 


92 

darumb  wird  icli  ain  spot  aus  eu  machen, 

und  an  ewerm  undergank  wird  ich  eur  lachen." 

Alexander  auch  gesprochen  hat: 

„alle  sach  bevestent  man  mit  rat." 
2640  Aristotiles  spricht:  „die  mässichait 

hat  mir  gemacht  cheuschhait 

und  lernung  macht  mich  sinne  reich." 

aber  so  spricht  er  des  geleich : 

„durch  den  geraten  rat 
2645   sol  der  mensch  frue  und  spat 

alzeit  ain  emzikait  inn  haben 

und  in  dem  rat  trag  ze  sagen." 

Braschus,  der  hoch  maister  sait: 

„chain  diug  mag  geweren  wider  die  emzikait." 
2650  auch  welcher  herr  seinen  rat 

an  zwen  schälke  lat, 

ist  der  herr  danue  selb  dapei, 

so  seind  der  schälke  pilleich  drei. 

Isiderus  der  sait  in  seiner  schrift: 
2655  „das  fliessent  wasser  trait  chain  gift." 

Plato  spricht:   „die  weishait  an  emzikait 

das  ist  nahen  ain  verlorne  arbait. 

wider  den  getrewen  rechten  rat 

seind  drei  sach  frue  und  spat: 
2660  das  ist  die  gäch,  der  zorn  und  übrig  begirung, 

die  dreu  die  machen  gros  unainung." 

Von  der  weishait  so  liset  man, 

2636  wurd  F.  würd  S.  aus  ew  ain  spot  m.  BSG.  2637  und  ewer  an  under- 
ganchk  wurd  1  F.  wurd  S.  ewer  GS.  eur  fehlt  D.  2639  bevestet  F.  be- 
festnet  G.  2640  spricht  fehlt  B  2641  kankhait  S.  kunschait  G.  2642 
sinnen  W.  2643  fehl  t  B.  so  fehlt  S.  des]  das  S.  2644  geratten  FS. 
2646  empzikchait  B.  empsigkait  G.  entzikaitFS.  inn]  im  F.  inne  S.  darinn 
ze  haben  D.  2647  im  den  B.  ze]  zu  F.  2648  Brachsus  W.  Brastus  FG. 
2649  weren  F.  geleben  G.  2752  danne  fehlt  BG.  2653  sein  B  sind  F. 
V.  2654.  2655  fehlen  D.  2654der  f  ehl  tB,  geschriftF.  2655  fliessunt 
F.  2656  Plato  spricht  fehlt  B.  entzikaitS.  2657  nacbentFGD.  verloren 
B.  verlornew  G.  2658  truwen  D.  gerechten  F.  2659  sein  F.  2660  und 
di  ü.  wegirung  W.  begerung  GD.  2661  drey  W.  dro  S.  di  fehlt  FSGD. 
V.  2662—2685  fehlen  S.  V.  2662  — 2705  fehlenB.  2662  so  fehlt 
FG.  list  man  das  F. 


93 

das  ain  jungling  zu  Socrates  cham 

und  fragt  den  maister,  ob  er  solt 
2665  ain  weib  nemen,  oder  ob  er  wolt, 

daz  er  solt  beleiben  an  ain  weib 

und  nicht  bechümern  solt  sein  leib. 

do  wolt  im  Socrates,  als  man  gicht, 

raten  noch  verpieten  nicht 
2670  und  sprach:  „nimst  du  ain  weib  dir, 

so  gewinnest  du  grozzer  sorge  zwier 

und  muest  ain  claftige  zunge  haben 

und  stäten  chrieg,  das  wil  ich  dir  sagen. 

auch  waistu  nicht,  wes  die  chind  sein, 
2675  dann  als  man  dir  sagt,  lieber  junger  mein : 

nimpstu  aber  chain  weib  in  der  geschieht, 

so  chumpt  chain  frucht  von  deinem  leib  nicht 

und  muest  der  chinder  auch  enperen, 

und  dein  pluet  wirt  auch  verreren. 
2680  so  wirt  dein  guet  anch  frömden  leuten. 

das  chan  ich  dir  alles  vorhin  bedeuten." 

und  darumb  so  spricht  der  maister  das, 

das  das  ain  grozze  weishait  was 

an  Socrates  weiser  1er, 
2685  das  er  wolt  raten  hin  noch  her. 

Von  der  weishait  so  list  man  das, 
das  ze  Rom  ain  chaiser  was, 
der  da  ains  tags  durch  churzweil  rait 
durch  ainen  wald,  der  was  prait. 
2690  da  vand  er  aines  philosophus  haus, 

do  hies  im  der  chaiser  rueffen  heraus, 
do  gab  er  im  chain  antwurt  an  der  stund 
und  ruef't  im  der  chaiser  mit  sein  selbes  mund, 

2666  daz  er  fehlt  F.  2668  im  fehlt  F.  2670  sprach  fehlt  GD.  2671 
zwier]  wir  G.  2672  chlaiftige  W.  kläffigen  zungen  G.  2673  und  auch 
statten  G.  2676  der]  disser  G.  2678  auch  der  eh.  F.  kind  G.  2681  hin 
fehlt  GD.  2682  so  fehlt  FGD.  2683  nur  ein  das  G,  2684  weise  W. 
ain  weise  1.  GD.  2685  r.  noch  hin  n.  h.  G.  2686  so  fehlt  G.  2687  dnz 
datzR.  waz  a.  eh.  w.  G.  2688  ain  F.  2689  ain  S.  2690  fehlt  G.  ain  W. 
2691  lies  W.    2693  und]  also  S.  seins  W.  rieffet  D.  seinem  m.  GD. 


94 


dem  gab  er  auch  chain  antwurt  nicht. 

2695  und  do  der  chaiser  horte  die  geschieht, 
do  rait  er  selber  zue  im 
und  fragt  in,  was  er  tat  darinn? 
do  sprach  der  hoch  maister  wert: 
„ich  han  ietzund  weishait  gelert." 

2700  do  sprach  der  chaiser  gar  tugentlich : 
„lieber  maister,  so  1er  auch  mich 
etleich  weishait,  wan  ich  ir  gar  wol  bedarf, 
wann  man  stellet  nach  meinem  leben  scharf." 
do  nam  der  maister  pirmint  und  tintenvas 

2705  und  schraib  mit  seiner  veder  das: 
„das  das  du  tuen  wilt, 
da  schau  was  dir  darnach  sei  gezilt, 
oder  was  dir  chomen  müg  darnach." 
und  do  der  chaiser  die  geschrift  ersach, 

2710  do  nam  er  si  und  rait  gen  Rom, 

und  hies  die  geschrift  machen  schon 
in  seinem  palas  an  alle  porten, 
das  man  es  mocht  lesen  an  allen  orten, 
die  selbe  geschrift  stuend  also  etleich  zeit. 

2715   do  gewunnen  die  lantherren  ainen  neit 

gen  dem  chaiser,  wann  er  war  in  ze  swer, 

und  verhiesen  ainem  partscherrer 

gar  groz  gelt,  das  er  solt 

den  chaiser  töten,  wenn  er  wolt 

2720  dem  chaiser  den  part  scheren  ab, 
so  solt  im  dann  der  selbe  chnab 
den  drussel  also  sneiden  hin. 


2694  antwort  F.  2695  höret  WF.  hört  S.  höret  G.  2697  in  fehlt  GD. 
tetSD.  2699yetzSGD.  ain  wenig  w.  GD.  2701  so  fehlt  F.  auch  fehlt 
WS.  2702  wan  ich  ir  gar]  der  ich  G.  dieichD.  2704  pirmeyd  F.  pierment 
S.  pirmint  und]  ain  GD.  2705  schrib  D.  veder]  werden  F.  federn  D.  2706 
der  maister  spricht  dasB.  V.  2709  —  2  759  fehlen  B.  2709  schriffc  WS. 
sachFGD.  2711  schriftWS.  2712  sein  W.  pallast FGD.  allenFGD.  2713 
fehlt  G.  an]  in  S.  2714  schriftWS.  also  fehlt  F.  2  7 1 5  lantherren]  leut 
S.  lantzherren  G.  2716  werG.  imW.  2717  partscherer  SG.  2719  totten 
wanne  F.  2720  fehlt  G.  den]  sein  F.  2721  so]  do  F.  soi  WS.  selbig  GD. 
denn  WG.    2722  treussel  G.  ab  hin  F.  hin]  ab  GD. 


95 

also  gieng  der  partscherrer  inn 

zue  dem  chaiser  und  wolt  also  tuen  das, 
2725  das  da  mit  im  geschaffen  was. 

und  do  er  sach  an  die  porten 

die  übergeschrift  an  allen  orten: 

„tue  das,  das  du  wil 

und  schau  was  dir  darnach  chom  an  dem  zil, 
2730  oder  was  dir  chomen  müg  darnach," 

und  do  der  scherrer  die  geschrift  ersach, 

do  erschrack  er  für  sich  des 

und  gedacht  im,  der  chaiser  west  es, 

das  mit  im  was  angelait, 
2735  das  war  dem  chaiser  leicht  alles  gesait, 

und  von  den  selben  sachen 

het  er  die  geschrift  also  haissen  machen. 

do  gieng  der  partscherrer  alzehant, 

da  er  den  chaiser  sitzend  vant. 
2740  dem  viel  er  für  sich  dar  ze  fues 

und  sprach:  „mein  herr,  ich  sten  in  ewer  pues, 

wanne  ich  peger  genad  an  eu." 

und  offnot  für  sich  alle  deu, 

was  mit  im  angeleget  war. 
2745  und  do  der  chaiser  erhört  die  mär, 

do  west  er  gar  nicht  umb  die  verraterschaft, 

do  hiez  er  machen  gar  ain  grosse  Wirtschaft 

und  sant  nach  allen  lantherren, 

die  gemacht  hetten  den  werren 
2750  und  die  verratenschaft  hetten  angelait. 

2723  fehlt  G.  partscherer  hin  S.  2724  und  kam  zue  GD.  2725  da] 
das  SD.  das  das  also  G.  im  also  g.  D.  geschafft  GD.  2726  die]  den  GD. 
2727  Überschrift  S.  2728  wiltGD.  2729  chöm  S.  kum  G.  den  S.  darnach 
sei  gezilt  D.  2730  kumen  G.  mug]  wer  S.  2731  und  fehlt  SGD.  part- 
scherer GD.  schrift  WS.  2732  erschrackt  F.  2733  daucht  G.  2734  das 
das  GD.  im  an  wer  gelait  W.  2735  villicht  G.  2736  selben  fehlt  G. 
2737  haissen  fehlt  S.  lassen  G.  hiet  W.  schrift  WS.  2739  sitzen  WS. 
2740  da  für  sich  ze  G.  dar  fehlt  S.  2741  sten  fehlt  G.  ich  bekenn 
puosse  D.  2743  öffnet  FG.  2744  w.  m.  im  was  angelegt  war  F.  2  745 
fehlt  S.  und  fehlt  G.  2747  und  hiess  machen  GD.  gar  fehlt  D.  2748 
herren  S.  lantzherren  G.  2750  die  die  da  die  WS. 


96 

die  selben  tot  er  all  gerait, 
und  vergab  dem  partscherrer  sein  schuld, 
also  das  er  gewan  sein  huld. 
darnach  sant  der  chaiser  pald 
2755  nach  dem  maister  in  dem  wald, 
der  im  die  geschrift  het  geben, 
der  muest  fürbas  pei  im  beleiben  eben, 
wann  er  tet  im  gar  gross  er  alzeit, 
als  uns  das  puech  ain  urchunt  geit. 

Von    der    torhait. 

2760  Die  torhait  ist  ain  widerwärtichait 

der  weishait  nach  dein,  als  das  sait 

Plato  der  maister  ziere. 

auch  ist  torhait  manigerlai  maniere: 

als  stätlich  torhait  ane  underwint 
2765  und  als  die,  die  da  offen  narren  sint. 

und  etleich  torhait  ist  von  wein 

und  etleich,  als  die  ze  Zeiten  torocht  sein, 

als  wenne  ist  der  man  smai  oder  prait. 

es  ist  auch  etlich  torhait  von  inmuetichait 
2770  als  den,  den  das  gemüete  mangelt. 

die  torhait  wirt  manigerlai  gehandelt. 

es  ist  etleich  torhait  frue,  etleich  spat, 

und  ist  auch  torhait,  der  wenig  sinne  hat. 

die  torhait  chumpt  von  fünferlai  sach : 
27  75  die  erste  ist  an  der  sprach, 

das  ainer  nicht  redt,  noch  bedenkt,  was  er  tuet, 

nur  das  er  alzeit  volget  seinem  muet, 

es  sei  chrump  oder  siecht, 

und  nicht  an  sieht  chainerlai  recht. 

2751perait  FGD.  2753  sein  fehlt  GD.  2755 "in  den  w.  G.  2756  im 
hett  d.  G.  schrift  W.  2757  in.  pei  im  f.  G.  2758  wan]  und  GD.  tet  im 
gr.  GD.  gar  fehlt  FD.  2759  ain  fehlt  G.  2761  als  das]  da  G.  2764 
stätiglich  GD.  2765  als]  das  S.  als  fehlt  F.  2766  und  als  e.  G.  2767 
etleich  fehltG.  als  fehlt  B.  torefcWG.  toreht  F.  törhaftig  S.  2768  wenn 
ist  dem  man  W.  w.  d.  man  ist  F.  2770  den  den]  denn  dem  G.  2772  früe 
fehlt  GD.  etleiche  ist  spat  F.  2773  und  es  F.  auch  ein  t.  D.  der]  die  FD. 
sinne  fehlt  GD.  2776  red  WB.  2779  und  auch  nicht  G. 


97 

2780  die  ander  torhait  ist,  als  man  spricht, 

das  ainer  ain  ding  nicht  für  besieht 

in  seiner  sach,  was  er  tuet, 

ob  im  davon  widervaren  mug  übel  oder  guet. 

die  dritte  torhait  ist  eilung  ze  vil, 
2785   als  der  chain  rat,  in  seinen  sachen  nemen  wil. 

die  vierde  torhait  zimpt  nicht  wol, 

als  das  ainer  scheucht  ain  ding,  das  er  tuen  sol. 

das  ist  von  übriger  grosser  lasshait. 

das  selb  haist  man  faule  traghait, 
2790  als  wenn  man  an  hebt  vil  ze  machen, 

und  doch  nicht  nach  volgt  seinen  sachen. 

der  ist  auch  ain  tor,  wa  der  hin  get, 

der  do  tuet  das,  das  do  übel   stet. 

Man  geleicht  die  torhait  und  den  toren 
2795   dem  wilden   ochsen,  dem  tuet  gar  zoren, 

wenn  er  roteu  ding  an  sieht, 

als  die  natur  das  von  im  gicht. 

und  wenn  in  die  Jäger  vahen  wellen, 

so  claident  si  sich  mit  allen  iren  gesellen 
2800  in  rot  gewant  und  gent  dann  drat, 

da  der  wilde  ochs  sein  wonung  hat. 

so  hat  der  ochs  zu  der  röte  solich  begir, 

das  er  die  Jäger  wil  durch  stozzen  schier. 

so  bedenkt  er  nicht  und  laufet  dar 
2805  auf  die  Jäger,  die  fliehen  gar 

etwa  hinder  ainen  starken  paum. 

so  wil  der  ochs  ir  nemen  gaum, 

wann   er  maint  die  Jäger  durch  poren 

2.7.80  fehlt. B.  torhait  fehlt  GD.  als]  daz  GD.  2781  fürsieht  D,  .2783 
d.arvon  übel  faren  mug  o.G.  mag  BS.  2784.  2785  fehlen  S..2784  eilen 
F.  2785  also  BG.  2786  vierde]  dritte  S.  2787  als  da  aller  ding  scheucht 
daz  G.  2789  fawl  .trakhai.fi  WBS.  m.  die  fultrackait  G.  2.790  man]  ainer 
D.  —  an  heffetF.  2792  der]  das  G.  auch  fehlt  G.  2793  tuot  daz  da  ü. 
an  st.  G.  2794-2815  fehlenB.  2794  den]  die  GD.  2795  gar  fehlt  G.' 
2796  rot  F.  rotten  GD.  2.797  das. fehl  t  FGD.  2799  all  irn  S.  2800  dann 
fehlt  S.  2802  rot  ain  s,  F.  solch  S.  2803  stozzen  wil  seh.  WSG.  2804 
laufft  denn  d.  G.  2806  etwo  F.  2807  wil  ir  der  o.  S.  ir  f  e  h  1 1  FG.  geraum  S. 
Zingerle,  Vintler.  7 


98 

und  stosst  so  neidikleichen  mit  den  hören 
2810  in  den  paum,  das  er  besteckt  so  vast 

mit  den  seinen  hören  als  ain  ast, 

das  er  si  nicht  mag  heraus  gewinnen. 

also  mag  er  den  Jägern  nicht  entrinnen, 

wann  si  töten  seu  an  alle  müe, 
2815  es  sein  wild  ochsen  oder  chüe. 

„Red  nicht  mit  dem  narren,"  als  Salomon  gicht, 

„wann  im  gevallent  deine  wort  nicht, 

ist  das  du  im  nicht  sagest  drat 

das,  das  er  in  seinem  sinne  hat, 
2820  oder  red  mit  dem,  der  da  slaff, 

und  schau,  was  da  helf  dein  straff. 

also  giltet  es  geleich  als  vil, 

was  man  mit  dem  narren  reden  wil 

von  chunst  oder  von  weishait, 
2825   wann  es  ist  im  von  natur  lait. 

auch  wenn  der  narr  an  der  Strassen  get, 

so  wänt  er,  wer  an  dem  wege  stet, 

das  si  all  narren  sein  als  er." 

darumb  so  spricht  er:   „der 
2830  narr  ist  gar  laut  mit  seinem  lachen, 

aber  der  weis  chan  sein  gelächter  sittleich  machen." 

Salomon  spricht:   „es  ist  pezzer  ze  begegen 

der  pirin  auf  den  wegen, 

wann  si  ir  weif  hat  verloren, 
2835   wann  dem  narren,  wenn  der  bedenkt  sein  zoren." 

proverbiorum :   „o  ir  clainen,  wie  lang  weit  ir  varen 

der  chinthait  under  siben  jaren? 

2809  so]  sy  S.  neitleich  W.  nydeklich  G.  dem  F.  2810  steckt  G.  2811 
dem  ainem  h.  F.  nast  W.  den  fehlt  GD.  2812  si  sich  FWS.  n.  her  auss 
kan  g.  GD.  2814  seu]  in  W.  so  toten  si  in  den  an  S.  so  totten  si  in  G. 
2815  sein]  sey  SD.  oschen  G.  2dl 6  spricht  WSG.  2817  deine]  die  F. 
seinew  G.  2825  ist  fehlt  G.  2826  an]  auf  WB.  2827  fehlt  S.  2829 
so  fehlt  S.  er  fehlt  WFSGD.  2830  der  narr  B.  2831  wol  s.  m.  B.  gar 
s.  m.  F.  2833  pierin  F.  perin  B.  den  peren  GD.  dem  wege  G.  2834  welffen 
D.  hand  GD.  2535  wenn  der]  so  er  GD.  der]  er  F.  2836  proverbiorum 
fehlt  B.  chlain  W.  2837  under  den  F. 


99 

die  toren  begeren  ze  aller  frist 
nur  das,  das  in  schedleich  ist." 
2840  das  decret  sagt  auch  dapei, 

das  der  wort  der  narren  gar  vil  sei 
und  die  unweisen  hassen  die  chunst. 

Ach  lieber  got,  nu  gib  mir  gunst, 

das  all  mein  tuen  dir  sei  ain  lob. 
2845  wie  gar  mir  doch  mein  sin  ist  grob, 

so  waiss  ich  doch  wol  von  natur, 

das  ich  pin  dein  arme  figur, 

die  du  tewer  erarnet  hast. 

ich  waiss  wol,  das  du  niemant  last 
2850  der,  die  dich  recht  an  rueffunt  sind. 

du  pist  doch  vater  und  wir  deine  chind. 

wie  möchtestu  vater  das  getuen, 

das  du  woltest  deinen  sun 

lassen  also  verderben 
2855  und  ewikleichen  sterben? 

als  dein  gerech tikait  das  wil, 

so  ist  deiner  parmherzikait  so  vil, 

das  du  uns  last  verderben  nicht, 

als  das  der  prophet  gicht, 
2860  das  deine  parmherzichait 

erfüll  die  himel  und  die  erde  prait. 

also  zaig  auch  dein  parmung  mir, 

das  du  erfüllest  mein  begir, 

so  das  ich  tue  von  sunden  eher. 
2865  ich  wais  doch  wol,  das  du  pist  der, 

da  ich  hilf  an  suechen  sol. 

2838  toren  dy  b.  WG.  zue  aller  zitfc  und  zue  aller  fr.  G.  2839  ein  das 
FS.  in  daGD.  schedleich  ist  fehlt  F.  2841  der]  die  FWBSGD.  V.  2843 
—  2931  fehlen  B.  2844  als  W.  alles  SGD.  sei  dir  SG.  ain]  ze  F.  2845 
mir]  nun  GD.  2847  creatur  G.  2848  ernerrest  h.  F.  erarnesth.  S.  erarnot 
G.  2850  der]  dew  F.  der  fehlt  WSG.  an  raffend  W.  2851  deine]  di  W. 
doch  fehlt  F.  doch  der  D.  2854  lan  WS.  2855  ewigklich  G.  2858  ver- 
derben laussestn.G.  si  uns  v.  lasset  n.D.  2859  das]  denn  G.  spricht  SGD. 
2861  den  W.  erden  W.  2862  erzaigD.  z.  mir  auchG.  mir]  iner  G.  2863 
gir  WS.  2864  also  D.  tue  fehlt  F.  2866  suchen]  raffen  S. 

7» 
LpfC. 


100 

das  tue  du,  lieber  herr,  so  wol 

und  hilf  mir,  wann  des  ist  zeit, 

das  der  teufel  seinen  streit 
2870  an  mir  nicht  gewinne, 

wann  mir  laider  meine  sinne 

ze  chrank  sein,  im  ze  widersten. 

davon  so  soltu,  herre,  gen 

für  mich  mit  deinem  schilde, 
2875  wann  dich  doch  nie  bevilde, 

was  du  soltest  tuen  durch  mich, 

und  dich  auch  nie  bevilt  der  stich, 

die  du  durch  mich  gelitten  hast, 

do  du  an  dem  chreutzes  last 
2880  littest  vil  grosse  marter. 

wer  ist  mir  also  zarter, 

der  also  grosse  trewe  hab? 

noch  geistu,  herr,  ain  grösser  gab 

uns  vil  armen  kinden: 
2885   wenn  das  wir  uns  gesinden 

zue  den  Sünden  und  den  sein  berait, 

so  ist  dein  parmherzikait 

für  sich  da  und  ueret  mich, 

also  das  du  nicht  tuest  dein  gerich 
2890  an  mir,  als  ich  verdienet  het. 

das  machet,  herr,  dein  gepet, 

das  du  deim  vatter  tuest  für  mich. 

du  sprichst:   „nim  mich  und  zal  mich  für  dich 

für  all  dein  sünde  gros  oder  ciain." 

2867  das]  des  FSG.  tue  fehlt  SG.  2868  mir  lieber  her  itzund,  des  ist  z. 

F.  denn  es  G.  2869  des  teuffels  sinne  str.  G.  nicht  sein  S.  2871  mein 
klain  s.  G.  2872  sein  wider  ze  sten  GD.  2873  so  fehlt  F.  2875  fehlt 

G.  dich]  ich  F.  wann  herre  du  bist  so  mute  D.  2876  du  tun  soltest  d. 
WSG.  durch]  für  GD.  2877  wanne  dich  bevilte  nie  der  st.  F.  gefilt  G. 
nit  D.  2878  du  fehlt  S.  2879  do]  das  WS.  dem]  des  WSGD.  2880 
ledest  F.  gelitten  hast  WSGD.  grosse  fehlt  WS.  grosser  G.  2881  mir] 
nu  WSG.  also  fehlt  F.  2883  herre  grossew  G.  2887  so  ist  parmherzikait 
dein  genaigt  F.  2888  da  fehlt  G.  narret  F.  2889  gericht  GD.  2892  du 
tust  deinen  vatter  für  S.  deim]  dem  F.  2894  f.  dein  sünd  alle  gros  WS. 
für  die  sünd  gross  vnd  D.  für  die  sünder  gross  und  auch  kl,  G. 


101 

2895  wa  ward  chain  trewe  ie  so  rain, 

die  du,  vatter,  zu  deinem  kinde  hast  getragen? 

wer  inöcht  dein  wunder  gar  volsagen? 

niemant,  herre,  nur  wem  du 

dein  hailigen  gaist  woltest  senden  zue. 
2900  der  selb  möcht  wol  die  wunder  dein 

ze  Hechte  pringen,  herre  mein, 

aber  sunst  war  alle  chunst  enwicht. 

und  hiet  ich  aller  der  geticht, 

die  alle  maister  vor  mir  ie  geheten, 
2905  und  war  ich  halt  auf  den  süessen  perg  getreten, 

der  Elicon  mit  namen  haist, 

und  da  die  götter  allermaist 

ir  allerhöchstes  geticht  vinden  : 

dannoch  war  ich  pei  den  plinden 
2910  mit  meiner  kranken  fantasei. 

davon  ich,  herre,  an  dich  schrei, 

wann  du  hilfst  doch  allermaist, 

ich  main  dich  vater,  sun,  hailiger  gaist. 

Man  list  uns  von  der  torhait, 
2915  das  Alexander  ains  tages  rait 

durch  Macedonia,  ich  wais  durch  wes, 

und  mit  im  her  Aristotiles. 

do  giengen  vor  sein  viel  fueschnecht, 

als  das  noch  ist-  der  fürsten  recht. 
2920  die  triben  die  leut  von  dem  weg,  gross  und  ciain. 

uu  saz  ain  narr  auf  ainem  stain, 

der  lag  in  dem  wege  mitte, 

der  narr  ruert  sich  nicht  nach  seinem  sitte. 

2895  wo]  da  G.  ie]  nie  GD.  chain]  dein  F.  so]  also  S.  2896  v.  haust  zue 
d.  k.  g.  G.  2897  so  gar  F.  vol  fehlt  GD.  2898  herr  newr  du  S.  herr 
wenn  du  G.  2899  den  W.  2901  macht  G.  2902  sust  S.  aber  alle  kunst 
wer  sunst  entw.  GD.  2903  ich]  er  D.  ich  fehlt  FG.  aller]  aber  G.  der 
fehlt  S.  2904  vor  mir  ie]  von  inG.  mir  fehlt  D.  hetten  GD.  2905  und 
fehlt  S.  2907  da  fehlt  F.  und  auch  da  G.  2909  dennoch  S.  dennocht  D, 
2912  hilft  W.  helffest  G.  2913  man  S.  sun  und  h.  SGD.  2914  uns]  auch 
S.  uns  auch  mer  v.  G.  2918  do]  und  F.  sein]  in  G.  frischer  chnechtFGD. 
frisch  kn.  S.  2922  mitten  F.  en  mitten  GD.  2923  nach  sitten  F.  n  seinen 
sitten  GD. 


102 

do  gierig  der  fueschnecht  ainer  dar 
2926  und  wolt  den  narren  pei  dem  har 

von  dem  stain  geworfen  haben. 

do  sprach  Aristotiles  zue  dem  knaben : 

„nicht  treib  den  stain  von  dem  stain  !" 

wann  es  erchante  wol  der  rain, 
2930  das  er  ain  rechter  natürlicher  narr  was; 

und  also  ritten  si  fürbas. 

Von    der    gerechtikait. 

Die  gerechtikait,  die  ist  also,  • 

als  das  beschreibt  Andronico, 

und  ist  ze  verantwurten  gemainikleich 
2935  allen  menschen  arm  und  und  reich, 

der  das  recht  zue  im  spricht, 

als  das  sand  Thomas  gicht: 

„dreu  ding  bedarf  der  mensch  wol, 

der  das  recht  füeren  sol. 
2940  das  erst,  das  er  den  gewalt  hab 

ze  richten,  was  das  recht  sag, 

das  ander,  das  er  sich  gar  wol  sol  pflichten, 

das  er  wisse,  was  er  sol  richten. 

die  dritte  sach  sol  sein,  das  er 
2945  richte  nach  der  rechten  1er. 

Man  mag  geleichen  pilleich  zwar 
die  gerechtikait  fürwar 
dem  chünig  der  edlen  pein. 
der  selb  ordent  alweg  die  sein 
2950  an  ain  iegleich  gerechtikait, 
als  die  natur  von  im  sait. 
etleich  pein  die  ordent  er, 
das  sie  fliegen  hin  und  her, 
etleich,  das  si  von  pluemen  das  honig  machen, 

2924  frisch  kriecht  S.  frische  kn.  GD.  2928  dem  fehlt  F.  2930  esW. 
2931  seu  F.  2933  als  denn  schribt  A.  G.  2934  u.  das  ist  WBSGD.  ge- 
mainleich  BS.  v.  all  gemainl.ch  G.  2935  armen  BF.  2941  rechten  WBSGD. 
2942  gar  fehlt  G.  2943  schul  F.  V.  2946- 2979  fe  hl  en  B.  2949 
selb  der  ordnet  GD.  2950  igleichFS.  2951  als  daz  dieW.  in  W.  im  auch 
s.G.  2953  si  fehlt  F.  2954  si  fehlt  S.  seu  F.  von  den  pl.Fdas  fehl  tSD. 


103 

2955  etleich  die  den  chünig  bewachen 

und  den  chünig  älzeit  belaiten, 

etleich  müessen  arbaiten, 

das  si  das  honigzelt  formieren 

in  den  peinvassen  und  schon  zieren. 
2960   etleich  ordinieret  er  mit  dem  rechten, 

das  si  mit  den  frömden  pein  müessen  vechten. 

wann  von  uatur  so  chriegen  sie, 

wann  aine  nimpt  der  andern  ie 

das  honig  oft  mit  gewalt. 
2965   es  ist  auch  chain  pein  als  wol  gestalt, 

die  vor  dem  chünig  aus  dem  peinvas  ger, 

und  ain  iegleich  pein  erpeut  dem  chünig  er, 

und  ob  dann  der  chünig  alt  wirt, 

das  im  die  flügel  ab  swirt, 
2970   so  sein  für  sich  da  alle  pein 

und  tragen  im  dann  alle  ein, 

und  lassen  im  nimmer  chain  mangel. 

ain  iegleich  pein  hat  hinden  ain  angel, 

wann  der  chünig  hat  chain  angel  nicht, 
2975  als  die  natur  von  im  gicht. 

und  etleich  chünig  vercheren  ir  varbe 

in  swarz  und  rot  begarbe 

und  sein  ain  guet  tail  grösser, 

wan  die  andern  angefär. 
2980   Salomon  der  weis,  der  gicht: 

„du  solt  nimmer  begeren  nicht 

sein  ain  grosser  richter, 

ob  du  nicht  macht  wol  bewär 

das  recht  volpringen,  als  das  ist  gezilt, 

2955  dem  kunig  allzeit  w.  D.  die  mussent  allzitt  dem  kung  wachen  G. 

2956  behutten  F.  2957  ettlich  die  m.  G.  2958  zelthonigF.  2959  fehlt 
S.  und  auch  seh  G.  2960  ordnet  G.  den  S.  2961  sew  F.  2962  so  fehlt 
FGD.  2965  chain]  ettlich  G.  2967  ain  fehl t  G.  igleich  S.  pein  die  e. 
FS.  enpeut  G.  2970  sind  F.  da  fehlt  S.  2972  im  denn  n.  GD.  2973 
igleich  S.  hindan  G.  2974  hat  hinden  chain  F.  angel  fehlt  S.  2976  und 
auch  G.  becheren  WG.  bekerent  D.  2977  in  rot  und  swarz  S.  und  auch 
r.  G.  2979  denn  G.  vngefer  D.  2980  weis  g.  F  2982  ze  sein  GD.  rich- 
teren  WS.  richtere  G.  2983  nicht  wol  m.  F.  wol  fehlt  D.  beweren  WS. 
bewäre  G.    2984  r.  ze  volfiiren  WBSGD.  zilt  G. 


104 

2985   oder  ob  du  das  recht  nicht  tuen  wilt." 

Ermes  spricht:  „da  solt  niemant  pezzern  ze  vil, 

du  gebst  im  danne  vor  ain  zil 

auch  auf  sein  beredung. " 

davon  so  spricht  er  darumb : 
2990   „du  solt  das  recht  nicht  lang  verziechen, 

darumb  das  es  icht  werd  ze  schieche, 
,  oder  das  es  darumb  underge. " 

Aristotiles  spricht  noch  ino  : 

„es  ist  gar  chnechtleichen  getan, 
2995  wenn  der  herr  beswärt  ain  armen  man." 

Seneca  spricht:   ,.der  im  selben  gepieten  mag, 

der  mag  aim  andern  gepieten  an  alle  lag." 

Tulius  spricht:   „die  gerechtikait  ist  so  mugent, 

das  si  ist  ain  frau  und  mueter  aller  tugent, 
3000  wann  an   sei  mag  chain  ding  weren." 

das  decret  tuet  uns  auch  leren, 

das  fünf  ding  prechen  die  gerechtikait, 

das  erst  ist  lieb,  als  er  sait, 

die  ander  haz,  die  dritte  gab, 
3005   die  vierde  vorcht,  die  fünfte  pet  oder  gnad. 

Socrates  spricht:   „die  tugent  sol  sich  hüeten  wol, 

das  si  nicht  gesellschaft  haben  sol 

mit  dem,  der  nicht  tugent  hat. 

wann  das  pös  wirt  gesetzt  an  aller  stat." 
3010  in  dem  puech,  das  do  haist  prueder  Gilio, 

da  vindt  man  inn  geschriben  also: 

„die  gerechtikait  verdirbt  in  dem  wüetreich 

und  regnieret  in  dem  chünig  reich 

in  fünferlai  sach  zwar. 
3015   die  erste  sache  die  ist  war, 

2986  niemant  besweren  nicht  oder  ze  G.  2989  fehlt  B.  so  fehlt  WSG. 
darinn  WS.  2991  nicht  werde  W.  schiechen  G.  werd  geschihen  D.  2994 
chnechtleich  WBS.  2995  wanne  F.  wann  B.  2996  spricht  fehlt  B.  wer 
im  selb  erp.  G.  2997  pitten  G.  pieten  D.  alle  fehlt  GD.  gep.  alle  tagF. 
andern  fehlt  GD.  2998  Tulius  spricht  fehlt  BD.  2999  und  ain  G.  3000 
wan]  und  BSG.  si  WBGD.  3002  prechentF.  3004  das  a.  B.  haz]  haist  G. 
3006  Socrates  spricht  fehlt  BD.  3010  da  fehlt  F.  haisset  Gibo  GD. 
Gillo  B.  3011  da]  und  F.  in  F.  inne  S.  3013  kunigreich  BSG.  3015  sach 
ist  FS. 


105 

das  die  tyrannen  haben  lieb  ir  aigen  guettat, 

so  hat  der  chünig  lieb  das  gemain  guet  an  aller  stat. 

die  ander  sache,  die  ist  die, 

das  der  wüetreich  lieb  hat  hie 
3020  wollust  nach  seines  herzen  ger, 

so  hat  der  chünig  nur  lieb  sein  er. 

die  dritt  sach  ist,  das  der  tyran 

hat  alweg  lieb  die  frömden  man, 

so  hat  der  chünig  alzeit  lieb  sein  purgär, 
3025   wann  die  frömden  seind  im  unmär. 

die  vierde  sache  das  ist  das, 

das  der  wüetreich  hat  alweg  ain  has 

und  das  er  vertreibt  die  gueten  ze  aller  zeit 

und  gen  den  weisen  hat  er  alweg  widerstreit, 
3030  aber  der  chünig  der  begert, 

das  er  auf  enthalt,  die  da  weit 

sein,  weis  und  darzue  guet, 

und  die  pösen  er  all  vertreiben  tuet. 

die  fünfte  sach  die  ist  also, 
3035  das  der  tyran  hat  alweg  jubilo, 

wenn  sein  purger  haben  müe  und  armuet, 

aber  der  chünig  hat  lieb  alles,  das  do  recht  tuet, 

und  alles,  das  der  wüetreich  lieb  hat, 

das  versmächt  der  chünig  an  aller  stat." 
3040  Plato  geit  uns  des  ain  1er: 

„du  solt  nimmer  haben  die  beger, 

rat  ze  geben  chainem  man, 

der  gewalt  über  dich  mag  gehan; 

wann  ob  im  der  rat  nicht  wil  frumen, 
3045   so  wolt  er  sein  leicht  an  dir  zue  chumen." 

3017  eh.  das  guet  lieb  an  GD.  3018  sach  ist  S.  sach  das  ist  F.  3019 
die  ist]  das  ist  G.  3022  ist  fehlt  WBSG.  3026  das  erste  fehlt  F. 
3027  der  wüetreich]  er  G.  der  D.  albeg  hat  FS.  3028  vertreib  W.  die 
gueten  vertreib  D.  3029  er  fehlt  F.  allzeit  D.  3030  das  zweite  der 
fehlt  S.  3034  sach  ist  F.  3035  albeg  hat  FSD.  3036  wann  F.  purger] 
leut  F.  junger  D.  müe]  müung  BSG.  chumer  F.  V.  3037  —  3069  f.  W. 
3037  do  fehlt  G.  3039  das]  den  S.  3041  die  fehlt  F.  3042  ze  fehlt 
G.  geben]  haben  S.  3043  han  SG.  3044  ob  f e  h  1 1  GD,  nicht  fehlt  GD. 
3045  villeicht  G.  . 


106 

Aristotiles  spricht :  „du  solt  nicht  in  der  stat 

wonen,  die  do  vil  herren  hat, 

und  wa  die  narren  haben  mer, 

wann  die  weisen,  zuecher, 
3050  und  die  pösen  mer,  wann  die  gueten, 

da  soltu  nimmer  hin  gemueten." 

Tolomeus  spricht:   -verfach  den  weisen  herren  nicht, 

ob  er  ain  failung  zue  dir  spricht, 

wildu  grossen  Ion  von  im  han." 
3055  auch  spricht  er:   „wenn  der  aigen  man 

erhocht  sich  über  seinen  herren, 

so  macht  er  für  sich  dar  ain  werren." 

Man  list  von  der  gerechtikait 

der  heiligen  väter,  als  die  geschrift  sait, 
3060  das  ain  ainsidel  was  in  ainer  wüest, 

der  selb  hat  lange  zait  gepüest. 

aines  tages  er  gar  siech  wart, 

das  er  davon  ercham  gar  hart. 

des  beclagt  er  sich  gen  got. 
3065  do  cham  ain  engel  von  gotz  gepot 

zue  im  in  aines  menschen  gestalt 

und  sprach  zue  im:   „der  gottes  gewalt 

hat  mich  gesant  her  zue  dir, 

das  du  chumest  pald  mit  mir. 
3070  so  zaig  ich  dir  sein  haimleichait 

von  der  gotz  gerechtikait." 

do  fuert  er  in  zu  ainem  schönen  haus, 

da  was  der  wirt  gegangen  aus. 

do  nam  er  gar  vil  gelt  aus  seinem  schrein. 

3046  spricht  fehlt  GD.  anG.  3747  do  fehltB.  3048  haben]  halbenF. 
3050  wann]  denn  G.  3051  fehlt  GD.  da  soltu]  du  soltS.  3052  Tolomeus 
spricht  fehlt  B.  Phatolomeus  GD.  auch  verf.  B.  versag  S.  3053  ainfäl- 
tigklich  G.  3054  in  F.  3055  wann  S.  3056  sein  F.  3057  dar  fehlt  F. 
macht  sich  für  sich  GD.  darein  D.  V.  3058  —  3209  fehlen  B.  3058  1. 
uns  v.  G.  3059  heilig  FG.  als  uns  SGD.  schriftS.  3061  het  S.  3062  gar 
fehlt  GD.  3063  chom  F.  kam  GD.  3064  erklagt  er  GD.  3068  herr  F. 
3069  mit]  zue  GD.  3070  dein  SG  3073  gangen  FGD.  3074  er]  der 
engel  GD.  geltz  GD.  seinem]  ain  S.  ainem  G.  eim  D. 


107 

3075  der  ainsidel  gedacht:  was  mag  das   sein? 

und  do  das  selb  also  geschaeh, 

do  fuert  er  den  ainsidel  darnach 

zue  ainem  andern  haus  hin  für, 

und  lies  das  gelt  vallen  vor  der  tür. 
3080  darnach  fuert  der  engel  her 

den  ainsidel  aber  raer 

in  ain  haus,  da  tot  er  an  der  stet 

ain  tochterlein,  das  lag  an  ainem  pet. 

und  do  das  der  ainsidel  ersach, 
3085   do  was  im  von  dem  engel  gach, 

and  wolt  von  im  geflohen  sein, 

wann  er  want,  es  war  des  teufeis  schein. 

do  sprach  der  engel  gar  tugentleich 

zue  dem  ainsidel  gar  sitticleich: 
3090  „wann  ich  wil  dich  sehen  lan, 

ob  ich  recht  oder  unrecht  hab  getan, 

darumb  das  ich  in  dem  ersten  haus 

ainem  sein  gelt  hab  genomen  heraus. 

das  tet  ich  darumb  an  der  selben  stet : 
3095  der  selb  wirt  het  verchauft  alles,  das  er  het, 

und  wolt  das  selb  gelt  haben  geben 

ainem  morder,  der  ainem  solt  nemen  sein  leben, 

seinem  veint  in  ainer  grossen  stat. 

des  wolt  er  ie  nicht  haben  rat, 
3100  er  wolt  im  also  frummen  den  tot. 

wann  sein  vater  laid  von  im  die  selben  not. 

also  wolt  er  sich  an  im  gerochen  han. 

und  war  das  also  für  sich  gegan, 

so  war  die  ganze  stat  zue  gelaufen 
3105  alle  sampt  zue  ainem  häufen, 

und  da  war  raanig  mensch  umb  verdorben, 

3075geseinFD.  3076  als S.  selb  alles  da  g.  GD.  3078  hin  fehlt  WSGD. 
3079  lies  fehlt  G.  gelten  S.  für  die  S.  3082  tuetG.  tötet  D.  er  fehltS. 
an  fehltG.  3083  in  FS.  3084  das  fehltD.  3088  tugenleich  WS.  3091 
unrecht  oder  recht  FSG.  3092  ersten  fehlt  F.  in  fehlt  G.  3093  ainem 
hab  genomen  sein  gelt  F.  han  GD.  3094  darumb  fehlt  F.  3095  daz  daz 
er  G.  3097  nemen]  haben  genomen  S.  3098  gar  gr.  F.  3100  den]  sein 
GD.  3102  an  im  fehlt  W.  3103  gan  1).  3104  geloffen  S. 


108 

und  oft  ain  unschuldiger  gestorben. 

darumb  han  ich  im  die  pfenning  genommen. 

wann  do  ener  zue  seinem  haus  was  wider  chomen, 
3110  und  do  er  seines  geltes  nicht  enfant, 

do  fuer  er  für  sich  alzehant 

in  ain  closter  und  dienet  got. 

wann  er  was  armer  worden  von  gotz  gepot 

und  also  wirt  sein  sei  behalten." 
3115  also  sprach  der  engel  zue  dem  alten. 

„die  andern  pfenning,  die  ich  han 

vor  dem  andern  haus  gelan, 

das  ist  darumb  geschehen, 

als  du  mir  selber  wirst  verjehen, 
3120  das  ich  recht  han  getan. 

wann  es  was  dem  selbigen   man 

verdorben  alles  sein  guet 

in  ainem  schefF  in  des  meres  fluet. 

do  het  er  verzagt  also  vast, 
3125   das  er  sich  selben  wolt  henken  an  ainen  ast, 

und  in  dem  willen  gieng  er  herfür. 

do  vand  er  das  gelt  vor  der  tür. 

und  do  der  man  vand  das  gelt  also  berait, 

do  viel  er  nicht  in  die  verzaghait. 
3130  darumb  das  ich  dann  das  tochterlein 

han  getötet,  lieber  prueder  mein, 

das  tet  ich  darumb  an  der  stet, 

vor  ee,  das  sei  der  vatter  het, 

do  tet  er  alle  guettat 
3135  in  diser  weit  an  maniger  stat, 

aber  als  pald  er  das  chind  gewan, 

do  wart  er  aller  guettat  gram. 

3108  im]  enem  F.  ienem  G.  3109  iener  was  zue  s.  h.  komen  G.  wider 
fehlt  D.  3110  geltes  fehlt  F.  nit  erfand G.  nit  fand  D.  3111  al  fehlt 
D.  3113  arm  FSGD.  worden  fehlt  F.  3114  wartW.  wehalten  S.  3119 
selberj  selbs  D.  auch  selbs  G.  3121  was  fehlt  F.  3122  verdorben  ist 
all  F.  3125  selber  FG.  hengen  W.  ain  F.  3126  er  also  h.  WSGD.  3128 
man  das  gelt  fand  a.  G.  3129  verzagkait  W.  zaghait  GD.  3130  dann 
fehlt  D.  3133  das  fehlt  WSG.  sei]  si  WSG.  3136  pald  do  er  W.  ge- 
wan] überkam  D. 


109 

auch  meret  er  mit  wuecher  all  sein  gelt 

und  tet  alle  poshait  diser  weit. 
3140   darumb  han  ich  getötet  das  tochterlein, 

als  das  schuef  mein  himelischer  trachtein, 

und  auch  durch  seiner  poshait  willen  darzue, 

darumb  das  er  auch  nu  wider  guettat  tue. 

und  darumb  sol  dich  nicht  wundern  vast 
3145  umb  den  wetagen,  den  du  hast. 

wann  war  dein  wetag  nicht, 

so  wärst  du  nicht  in  gottes  phlicht. 

wiss  auch,  das  got  der  guet 

chain  ding  ane  sache  tuet. 
3150  aber  der  mensch,  der  wii  es  nicht  versten. 

darumb  über  in  got  lat  verhenknus  gen. 

wann  got  lat  widervaren  zwar 

dein  pösen  das  minder  pös  fürwar." 

und  do  der  engel  das  gesprach, 
3155  do  verswant  der  engel  vor  im,  das  er  in  nimmer  sach. 

darnach  wolt  der  ainsidel  nicht  geruechen, 

er  wolt  das  also  ie  versuechen, 

ob  das  wäre  war  also, 

das  im  der  engel  het  gesagt  aldo, 
3160  und  loff  hinder  sich  zehant. 

do  vand  er  es  alles  sampt, 

das  im  der  engel  gesaget  het, 

das  er  ganz  war  het  geret. 

darnach  füer  er  in  sein  closen  zwar 
3165  und  püesset  darinne  alles,  das  er  gar 

ie  het  getan  wider  got 

und  pelaib  alzeit  f urbas  in  gottes '  gepot. 

Von  der  gerechtikait  hör  ich  sagen, 

3138  er  ietz  mit  GD.  alles  S.  als  WG.  3139  tuot  G.  3140  tot  D.  3141 
himeliscke  creatur  veinF.  3142  sein  WS.  3143  darumb]  und  G.  nu  fehlt 
G.  3145  wettung  F.  31  46  wetuflg  F.  31  50  mensch  wil  FGD.  3051 
darumb]  das  D.  im  lat  got  S.  got  über  den  menschen  1.  GD.  3153  minder] 
nimmer  WS.  nimder  F.  ■  ös  fehlt  S.  3155  nimmer]  nicht  F.  3157  also] 
alles  G.  ie  auch  v.  GD.  3159  het  gesagt]  sagtGD.  doD.  3164  klosterS. 
klussen  GD.  3165  das  er  fehlt  F.  3166  das  er  ie  getan  het  w.  FD. 
3167  fürpass  allzitt  G.  alzeit  fehlt  D. 


HO 


daz  ze  Rom  in  den  tagen 
3  170  was  ain  herr,  der  hies  Camillus, 

als  uns  schreibt  Valerius  Maximus, 

das  er  des  römischen  senat  ainer  war. 

der  besaz  ain  stat  mit  grosser  swär, 

die  selb  was  Palastin  genant, 
3175  wann  die  Romer  heten  in  dar  gesant. 

nu  was  ain  schuelmaister  in  der  stat, 

der  die  jungen  chind  frue  und  spat 

solt  weisen  chunst  unde  sin. 

ains  tags  do  gieng  der  schuelmeister  hin 
3180  für  die  stat  auf  das  velt, 

da  er  vand  den  chaiser  in  seim  gezelt, 

und  fuert  mit  im  der  purger  chind  gar. 

des  nam  der  chaiser  eben  war. 

do  sprach  der  schuelmaister  zue  dem  römischen  vogt: 
3185   „herr,  ich  han  da  her  gezogt 

auf  ewer  genad,  also  das  ir 

die  stat  mit  mir  gewinnet  schier." 

do  sprach  der  chaiser:  „wie  mag  das  sein?" 

„herr,  da  han  ich  die  chindelein, 
3190  die  da  sein  der  höchsten  purger. 

die  han  ich  all  pracht  mit  mir  her, 

und  mit  den  chinden  so  notet  ir  palt, 

das  die  stat  chumpt  in  ewer  gewalt." 

do  sprach  zue  im  Camillus  der  her : 
3195   „si,  du  pöser  verlaiter 

und  rechter  schalle  deiner  wort? 

wie  machtu  tuen  ain  solich  mort? 

die  stat,  die  ich  mit  harnasch  han 

besezzen,  da  wil  ich  auch  nicht  lazzen  von, 

3170  was]  wais  S.  3171  Maximus  fehlt  SGI).  3172  des]  der  S.  römisch 
FSD.  3176  in]  an  S.  3178  und  WSG.  3179  do  fehlt  SG.  maister  GD. 
hin  fehlt  F.  3181  zeltFGD.  3182  die  SD.  burgers  D.  3184  der  Schul- 
meister sprach  zum  D.  3185  han]  pin  G.  3186  als  GD.  3187  mit  mir 
fehlt  S.  mit  mir  die  st.  GD.  3188  der  kaisersp.  GD.  gesein  FSGD.  3189 
her  da  habet  die  chondelein  F.  die]  hie  SG.  3191  alle  G.  mit  mir  fehlt  G. 
3192  kindlen  nöttend  ir  G.  kindlein  nötent  D.  3194  herr  WS.  3195  si] 
sei  G.  sich  WD.  3196  und]  du  F.  3197  mugest  du  W.  magstu  D.  3198 
hernasch  F.     3199  da]  da  selb  G.  auch  fehlt  GD, 


IM 

3200  ich  wil  sei  auch  mit  harnasch  gewinnen 

und  mit  chainen  trugeleichen  dingen." 

darnach  lies  er  den  maister  vahen 

und  mit  rueten  wol  durchslahen, 

und  schickt  da  maister  und  chind  wider  in  die  stat, 
3205  das  man  saget  dem  senat 

von  der  untreu,  die  der  maister  an  im  het. 

do  ergaben  sich  die  purger  an  der  stet 

den  Romern,  do  si  sahen  ain  solch  gerechtikait. 

also  tetten  si  ainander  nimmer  lait. 

Von    der    ungereehtikait. 

3210  Das  ist  der  tadel  der  ungereehtikait 

nach  dem,  als  Magrobius  sait, 

das  man  rieht  arme  und  reich 

nur  alzeit  ungerechtichleich« 

das  haisset  man  aigenleich  injusticia 
3215  nach  dem,  als  der  maister  sagt  alda. 

unrecht  ist  auch  manigerlai  sach. 

die  erst  die  haisset  man  ain  räch. 

wann  man  ungerechtikleichen  nötet, 

oder  ainen  ze  unrecht  tötet, 
3220  das  haisset  mau  ainen  todslag. 

die  ander,  nach  des  maisters  sag, 

als  das  man  ainem  tuet  ain  smachait, 

das  selb  nennt  man  auch  ain  ungereehtikait. 

die  dritte  sach,  die  ist  nit  guet, 
3225   wann  ainer  dem  andern  mit  gewalt  tuet, 

und  das  haisset  man  ungerechten  gewalt. 

die  vierd  sach  ist  gar  manigfalt. 

3200  hernaschF.  3201  und  nifc  mit  kain  GD.  uugeleichen  WSG.  falschen 
D.  3202  hiesD.  3203  durchhawen  GD.  3204  doF.  da  fehlt  GD.  wider 
fehlt  FG.  2207  sich  fur  sich  d.  WS.  3209  an  ainander  FS.  nimmer  kain 
l.G.  3210  der]  ainFGD.  3211  als  das  BS.  3214  sait  FD.  man  fehlt  G. 
aigenkleich  F.  3215  alda]  da  FD.  3217  das  erst  D.  das  erst  das  S.  erst 
die]  erste  F.  erst  h.  GD.  3218  wann]  was  alle  Hs.  ungerechtichleich 
BFSGD.  3219  ainer  der  z.  F.  zue  unrechten  G.  3221  der  maister  F.  3222 
das]  da  G.  man  tut  an  smaichait  S.  3223  ain  fehlt  B.  auch  fehlt  G. 
3224  sach  ist  FS.    3226  man  haist  S.  unrechten  BFS. 


112 

das  ainer  den  andern  beschedigt  ser 

in  allen  seinen   Sachen  hin  und  her, 
3230  und  das  selb  haist  man  ain  schaden  gros. 

die  fünfte  sach  ist  eren  plos: 

wer  dem  andern  das  sein  nimpt  oder  stilt, 

oder  in  valschait  mit  im  spilt. 

das  selb  haisset  man  ain  deupstal. 
3235   die  selben  habent  am  galgen  ir  wal. 

das  sechste,  das  ainer  dem  andern  das  sein  nimpt 

mit  gewalt,   was  im  gezimpt, 

an  des  andern  gunst  und  Urlaub, 

und  das  selb  haisset  man  ain  raub. 
3240  die  selben  die  geleieht  man  des  teufeis  chnecht, 

wann  der  selb  hat  nimmer  chain  recht, 

wann  alle  sein  verstantnus 

und  lust  und  alle  sein  gedenknus 

ist  übel  ze  tuen  ze  aller  zeit 
3245   seinen  dienern  ane  widerstreit. 

also  hör  ich  von  im  sagen, 

das  ze  Moden  in  den  tagen 

was  ain  purger  hochgemuet, 

der  het  vertan  alles  sein  guet, 
3250  darumb  im  oft  trauret  der  sin. 

nu  het  er  atn  gewonhait  an  im, 

das  er  ie  alle  sampztag 

cham  für  die  stat  in  ain  hag 

zue  ainer  chirchen,  die  lag  darinn, 
3255  und  petet  da  an  die  himelchaiserin. 

das  traib  er  etleich  zeit  also. 

ains  tages  gedacht  im  der  purger  do: 

„wie  lang  sol  ich  mit  armuet  ringen? 

3228  den  andern]  ain  G.  gar  ser  G.  ser]  hin  und  her  F  3229  fehlt  F. 
3230  und  fehlt  F.  selbig B.  3232  stilt  ödem.  S.  3233  inj.  mit  S.  3234 
dasselbig  B.  diebstal  GD.  3235  für  ir  w.  B.  3236  sechste  das  ist  das  W. 
32-37  im  danne  g.  F.  3238  gunst  erlaub  BW.  gunst  Urlaub  S.  erlaub  D. 
3239  und  auchd.  G.  selbig  B.  V.  3240  —  3333  fehlen  B.  3240  selben 
gel.  F.  selben  die]  ungerechtigkait  GD.  3242  sein]  ire  F.  3243  und  auch, 
a,  D.  gedanknus  W.  gedechtnuss  GD.  3244--ze  tuen]  getan  F.  3245  ane 
streit  F.  3249  al  F.  3250  der]  sein  FGD. -3252  all  WS.  3257  aldoFGD. 


113 

zwar  ich  wil  iegleichem  heiligen  pringen 
3260  ain  cherzenliecht,  das  er  helfe  mir." 

das  ward  getan  also  nach  seiner  gir. 

ains  tages  pracht  er  mit  im  aldar 

vil  manige  cherzen  wol  gevar 

und  gab  iegleichem  heiligen  alda 
3265  ain  cherzen  ze  eren  seiner  memoria. 

nu  belaib  im  ain  cherze  übrig  eben, 

das  er  die  chainem  heiligen  nie  mocht  geben. 

do  gedacht  er  das  in  seinem  sin : 

„wa  sol  ich  mit  der  cherzen  hin?" 
3270  do  gieng  er  in  der  chirchen  hin  und  her, 

am  lesten  sah  er  dort  Lucifer. 

der  was  gemalt  gar  eisleich, 

mit  f eurem  chetten  jämerleich. 

do  gedacht  der  purger  in  seinem  muet: 
3275   „weste  ich,  das  du  mir  guet 

möchtest  geben  nach  meiner  gir, 

so  wolt  ich  die  cherzen  dir 

verprennen  in  den  eren  dein. 

wer  waiss,  du  macht  leicht  helfig  sein." 
3280   damit  nam  er  die  cherzen  her 

und  steckt  die  hin  für  Lucifer, 

und  lies  sei  prinnen  vor  dem  teufel  unrain. 

damit  so  gieng  der  purger  haim 

zue  seinem  weib  und  legt  sich  slaffen  nider. 
3285   nu  was  der  teufel  also  pider, 

das  er  wolt  Ionen  dem  diener  sein, 

der  im  het  geben  das  liechtlein, 

und  cham  zue  dem  purger  an  der  stet, 

der  lag  pei  seinem  weib  an  dem  pet, 
3259  etleichemF.  3260  das  sew  helfen  F.  3261  alsogeganG.  also  getan 
D.  begirWS.  3262  al  fehlt  S.  3263  manigF.  wol  gevar]  dar  G.  3265 
in  sein  S.    3266   cherzen   FS.   übrig  ain   kerzlin  (kerzlein  D.)  eben  GD. 

3267  dyniechainS.  chainW.  hailigem  nie  chundF.  nie  mocht]  kund  GD. 

3268  des  SGD.  3272  das  der  was  S.  gemalt  wasD.  grewleich  F.  engstlich 
GD.  3273  mit  seinen  feuren  S.  32  76  begirWSD.  3279  mach  W.  machst 
S.  magst  D.  heltig]  saug  F.  hilflich  G.  hilftigD.  3280  nam  fehlt  F.  3281 
stackt  GD.  3282  sy  WS.  prennen  S.  für  den  G.  3283  mit  fehlt  F.  so] 
da  G.  so  fehlt  D.  3288  der]  die  WS.  3289  dem  fehlt  S. 

Zingerle,  Vintler,  g 


114 

3290  und  sprach:   ,.^tand  auf  iuH  gang  mit   mir, 

wann  ich  wil  heinacht  Ionen  dir 

der  cherzen,  die  du  mir  hast  geben." 

der  purger  het  chain  widerstreben, 

das  er  gieng  mit  dem  teufel  pald 
3295  in  dem  slaff.  der  fuert  in  in  ainen  wald,  . 

da  waren  inn  gar  manigerlai  paum. 

der  teufel  sprach:  „nu  nim  gaum, 

das  du  grabest  morgen  frue 

disem  paum  gar  nahen  zue; 
3300  wann  da  vindest  du  ain  grossen  hört." 

do  sprach  der  purger  an  dem  wort: 

„mein  graben  ist  hie  en wicht, 

wann  ich  erchenn  des  paumes  nicht." 

do  sprach  der  teufel  an  der  frist: 
3305   „ich  1er  dich  ainen  gueten  list, 

das  du  den  paum  gar  wol  macht  vinden : 

scheiss  unden  zue  des  paumes  rinden, 

so  vindest  du  in  morgen  dester  pas." 

der  purger  der  was  do  nicht  las 
3310  und  tet,  als  in  der  teufel  lert. 

seinem  weib  er  den  ars  dar  chert 

und  schaiss  ir  für  ir  praun  gerich, 

die  frau  di  zucket  hinder  sich 

und   schrai  auf  mit  lauter  stim  : 
3315   „waffen!  man,  wo  sein  dein  sin? 

wie  bescheissest  du  mich  und  dein  pet!" 

der  man  erwachet  an  der  stet 

und  erschrack  und  was  unfro 

3290  ge  F.  V.  3291—3347  fehlen  F.  3291  hinacht  SD.  haimlich  G. 
3292  gegeben  GD.  3294  gieng,  des  in  ducht,  mit  GD.  3296  darinn  da 
warend  gar  G.  darinn  do  waren  m.  D.  innen  S.  3297  gaum]  geraun  S. 
war  D.  3299  nahentS.  3300  da  vindest  ain  SG.  3301  an  dem]  zu  disem 
D.  3302  entwicht  GD.  3303  kenne  D.  3304  der]  diserD.  3305  gueten 
fehlt  GD  3306  magst  WD.  gar  fehlt  GD.  3307  schiess  undan  G. 
3308  in  fehlt  G.  morgens  S.  3309  purger  was  SD.  nicht  ze  lass  GD. 
3311  dar  fehlt  WGD.  3312  schätz  G.  schisz  D.  im  W.  für  ir]  frir  W. 
für  prawen  gerach  S.  ir  für  praunaw  glich  G.  ir  in  die  schosz  glich  D. 
3313  das  zweite  die  fehlt  SGD.  3314  auf  fehlt  D.  3317  man  der 
erw.  GD.  3318  erschrakt  S.  fro  D. 


115 

und  sprach  zu  seinem  weibe  do: 
3320   „frau,  du  solt  nicht  zornig  sein, 

mich  hat  betrogen  des  teufeis  schein. 

dem  ich  nachten  geopfert  han, 

der  hat  gegeben  mir  sein  Ion." 

also  hueb  er  auf  und  sait 
3325  dem  weib  alle  die  gelegenhait, 

die  er  mit  dem  teufel  het  gepflegen. 

die  frau  di  sprach:   „du  solt  dich  segen, 

das  dich  der  teufel  betrieg  icht  mer." 

do  sprach  der  purgcr:  „ich  beger 
3330  von  got,  das  er  mir 

meine  schuld  vergebe  schier, 

wann  der  teufel  der  hat  recht, 

der  lonet  alweg  also  seinem  chnecht." 

U«ser  herr  Jhesus  Cristus  sait, 
3335   das  die  ungerechtikait 

hat  ain  solich  maz  an  im, 

nach  dem,  als  ich  messent  pin 

ainem  andern  mit  meiner  gir, 

als  wirt  auch  mir  gemessen  schier. 
3340  Isopus  der  maister  spricht: 

„du  solt  chain  menschen  töten  nicht, 

wann  es  pringt  dir  weder  silber  noch  golt." 

Salomon  der  spricht:  „du  solt 

über  niemant  richten  ane  sach. 
3345  wer  das  aber  tat,  das  war  ain  räch." 

Salomon  hat  uns  auch  gelesen : 

„von  fünferlai  sach  erwegt  sich  das  wesen 

aller  menschen  in  der  stat, 

das  si  niemant  da  beleiben  lat. 

3322  neohtigD.  3323  d.  hat  mir  g.  S.  sein]  den  D.  3327  fraw  sprach  S. 
3328  dich  fehlt  S.  wetrug  S.  icht]  nit  S.  do  sprach  der  purger  ich  beger 
D.  3329  das  mich  der  teufel  betrieg  nicht  mer  D.  3332  teufel  hat  SGD. 
3333  lonet]  lenet  W.  hat  S.  seinen  WS.  3334  her  W.  — C.  der  s.  BGD. 
3336  an]  in  W.  3337  messen  GD.  3338  begir  G.  3339  also  BGD.  mir 
auch  g.  BS.  auch  fehlt  D.  3342  wan]  das  G.  es  dir  pr.  B.  V.  3343. 
3344.  3345  fehlen  BS.  3343  der  fehlt  GD.  3345  w.  aber  das  t.  GD. 


116 

3350  das  erste  machet  grossen  werren, 

wann  der  chnecht  herscht  über  den  herren. 

die  ander  sach  ist  ain  snödeu  weis, 

wenn  der  narr  ist  ze  voller  speis. 

die  dritte,  wenn  die  eefrau  hat 
3355  has  zue  irem  man  an  aller  stat. 

die  vierd,  wenn  der  chnecht  der  frawen  ist  gehaim." 

davon  spricht  Seneca  der  rain : 

„die  stat  ist  wol  verfluechet, 

die  do  ain  jungen  herren  suechet 
3360  und  der  den  gueten  nicht  vergeit, 

und  den  pösen  wol  ze  aller  zeit." 

und,  ob  man  den  pösen  straffet  nicht, 

so  wurd  er  wirser,  als  man  gicht. 

„vier  sünden  sein  grössleich 
3365  und  wider  got  gar  swärleich. 

die  erst  ist  gar  ain  snödeu  tat, 

welcher  mensch  die  an  im  hat. 

was  man  dem  unschuldigen  tuet, 

über  den  wirt  schreien  das  pluet. 
3370  die  ander  haisset  mortprant, 

die  dritt  ist  sodomia  genant. 

die  vierd  ist  got  gar  unmär, 

wer  do  laicht  seinen  getrewen  dienär." 

Ach,  was  man  sein  doch  ietzund  pfligt, 
3375  das  niemant  treu  gen  trewen  wigt! 

wann  wer  ietz  den  herren  recht  tuet, 

den  pringt  man  für  sich  umb  sein  guet; 

aber  wer  do  ist  ain  wüetreich, 

und  der  do  verderbet  arm  und  reich 
3380  wider  got  und  wider  recht, 

der  ist  den  herren  ain  lieber  chnecht, 

3350  erst  das  m.  W.  3352  snöde  WBS.  3354  wann  BS.  die  fraw  F. 
3355  an  fehlt  G.  3356  wenn]  wann  B.  so  D.  —  ist  der  fr.  g  S.  3363 
wirderweyseD.  3364  sund  alle  HS.  3365  gar  fehlt  WBSG.  3366  ist 
fehlt  F.  snödeu]  übel  WBSGD.  3370  ander  dy  h.  WS.  3371  Sodoma 
SG.  3372  got  fehlt  F.  3373  treuen  FGD.  V.  3374—3400  fehlen  B. 
3374  wes  GD.  doch  sein  SG.  3376  ietzund  F.  ietzot  G.  3378  wer]  wa 
GD.  3379  do  fehlt  FD.  3380  und  auch  w.  G.  3381  ist  ietz  d.  G. 


117 

und  der  da  vil  smaichenred  chan, 

der  ist  den  herren  ain  lieber  man; 

und  der  auch  nicht  achtet  treu  noch  er, 
3385  dem  geit  der  herr  sicher  mer, 

denn  er  ainem  frumen  tat, 

der  do  pider  ist  und  stät; 

und  der  nicht  näm  alles  guet, 

nur  das  er  solt  haben  den  muet, 
3390  das  er  iemant  betrüeben  wolt, 

dem  selben  wirt  man  nimmer  holt, 

und  ist  nu  altfränkisch  genant. 

aber  nu  so  ist  ain  newe  hant, 

die  hat  ietz  gar  vast  iren  lauf, 
3395  unz  das  die  vier  jehen:  „heb  auf." 

do  ist  es  danne  alles  ab. 

wann  man  in  trait  zue  dem  grab, 

so  volgent  im  seine  werk  nach, 

si  sein  guet  oder  swach. 
3400  Aristotiles  spricht  der  maister  guet, 

das  du  nimmer  chain  pluet 

vergiessen  solt  an  sache  nicht; 

wann  das  alle  geschrift  gicht: 

„und  wer  den  andern  tot  in  chriegen, 
3405   des  selben  pluet  wirt  fliegen 

in  den  himel  für  got 

und  wirt  schreien:  „hoere  Sabaoth, 

der  chnecht  wil  dir  sein  geleich." 

ach,  wie  gar  pärmecleich 
3410  die  selbe  stimme  vor  got  gicht! 

Salomon  der  weise  spricht: 

3382  smaicher  red  FGD.  smaichred  S.  3383  dem  S.  3384  achtet  fehlt 
GD.  noch]  undG.  3385  sicher]  schir  S.  3387  piderb  WS.  und  auch  st.  G. 
3  388  nem  nicht  S.  nam  W.  3389  haben  solt  S.  3390  das  iemant  kain 
b.  G.  3391  selben  dem  w.  W.  3392  der  selb  ist  nun  F.  3393  nun  ist  so 
F.  so  fehlt  SD.  3394  hat]  ist  F.  yetzund  F.  3395  hintz  WSG.  die  fehlt 
S.  sprechen  GD.  3396  do]  daz  WG.  so  D.  denn  WGS.  3397  in  fehlt  F. 
ainen  tregt  B.  3399  gut  oder  pos  od.  sw.  F.  3400  Es  spricht  Arist.  F. 
spricht  fehlt  GD.  3401  spricht  daz  GD.  du]  da  S.  3402  ane  räch  F. 
3403  alles  die  F.  schrift  WBS.  3404  tott  F.  tot  fehlt  GD.  3407  here 
WG.  3408  sein  dir  WBS.  3409  parmherzichleich  F. 


118 

„wer  ain  grueb  dem  andern  macht, 

der  vellet  selber  darein  unbedacht, 

und  wer  den  stain  wil  umbe  cheren, 
3415   so  velt  er  auf  in  selber  geren." 

„von  gewalt  chumpt  raub  und  deupstal 

und  das  ist  gar  ain  pöser  val." 

Seneca  spricht:  „wer  sein  guet  wil  meren 

wider  recht,  das  mag  nicht  lang  weren," 
3420  Augustinus  spricht:   „das  ist  nicht  gegeben  ze  chainer  zeit, 

das  das  man  mit  ainem  widerwärtigen  willen  geit, 

aber  das  man  geit  mit  gueter  miltikait, 

das  ist  nicht  schad,  es  ist  ain  wolgevallenchait." 

in  dem  decret  man  also  list, 
3425  das  das  nicht  mit  recht  gewunnen  ist, 

das  mag  nimmer  wol  aus  gen, 

wann  an  das  recht  mag  nicht  besten. 

darumb  spricht  Longinus  der  maister  guet: 

„der  der  dem  andern  übel  tuet, 
3430  das  selb  widervert  im  auch  ze  stund, 

und  sieht  doch  nicht,  wannen  es  im  chumpt." 

Proverbiorum :  „  si  verlazzen  die  rechten  steg, 

und  durch  gen  die  vinstern  weg, 

die  selben  frewent  sich  ir  Übeltat, 
3435  und  frewent  sich  doch  ainer  pösen  stat." 

Proverbiorum:  „die,  die  da  gerecht  sint, 

die  wonen  in  dem  lant  der  erbchint, 

und  die  ainfältigen  sind  darinne  erchoren, 

aber  die  pösen  und  ungüetigen  werden  verloren, 
3440  das  si  nicht  in  das  lant  chomen, 

wann  si  werden  davon  hin  genommen." 

3413  selb  FD.  uubedakt  S.  3414  w.  denn  den  G.  3416  unbestalF.  dieb- 
stall G.  V.  3418— 3423  fehlen  B.  3418  spricht  fehlt  G.  3420  geben 
GD.  spricht  fehlt  D.  3421  man  geit  mit  S.  3422  gueter]  fehlt  G. 
ainer  D.  3423  wolgevallenhait  F.  wolgevällichait  SG.  wolgevellikeit  D. 
3425  mit  recht  nit  g.  G.  3427  nicht]  niemant  FGD.  3428  darumb]  des 
G.  es  D.  3429  niu  der  fehlt  F.  übel]  unrecht  GD.  3430  selb  daz  w. 
G.  auch  fehlt  GD.  3431  wannen]  von  wan  S.  im  fehlt  B.  3432  den 
stegGD.  3433  den  GD.  3435  auch  doch  a.  G.  3436  Proverbiorum  fehlt 
F.  3437  die]  und  S.  erbchint]  ewigen  eh.  F.  3440  sewF.  V.  3442—3496 
fehlen  F.  3442—3509  fehlen  B. 


119 


Von  der  ungerechtikait 

list  man,  als  die  schrift  uns  sait, 

und  als  der  altväter  leben 
3445   uns  des  urchund  hat  gegebei:, 

das  im  der  teufel  ains  tags  gedacht 

ain  weib  ze  nemen,  als  er  volpracht, 

und  das  er  chind  gewann,  als  im  das  tocht, 

das  er  denn  die  verheiraten  mocht, 
3450  und  das  er  seine  aidem  dann 

füerte  in  der  helle  chlam. 

und  also  nam  er  seinem  leib 

die  ungerechtikait  zue  ainem  weib, 

und  gewan  siben  töchter  an  der  vart. 
3455  die  erste  tochter  was  hochfart, 

wann  die  macht  gar  grossen  werren. 

die  selb  wart  verheirat  den  herren. 

die  ander  tochter  was  geitichait, 

die  wart  verheirat,  als  man  sait, 
3460  den  purgern  in  den  steten. 

die  selben  hetten  umb  die  tochter  gepeten. 

die  dritte  tochter  was  falschait. 

die  selbe  wart  verheirat 

allen  pawern  in  dem  lant, 
3465  wann  den  ist  alle  falschait  bechant. 

iedoch  main  ich  die  frumen  nicht, 

ich  main  neur  die  valschen  wicht. 

da  von  füegt  in  die  tochter  allerpest. 

ach  ich  wais  ir  vil  in  ainem  nest, 
3470  der  ich  nit  wol  getar  genennen, 

aber  doch  so  sein  si  leicht  ze  erchennen 

pei  ir  falschait,  die  si  haben. 

3442  gerechtikait  D.  3443  als  uns  die  WGD.  geschrift  GD.  3445  daz  G. 
haut  D.  geben  WG.  3446  erdacht  GD.  3447  als]  das  SGD.  3448  er]  si 
D.  im  deuchtS.  gedöchtG.  3449  er  die  dann  D.  3450  seinen  SGD.  3451 
f'uorten  G.  hellen  G  3453  unfcrew  W.  untugent  D.  3455  hotfart  WGD. 
3456  gar  fehlt  GD.  3457  die  selb]  und  GD.  deu  selb  S.  den  grossen  h. 
SG.  3461  in  umb  GD.  3462  istD.  3467  nu  G.  nur  D.  3469  ach]  als  S. 
3470  tar  nennen  GD.  3471  aber  si  sein  so  leicht  S.  so  fehlt  GD.  sei  G. 
3472  sei  G. 


120 

ach  und  säch  ich  si  die  raben 
strälen  an  der  sunne, 
3475  allererst  so  hiet  ich  wunne, 

und  wenn  das  also  war  beschehen, 
und  das  dann  jederman  wurd  jenen : 
zwar  ich  sich  es   von  herzen  geren, 
si  haben  es  verdient  an  iren  herren. 
3480  die  in  alle  treue  teten, 

die  selben  si  verraten  heten. 
davon  ist  pilleich,  das  iederman 
den  selben  pauren  sei  gar  gram, 
wann  ir  muet  und  sinn  ist  valschait  vol, 
3485  so  sein  si  treu  und  eren  hol. 
davon  so  ist  notdurft  dapei, 
das  man  in  geb  ain  valsche  chrei, 
wa  si  wären  in  des  landes  chrais, 
das  man  si  die  valschen  pauren  hais. 
3490  die  viert  tochter  was  neid  und  hass, 
die  wart  verheirat  fürbass 
allem  volk,  das  hantwerk  treibt, 
dem  selben  der  neid  pilleich  beleibt. 

die  fünfte  tochter  was  Ypocrisia, 
3495  die  selb  wart  verheirat  da 

den  phaffen  und  den  gaistleichen  leuten, 

als  ich  eu  das  chan  beteuten. 

die  sechste  tochter  was  eitel  er, 

die  ward  gegeben  hin  und  her 
3500  den  frawen,  als  weit  die  weit  ist, 

die  lazzen  sich  nicht  verheiraten  ze  chainer  frist. 

die  sibent  tochter  was  uncheusch, 

mit  der  so  macht  er  ain  geteusch 

3473  die  fehlt  SGD.  3474  strällen  SD.  sunnen  SGD.  3475  aber  erst 
hett  GD.  wunnen  GD.  3476  also]  nu  G.  nun  D.  geschehen  SGD.  3477 
das  im  dann  S.  3479  sei  G.  3483  dem  s.  S.  gar]  so  W.  gar  fehlt  GD. 
3484  und  ir  s.  G.  3485  si]  sei  G.  auch  truwen  D.  und  aller  er  G.  3486 
so  fehlt  G.  nofcturftig  GD.  3488varenGD.  dem  lande  krais  S.  landkraiss 
GD.  3491  verhaissenS.  3492  antwerkW.  3494yppocrasisG.  yppocraseis 
D.  3495  da  mit  fleiss  GD.  3496  dem  ph.  S.  und  gaistl  GD.  3497  daz 
fehlt  SG.  3498  was]  die  hiessG.  die  wasD.  3499  und  auch  h.  G.  3501 
nicht  fehlt  F.  heiraten  S.  frist  fehlt  W.  3502  t.  daz  was  GD. 


121 

und  wolt  si  nicht  verheiraten  lassen, 
3505   wann  er  lies  si  gen  auf  allen  Strassen 
für  ain  huer  durch  all  die  weit, 
darumb  das  im  wurd  sein  gelt 
von  ir,  und  das  iederman 
seinen  willen  mit  ir  möcht  hau. 

Von     der     treu. 

3510  Die  treu  sol  iederman  sein  behagt 

nach  dem,  als  das  decret  sagt, 

und  ist  ze  haben,  als  man  sait, 

vorchte  gen  der  gothait 

und  ain  volchomen  lieb  mit  ganzer  macht, 
3515  zu  dem,  der  dich  geschaffen  hat  und  gemacht, 

und  das  man  nimmer  erzaig  ain  sach, 

es  sei  guet  oder  swach, 

das  das  an  im  selber  nicht  ist. 

wann  wer  das  tuet,  das  ist  ain  valscheu  list. 

3520  Die  treu  die  geleichet  man 

den  chranichen,  wann  die  hau 

alzeit  ainen  chünig  under  in, 

und  alle  ander  chianichen  dienen  im 

getreuleich  an  aller  stat,- 
3525  wann  chain  ander  tier  nicht  hat 

als  viel  treu  in  diser  weit. 

wann  wenn  si  slaffen  auf  dem  velt, 

so  stellen  si  in  mitten  under  sei 

und  sten  umb  in  mit  ainer  chrei 
3530  und  lassen  dann  drei  oder  zwen 

alweg  an  ir  wart  gen. 

3505  alleW.  3506  hueren  in  aller  weit  GD.  3509  willen  fehlt  F.  mocht 
mit  ir  han  S.  geban  F.  3512  behaben  D.  3514  und  auch  ain  G.  3515 
zue]  in D.  und  haut  gem.  G.  beschaffen  FS.  3516  ain]  kainGD.  V.  3516  und 
3517  um  gestellt  GD.  3517  oder  es  D.  3519  fehltF.V.  3520  —  3545 
fehlenB.  3520  diefehltFGD.  3521  krenichenS.  krenkenG.  krenchen 
D.  wann  fehlt  F.  3522  alzeit  fehlt  F.  chünig  fehlt  GD.  3523  ander 
fehlt  GD.  chranch  S.  krenke  G.  krenchD.  3524  fehlt  G.  getreuleichen 
S.  3526  treu  fehlt  F.  3527  fehlt  F.  3528  so]  des  nachtes  F.  in  en- 
mitten  GD.  3529  all  umb  G.  mit]  nach  F.  3531  sten  F. 


122 

die  selben  n einen  für  den  slaff  pues, 

das  si  sten  nur  auf  ainem  fues 

und  haben  den  andern  fues  dann  auf, 
3535  und  nemen  ainen  stain  in  den  chrauf 

für  den  slaff  und  sten  also. 

und  wann  dann  aim  enphiele  do 

sein  stain  aus  dem  fuesse  gar, 

so  erwacht  er  für  sich  dar. 
3540  das  ist  von  grozzer  treu,  die  si  haben, 

und  lieb,  die  si  zue  ainander  tragen, 

und  das  dem  chünig  chome  nicht 

zue  chain  schedlich  ungeschicht; 

und  darumb  machen  si  im  ain  sicherhait, 
3545   als  die  natur  das  von  in  sait. 

Seneca  spricht:  „wer  sein  treu  verloren  hat, 

der  verleust  si  nicht  mer  an  chainer  stat." 

Salomon  spricht:  „es  sein  vil  leut  zwar 

gehaissen  güetig  vast  und  vast  gar, 
3550  aber  das  macht  neur  gar  grosse  reu,    . 

das  man  vindet  als  wenig  getreu." 

Aristotiles  der  maister  spricht: 

„du  solt  dein  treu  prechen  nicht 

an  niemant  sicherlich, 
3555   wann  es  zimpt  auf  ertreich 

niemant,  denn  huren  und  ruffian. 

die  selben  sein  aller  treu  an." 

Socrates:   „pis  dem  treu,  der  dir  traut  und  zimpt, 

so  pistu  sicher,  das  es  chain  pös  end  nimpt," 
3560  Juvenalis  spricht:  „alle  ding,  wie  die  sein  gezilt, 

3532  nemen  den  für  schlauff  ain  p.  G.  3534  heben  S.  dann  auf]  auff  daD. 
3535  stain  den  in  S.  in  die  kla  D.  3537  enpfellet  G.  empfelt  D.  3538 
den  füssen  GD.  sein]  den  G.  der  D.  3539  erwacht]  wachst  G.  wacht  G. 
er]  der  denn  G.  er  dann  D.  3540  und  das  G.  treu  fehlt  F.  3541  die 
fehlt  F.  3542  mug  chomen  F.  chume  G.  3543  ainem  schedleichem  F. 
keinem  schedleichen  GD.  3544  und  fehlt  F.  darumb  so  m.  sew  F.  3545 
als]  disG.  das  fehlt  F.  3547  sei  nimer  F.  V.  3548—3551  fehlen  D. 
3549  gehaissen  fehlt  G.  3550  nur  FG.  3551  fehlt  G.  3556  niemant 
denn  fehlt  GD.  wann  F.  3557  trewen  S.  3558  Socrates  fehlt  B.  Socr. 
spricht  GD.  dir  fehlt  S.  getrawet  B.  gezimpt  WBS.  3559  es  fehlt  S. 
3560  Juvenalis  spricht  fehlt  B.  spricht  fehlt  D. 


123 

lobt  ainer,  der  ander  si  schilt, 
an  allain  nur  die  treu, 
die  lobt  iederman,  er  sei  alt  oder  neu." 
Longinus  spricht  von  der  treu  iner : 
3565   „umb  dreu  ding  chumpt  der  mensch  an  gross  er: 
das  erst  ist  üben  treu  und  warhait, 
das  ist  ain  fundament  der  stätikait. 
auch  soltu  nimmer  darnach  gedenken, 
das  du  dich  ain  ciain  saeh  lassest  bechrenken." 

3570  Von  der  treu  so  list  man  das, 

das  von  Rom  ain  herr  gevangen  was, 

der  was  genant  Marcus  Regulus. 

also  nennet  in  Augustinus. 

g-s  teten  die  von  Chartago, 
3575   wann  die  Romer  chriegten  do 

mit  den  von  Chartago  lange  zeit. 

do  ward  gevangen  in  dem  streit 

der  selb  Marcus  Regulus 

und  mit  im  maniger  Romanus. 
3580  auch  viengen  die  von  Rom  do 

vil  der  von  Chartago. 

do  wurden  die  von  Chartago  ze  rat, 

das  si  gen  Rom  in  die  stat 

santen  Marcum  Regulum, 
3585   das  er  solt  werben  darumb, 

das  die  gevangen  ze  paider  seit 

wurden  ledig,  die  in  dem  streit 

von  in  paiden  da  waren, 

und  darumb  solt  Regulus  gen  Rom  varen, 
3590  und  ob  das  der  senat  das  nicht  aufnemen  wolt, 

das  er  sich  dann  wider  stellen  solt. 

3561  lobts  GD.  si]  sich  W.  sei  F  der  GD.  3562  nur  fehlt  WBSGD. 
V.  3564  fehlt  B.  —  Longius  WF.  35  65  an]  in  F.  3566  das]  die  F. 
üben]  eben  WBSG.  3567  das]  und  D.  gerechtigkait  G.  truheit  D.  3569 
sach]dingF.  krenken  GD.  V.  3570  — 3623  fehlenB.  35  70  so  fehlt  G; 
3571  ain  hen  fehlt  F.  3572  der  was  genant]  ain  herr  hies  F.  was  M. 
R.  genant  GD.  3573  also  in  A.  nant  GD.  3577  wart  fehlt  G.  357°' 
M.  und  R.  G.  3579  manig  W.  3581  vil  von  den  von  Ch.  D.  3583  sew  F 
3587  leidig  G.  3589  gein  W. 


124 

also  fuer  Marcus  Regulus  gen  Rom. 

der  ward  enphangen  gar  schon. 

do  sagt  er  dem  senat  das, 
3595  das  pei  im  dar  enpoten  was: 

das  der  rat  von  Chartago  wolt, 

das  man  die  ge  van  gen  auswechseln  solt, 

die  gevangen  waren  von  paider  stat. 

und  do  er  also  vor  dem  senat 
3600  stuend  und  tet  ims  sagen, 

do  wolt  es  der  senat  getan  haben. 

und  do  das  Marcus  Regulus  ersach, 

do  stuend  er  auf  und  sprach, 

man  sol  den  Wechsel  nicht  ton, 
3605  wann  die  gevangen  von  Rom, 

die  zuo  Chartago  sein  gevangen, 

die  sein  all  mit  jaren  langen, 

das  si  ze  chriegen  nicht  sein  wert, 

wann  ir  chainer  nutzt  chain  swert; 
3610  aber  die  von  Chartago, 

die  ze  Rom  gevangen  do 

lagen  in  dem  chärcher, 

das  waren  alles  guet  anweiser 

auf  chrieg,  als  man  si  vinden  mocht. 
3615  was  dann  ain  solcher  Wechsel  tocht? 

und  also  volget  der  senat 

Marco  Regulo  seinem  rat. 

do  fuer  Marco  Regulo 

wider  gen  Chartago 
3620  in  die  vanknuss  und  stellet  sich, 

wann  er  gedacht:   „ich  wil  ee  mich 

in  den  tod  sicher  geben, 

e  das  ich  ane  treu  wil  leben." 

3593  do  ward  er  S.  3594  sait  F.  3595  das]  was  F.  3597  abwechseln 
WG.  wechseln  S.  3599  er]  der  G.  also  st.  FGD.  und  im  tet  G.  3600  in  F. 
und  ins  t.  s.  W.  und  ims  tet  also  s.  S.  3602  sach  G.  3604  tuen  FGD. 
tünS.  3607  all]  alt  S.  all  fehlt  G.  3608  sew  F.  3613  allsampt  G.  allD. 
3614  si]  seu  F.  seinS.  3615  solicherW.  doch  F.  docht  SG.  3617  seinem 
fehlt  WSGD.  3618  und  da  GD.  Marcus  FG.  3620  in]  an  F.  3622  in] 
an  F.  3623  welle  WD.  wolt  S.  wel  G. 


125 

Von    der    valschait. 

Die  valschait  ist  gar  prait 
3625  und  der  treu  ain  wider wärtikait, 

als  das  gesetze  gicht, 

als  wenn  ainer  ain  ding  spricht 

ganz  und  gar  für  war 

und  doch   ain  anders  erzaigt  aldar, 
3630  umb  die  leut  ze  laichen  ane  sach. 

das  ist  an  im  selber  gar  swach. 

verratenschaft  ist  aigenleich, 

der  den  andern  verratet  wissenleich 

ainen,  der  im  wol  getraut. 
3635  poshait  ist  in  der  selben  haut. 

das  ist  poshait  ze  betrachten 

und  chains  gueten  nimmer  ze  achten. 

von  poshait  chumpt  arkwan, 

als  sand  Thomas  spricht  davon  : 
3640   „der  arkwan  ist  ze  gedenken  alzeit 

des  andern  übel  an  widerstreit, 

und  arkwan  pirt  sich  in  vierlai  sach. 

die  erste  ist,  das  der  pöse  mensch  swach 

wänt  alweg,  das  iederman 
3645   sei  als  pös,  als  er  getan. 

die  ander  sach  pirt  sich  davon, 

der,  der  da  hat  den  arkwan, 

der  ist  gewent  alzeit  übel  ze  tuen, 

wann  er  hat  in  im  nimmer  chain  suen, 
3650  und  darumb  wenn  ainer  dem  andern  übel  wil, 

so  gelaubt  er  von  im  der  poshait  vil. 

die  vierde  sache,  die  ist  die, 

wenn  ainer  vil  hat  versuecht  alhie, 

3624  v.  die  istß.  die  ist  ietz  garG.  3625  und  ist  der  F.  3626  das  das  D. 
gesetzte  W.  gesezet  S.  gesetzt  G.  3629  ain  anders]  ainer  GD.  dar  S. 
3630  umb  fehlt  G.  an  alle  s.  G.  3632  verrätersch.  die  ist  ainem  gelich 
G.  3633  demD.  unwissenleich  F.  wissentleich B.  3634  vertrut  D.  3635 
in  fehlt  WBS.  3637  ze  fehlt  BFGD.  3640  bedenken  GD.  3642  und 
auch  a.  G.  sich  fehlt  W.  fiererlai  G.  streitsach  Fl).  3643  erst  das  S. 
3647  den]  sein  W.  3649  in  fehlt  G.  3650  wil]  tuet  G.  3652  sach  ist 
BFSD.  3653  hat  fehlt  D.  hie  WBD. 


126 

und  darumb  sein  alt  fraun  und  man 
3655   alsampt  geren  in  arkwan. 

wann  si  haben  versuechet  es. 

auch  ist  ain  unterschaid  des 

zwischen  eifern  und  arkwan, 

doch  ist  arkwan  vil  wirser  getan, 
3660  der  gelaubt  von  dem  andern  alzeit. 

von  dem  erhebt  sich  dann  ain  neit." 

man  spricht,  das  chain  valsches  wort 

wer  nicht  lange  hie  noch  dort. 

sant  Augustin  der  lerer  gicht: 
3665   „wer  dem  andern  wol  spricht 

und  im  dapei  übel  tuet, 

der  laicht  sich  selben  und  ist  nicht  guet." 

Seneca  spricht  in  seinen  getichten  : 

„du  solt  über  chainen  richten 
3670  nach  den  Worten,  wann  das  ist  enwicht, 

aber  nach  den  werchen  tue  das  gericht; 

wann  das  merer  tail  redt  vil  unnutz  ding, 

aber  die  werch  sein  ain  urspring, 

wann  von  den  werchen  sieht  man  chumen 
3675  den  schaden  oder  den  frumen." 

die  eifrung  nimpt  man  also: 

wenn  ain  mensch  fürchtet  etwo, 

das,  das  er  hat  von  herzen  lieb, 

das  sich  das  nicht  von  im  schieb, 
3680  und  das  es  auch  nicht  in  schaden  chum. 

wann  die  lieb  die  ist  so  frum, 

das  si  niemant  eifern  tuet, 

nur  den  si  stät  hat  in  dem  muet. 

3654  sintF.  und  auch  m.  G.  3655  alsampt]  alzeit  BF.  3656  s.  versucht 
haben  es  F.  3659  wiser  W.  3660  der  do  gl.  GD.  andern  fehlt  G.  3661 
stritneid  G.  neid  und  streit  D.  3663  werd  WBS.  weder  hie  G.  noch]  und 
FD.  3664  der  heilig  1.  der  g.  G.  3665  und  wer  D.  3667  selb  FG.  3670  das] 
es  F.  3671  so  tue  F.  3672  merar  F.  mere  G.  vil]  wol  D.  unnutzer  F. 
3674  chomen  WFS.  chömen  B.  3675  fromen  Wß.  3676  man  fehlt  S. 
3677  etschwo  WBÜ.  ettschwa  G.  etswo  S.  3678  von  h.  hat  lieb  SG. 
3679  schied  F.  3680  es]  er  G.  in]  an  F.  chöm  WB.  chom  FSD.  3681 
wannederF.  lieb  ist  BFSGD.  from  W.  3683neurB.  newer  S.  hat  fehltF. 


es  mag  auch  niemant  ain  eifrer  sein, 
3685  nur  der  da  hat  lieb  und  pein 

und  das  er  furcht  seins  nächsten  schaden. 

und  wer  sich  also  hat  beladen, 

das  er  alweg  furcht  in  seinem  muet, 

das  sein  gesell  icht  übel  tuet, 
3690  das  selb  chumpt  von  der  lieb  der  tugent, 

wann  die  selbe  ist  so  mugent, 

das  sie  furcht  seins  nächsten  schaden  ze  aller  zeit, 

als  uns  sand  Thomas  urchunt  geit. 

Man  geleicht  den  tadel  der  valschait 
3695   dem  fuchs,  als  Ysopus  sait. 

wann  er  des  hungers  tuet  enphinden, 

und  das  er  dann  nicht  essen  mag  vinden, 

so  legt  er  sich  nider  in  seiner  not, 

geleich  als  ob  er  sei  ganz  und  gar  tot, 
3700  und  reckt  die  zungen  für  den  munt, 

unz  das  das  gefügel  alles  chumpt. 

die  sehen  in  gestrakten  in  dem  gras, 

so  wänen  si,  es  sei  ain  as, 

und  peissen  im  dann  in  den  chroph. 
3705  so  erhebt  der  fuchs  auf  den  choph 

und  erwischt  der  vogel  ainen  oder  zwen. 

also  chan  er  mit  valschait  mit  in  umbgen. 

noch  hat  er  valschait  gar  vil, 

der  ich  durch  der  chürz  nicht  sagen  wil. 

3710  Salomon  spricht:  „o  mensch  gar  eben  vernim, 
das  der  valsch  am  end  hat  chainen  gewinn." 
aber  so  haisset  er  uns  das  sagen : 

V.  3684  —  3688  fehlen  B.  3684  eifarer  F.  3685  newer  S.  3686  er] 
es  W.  3688  alwegen  S.  3689  nicht  W.  3690  selb  das  WB.  chombt  W. 
3692  forchtS.  seins]  ains  F.  allzeitD.  V.  3694— 3709  fehlen  B.  3695 
allso  W.  als  uns  G.  3699  als  fehlt  S.  als  er  g.  u.  g.  sei  tot  F.  und  gar 
fehlt  GD.  3700  kert  G.  3701  unz]  und  F.  hintz  S.  3703  wollen  se 
wennen  F.  wellent  si  w.  D.  wellen  si  [dennG.]  wenen  er  SG.  3704  peizzen 
danne  inndemch.F.  peissend  denn  in  in  d.G.  3705  fehlt  F.  den]  seinen 
GD.  3706  und  fehlt  F.  erbischt  er  der  F.  zwen]  nie  GD.  3707  mit  der 
v.  F.  mit  in  fehlt  S.  3710Salnmon  spricht  fehlt  B.  3712  a.  so  so  WB. 
das  fehlt  S. 


128 

„du  sok  nicht  mit  valschen  gemainschaft  haben, 

wann  si  sein  also  gestelt, 
3715  das  in  nur  der  pöse  wol  gevelt." 

als  auch  der  prophet  spricht: 

„got  erstört  die  valschen  wicht 

und  darzue  die  pösen  zungen, 

wann  den  ist  nie  wol  gelungen." 
3720  so  spricht  auch  das  herr  Seneca: 

„der  valsch  der  nötet  sich  hie  und  da, 

das  er  sein  valschait  volpring, 

darumb  das  im  an  seinen  veinten  geling." 

Ysopus  spricht:    der    seins  gelaiches  sich  nit  wil  massen, 
3725   der  mag  sein  ungerechtikait  nicht  lassen, 

wann  wer  die  leut  wil  alweg  laichen, 

der  wänt  alweg,  man  well  im  sinaichen." 

Faro  spricht:  „under  des  lemleins  vel 

verpirgt  sich  oft  des  wolfes  che!." 
3730  und  darumb  spricht  Plato  der  her: 

„von  drein  sachen  pin  ich  betrüebet  mer, 

wann  mir  sust  chain  ander  ding  tuet: 

wann  der  reich  man  chumpt  in  armuet, 

und  wenn  dem  geerten  man 
3735  groz  smachait  wirt  getan, 

und  weun  der  narr  laicht  den  weisen. 

die  dreu  ding  tuent  mich  greisen." 

Cassiderus  der  spricht  das, 

„chain  ding  macht  als  las 
3740  den  menschen  noch  als  tadelhaft, 

als  do  tuet  die  Verratenschaft." 

3713  nicht  valsche  gemainschaft  F.  3715  in]  ain  F.  der]  dasFSG.  3717 
got  der  G.  wicht]  nicht  S.  3720  fehlt  B.  das  fehlt  SG.  herr]  der  W. 
3721  valsch  notetS.  3722  er  fehlt  B.  er]  newer  s.  S.  sein]  nwr.  G.  nun 
D.  verpring  F.  3723  seinem  feind  G.  3724  Ysopus  spricht  fehlt  WBD. 
wer  GD.  der  sich  seines  geleiches  nifc  F.  seins  laichen  D.  sich  fehlt  G. 
lassen  GD.  3725  mag  sich  seinen  GD.  massen  GD.  3726  die  fehlt  F. 
alweg  wil  F.  alwegen  wie  S.  3727  well]  wol  S.  in  laichen  F.  V.  3728. 
3729.  3730  fehlen  B.  3729  verspringt  W.  3730  spricht  auch  G.  herr 
FG.  3732  wann]  weder  GD.  sust  fehlt  D.  ander  fehlt  F.  3737  d.  die 
tund  B.  3738  Cassiderus  der  spricht  fehlt  B.  der  fehlt  FS.  3739  als 
las  fehlt  F.  3740  noch  fehlt  F.  als]  so  G.  3741  verräterschaft  GD. 


129 

Longinus  spricht:   „dem  Verräter  ist  der  tot  das  leben, 

und  ob  er  trib  treu  gar  eben, 

so  wurd  es  im  doch  nicht  gelaubt. 
3745  also  ist  er  aller  eren  beraubt, 

und  ob  er  dann  verratenschaft  trib  nicht, 

iederman  jagt  in  von  im,  als  man  gicht." 

dem  Walch  ist  verratenschaft  lieb, 

aber  den  Verräter  hat  er  als  ain  dieb. 
3750  und  darumb  spricht  her  Salomon : 

„pös  gedänk  die  geben  pösen  Ion 

und  machent  den  menschen  schaiden  von  got.a 

daramb  pitt  ich  dich,  herr  Sabaoth, 

das  du  mir  pös  gedänk  vercherest 
3755  und  die  gueten  an  mir  merest. 

Plato  spricht:  „der  gedänk  der  chumpt 

von  dem  herzen,  er  schad  oder  frumpt, 

aber  dem  pösen  soltu  widersten, 

wiltu  den  weg  der  tugent  gen." 
3760  das  decret  spricht:    „das  fleisch  mag  sich  zerütten  nicht, 

wenn  der  muet  vorhin  nicht  ist  enwicht." 

Isiderus  spricht  in  seinem  sermon: 

„chain  pöser  ding  ist  nicht  denn  arkwan." 

Seneca  spricht:  „du  solt  den  arkwan  scheuchen  eben, 

3742  spricht  fehlt  D.  des  lebens  G.  3744  wirt  G.  icht  S.  nit  G.  V.  3746 
— 3749  fehlen  B.  3746  danne  chain  v.  F.  dann]  dy  W.  verrätterschaft 
treibt  GD.  3747  man]  er  G.  3748  Walch]  valschen  SD.  Walchen  G. 
verräterschaft  G.  3749  hat]  halt  SGD.  3750  und  fehlt  B.  3751  die 
fehlt  WBS.  3753  darumb  so  p.  F.  herre  FG.  3754  du]  da  S.  3755  mir 
allweg  G.  3756  gedänk  chumpt  FGD.  3757  von  dem  herzen  fehlt  W. 
oder  er  fr.  WBG.    Nach   3757   folgt  bei  B. : 

chain  gedänk  sol  aine 

nicht  ze  Worten  chomen. 

gedenk  ee,  was  er  maine, 

ob  er  dir  bring  schaden  oder  fromen. 

ain  gedänk  sol  Ursprung  sein  Wortes, 

der  ander  in  belaite 

und  hutten  wol  der  zungen  klaffen  ortes. 
3758  aber  fehlt  B.  3760  das  decret  spricht  fehlt  B.  sagt  D.  zerütten] 
vercherren  F.  fleisch  zerrit  sich  nicht  D.    3761  muet  nicht  vorhin  ist  FD. 
entricht  GD.    3762  seiner  GD,    3763   nicht  ist  den  a.  S.    3764  Seneca 
spricht  fehlt  B. 

Zingerle,  Vintler.  9 


130 

3765  wildu  nicht  vortichleichen  leben." 

„won  nicht  mit  dem  neidigen"  spricht  Salomon, 

„wann  er  ist  geleich  als  der  Verräter  getan." 

Beda  gicht:  „wer  do  zwaier  veint  freunt  ist, 

die  arkwanen  in  paid  ze  aller  frist." 
3770  Longinus  gesprochen  hat: 

„der  arkwan  vindt  chain  end  an  chainer  stat." 

so  spricht  Alexander  der  weise  man: 

„wem  du  getrawest,  da  hab  zue  chain  arkwan. 

wann  der  arkwan  macht  ain  sach, 
3775  das  er  dir  übel  tuet  mit  aller  räch." 

auch  spricht  der  maister  Juvenalis: 

die  eiferung  des  weibes  ist 

alweg  abholt  ze  aller  frist 

dem,  dem  ir  man  holt  ist." 
3780  Damascenus  spricht  an  ainer  stat: 

„der  ain  ding  volkomenleich  lieb  hat, 

der  ist  alweg  in  gedenken,  wa  er  stet, 

mit  dem,  da  er  mit  umb  get." 

Ach  möcht  man  die  valschait 
3785  erweren  aller  christenhait ! 

wann  valschait  hat  alle  poshait  inn. 

wer  valsch  ist,  der  hat  valschen  sinn. 

valschait  ist  der  poshait  fundament, 

valschait  ist  des  teufeis  present. 
3790  der  hat  si  geben  in  aller  weite  chrais 

ainem  volk,  das  man  pauren  haist, 

wann  die  selben  habent  si  frue  und  spat, 

als  sich  das  wol  erzaiget  hat. 

aber  das  mich  iemant  verdenket, 
3765  vortichleich  WB.  3768  Beda  gicht  fehlt  B.  spricht  F.  do  fehlt  F. 
3769  der  G.  arkwan  BFSG.  arkwjnt  D.  paid  fehlt  BSGD.  3773  demD. 
trauest  F.  3774  der  macht  W.  W.  hat  V.  3777  und  3778  in  einer 
Zeile.  Mit  ist  beginnt  BFSG.  V.  3778.  V.  3780.  3781  fehlen  B, 
3781  volkumleich  S.  3782  alwegen  S.  wa]  da  wa  FSGD.  3783  da  er 
damit  umb  F.  mit  fehlt  W.  V.  3784  —  3891  fehlen  B.  3784  man  er- 
weren die  v.  F.  3785  erweren]  gemainicleich  F.  3786  alle  poshait  hat 
inn  W.  hat  fehlt  S.  helt  G.  alle  die  p.  S.  3787  wer]  der  S.  3789  pre- 
sentz  F.  3790  sei  F.  aller  der  weit  ehr.  WS.  chraise  F.  3791  haisse  F. 
haiz  S.  3793  als]  ach  D.  als  das  sich  W.  3794  niemant  F. 


131 

3795  der  sei  zwirhalb  ertrenket! 

ich  mein  nur  die  valschen  wicht, 
aber  den  frumen  wünsch  ich  nicht 
anders  zwar  denn  eitel  guet. 
also  stet  mir  gen  in  mein  muet. 

3800  Von  der  valschait  list  man  noch  me, 

das  drei  engel  in  der  alten  ee 

wurden  von  got  hin  gesant 

zue  ainer  stat,  ist  Sodoma  genant, 

von  ainer  sund  wegen,  die  was  alda, 
3805  die  man  haisset  Sodomia. 

die  selb  sund  ist  vast  wider  got. 

nu  was  ain  man,  der  hies  Lot, 

in  der  selben  stat  gesessen. 

der  dienet  got  gar  vermessen. 
3810  nu  chomen  die  drei  engel  zue  im 

und  sagten  im  allen  iren  sin, 

wie  das  der  almechtig  got  wolt, 

das  die  stat  verprinnen  solt 

mit  allem  dem  volk,  das  darinne  war. 
3815  und  do  Lot  also  hört  die  mär, 

do  gieng  er  aus  der  stat  aldo, 

und  mit  im  sein  weib  und  seiner  tochter  zwo. 

darnach  ward  verprant  die  stat  schier 

mit  allem  volk  und  auch  tier, 
3820  die  in  der  selben  stat  waren. 

also  pessert  si  got  in  den  jaren. 

und  do  Lot  also  floch  die  räch, 

do  volgt  im  weib  und  tochter  nach. 

und  do  si  also  flohen  gotz  zorn  und  sein  gerich, 
3825  do  luegt  Lotes  weib  hinder  sich. 

3795  sei]  si  WSGD.  seu  F.  zwire  halb  S.  zwirunt  halb  GD.  3796  nur 
nunD.  3797  ainemW.  3798  anders  nicht  zwar  dann  F.  3800  noch  fehlt 
W.  3805  Sodoma  WSGD.  3806  sund  die  G.  3807  der  da  h.  G.  3809 
dient  WS.  gar  wol  v.  G.  3810  kament  G.  3814  darin  WSGD.  3817  und 
fehlt  F.  sein  WS.  3818  stat  verprant  seh.  W.  verprunnen  schier  S.  gar 
schier  G.  3819  allem  dem  WS.  und  auch]  oderSG.  auch  fehlt  D.  3821 
seu  F.  puesset  G.  3824  und  fehlt  W.  da  si  fehlt  G.  flohen  fehlt  F. 
sach  GD.    sahen  S.    gericht  WGD. 

9* 


132 

do  ward  si  zue  ainer  salzseulen  alda, 

darumb  das  si  nicht  hielt  gots  precepta, 

wann  ir  es  der  enge]  vor  het  chunt  getan. 

do  gieng  Lot  der  raine  man 
3830  in  ain  hol  und  parg  sich 

als  lang,  unz  got  sein  gerich 

an  den  selben  stetten  tet. 

nu  gedachten  sein  tochter  an  der  stet, 

wie  si  dem  vatter  machten  ain  geteusch, 
3835  damit  das  er  sein  uncheusch 

mit  in  trib  gar  unerkant, 

wann  si  wanten,  alle  weit  war  verprant. 

do  namen  si  pald  ain  starken  wein 

und  gaben  dem  vater  das  trinken  ein, 
3840  das  er  für  sich  trunken  wart. 

do  gieng  die  elter  tochter  drat 

zue  dem  vater  und  legt  sich  dar, 

also  das  er  ir  nicht  ward  gewar, 

und  nam  den  samen  da  von  im. 
3845  die  ander  tochter  legt  sich  auch  zue  im 

und  tet,  als  ir  swester  het  getan. 

also  swengert  er  si  paidesam 

und  iegleiche  trueg  ain  degenchint, 

als  si  in  der  bibel  genennet  sint. 
3850  also  triben  si  ir  valschait 

mit  irem  vatter,  als  ich  han  gesait. 

Von    der    warhait. 

t)ie  warhait,  als  das  sand  Augustein 

3826  und  si  ward  F.  salzsaulen  S.  salzsaulGD.  al  fehlt  S.  3828  tan  FS. 
vorkunthetG.  chunt]  verkundetD.  3829LoteF.  3830  verparg  G.  3831 
unz  als  lang  daz  got  WG.  hintz  als  lang  das  got  S.  gericht  G.  3833 
töchtern  G.  3834  machten  fehlt  GD.  3835  machten  damit  GD.  3836 
unverkant  S.  3837  alle  die  w.  S.  alle  disse  w.  G.  all  diss  D.  3338  sew 
F.  dy  W.  3839  das]  da  zu  F.  3840  ward  fürwar  D.  3841  drat]  zwar  D. 
3843  das]  da  G.  ir  fehlt  G.  3847  er  fehlt  S.  schwangrott  G.  schwän- 
gert D.  sew  F.  sei  G.  san  W.  3848  und  auch  G.  yedleiche  W.  igleicheS. 
3849  sew  F.  genant  D.  3850  sew  F.  Für  V.  3852  —  3855  hat  B. 

Die  warhait,  als  sand  Augustin  schreibt, 

est  ze  reden  an  lug  und  an  kunterfait. 
3852  das]  dy  W.  das  fehlt  F. 


133 

schreibt  in  dem  pueche  sein, 

das  ist  ze  reden  die  warhait 
3855  ane  lug  und  ane  kunterfait. 

die  warhait  ist  wol  der  tugent  ain  pluem, 

die  geleicht  man  dem  jungen  rephuen. 

wann  ain  rephuen  stilt  dem  andern 

sein  ater,  wann  si  aus  wandern, 
3860  und  wann  die  air  dann  aus  chomen  sein, 

so  geit  in  die  natür  ein, 

das  die  jungen  rephuen  er  für  sich  gen 

zue  ir  rechter  mueter  und  da  besten, 

wann  es  erchent  sein  mueter  von  natürlichem  list. 
3865   natur  also  gemaistert  ist. 

du  solt  die  warhait  Widerreden  nicht, 

als  das  Jesus  Syrach  spricht, 

durch  chainerlai  sach  an  chainer  stat. 

Aristotiles  spricht:  „wer  die  warhait  lieb  hat, 
3870  dem  hilfet  si  in  allen  seinen  sachen; 

wann  die  warhait  chan  alle  tugent  machen. 

und  wer  da  redet  die  warhait, 

der  hat  gar  ain  claine  arbait, 

aber  wer  ain  lug  beschönen  wil, 
3875  der  bedarf  darzu  grosser  müe  vil.tt 

Catho  spricht:  „das  ist  gar  ain  pöses  zaichen, 

wenn  du  ainem  ain  ding  hast  verhaissen, 

das  du  es  dann  verhaissest  fürbas," 

und  darumb  widerrat  er  das. 
3880  sand  Augustin  spricht  in  seiner  omelei, 

das  die  stimm  des  povels  veritas  sei, 

was  da  ist  in  der  gottes  stat, 

3853puchdersinF.  3 8 5 5  und  kunterf.  D.  gunterfait  W.  V.  3856 —3865 
fehlen  B.  3866  der]  ain  F.  3859  sew  F.  sei  G.  aus  fehlt  G.  3860 
dann]  den  WSG.  aus]  aufG.  3861  danne  das  die  F.  3862  rephünnerW. 
sich  denn  g.  GD.  3863  ir]  der  GD.  rechten  GSD.  da]  für  sich  F.  3864 
erchent  fehlt  G.  von  ainem  n.  WSG.  und  das  hat  es  von  eim  n.  D.  3865 
wann  die  n.  GD.  3866  reden  fehlt  F.  3869  sagt  D.  3870  si]  sich  W. 
3871  die  fehlt  W.  3874  weschen  W.  weschen  BD.  besehen  S.  3875 
darffWS.  3876  Catho  spricht  fehlt  B.  bösBG.  3677  wenn]  so  D.  wanne 
F.  verhaissen  hast  G.  ding  verheist  und  wilt  in  laichen  D.  3878  verhaist 
FBS.  fehlt  GD.    3879  fehlt  D.    3880  ainer  S.    3881  volches  F. 


134 

da  er  so  vil  von  geschriben  hat. 

Proverbiorum :  „dich  sol  nicht  verlazen  die  parmherzichait, 
3885  und  umbgib  dein  chel  mit  der  warhait." 

Von  der  warhait  list  man  gar  eben 

in  der  altväter  leben, 

das  ain  mächtiger  ritter  het 

verlassen  all  sein  pürg  und  stet 
3890  durch  gotz  willen,  und  was  er  ie  gewan, 

wann  er  wolt  sich  von  der  weit  davon 

machen  in  ain  closter,  das  er  dann  da 

möcht  tuen  sein  penitencia. 

also  sagt  im  all  sein  sin. 
3895  damit  fuer  er  in  ain  closter  hin 

und  nam  sich  da  des  ordens  an. 

nu  gedacht  der  abt,  es  war  ain  man, 

der  da  west  der  weite  lauf, 

wie  man  trib  allen  chauf, 
3900  wann  die  andern  münich  waren  nicht  poliert, 

noch  auf  soleich  sach  geviert. 

ains  tags  der  abt  zue  dem  ritter  sprach: 

„es  ist  ain  markt  hie  gar  nach. 

da  soltu  gar  pald  hin  laufen 
3905  und  etleich  unser  esel  da  verchaufen, 

die  des  conventes  und  unser  sein, 

wann  die  mugen  nimmer  ein 

uns  tragen,  wann  si  sein  alt. 

und  chauf  uns  junge  esel  wol  gestalt, 
3910  die  do  habent  starke  glider." 

der  neu  münich  redt  nicht  darwider, 

wann  er  besorgt,  er  tet  wider  got 

und  wider  der  gehorsam  gepot. 

3883  von  in  g.  BG.  3884  proverbiorum  fehlt  BD.  nit  lassen  B.  3885 
und]  nunD.  der  fehlt  G.  V.  3886— 3969  fehlen  B.  3887  alten  väter 
FS.  3889  purgFSG.  3891  sich  schaiden  von  G.  der  van  WS.  3892  denn 
W.  3893  macht  F.  3894  sagten  GD.  im  fehlt  G.  alle  FG.  als  S.  3898 
weit  WSG.  3899  tribt  G.  treibt  D.  3900  munichen  S.  3901  noch]  und 
FD.  3903  markSG.  nachend  F.  3905  ettlichW.  esselFGD.  3907  wanne 
seu  mugent  F.  die]  si  S.  3908  uns]  und  D.  uns  eingetragen  S.  ze  alt  G. 
3909  essel  F.  3910  haben  FS.  starkeu  S.  3911  münich  WS.  da  wider  F. 


135 

aber  doch  gieng  er  hin  mit  lait 
3915  auf  den  markt,  als  man  sait, 

und  fuert  die  esel  an  ainem  sail. 

man  fragt  in,  ob  die  esel  vail 

wären,  die  er  dar  hat  pracht? 

iederman  zue  im  gacht 
3920  und  jähen,  was  im  war  ze  muet, 

oder  ob  die  esel  wären  guet? 

do  antwurt  er  in  gar  pald  und  schier: 

„das  solt  ir  wol  gelauben  mir, 

unser  closter  ist  nicht  in  solcher  armuet, 
3925  wären  die  esel  ichtes  icht  guet, 

wir  hieten  si  noch  nicht  verchauft." 

do  fragten  si  in,  warum  man  hiet  gerauft 

in  die  swänze  alle  aus? 

er  sprach:  „da  sein  si  also  chnaus 
3930  von  dem  alter  worden  zwar, 

und  vallen  als  oft  in  dem  jar 

under  den  secken  als  oft  und  dick, 

so  hat  man  alweg  nicht  die  strick, 

damit  man  si  mug  heben  auf, 
3935  so  ist  der  erste  zuelauf 

albeg  zue  den  swänzen  dar, 

und  darumb  habent  si  als  wenig  har." 

und  do  er  in  das  also  bericht, 

do  wolt  man  der  esel  chaufen  nicht. 
3940  do  faert  er  si  wider  haim. 

nun  was  ain  junger  convers  ciain 

mit  im  dahaim  gegangen  aus. 

der  sagt  dem  abt  allen  den  straus, 

3916esselFG.  3917  esselFG.  waren  fail  G.  3918  wären  fehlt  G.  dar] 
daher  G.  het  GS.  3919  gach  F.  3920  sprachen  F.  392]  essel  FG.  3922 
gar  fehlt  G.  und  auch  seh.  G.  3923  wol  fehlt  G.  3924  chlauster  W. 
3925  essel  gewessen  etwas  guet  F.  ichtes  icht]  ytz  S.  ichtzit  GD.  3926 
sew  F.  3927  do  fr.  si]  si  fr.  GD.  man  in  hetD.  berauft  W.  3928  schwänz 
W.  3930  worden  fehlt  F.  3931  oft  fehlt  G.  als  oft  fehlt  D.  3932 
und  auch  d.  G.  3933  sew  F.  3934  mugen  D.  3936  schwänzen  W.  3937 
und  fehlt  F.  haben  FS.  3938  des  W.  in  das]  si  des  D.  also]  alles  S. 
3940  si]  sew  F.  sei  S.    3942  im   fehlt  S. 


136 

den  er  mit  den  eseln  getriben  het. 
3945  do  ward  der  abt  an  der  stet 

vast  zornig  und  pitter, 

und  schickt  nach  dem  ergeben  ritter, 

und  wolt  mit  im  gezürnet  haben, 

das  er  auf  dem  markt  begunde  sagen 
3950  der  esel  alter  und  poshait. 

do  er  im  das  alles  het  gesait, 

do  antwurt  im  der  ritter  mit  weiser  1er 

und  sprach:  „her  abt,  ich  pin  nicht  chomen  her 

in  das  closter  ze  laichen  chainen  man, 
3955  wann  ich  das  liegen  vor  wol  chan. 

nu  han  ich  darumb  lassen  leut  und  guet, 

weib  und  chind,  wie  si  sein  gemuet, 

das  ich  die  warhait  möcht  vinden 

und  der  lug  möcht  entrinnen, 
3960  die  da  in  der  pösen  weit  ist, 

wann  die  han  ich  erchant  lange  frist, 

und  darumb  han  ich  mich  herein  gegeben, 

das  ich  wolt  hie  mein  leben 

verzern  also  in  gottes  nam. 
3965  wann  do  ich  erst  auf  die  weit  cham, 

do  missevielen  die  lugen  mir." 

und  do  der  abt  erhörte  sein  begir, 

das  er  so  gar  auf  der  warhait  was, 

do  gab  er  im  selber  recht  fürpas. 

Von     der     lug. 

3970  Die  lug  ist  gar  ain  pöses  nest 
und  ist  ain  widerwärtiger  prest 
der  warhait,  als  Aristotiles  spricht, 

3944  den  er]  die  er  F.  dem  esel  geschriben  S.  3947  erbern  r.  GD.  3949 
begunde  fehlt  WSG.  mark  gesagen  S.  gesaget  G.  begunde  sagen]  und  plan 
D.  3950  het  dereselWSG.  het  gesagt  derD.  und  auch  p.  G.  und]  oderD. 
3951  das  fehlt  S.  das]  des  D.  3953  sprach  abt  WS.  3954  ainen  G. 
3956  gelassen  W.  gelassen  darumb  LG.  3957  si  fehlt  F.  gemuet]  ge- 
nand  S.  3960  pösen  fehlt  S.  3962  ergeben  G.  geben  D.  3963  ich  hie 
wolt  F.  3964  also]  hie  WSG.  namen  FGD.  3965  do]  dochW.  die]  disew 
F.  3966  die  lugy  G.  3967  erhorret  F.  höret  SG.  höret  D.  3968  sogar 
fast  D.  3969  selber  fehlt  FGD.  3970  gar  fehlt  GD. 


137 

als  wenn  man  die  warhait  redet  nicht, 

und  der  mit  etleicher  beschönung 
3975  mit  Worten  laicht  ains  andern  mainung, 

und  treibt  mans  doch  ietz  hie  und  da. 

das  haist  man  ietz  nu  loyca. 

die  selb  chunst  verfluechet  sei, 

wann  ir  wonet  vil  valschait  pei. 
3980  lug  ist  vor  got  gar  swach. 

auch  ist  lug  manigerlai  sach. 

das  ist  ain  lüg,  als  man  gicht, 

wer  do  macht  ain  hübsches  geticht 

durch  lust,  als  man  sagt, 
3985  und  durch  churzweil,  das  den  leuten  behagt. 

man  haisset  auch  ain  lug  das,  * 

wenn  ainer  redet  etwas, 

das  an  im  selber  doch  nit  ist 

und  doch  nit  ist  ain  valscher  list 
3990  und  das  chainen  schaden  pringen  mug 

seim  nächsten,  das  ist  nicht  geschätzt  ain  lug 

nach  dem,  als  in  dem  decret  stan. 

aber  es  ist  doch  übel  getan, 

der  sich  alzeit  auf  die  lug  wil  reiden, 
3995  wann  man  sei  wol  möcht  vermeiden, 

das  ist  ain  lug  der  valschait. 

wer  dem  andern  pringet  lait, 

darumb  das  er  in  mug  gelaichen, 

das  haisst  ain  lug  mit  smaichen. 
4000  das  ist  auch  ain  lug,  als  man  gicht, 

wenn  ainer  ain  ding  nicht  halt,  das  er  verspricht. 

noch  ist  ain  lug  in  der  weit  gar  gerait, 

das  man  geren  leugt  von  gewonhait, 

und  die  drei  lugen  vindet  man 
3974  ettlich  W.  3975  laicht  und  ain  G.  in  andere  W.  an  andern  m.  F. 
an  ainer  S.  ain  ander  BG.  3976  ietzund  F.  3977  ietzund  nun  F.  nur  D. 
3979  vie]  nwr.  G.  nun  D.  boshaitB.  3980  gar  fast  sw.  D.  3983  hübsch 
S.  3984  list  WBSGD.  3985  lutt  G.  begachtF.  3991  nicht  fehlt  F.  ge- 
setzt F.  beschatztS.  3992  statGD.  3993  doch]  ain  GD.  getat  GD.  3995 
sei  fehlt  F.  meiden  GD.  3998  laichen  GD.  3999  haisset  man  B.  4001 
das]  als  F.  spricht  B.  4002  noch]  nunF.  weit  gemaid  B.  braitG.  herait  D. 
V.  4004.  4005  fehlen  B.  4004  lug  FGD.  lugen  die  v.  S. 


138 

4005  geschriben  in  dem  decret  gar  schon, 
das  ist  auch  ain  lug,  der  do  pösleich 
swert  pei  got  von  himelreich 
oder  pei  gotes  hailichait. 
die  selben  sein  dein  teufel  perait. 

4010  Die  lug  geleicht  man  nach  und  verr 

ainem  tier,  das  haist  ain  wülscherr. 

das  selb  hat  chaine  äugen  nicht 

und  get  unter  der  erd,  als  man  gicht, 

als  das  manigem  wol  ist  chunt, 
4015  und  als  pald  es  an  den  luft  chumt, 

so  ist  es  tot  für  sich. 

und  also  tuet  die  lug  geleich, 

die  mues  alweg  haben  ain  bedeckung 

mit  etlicher  beschönung 
4020  hübscher  Wörter,  die  si  an  ir  hat. 

aber  wenn  si  an  das  liecht  gat, 

so  ist  si  für  sich  tot, 

geleich  als  ist  der  wülscherr  not. 

Salomon  spricht  nicht  taugen: 
4025   „dem  lugner  ist  die  warhait  chaum  ze  glauben, 

auch  ist  dem  lugner  niemant  ze  liep. 

der  lugner  ist  pöser  denn  ain  diep. 

man  solt  den  diep  ee  liep  haben, 

wann  den,  der  alweg  lug  chan  sagen. 
4030  Socrates  spricht:  „wer  do  leugt  an  underschait, 

dem  gelaubt  man  nicht  die  warhait." 

Von  der  lug  list  man  in  römischer  tat, 
das  ze  Rom  in  der  stat 

4009  selben  all  G.  V.  4010—4023  fehlen  B.  —  V.  4010—4030 
fehlen  F.  4010  lugdieg.S.  4011  moltscherG.  multscherrD.  4012  selb 
kaine  äugen  haut  n.  G.  chain  äuge  D.  chainer  nicht  S  4013  erden G.  4017 
tuet  fehlt  W.  4018  haben  allweg  GD.  bedenknus  S.  4020  Worten  G. 
wort  D.  4023  als  fehlt  S.  als  do  istGD.  dem  multscherrD.  wülscherren 
S.  multscherr  G.  4024  nicht  die  lugen  taugen  B.  nicht]  mit  D.  4026 
a.  ist  niemant  dem  1.  z.  1.  GD.  4027  wen  W.  dannBD.  ain]  der  GD.  4029 
wennSGD.  den  der]  der  do  WBSGD.  lug  fehlt  S.  4030  Socrates  spricht 
fehlt  B.  V.  4032—4130  fehlen  B.  4032  man  das  in  F.  list  fehltG. 


139 

was  aine,  hies  Jurina 
4035  und  was  des  chaisers  Anastasia 

tochter,  als  ich  han  vernomen. 

die  was  in  ain  soleich  lieb  chomen, 

das  si  sich  senet  tag  und  nacht  an  widerdries 

nach  ainem,  der  Amene  hies, 
4040  der  dem  chünig  was  ain  gehaimer, 

und  was  der  edlen  junkherren  ainer. 

des  wolt  der  selbe  jungeling 

nicht  tuen  umb  chainerlai  ding, 

das  er  pei  ir  icht  wolt  ligen, 
4045  wann  es  war  dem  chaiser  doch  unverswigen. 

und  do  die  junkfrau  das  ersach, 

do  gedacht  si  ir  tag  und  nacht  darnach 

mit  allen  iren  sinnen, 

wie  si  den  jungling  mocht  umbpringen. 
4050  das  traib  si  etleich  zeit  mit  jamer. 

ains  tages  gieng  si  für  sein  chamer 

und  schrai  da  auf  mit  lauter  stimm: 

„lauft,  lauft,  ist  ieman  hinn, 

der  mir  retten  helf  mein  er. 
4055  wafifen  heut  und  immer  mer! 

das  ain  soleicher  snöder  man 

sol  seinen  gewalt  an  mir  haben  getan, 

das  ist  doch  dem  chaiser  ain  schant." 

do  lief  alles  volk  zue  zehant 
4060  und  viengen  in,  als  si  het  gedacht. 

do  ward  er  für  den  chaiser  pracht. 

do  sprach  zue  im  der  chaiser  her: 

„eya  heut  und  immer  mer! 

auf  wen  sol  man  nu  pawen? 
4065  nu  hab  ich  dir  so  wol  getrawen, 

4034  was  aine]  ain  iunckfraw  die  G.  was  fehlt  S.  die  hies  F.  4038 
senat  S.  an]  nauch  G.  4039  Amore  GD.  4041  junkfrawen  eine  D.  4042 
des]  da  G.  4044  nicht  FSD.  4045  doch  fehlt  G.  4051  tags  da  g.  G. 
4053  nur  ein  lauft  F.  hinne  S.  4054  retten  wel  helfen  S.  4056  solcher 
S.  4057  sein  FSGD.  han  G.  4059  lief  zu  a.  v.  ze  hant  F.  zue  da  ze  G. 
4060  het  fehlt  WSGD.  4061  do  ward  er]  und  ward  D.  4062  d.  chaiser 
zu  im  her  F. 


140 

nu  wärdu  doch  mein  inrister  gehaimer. 

sag  an,  du  vil  unrainer, 

ist  es  war  oder  nicht, 

das  mein  tochter  von  dir  gicht?" 
4070  do  sprach  er:  „herr,  ich  pin  peclagt, 

tuet  so  wol,  fragt  selb  die  magt, 

das  ich  sein  unschuldig  pin, 

und  das  es  nie  cham  in  meinen  sin." 

der  chaiser  schickt  an  der  stat 
4075   nach  seiner  schönen  tochter  drat. 

do  cham  si  zue  dem  vater  nicht  gar  geren, 

aber  doch  muest  si  in  geweren, 

und  do  sei  der  vatter  ane  sach, 

do  sprach  er:  „tochter,  wie  pistu  so  swach 
4080  pei  ainem  frömden  man  gelegen!" 

do  wolt  si  im  chain  antwurt  geben. 

do  fragt  er  sei  aber  darumb. 

do  stuend  si  geleich  als  ain  stum. 

do  ward  dem  chaiser  gar  und  gar  zoren, 
4085  do  sprach  ain  er :  „si  hat  leicht  die  zung  verloren. a 

des  nam  den  chaiser  gross  wunder 

und  hiez  die  tochter  füeren  besunder, 

das  man  ir  schawet  in  den  mund. 

do  het  si  chain  zung  an  der  stund. 
4090  und  do  der  chaiser  das  wunder  sach, 

wider  sich  selben  er  do  sprach: 

„nu  sich  ich  wol,  das  diser  man 

an  der  sach  chain  schuld  nie  gewan, 

er  mues  ledig  sein  an  diser  vart." 
4095  und  do  die  junkfrau  das  erhört, 

do  ward  ir  die  zunge  für  sich  wider, 

4066  warduF.  werd  du  G.  ward  du  WS.  du  wärest  D.  inrister]  in  erister 

F.  meister  S.  indroster  GD.  4068  es  ist  SD.  4069  spricht  FSGD.  4071 
wol  und  fr.  G.  selber  W.  4073  es  fehlt  S.  4077  doch  so  ra.  GD.  4078 
do  fehlt  F.  si  WSGD.  anWSGD.  4082  syWGD.  4083  si  vor  im  g.  GD. 
geleich  fehlt  F.  4084  daz  was  G.  das  tet  dem  eh.  gar  z.  D.  dem]  der  S. 
4085  einer  sprachD.  villeicht  GD.  zungenG.  4086  der  FG.  4088  schawttey 

G.  schawte  D.  4089  zungen  GD.  4092  nu]  das  SG.  4094  sein  pald  auf 
d.  G.  an]  auf  D.  4096  die  fehlt  WSG.  ir  ir  D.  für  sich  fehlt  GD.  hin- 
wider  G.  hinwider  schon  D. 


141 

und  offenbaret  alles  des  sider 

vor  mänikleich  selber  die  warhait, 

wie  si  dem  jungeling  das  lait 
4100  hat  gemacht  und  wie  es  alles  dar  cham. 

darnach  nam  si  an  sich  ain  solich  schäm, 

das  si  sieh  in  ain  closter  ergab 

und  verzeret  darinne  ir  lebtag 

in  gottes  dienst  an  underlas 
4105  von  dem  zaichen,  das  ir  widervaren  was. 

Von  der  lug  schreibt  man  alsus, 

das  der  chaiser  Octavianus, 

der  ain  herr  was  des  ertreich 

und  niemant  lebt  sein  geleich, 
4110  der  mocht  der  lug  nicht  widerstan. 

wann  es  cham  ain  unedel  man 

mit  grosser  lug  und  valscher  mär, 

das  er  seiner  tochter  sun  war, 

die  do  Octaviane  war  genant. 
4115  do  sprach  der  chaiser  so  zehant: 

„wie  mag  das  zu  chomen  sein, 

das  du  hast  verswigen  die  wirde  dein, 

und  das  du  so  lang  verporgen  pist?" 

do  sprach  der  lugner  mit  ainem  val sehen  list: 
4120  „der,  der  mich  erzogen  hat, 

der  hat  sein  sun  geben  an  mein  stat 

meiner  mueter  Octaviane,  das  gelaub  mir, 

und  hat  sein  selbs  sun  geben  ir, 

und  hat  an  seines  suns  stat  behalten  mich." 
4125  mit  solicher  lug  wolt  er  sich 

in  den  höchsten  adel  haben  gezogen, 

4097  alles  das  si  het  geton  D.  das  WTSG.  4098  das  selber  F.  menig- 
lichemD.  4100  dar]  das  S.  4101  sich  selben  soleich  sarn  F.  4107  chaiser 
fehlt  G.  4108  ertreichs  FSG.  4109  lebt  fehlt  WSG.  was  D.  seins  ge- 
leichs  F.  geleicht  S.  4111  unedler  D.  4112  falschen  WS.  41 14  Occasione 
WS.  OccasianeG.  4115  sojdaG.  so  fehlt  D.  4116  zu  fehlt  GD.  4117 
du  so  lang  F.  4118  verporgen  gewesen  WSG.  ist  WS.  4119  das  do  sp. 
F.  ainen  posen  valschen  S.  ainem  fehlt  GD.  falschem  GD.  4120  ein  der 
fehlt  S.  4122  Occasione  S.  Occasiane  WGD.  4123  fehlt  S.  hat  fehlt 
GD.     4124  suns  fehlt  S. 


142 

und  wolt  sein  selbs  vatter  haben  betrogen, 
der  in  da  zoch  an  alles  betriegen. 
und  do  der  chaiser  hört  sein  liegen, 
4130  do  liez  er  in  liegen  nach  seinem  sitt, 
doch  ward  er  an  ain  chreuz  gesmitt. 

Von     der     sterk. 

Die  sterk,  die  ist  in  dreierlai  geschieht 

nach  dem,  als  Macrobius  spricht. 

die  erst  sterk  ist,  als  man  bedeut, 
4135  wann  ein  mensch  stark  ist  für  ander  leut, 

und  der  da  check  ist  und  wolmugent. 

das  selb  ist  nicht  gehaissen  ain  tugent. 

die  ander  ist  ain  endleichait, 

wann  die  ist  ain  sicherhait 
4140  des  muetes,  das  man  sich  fürchtet  nicht, 

das  in  chain  swäre  sache  macht  enwicht. 

die  dritte  ist  gedult  und  darinn  ze  besten 

in  allen  Sachen,  was  dich  an  wil  gen, 

und  die  zwo  sterk,  die  haisset  man 
4145  tugent,  als  si  in  dem  decret  geschriben  stan. 

Die  sterke,  die  geleich  ich  wol 

dem  leon,  wann  er  slaffen  sol, 

so  slaffet  er  mit  offen  äugen,  hör  ich  sagen: 

und  wann  in  die  Jäger  wellen  jagen, 
4150  so  wirt  er  sein  für  sich  innen, 

und  darumb,  das  si  in  nicht  vinden, 

so  tuet  er  gar  ain  hübschen  sitt, 

wann  er  bedecket  sein  fuestritt 

mit  seinem  swanz,  wann  er  get, 
4155  als  das  von  im  geschriben  stet, 

4127  seins  G.  geflohen  W.  4128  da  zoch]  erzogen  het  D.  4129  hört 
fehlt  G.  4130  liegen  legen  nach  sein  alten  sitt  F.  seiner  D.  4132 
sterekch  ist  BF.  4136  wolgemut  S.  4137  selb  fehlt  F.  4138  edelchait 
S.  4142  gedult  fehlt  G.  ze  fehlt  WBS.  4143  dich]  in  B.  wil  an  g. 
FGD.  4144  zwo]  auchzuoG.  die  fehlt  G.  4145  mugent  als  man  si  in  G. 
V.  4146—4159  fehlen  B.  4146  sterk  glich  G.  4147  leben  F.  leoGD. 
er]  der  FGD.  4148  sleftS.  4149  wellentS.  4151  in  fehlt  S.  4152  gar 
fehlt  F. 


143 

und  ob  er  den  Jägern  wirt  chunt, 
so  fleucht  er  nicht  ze  chainer  stunt, 
wann  er  stellet  wider  den  Jäger  sich 
an  alle  vorcht  gar  vestichlich. 

4160  Tulius  spricht:  „das  ist  das  allerpest, 

das  ain  mensch  sei  in  seinem  vechten  vest 

und  gedultig  in  seiner  widerwärtichait. 

das  selb  ist  ain  rechte  manhait." 

Seneca  spricht:  „wer  da  ist  stark,  der  ist  frei," 
4165  als  er  sagt  in  seiner  omelei. 

„durch  zwaier  sach,"  hat  Lazarus  gesagt, 

„wirt  der  mensch  mer  lieb  gehabt, 

wann  von  chainer]  ai  ander  tat. 

das  ain  ist  wer  rechte  manhait  hat, 
4170  das  ander  ist  ain  lau  treu  treu  unverchert. 

die  zwo  sach  machen  den  menschen  wert." 

Socrates  spricht:  „das  ist  ain  pesser  fraidichait, 

das  man  fleucht,  das  da  pringet  lait, 

wann  es  von  notung  also  chäm, 
4175  wann  das  man  aim  sein  leben  näm." 

in  dem  puech  von  prueder  Gilio 

list  man  von  der  fraidichait  also, 

das  si  sei  von  manigerlai  manier 

und  sunderleich  von  sachen  vier. 
4180  etleicher  ist  fraidig,  als  er  sait, 

wann  ainer  muess  tuen  ain  fraidichait 

oder  er  wurd  villeicht  getötet. 

die  selb  fraidichait  haisst  man  genötet. 

etleicher  ist  fraidig  in  seinem  wesen, 

4156  dem  jager  SGD.  wurtW.  4159  gar  fehlt  GD.  stätiglich  D.  4160 
das  das  ist  B.  4162  sein  S.  4163  fehlt  GD.  selb  das  ist  F.  V.  4165  — 
4166  fehlen  B.  4165  also  er  sagt  W.  als  sagt  er  S.  4166  zwaierlai 
WSGD.  4167  mer  fehlt  G.  4168  anderererW.  chainer  anderlai F.  4169 
ain  fehlt  F.  rechter  F.  4170  lautre  WB.  rechte  D.  4171  sachen  B.  den] 
ainW.  4172  Socrates  spricht  fehltB.  ain  fehlt  F.  pöse  WBSD.  pössew 
G.  4173  man  nicht  fl.  WBSGD.  V.  4174.  4175  fehlen  B.  4174  also 
darzu  eh.  F.  4175  wan]  wenn  F.  denn  G.  lieb  F.  4176  Silio  GD.  4178 
maine  GD.  4179  und  fehlt  WBSGD.  besunderleich  F.  sunderleichen  S. 
fiere  G.  von  den  vier  sachen  aine  D.  4180  er]  man  G.  4182  villeicht] 
pilleich  S.  4183  nötet  D.  4184  etleich  BS. 


144 

4185  der  do  lang  in  chriegen  ist  gewesen. 

die  selb  fraidichait  ist  von  übriger  gewonhait. 

es  ist  auch  etleich  fraidichait, 

das  ainer  vil  sig  hat  gehabt. 

es  ist  auch  etleich  fraidichait,  als  er  sagt, 
4190  das  ainer  chainerlai  diug  fürchtet  nicht, 

das  ist  ain  vichleich  fraidichait,  als  er  gicht, 

und  die  selb  fraidichait  ist  nicht  volchumen, 

wann  si  pringet  chainen  frumen. 

Von  der  selben  fraidichait  muess  ich  sagen, 
4195  das  da  geschehen  ist  in  churzen  tagen 

an  ainem  päurischen  man. 

der  selb  villan  het  übel  vil  getan 

an  manigen  menschen,  hör  ich  sagen, 

die  er  ze  tode  het  geslagen. 
4200  das  weret  etlich  zeit  darnach, 

unz  das  got  sein  räch 

auch  von  im  herwider  wolt  nemen, 

als  das  seiner  gerech tikait  wolt  zemen. 

wann  sein  gerechtikait  die  wolt, 
4205  das  er  auch  in  sunden  also  sterben  solt. 

wann  es  ward  der  selbe  teufeis  chnecht 

unsinnig,  als  das  pilleich  was  und  recht. 

und  do  er  also  lag  an  allen  sin, 

do  cham  sein  weib  zue  im  hin  in. 
4210  do  sprach  er  zue  seinem  weib:  „du  pist  so  stat! 

nu  schaff  ich  hie  mein  seigerät, 

und  enpfilch  dirs  auf  dein  treu  und  er, 

das  du  mir  verhaissest  her, 

das  du  meinem  jungesten  sun, 
4215  die  gelübniss  wellest  tuen, 

4185  krieg  GD.  4188  hab  SD.  4189  er]  man  SD.  4190  ain  W.  ding 
fehlt  F.  4191  ex]  man  WD.  4192  und  auch  G.  volkomen  W.  4193 
fromen  W.  V.  4194 — 4263  fehlen  B.  4196  pawerischen  F.  pewusten 
S.  4197  vil  Übels  GD.  4199  erslagen  F.  4201  hintz  S.  unfczt  F.  4202 
auch  herwider  von  im  GD.  4203  als  fehlt  F.  wolWD.  4205  auch  fehlt 
GD.  also  fehlt  F.  4206  es]  er  GD.  selbs  GD.  4208  alle  GD.  4209  in 
fehlt  D.  4211  sei  kraet  D.  sei  gerait  S.  4212  dein  fehlt  D.  und  er] 
wider  G.  4214  meinen  iungen  D.  4215  gelaubnus  F.  hie  w.  SG. 


145 

das  du  im  mein  pargamast  wellest  geben, 

wenn  sich  verendet  hat  mein  leben. 

wann  der  pargamast  ist  als  guet, 

das  er  hat  wol  vergossen  ain  üren  pluet 
4220  aus  der  menschen  herzen  und  magen. 

davon  fliegt  er  dem  selben  chnaben; 

wann  ich  wais  wol,  das  er  wirt  ain  man, 

der  do  pluet  vergiessen  chan. 

auch  wais  ich  in  wol  des  muetes, 
4225  han  ich  vergossen  ain  üren  pluetes, 

so  vergeust  er  sicherl eichen  zwo. 

hiemit  so  schrai  er  „ho  ho  ho!" 

und  ward  wider  unsinnig  als  ee, 

das  was  sein  geschäft  und  nit  ine. 
4230  und  do  er  sein  geschäft  getan  het, 

do  fuert  in  der  teufel  von  dem  pett 

under  das  venster,  hör  ich  sagen, 

und  warf  in  in  den  purggraben, 

das  im  der  chragen  abprach. 
4235  also  tet  got  an  im  sein  räch. 

darnach  stuend  das  nicht  lang, 

das  der  sun  gewan  gross  getwang 

nach  dem  selben  pargamast, 

wann  er  mocht  nicht  haben  rue  noch  rast 
4240  von  des  selben  messers  wegen. 

die  mueter  sprach:  „du  solt  dich  segen." 

do  sprach  der  sun  an  der  vart: 

„so  war  ich  wol  ain  pankart; 

solt  ich  nicht  als  vil  pluet 
4245  vergiessen  und  machen  als  manig  fluet, 

als  mein  vatter  getan  hat, 

4216  messer  D.  4217  wann  D.  4218  dz.  messer  D.  als]  so  G.  also  D. 
4219  es  D.  wol  hat  GD.  üren  fehlt  S.  urn  G.  eimerD.  4120  aus]  alsS. 
herz  WGD.  4121  davon  so  fugt  WS.  fueget  es  D.  4224  in  fehlt  S. 
4225  urn  G.  eimer  D.  4226  sicherlich  FGD.  4227  so  fehlt  GD.  ein 
ho  fehlt  WS.  er  huo  huo  GD.  4228  fehlt  F.  4229  und  nicht  nie]  getan 
het  S.  getuon  hett  G.  4230  fehlt  SG.  4234  krage  GD.  4237  gewang 
W.  zwang  GD.  4243  posthart  W.  paschart  S.  poschart  G.  pasthart  D. 
4244  wolt  G.  4245  menig  S.  mein  D.  fluet]  tuet  F. 

Zingerle,  Vintler.  IQ 


146 

so  war  ich  nicht  guet  zue  ainem  surthart. 

davon  pitt  ich  dich  mueter  ser, 

das  du  mir  gebest  das  clainat  her, 
4250  das  mir  mein  vatter  hat  geschaffen." 

nu  secht  nur  an  den  jungen  äffen, 

wie  er  so  gar  ist  verpelt, 

oder  sol  ich  in  haissen  ain  helt 

durch  willen  seiner  grossen  fraidichait, 
4255  die  der  helt  an  im  trait? 

und  gewint  der  nun  auch  ainen  sun, 

wa  well  wir  denn  den  selben  hin  tuen? 

der  wirt  erst  in  dem  pluet  umbwaten 

mer  wann  vatter  und  sun  ie  getaten. 
4260  darumb  ain  solich  vichleich  fraidichait 

die  ist  ain  fundament  der  narrhait; 

aber  das  ist  ain  fraidichait  perfette 

und  ain  tugent  reiche  nach  dem  decrette, 

wenn  ain  man  wil  fraidig  sein, 
4265   das  er  vor  bedenk,  ob  chainerlai  pein 

im  davon  möcht  auf  ersten; 

wann  wer  sein  fraidichait  lat  alzeit  für  sich  gen, 

da  verleust  man  oft  von  guet  und  er, 

und  ist  auch  wider  der  decret  1er. 
4270  die  sterk  die  ist  an  alle  schult, 

wa  da  ist  ain  rechte  gedult. 

Tulius  spricht:  „die  gedultikait  ist  ain  port 

der  parmherzikait  hie  und  dort." 

und  also  spricht  das  puech  der  weishait, 
4275   das  alle  tugent  trait  witwenclait. 

Salomon  spricht:   „die  sapiencia 

4247  furthart  F.  zu  ainer  fulliat  D.  4248  darumb  W.  4249  klainetWD. 
claineyd  F.  klainhait  G.  4251  nur]  nu  SG.  nun  D.  dem  G.  4256  auch 
nun  ein  D.  nun  auch]  im  S.  425  7  so  wellen  S.  denn  fehlt  FS.  4259 
wann]  danne  F.  vor  ie  W.  taten  D.  tetten  G.  sun]  muotter  GD.  4260 
darumb]  der  do  hat  D.  4267  allzit  laut  für  G.  42  68  davon  verleust  D. 
min  von  oft  B.  von  lewt  gut  und  S.  V.  4269  —  4271  fehlen  B.  4269 
des  decret  G.  4270  sterk  ist  S.  4271  da]  das  F.  4272  Tulius  spricht 
fehlt  B.  pot  B.  V.  4274.  4275  fehlen  B.  4274  also]  als  do  SGD.  4275 
tragen fc  GD.  V.  4276— 4279  fehlen  D.  4276  die  rechtew  s.  F.  die 
sapiencia]  von  der  weishait  das  W. 


14? 

die  erchent  man  au  der  liebe  da, 
und  wer  da  hat  ain  gedultigen  muct, 
den  erhöhet  got  der  guet." 
4280  Tolomeus  spricht:  „wildu  widersten  der  widenvärtikait, 
so  gesell  dich  zue  der  gedultikait." 
Origenes  spricht:   „wer  do  recht  gedultig  ist, 
der  wirt  erhöhet  ze  aller  frist." 

Von  der  sterke  list  man  das, 
4285   das  ain  man  in  der  alten  ee  was, 

der  do  Sampson  mit  namen  hiez, 

wann  auf  erde  cham  nie  sterker  viez, 

als  uns  die  bibel  sagt  fürwar, 

und  het  doch  all  sein  sterk  im  har, 
4290   nu  chriegt  er  mit  den   Philistern 

alweg  umb  das  weib  sein, 

und  west  niemant  von  wen  im  die  sterke  cham. 

do  legten  sein  veint  mit  seinem  weib  an, 

das  si  in  solt  erfaren  die  mär, 
4295   von  wannen  im  die  sterke  chomen  war, 

die  er  da  traib  als  offenbar. 

do  sprach  er:   „all  mein  sterk  ist  in  dem  har." 

also  erfuer  das  pöse  weib, 

von  wannen  Sampsones  leib 
4300  het  ain  soleich  chraft  an  im. 

das  tet  si  chunt  den  Philistim, 

das  alle  sein  chraft  in  dem  har  war. 

ains  tages  nam  si  her  ain  schär, 

do  er  slief  in  irer  schos, 
4305  und  beschar  si  im  das  haupt  plos. 
4277  die  orden  man  an  der  karitas  W.  liebe  da]  karita  BSG.  4279  fehlt 
G.  4280  Tolomeus  spricht  fehlt  B.  spricht  fehlt  G.  4282  Origenes 
spricht  fehlt  B.  spricht  fehlt  D.  4283  erhöret  F.  V.  4284  —  4367 
fehlen  B.  4284  sterckt  F.  4286  do  fehlt  G.  S.  mit  dem  n.  G.  4287 
cham  fehlt  F.  nie  chain  F  4288  uns  fehlt  G.  4289  und  doch  hetfc  er 
GD.  4292  und]  nun  WF.  von  weil]  wann  WS.  wannan  G.  und  wannen 
im  die  sterck  kam  das  wesfc  nymand  D.  4293  legt  G.  4294  im  WF.  die 
mär  fehltWFSG.  das  si  an  im  erkundete  die  mer  D.  42  95  von  fehlt  W. 
wann  W.  wannan  G.  sein  sfc.  G.  chomen  fehlt  F.  wäre  G.  4296  als 
fehlt  F.  4299  wannan  G.  4301  das  si  vcrkuntD.  4305  und]  do  FSGD. 
beschor  S.  das]  sein  W. 

10* 


148 

darnach  chomen  die  veint  in  das  haus, 

und  stachen  im  die  äugen  aus. 

also  gieng  er  manigen  tag  sider, 

das  im  sein  har  wuechs  herwider. 
4310  do  chomen  sein  veint  ains  tags  zesamen, 

die  frawen  mit  allen  iren  mannen, 

und  wolten  do  ain  hochzeit  haben. 

nu  was  das  haus  auf  einer  seul  erhaben, 

da  die  hochzeit  inne  was. 
4315  nu  gieng  Sampson  unter  den  palas, 

und  hies  sich  füeren  zue  der  seulen  eben, 

wann  er  wolt  da  sein  leben 

wagen  durch  der  veinte  sein. 

do  sprach  er  zue  dem  chnäbelein, 
4320  das  es  gieng  für  das  tor 

und  das  es  danne  plies  davor. 

das  chnäblein  tet,  als  Sampson  hies, 

für  den  palas  es  gieng  und  plies. 

damit  Sampson  die  seul  umbslos 
4325  und  Schutt  sei,  das  der  palas  gros 

aller  sampt  ze  stucken  prach. 

also  sich  Sampson  an  seinen  veinten  räch, 

und  also  starb  er  in  den  jaren 

mit  allen  den,  die  in  dem  hause  waren. 

4330  Von  der  sterk  han  ich  gelesen, 

das  ze  Rom  ain  ritter  ist  gewesen, 

der  selb  hies  Oracius  Codext, 

also  nennet  in  der  text. 

do  chriegten  die  von  Rom  mit  den  von  Ttiscan. 
4335  als  sie  das  hetten  lang  getan, 

4306  veint  fehlt  F.  das]  sein  WS.  4308  tag  fehlt  F.  4312  und]  da 
FGSD.  do]  seu  F.  si  SG.  4314  do  WS.  4315  under  in  F.  pallast  GD. 
4316  sül  G.  sul  D.  4317  da  fehlt  F.  4318  den  veint  W.  4320  es]  er 
WD.  2udemD.  4321  er  dann  WSD.  dann  G.  es  fehlt  F.  4322  chindlein 
F.  als]  daz  G.  4324  damit]  wanne  W.  damit  der  SG.  4325  und  si  schutt 
das  GD.  pallast  GD.  sei  fehlt  S.  si  W.  4327  also  er  sich  an  G.  4332 
selb  fehlt  F.  Codex  G.  4333  nempt  G.  4334  Tuschkan  W.  Tuschgen  G. 
Tuschgan  D.    4335  also  do  si  D.  seu  F.  das  lang  hetten  FG.  si  fehlt  S. 


149 

do  gewunnen  si  den  Römern  ab  den  ruck, 

und  jagten  in  nach  auf  die  Teiferpruck. 

do  stund  allain  Oracius, 

als  do  spricht  Titus  Livius, 
4340  und  tet  an  den  veinten  ain  solich  räch, 

das  man  die  prucken  die  weil  nider  prach 

hinter  sein  gen  der  stat, 

die  weil  tet  er  als  manleiche  tat 

mit  den  veinten  altersain, 
4345  wan  er  drang  auf  die  ganz  gemain 

durch  aller  hant  waffen, 

damit  si  in  schuzzen  und  traffen, 

das  er  chaum  davon  genas. 

und  do  er  sach,  das  die  stat  sicher  was, 
4350  do  wolt  er  durch  der  veinte  her 

getrungen  haben  mit  manleicher  wer. 

do  mocht  er  durch  die  veint  nicht  chomen 

und  hinter  sein  was  im  die  pruck  genomen. 

do  tet  er  recht,  als  ain  man, 
4355  der  nicht  fürbas  chomen  chan, 

und  sprang  mit  unverzagtem  muet 

mitten  in  der  Teifer  fluet 

mit  allem  harnasch,  das  er  het  an  im, 

doch  half  im  das  gelücke  hin, 
4'360  das  er  aus  cham  mit  manleicher  tat 

zu  seinen  purgern  in  die  stat. 

und  do  die  veint  Oracii  manhait  sahen, 

do  begunden  si  alle  dannen  gahen 

und  sprachen  mit  gemainem  rat: 
4365   „wir  hieten  überwunden  Rom  die  stat, 

aber  Oracium  mug  wir  nicht  überwinden 

mit  allen  unsern  chindes  chinden." 

4336  do]  doch  S.  rüg  G.  4337  piss  auf  die  G.  die  fehlt  FS.  prug  G. 
4338  stund  W.  4340  sollichen  GD.  4341  prug  G.  4343  er  fehlt  S. 
also  D.  4344  alters  allain  S.  allein  D.  4345  er]  der  F.  ganzen  WGD. 
4347  sew  F.  4348  davon  kum  g.  G.  4350  der  veinte]  daz  GD.  4353 
und  fehlt  WSG.  sein]  sich  G.  4354  recht  fehlt  S.  4358  hernasch  WS. 
das]  den  F.  4360  chom  W.  4361  fehlt  F.  4362  die  m.  GD.  manhait 
fehlt  F.  ersahen  W.  4363  sew  F.  dannan  G.  4365  hetten  WSG.  4367 
unsers  F. 


150 


Von     der     vorcht. 

Die  vorcht,  die  ist  ain  widerwärtichait 

der  sterk,  als  das  Galienus  sait, 
4370  und  ist  doch  in  dreierlai  mainung. 

also  sagt  er  in  seiner  summ. 

die  erst  ist  vorchtig  ze  sein, 

wann  chain  ursach  ist  darein, 

nur  allain  von  gedenke  wegen, 
437  5  die  im  die  vorcht  also  eingeben. 

das  haist  aigenleich  ain  vorcht  hie. 

die  ander  sach  der  vorcht  ist  die, 

das  sich  ain  mensch  von  etleichem  trüebsal 

mer  fürchtet,  denn  es  so), 
4380  und  die  vorcht,  die  haist  ain  snödichait. 

die  dritte  vorcht,  als  er  sait, 

ist  also,  als  ich  hör  sagen, 

das  ainer  chain  aufenthaltung  mag  gehaben 

wider  chainerlai  widerwärtichait. 
4385   das  haist  man  aigenleich  ain  plödichait. 

Den  tadel  der  vorcht  geleichet  man 

dem  hasen,  als  ich  vernomen  han, 

das  ist  das  vorchtsamist  tier,  — 

das  sult  ir  gelauben  mir,  — 
4390  als  es  auf  ertreich  gesein  mag. 

wann  wenn  es  ist  in  ainem  hag 

oder  in  ainem  pusch,  hört  es  ain  laub, 

das  sich  rüeret  oder  ain  staub, 

den  der  wint  vor  im  treibt, 
4395  zehant  der  has  nit  mer  beleibt; 

wann  er  fleucht  für  sich  von  dannen. 

4368  vorcht  ist  FG.  4369  das  fehlt  G.  4370  doch]  auch  G.  4372  ist 
fehlt  F.  e.  die  ist  B.  4374  gedank  BF.  4375  als  S.  4376  aigenkleichF. 
hie  fehlt  S.  4378  sich  fehlt  F.  etsleichen  S.  4379  denn]  wanne  F. 
dann  B.  denn  er  ensol  G.  4380  und  auch  G.  vorcht  haist  F.  4381  dritB. 
dritt  FS.  4382  als  ich  fehlt  W.  als  fehlt  G.  4383  aufhaltung  F.  mag 
F.  haben  WBS.  4385  man  fehlt  G.  aigenkleichF.  V.  4386  —  4466 
fehlen  W.  —  V.  4386—4396  fehlen  B.  4393  r.  oder  st.  GD.  4394 
von  GD.  4395  nimmer  SGD. 


151 

also  tuet  ain  zag  pei  pidermannen, 

der  mag  pei  den  frumen  peleiben  nicht. 

als  her  Salomon  das  spricht, 
4400  das  chain  ding  den  menschen  mach 

als  gar  vorchtig  und  als  swach, 

als  da  ain  pös  gewissen  ist, 

wann  der  selb  pesorgt  ze  aller  frist, 

das  im  sein  pöse  werk,  darin  er  strebt, 
4405   werden  von  etwem  aufgehebt. 

in  dem  puech  der  laster  vindet  man, 

das  das  sei  ain  vorcht  und  ain  schäm, 

der  sich  fürchtet  von  aller  sag. 

wann  das  ist  ain  naturleicher  zag, 
4410  und  der  sich  fürchtet  von  soleichen  sachen 

ains  dinges,  das  niemant  chau  wendig  machen. 

Tulius  spricht:   „es  ist  snöder  ze  fürchten  den  tot, 

wann  ze  sterben  oder  chain  ander  not." 

Terentius  spricht:  „wildu  der  vorcht  wesen  frei, 
4415  so  tue  recht  und  red  wenig  dapei." 

Von  der  vorcht  schreibt  man, 
das  von  Syracusa  der  tyran 
was  so  vorchtig,  das  er  sein  geporen  freunt 
alle  ausslueg  zu  ainer  stunt 
4420  und  uam  frömd  leut  an  seine  huet, 

wann  er  gelaubt  nicht,  das  sein  pluet 
an  im  immer  möcht  tuen  recht, 
auch  gelaubt  er  weder  weib  noch  knecht, 
wann  er  getraut  chains  menschen  haut. 

4397  zager  GD.  piderben  m  wa  das  ist  B.  4398  der  beleibt  pei  d  fr.  n. 
GD.  fromen  B.  4399  fehlt  B.  4400  Salomon  das  cli.  B.  4401  und  swach 
B.  4403  besorgt  sich  BSGD.  4404  seinew  possew  G.  V.  4406.  4407 
fehlen  B.  4407  und  schäm  S.  4409  wann  fehlt  B.  naturieich  FGD. 
4410  sich  fehlt  S.  furcht  BG.  4411  das]  des  S.  wenig  F.  wendig*  kan 
machen  BSG.  ein  ding  das  nymant  mag  wendig  machen  D.  4412  Tulius 
spricht  fehltB.  spricht  fehlt  GD.  ze  fehlt  FGD.  441  4  Terentius  spricht 
fehltB.  den  vorchten  wessen  F.  V.  4416— 4483  fehlenB.  4416  vorcht 
so  schreibt  S.  4417  Syracussana  F.  der  selb  t.  GD.  4418  er  fehlt  G. 
4419  schlug  aus  D.  4422  möcht  fehlt  S.  nimmer  D.  nimmer  tuon  möcht 
r.  G.  4423  er  glaubt  auch  w.  G.  4424  getrewet  G. 


152 

4425  er  lag  auch  allain  alzehaut 

auf  ainem  turen,  der  was  hoch, 

da  er  ain  pruck  nach  im  auf  zoch. 

auch  lies  er  sein  eleich  weib 

nimmer  chomen  zu  seinem  leib, 
4430  noch  nimmer  chomen  in  sein  gemach. 

nuer  zu  den  stunden,  wann  das  geschach, 

das  er  ir  gert  nach  der  natur  lauf, 

so  lies  er  sei  in  den  turn  hinauf 

und  beschawet  vor  alles  ir  gewant, 
4435  das  im  chain  schad  möcht  werden  von  ir  bechant. 

auch  lies  er  chain  eisen  pei  ir  nicht, 

noch  chain  er  hant  waffen  geschieht. 

so  gar  was  er  timorosus, 

als  das  schreibt  Valerius  Maximus. 

4440  Von  der  vorcht  list  man  das, 

das  ain  chünig  in  Sicilien  was, 

der  was  Dionisi  genant 

und  was  der  snödist  man  erchant 

und  der  vorchtsamist,  der  lebt  auf  ertreich, 
4445  wann  an  poshait  lebt  nicht  sein  geleich. 

darumb  mocht  er  chain  guet  getuen. 

auch  lebt  er  nimmer  gern  mit  suen 

weder  mit  den  freunden  noch  mit  den  magen. 

noch  lobt  in  ain  sein  freunt  alle  tage 
4450  und  sprach  zue  im,  er  het 

got  ze  danken  an  aller  stet, 

das  er  im  so  vil  guetes  het  getan. 

er  solt  alweg  ain  gueten  muet  han, 

was  im  solt  solch  unmuet  und  traurickait? 
4455  ains  tages  rueft  im  der  chünig  gerait 

4426  der  was]  gar  F.  4428  eleich]  aigenleich  S.  aigentlich  sein  GD. 
4430  zu  seinem  GD.  4432  begert  SGD.  nature  G.  4433  hiez  er  si  zu 
im  in  d.  S.  den  fehlt  GD.  4434  als  G.  4436  eisen  fehlt  F.  er  liess  pei 
ir  kain  e.  n.  G.  er  1.  bei  ir  D.  4437  geschieht]  icht  GD.  4441  Zicile  S. 
Cecilia  GD.  4443  bekant  SGD.  4444  der]  als  man  S.  als  er  GD.  4446 
gut  tunS.  4447  er  lebt  auch  n.  G.  4448  fronden  F.  noch]  weder  S.  beide 
den  fehlen  G.  4449  noch]  nu  FGD.  ain  sein]  ainer  F.  sein  fehlt  GD. 
4454  soleich  F.  sollicher  G.  4455  gemait  F.  berait  GD. 


153 

und  friert  in  auf  sein  chünigleichen  tron 

und  satzt  im  auf  sein  guidein  chron 

und  macht  umb  in  ain  fewer  gros. 

darnach  nam  er  ain  swert  plos 
4460  und  hieng  das  an  ain  roshar 

auf  sein  haubt  eben  gar, 

und  lies  vor  sein  machen  churzweil  vil 

mit  aller  hant  saitenspil, 

das  er  davon  solt  haben  gueten  muet; 
4465  und  do  er  sach  ain  soleich  huet 

umb  in  mit  dem  swert  und  mit  dem  fewer, 

do  pat  er  den  chünig  gar  tewer, 

das  er  in  lies  dannen  gen. 

do  sprach  der  chünig:  „du  muest  hie  besten, 
44 70  wann  du  hast  mich  gelobet  ser. 

nu  soltu  auch  sein  ain  herr." 

do  rueft  er  an  den  chünig  drat: 

„herre,  las  mich  von  diser  stat, 

wann  ich  lob  dich  nimmer  nicht 
4475  in  diser  weit,  was  dir  geschieht." 

und  do  der  chünig  das  vernam, 

do  lies  er  in  von  dem  stuele  gan. 

do  sprach  der  chünig:  „sich,  also  sten  ich, 

tag  und  nacht  so  ist  umb  mich 
4480  grosse  vorcht,  der  ich  warten  mues. 

des  selben  wirt  mir  nimmer  pues. 

so  bistu  chaum  ain  ur  hie  gestanden, 

und  hast  dich  darumb  vast  enplanden." 

Von     der     starkmüetikait. 

Die  rechte  starkmüetikait 
4485   nach  dem,  als  das  Tulius  sait, 

4456  fuerb]  rueff  F.  4457  guidein]  chuni gleich  F.  kinicklich  G.  4458 
umb  in]  im  GD.  4459  swerte  F.  4461  eben]  obnan  G.  ebnen  D.  4462 
lies  fehlt  S.  sein]  im  GD.  4463  allerlai  h.  G.  4469  sten  G.  4472  er  dem 
eh.  F.  4474  nimmer  mer  n.  WGD.  4476  clo  fehlt  F.  4478  der  küng 
sprach  G.  4479  ist  es  umb  F.  4481  mir  auch  n.  G.  4483  hast]  tust  D. 
darumb]  darab  WGD.  dich  gar  v.  F.  vast]  so  ser  GD.  enplandet  G. 
enplenden  D.  4485  das  fehlt  G. 


154 

das  ist  ze  betrachten  schön  und  hoche  ding 
und  das,  das  nutzperleiche  sach  pring. 

Die  starkmüetikait  geleichet  man 

dem  valken,  als  ich  vernomen  han. 
4490  der  selb  sturb  ee  hungers,  als  man  gicht, 

ee  das  er  ain  fauls  flaisch  ässe  icht; 

wann  er  fleisset  sich  ze  aller  zeit 

gros  gefügel  ze  vachen  an  widerstreit. 

sand  Augustin  spricht  von  der  starkmüetikait, 
4495  das  der  leo  nimmer  hab  so  grosses  lait, 

das  er  mit  der  amaisen  chrieg, 

oder  der  adelar  mit  der  flieg. 

Tulius  spricht  auch  davon, 

das  man  den  nutzpären  man 
4500  erchent  an  den  swären  werken  sein. 

Teoprastus  spricht  in  seiner  omelein : 

„es  ist  nicht  als  stark,  was  man  vint, 

das  es  nicht  des  menschen  sinn  überwint." 

Alexander  spricht:  „es  ist  pesser  der  edel  tot, 
4505  wann  ain  snöde  herschaft  an  recht  gepot." 

Von  der  starkmüetikait  schreibt  Valerius 
und  spricht,  das  Plato  der  philosophus 
het  an  im  ain  soleich  starkmüetikait. 
wann  do  im  ains  tages  wart  gesait, 
4510  wie  das  Socrates  sein  jungeling 
het  von  im  geredt  gar  übel  ding, 
das  wart  Plato  gesait  gar  taugen, 
do  wolt  es  Plato  nie  gelauben 
und  sprach,  es  war  wider  die  naturleich  gerechtikait, 

4486  die  ist  betrachten  D.  ze  fehlt  B.  ze]  hie  G.  und  fehlt  GD.  4487 
sachen  D.  V.  4488—4493  fehlen  B.  4488  die  geleicht  W.  4490  selb 
fehlt  WS.  spricht  WSGD.  4492  sich  alizeit  WGSD.  4493  ze  fehlt 
SGD.  vachen  an  aller  zeit  an  w.  F.  4495  hab  nimmer  B.  so]  als  W.  4497 
adler  WBS.  4500  erkenn  GD.  4501  omeley  F.  omely  G.  4502  nichtz  G. 
4503  es]  erG.  es  fehlt  D.  4504  Alexander  spricht  fehlt  B.  —  A.  der 
spr.  G.  spricht  fehlt  D.  edel  fehlt  G.  4505  rechtz  G.  V.  4506—4553 
fehlen  B.  4506  sagt  D.  45  07  sprach  GD.  der  fehlt  F.  4508  an]  in 
GD.  ain  fehlt  S.  4509  wenn  D.  do]  das  WSGD.  wer  D.  4511  hiet  F. 
üblew  G.  4514  die  fehlt  W. 


155 

4515  das  der  ain  erge  von  mir  sait, 

und  mich  nicht  lieb  in  herzen  het, 

den  ich  lieb  han  an  aller  stet. 

do  swuer  der  sager  an  der  stund, 

das  er  es  gehört  aus  Socrates  mund. 
4520  do  widerstuend  dem  zoren  Plato 

und  sprach  mit  ainem  ernsthaften  muet  also: 

„Socrates  hat  von  mir  geredet  nicht, 

er  hab  es  dann  gewest  gericht." 

und  davon  hat  der  maister  gesait: 
4525   „secht  wie  ain  starkmüetikait  * 

het  Plato,  das  er  nicht  wolt  gelauben  das, 

das  im  von  seinem  junger  gesagt  was, 

und  auch  darumb,  das  der  junger  nicht  chäm 

in  ain  solich  wort  als  ungenäm." 

4530  Von  der  starkmüetikait 

list  man,  als  Valerius  sait, 

das  die  Romer  an  underlas 

chriegten  mit  dem  chünig,  der  in  Zipern  was, 

der  do  Pirro  hies  mit  nam, 
4535  als  das  sagt  die  historje  von  Rom. 

nu  het  der  chünig  ain  arzt  pei  im. 

der  selb  het  valschait  vil  in  im, 

wann  er  sand  zue  den  Romären, 

ob  si  in  nicht  wolten  vermären 
4540  und  im  etwe  vil  gelt  wolten  geben, 

so  wolt  er  seinem  herren  vergeben. 

do  antwurt  im  der  senat, 

das  ain  solich  ding  nit  tat  die  römisch  stat, 

4515  erge]  arge  sache  F.  arges  D.  4516  liebe  F.  4517  denn  F.  hab  S. 
4519  es  hiet  g.  F.  es  hctt  g.  G.  er  het  g.  D.  4520  disem  z.  GD.  5521 
ernstlichen  WGD.  muet]  antlitz  WSD.  antlutz  G.  4523  dann]  denn  SG. 
g.  ze  bericht  GD.  4524  do  W.  4525  starkmütichait  hat  er  gehabt  F. 
4526  het  fehlt  F.  4527  das  das  FS,  im]  da  nü  S.  iungern  FGD.  4528 
auch  fehlt  F.  darumb  fehlt  GD.  4529  als]  gar  F.  4531  als  uns  D. 
4534  dem  namcnF.  4535  das]  da  G.  doD.  hystoryFGD.  4536  artzat  G. 
4537  h.  vil  falschait  G.  4539  seu  F.  4540  und  auch  im  G.  etzwevil  W. 
etwa  v.  F.  etwen  vil  geltz  D.  4541  er  seinem  aigen  G.  4543  das  die 
römisch  statt  ain  söllich  ding  nit  tat  GD. 


156 

wann  si  lustet  nicht  ainer  solchen  snöden  sach, 
4545   die  den  menschen  möcht  machen  also  swach, 

wann  si  wolten  iren  veinten  ee 

mit  ritterleichem  chrieg  tuen  so  wee, 

das  si  in  wol  oblägen  mit  ir  chraft 

und  nicht  mit  chainerlai  verratenschaft. 
4550  und  darnach  santen  si  für  sich 

ir  potschaft  dem  selben  chünig  reich 

und  liezen  in  wissen  das, 

das  er  sich  hüet  vor  dem  arzt  fürpas. 

Von     der     eitel     er. 

Die  eitel  er  ist  des  teufeis  zagel 
4555  und  ist  ain  widerwärtiger  tadel 

der  rechten  starkmüetikait, 

nach  dem  als  Priscianus  sait, 

und  ist  doch  in  dreierlai  sach. 

die  erste  ist  gar  swach, 
4560  als  das  ain  mensch  erzaigen  wil 

alle  sein  starkmüetikait  auf  ain  zil, 

das  er  darumb  gelobet  werd. 

das  selb  haist  aigenlich  eitel  er, 

aber  wer  da  wil  zimleich 
4565  gelobt  werden  sittleich, 

das  selb  ist  chain  tadel  nicht, 

es  ist  ain  tugent,  als  sand  Thomas  spricht. 

Salomon  spricht:  „es  ist  pesser  ain  gueter  leumunt, 

wann  das  ainem  grosser  reichtumb  zue  chumpt." 
4570  die  ander  eitel  er  ist  geudung, 

wer  sich  ze  vil  lobt  mit  seiner  zung 

von  etleicher  sach,  die  er  an  im  hat. 

4544  sew  F.  sei  G.  lust  W.  4545  den  die  S.  als  WSG.  4546  sew  F. 
sei  G.  4547  kriegen  G.  4548  sew  F.  sey  G.  irer  W.  ir  fehlt  GD.  4549 
verrätterschaft  SG.  4550  und  fehlt  F.  sew  F.  sey  G.  4551  so  rieh  GD. 
4553  hüttet  F.  artzat  GD.  4558  dr.  weiss  sachGD.  4559  erst  die  BSG- 
4560  das]  da  G.  4562  fehlt  B.  wer  WS.  werde  gelobt  GD.  45  63  d.  selb 
ist  ain  eytel  er  auss  aigen  haupt  [hoptD.]  GD.  aigenleichenS.  V-  4564 — 
4569  fehlen  D.  4565  werden  und  auch  sifcticlich  G.  4567  sand  Thoraas] 
Augustinus  G.  4568  Salomon  spricht  fehlt  B.  lewmd  G.  4570  er  die  ist G. 
4572  er  fehlt  G.     ' 


157 

die  dritt,  das  sich  ainer  erzaigt  fhie  und  spat, 
der,  der  er  nicht  enist, 
4575  und  das  ist  gar  ain  valscher  list. 
und  wer  sich  dann  ruer  erzaigt, 
das  haisst  man  dann  geleichsenhait. 

Ich  mag  geleichen  die  eitel  er 

dem  pfaben,  der  hat  ain  soleiche  ger 
4580  und  allen  seinen  lust,  den  er  hat, 

das  er  sein  vedern  macht  an  sein  stat 

und  den  swanz  aufstroben, 

darumb  das  in  der  mensch  sol  loben, 

und  alspald  er  dann  sein  fües  sieht, 
4585  so  lat  er  den  swanz  nider  gericht. 

In  der  summ,  da  aller  tadel  ist, 

darinn  geschriben  ist,  als  man  list: 

„wenn  der  mensch  hat  überwunden 

allen  seinen  tadel  in  disen  stunden, 
4590  so  beleibt  im  dannoch  die  eitel  er 

aintweders  minner  oder  mer, 

es  sei  an  seinen  werken  oder  an  seinen  sinnen, 

da  chan  man  in  gar  hart  von  pringen." 

Salomon  spricht:  „wer  do  lieb  hat 
4595  die  eitel  er  an  aller  stat, 

der  selb  ist  nur  der  spilleut  chnecht." 

und  darumb  lert  uns  Catho  gar  recht : 

„pis  nit  eitelerig  in  deinem  muet, 

wildu  iederman  dünken  guet." 
4600  Salomon  von  der  geudichait  spricht: 

„du  solt  dich  leben  nimmer  nicht. 

las  dich  loben  ander  leut  zung, 

so  hastu  ain  rechte  lobung." 

4573  dritte  F.  4574  er  fehl  t  F.  der  doch  nicht  ist  F.  4577  das  selb 
das  F.  dann  fehlt  BS.  V.  4578— 4587  fehlen  B.  4579  solch  S.  4580 
aller  sein  1.  W.  alle  S.  sein  SG.  4581  mach  WS.  4583  solt  G.  4584  seinen- 
G.  4585  letS.  nider  fehlt  F.  4586  tadel  in  stat  und  ist  GD.  4587  darinn 
und  ist  fehl t  F.  darinn  man  also  lesen  ist  GD.  4589  sein  FG.  4591 
minder  FG.  4592  sein  werken  oder  sinnen  G.  4596  selb  fehlt  GD.  nun 
D.  4597  gar  fehlt  FD.  4599  ieden  manF.  4600  fehltG.  4602  zungen 
G.  4603  rechte w  SG.  lobunge  G.  ain  fehlt  D. 


158 

Isideros  spricht:  „die  henne  macht  ain  gross  geschrai 
4605  von  wegen  aines  clainen  ai, 

und  raizt  doch  nur  den  fuchs  damit. 

also  ist  ir  naturleicher  sit." 

Seneca  spricht:  „die  geleichsenhait  haben   nur  die  vaigen, 

wann  es  mag  chainer  nicht  lang  erzaigen 
4610  das,  das  er  nicht  in  im  hat." 

Tulius  spricht  in  seinem  rat : 

„das  chain  valscher  leumunt 

mug  nicht  weren  lange  stunt." 

so  spricht  Augustinus  der  lerer  guet: 
4615   „der,  der  wol  redt  und  übel  tuet, 

das  ist  nicht  anders,  wann  das  er  smaicht 

und  das  er  sich  selber  laicht." 

die  geleichsenhait  ist,  als  man  vint 

geschriben  in  der  summ,  da  die  tadel  sint, 
4620  das  si  als  die  valsche  münz  prist. 

Faro  spricht:   „die  geleichsenhait  die  ist 

nicht  anders  mit  irer  chraft, 

denn  als  die  recht  verrate n s chaft. " 

Von  der  eitel  er  list  man  gar  eben 
4625  in  der  altväter  leben, 

das  ainst  ain  engel  gesellet  sich 

zue  ainem  ainsidel  gar  götleich, 

und  giengen  mit  ainander,  als  ich  las. 

do  funden  si  ain  stinkundes  as. 
4630  do  verhueb  der  ainsidel  die  nasen, 

dos  er  nicht  solt  smecken  den  prasem. 

des  achtet  der  engel  gar  nicht 

4604  Isiderus  spricht  fehlt  B.  henn  die  BS.  4605  nur  von  ainem  cl  B. 
4606raissetB.  4607  also  es  ist  F.  naturleich  WFS.  4608  Seneca  spricht 
fehlt  B.  spricht  fehlt  GD.  4609  chainer  fehlt  W.  lang  nit  G.  4613 
mit  nicht  mag  w.  D.  stunt]  zeit  F.  4614  fehlt  B.  spricht  sant  G.  4615 
der  da  w.  W.  und  auch  u.  G.  4616  wann]  denn  W.  wenn  GD.  V.  4618 
—  4620  fehlen  B.  4618  mans  G.  4619  tadel  in  s.  G.  4622  ir  FSG. 
4623  dann  BF.  yerräterschaft  G.  V.  4624— 4652  fehle  n  B.  4625  alten 
v.  FS.  4626  ainostG.  4627  gueltigklich  G.  gutleichD.  4628  mifenander 
W.  4629  sew F.  stinkendsW.  stinkendes  S.  stinkens  G.  stinkend  D.  4631 
wolt  SGD.  mocht  W.  4632  achlot  G. 


159 

und  si  giengen  für  sich  ir  gericht. 

do  fanden  si  ain  schön  junkfrawe 
4635  in  ainem  grüenen  tawe 

mit  gar  schönen  claidern  vein, 

und  prach  ir  da  der  plüemelein 

nach  ires  herzen  ger; 

wann  si  suechet  nicht  wann  eitel  er. 
4640  und  do  der  engel  die  maid  ersach, 

do  tet  im  also  we  der  gesmach, 

das  er  die  nas  muest  verhaben. 

do  sprach  der  ainsidel :  „du  solt  mir  sagen, 

warumb  verhabestu  du  die  nas  alhie, 
4645  und  dort,  da  du  für  das  as  gie, 

do  verhueb  du  dich  nichtes  nicht. 

das  geit  mir  gar  ain  pöse  zueversicht. 

das  du  ob  als  ainer  schönen  maid  auserchoren 

verhabst  dein  nas,  das  tuet  mir  zoren," 
4650  und  begund  sein  spotten  etwevil. 

do  sprach  der  engel:  „ich  sol  und  wil 

dir  das  sagen,  warumb  ich  das  han  getan. 

die  eitel  er  ist  von  got  in  dem  pan, 

wann  si  stinket  vor  got  noch  mer, 
4655   wann  alle  die  as,  die  da  ie  chomen  her 

auf  dise  weit,  das  sag  ich  dir." 

alspald  verswant  der  engel  schier 

vor  sein,  das  er  in  nicht  mer  sach. 

alspald  chant  er  in  und  sprach, 
4660  das  es  ain  pot  von  got  war, 

der  do  haisset  aller  ding  ain  schepfär. 

Von  der  eitel  er  list  man  das, 
4634  schönew  FG.  junkfrawen  FGD.  junkfraw  S.  4635  tawen  F.  4637 
und  sy  pr.  G.  4638  beger  G.  4639  nichtz  G.  dann  F.  denn  G.  4641  im 
fehlt  S.  4644  verhebestu  G.  verhebest  du  D.  nasen  FGD.  hie  GD.  4646 
verhübstW.  verhuebest  GD.  nichtes  fehlt  G.  4648  du  dich  als  ab  ainer 
G  ab  WS.  4649  verhebest  G.  4650  wegond  F.  4652  das]  ez  W.  dir 
sagen  GD.  ich  hab  das  g.  S.  4653  got  fehlt  GD.  4654  noch  fehlt  F. 
4655  da  fehlt  G.  4656  —  4681  fehlen  B.  4656  disser  G.  4657  pald 
da  v.  G.  4658  vor  sein]  vom  im  G.  in]  sein  G.  4659  iach  F.  4660  er 
von  got  ain  pot  S.  das  es  war  ain  pot  von  got  her  GD.  4661  do  haisset] 
da  ist  W.  ain  fehlt  WS. 


160 

das  ain  ritter  in  Chriechen  was, 

der  was  Pausanias  genennet, 
4665  und  was  so  eren  geitig  erchennet, 

das  er  den  maister  Ermoclem  pat, 

das  er  im  gab  sein  hilf  und  rat, 

das  sein  nam  wurd  weit  erchant 

allem  volk  in  allem  lant. 
46l70  do  sprach  der  maister  lobesam: 

„wenn  du  tötest  ainen  erleuchten  man, 

so  wurd  dein  nam  gar  weit  genennet, 

das  man  dich  in  allem  lant  erchennet." 

do  was  Pausanias  nicht  lang  peitig, 
4675  wann  er  was  so  eren  geitig, 

das  er  den  chünig  Philippum  erslueg. 

do  ward  geschriben  der  unfueg 

in  alle  purg  und  stet, 

das  Pausanias  seinen  herren  ermordet  het. 
4680  do  ward  sein  nam  gar  weit  erchant 

über  al  in  allem  Chriechenlant. 

Von     der     stätichait. 

Die  stätichait  oder  vestichait 

nach  dem,  als  Isiderus  sait, 

das  ist  ain  starkes  vestes  gemüet 
4685  in  allem  fürsatz  mit  rechter  güet. 

aber  der  mensch  sol  nicht  als  veste  sein 

in  seinem  fürsatz,  das  er  peleib  darein, 

das  er  nicht  vall  in  den  tadel  prait, 

den  man  haisset  hertichait; 
4690  wanne  Andronicus  gicht: 

„die  hertichait  ist  anders  nicht, 

wann  der  sein  fürsatz  nicht  vercheret 

4664  genannt  GD.  4665  ere  G.  erkanfc  GD.  4666  Ermogenes  G.  Ermo- 
gines  D.  4669  allen |  allen  W.  4670  der  hoch  m.  G.  4671  ertottest  G. 
ain  erLeichen  F.  4672  wirt  D.  4673  alle  W.  4676  der  süg  S.  4679  sein 
F.  sein  aigen  h.  D.  4681  allem  fehlt  F.  4684  ain  fehlt  D.  4685  mit] 
n  F.  rechter]  ganzer  W.  4686  nicht]  nimer  GD.  4687  er  fehlt  F. 
er  allweg  b.  GD.  4690  fehlt  B.  A.  der  gicht  FGD.  4691  h.  die  ist  G 
4^92  seinen  BSG. 


161 

und  albeg  sein  gemüet  meret 
wider  iederman  frue  und  spat, 
4695  und  er  doch  wol  wais,  das  er  unrecht  hat. 

Ich  mag  geleichen  die  stätikait 

dem  fenix,  das  ist  ain  vogel  gemait, 

der  selb  lebt  auf  dreu  hundert  jar, 

und  wenn  er  eraltet  so  gar, 
4700  das  er  das  erchenuet  an  im, 

das  im  mangelt  die  natur  sein, 

so  claubt  der  edel  vogel  stolz 

gar  wol  smeckundes  holz, 

und  machet  daraus  ainen  test 
4705  und  setzet  sich  dann  in  das  nest 

und  chert  sich  gen  der  sunnen  schein 

und  flaudert  als  lang  die  flügel  sein, 

das  sich  das  fewer  in  dem  nest  erzundt 

von  der  hitz,  die  von  der  sunnen  chumpt, 
4710  noch  ist  der  vogel  als  stät  und  als  gehewer, 

das  er  sich  nicht  rüeret  in  dem  fewer 

und  verprint  ee,  als  ain  chol, 

wann  er  waiss  von  natur  wol, 

das  er  sich  vernewet  gerait. 
4715  also  stirbt  der  vogel  in  stätichait, 

und  aus  seinem  aschen  rain 

wirt  ain  würmelein  ciain. 

das  nimpt  an  sich  ain  wunderleich  maus, 

wann  es  wirt  ain  vogel  daraus, 
4720  und  also  chumpt  der  vogel  wider, 

das  er  gewint  ain  newes  gefider. 

auch  ist  der  vogel  gar  wunderleich, 

wann  ir  ist  nur  ainer  auf  ertreich. 

4695  das  er  unrecht  hat  fehlt  S.  V.  4696  — 4725  fehlen  B.  4697 
das  fehlt  W.  4698  selb  der  1.  D.  4699  eraltet]  der  altet  F.  4703  zesamen 
garvilwolG.  zesamen  gar  wol  schmeckentD.  schmekchentW.  schmechentz 
G.  4704  darauf  W.  ain  FSGD.  4706  sich  dann  gen  F.  4707  flugt  W. 
flewgt  S.  fleugert  GD.  die]  mit  den  D.  4708  entzundt  FGD.  4710  und 
gehür  G.  gehewr  W.  4712  und  er  verprint  als  D.  4714  prait  GD.  4715 
in]  an  S.  4716  seiner  GD.  4721  das]  wann  D.  sein  F.  ains  W.  4722  der 
selb  v.  GD. 

Zingerle,  Vintler.  \\ 


162 

Tulius  spricht  von  der  stätichait, 
4725  das  chain  sach  mach  den  menschen  als  gemait, 

und  das  dem  menschen  als  wol  chum, 

und  das  auch  pring  als  grossen  frum. 

wer  do  hat  ainen  vesten  muet, 

das  ist  ze  allen  dingen  guet. 
4730  Catho  spricht:  „du  solt  vest  sein 

in  allen  Sachen,  das  du  chomest  ein." 

sand  Isiderus  der  spricht: 

„es  ist  ze  loben  gar  nicht, 

der  ain  ding  anvacht, 
4735  aber  wirt  es  volpracht, 

so  sol  man  es  loben  pilleich. 

wann  wer  da  harret,  das  ist  lobleich." 

sand  Gregorius  spricht  in  seinem  puech: 

„es  laufen  vil  leut  zue  dem  tuech, 
4740  aber  wer  da  harret  in  dem  laufen  sein, 

der  selb  zeucht  das  tuech  hin." 

Von  der  stätichait  schreibt  Valerius : 

do  Alexander  mit  Darius 

het  gestritten  und  het  in  überwunden, 
4745  do  opfert  er  den  göttern  an  den  stunden 

in  dem  tempel  nach  dem  alten  sit. 

nu  was  ain  chind  von  Macedonia  mit, 

das  het  das  rauchfaz  in  der  hant. 

do  sprang  dem  chind  ain  glüender  prant 
4750  auf  den  arm  und  prant  das  chind  so  ser, 

das  der  geschmach  gieng  hin  und  her. 

d  an  noch  hielt  das  chind  das  rauchfas 

mit  gestraktem  arme,  wie  hais  es  was, 

4725  ding  F.  den  menschen  mach  als  G.  4726  und  dem  menschen  auch 
als  G.  das  fehlt  D.  als  fehlt  S.  4727  und  auch  GD.  4728  als  werGD. 
4730  Catho  spricht  fehlt  B.  4731  aller  sach  F.  das]  da  SGD.  4732 
fehlt  B.  sand  fehlt  GD.  I.  der  selb  auch  sp.  GD.  4738  Gr.  der  sp.  S. 
4739  zue  dem]  umb  daz  GD.  4740  aber]  oderS.  4741  selb  der  z.  FGD. 
V.  4736  —  4838  fehlen  B.  4744  in  hett  G.  4745  goten  W.  an  der  G. 
4747  von]  aus  F.  —  M.  chomen  mit  W.  4749  glewenderG.  4750  armen 
W.  4751  schmack  GD.  4752  das  fehU  F.  4753  gestrakten  armen  WS. 
es]  daz  GD. 


163 

und  wolt  der  prunste  achten  nickt, 
4755  damit  das  die  götter  betrüebet  icht 

wurden  und  das  opfer  nicht  gieng  under. 

und  do  Alexander  sach  das  wunder, 

do  lengert  er  das  Opfer,  als  man  sait, 

das  er  sach  des  chindes  stätikait. 
4760  do  harret  das  chind  mit  grossem  twangen 

unz  das  das  opfer  was  zergangen. 

und  darumb  spricht  der  maister  alsus : 

„ach  het  da  gesehen  der  chaiser  Darius 

des  chindes  stätichait  und  gedult, 
4765   er  hiet  nicht  gevochten  umb  chainerlai  schult 

mit  Alexander,  noch  mit  den  seinen. 

seit  sich  die  jungen  also  chunnen  peinen 

auf  soleich  gedult  und  stätichait, 

was  müesten  die  alten  von  Macedonia  gehabt  haben  lait, 
4770  ee  das  si  ir  stätichait  wurden  zeprechen! 

darumb  haist  man  si  pilleich  die  frechen." 

Von  der  stätichait  han  ich  gelesen, 

das  ain  chünig  in  Chriechen  ist  gewesen. 

der  selb  satzte  seinem  povel  auf 
4775  ain  gesetz  nach  dem  rechten  lauf. 

nu  daucht  den  povel  das  gesetz  ze  hert, 

und  wolten  sich  sein  haben  erwert. 

des  gewan  der  chünig  gar  traurigen  muet, 

wann  das  gesetz  was  gar  guet. 
4780  nun  gedacht  der  chünig  tag  und  nacht, 

damit  das  das  gesetz  wurd  volpracht. 

aines  tages  sant  er  drat 

nach  dem  povel  in  der  stat 

4754  wolt  fehlt  GD.  achtet  nit  GD.  4755  dadurch  daz  GD.  4756  daz 
daz  W.  das  das  under  G.  das  das  nit  gieng  u.  D.  4757  das  ab  menig- 
lichemnamwunderD.  4759  das]  doSGD.  4760  grossem  fehlt  F.  zwangen 
GD.  4761  ergangen  SGD.  4763  da]  das  WFGD.  es  S.  4766  noch]  und 
GD.  4767  jungen  fehlt  GD.  4769  alten  fehlt  D.  gehabt  fehlt  GD. 
4770  si  fehlt  S  erbrechen  GD.  4771  davon  WS.  4772  starkmütikait D. 
4774  selb]  der  F.  4776  gedaucht  G.  geducht  D.  gesetzt  WG.  4777  sich 
sein]  auch  sein  sich  G.  entwert  F.  4779  g.  das  was  GD.  4781  gesetzt  G. 
4782  t.  da  s.  WS.  gar  dr.  GD.  4783  der]  die  G. 

11* 


164 

und  sprach:  „also  wil  ich,  das  ir 
4785  ainen  aid  sweret  mir 

umb  das  gesetze,  das  ich  han, 

das  das  von  euch  nicht  hin  getan 

werd,  wann  es  pringt  eu  grozzen  frum, 

nur  als  lang,  unz  ich  her  wider  chura. 
4790  wann  ich  wil  varn  zu  unserm  got 

uud  wil  schawen,  ob  es  sein  gepot 

sei  also  oder  nicht, 

und  was  dann  der  got  her  wider  spricht, 

das  wil  ich  euch  alles  wissen  lan.a 
4795  und  do  er  in  das  het  chunt  getan, 

do  swueren  si  im  all  ainen  ait. 

darnach  fuer  der  chünig  gerait 

aus  dem  chünigreich  von  dannen 

mit  allen  seinen  mannen, 
4800  darumb  das  das  gesetz  belib 

und  das  es  niemant  wider  trib; 

wann  er  cham  hin  wider  nimmer  mer. 

des  gewan  der  povel  so  grosse  ser, 

das  si  wanten  davon  verderben. 
4805  nu  nahent  dem  chünig  auch  sein  sterben, 

und  do  er  das  erchant  an  im, 

do  sant  er  nach  den  raten  sein 

und  gepot  in,  das  si  solten  seinen  leichnam 

ze  pulver  gar  verprennen  schon, 
4810  und  das  das  pulver  an  underwint 

wurd  geworfen  in  den  wint, 

und  das  auch  das  pulver  nicht  chäm  in  die  stet, 

da  er  das  gesetz  auf  gesetzet  het, 

darumb  daz  sein  povel  icht 

4784  und  sprach  fehlt  F.  4787  nifc  werd  hin  G.  4788  werd  fehlt  G. 
fromen  W.  frumen  S.  4789  untz  das  i.  F.  unz]  als  G.  hintz  S.  ich  wider 
chome  W.  4791  es  sei  sein  g.  W.  4794  alles]  denn  G.  4795  daz  alles 
kunt  het  GD.  4797  berait  GD.  4800  gesetzt  FGD.  480]  es]  das  GD. 
4803  so  fehlt  GD.  ser]  er  F.  beschwer  D.  4804  davon  fehlt  F.  davon 
ze  v.  GD.  4805  auch  fehlt  FGD.  4807  dem  rat  S.  4808  das  daz  S. 
sewF.  4809  pulver  prennen  gar  seh.  GD.  4812  auch  das  fehlt  GD.  in] 
an  SG.  4813  da]  den  G.  4814  darvon  GD.  nicht  FSD. 


165 

4815  wurd  von  dem  aid  erledigt  nicht, 
den  si  im  hetten  davor  gesworen. 
also  starb  der  chünig  hochgeporen. 

Von  der  stätichait  schreibt  Valerius 

und  spricht:  do  Augustus  und  Anthonius 
4820  mit  ainander  vachten  gar  pitter, 

do  ward  in  dem  streit  ain  ritter 

gevangen,  der  gehört  Augustum  an. 

der  selb  hies  Menius  mit  dem  nam 

und  ward  praeht  Anthonio  in  sein  her 
4825  gen  Alexandria  pei  dem  mer. 

do  sprach  der  chaiser  Anthonius 

zue  dem  ritter  Menius: 

„was  sol  ich  mit  dir  heben  an? 

du  hast  mir  grossen  schaden  getan." 
4830  do  sprach  der  ritter  an  alles  nöten: 

„herr  und  chaiser  haizt  mich  töten, 

wann  all  dein  dro  noch  dein  guet 

mag  nicht  erwaichen  meinen  muet, 

das  mich  iemant  darzue  pringe, 
4835  das  ich  des  immer  beginne, 

das  ich  verlaugne  der  herschaft  mein, 

ee  wolt  ich  leiden  all  die  pein, 

die  auf  erd  chain  man  ie  gelait. 

als  vest  ist  wol  mein  stätichait." 
4840  und  do  Anthonius  sach  die  stätichait  Menius, 

do  hies  er  in  ledig  lazzen  umb  sus, 

des  doch  der  ritter  nicht  gelauben  wolt, 

aber  Anthonius  was  der  stätichait  als  holt. 

Von    der    unstät. 

Die  unstät  die  hat  nindert  rest, 

4815  wurden  F.  icht  SG.  4816  den]  wenn  G.  im  davor  h.  F.  davor  fehlt 
GD.  4819  spricht  fehlt  F.  do]  daz  W.  4820  enander  W.  vachten  fehlt 
F.  4823  der  selb  kort  G.  der  kort  D.  4824  ward  auch  praeht  G.  4828.  4829 
umgestellt  D.  4829  mir  so  gr.  SGD.  4832  dein]  die  G.  droe  F.  drew 
W.  trewSG.  truD.  noch]  und  GD.  4834  gewinn  D.  4835  nimmer  WFSD. 
4838  auf  erd  fehlt  GD.  laid  GD.  4840  do  Anthonius]  der  kaiser  GD. 
4841  umb  sus]  alsus  GD.  4843  A.  der  was  WS.  als  fehlt  F.  so  W. 
4844  unstät  hat  F. 


166 

4845  und  ist  ain  widerwärtiger  prest 
der  rechten  volchomen  stätichait 
nach  dem,  als  Priscianus  sait. 
wann  der  unstät  begeret  nicht 
chain  stätichait  in  seiner  pflicht. 

4850  Die  unstät  die  geleichet  man 

der  swaiben,  als  ich  vernomen  han. 

die  selbe  speist  sich  ie  und  ie 

fliegent  ietz  dort,  ietz  hie, 

nach  dem,  als  Salustius  spricht, 
4855  das  die  unstät  sei  anders  nicht, 

wann  ain  zaichen  der  toren. 

darumb  sprach  Plato  hie  voren: 

„wer  do  der  stäte  sei  ain  gast, 

der  lat  sich  an  das  gelück  ze  vast." 
4860  Salomon  der  weise  sprach: 

„der  unstät  der  gelaubt  alle  sach.u 

Von  der  unstät  list  man  das, 

das  zue  den  Zeiten  der  altväter  was 

ain  dieb,  der  tet  vil  poshait. 
4865  ains  tages  ward  es  im  doch  lait, 

das  er  als  vil  übel  het  getan, 

und  cham  für  ainen  ainsidel  in  ainen  tan 

und  peicht  sich  seiner  sund  gar  eben. 

do  im  der  ainsidel  pues  wolt  geben, 
4870  do  wolt  der  dieb  ir  chains  tuen  nicht 

und  jach:  „die  pues  war  im  enwicht, 

wann  ich  mag  nicht  vasten,  noch  peten 

und  wil  noch  chirchgeng  treten. 

davon  so  sult  ir  mir 

4845  geprest  GD.  4846  volkumen  BSG.  4848  nimmer  nicht  G.  4849 
chain]  ainer  GD.  seiner]  diser  F.  V.  4850—4853  fehlen  B.  4850 
unstät  gel.  FG.  4853  ietz]  ietzund  F.  4854  nachdem  als]  sand  B.  485  5 
anders  sei  nicht  FGD.  4857  spricht  GD.  4858  wer  do  fehlt  GD.  4859 
gelüppG.  gelubtD.  ze  fehlt  GD.  4860  spiicht  darnach  GD.  4861  unstät 
gel.  F.  V.  4862  —  5039  fehlen  B.  4863  zu]  in  F.  alten  v.  S.  4864  hett 
F.  4865  es  im  doch]  im  das  WSGD.  4866  Übels  G.  4868  und  er  bichtG. 
4870  ir  fehlt  GD.  4872  nicht]  weder  G.  4873  wil]  vil  WF.  nach  FS. 
4874  so  fehlt  F. 


167 

4875  ain  ander  pues  geben  schier, 

wann  die  pues  mag  ich  nicht  volpringen." 

do  gedacht  der  ainsidel  in  seinen  sinnen: 

„ich  furcht,  er  vall  in  ain  verzagnuss," 

und  sprach  zue  dem  dieb  alsus: 
4880  „mein  lieber  prueder  zarter, 

wo  du  vindest  unsers  herren  marter 

an  dem  weg  vor  dir  sten, 

da  soltu  nimmer  für  gen, 

du  chniest  nider  auf  deine  chnie 
4885  und  peut  im  dein  reverenz  alhie 

mit  ainem  pater  noster  und  ave  Maria." 

das  selb  verhies  im  der  dieb  alda. 

do  vergab  der  ainsidel  an  der  stund 

dem  dieb  alle  seine  sund. 
4890  darnach  gieng  der  dieb  pald 

von  dem  ainsidel  aus  dem  wald. 

do  chomen  den  dieb  sein  veint  an. 

do  wolt  der  dieb  fliehen  davon, 

und  an  der  flucht  do  sach  er 
4895  unsers  herren  marter  mit  grossem  ser 

vor  sein  an  dem  wege  sten. 

do  gedacht  der  dieb:  „ich  sol  nicht  für  sich  gen, 

ich  sol  mein  pues  alhie  volpringen," 

und  chniet  nider  in  dem  gedingen 
4900  für  das  chreuz  und  petet  alda 

ain  pater  noster  und  ain  ave  Maria, 

und  die  weil  er  petet  in  dem  sin, 

do  chomen  sein  veint  und  toten  in. 

und  do  er  tot  da  was  gelegen, 
4905  do  chomen  zwen  engel  dem  ainsidel  engegen 

und  fuerten  sein  sei  in  das  himelreich. 

das  sach  der  ainsidel  als  geleich 

und  gedacht  in  seinen  sinnen  des: 

4885  dein]  die  G.  alhie]  hie  WGD.  ie  S.  4887  im  der  dieb]  er  im  GD. 
4889  alle]  aida  FS.  da  alle  sein  schuld  GD.  4894  do  fehltF.  4895  grosser 
er  F.  4896  von  verr  an  WSGD.  4897  deub  F.  für  sich]  für  G.  4898 
allzeit  GD.  verpringen  W.  4901  und  ave  W.  4904  da  fehlt  S.  4905 
dem  ains.  zw.  engel  eng.  WSG.  4908  do  gedacht  er  im  in  F.  seinem  sinne  D. 


168 

„warumb  solt  ich  hie  püessen,  ich  enwais  umb  wes, 
4910  und  hie  in  disem  walde  stan? 

nu  hat  der  dieb  nie  chain  guet  getan 

und  sein  sei  vert  doch  schon 

in  des  himelreiches  tron, 

darumb  das  er  zu  ainem  mal 
4915  hat  gepeicht  sein  sunde  all. 

seit  mir  daz  ist  worden  chunt, 

das  das  himelreich  als  leicht  anchumpt, 

warumb  wolt  ich  denn  hie  beleiben? 

ich  wil  auch  mein  zeit  davor  vertreiben." 
4920  und  gieng  von  seiner  closen  hin. 

do  gewan  der  teufel  gewalt  über  in 

und  tet  nach  seinem  alten  sitt 

und  legt  dem  ainsidel  ain  wit 

in  den  weg,  da  er  gieng  prangen, 
4925  das  er  darin  muest  behangen, 

und  viel  sich  ze  tot  alsus, 

wann  es  was  gotes  verhengnuss. 

also  der  ainsidel  starb 

und  fuer  sein  sele  und  verdarb 
4930  nider  zue  der  helle  grünt, 

das  si  nimmer  dannen  chumpt, 

darumb,  daz  er  nicht  nach  volget 

dem  leben,  daz  er  angevangen  het. 

Von  der  unstät  schreibt  man  das, 
4935  das  ze  Rom  in  dem  senat  was 
grosser  chrieg  und  werren. 
diser  wolt  den  haben  zu  ainem  herren, 
so  wolt  der  ander  des  selben  nicht, 
wann  si  chriegten  all  umb  die  geschieht. 

4909  warumb]  nu  was  WSG.  wais  alle  HS.  wais  nicht  umb  GD.  4913  inj 
auf  hin  auf  hin  auf  G.  auf  hin  auf  D.  4915  all]  alda  WSGD.  4916  das 
mir  S.  4917  als]  so  F.  4918  alhie  SGD.  4920  clusen  GD.  4923  legt 
dem  teufel  ain  GD.  4925  er  fehlt  S.  hangen  GD.  4929  und]  do  SGD. 
ferfur  S.  4932  nicht]  nimmer  GD.  4936  gewerren  G.  4937  fehlt  W. 
wolt  haben  den  z.G.  4938  diser  wolt  den  andern  des  selben  nicht  W.  des] 
den  GD.  4939  all  umb  die  geschieht]  si  under  in  W. 


169 

4940  und  also  chriegten  si  under  in 

ainer  her,  der  ander  hin. 

und  do  der  chrieg  also  weret  in  der  stat, 

do  gedacht  im  des  der  senat: 

„zwar  wir  müssen  nu  doch  etwa  tuen, 
4945  damit  das  wir  gewinnen  suen,a 

und  sprachen  do  mit  gemainem  rat: 

„welcher  purger  in  der  stat 

hab  das  allerstätist  weib, 

des  selben  edlen  purgers  leib 
4950  sol  fürpas  unser  herr  und  chaiser  sein." 

nu  gedacht  im  des  ain  purger  rain: 

„ich  wais  wol  das,  das  ich  han 

das  stätist  weib,  das  ie  man  gewan ; 

aber  doch  wil  ich  es  beschawen, 
4955  das  ich  dester  pas  mug  getrawen." 

und  cham  zue  seinem  weib  gar  froleich. 

er  sprach:  „mein  weib,  nu  merke  mich! 

es  ist  ain  grosses  zisma  in  der  stat 

und  in  dem  ganzen  senat, 
4960  das  man  ie  chain  herren  wil  han, 

er  sei  danne  also  getan, 

das  er  hab  ain  sol  eich  weib, 

der  do  als  stät  sei  ir  leib, 

das  si  die  stätichait  hab  ob  allen  weiben. 
4965  der  selben  man  sol  fürpas  herr  beleiben. 

nu  waiss  ich  wol,  mein  höchster  zart, 

das  du  an  stätichait  pist  bewart, 

und  das  dir  chain  unstät  an  gesigt, 

wann  dein  stätikait  die  wigt 

4940  fehlt  W.  under]  wider  D.  4941  ain  herr  den  andern  hin  G.  4942 
chrieg  fehlt  F.  4943  des  fehlt  WD.  des]  da  G.  4944  nu]  im  WFSGD. 
etwie  W.  ettschwen  G.  4945  gewunnen  S.  4947  welcher]  wen*  herr  ir 
G.  velcher  ir  p.  D.  4950  und  unser  eh.  F.  und  auch  k.  G.  4952  fehlt  G. 
ich  wol  waiss  S.  nur  ein  das  F.  4953  weib  als  ie  S.  iemantF.  yeman  G. 
yemantz  D.  4954  ich  wil  F.  4955  ich  ir  d.  SD.  4957  fehlt  F.  sprach 
zu  seinem  w.  S.  4958  grosse  sach  F.  grosse  zwitracht  D.  4960  ie]  ir  G. 
4961  dennG.  also]  als  wol  W.  4964  hab  fehlt  G.  si  tue  st.  ob  D.  4966 
höchstu  G.  höchste  D.  zart]  hört  F.  4968  dir  auch  k.  G.  stätikait  D. 


170 

4970  ser  für  aller  frawen  stat. 

macht  du  sein  also  gerat, 

das  du  behaltest  das  püchslein  mir 

und  das  du  darein  nicht  luegest  schier, 

so  wirstu  frau  und  chaiserin. 
4975  so  ist  verswunden  all  dein  pein 

und  ich  wird  chaiser  und  herr. 

was  bedorft  wir  fürpas  njer?" 

die  frau  die  jach:  „mein  höchster  hört, 

es  haben  soleich  chraft  deine  wort 
4980  gen  mir  gehabt  von  chindes  jugent, 

was  mir  gepeut  dein  hohe  tugent, 

das  ich  das  pilleich  halten  sol." 

der  man  der  sprach:  „nu  tue  so  wol, 

und  schau  mir  in  das  püchslein  nicht, 
4985  wann  all  unser  ere  war  enwicht." 

die  frau  die  jach:  „du  bedarft  nicht  sorgen, 

ich  wil  es  halten  also  verporgen, 

das  uns  chain  schad  sol  geschehen." 

der  man  der  sprach  auf  clueges  spehen: 
4990  „frau,  behaltz  mit  cluegem  sin 

neur  vier  tag,  das  du  icht  luegest  darin, 

so  werd  wir  aller  sorgen  an." 

die  frau  die  sprach:  „mein  lieber  man, 

du  bedarft  mirs  nicht  enphelhen  mer, 
4995  ich  wais  wol  zwar,  das  unser  er 

an  dem  püchslein  alle  leit. 

was  möcht  mich  helfen  ain  solich  streit?" 

do  nam  der  man  das  püchslein 

und  tet  darein  ain  zeiselein, 
5000  und  vermacht  es  vaste  zu 
4970  ser]  fast  GD.  all  FD.  alle  G.  stät  GD.  4971  geraitt  F.  beraett  G. 
gerät  D.  4972  du  fehlt  F.  4973  das  fehlt  D.  4975  so]  und  D.  4976 
ich  fehlt  F.  wird  auch  G.  herreF.  4977  bedorff  F.  bedörftGD.  wir  denn 
f.  GD.  mereF.  4978  sprach  WSGD.  4979deinewG.  4981  was]  wann  G. 
4982  haben  S,  4983  man  jach  WSGD.  tuon  G.  4985  er  die  w.  D.  4986 
sprach  WSGD.  darftD.  4987  es  also  halten  G.  4988  besehenen  D.  4989 
jach  WSGD.  4990  behalt  W.  4991  nicht  WD.  nitG.  4992  alleG.  4993 
fraw  sprach  WD.  aller  liebster  GD.  4994  bedarstWF.  bevelhen  D.  4996 
alle  an  d.  p.  1.  G.  alles  WS.  4997  behelfen  G.  4999  zinslein  GD. 


171 

er  sprach:  „mein  frau,  nu  warte  du, 

das  du  das  püchslein  behaltest  mir, 

als  ich  es  hao  enpholhen  dir; 

so  ge  wir  wol  der  sälden  steg." 
5005  der  man  saz  auf  und  rait  enweg. 

die  frau  gewan  ain  soleich  pein, 

si  gedacht:  „was  ist  in  dem  püchslein, 

das  man  mirs  so  enpholhen  hat? 

zwar  da  leit  inne  der  sälden  rat. 
5010  was  chans  geschaden,  ich  lueg  darein? 

mein  man  der  wirt  sein  nimmer  inn. 

ich  wils  versuechen  auf  mein  er." 

damit  nam  si  das  püchslein  her 

und  tet  das  auf  an  underlass, 
5015  do  flog  der  vogel  seine  strass. 

do  gewann  die  frau  grosses  lait, 

si  nam  das  püchslein,  als  man  sait, 

und  legt  es  wider  an  sein  stat. 

do  cham  der  man  geritten  drat. 
5020  der  sprach:  „pring  mir  mein  höchste  chron, 

was  ich  dir  frau  enpholhen  han, 

so  hat  unser  armuet  ende." 

die  frau  die  was  do  nicht  behende 

ze  laufen  nach  dem  püchslein. 
5025  si  sprach:  „mein  man  und  herre  mein, 

mir  sol  trauren  immer  sein  berait, 

das  machet  mein  unstätikait. 

was  mir  enphalch  dein  süesser  mund, 

das  prach  ich  zue  der  selben  stund." 
5030  der  man  ward  zornes  gar  vol 

und  sprach:  „das  sich  ich  sicher  wol, 

das  chain  weib  hat  stätikait." 

5001  erj  und  G.  nu  warte  du]  gross  warte  tue  GD.  5004  gang  GD. 
5005  hinweg  D.  5006  frau  die  g.  S.  5007  ist  nu  in  GD.  5008  mir  S, 
so  vast  e.  GD.  5009  darinn  leit  der  sälde  G.  5010  chans  aber  g.  GD. 
darinn  F.  5011  sein]  sy  G.  5013  da  nam  S.  5015  daz  fögellin  hy  G. 
5020  pring  mir]  nun  i^ring  F.  5022  a.  ain  e.  FG.  5025  sprach  man  W. 
5030  gar  fehlt  F.  ward  gar  z.  S.  m.  der  ward  da  zornes  vol  G.  m.  do 
ward  des  z.  v.  D. 


172 

si  sprach:  „ich  hiet  dirs  vor  gesait, 
das  die  weib  vil  unstät  haben." 
5035  aber  mit  Urlaub  sol  raans  sagen, 

was  ist  darumb?  si  sein  doch  weib, 
so  sein  si  auch  vil  laidvertreib 
gen  den  mannen  mit  irer  frucht. 
wa  frawen  er  ist,  da  ist  alle  zucht." 

Von     der     mässichait. 

5040  Das  ist  die  rechte  mässichait 

nach  dem,  als  das  Tulius  sait, 

der  do  zwinget  seinen  muet, 

das  er  nicht  übermässleich  tuet. 

mas  hat  doch  zwaierlai  mainung, 
5045  die  erst  ist  zwingen  die  begirung 

seins  gemüetes,  die  von  der  sele  chumbt, 

die  selbe  mässichait  vast  frumbt. 

die  ander  mässikait  ist  zwingen 

seinen  willen  in  allen  dingen, 
5050  es  sei  gen  uncheusch  oder  gen  hochfart, 

oder  was  sich  von  naturleicher  art 

erhebt  in  des  menschen  fantasei. 

und  welcher  mensch  dann  ist  so  frei, 

das  er  dem  allen  mag  widerstan, 
5055  das  haist  man  leidichait  der  person, 

und  die  selb  ^gedultige  leidichait 

die  ist  pesser  wann  die  mässichait. 

Die  mässichait  die  geleichet  man 
dem  chämlein,  als  ich  vernomen  han. 
5060  das  selb  ist  von  naturleichem  streit 

5033  hett  WGS.  5035  man  ins  s.  GD.  5038  ir  F.  5039do]dazG.  5041 
das]  uns  FG.  das  fehlt  D.  5043  ubermessikleich  SG.  über  messigkaitD. 
5044  mauss  die  haut  zw.  G.  doch  fehlt  D.  5045  d.  erste  beginnet  und 
zwinget  die  b.  F.  erst  zwingung  der  begierung  S.  erst  die  i.  D.  ist  fehlt 
WB.  5046  sele]  selben  S.  von  ir  selbe  B.  5047  m.  ist  fast  G.  5051  von] 
gen  S.  5053  ist  dann  FS.  dann  fehlt  B.  5054  den  allen  WB.  dem  mag 
allen  w.  F.  5055  man  fehlt  G.  1.  in  der  p.  FGD.  ledichait  F.  5056  ge- 
dult  ledichait  F.  selb  gedultigkait  GD.  5057  wann]  dann  F.  denn  G. 
V.  5058—5069  fehlen  B.  5059  kemeltier  GD. 


173 

gar  uncheusch  ze  aller  zeit, 

wann  indert  chain  ander  animalia. 

wann  es  luff  ainer  gamalia 

nach  mer  wann  hundert  meil, 
5065  das  es  sei  nur  sehen  solt  ain  weil, 

und  hat  doch  ain  soleich  mässichait, 

das  es  belib  an  alle  uncheuschait, 

ee  das  es  mit  seiner  mueter,  als  man  gicht, 

chain  uncheusch  tribe  icht. 
5070  Tulius  spricht:  „hab  lieb  die  mässichait, 

wann  si  nimpt  alle  überflüssichait." 

Seneca  der  maister  spricht: 

„chain  pesser  herschaft  wolt  ich  nicht, 

wann  mich  selben,  das  waiss  ich  wol.44 
5075  darumb  spricht  Ofidius,  man  sol 

ze  hert  chain  ding  verpieten  nicht, 

wann  es  liebt  dester  mer,  als  man  gicht. 

Tolomeus  spricht:  „widerste  dem  willen  dein 

in  deiner  jugent,  die  weil  es  mug  gesein, 
5080  wann  pringestu  es  in  die  alten  gewon, 

so  machtu  nimmer  lassen  davon.44 

Socrates  leret  seine  chint : 

„es  ist  pesser,  das  man  überwint 

die  begir,  die  da  peint, 
5085  wann  das  du  überwindest  dein  veint.44 

Ofidius  spricht  auch  offenbar: 

„wer  im  selber  nicht  gepieten  tar, 

wie  mag  der  andern  leuten  gepieten?44 

Plato  spricht:  „ich  wolt  in  mieten, 

5062  wann]  weder  GD.  nindert  S.  chain  fehlt  D.  chain  ander]  andrew 
tier  und  a.  G.  5063  lauft  F.  laufft  a.  gen  g.  GD.  5065  ain  klain  weil  GD. 
5067  beleibt  FGD  5069  uncheuschkait  S.  treibet  GD.  nicht  WS.  V.  5070. 
5071  fehlen  D.  5072  fehlt  B.  5073  posser  S.  pöse  D.  5074  das  wais 
ich  wol]  zu  aller  phlicht  B.  5075  sprach  FG.  5076  zehcre  S.  hert  ver- 
pieten kain  dinge  n.  G.  5077  beleibt  F.  lebt  G.  V.  5078  —  5085  fehlen 
D.  5078  Tolomeus  spricht]  und  B.  5079  mag  BSG.  sein  BS.  5080  die] 
den  G.  5081  magst  du  W.  machstu  G.  dervon  BS.  5085  fehlt  G.  dein] 
dy  W.  5086  auch  fehlt  WBSD.  5087  selben  BS.  selb  G.  selbs  D  pieten 
WBSGD  getar  B.  5088  der]  er  allen  G.  pieten  GD.  5089  nieten  W. 


174 

5090  an  dem  ich  fund  die  siben  tugent: 

cheuschait  in  der  jugent, 

und  das  alter  fröleich  und  fruet, 

und  milt  in  grosser  armuet, 

und  mass  in  überflüssichait, 
5095  und  diemuet  in  mächtikait, 

und  gedultig  in  betrüebnuss, 

und  übersehen  widerwärtige  beswärnuss." 

Seneca  der  maister  sait: 

„chain  ding  ist  für  die  mässichait, 
5100  wann  si  ist  ain  maisterin 

aller  deiner  fünf  sinn." 

Von  der  mässichait  sagt  die  historje, 

das  si  sei  ain  pluem  aller  glorje, 

und  sait,  das  der  römisch  senat 
5105  wolt  geben  mit  gemainem  rat 

das  chaisertum  Lucio  Emptinato, 

dem  gepauren,  der  do  hiez  also. 

durch  die  werch  seiner  tugent, 

die  er  pflag  von  chindes  jugent, 
5110  darumb  wolt  man  im  das  hoch  ampt  geben. 

do  het  er  ain  solich  mässleich  leben, 

das  er  das  chaiserleich  ampt  nicht  wolt 

auf  nemen  umb  chainerlai  solt, 

wann  er  maint  in  armuet  lieber  alten 
5115  und  das  volk  mit  tugent  behalten, 

wann  das  ers  verlur  in  chaiserleich  er  wird 

und  doch  nicht  möcht  sein  nach  seiner  begird; 

wann  man  alzeit  ainen  chaiser  nam 

nach  den  werken  und  nicht  nach  dem  stam. 

5120  Von  der  mässichait  list  man 
in  der  historje  von  Rom, 

5090  find  S.  5094  und  waz  mass  G.  5095  in  der  m.  GD.  5096  und  fehlt 
BFSG.  gedult  F.  5097  fehlt  B.  und  fehlt  FSGD.  w.  in  b.  G.  V.  5102 
—  5170  fehlen  B.  5107  pauren  GD.  haisset  G.  5108  seiner  rechten  t. 
F.  5110  hoch  fehlt  D.  5111  massig  G.  meszig  D.  mässikleich  W.  5114 
wann  fehlt  GD.  in]  an  S.  5115  tugenden  halten  F.  5116  er  W.  wird] 
er  GD.  5117  girde  S.  gire  F.  beger  GD.  5121  historien  SG. 


175 

das  die  römische  macht 

den  chünig  von  Zipern  darzue  pracht, 

das  er  muest  ir  bezinster  sein, 
5125  wann  da  was  nicht  widersatzes  ein. 

do  sandt  der  chünig  in  die  römischen  stat 

allen  seinen  schätz  dem  senat 

und  hiez,  das  man  das  selbe  golt 

iegleichem  geb,  der  es  nemen  wolt. 
5130  und  do  die  poten  giengen  in  den  gassen, 

do  wolt  si  niemant  ein  lassen 

mit  dem  schätz  und  Hessen  si  gen  für 

und  iederman  versloss  sein  tür 

vor  dem  guet,  als  vor  ainem  versmachten  tadel, 
5135   wann  es  was  der  römisch  adel 

mit  der  tugent  durchflössen  so  rain, 

das  si  nicht  achten  gold  noch  gestain. 

darumb  hat  der  maister  gesait: 

„secht  an,  wie  ain  mässichait 
5140  ist  gewesen  in  der  mueter  aller  weit, 

das  si  nicht  hat  geachtet  chainerlai  gelt." 

In  der  bistorje  von  Troja 

list  man  von  der  temperancia, 

das  ain  chünig  was  aldo. 
5145  der  selbe  hiez  Priamo, 

und  ainer  der  hiez  Coardus, 

der  was  ain  grosser  philosophus. 

nu  hört  der  chünig  von  dem  maister  sagen, 

das  niemant  lebt  in  den  tagen, 
5150  der  do  darzue  immer  töchte, 

das  er  den  maister  betrüeben  möchte. 

des  wolt  der  chünig  nit  geruechen, 

5124  er  in  zinsper  muost  sein  G.  bezinser  S.  5125  da]  das  FS.  nichte 
widersatze  ein  G.  widersatz  ein  D.  5126  römische  G.  5129  iegleichem 
gaben  das  er  n.  F.  iegleichem  solt  geben,  das  er  n.  S.  5130  den]  die  G. 
5131  sewF.  5132  sewF.  5136  durchschlossen  GD.  5  1  37  sew  F.  achtoden 
G.  edel  gest.  GD.  5141  hat  fehlt  F.  5142  historien  S.  5145  selb  der 
GD.  5146  der  fehlt  G.  5148  nu  der  künig  hört  v.  G.  5149  daz  da  n. 
G.  das  do  nymantz  D.  5150  do  fehlt  GD.  nymer  FGD.  dacht  F.  5151 
macht  F.  5152  das  S.  nit  fehlt  G. 


176 

er  wolt  das  also  icht  versuechen, 

ob  er  in  möcht  darzue  üeben, 
5055  das  er  sich  davon  wurd  betrüeben, 

und  schickt  do  aus  nach  alt  und  jung. 

die  do  hetten  die  bösten  zung, 

die  solten  in  schelten  all  getön, 

ob  er  betrüebet  wurd  davon. 
5160  ir  ainer  sprach:  „nu  sage  an, 

von  was  geslächtes  ist  dein  stam?" 

der  maister  antwurt,  als  man  list, 

und  sprach:  „mein  geslächt  das  ist 

alzeit  an  dem  anefank, 
5165  so  ist  das  dein  an  dem  ausgank, 

wann  mein  geslächt  ist  pesser  für  mich, 

so  ist  das  deine  pöser  für  dich." 

ain  ander  sprach  do  zehant : 

„schau,  wie  schön  ist  dein  gewant." 
5170  der  maister  sprach:  „das  war  ain  wunder, 

man  chennt  nicht  ieute  pei  dem  plunder, 

aber  pei  den  werken  wol." 

der  dritt  der  sprach:   „schau,  wie  hol 

ist  im  gemacht  sein  raides  har!a 
5175  der  maister  sprach:  „man  vindt  nicht  gar 

die  tugent  in  dem  hare, 

si  leit  in  dem  herzen  gare." 

do  sprach  ain  ander  schelter: 

„herr  der  chünig,  er  ist  ain  specher; 
5180  ich  sach  in  heut  in  Chriecher  velt. 

hocher  chünig,  das  selb  ich  meld." 

Coardus  der  weis  do  sprach: 

„zwar  und  westestu  die  sach, 

5153  also  icht]  ie  F.  icht]  ie  GD.  5154  darzu  mocht  F.  5155  wurd] 
mocht  F.  5156  alten  G.  und  nach  i.  F.  jungen  D.  5157  die  allerpösten 
FD.  pesten  S.  zungen  D.  5158  die]  do  F.  5161  schlachtes  W.  5163  das 
fehlt  S.  5165  fehlt  GD.  an  dem  fehlt  S.  5168  ander  der  sp.  W.  da 
fehlt  W.  so  S.  5169  dein]  sein  WSGD.  5172  den]  seinen  BFSGD.  wol 
besunderB.  5173.  5174  fehlen  B.  5173  hol]  wolGD.  5174  im  fehlt 
G.  5175  der  maister  sprach  fehltB.  5176  an  S.  V.5178 — 5231  fehlen 
B.  5179  der]  her  F.  spelter  S.  5181  hocher]  edler  W.  5182  der  der  w. 
S.  do]  der  F.  5183  und  fehlt  F. 


177 

du  sagtest  villeicht  nimmer  nicht." 
5185  do  sprach  ain  ander  darauf  gericht : 

„schau  an  den  verschämten  leib, 

ain  frömder  man  minnet  dir  dein  weib." 

der  maister  antwurten  do  begund 

und  sprach:  „es  ist  ain  lange  stund, 
5190  das  du  poshait  kündest  leren. 

nu  wanne  wildu  wider  cheren, 

das  du  auch  lerest  niemant  schelten? 

wann  man  lobt  dich  darumb  vil  selten." 

ain  ander  sprach:  „hör  schöneu  mär, 
5195  wie  fraislich  redt  der  verrätär  !a 

der  maister  sprach  mit  senftem  sin : 

„zwar  ich  sprich  albeg  zue  in, 

zue  den,  die  da  sprechent  das, 

das  du  sullest  sein  zungen  laz, 
5200  das  si  sich  selber  daran  betriegen." 

ain  ander  der  chund  noch  pas  liegen. 

der  sprach:  „schaut  an  den  dieb  unrain, 

er  furcht  nicht  schäm  groz  noch  ciain." 

der  maister  antwurt  an  der  stat: 
5205   „zwar  und  westestu  die  tat, 

si  chäm  nimmer  für  deinen  mund." 

do  sprach  ain  ander  darauf  ze  stund  : 

lazz  wir  stan  den  narren  dort, 

er  wänt,  er  rede  der  weishait  ort." 
5210  do  swaig  der  maister  Coardo. 

do  sprach  der  chünig  Priamo: 

„warumb  antwurtest  da  nicht  mer?" 

der  maister  sprach:  „es  ist  pesser 

sweigen  zue  soleicher  antwort, 
5215  wann  wa  man  geit  so  snödeu  wort, 

da  nutzt  man  die  oren  ze  maniger  stund 

5184  villeicht]  pilleich  S.  5186  unverschampten  GD.  5187  nimpt  GD. 
5188  dj  antw.  F.  5192  lerest  fehlt  F.  5193  vil]  gar  F.  vil  fehlt  G 
5195  frässleich  F.  frafleich  S.  frausslich  G.  5197  sprach  D.  zue  im  SG. 
5198  denn  die  die  da  F.  da]  das  S.  5199  solt  FGD.  los  F.  5200  selber 
fehlt  GD.  5201  der  fehlt  F.  5203  schäm  wider  gross  G.  5206  dein 
FGD.  5209  hört  WGD.  5215  so]  sollichew  G. 

Zingerle,  Vintler.  12 


178 

mer,  wann  die  zungen  in  dem  mund. 

man  mag  in  nicht  schelten  pas, 

wann  er  schilt  sich  selber  an  underlas, 
5220   wann  er  ist  nur  ain  chnecht, 

seiner  zungen,  die  do  redt  unrecht, 

so  pin  ich  also  geporen, 

das  ich  pin  ain  herr  meiner  oren.44 

und  do  der  chünig  die  mässikait  sach 
5225  zu  dem  maister  er  do  sprach: 

„nu  sitz  her  neben  mich 

und  beschaid  mich  gar  aigenlich, 

wie  du  das  habest  mugen  vertragen, 

das  man  dich  so  hat  beclagen 
5230  und  das  du  doch  nie  wurd  betrüebt.44 

der  maister  sprach:   „ich  pin  geüebt, 

das  ich  pin  ain  herre  meiner  zungen, 

so  ist  die  ir  alzeit  betwungen, 

das  si  nimmer  getar  sagen 
5235   chain  gerech tikait  aus  irem  chragen. 

und  davon  ain  iegleich  man, 

dem  do  wirt  smachait  getan, 

der  sol  gedenken  ze  aller  zeit, 

ob  das  als  war  sei,  des  man  im  schuld  geit. 
5240  ist  es  dann  war,  das  man  gicht, 

so  sol  er  ie  zürnen  nicht, 

wann  der  schuldig  sol  übersehen.44 

auch  hört  man  von  den  weisen  jenen  : 

„wenn  man  ain  lug  von  dir  spricht, 
5245   des  selben  soltu  achten  nicht.44 

und  darumb  ist  chain  grösser  räch 

und  die  dem  lugner  sei  so  swach, 

wann  das  man  der  lug  nicht  achten  sol, 
5217  mer  fehlt  FSG.  in]  an  S.  V.  5220.  5221  fehlen  S.  5220  wann 
fehlt  GD.  nur]  mir  auch  GD.  5225  maister]  philosopho  WSG.  philosophus 
D.  5226  sitzt  hie  n.G.  sitz  du  hie  n.  D.  5227  mich  fehlt  G.  5228  haben 
mugestWS.  habest  mugentD.  5229  also  hat  tuen  verklagen  GD.  hat  so 
S.  so  fehlt  D.  5233  so  ist  die  der  klaffer  alzeit  von  gewonhait  betwungen 
B.  5234  tar  G.  5237  smaychait  SG.  5239  des]  das  BG.  5244  gicht  S. 
5245  das  selb  D.  selben  fehlt  F.  5247  die  fehlt  GD.  den  lugnärn  F. 
5248  lugin  D. 


179 

das  macht  den  lugner  schänden  vol. 

Von     der     unmässichait. 

5250  Die  rechte  unstätikait 

das  ist  ain  wäre  unmässichait, 

als  das  sagt  Petrus  Damascenus, 

wer  alle  ding  tuet  alsus 

nach  seinem  willen  es  schad  oder  frumbt, 
5255  geleich  als  es  im  in  das  herz  chumbt. 

IJnmässikait  treiben  hueren  und  lotter. 

die  selben  geleicht  man  dem  otter, 

wann  er  ist  als  gar  unmässig 

und  als  gar  durchfrässig, 
5260  das  er  den  summer  claubet  in  sein  hol, 

wes  er  den  winter  leben  sol. 

doch  nimpt  er  ze  vil  der  Übermas, 

das  es  im  erfaulet  als  ain  as, 

und  erstenkt  sein  aigen  haus  damit. 
5265  dannoch  hat  er  ainen  sitt, 

das  er  vor  dem  luege  leit 

und  hüetet  des  ases  ze  aller  zeit, 

und  wenn  der  otter  hüetet  voren, 

das  tuet  dem  fuchs  gar  und  gar  zoren. 
5270  so  gräbt  er  hinder  dem  otter  ein 

und  nimpt  im  dann  das  essen  sein. 

also  ist  er  hinden  und  voren  gelaicht. 

so  chumpt  der  fuchs  dann  und  smaicht 

Nach  V.  5249  folgt  B. : 

zwar  und  westest  du  die  sach  auf  mich, 

du  sagtest  villeicht  nimmer  nicht. 

zwar  und  war  dir  die  tat  auf  mich  kunt, 

si  cham  villeicht  nimmer  für  deinen  munt. 

also  macht  du  gen  aim  schelter  wol  sprechen. 
Vrgl.  hiezu  V.  5184.  5185.  5205.  5206.  Nach  5251  hat  B.  und 
ist  ain  fundament  aller  boshait.  Vrgl.  V.  5289.  V.  5256— 5275  fehlen  B. 
5256  lotern  S.  5257  man  auch  d.  W.  ottern  S.  5258  der  F.  5260  sein] 
ainS.  5263  er  erfult  in  als  G.  5265  er  fehlt  F.  er  an  im  ain  s.  G.  5268 
huet  da  vorn  d.  G.  ases]  haus  D.  V.  5269—5348  fehlen  F.  5269  gar 
und  gar]  fast  G.  und  gar  fehlt  D.  5271  dann  fehlt  D.  asse  D.  5272 
hindan  |  fornan  G. 

12* 


180 

dem  otter,  das  er  im  gebe  des  ases  sein; 
5275   so  hat  es  der  fuchs  vorhin  hin. 

Plato  spricht,  die  unmass 

die  sei  ain  tadel  gross, 

das  von  ir  chumpt  alle  poshait. 

Faro  spricht:   „der  schänden  clait 
5280  tragen  die  unmässigen  an." 

Seneca  spricht  auch  davon, 

das  das  guet  der  unmässigen  herren 

umb  nichte  mug  lang  geweren. 

sand  Augustin  sprach  vermessen : 
5285   „ich  wolt  mit  got  lieber  essen 

guet  visch  mit  der  mass, 

wann  mit  Esau  linsen  als  ain  frass." 

ich  mag  sprechen  von  der  unmässikait, 

das  si  sei  ain  fundament  aller  poshait, 
5290  als  man  das  list  gar  eben 

in  der  altväter  leben, 

das  ainst  ain  hübsche  junkfrau  was, 

die  hiez  Latine,  als  ich  das  las. 

die  lebt  als  erleich  und  als  eben, 
5295  als  ain  junkfrau,  die  do  mocht  leben. 

nu  hört  die  junkfrau  so  manig  geteusch 

von  der  lieb  der  uncheusch, 

das   si  ir  gedacht  in  irem  muet: 

„zwar  ich  wil  es  versuechen,  wie  es  tuet," 
5300   und  schickt  nach  ainem  für  sich  do. 

der  selbe  hiez  Ensino, 

den  het  si  also  aus  erlesen 

für  alle  weit  in  disem  wesen. 

der  jungeling  cham  an  der  stet 

5274  daz  ausen  sein  G.  daz  asse  s.  D.  5275  hin  fehlt  G.  5277  t.  also 
gr.  GD.  5279  seh.  ain  kl.  G.  5283  nicht  SG.  weren  GD.  V.  5284  — 5288 
fehlen  D.  5287  ainer  sew  B.  V.  5288  — 5362  feh  len  B.  5288  ich 
mag  geleichen  von  der  uncheuschait  W.  gesprechen  G.  man  spricht  von  D. 
5290  das  fehlt  G.  5291  alten  v.  S.  5292  das]  da  in  S.  ainost  G.  schönew 
G.  5293  Jatiene  (?)  W.  Jatine  S.  Jacine  GD.  das]  da  G.  do  D.  5295 
mocht  leben]  lebet  G.  5301  selbig  S.  hiess  mit  namen  Enismo  GD.  5302 
also]  ir  D.  5303  all  dise  weit  S.  all  diss  G.  all  die  w.  D.  5304  die  D. 


181 

5305  und  legt  sich  zu  ir  an  ain  pet 

und  tet  also  den  willen  ir; 

und  do  erfüllet  ward  ir  gir, 

do  gedacht  si  erst  an  die  grossen  schäm, 

die  von  der  üncheusch  auf  sei  cham, 
5310  und  das  ir  der  mag  tum  was  genomen, 

das  si  nimmer  mochte  wider  chomen. 

davon  si  ain  solich  unmass  begieng, 

das  si  sich  selber  do  erhieng. 

das  selb  tet  hie  vor  Judas. 
5315  herr  gib  mir  ain  soleiche  mass, 

das  ich  dich  lob  mit  sand  Michel, 

wann  du  pist  in  der  geläubigen  sei 

als  ain  präutigam  an  seinem  prautpet, 

und  als  ain  chünig  an  seiner  stet, 
5320  und  als  ain  turn  vor  chüniges  stuel, 

und  als  ain  maister  in  der  schuel, 

und  als  ain  liecht  in  ainer  vinster. 

dein  gnad  geit  ain  soleich  glinster, 

das  manig  sele  wirt  gar  wacker. 
5325  du  pist  der  schätz  in  dem  acker, 

du  pist  der  wein  in  dem  cheller, 

du  pist  der  sterkist  in  dir  selber, 

du  pist  der  clar  karfunkelstain, 

der  do  leit  in  golde  rain. 
5330  also  chanst  du  dich  ein  verwarken. 

du  pist  das  prot  in  der  archen, 

und  als  das  insigel  den  brief  chan  zieren, 

also  chanst  du  dich  ein  formieren, 

5305  an  fehlt  W.  5306  also]  alda  S.  all  GD.    5307  do  da  G.  begir  D. 

5308  erstenS.  grosse  GD.  5309  die  ir  v.  D.  aufsei  fehlt  GD.  V.  5310. 

5311    fehlen  hier   und   folgen   erst  nach  5313  GD.     5313  Nun 

folgt  GD. 

umb  daz  daz  ir  der  [das  D.]  raagtum  was  genomen, 
und  daz  [des  D.J  nimmer  mocht  wider  komen. 

5314  hie  vor]  auch  GD      5315  herr  aber  gib  G.  mir  auch  ain  D.    5316 

Michahel  G.  Michael D.  5318  preutigerGD.  5319  an]  in  D.  5320  türD. 

5321  der]  seiner  GD.    5323  geit  fehlt  SG.    5327  die  sterk  GD.    5323 

funkelstain  G.  5330  ein  fehlt  S.  yerbarken  S.  verwerken  GD.  5331  der 

fehlt  S.  archen  D.  V.  5333  —  5359  fehlen  S. 


182 

das  du  «so  pist  an  manigen  steten. 
5335  du  pist  die  erznei  in  der  apoteken, 

du  pist  die  härphe  in  der  Wirtschaft, 

gedon  vach,  merke  dein  chraft, 

das  du  so  nicht  pist  ain  triegel. 

du  pist  ain  pilde  in  dem  spiegel, 
5340  du  pist  der  süesse  honigsaim, 

du  pist,  der  Adam  macht  aus  laim, 

du  pist  die  frucht  auf  dem  paum, 

des  nemen  alle  geste  gaum. 

du  pist  das  öle,  das  da  print 
5345  in  der  lampen  ane  underwint. 

du  pist  die  lilje  in  dem  tale, 

du  pist  der  uns  nam  unser  quäle. 

du  pist  in  den  creaturen  wunderleich 

und  in  dem  menschen  minnicleich, 
5350  und  in  den  engein  begirleich  zwar, 

und  in  den  heiligen  lustig  gar, 

und  in  dir  selben  unbegreifleich, 

und  in  den  pösen  unleidleich, 

und  in  den  verdampten  ain  erschreckung. 
5355  dannoch  so  lobent  si  dich  darumb, 

seit  du  dann  unleidlich  pist 

pei  den  pösen  ze  aller  frist. 

wie  sull  wir  sunder  danne  tuen, 

das  wir  gewinnen  deinen  suen? 
5360  so  mues  uns  helfen  die  mait, 

die  da  antrait  das  clait 

in  der  drivaltikait  das  quater, 

ich  main  mit  abba  dem  vater 

5334  so  fehlt  G.  jaD.  5335  den  D.  Nach  5335  folgt  in  GD. : 

o  Adonay,  ich  merke  dein  kraft, 

daz  die  geit  den  fruchtperlichen  saft 

und  tuest  daz  an  alles  triegen. 
5338  das]  da  W.  5339  den  spiegeln  D.  5341  der  da  G  5342  auss  GD. 
5343  des]  dem  W.  den  GD.  gaist  GD.  5345  lampe  G.  ampeln  D.  5346 
gilge  G.  gilg  D.  5347  uns  aussnam  auss  dem  q.  G.  aus  name  aus  quäle  D. 
5348  in]  auss  GD.  wunderperleich  D.  5351  dem  W.  lustlich  G.  5352 
selber  GD.  unbegriffen  lieh  D.  5353  unleidenlich  D.  5355  dich]  sich  G. 
5356  unledig  W.  unleidenlich  D.  5358  sullen  FS.    5363  appa  G. 


183 

und  mit  dem  sun  und  Ruha-gaist. 
5365  o  Maria,  ich  getrau  dir  allermaist, 

das  du  mir  helfest  für  dein  chint, 

das  do  lag  vor  esel  und  vor  rint, 

und  den  der  engel  hiez  Jesus 

und  dem  die  heiligen  sprechen:  sanctus,  sanctus. 
5370  mein  Hans  Vintler  la  dervon! 

man  ist  an  dir  nicht  gewon, 

das  du  das  lamp  wild  so  visieren, 

das  Johannes  sach  mit  den  vier  tieren 

auf  monte  Syon  auf  dem  tron. 
5375  hietest  du  halt  witz  als  Salomon, 

dannoch  westest  du  die  minnist  sach. 

davon  so  hab  nur  dein  gemach 

und  fach  uns  wider  das  trauren  ledigen; 

wir  hören  ietz  nicht  geren  predigen. 
5380  seit  das  mans  dann  nicht  hören  wil, 

so  wil  ich  stecken  hie  mein  zil. 

Von     der     diemüetichait. 

Die  diemüetichait  ist  ain  götleich  rieht 

nach  dem,  als  Origines  spricht: 

„diemüetichait  die  ist  an  alle  gallen, 
5385  wann  si  wil  iederman  wol  gevallen; 

aber  du  solt  doch  haben  mass 

in  der  diemüetichait  an  underlass, 

und  hab  sei  auch  nicht  ze  lieb, 

das  si  dich  icht  in  den  tadel  schieb, 
5390  der  do  haisset  unwirdichait. a 

nach  dem,  als  Andronico  sait, 

5364  mit  wen  dem  W.  Ruha]  fehlt  S.  rüha  W.  hailigenFGD.  5367  und 
rindGD.  5369  sprachen  S.  V.  5370—5381  fehlen  D.  5370  Vincklär 
W.  Jadar  von  F.  lauss  davon  G.  5372  du  so  lang  wilt  vis.  G.  so  wil  F. 
5374  auf  J  in  FG.  5375  witz  halt  F.  5376  die  fehlt  G.  minsten  F.  minste 
G.  5377  nur]  nun  F.  so  u  n  d  dein  fehlt  G.  5378  sag  WSG.  ledige  WS. 
wider  trureledige  G.  5379  ietzund  F.  predige  SG.  5380  seint  mans  SG. 
5382  gericht  G.  grient  D.  5383  Orienes  WBS.  gicht  S.  5384  die  die- 
mutikait  ist  F.  die  fehlt  G.  5385  iedem  man  F.  5388  sy  WB.  sie  G. 
5389  icht]  nit  W.  fehlt  G. 


184 

das  der  tadel   der  unwirdichait  sei  ain  last, 

man  sol  sich  nicht  diemüetigen  ze  vast. 

iegleicher  soll  beleiben  in  seiner  art, 
5395  als  in  got  geordent  hat. 

diemüetichait  ist  der  hochfart  widerpart, 

auch  ist  diemüetichait  maniger  art. 

die  erste  ist  an  dem  erzaigen, 

das  sich  ainer  tuet  alzeit  naigen 
5400  gen  seinem  geleich  oder  undertan. 

auch  sol  man  diemuet  albeg  han, 

das  sich  ainer  niderer  sol  machen 

gen  seinem  hochwirdigern  in  allen  sachen. 

du  solt  dich  auch  nicht  rüemen  drat, 
5405  was  dein  leib  begangen  hat 

gueter  ding  auf  diser  erde, 

wann  es  wurde  got  unwerde. 

diemüetichait,  die  do  ist  an  eitel  er, 

die  pringt  von  got  genade  mer. 
5410  diemuet  hat  weder  hochfart,  hass  noch  neit, 

darumb  sei  got  seinen  freunten  geit. 

die  diemuet  die  lert  fürchten  den  pan, 

den  man  peut  pei  der  gehorsam. 

diemüetichait  die  ist  so  mugent, 
5415  das  aus  ir  choment  gar  vil  tugent. 

diemuet  pringet  er  und  guet, 

wer  die  gen  seinem  nächsten  tuet. 

du  solt  auch  haben  reverencia 

gen  deinen  obrem  mit  humilita, 
5420  davon  so  wirstn  lieb  und  wert 

gen  got,  der  dein  dann  auch  begert. 

Ich  mag  geleichen  dem  lämplem 
5392  sei  enlastF.  5393  soldF.  sich  auch  d.  nicht  ze  G.  5394  iedleichW. 
5395  in  daz  g.  W.  als  in  geordnet  die  gothait  h.  F.  5398  erst  die  i.WB. 
5399  allzit  tuet  G.  5402  sich  sol  ainer  indror  m.  F.  ninder  D.  5403 
fehlt  S.  hochwirdigen  GD.  5404  nicht  fehlt  G.  roemen  GD.  5408  an] 
ainFWBSGD  5411  siWBSG.  5412  diemut  lernetF.  fruchten  GD.  paum 
G.  pam  D.  5413  gepeut  B.  paut  GD.  5414  die  fehlt  FSGD.  5416  die- 
müetikait  GD.  5417  der  G.  5418  reverencias  W.  5419  deinem  BFGD. 
obern  Wß.  humlitas  W.  humilia  FSGD.  5420  so  fehlt  G.  V.  5422  — 
5430  fehlen  B. 


185 

die  diemuet,  als  das  ist  wol  schein, 

das  es  das  diemüefigst  tierel  ist, 
5425  als  es  lebt  zu  diser  frist; 

wann  was  man  im  ze  laide  tuet, 

das  nimpt  es  senftichleich  für  guet. 

darumb  haist  es  ain  engel  in  der  geschrift, 

als  man  das  von  im  lesent  ist. 
5430   es  spricht  Salomon  der  weise  man: 

„macht  dich  iemant  ze  ainem  amptman, 

darnmb  so!tu  erhöhen  dich 

nicht  ze  vast,  wann  es  vercheret  sich; 

wann  man  das  offenleichen  sait, 
5435  was  man  mit  ungerechtikait 

gewint,  das  sei  nicht  wol  getan 

und  chumpt  nicht  an  den  vierden  stam." 

Wer  reich  wil  werden  in  ainem  jar, 

den  selben  geleicht  man  dem  chürbis  zwar. 
5440  des  paum  der  wachst  in  churzer  frist 

noch  höher,  wann  der  tatler  ist, 

und  dorrt  auch  für  sich  an  der  stunt, 

als  pald  der  winter  an  in  chumpt. 

so  ist  der  tatelpaum  gemacht, 
5445  das  er  des  winters  gar  nicht  acht. 

auch  wachst  er  mer  dann  hundert  jar; 

so  muess  der  chürbis  für  sich  dar 

dorren,  als  seiner  natur  gezimpt. 

also  ist  es,  wer  da  pald  auf  nimpt 
5450  an  grossem  gewalt  und  an  guet, 

der  gewint  davon  so  hohen  muet, 

das  er  wirt  aller  poshait  swanger. 

so  chumpt  dann  Christan  in  dem  anger 

5422  lemlin  GD.  5424  dierauttig  tierlein  F.  tierlin  GD.  5427  senftich- 
leichen  WS.  5428  davon  WS.  schrift  W.  5429  als  das  man  das  G.  im 
daslesuntS.  5434  offenleichBFSGD.  5435  das  G.  unrechbikaitBF.  543-7 
auch  nit  G.  V.  5438—5454  fehlen  B.  5438  der  F.  well  WSG.  5439 
den]  die  FS.  selben  fehlt  W.  5440  der  fehlt  GD.  des]  der  D.  5441 
tätler  S.  tadel  G.  fcattelD.  5445  so  gem.  G.  5448  sein  G.  zimptS.  5450 
und  gut  S.  an]  auch  GD.  5451  so  fehlt  WSGD.  5453  dann  fehlt  GD. 
der  christmaa  W.  Cristus  D. 


186 

und  derrt  in  als  das  chürbisplat. 
5455  Salomon  auch  gesprochen  hat 

„wer  do  pald  reich  wil  werden, 

der  beleibt  nicht  lange  pei  den  eren. 

geleich  als  pald  er  auf  nimpt, 

als  pald  auch  er  dann  ab  chümpt." 
5460  ain  weiser  man  sol  albeg  denken, 

sich  möcht  mein  hohe  wird  wol  chrenken. 

Jesus  Syrach  der  sprach: 

„du  solt  nicht  begern  ze  hoher  sach, 

beger  auch  nicht  ze  grosser  sterk, 
5465  die  über  dich  sei,  das  merk." 

Jesus  Syrach  geit  den  rat: 

„ie  mer  der  mensch  wirde  hat, 

ie  mer  sol  er  sich  diemüetigen 

und  in  allen  sachen  güetigen, 
5470  wann  vil  genade  davon  chumpt." 
,     Christus  sprach  ze  maniger  stunt 

„wer  sich  diemüetigt  durch  den  willen  mein, 

der  selbe  sol  erhöhet  sein, 

und  wer  sich  dunket  der  höhist, 
5475  der  selbe  wirt  der  niderist." 

sand  Peter  auch  gesprochen  hat: 

„widerste  der  hochfart,  das  ist  mein  rat, 

wann  got  dem  diemüetigen  geit 

gross  genad  ze  aller  zeit." 
5480  sand  Gregorius  der  spricht: 

„es  chumpt  chain  tugent  nicht 

nimmer  von  grossem  übermuet, 

aber  wol  von  grosser  diemuet." 

Paulus  spricht,  ain  diener  Christ: 
5485  „si  haben  alle  ding  geschätzt  sam  mist, 
5454  dort  S.  das  fehlt  G.  5456  und  wer  B.  weren  FS.  5457  beleih 
WFS.  nit  pald  und  lang  G.  5459  er  ab  auch  dann  chumbtF.  er  dann  auch 
GD.  auch  fehlt  B.  5460  gedenkchen  W.  5461  macht  F.  hochwird  FSGD. 
wol  fehlt  G.  5463  zu  BFS.  5464  zu  S.  ze  fe  h  t  GD.  5465  sein  S. 
5466  der  geitWB.  5474  höh  ist  W.  höchst  G.  höhest  D.  5475  selbig  S. 
nidrest  G.  nyndrest  D.  5477  widerste]  du  solt  widersten  GD.  das  ist  mein 
rat  fehlt  FSGD.  5484  —  5495  fehlen  D.  5485  allB.  gesetzt  F.  als  GS. 
im  ist  S.  sam  ist  BF. 


187 

.  und  haben  auf  das  guet  nicht  geding, 

und  besitzen  doch  alle  ding," 

David  sprach :  „  die  senftmüetigen  die  sein  reich, 

wann  die  selben  besitzen  das  ertreich." 
5490  Aristotiles:  „wildu  ainen  menschen  recht  erchennen 

in  seinen  werken  an  allen  enden, 

so  gib  im  grosse  herschaft  ein, 

so  erplentest  du  im  all  sein  sinn. 

wann  der  pös  wirt  hochmüetig, 
5495  aber  der  guet  wirt  diemüetig." 

Longinus:  „geleich  als  der  vogel  zwinget 

sein  flügel,  wann  er  sich  swinget 

in  der  luft  zu  dem  fliegen, 

geleich  also  soltu  dich  auch  piegen, 
5500  das  du  diemüetigst  dich  so  ser, 

wildu  chomen  an  grosse  er." 

Aristotiles  spricht:   „er  iederman,  das  ist  guet; 

wann  die  er  ist  nur  des,  der  si  tuet." 

so  spricht  der  maister  Seneca: 
5505  „nicht  lob  die  leut  in  presencia." 

Socrates:  „chain  er  verleust  man, 

ob  si  halt  aim  snöden  wirt  getan; 

wann  man  vindt  doch  in  der  sum, 

das  in  die  weisen  loben  darumb." 
5510  Salomon,  der  weise  pot: 

„diemüetig  dich  gen  deinem  got 

und  naig  dein  haupt  gen  den  herren, 

wildu  lieb  gehabt  werden, 

und  chrieg  nicht  geren  mit  den  armen, 
5515  so  wirstu  nimmer  ze  erparmen." 

5486  daz  zittlich  guet  G.  gedingt  G.  5487  ding  gering  G.  5488  spricht 
BF.  diemuetigen  G.  5489  die]  sy  S.  himelrich  G.  5490  A.  spricht  G.  5491 
in]  an  BS.  5492  so]  und  F.  5493  verplentest  BSG.  die  sinnen  sein  G. 
allen  seinen  WS.  5496  L.  spricht  G.  5497  sich]  sy  W.  5498  der]  die 
F.  zu  dem]  ze  F.  5499  geleich]  tegleich  S.  auch  fehlt  FGD.  5500  du 
dich  allweg  d.  so  G.  serreF.  5501  wild  du  ot  a.  B.  wiltu  ett  eh.  G.  wiltu 
änderst  eh.  D.  in  F.  5502.  5503  fehlen  D.  5502  eren  G.  das  ist  fehlt 
S.  5503  der  fehlt  B.  des  fehlt  G.  5505  lob  fast  die  G.  5506  Socrates 
fehlt  B.  verlürt  D.  5510  weis  man  pott  F.  5511  diemutig  ger  dich  B. 
5512  den]  deinen  F.  5515  w.  in  nimmer  SGD. 


188 

Catho  spricht  in  seinem  rat: 

„gib  dem  höhern  deine  stat." 

Jesus  Syrach  der  sprach: 

„erwirdichait  die  ist  ain  sach, 
5520  die  do  ain  gueter  mensch  geit, 

si  pringt  auch  gen  ad  ze  aller  zeit." 

sand  Isiderus  uns  lert: 

„du  solt  dich  nimmer  dünken  so  wert, 

das  du  dich  immer  prechest  für 
5525  für  dein  oberen   an  chainer  tür; 

wann  es  präch  die  tugent  der  gehorsam." 

als  auch  spricht  her  Salomon : 

„das  weib  sol  sein  ündertan 

alzeit  irem  eeman." 
5530   Isiderus  der  weise  sait: 

„die  gehorsam  ist  ain  laiter  prait, 

damit  man  steiget  in  der  jugent 

in  die  summ  aller  tugent." 

Socrates  spricht:  „wildu  gevallen 
5535  den  gemainen  leuten  allen, 

so  nim  zu  dir  den  mantel  minnicleich 

der  gehorsam,  sich,  so  lobt  man  dich." 

von  der  danknemichait  spricht  Catho: 

„wann  dir  ain  mensch  geit  ain  claine  dono, 
5540  so  soltu  es  willicleich  enpfachen 

und  hab  darinne  chain  verschmachen." 

Galienus:   „wer  do  dient  treuleich  und  schon, 

der  selb  ist  wirdig  ains  grossen  Ion." 

maister  Alexander  sprach  hie  voren: 
5545   „das  edel  herz  ist  so  geporen, 

das  es  gedenket  frue  und  spat 

die  dienst,  die  man  im  getan  hat." 


5518  der  sprach]  gesprochen  hat  F.  5519  die  fehlt  SG.  5522  sand]  der 
maisterGD.  5524  dich  prechest  herfür  D.  5526  es]  er  all.Hds.  die  fehlt 
G.  korsam  GD.  5528  weib  das  s.  F.  5529  dem  iren  W.  5534  S  der  sp.  G. 
5537  sich  fehlt  F.  sich]  allweg  G.  5539  wann]  so  D.  chlain  gab  do  W. 
cl.  gab  also  D.  5542  Galienus  fehlt  WBSGF.  5544  spricht  GD.  5545 
also  GD.  5546  und  auch  G. 


189 

Von  der  diemüetiehait  so  list  man 
in  der  historje  von  Rom, 
5550  welchen  chaiser  man  aus  sant, 

und  der  do  cham  mit  sighafter  hant 
wider  in  die  römischen  stat, 
so  was  für  sich  da  der  senat 
mit  allem  römischen  gewalt, 
5555  si  wären  juuc  oder  alt, 

und  erputen  im  dann  drei  grosse  er, 
und  darnach  drei  schand  oder  mer. 
die  erste  er,  die  was  also, 
er  ward  gesetzt  auf  ainen  charren  do 
5560  mit  manigem  jubel  uud  gepärd 

und  het  vor  sein  vier  weisse  pherd, 
und  aller  povel,  was  des  was, 
der  gieng  dem  charren  nach  an  underlass 
unz  hin  an  das  capitol. 
5565  da  fuerten  si  in  auf  schon  und  wol. 
die  dritte  er  was  gar  lobleich, 

das  alle  gevangen  arm  und  reich, 

die  er  in  dem  streit  het  gevangen, 

die  wurden  gepunden  mit  strängen 
5570  hinden  an  dem  wagen  her. 

also  erpot  man  im  drei  er. 

darnach  erpot  man  im  zehant 

drei  uner  und  grosse  schant. 

die  erst  uner  die  was  die, 
5575  die  im  die  Romer  erputen  hie, 

si  satzten  zue  im  auf  den  charren 

ainen  ungeschaffen,  pösen  narren, 

V.  5548  —  5594  fehlen  B.  5548  so  fehlt  G.  5549  historien  G.  5551 
do  fehlt  G,  5552  wider  da  in  GD.  5553  was  fehlt  S.  der  weis  senat  G. 
5555  seu F.  oder]  und  S.  5556  erpieten  S.  enputten  GD.  im  da  GD.  gross 
zucht  und  er  G.  grosser  D.  im  dann  drei]  dem  chaiser  F.  5558  die  fehlt 
FS.  5559  wagen  WGD.  5560  manger  GD.  und  auch  GD.  5561  fehlt  F. 
5563  wagen  WDG.  au  allen  u.  G.  5564  hintz  SG.  5565  auf  und  schon 
u.  F.  5566  er  die  was  G.  5567  armen  W.  5570  den  F.  5571  pöt  W. 
5573  uner  die  waz  die  G.  und]  oder  D.  5574  fehlt  D.  5575  enputend 
GD.  5576  sew  F.  zue  im]  in  W.  5577  zu  ainem  W.  u.  fast  p.  n.  G. 


190 

als  si  in  indert  vinden  mochten. 

da  pei  si  in  ain  ebenpild  erdachten, 
5580  das  er  und  ain  iegleicher  man 

möcht  chomen  zu  ainer  soleichen  schäm. 

die  ander  uner  was  also, 

das  im  der  snöde  narre  do 

gab  manige  pöse  Scheltwort, 
5585  das  es  das  volk  alles  hört, 

und  sprach:  „du  solt  nicht  hochfart  haben, 

darumb  das  du  verst  auf  disem  wagen 

und  das  man  dir  gross  er  legt  zu  ; 

ich  bin  als  wol  ain  mensch  sam  du. 
5590  du  möchtest  noch  werden  geleich  als  ich. 

davon  lueg  eben  umbe  dich!" 

die  dritte  uner  was  wunderleich, 

das  in  mocht  schelten  arm  und  reich 

an  dem  tage,  so  er  sas 
5595  auf  dem  wagen,  der  des  siges  was. 

Von     der     hochfart. 

Die  hochfart  ist  ain  grosser  übermuet 

und  ist  alzeit  wider  die  diemuet, 

als  das  Aristotiles  spricht, 

das  die  hochfart  sei  anders  nicht, 
5600  wann  das  si  wil  haben  ainen  nam, 

das  si  wil  sein  über  iederman. 

die  hochfart  ist  in  manigerlai  gestalt. 

etleich  hochfart  wil  haben  grozen  gewalt 

mit  fürprechen  gen  seinem  geleich. 
5605  die  hochfart  ist  gar  wunderleich. 

narren  auch  vil  hochfart  haben, 

das  si  sich  ze  vil  vervachen, 

und  mugen  es  doch  nicht  ausrichten. 

5578  seu  F.  nindert  gefinden  GD.  5579  seu  F.  im  SGD.  erdochten  W. 
5580  ain  fehlt  WSG.  5583  do  do  S.  5584  menige  S.  manig  pöses  W. 
5588  grosse  S.  er  dir  1.  G.  5589  pin  ain  mensch  als  wol  als  du  G.  sam] 
als  WD.  5590  noch  gleich  werden  als  FSD.  5592  uner  dy  w.  F.  5593 
armen  W.  5594  tag  als  er  s.  W.  so]  do  GD.  5600  nam]  man  WFSGD. 
5601  iedenman  F.  5603  h.  die  w.  G.  5604  gen]  mit  SGD.  geleichen  W. 
5507  sew  F.  vil  wil  S.  5508  aus  gerichten  F. 


191 

es  ist  auch  hochfart  mit  den  gesiebten. 
5610  etleich  hochfart  ist  an  gewant, 

etleich  hochfart  ist  als  unerchant, 

das  si  maint,  si  sei  als  frei, 

das  nichtes  nicht  wider  si  sei. 

noch  ist  ain  hochfart  gar  gerait, 
5615  die  selb  ist  von  übriger  mächtikait, 

als  wenn  ainer  nicht  erchennt  in  seinem  muet, 

was  man  im  ze  eren  tuet. 

damit  versmacht  er  ieden  man. 

und  von  der  hochfart  pirt  sich  dann 
5620  drei  untugent,  die  sein  unwert, 

also  das  ainer  nicht  sein  obrem  ert. 

die  ander  ist  ungehorsam, 

damit  verdient  man  dann  den  pan. 

die  dritte  ist  ain  undanknäm, 
5625  das  im  chain  ding  ist  genäm. 

sand  Gregorius  spricht  das : 

„der  hochf  artig  mensch  schätzt,  was 

er  hab,  das  selb  hab  er 

von  im  selber  und  von  niemant  mer. 
5630  auch  ob  im  iemant  geit  ain  gab, 

so  maint  er,  das  ers  verdienet  hab. 

darzu  rüemt  er  sich  an  maniger  stat 

ze  haben  das,  des  er  doch  nicht  hat. 

er  versmaciit  auch  alle  ding, 
5635  wes  er  nicht  ist  ain  urspring. 

wann  in  dunkt  in  seiner  bewär, 

das  niemant  weiser  sei,  dann  er. 

doch  zwischen  hochfart  und  vana  gloria 

ist  ain  grosseu  differencia; 
5640  wann  wer  die  hochfart  an  im  hat, 

5610  an  dem  g.'S.  5611  unverkant  S.  5612  als  fehlt  S.  5613  nichtes 
fehlt  G.  si]  sey  S.  5614  ain  fehlt  D.  prait  G.  beiait  D  5615  selb  die 
ist  G.  5616  wann  F.  5618  ieder  man  BSGD.  5621  ainer]  erD.  seinen  S. 
obern  F.  5622  ander  die  i.  BGD.  ist  die  u.  D.  5624  dritt  das  ist  GD. 
denn  ain  G.  5625  ist  so  genaem  S.  5628  selb  fehlt  WßSGD.  5629  im] 
sein  W.  selbs  und  auch  v.  G.  niemantz  W.  5633  das]  des  BS.  des  fehlt 
F.  5634  rersmecht  BS.  5636  bedunkt  D.  weger  F.  5639  groz  WB. 


192 

der  selbe  wänt  an  aller  stat, 

das  er  sei  für  ieden  man. 

aber  die  eitel  er  die  chan 

sich  aussen  erzaigen  mit  valschem  Tist, 
5645  das  si  an  ir  selber  nit  innen  ist, 

darumb  das  si  gelobet  werde 

von  den  leuten  auf  diser  erde. 

die  hochfart  erzaigt  sich  innen  mit  laussen, 

aber  die  eitel  er  erzaigt  sich  aussen. 
5650  Gregorius  spricht:  „die  eitel  er  hat  siben  chind, 

als  seu  hie  genennet  sind. 

die  erst  ist  ungehorsam, 

als  do  spricht  her  Salomon, 

wann  die  eitel  er  wil  ze  chaiuer  frist 
5655   geachtet  werden  der  minnist. 

die  ander  tochter  chrieg,  die  dritte  ruem, 

wann  si  wil  albeg  üppig  ere  tuen, 

die  vierde  geleichsenhait, 

die  fünfte  valsch  verporgenhait, 
5660  also  was  si  tuet  chrump  oder  siecht, 

das  man  wänt  si  hab  alweg  recht. 

die  sechste  ist  missehellung, 

die  selb  hat  ain  widerwärtige  zung, 

darumb  das  si  üppig  er  gewinn. 
5665  die  sibent  tochter  hat  poshait  hin, 

wann  die  selb  die  rüemt  sich  geren 

ir  aigen  sund,  das  si  darumb  gelobt  mug  werden." 

sand  Augustin  spricht  in  seinem  sermon: 

es  ist  mer  ze  fürchten  die  ungehorsam, 
5670   wann  der  tot,  als  er  sait. 

davon  ist  in  der  weite  prait 

nicht  mer  dann  dreu  nomina, 

5641  selb  der  w.  BFGD.  5642  ieder  WBSGD.  5644  sich  fehlt  GD. 
falscher  S.  5645  sey  an  selbs  nie  gewesen  i.  G.  selberm  F.  selb  B.  5648 
inne  FS.  5650  sand  GB.  spricht  fehlt  D.  5651  si  WBSGD.  5654  die 
fehlt  G.  5657  üppiger  F.  5663  unbartigeF.  5665  subent  S.  t.  die  haut 
G.  5667  irer  sundD.  darumb  mug  gelobt  w.  B.  mug]  wil  GD.  5668  sand 
fehlt  D.  seiner  G.  5669  gehorsam  alle  HS.  5670  er]  der  GD.  5672 
dreu]  die  F.  drei  namen  D. 


193 

die  nicht  achtent  der  obediencia: 

das  ist  das  weib  und  der  man, 
5675  so  hat  der  teufel  chain  gehorsam." 

Socrates  der  maister  gicht: 

„wenn  der  mensch  erchennet  nicht 

der  guettat,  die  man  im  hie  tuet, 

so  wirt  er  ärmer  an  dem  guet.a 
5680  und  darumb  spricht  Plato  der  weise  man: 

„alle  dienst  verleuset  man, 

da  man  vast  umb  pitten  müess, 

das  macht  die  gäbe  gar  unsüess, 

oder  was  man  unwillicleichen  geit; 
5685  wann  alle  ding  an  dem  willen  leit. 

du  solt  auch  chain  reu  nicht  han 

umb  deinen  dienst,  den  du  hast  getan, 

so  wird  dein  dienst  iederman  genäm, 

anders  er  wirt  widerzäm, 
5690  und  lass  die  hochfart  aus  dem  muet, 

wann  hochfart  ist  ze  nichte  guet." 

pfui  dich,  hochfart,  wa  wildu  hin 

dich  prechen  mit  deinem  hohen  sin? 

bedenk  dein  grosse  snödichait, 
5695  als  Innocencius  der  pabst  sait, 

das  der  mensch  recht  betracht 

aus  was  snöden  materjen  er  ist  gemacht, 

oder  was  er  neust  aus  seiner  mueter  magen. 

es  ist  scheuzleich  ze  sagen, 
'00  das  ain  mensch  so  grob  materje  neust. 

o  hochfertiger,  mich  verdreust, 

das  du  sein  lützel  nimest  gaum. 

373  der  gehorsamen  D.  5674—5679  fehlen  D.    5676  spricht  WBSG. 
378  hie  fehltF.  5680  und  fehltF.  sprach  WGD.  5683  gab  der  unsüz 
5684  unwillicleich  FG.  u.  auss  g.  S.  5685  alles  W.    5686  nichtfehlfc 
8SGD.  5687  dein  GD.  den]  die  GD.    5688  iederman  fehlt  G.    5689 
ast  wurd  er  änderst  w.  GD.  5690  aus  dem  muet  fehltGD.  5691  höch- 
st] si  GD.  nichten  GD.    5692   phei  WB.    5693  hohen  fehlt  BFSGD. 
4  gedenk  an  F.    5695  als  uns  J.  G.    babst  dir  s.   D.    5696  er]  der 
seh  W.  5697  schnöder  matery  G.    5698  nüsset  GD.    5702  so  lützel 
BG.  nimpst  ze  gom  D. 

Zingerle,  Vintler.  13 


194 

du  pist  geleich  als  ain  vercherter  paum 

und  dein  frucht  ist  ain  snödichait, 
5705  als  das  Innocencius  sait, 

das  dein  frucht  nicht  anders  ist, 

nur  ain  unsauber  stinkender  mist 

und  aiter,  rotz  und  pluet. 

ach,  mensch,  nim  das  in  deinen  muet 
5710  und  bedenk,  das  du  muest  werden 

ze  tail  den  wurmen  in  der  erden 

und  den  chrotten  und  den  slangen, 

die  sich  durch  dein  gepain  müessen  drangen; 

und  wenn  si  dich  nicht  mer  mugen  genagen, 
5715  ze  hant  von  dir  si  gachen 

und  versmächen  dich  als  ain  as  unrain. 

sand  Augustin  spricht:  „nim  alles  das  gepain 

oder  alle  totenschedel 

und  schau,  welches  da  der  edel 
5720  sei  oder  ain  armer  man. 

sich,  mensch,  du  pist  geleich  getan, 

als  der  sarch  mit  ainer  leich, 

der  aussen  ist  gezieret  reich 

und  innen  ist  des  stankes  vol." 
5725  Johannes  hört  und  sach  das  wol, 

das  ain  ar  schrai  an  underwint: 

„we,  we,  we  über  alle,  die  da  lebentig  sint." 

was  aber  des  aren  stim  bedeut, 

das  ist,  das  er  die  hochfertigen  leut 
5730  senket  nider  in  der  helle  grünt. 

es  ward  Johanni  auch  das  chunt, 

das  ain  engel  swuer  pei  got, 

so  das  gericht  het  besezzen  Sabaoth, 

das  dann  hin  sei  der  genaden  zeit, 
5704  und  auch  d.  G.  5705  als  uns  d.  G.  sagt  B.  5706  sei  und  isfc  G. 
5707  unsaubrer  stinkunder  S.  stinchander  B.  5710  gedenk  G.  5712  das 
ers  te  und  fehlt  G.  5713  pein  D.  getrangen  G.  57  14  wenn  feh  1  t  G. 
wenn]  so  D.  nagen  SG.  5715  si  von  dir  g.  FGD.  5716  versmachent  F. 
verschmecken  G.  5720  oder  auch  d.  G.  der  arm  WSG.  5721  fehlt  G. 
5722  sarich  B.  5723  usnan  G.  5724  innan  G.  des]  er  F.  5727  lembtigS. 
5730  nider  fehltF.  5731Johannes  BG.  das]  da  S.  5733  herSabaoth  GD. 
5734  gnade  G. 


195 

5735  fürpas  got  sunden  nicht  vergeit, 

wol  oder  we  wert  darnach  ewicleich. 

ach  wie  gar  strengichleich 

wirt  den  hochfertigen  gesprochen  zue: 

„get  hin  in  die  ewig  unrue 
5740  zue  den  teufein  in  das  ewig  feuer, 

das  da  hat  gepaitet  euer 

von  anegeng  der  weit  her." 

starker  got,  ich  pitt  dich  nicht  mer, 

das  dein  gericht  verziehe  sich. 
5745  chum,  strenger  richter,  rieht  und  rieh, 

lass  halt  die  toten  all  auf  sten, 

das  diser  weit  untreu  muess  zergen, 

geruech  ir  valschait  stören. 

lass,  almechtiger  got,  dein  zoren, 
5750  das  durch  die  grab  erhellen 

die  Johannes  hören  und  erschellen! 

wirf  auf  Johannes  äugen, 

seit  si  an  dich  nicht  wellen  gelauben! 

slach  mit  Johannes  swert, 
5755  wann  si  setzent  dich  unwert! 

tritt  mit  Johannes  füessen  gar! 

Johannes  stim  las  werden  offenbar, 

das  es  hören,  was  menschen,  engel,  teufel  sint! 

richter,  rieht  über  der  weite  chint, 
5760  seit  si  der  trewen  sint  so  lär! 

sweiga,  mein  Hans  Vintlär, 

du  macht  es  doch  nicht  erwenten. 

5735  nicht  fürp.  GD.  g.  nicht  sünd  y.WB.  nicht  sunden  S.  nicht  die  sund 
mer  verg.  G.  g.  nit  die  sünd  v.  D.  5736  we  so  WBS.  5737  gar]  auch 
denn  G.  auch  D.  strenchleich  WB.  strengleich  S.  5739  in  das  BS.  ewigen 
WG.  5740  dem  teufel  F.  5741  da  fehltBF.  V.  5742— 5780  fehlenB. 
5742  weiten  G.  5743  dich  fehlt  GD.  5745  rieh]  rieht  GD.  5746  all 
fehlt  GD.  alle  totten  auf  F.  5747  mug  S.  ergen  GD.  5749  fehlt  F. 
deinen  GD.  5750  gräber  erhelle  GD.  5751  hören]  tot  erhören  G.  tet  er-, 
hören  D.  hören  S.  5752  J.  die  äugen  GD.  5753  nicht  fehlt  WSG.  5755 
sew  sitzet  F.  schätzend  GD.  dich  doch  u.  F.  5756  trit]  tat  S.  5757  stim 
fehlt  S.  5758  höret  W.  tiefelFS.  5759  nicht  ncht  W.  die  S.  5760  sew 
F.  sein  also  F.  seind  der  trewen  1er  GD.  V.  5761.  5762.  5763  fehlen  D. 
5761  sweig  WSG.  vinclär  W.  5762  doch  es  nit  G. 

13* 


196 

warumb  wildu  denn  dein  atem  swenten? 

Man  list  in  dem  alten  testamento, 
5765   das  got  Lucifer  aldo 

macht  als  schön  über  all  ander  engel, 

das  er  gewann  an  tugent  mengel, 

wann  er  gedacht:  „ich  pin  so  minnicleich, 

das  ich  got  wol  mag  sein  geleich, 
5770  so  pin  ich  auch  als  wol  gestalt. 

warumb  solt  ich  nicht  haben  solchen  gewalt?" 

des  mocht  do  got  nicht  vertragen, 

und  hiess  in  do  sand  Michel  slagen 

nider  in  der  helle  grünt, 
5775  da  er  nimmer  dannen  chumpt, 

und  sein  gesellen  alle  sampt. 

also  lont  in  got  zehant 

nur  umb  die  hochfart,  die  si  in  gedachten, 

und  also  seind  si  die  versmachten. 

Von     der     mässichait. 

5780  Die  mässichait  in  der  jugent, 

das  selb  ist  gar  ain  hohe  tugent, 

wer  da  zwinget  seinen  muet, 

das  er  nicht  übermässicleichen  tuet 

weder  mit  essen,  noch  mit  trinken  ze  vil; 
5785  wann  unmass  wüestet  alle  spil. 

Ich  mag  geleichen  die  mässichait 
dem  wilden  esel,  als  die  natur  das  sait, 
das  der  selb  trinket  nimmer  nicht 
chain  triiebes  wasser,  als  man  gicht. 
5790  er  belib  ee  drei  tag  ungetrunken, 

5763  warumb]  wes  G.  wildu  dein  atem  dann  sw.  F.  sehenden  G.  5765 
got  fehlt  S.  5766  all  fehlt  GD.  5771  so  vil  g.  SGD.  solchen  fehlt  F. 
5  772  macht  got  da  F.  möcht  da  got  daW.  mocht  doch  got  nitGD.  5773 
in  fehlt  G.  do  fehlt  WS.  hiess  got  sant  Michael  in  s.  D.  5775  das  S. 
nimmer  mer  WSGD.  5777  im  GD.  5778  umb  h.  GD.  in  fehlt  F.  5779 
si  ietz  die  G.  5783  übermässikleich  WG.  5784  noch  trinken  G.  5785 
verwüstet  GD.  V.  5786 — 5803  fehlen  B.  5786  ich  geleiche  die  un- 
mässikeitD.  5787esselF.  als  das  dien.  s.  F.  5788  selb  fehlt  GD.  5790 
beleih  S.  plibt  G.  beleibt  D.  untrunken  SD. 


197 

ee  das  er  sein  füess  darein  tat  dünken, 

wann  er  peitet  ee  lenger  zwar, 

unz  das  wasser  gar  wurd  clar. 

in  der  summ  der  tadel  list  man, 
5795  als  da  spricht  her  Salomon: 

„mich  wundert  das  der  mensch  nicht  ist 

massiger  vil  ze  aller  frist, 

wann  doch  das  offenleich  ist  chunt, 

das  der  mensch  hat  ainen  munt, 
5800  der  do  hat  ain  rechte  mas. 

warumb  ist  er  dann  ain  fräs 

wider  andre  tier  so  gar?" 

darumb  ist  das  sicher  war, 

das  do  sprach  der  weise  man: 
5805   „wer  im  selben  entziehen  chan 

an  trinken  und  an  essen  eben, 

der  selb  der  wirt  lange  leben." 

Basilico  der  maister  bewärt: 

„geleich  als  man  den  zäum  an  das  pfärt 
5810  legt,  das  es  nicht  sol  springen, 

also  soltu  deinen  muet  auch  twingen, 

das  du  dich  nicht  übergen  last 

die  frasshait  mit  irer  gesellschaft. a 

Man  list  von  der  mässichait  also 
5815  in  dem  puech  Machabeo, 

das  Alexander  ains  tages  rait 

durch  ain  wüest  manig  tagwaid 

mit  grossem  volke,  als  man  gicht. 

da  funden  si  ze  essen  nicht. 
5820  do  lait  sein  volk  als  grozze  not, 

das  ir  vil  stürben  von  hunger  tot, 

wann  si  hetten  verzert  alles  das, 

5792  pitt  F.  5793  das  das  F.  gar  fehlt  FG.  wirt  D.  5795  daj  das  S. 
5797  vil]  doch  F.  5798  das  doch  FS.  5801  dann]  nuer  F.  5802  weder 
FGD.  ander  WS.  5804  spricht  F.  5807  selb  wirt  FS.  gar  langGD.  5808 
Basilicus  F.  5811  zwingen  WBSGD.  dein  gemüt  WBSGD.  5813  strauf- 
fung  G.  ir  FGD.  selschaftD.  V.  5814—5845  fehlen  B.  5820  als]  gar 
WSGD.  5821  von  fehlt  G.  hungers  tod  G. 


198 

das  das  veld  was  speiselos. 

do  cham  ain  ritter  an  den  stunden 
5825  und  het  drei  fladen  mit  honig  funden. 

die  wolt  er  nicht  essen  gar 

und  pracht  si  für  Alexander  dar. 

do  nam  si  Alexander  in  die  hant 

und  warf  si  von  im  alzehant 
5830  in  ain  gross  wasser,  was  da  neben, 

und  sprach  do  zue  dem  zieren  degen : 

„naina,  das  enwelle  got, 

das  mein  volk  solt  leiden  not 

und  ich  allain  solt  ze  essen  haben!" 
5835  do  das  sahen  seine  chnaben, 

die  sprungen  nach  den  honigfladen 

in  das  wasser,  hör  ich  sagen, 

also  das  ir  vil  verdürben 

nach  den  fladen,  die  all  stürben ; 
5840  und  do  Alexander  das  ersach, 

do  was  im  aus  der  wüeste  gach, 

und  zoch  do  für  ain  reiche  stat. 

da  funden  si  darnach  allen  rat. 

Von     der     frasshait. 

Gula  die  haist  man  frasshait. 
5845   die  selb  ist  wider  die  mässichait, 
als  Tulius  schreibt  an  seinem  rat: 
„wer  chain  mässichait  nicht  hat 
weder  an  trinken,  noch  an  speis, 
der  selb  mag  nimmer  werden  weis." 

5850  Ich  mag  geleichen  die  unmass 

dem  geiern,  der  selb  isst  nur  as, 

5823  das  do  das  GD.  speiselass  SGD.  5825  und]  der  SGD.  honigfladen 
gef.  GD.  5829  alle  ze  G.  5830  w.  daz  was  GD.  5831  do  fehlt  F.  5832 
nain  man  F.  nain  D.  enwol  S.  enwelt  G.  enwolt  D.  5841  wüsten  S.  5842 
do  fehlt  W.  5843  darnachen  S.  darnach  fehlt  FGD.  da]  darinF.  5844 
die]  daz  G.  die  fehlt  D.  5845  wider  mässichait  F.  5846  als  fehlt  B. 
spricht  in  GD.  5847  nicht  bihatt  F.  5848  tr.  noch  auch  an  essen  noch  G. 
V.  5850—5858  fehlen  B.  5851  geiren  G.  selb  fehlt  WF. 


199 

wann  im  ist  nach  dem  as  so  gach, 

das  er  fleugt  hundert  meil  darnach. 

die  geier  habent  grossen  neit, 
5855  si  wissen  auch  wol  allen  streit, 

der  geschehen  sol  von  leuten. 

wann  si  das  oft  bedeuten, 

da  si  fliegen  alweg  mit. 

das  selb  ist  ir  naturleich  sit. 
5860  von  der  frasshait  spricht  man  also, 

das  si  sei  ain  fundamento 

aller  poshait,  als  do  spricht  Isiderus: 

wann  si  zwingt  des  menschen  gedächtnuss 

und  zerpricht  das  naturleich  pluet. 
5865  unmass  ist  ze  nichte  guet, 

unmass  irret  weises  reden, 

unmass  wüestet  des  ganzen  menschen  leben, 

und  alle  siechtumb  chomen 

von  der  unmass,  han  ich  vernomen. 
5870  Isiderus  der  maister  sagt: 

„wer  die  unmass  lieb  hat, 

der  bedarf  des  arztes  ze  aller  zeit." 

auch:  „wem  die  unmässichait  anleit, 

der  selb  mag  nimmer  reich  werden." 
5875  unmässichait  macht  allen  werren, 

unmass  und  das  pös  weib  gram, 

die  wüesten  manigen  weisen  man. 

Von  der  frasshait  list  man  gewis 
in  dem  puech  gehaissen  Genesis, 
5880  das  got  beschuef  Adam  und  Eva, 
und  tet  si  in  das  paradeis  alda 

5852  wann]  und  GD.  5853  flüg  WS.  5854  geiren  GD.  geir  die  habenn 
so  g.  F.  5855  wol  fehlt  GD.  alle  WF.  5857  oft]  wol  F.  5858  da]  das 
WFSGD.  si]  selb  F.  alweg  fl.  F.  5859  selb  von  natürlichem  sit  F.  natur- 
licher G.  5860  man  fehlt  F.  5861  fundament  do  GD.  5862  do  fehlt 
WS.  5863  gedenknuss  WS.  dechtnuss  D.  5867  das  D.  ganzen  fehlt  S. 
gantz  GD.  5868  davon  eh.  F.  5869  daz  han  G.  5871  die]  da  F.  5872 
arzt  FSD.  arzat  G.  5875  alles  G.  V.  5878  —  5920  fehlen  B.  5878 
gewis]  gemain  S.  5879  p.  das  da  haisst  WSGD.  5881  sew  F. 


200 

und  gab  in  alles  das  darin, 

was  erdenken  mochte  menschen  sin, 

und  macht  in  iren  willen  frei, 
5885  das  si  mochten  tuen  dapei, 

was  si  nur  tuen  wolten 

an  allain,  das  si  nicht  solten 

essen  ainen  apfel,  den  in  got  verpot, 

oder  si  wurden  sterben  tot. 
5890  und  do  der  teufel  das  ersach, 

das  ain  ertreich  also  swach 

solt  in  den  himel  an  sein  stat  chomen, 

das  im  und  seinen  gesellen  was  genomen, 

do  gieng  er  in  ainer  slangen  weis 
5895  zu  Eva  in  das  paradeis 

und  redt  mit  Eva  also  vast, 

das  si  den  apfel  von  dem  ast 

prach  herab  und  pais  darein. 

alspald  gedacht  si  in  irem  sin: 
5900  „zwar  ich  han  übel  geta-n, 

das  ich  nicht  pehalten  han, 

das  pot,  das  mir  mein  herr  gepot. 

ich  wais  wol,  ich  wird  leiden  not." 

und  gieng  von  der  slangen  hin  dan 
5905  zu  irem  man  Adam. 

der  erschrack  und  was  unfro. 

Eva  sprach:  „wie  tuestu  so, 

das  dir  von  mir  ist  so  gach? 

waistu  nicht,  was  got  sprach, 
5910  do  er  Uns  den  apfel  verpot: 

äss  wir  den,  so  lag  wir  tot. 

nu  han  ich  gessen  des  selben  apfels  eben, 

und  pin  noch  nicht  tot  gelegen.* 

also  überredt  das  weib  den  man, 

5882  in  do  a.  WS.  das  fehlt  F.  5883  erdenket  S.  des  m.  S.  5886  si 
nun  woltenD.  5887  sew  nicht  tuen  s.  F.  5889  st.  ze  t.  G.  5893  benomen 
S.  5898  biss  D.  5901  gehalten  D.  5902  das]  mein  S.  pot]  gepot  WF. 
gepot]  pot  WF.  5905  zue  Adam  irem  man  G.  5908  so  fehlt  WSGD. 
5909  nit  was  zue  uns  g.  G.  5910  do]  das  F.  5912  nu  han  ich]  ich  han 
GD.  5913  noch  beliben  leben  W.  nit  tod  legen  G. 


201 

5915  das  er  den  apfel  von  ir  nam, 

und  pais  darein,  als  Eva  tet, 

und  do  er  das  pot  auch  übergangen  het, 

do  wart  er  got  gar  unwert. 

do  cham  sand  Michel  mit  dem  feurein  swert, 
5920  und  traib  si  aus  mit  grozzem  lait. 

das  cham  alles  von  der  frasshait, 

und  also  ist  frasshait  gewesen 

die  erste  sund,  hat  man  gelesen, 

die  auf  dise  weit  ie  cham; 
5925  wann  got  ist  chainer  sund  so  gram, 

wann  wir  haben  alles  lait 

am  ersten  von  der  frasshait. 

Von    der    keuschait. 

Keuschait  die  ist  also, 
als  das  spricht  Tulio, 
5930  wer  do  widerstet 

dem  lust,  der  in  an  get 

ze  uncheusch,  als  er  gicht, 

das  man  dann  dem  fleische  volge  nicht. 

Man  mag  wol  geleichen  zwar 
5935  die  tugent  der  cheusche  gar 

der  turtel tauben,  als  man  gicht. 

die  selbe  pricht  ir  trewe  nicht 

nimmer  an  irem  gemächelein, 

und  ob  das  also  mueste  sein, 
5940  das  ir  aines  stürbe 

oder  sunst  verdürbe, 

so  behalt  das  ander  sein  cheusche  rain, 

und  beleibt  darnach  alzeit  allain, 

und  trinket  auch  dann,  als  man  gicht, 
5916  biss  D.  5917  do  fehlt  D.  gepot  D.  5918  gar  fehlt  FGD.  5919 
MichahelG.  5920  si]  sew  F.  in  SGD.  5922  und  also]  von  Adam  undEva 
B.  5923  als  man  haut  G.  5924  die  hie  in  d.  GD.  5927  der  pössen  fr.  G. 
5928  kauskait  S.  kewschichait  B.  5929  das]  da  BG.  do  D.  5930  do] 
der  GD.  5931  im  davon  g.  F.  5933  volge  dem  fl.  G.  V.  5934  —  5947 
fehlen  B.  5935  kuscheifc  D.  5938  seinem  G.  gemächlein  WS.  gemäch- 
telinG.  5942  gehaltS.  keuscheitD.  5943  b.  auch  darnach  aJlainS.  5944 
dann  fehlt  GSD.  auch  dann  fehlt  W. 


202 

5945  fürpas  chain  clares  wasser  nicht, 

und  sitzet  auch  da  pei 

nimmer  auf  chain  grüenes  zwei. 

Jeronimus  hat  gesprochen: 

„die  cheuschait  wirt  gar  leicht  zeprochen; 
5950  wenn  man  nicht  zämpt  die  äugen, 

so  mag  man  die  cheusch  berauben 

gar  leicht,  es  sei  frau  oder  man;" 

als  man  in  der  summ  vindt  geschriben  stan: 

„wer  in  cheuschait  alten  sol, 
5955   der  selb  bedarf  sechs  tugent  wol: 

am  ersten,  das  man  sich  hüet  vermessen 

vor  übrigem  trinken  und  essen, 

als  man  vindt  geschriben  eben 

in  der  alten  väter  leben, 
5960  das  es  gar  unmügleich  ist, 

das  man  des  feuers  flara  ze  chainer  frist 

in  die  hende  vach  eben  geleich, 

also  ist  es  auch  unmügleich, 

das  man  mug  zwingen  den  uncheuschen  willen  wol, 
5965  wann  er  der  speise  ist  ze  voL 

die  andre  tugent  ist  also, 

das  man  fliech  müessichait,  als  Ofidio 

spricht,  das  müessichait  sei  ze  versmahen, 

wann  si  sei  der  uncheusch  ain  anvahen. 
5970  der  weise  man  rat  auch  das, 

das  man  sich  hüet  an  underlas, 

das  das  weib  und  der  man 

nicht  ze  vil  mit  einander  gehaim  han ; 

5947  nimmer  mer  a.  WS.  4948  hat  auch  g.  S.  5949  chewschichait  WB. 
zerpr.  WBG.  5950  zaumpt  F.  zämt  BG.  5951  kunschait  G.  keuscheitD. 
5953  man  vint  in  der  summ  g.  FGD.  5954  unkeusch  D.  alten]  sterben  B. 
5955  selb  fehltF.  5957  vomF.  5959  altväter  WD.  5960  gar  fehlt  B. 
5961  fehlt  B.  flamen  GD.  5962  fehlt  B.  vacht  F.  5963  fehlt  B.  und 
daz  behalten  daz  ist  unm.  GD.  das  man  müg  tugenleich  W.  5964  das 
man  mug]  und  GD.  den  fehlt  SGD.  m.  unch.  w.  zwingen  wol  W.  5965 
ist  der  speise  vol  B.  ist  ze  voller  speise  vol  FS.  er  ist  übriger  speise  vol 
GD.  5966  fehlt  F.  andre  fehlt  WBSGD.  5967  als  uns  O.  G.  5968  das 
die  m.  F.  5970  retS.  5972  das  da  w.  GD.  und  auch  ra.  G.  der  fehlt  D. 
5973  vil  gemain  mit  e.  h.  B. 


203 

wann  den  deub  macht  deu  stat. 
5975  zu  dem  vierden  mal  ist  mein  rat, 

das  man  sich  hüet  vor  allen  den, 

die  mit  uncheusch  umbe  gen. 

sand  Gregorius  der  spricht: 

„es  ist  chain  tadel  nicht, 
5980  der  do  mer  wüest  das  flaisch  und  den  muet, 

wann  die  snöde  uncheusch  tuet, 

wann  es  ist  ain  naturl eicher  tadel. 

darumb  solt  maus  fliehen  als  des  tarantes  zagel." 

zu  dem  fünften  mal  ist  der  weisen  rat, 
5985  das  man  sich  hüete  vor  der  stat, 

da  man  redet  vil  geteusch 

von  dem  tadel  der  uncheusch, 

wann  das  selb  das  raitzt  den  muet. 

fleuch  auch,  wa  man  die  werich  tuet. 
5990  der  uncheusch  tadel  ist  geschaffen 

geleich  als  die  äffen ; 

was  die  selben  sehen  vor  in, 

das  wellen  si  auch  tuen  in  irem  sin. 

der  sechste  rat  der  ist  also, 
5995  das  man  sich  hüet,  wa  jubilo 

sei  von  tanzen  und  von  singen; 

wann  das  selb  ist  nur  ain  anpringen. 

davon  spricht  Pittagoras: 

„es  wachset  gern  das  grüene  gras 
6000  pei  dem  wasser,"  als  er  sait, 

„geleich  also  wachset  uncheuschait 

pei  pfeiffen,  tanzen  und  singen. 

davon  sol  man  sich  hüeten  vor  den  dingen." 

Man  list  von  der  uncheusch  das, 

5974  wann  es  d.  D.  deu]  die  WBS.  deu  stat]  drat  GD.  5980  mer  fehlt 
GD.  und  das  buot  D.  5981  wann]  als  G.  5983  man  G.  5984  weisen 
fehlt  F.  weise  GD.  5987  fehlt  F.  5988  selb  r.  F.  5989  auch  wa]  aus 
wann  F.  werkWSGD.  5992  sehen  fehlt  F.  5995  wa  fehlt  F.  wa]  vor 
SG.  5997  selb  fehlt  G.  nur  aim  pringen  F.  ausspringen  S.  5998  auch 
sp.  B.  darumb  sp.  D.  sprach  FSG.  6000  wasen  WS.  wasem  B.  er]  manS. 
6001  als  S.  6002  und  fehlt  F.  6003  darumb  G.  sich  fehlt  F.  von  F. 
V.  6004—6145  fehlen  B.  6004  uncheuschkait  W. 


204 

6005  das  zu  den  zeiten  der  altväter  was 

ain  ntinn,  die  dienet  got  frue  und  spat. 

nu  was  ain  herre  in  der  stat, 

da  das  closter  inne  lag, 

der  selbe  puelet  nacht  und  tag 
6010  umb  die  nnnnen  minnicleich. 

die  nunne  jach  gar  trauricleich : 

„ich  pit  euch  innicleich  durch  got, 

das  ir  nicht  euren  spot 

leget  an  mich  vil  armes  weib. 
6015  lieber  herr  und  säliger  leib 

suecht  anderswo,  da  vindt  ir  wol." 

der  herre  ward  do  zornes  vol, 

das  er  die  nunnen  wol  gestalt 

wolt  ziehen  haim  mit  gewalt. 
6020  die  nunne  schrai  gar  jämerleich : 

„lieber  herr,  wes  zeicht  ir  mich?" 

der  herre  sprach:  „ich  sag  dir  war, 

das  machen  deine  äugen  clar, 

die  so  minnicleichen  sint 
6025  geschaffen,  herzenliebstes  chint.tf 

die  nunne  sprach:  „herre  mein, 

mag  es  dann  anders  nicht  gesein, 

es  mües  eur  wille  an  mir  ergan, 

so  pitt  ich  euch,  lieber  herre,  schon, 
6030  das  ir  erlaubet  ietzund  mir, 

so  wil  ich  für  sich  chomen  schier; 

wann  ich  wil  richten  vor  mein  ding." 

do  sprach  zu  ir  der  jüngeling: 

„nu  hin,  mein  hört!  ich  wil  dir  trawen; 

6005  alten  vatter  S.  6006  die  got  dienet  W.  6009  selb  der  p.  G.  tag 
und  nacht  WFS.  6011  die  nunn  die  j.  SGD.  sprach  F.  6012  innecleichj 
junkher  W.  6013  nicht  leget  euren  F.  6015  fehlt  S.  6016  da]  das 
WFGD.  6017  do  fehlt  WFS.  do]  des  G.  6018  nunne  SGD.  6019  haim 
fehlt  F.  6020  nunne  die  sch.WSD.  gar  fehlt  FS.  6021  was  S.  zieht  G. 
6022  her  der  S.  6024  das  die  so  minnigklich  G.  602  5  herzen  lieben  W. 
herzenliebs  S.  hertziiebs  GD.  6026  jach  F.  lieber  herre  GD.  6027  anders 
denn  G.  6028  und  musz  D.  muess  ie  e.  G.  an  mir  fehlt  SG.  dar  ganW. 
6032  wann  fehlt  F.  forhin  G.  vorrichten  m.  S.  6034  dir  fehlt  S. 
trewen  GD. 


205 

6035  chumpst  du  nicht,  es  wirt  dein  rawen." 

die  nunne  gieng  von  im  gar  snell 

mit  grossem  laide  in  ir  zell 

und  prach  ir  selber  aus  die  äugen, 

darumb  das  mans  nicht  berauben 
6040  solt  ir  junkfrauleichen  chron. 

darnach  gab  si  dem  herren  schon 

ir  Hechte  äugen  clar 

und  sprach:  „mein  herre,  nu  nempt  war! 

euch  hat  gelüstet  nach  den  äugen  mein, 
6045  nu  nempt  si  hin,  si  sullen  ewer  sein." 

und  do  der  herr  die  äugen  sach, 

do  was  im  von  der  nunnen  gach, 

und  ward  betrüebet  also  ser, 

das  er  fürbas  nimmer  mer 
7050  ward  recht  fro,  als  man  sait. 

und  also  behueb  die  nunne  ir  cheuschait 

und  verlos  darumb  ir  gesicht, 

als  das  ewaugeli  lert  und  spricht. 

Von  der  cheuschait  schreibt  Valerius 
6055  und  spricht,  do  Marcus  Regulus 

besaz  die  stat  Syracusam, 

die  da  leit  in  dem  lant  Ceciliam, 

do  bewainet  er  vorhin  der  stat  not; 

wann  er  west  wol,  das  vil  leut  tot 
6060  wurden  von  der  Zerstörung  ligen. 

auch  ward  der  selb  Marcus  nie  bezigen, 

das  er  ie  beruert  mit  seinem  leib 

ze  lust  chain  uncheusches  weib. 

und  ee  das  man  gewan  die  stat, 
6065  do  gepot  er  pei  chaiserlicher  majestat, 

6035  dein  rawen]  gerewen  FG.  dich  gerewen  SD.  6041  sei  die  äugen 
dem  h.  G.  6042  irewG.  liechtew.  SG.  6043  mein  herre  fehlt  G.  nemenfc 
F.  nimpt  hin  fürwar  G.  6045  sey  hin  F.  6047  nunne  FS.  d.  rainen  g.  D. 
6050  frölich  GD.  6051  die  rain  ir  D.  ir]  dy  W.  6053  und  auch  sp.  G. 
6055  do]  das  WGD.  6057  Siciliam  F.  in  Cecilia  landGD.  6060  erstörung 
GD.  6061  gezigen  FGD.  6062  nie  FGD.  betruebt  F.  beruert  hett  GD. 
6063  ain  GD. 


206 

das  niemant  solt  chain  frawen  zwingen 
zu  chainen  uncheuschen  dingen, 
und  wer  das  selbe  übergieng, 
das  man  den  selben  für  sich  hieng. 
6070  da  von  spricht  Valerius  das: 
„schawet  an,  wie  Marcus  was 
so  gar  rain  und  cheusch  gen  den  weiben ! " 
warumb  wolt  man  es  halt  nicht  geschreiben? 

Man  liset  von  der  cheusch  also, 
6075  das  ain  ainsidel  was  in  Egipto, 

der  do  gar  ains  heiligen  lebens  was. 

nu  schuef  der  pöse  teufel  das, 

das  ain  weib  sich  des  annam, 

das  si  verhies  irem  lieben  man, 
6080  si  wolt  dem  ainsidel  also  begegen, 

das  er  müest  uncheusch  mit  ir  pflegen. 

darnach  gieng  das  pös  weib  hin 

für  sein  closen  und  ruefet  im 

und  sprach:  „lass  mich  ein,  gueter  man! 
6085  ich  pin  verirret  auf  disem  plan." 

do  tet  er  auf  sein  hof  gar  snell. 

darnach  floch  er  in  sein  zell 

und  versloss  sich  darinne  vast  und  wol. 

nu  was  die  frau  so  poshait  vol, 
6090  das  si  schrai  mit  grossem  jamer  : 

„lieber,  lass  mich  in  dein  chamer, 

wann  mich  fressen  die  wilden  tier, 

und  stirb  ich,  so  leit  die  sund  auf  dir." 

do  Hess  er  sei  in  sein  gemach. 
6095   „owe!cc  gedacht  er,  „es  ist  gottes  räch; 

6066  twingen  S.  6068  das  selbe]  also  F.  6069  selbigen  F.  für  sich]  von 
stund  an  D.  6070  darumb  D.  6071  an  fehlt  FD.  Marcus  Regulus  w.  D. 
6072  rain  gen  den  keusch  weiben  GD.  6073  darumb  SG.  wolt  er  nicht  F. 
nicht]  nie  S.  beschreiben  FS.  nit  schriben  GD.  6074  unkünsch  G.  6080 
den  GD.  wegeben  S.  begeben  WGD.  6081  er  unkünsch  mit  ir  muest  G. 
6083  klussen  G.  6084  du  guetter  GD.  6086  hof]  huss  G.  6087  er  hin 
in  G.  6088  darinn  gar  wol  D.  vast  wol  WS.  gar  vast  wol  G.  6089  so 
fehlt  FS.  6091  lieber  pruoder  GD.  6093  sturb  F.  lagen  die  s.  F.  6094 
sy  WG.  si  ein  in  D.  seinen  FG. 


207 

der  wil  erzaigen  seinen  zoren. 

tue  dein  gen  ade  an  mir  voren, 

und  lass  mich  nicht  den  teufel  zwingen 

zu  chainen  suntleichen  dingen." 
6100  do  macht  der  teufel  maniges  geteusch, 

das  er  den  ainsidel  prächt  ze  uncheusch. 

des  ward  der  ainsidel  gewar 

und  sprach:  „her  teufe],  ewer  weg  sein  gar 

voller  vinsternuss,  hör  ich  sagen. 
6105  ich  sol  mich  wol  von  dir  entslachen, 

seit  doch  den  gottes  chinden  scheint 

das  Hecht  für  dich,  du  pöser  veint." 

darnach  zunt  der  ainsidel  an 

ain  Hecht,  do  ward  in  angan 
6110  ain  pöser  uncheuscher  muet. 

do  gedacht  er:  „wer  die  sunde  tuet, 

der  muess  varen  in  die  hitz. 

nu  versueche,  ob  du  ditz 

claine  feuer  mugest  erleiden. 
6115  owe,  was  geschieht  doch  von  weihen!" 

do  stiess  er  den  vinger  in  das  Hecht  zehant 

und  prant  den  vinger  von  der  hant 

unz  an  den  tag,  als  man  gicht, 

das  er  sein  enpfant  nicht 
6120  von  der  starken  uncheuschen  hitz. 

und  do  das  weib  ersach  ditz, 

do  starb  si  von  den  sunden  schier. 

des  morgens  cham  der  jungeling  nach  ir 

und  vorsehet  des  ainsidels  leib: 
6125   „cham  nicht  nachten  her  ain  weib?" 

do  sprach  der  ainsidel:  „ja"  an  der  stund, 

„aber  si  slaffet  ietzund." 

do  gieng  der  jungling  snell 

6096  wil  mir  e.  GD.  6097  tue  an  mir  d.  g.  G.  6100  so  do  macht  S.- 
6101  er  pracht  den  a.  G.  6103  her  fehlt  D.  6104  hört  GD.  6105  vor 
G.  dir  fehlt  F.  enslahen  S.  6106  seit]  seind  W.  denn  doch  g.  G.  6107 
d.  liecht  gee  für  D.  6108  d.  do  z.  WS.  6112  der  hellen  h.  D.  6114  daz 
klain  GD.  6115  doch  fehlt  F.  von  den  F.  6119  sein]  si  G.  6122  den 
fehlt  F.    6124  weib  S.    6125  herein  ain  F.    0127  sl.  noch  ietzund  GD. 


208 

in  des  ainsidels  zell 
6130  und  suecht  sein  liebhaberin  mit  jamer. 

do  vand  er  sei  tot  in  der  chamer, 

do  schrai  er:  „vatter,  si  ist  tot." 

do  hueb  der  ainsidel  auf  gen  got 

sein  hend  und  sprach:  „herr  Jesu  Crist, 
6135  seit  mir  mein  vinger  verloren  ist, 

das  ich  an  uncheusch  pin  peliben, 

und  doch  das  von  dir  ist  geschoben : 

man  sol  nicht  übel  umb  übel  geben," 

und  pat  got  umb  der  frawen  leben, 
6140  das  si  wider  lebendig  wurd, 

das  nicht  auf  im  lag  die  purd. 

das  tet  got  do  durch  sein  pet, 

das  si  auf  stuend  von  tod  ze  stet 

und  belaib  fürpaz  cheusch  und  rain. 
6145  also  gieng  si  wider  haim. 

Von     der     uncheusch. 

Die  uncheusch  ist  ain  laster  prait 

und  ist  wider  die  cheuschait, 

als  man  das  list  gar  eben 

in  der  alten  väter  leben, 
6150  das  uncheusch  sei  vierlai  maniere. 

die  erste  ist  an  dem  gezierde, 

die  man  tuet  mit  dem  gewant, 

als  das  manigen  ist  bekant. 

die  ander  ist  ain  müessig  gen, 
6155  als  man  vindt  geschriben  sten, 

und  als  sand  Pernhart  das  sait, 

das  die  müessichait  sei  ain  erfinden  aller  poshait. 

zu  dem  dritten  mal  so  sein  uncheusch  gedank, 

die  selben  machen  das  fleisch  gar  chrank 

6129  ainsidel  W.  6131  tote  F.  6132  er  o  we  v.  GD.  6135  verlarn  W. 
6136  beiigen  F.  6137  das  fehl t  F.  beschriben  F.  6138  sül  G.  sulle  D. 
umb]  mit  F.  6140  lembtig  S.  6141  nicht  lag  auf  im  WG.  6142  da]  also 
GD.  gepett  GD.  6143  von  dem  FGD.  6144  fürpaz  fehlt  S.  für  sich  F. 
6145  und  also  SG.  6149  altvater  WGD.  6150  viererlai  GD.  6151  ist 
fehltG.  gezirdeFS.  6152  mit]  an  GD.  6153  das  fehltB.  manigemBGD. 
6156  das]  da  GD.  6158  so  fehlt  G.  seind  F.  6159  selben  fehlt  F. 


209 

6160  zu  dem  vierden  mal,  so  spricht  man  das, 

das  man  sich  hüet  an  underlass, 

das  man  nicht  greif  an  die  uneheuschen  stet. 

wann  doch  also  geschriben  stet : 

„wer  das  pech  rüeret  an, 
6165  der  selbe  wirt  beflecket  davon." 

uncheusche  werch  die  sint 

manigerlai,  als  man  geschriben  vindt, 

etwenn  mit  ledigen  leuten, 

die  selb  haisset  fornicatio  an  dem  bedeuten. 
6170  es  geschieht  auch  uncheusch  mit  ainer  magt, 

wenn  man  die  selbe  darzu  habt, 

das  es  über  iren  willen  geschieht. 

die  selb  haisst  raptus,  als  man  gicht. 

es  geschieht  auch  uncheusch  mit  eeprechung, 
6175  die  selb  haisst  adulterium. 

noch  ist  ain  uncheusch,  hör  ich  sagen, 

die  geschieht  zwischen  freunten  und  magen, 

oder  von  der  tauf  oder  von  der  firmnus. 

die  selb  die  haisst  incestus. 
6180  es  geschieht  auch  uncheusch  etwan 

mit  leuten,  die  sich  gegeben  han 

in  ainen  orden  durch  Jesum  Cristum. 

die  selb  uncheusch  haisset  stuprum. 

noch  ist  ain  snödeu  uncheusch  bechant, 
6185  von  der  sich  der  teufel  selber  schämt, 

und  ist  von  der  Sodomiten  gesiecht. 

die  selb  ist  wider  das  naturleich  recht. 

Haimo  der  lerer  gicht: 

„wenn  man  von  der  selben  uncheusch  spricht, 
6190  so  fliehen  die  lieben  engel  davon, 

das  si  es  nicht  mugen  hören  an." 

6163  wann  also  die  geschrift  settGD.  6165  flecket  F.  6168  etwannBS. 
6169  die]  das  G.  6171  wann  F.  selben  FG.  6173  das  selb  F.  6174  un- 
cheusch mit  fehlt  F.  6176  als  ich  hör  s.  GD.  6177  das  F.  die  da  SG. 
6178  v.  dem  tauf  oder  firmus  G.  oder  fehlt  D.  von  tauf  oder  von  D.  das 
zweite  oder  fehlt  BS.  firminus  WS.  6181  begeben  BSG.  6184  snödeu 
fehlt  B.  schnöde  W.  6188  Haymon  F.  Hyamo  S.  1.  der  spricht  G.  6190 
dervon  BS.  darvon  W. 

Zingerle,  Vintler.  14 


210 

sand  Gregorius  sagt  in  seiner  omelei, 

das  si  die  snödist  uncheusch  sei, 

ain  Zerrüttung  des  flaisches,  pluet  und  pain, 
6195  und  unsaubert  die  sele  rain, 

und  beraubt  die  junkfraul  eichen  chron 

und  geit  doch  gar  ain  pösen  Ion. 

auch  betrüebet  si  den  lieben  got, 

und  ist  widerzäm  dem  englischen  gepot. 
6200  Tulius  spricht:  „wer  der  uncheusch  ist  undertan, 

der  selb  ist  geleich  als  ain  aigen  man." 

sand  Augustin  der  lerer  sait 

ain  swären  spruch  von  der  uncheuschait : 

„wenn  der  uncheusch  hat  den  wan, 
6205  das  er  zu  der  uncheusch  wil  gan, 

und  hat  das  selb  in  seinem  muet, 

wenn   der   das  zaichen  des  heiligen  creuzes  für  sich  tuet, 

damit  sleusset  er  den  teufel  in  sich, 

noch  mer,  wann  er  in  treibet  hinder  sich." 

6210  Die  uncheusch  geleicht  man  wol 

der  fledermaus,  die  ist  so  vol  - 

uncheusch,  als  man  gicht, 

das  si  chain  naturleich  uncheusch  nicht 

treibet,  sam  die  andern  tier; 
6215  wann  die  fledermaus  ist  so  voller  uncheuscher  gir, 

das  ain  er  und  ain  er 

uncheuschen  mit  ainander  mer, 

wann  ain  si  und  ain  er  immer  tat. 

und  wenn  die  si  auch  wirt  geplät 

6193  schnöd  WBS.  schneidest  GD.  6194  pluetz  G.  6195  und]  wann  si 
F.  sele]  seilen  W.  selben  BS.  6196  der  [die  D.]  junkfrawen  GD.  6197 
doch]  auch  GD.  gar  fehlt  S.  6199  gepot]  got  B.  6200  wer  da  ist  un- 
cheusch u.  B.  uncheusch]  sund  GD.  6201  geleich  fehlt  G.  6202  sand 
fehlt  G.  Augustinus  G.  6203  unchewschichait  B.  6205  well  B.  6207 
der]  wer  F.  er  D.  kreutz  WBS.  6208  sleusset]  vertreibt  B.  6209  noch 
fehlt  GD.  wann]  denn  WG.  dann  D.  vertreibt  BFS.  V.  6210  —  6224 
fehlen  B.  6212  uncheuschait  SD.  6214  treiben  all.  Hds.  als  GD.  die 
fehlt  G.  6215  die  fledermaus  ist]  si  seind  GD  unkunsch  G.  6217  un- 
cheuschen] treibent  unkeusch  GD.  raitenander  W.  mer  fehlt  GD.  6218 
wann  si  und  ainer  nimmer  G.    nimmer  SD.     6219  wenn  fehlt  G. 


all 

6220  von  der  uncheuschen  begir, 

so  fleugt  si  darnach  für  sich  schier, 

da  si  ain  ander  si  vindt, 

und  mit  der  selben  so  macht  si  chint. 

sand  Pernhart  spricht  in  seiner  1er: 
6225   „sich  freut  der  teufel  chainer  sund  mer, 

wann  der  uncheuschen  tat." 

als  das  auch  geschriben  stat, 

das  der  teufel  tuet  alle  sund,  als  man  gicht, 

an  allain  die  uncheusch  nicht. 
6230  davon  ist  uns  das  wol  chunt, 

das  der  mensch  selten  mag  sein  an  sund. 

Osue  spricht:  „der  wein  und  das  weib 

verderben  paid  des  menschen  leib." 

und  der  apostel  auch  also  schreibt: 
6235   „welcher  mensch  uncheusch  treibt, 

der  sundet  in  seinen  aigen  leichnam." 

Isiderus  spricht  auch  davon : 

„solt  man  die  uncheuschen  stainen  ze  stet, 

als  man  in  der  alten  ee  tet, 
6240  man  wurd  der  staine  mangeln  drat." 

Oracius  auch  gesprochen  hat: 

„alle  gelückleiche  ding, 

die  sein  der  uncheusch  ain  urspring, 

aber  das  ungelück  vertreibt 
6245  die  uncheusch  ze  aller  zeit." 

frasshait,  chrieg  und  spil, 

uncheusch  und  weiber  ze  vil 

die  wüesten  allen  reichtumb. 

davon  sprach  Ondius  darumb, 
6250  man  sol  sich  nicht  daran  cheren, 

6220  unkünsch  G.  6221  floug  S.  6222  da]  das  F.  6223  so]  si  da  GD. 
si]  ir  G.  6224  spricht  fehlt  F.  6226  wann]  sam  BSD.  dann  G.  6228 
allew  F.  6229  unkeuschait  D.  6230  das  fehlt  B.  6231  sein  mug  G. 
6233  paidew  G.  6234  auch  also  fehlt  B.  6236  sein  F.  6237  Oracius 
sp.B.  V.  6238— 6241  fehlen  B.  6238  unchewschFGD.  verstainen  GD. 
6241  geschriben  G.  6242  aller  gelucklicher  G.  6249  Ofidius  sprach  d. 
GD.  davon)  also  S.  darumb  FWB.  wann  GD.  spricht  S.  6250  daran 
nicht  F. 

14* 


212 

ob  die  frawen  wainen  geren, 

wann  si  tuend  es  alzeit  auf  smaichen, 

das  si  die  man  mügen  gelaichen. 

darumb  maistern  si  ze  wainen  die  äugen, 
6255  das  man  in  dester  pas  sull  gelauben. 

„owe!"  spricht  her  Seneca, 

„  gedächtest  du  das  end  der  luxuria, 

der  anfank  wurd  dir  widerzam." 

Salomon:  „die  uncheuschen  leut  erchennet  man 
6260  an  dem  gesicht  mit  dem  winken, 

wann  die  uncheuschen  vast  hin  und  her  z winken. 

es  hilfet  auch  gar  ciain  die  huet, 

die  man  gen  den  uncheuschen  weiben  tuet. 

es  sein  vier  ding,  als  man  gicht, 
6265  die  selben  erfüllt  man  nimmer  nicht.     > 

das  ist  die  helle  und  das  uncheusch  weib, 

die  erfüllt  man  nicht  ze  chainer  zeit. 

das  dritt  das  ist  das  ertreich, 

das  ist  genueg  wunderleich, 
6270  das  es  sich  nicht  genüegen  lat 

des  wassers  an  chainer  stat. 

so  ist  das  feur  auch  ungenuegsam. 

das  selb  spricht  nimmer:   „las  stan 

das  holz,  ich  han  ietzund  genueg." 
6275  „noch  sein  vier  ding  so  clueg, 

und  die  ich  nicht  erchennen  chan  dapei, 

wa  der  weg  des  adlers  sei, 

wann  er  in  den  lüften  fleugt.   • 

der  natern  weg  mich  auch  vast  treugt, 
6280  wenn  si  sich  über  die  staine  slingt, 

6252  sew  tuen  F.  6253  das]  damit  F.  sew  F.  den  FS.  laichen  GD. 
V.  6254.  6255  fehlen  B.  6254  sew  F.  die]  ir  GD.  6255  in  fehlt 
F.  6257  gedenkest  W.  bedenkest  BSD.  gedacht  das  du  das  F.  der 
fehlt  F.  6258  wird  B.  war  F.  6259  S.  spricht  F.  leut  die  e.  W. 
leut  erchennet  man]  man  erkenn  G.  6261  fehlt  B.  zwinket  GD. 
unkeusch  GD.  6262  die]  dein  G.  6267  fehlt  B.  zue  aller  z.  G. 
6268  die  dr.  F.  dritt  ist  S.  6270  benügen  F.  6273  nimmer  nicht  1.  G. 
6274  yetz  WBSGD.  6275  clueg]  frei  B.  6276  und  fehlt  B.  mag  S. 
6278    die   lüfte   G.    6279    vast    auch   FD.    vast   fehlt   B.    betreugt  S. 


213 

_ 

und  wenn  das  scheff  im  mer  swimt. 

der  selbe  weg  ist  mir  ze  her, 

und  des  chindes  weg  hin  und  her, 

so  es  in  seiner  jugent  ist. 
6285  geleich  als  sein  die  weg  ze  aller  frist 

der  pösen  uncheuschen  weib." 

als  auch  sand  Paulus  davon  schreibt, 

das  allen  lust  diser  weite  prait 

got  hat  gemacht  in  die  uncheuschait. 
6290  Ofidius  spricht:  „wenn  der  jung  wirt  enzündet 

mit  der  uncheusch,  der  selb  sündet, 

aber  wenn  der  alt  uncheusch  begat, 

das  selb  haisst  man  ain  narrentat. tt 

Ecclesiastes  an  dem  sibenten  schreibt 
6295  und  spricht:  „ich  han  gesehen  das  weib 

noch  pitter  und  hantiger  wann  den  tot." 

Ambrosius  spricht:  „es  lait  auch  not 

der  chünig  Nabuchodonosor  von  Babilonia, 

das  cham  alles  von  der  luxuria, 
6300  do  er  mit  dem  vich  sein  zeit 

muest  verzeren,  als  Daniel  urchuud  geit. 

auch  Jeronimus  der  lerer  sait 

und  spricht,  das  Paulus  ain  seul  der  christenhait 

mocht  nicht  überig  beleiben, 
6305  er  gewunn  anfechtung  von  den  weiben. 

Aristotiles  spricht  in  seiner  summ, 

das  die  uncheusch  sei  ain  Zerrüttung 

aller  menschleichen  figur, 

als  sich  das  vindet  in  der  natur, 
6310  wann  die  uncheusch  wüestet  allen  sinn. 

des  ward  her  Salomon  wol  inn, 

6282  selbig  FD.  6285  als]  also  BD.  als  fehlt  G.  sein  fehlt  F.  6287 
davon]  das  BSG.  do  D.  6288  aller  FWBSG.  das  got  allen  lust  d.  w  D. 
6289  got]  nott  G.  hat  gemacht  in  die  keuschait  D.  6290  Ofidius  spricht 
fehlt  B.  spricht  fehlt  D.  erzundet  S.  6291  selb  fehlt  B.  selb  der  GD. 
6293  das  haisset  B.  selb  das  h.  D.  ain  fehlt  F.  man  fehlt  GD.  6295 
und  spricht  fehl  tWBSGD.  V.  6297  — 7329  fehlen  B.  6299  der  fehlt 
FD.  6300  da]  das  S.  6301  D.  von  im  u.  G.  6303  seul  sei  der  F.  das 
fehltD.  6304  übrig  WFS.  6305  gewann  G.  demleibeGD.  6308  mensch- 
licher WGD.  6310  uncheuschait  F.  alle  G.  6311  daz  G. 


214 

wann  er  als  vil  uncheusch  tet, 

das  er  des  letzten  apgötter  anpet. 

es  spricht  der  gross  philosophus : 
6315  „die  uncheusch  ist  geleich  als  tyrus, 

ain  slang,  die  ist  so  pöser  gir, 

wenn  die  becket  ain  ander  tier 

in  ain  gelid  gar  ain  ciain, 

so  faulen  die  andern  gelider  all  gemain. 
6320  geleich  also  ist  die  uncheusch  getan: 

wer  sich  die  lat  übergan, 

der  erfeult  leib  und  sei  damit. 

also  ist  uncheusch  gesitt." 

Augustinus  der  spricht  offenbar: 
6325   „mich  dunkt  ain  weib  säliger  zwar, 

die  den  magtum  verloren  hat, 

wann  ain  mait,  die  in  dem  muete  stat, 

das  si  noch  iren  magtum  gern  verlür, 

wann  der  will  get  ietzund  für." 
6330  Ofidius  geit  uns  ain  1er 

und  spricht:  „wiltu  sein  ain  herr 

deines  hauses  und  deines  guetes, 

so  soltu  nimmer  sein  des  muetes, 

das  du  dein  guet  gebest  alles  hin 
6335  weder  weib,  noch  chind,  das  vernim, 

noch  freund,  noch  prueder  so  vil  gebest, 

das  si  über  dich  sein,  die  weil  du  lebest. 

es  ist  vil  pesser,  das  gelaube  mir, 

das  man  chum  ze  gen  ade  dir, 
6340  wann  das  du  soltest  nach  gan." 

darumb  sprach  der  weise  man: 

6312  unchewschs  F.  6313  am  lensten  W.  am  lesten  S.  abtgoter  W.  die 
aptgoter  S.  ze  lest  an  G.  6314  sprach  GD.  6316  so  fehlt  WG.  6317 
heck  S.  heckt  GD.  6318  ain  fehlt  F.  enklain  S,  6319  glidern  gar  ge- 
main F.  6320  alsS.  6321  sich  laut  die  vast  G.  6322  erfault  F.  erfüllet  G. 
und  auch  G.  6323  also  die  u.  istg.  F.  sittG.  ist  der  unkeusch  sit  D.  6324 
der  fehlt  FGD.  6326  die]  dew  S.  6327  magt  SG.  die  da  WSG.  6329 
ietz  SG.  6330  uns  ietz  ain  S.  6336  frunden  G.  pruedern  GD.  so]  als  F. 
6337  fehlt  F.  6338  pöser  FG.  6339  chom  B.  zu  S.  genad  WB.  gnad 
FS.  gnaden  G.  6341  und  darumb  F. 


215 

„wer  do  entl eichet,  das  ist  recht, 

das  er  sei  des  entleichers  ehnecht." 

Isopus  der  gicht  auch  gar  wol: 
6345   „wer  do  hat,  das  er  haben  sol, 

der  sol  sich  lassen  genüegen  daran. 

wann  es  ist  vil  pas  getan, 

das  ainer  im  selber  mag  gepieten, 

wann  das  er  sull  aim  andern  mieten." 
6350  Salomon:  „die  freihait  ist  ain  solcher  gelt, 

das  si  nicht  ist  ze  verkaufen  umb  alle  weit, 

aber  der  geitig  der  nimpt  guet 

und  verchauft  darumb  sein  aigen  pluet." 

Jeronimus  ain  diener  Christ 
6355  spricht:  „dem  geitigen  geprist 

des  als  wol,  des  er  hat  rat, 

geleich  als  der  es  nicht  enhat." 

Von  der  uncheusch  hör  ich  sagen, 

das  ze  Rom  in  den  tagen, 
6360  was  ain  man,  der  hies  Kateline. 

der  was  so  mortleich  in  seiner  ee 

und  so  gar  in  uncheusch  verprant 

gen  ainer,  die  was  Abrecke  genant. 

nu  wolt  es  die  selb  frau  nicht  tuen, 
6365  wann  si  het  es  vor  getan  mit  seinem  sun. 

und  do  Kateline  das  erhört, 

do  tet  er  gar  ain  grosses  mort 

an  seinem  aigen  sun,  den  er  het, 

wann  er  gab  im  gift  an  der  stet 
6370  und  tot  in  mit  sein  selbes  hant. 

6342  enleichet  S.  entlechnet  GD.  6343  enleichers  FS.  lichers  G.  V.  6344 
—  6431  fehlen  B.  6344  der  fehlt  G.  6345  wer]  der  G.  6347  pös  S. 
6349  sol  F.  V.  6350.  6351  fehlen  D.  6350  S.  spricht  G.  die]  der  S. 
6351  ze]  zerF.  fürlauffenG.  6352  aber]  Salomon  D.  der  fehlt  FS.  6353 
und]  so  F.  verleusset  GD.  aigen  guet  pluet  G.  6354  J.  spricht  S.  J.  der 
spricht D.  6355  spricht]  fehltD.  wenn  G.  allweg  prist  G.  g.  dem  gebricht 
D.  dem  fehlt  F.  6357  des  er  F.  6362  gar  fehlt  F.  6363  Auteke  W. 
AureleS.  AwereleGD.  von  spät.  HandAurelia  zugesetzt  G.  6364 
selb  fehlt  F.  6365  het  vor  gehabt  seinen  s.  G.  het  von  seinen  sun  D. 
6368  aigen  fehlt  GD.  6369  an]  auf  GD. 


216 

darnach  ward  er  von  im  verprant. 
mit  soleichem  aufsatz  und  geteusch 
cham  er  zu  dem  weib  mit  uncheusch, 
also  das  sein  begir  an  ir  erfüllet  wart. 
6375  das  ward  an  im  auch  gerochen  hart, 
geleich  als  er  sein  selbs  chint  sterbet, 
also  ward  er  auch  verderbet. 

Man  list  von  der  luxuria 

in  der  historje  von  Roma, 
6380  das  der  chaiser  Theodosio 

het  ain  sun,  der  was  also, 

als  die  weisen  jähen  schon, 

das  er  war  ainer  soleichen  complexion, 

ist  das  er  sieht  feur  oder  die  sunnen  clar 
6385  wol  unz  auf  vierzechen  jar, 

so  mues  der  chnab  Verliesen  sein  leben. 

das  selb  merkt  der  chaiser  eben 

und  lies  do  machen  ainen  turen  clueg 

und  gab  dem  sun  darein  genueg, 
6390  was  er  bedorft  ze  seiner  nar. 

also  belaib  der  sun  vierzechen  jar 

in  dem  turn  in  seim  gemach, 

das  er  nie  feur  noch  sunnen  gesach. 

darnach  hies  in  der  chaiser  heraus  tuen, 
6395  wann  er  wolt  sehen  seinen  sun, 

und  hies  in  do  den  gelauben  leren 

und  sagt  im,  das  ain  got  war  der  himmel  und  erden. 

darnach  hies  im  sagen  der  weis, 

was  do  war  die  helle  und  das  paradeis, 
6400  und  was  die  engel  und  die  teufel  wären. 

6371  er]  im  F.  6373  weib  fehlt  F.  mit]  ze  WS.  6374  an  ir  fehlt  F. 
was  F.  6375  das]  damit  F.  hart]  das  F.  6376  sein  sun  lesfcorett  F.  sein 
kind  sterben  tetD.  sein  chint  tet  sterben  G.  6377  auch]  da  selb  F.  6379 
historien  G.  6384  die]  der  G.  6385  hintz  WSG.  hin  untz  D.  6387  das 
selb]  da  G.  do  D.  marekt  GD.  gar  eben  GD.  6388hiessGD.  6389  darinn 
S.  6390  was]  des  G.  6391  sun  wol  v.  S.  6392  an  F.  6393  nie  sunne 
noch  fewer  sach  F.  6398  hies  er  im  s.  G.  6399  was  da]  daz  daz  G.  und] 
oder  WS.  6400  teufel  und  die  engel  F.  oder  WS. 


217 

das  hies  er  im  alles  sampt  bewären, 

und  das  die  helle  war  ain  stat, 

da  die  teufel  frue  und  spat 

inne  prunnen  an  underlass, 
6405  und  das  si  den  armen  seien  wären  gehass, 

und  si  auch  marterten  mit  maniger  pein. 

darnach  zaigt  er  dem  sune  sein 

schöne  frawen  und  auch  man 

und  hübsche  ros  wol  getan, 
6410  und  sunst  aller  hand  und  hiez  ims  nennen, 

das  ers  hernach  auch  möcht  erchennen, 

und  hiez  im  die  unterschaidung  sagen, 

wie  alle  ding  ain  namen  haben, 

es  wäre  vogel  oder  tier, 
6415  und  von  den  hübschen  frawen  zier 

sprach  der  chaiser  in  schimpf  zehant: 

„die  frawen  dort  sein  teufel  genant 

und  füerent  die  leut  in  die  hell, 

da  hüet  dich  vor,  mein  lieber  gesell." 
6420  do  fragt  der  chaiser  den  jungeling, 

„wie  gefallen  dir  die  schönen  ding?" 

do  sprach  zu  im  der  junge  chnab: 

„was  ich  noch  gesehen  hab, 

das  ist  alles  sampt  ain  wint 
6425  wider  dort  die  schönen  chint, 

die  da  teufel  sind  genant; 

die  selben  gevallen  mir  allesampt 

allerpest  für  jederman. 

wie  wol  si  doch  den  seien  sind  gram, 
6430  das  si  sei  peinigen  an  underlass, 

so  gevallen  mir  doch  die  teufel  allerpas." 

6403  der  t.  SGD.  6404  pringen  S.  prunne  G.  6305  sew  F.  6406  si]  die 
G.  martern  WS.  martrotend  G.  maniger]  grosser  D.  6408  auch  fehlt 
WSD.  6410  hand  ding  GD.  hiez  fehlt  F.  6411  erS.  6412  underschaid 
GD.  6413  ainen  WS.  6415  und]  oder  F.  6417  die]  der  F.  6418  die 
fehlt  F.  6419  mein  fehlt  S.  6420  vorseht  F.  6421  gefallent  G.  schöne 
GD.  6423  noch]  alles  GD.  6425  weder  FG.  schöne  ding  G.  6426  und 
die  da  den  t.  F.  6428  aller  bast  D  6429  wie]  die  G.  doch  fehlt  W. 
6430  sew  si  F.  sei]  sie  G.  6431  teufel]  selben  G.  all  S.  bast  G. 


218 

Aber     von     der     mässichait. 

Ich  han  eu  vor  auch  gesagt 

von  der  mässichait,  als  ir  habt 

da  voren  wol  vernomen. 
6435  nu  wil  ich  an  ain  andre  mas  chomen, 

was  massig  sei  oder  rechte  mas, 

als  Adronico  sprichet  das, 

das  ist,  das  man  hab  in  allen  sachen  mitterung, 

also  lert  er  in  seiner  summ, 
6440  zwischen  ze  wenig  und  ze  vil, 

wann  Übermas  wüestet  alle  spil. 

der  mas  der  hangen  zwo  tugent  an. 

das  ain  ist  erberchait,  das  ander  ist  schäm. 

die  schäm  ist  gar  ain  liebes  chint, 
6445  wann  si  fürchtet  alleu  schantleiche  ding, 

als  die  erberchait,  die  ist 

nach  dem,  als  Macrobius  list, 

das  man  tue  alle  ding  erbärekleich. 

wann  die  mas,  die  ist  geleich 
6450  dem  scheffman,  das  ist  wol  chunt, 

der  hüetet  des  scheffes  ze  aller  stunt. 

geleich  also  ist  die  mas, 

die  selb  die  maistert  an  underlass 

alle  tugent,  die  in  der  weite  sein, 
6455  volchomenleich,  redleich  und  rain, 

geleich  als  der  scheffman, 

der  des  scheffes  nimet  gam. 

so  ist  die  schäm  also  getan 

als  das  stewerrueder,  das  lat  nicht  gan 
6460  das  scheff  an  chain  sorgsamleiche  stat. 

6432  euch  FG.  vor  fehlt  F.  6434  vornan  G.  6435  an]  in  F.  mässickait 
F.  6436  rechtew  SG.  6437  Andronicus  F.  6438  dingen  W.  Sachen  hab 
mit.  S.  miltrung  G.  6441  allew  G.  6442  mas  h.  S.  hangent  G.  6443  ist 
die  seh.  FS.  ist  fehlt  G.  d.  ain  das  istD.  6445  alle  WBSG.  schentleichew 
S.  6446  als  fehlt  F.  6448  das]  waz  G.  allew  G.  erbergleich  F.  6449 
die  fehlt  D.  6451  hüt  WB.  hat  D.  6452  die]  der  GD.  6455  fehlt  G. 
volkomenleichen  WBS.  redlichen  W.  redleichen  S.  V.  6456 — 6467  fehlen 
B.  6457  nimet  gam]  meinant  gan  WS.  ainmet  gawint  F.  6459  als  die 
st.  G.  daz  nit  laut  g.  G.  6460  sorgsame  w  G. 


219 

also  tuet  die  schäm  frue  und  spat, 

und  die  erberchait  gel  eichet  man 

des  scheffes  riemen,  die  sein  also  getan, 

das  sie  das  scheff  weisen  recht 
6465  den  rechten  weg  schon  und  schlecht. 

und  also  weist  die  erberchait 

und  die  mas  alle  tugent,  als  man  sait. 

die  mässichait  ist  ain  soleiche  frucht, 

das  von  ir  entspringen  drei  grosse  zucht: 
6470   am  ersten  hoher  freier  muet, 

zum  andern  mal  schöne  sitten  guet, 

zum  dritten  mal  züchtige  red  gemait, 

und  von  der  zucht  chumpt  dann  edelchait, 

nach  dem,  als  Alexander  spricht, 
6475  das  der  adel  sei  anders  nicht, 

wann  schöne  tugentleiche  sitt 

und  auch  alter  reichtumb  damit. 

Die  mässichait  mag  wol  sein 

geleich  dem  edlen  härmelein, 
6480  das  ist  das  mässigist  tierlein,  als  man  list, 

als  es  in  aller  weit  ist, 

und  als  massig  nach  des  maisters  sag, 

das  es  nur  ain  stund  isst  in  dem  tag. 

so  ist  es  auch  als  edel  und  clueg, 
6485  wann  es  der  speise  hat  genueg, 

so  chumpt  es  nicht  aus  seinem  obedach, 

darumb  das  es  sich  nicht  unsauber  mach, 

und  macht  sein  nest  mit  so  adeleichem  rat 

an  ain  truckne,  schöne  stat; 
6490  und  wenn  es  die  Jäger  wellen  vahen, 

6462  e.  die  g.  W.  6463  die]  und  W.  6467  die  fehlt  G.  und  die  fehlt 
D.  alle  mass  und  t.  D.  aller  S.  6469  entspringet  FD.  drei  fehlt  D.  die 
grossewG.  6070  an  dem  e.  F.  6472  redj  sitten  W.  6475  adel  fehlt  F. 

6476  schön tugentleich WS.  schönerF.  schöne  fehltGD.  tugentlicher GD. 

6477  auch  fehlt  FGD.  alten  WBFSD.  altenundr.G.  V.6478  — 6500 
fehlen  B.  6478  m.  die  mag  WG.  wol  fehlt  G.  geseinS.  6480  tierlW. 
tier  S.  man  sait  und  1.  F.  6481  aller  der  w.  F.  6483  nu  ainost  G.  nun 
einst  D.  im]  in  dem  F.  6484  und  als  c.  F.  6488  nest  so  mit  a.  G.  6489 
trucknew  schönew  G. 


220 

so   legen  si  umb  sein  loch  gar  nahen 

unsauberchait  und  chot. 

das  macht  dem  härmlein  ain  soleich  not, 

das  es  fleuchet  bald  davon 
6495  und  chumpt  doch  her  wider  schon 

zu  seiner  alten  wonung, 

und  wann  es  sieht  das  chot  darumb, 

so  lat  es  sich  vahen  ee, 

ee  das  es  sich  unsauber  mach  me. 
6500  als  gar  rain  und  als  gar  dar 

ist  es  an  seiner  edelchait  fürwar. 

Faro  der  maister  sprichet  das: 

„geleich  als  alle  ding  bedürfen  mas, 

also  wert  auch  an  mässichait 
6505  chain  ding,  als  man  sait. 

also  spricht  der  weise  man: 

„alle  ding,  die  nicht  masse  han, 

das  lobet  man  zu  chain  er  frist, 

wann  doch  ain  offens  wort  ist: 
6510  „wer  do  ze  palde  lauft, 

das  der  auch  dester  öfter  straucht." 

Socrates  der  spricht  auch  das: 

„alle  untugent  zaumpt  die  mas." 

Jufenalis  spricht  da  pei, 
6515  das  in  allen  dingen  das  mitter  das  peste  sei. 

Socrates  der  maister  schreibt: 

„alles,  das  man  übertreibt, 

das  macht  die  leut  verdrossen  ser.tt 

auch  spricht  der  maister  mer: 

6491  sew  F.  6492  und  uns.  F.  6494  darvon  G.  dervon  WS.  6495  her 
wider  fehlt  F.  6497  krott  drum  G.  aldrum  WS.  6498  fauchen  F.  6499 
macht  F.  6500  als  clar  WS.  und  auch  cl.  G.  und  gar  clar  D.  6503  allew 
G.  bedurffend  G.  6504  als  S.  wirt  GD.  an  fehlt  GD.  unmässichait  all. 
Hds.  6505  über  ding  ist  lange  mit  blasser  Tinte  gesetzt  W. 
6506  aber  so  F.  6509  w.  das  dochB.  V.  6510.  6511  fehlen  B.  6511 
der]  er  F.  der  selb  D.  auch  fehl  t  G.  6512  der  fehl  t  BG.  6513  tugent 
die  zäumt  WB.  tugent  die  zaement  S.  tugent  zämet  GD.  V.  6514.  6515 
fehlenB.  6514  sp.  auch  d.  GD.  651  5  mittelGD.  V.  6516.  6517  fehl  e  n 
F.  6516  m.  der  seh.  G.  6519  auch  so  sp.  WS.  der  selb  m.  G. 


221 

6520  „übervil  und  ain  clainer  tadel, 

die  wüesten  vil  tugent  und  adel." 

Galienus  spricht:   "ze  wenig  und  ze  vil, 

das  selbe  wüestet  alle  spil, 

auch  wüestet  ain  claine  galle 
6525  das  honig  gar  und  gar  mitalle.44 

Plato  der  hoch  maister  sait: 

„es  ist  nicht  pös,  was  man  üebt  mit  mässichait." 

so  ist  das  auch  wol  bechant, 

das  alte  sund  macht  newe  schant. 
6530  und  von  der  mass  schreibt  man  das, 

das  der  chaiser  Theodosio  was 

so  gar  unmässig  mit  dem  zoren  sein. 

das  selb  erchant  er  auch  an  im 

und  pat  sein  diener  all  genäm, 
6535  wann  si  sähen,  das  in  der  zorn  an  chäm, 

was  er  danne  schüef  oder  pät, 

das  das  selb  ir  chainer  nicht  tat. 

Seneca  spricht  zu  den  seinen : 

„wildu  das  alle  ding  scheinen 
6540  schön  und  guet  an  urdrutz, 

so  üeb  si  mit  ainem  fröleichen  antlutz." 

Avicenna  spricht:  „an  die  schäm 

mag  chain  ding  sein  wol  getan 

noch  guet,  noch  adelleich, 
6545  noch  siecht,  noch  erleich." 

Salomon  spricht:  „wa  ain  guete  schäm  ist, 

da  ist  ain  guete  gewissen  ze  aller  frist, 

und  wenn  die  schäm  nicht  macht  erplaichen 

in  der  jugent,  das  ist  gar  ain  pöses  zaichen." 

6520  übervil]  über  wil  GD.  vil  übel  WBFS.  ain  fehlt  GD.  6521  fehlt 
F.  wösten  vil  ubelt.  G.  V.  6522  —  6525  fehlenB.  6522.  6523  fehlen 
D.  6523  selb  das  GS.  6524  klainew  G.  6525  und  gar  mitalle]  überall 
GD.  mit  fehlt  F.  6526  m.  der  s.  G.  6527  nichtz  G.  was]  das  G.  6528 
das  fehlt  GD.  6529  machen  WFBS.  V.  6530—6537  fehlen  B.  6532 
unmässig  fehltS.  6533  er  fehlt  FS.  6534  alle  gemain  G.  6537  nur 
ein  das  F.  nicht  fehlt  GD.  6539  alle  deine  d.  scheinent  G.  6540  ver- 
druzz  B.  6546  Salomon  spricht  fehlt  B.  guettew  G.  6547  guettew  G. 
ein  guet  D.  6548  wen  D.  mag  W.  mach  B. 


222 

6550  Isiderus  der  lerer  gicht: 

„trag  die  schäm  stät  vor  deim  angesicht." 

Cassiderus:  „wer  da  nicht  von  schäm  leidt  not, 

der  selb  ist  lebentiger  tot." 

Plato  spricht:   „es  ist  pesser  der  tot  an  wan, 
6555  wann  das  man  lebet  ane  schäm. 

darumb  ist  in  dem  menschen  nicht 

chain  pöser  tadel,  als  man  gicht." 

der  diemüetig  wirt  neidig  selten, 

so  chan  den  schämigen  niemant  schelten. 
6560  doch  ist  die  mas  für  die  schäm, 

wann  die  mas  ist  also  getan, 

das  si  sich  nicht  schämen  darf. 

die  mas  ist  so  sinnereich  und  scharf, 

das  si  ist  pei  got  dort  oben. 
6565  man  sol  die  schäm  nicht  alzeit  loben, 

wann  die  schäm  ist  nicht  geleich. 

etleich  schäm  ist  lobeleich, 

die  in  der  jugent  wirt  getan, 

aber  alter  sol  nicht  schäme  han. 
6570  wann  alter  sol  volchomen  sein, 

das  im  chain  schäm  mache  pein. 

wann  man  hat  das  oft  gehört, 

das  alter  sol  haben  weis  und  wort, 

das  es  der  schäm  müg  entrinnen, 
6575  wann  schäm  lobt  man  nur  an  den  chinden. 

auch  von  der  tugent  der  ersamkait 

hat  der  maister  Plato  gesait: 

„wer  da  zu  erberchait  nicht  hat  pflicht, 

der  acht  chainer  andern  tugent  nicht." 
6580  Socrates  der  schreibt  auch  das, 

6550  lerer  fehlt  F.  spricht  S.  6551  stät]  statticleich  F.  stetz  B.  und 
schätz  GD.  dem  W.  6552  Cassiderus  fehlt  WBGSD.  leit  F.  6553  lerab- 
tiger  S.  6554  Plato  spricht  fehlt  B.  spricht  fehlt  G.  6557  pesser  G. 
tadel  fehlt  F.  6560  doch]  noch  D.  6561  wann  mas  die  ist  WB.  die  fehlt 
GS.  6562  sich  fehlt  S.  bedarf  BF.  6563  sinne]  schinnenWS.  scheinend 
G.  schynend  D.  reich  und  fehl  t  WBSGD.  6564  si  fehlt  F.  oben]  leben 
GD.  6567  schäm  die  ist  vast  1.  G.  6569  schäm  WBGS.  6575  nur]  nunD. 
6576  ersamikait  FSB.  6578  da  zu]  zu  der  D.  hat  nicht  B.  6580  spricht  D. 


22B 

das  die  ersamchait  weiset  alle  tügent  fürpas. 

so  ist  ain  tügent  genant  die  zucht, 

die  selbe  ist  ain  soleich  frucht 

und  ist  darzu  als  geheur, 
6585  das  si  lescht,  sam  wasser  das  feur, 

alle  tadel,  die  in  dem  menschen  sein. 

Homerio  spricht  in  seiner  omelein: 

„wer  da  hie  entrinnen  well 

der  sorgsamen  weit,  der  gesell 
6590  sich  zu  der  curtesia." 

Socrates  spricht  auch  da: 

„man  vindet  chain  ding  under  aller  frucht, 

das  als  lieb  werd  gehabt  als  die  zucht." 

Salfaustius  der  sinnereich 
6595  spricht:  „recht  sam  das  chraut  deckt  das  ertreich, 

also  deckt  die  zucht  an  underwint 

die  tadel,  die  an  dem  menschen  sint." 

und  von  der  edelchait  Plato  spricht, 

das  si  sei  anders  nicht, 
6600  wann  ain  tugentleiches  gemüet 

und  das  in  tügent  alzeit  plüet. 

Socrates:   „die  edelchait  der  menschen  ist 

in  der  nutzperleichen  person  ze  aller  frist 

und  ain  behende  edel  ist  ain  triegel, 
6605  und  ist  geleich  sam  ain  Spiegel, 

der  sich  aussen  erzaigt  mit  der  tat, 

das  er  doch  innen  nicht  enhat." 

Aristotiles  spricht  auch  das: 

die  sunne  scheinet  auf  das  as 
6610  und  wirt  doch  davon  smecken  nicht, 

und  ist  auch  dannoch  alzeit  Hecht. 

also  ist  etleich  edel  getan; 
6581  die  fehlt  GD.  ersamichait  BFS.  all  ander  t.  GD.  6583  selb  die  ist 
WB.  6585  lest  glich  als  w.  G.  6587  omeley  FGD.  6591  S.  der  sp.  B. 
auch  da]  allda  GD.  6593  gehabt  werd  G.  6594  Salustinus  BGS.  6595 
rechtfehltGD.  sam]  als  FGD.  das  fehltB.  V.  6598  — 6601  fehlenB. 
6602  Socrates  fehlt  B.  —  S.  spricht  G.  adelkait  G.  6605  adel  G.  und] 
wann  B.  6605  sam]  als  S.  güchsam  ainem  G.  V.  6606—6858  fehlenB. 
6607  nit  haut  G.  6610  stucken  S.  darvon  G.  6611  ist  fehlt  G.  auch] 
doch  S. 


224 

die  ist  nicht  anders  wann  ain  nam, 
aber  die  zaichen  der  rechten  edelkait 
6615  das  sind  die,  als  Aristotiles  sait, 

die  do  haben  freies  gemüet 

und  die  do  sein  ainer  waren  güet, 

und  die  treu  und  stät  im  herzen  tragen, 

und  die  do  alle  poshait  versmachen, 
6620  auch  den  die  parmherzikait  wonet  pei, 

und  die  do  fliehen  ribaldrei, 

auch  die  da  massig  sein  an  Worten 

und  beschaidenleich  an  allen  orten. 

auch  sol  erchennen  ain  edel  pluet 
6625  alle  dienst,  die  man  im  tuet. 

aber  etleich  herren  sind  so  frat, 

wann  man  in  lang  gedienet  hat, 

das  ist  gen  in  als  wol  erchant, 

als  der  do  saicht  an  aine  want. 
6630  wann  er  denkt  in  seinem  sinn 

tag  und  nacht,  wie  er  in  pring 

umb  das  sein,  mit  soleichem  mort 

macht  er  pald  auf  in  ain  wort, 

das  im  wirt  ain  alefanz, 
6635  und  spricht,  er  wolt  nicht  an  den  tanz 

heuer  zu  der  vasnacht  gan. 

mit  soleichem  aufsatz  hat  man  dan 

den  gueten  armen  man  gelaicht, 

oder  man  gicht,  er  hab  gesaicht 
6640  heuer  gen  der  sunnen  clar, 

oder  man  gicht,  er  hab  das  jar 

gepadet  mer  dann  dreistunt, 

damit  das  er  umb  das  sein  chumpt. 

so  haben  die  herren  etleich  rät, 

6617  die  fehlt  G.  6618  stättyG.  6619  da  fehlt  FG.  6620  dem  da  p. 
G.  den  die  da  p.  F.  wone  W.  6621  fliechent  GS.  6622  auch  die  da]  und 
auch  GD.  an]  mit  F.  6623  beschaiden  GD.  6624  adel  G.  6629  sticket 
WGSD.  an]  in  S.  6630  im  in  GD.  6633  auf  in]  auch  im  F.  ain  fehl  t 
WS.  wart  S.  6634  alfanz  FS.  6642  mer  gebadet  denn  dreimal  darum  D. 
6643  damit]  ee  GD.  kum  GD.  6644  so  habent  denn  ettlich  herren  rat 
[raut  G.]  GD. 


225 

6645  die  selben  die  sein  eren  grät, 

wann  si  raten  auf  alefanz. 

man  vindt  die  rate  selten   ganz. 

wie  sol  der  guetes  raten  icht, 

der  do  selber  ist  ze  nicht? 
6650  so  haben  die  rät  den  Neithart. 

der  selb  der  wüestet  an  aller  stat 

alle  rät,  hör  ich  sagen. 

wann  es  wil  iegleicher  haben; 

und  ob  man  ainem  geit  dann  mer, 
6655  das  selb  das  müet  den  andern  ser 

und  wirt  danne  daraus  ain  neit. 

wann  das  ist  ze  aller  zeit, 

das  die  minnern  neiden  ze  aller  stunt 

die  merern,  das  ist  allen  chunt. 
6660  davon  sprach  Seneca  der  weise  man, 

das  der  neit  am  ersten  auf  cham. 

das  cham  alles  von  ainem  wort, 

do  man  das  selbe  sprechen  wart : 

„das  ist  mein,  das  ist  dein." 
6665  davon  cham  der  neit  unrain. 

man  solt  pilleich  loben  den  adel. 

so  sticht  etleicher  als  ein  nadel. 

ich  bedorft  gar  ainer  langen  zedel, 

solt  ich  sagen,  wie  der  edel 
6670  sein  ere  solt  besorgen. 

den  abent  und  den  morgen 

so  bedarf  er  seiu  treu  und  weis, 

züchtig,  cheusch,  so  wirt  sein  reis 

plüen  vor  zarten  frawen  clar. 

6645  selben  sein  SGD.  grat  GD.  6646  alafanz  W.  allafantz  G.  allenfanz 
D.  6647  der  selb  D.  6651  selb  w.  F.  wüstet  aller  hart D.  wachset  G.  6653 
haben]  sagen D.  6654  ainem  fehlt  F.  mer  er  G.  6656  w.  dann  aus  ain  S.. 
6658  minnorn  F.  miudern  GSD.  6659  merren  WS.  merorn  F.  i.  uns  a.  F. 
6660  darvon  spricht  S.  6661  das]  da  G.  do  SD.  6663  do]  das  G.  man] 
nun  D.  gesprochen  D.  6665  und  von  dem  F.  von  dem  GD.  der  pös  nydG. 
6668  dorf  S.  bederfft  D.  ain  lange  F.  ains  GD.  6670  versorgen  F.  6671 
und  auch  GD.  6672  darf  WS.  er  ze  sein  D.  6673  künsch  G.  6674 
von  W. 

Zingerle,  Vintler.  |5 


226 

6675  nimpt  er  der  diemuet  und  gehorsam  war 

und  auch  der  parmherzikait, 

ist  er  raanhait  unverzait, 

so  wirt  sein  lob  gar  weit  erchant 

und  füert  auch  ritteiieich  sein  ampt. 
6680  auch  gehört  ainem  edelman 

das  von  got  alzeit  an, 

das  er  beschirme  arm  und  reich, 

als  verr  er  mag,  das  ist  pilleich. 

aber  es  tuet  sich  vast  vercheren, 
6685  man  sieht  vil  wol  die  armen  scheren, 

das  selb  ist  nu  der  herren  ampt. 

pfui  hiu,  pfui  hin  der  grossen  schant! 

das  macht  den  adel  an  eren  wunt. 

man  solt  si  haben  als  die  hunt, 
6690  das  si  sich  selber  wurden  erchennen. 

ich  waiss  ir  vil,  solt  man  si  nennen, 

die  do  nement  guet  für  er. 

die  selben  solt  man  nimmer  mer 

pei  dem  adel  lan  beleiben, 
6695  man  solt  si  müglich  fuder  schreiben 

zue  den  pösen  valschen  wichten. 

ach  und  chund  ich  si  ausrichten 

die  selben  pisedelleut, 

das  si  der  teufel  immer  treut! 
6700  si  chamen  nie  von  rechtem  adel. 

man  solt  si  mit  der  mistgabel 

alzeit  lassen  paissen 

und  soltz  nicht  anders  haissen, 

6677  er  aim  manhart  F.  und  ist  er  D.  6679  auch]  aus  F.  auch  gar  D. 
reichleichWSGD.  6680  an  ain  e.  F.  ain  W.  6681  alle  z.  D.  6682  schirm 
GD.  6684  vercherrenF.  6685  vilj  si  GS.  vil]  fehltD.  scherren  F.  6686 
selb  und  nu  fehlen  GSD.  nu]  itzund  F.  6687  phew  |  phew  GD.  ein 
pfui  hin  fehlt  W.  6689  sew  F.  halten  GSD.  6690  das  sew  selben  F. 
6691  man]  ich  D.  sew  F.  6692  ere  F.  6693  sol  S.  mere  F.  6695  sew  F. 
sey  G.  müglich  fehlt  WFS.  pillich  D.  furder  WD.  Scheiben  D.  6696 
valschen  pösen  WG.  6697  ach]  auch  D.  undfehltGD.  chund]  solt  WGSD. 
sew  F.  sey  G.  6698  piz  edel  W.  pis  edel  FS.  pisz  edel  D.  6699—6704 
fehlen  F.  6699triutG.  6700  die  do  nie  kament  v.GD.  komenS.  6701 
sey  G.  der]  ainer  GD. 


227 

wann  die  pisedelleut. 
6705   die  selben  sint,  als  ich  euch  bedeut, 

so  gar  an  adel  sauer 

und  gelten  doch  nur  drei  ain  pauer, 

und  wenn  ain  soleich  pöser  man 

gewalt  sol  über  leute  han, 
6710  der  tuet  dem  adel  dann  als  we. 

ich  waiss  ir  zehen  oder  nie, 

die  selben  die  sein  pas  gelart, 

wie  das  si  menen  mit  dem  gart, 

wann  das  si  lehen  leihen. 
6715  das  macht  den  adel  deihen, 

wann  ain  soleich  villan 

sol  an  gericht  umb  lehen  gan, 

der  nicht  wais,  was  adel  ist. 

er  wais  vil  pas,  wie  der  mist 
6720  den  acker  sol  betungen. 

ich  mag  in  sein  nicht  gunnen, 

das  etleich  chnaben  sind  so  chnaus. 

die  geleich  ich  zue  der  fledermaus. 

wie  das  geschieht,  das  wil  ich  sagen. 
6725   wanne  man  sol  er  bejagen 

gen  den  veinten  mit  der  haut 

oder  beschirmen  sol  die  lant, 

so  wil  der  pös  man  unrain 

sein  ain  maus  und  beleiben  hie  haim. 
6730  aber  wann  man  steuren  sol, 

so  wil  er  sein  ain  vogel  wol. 

davon  war  sicher  wol  getan,  . 

das  man  chainen  pisedelman 

6704  pisedel  W.  pis  edel  FS.  bissedel  G.  pisz  edel  D.  6705  send  G.  seind 
D.  e\v.  S.  6707  geltent  GD.  nur  fehlt  G.  doch  drei  nun  D.  pauren  S. 
pawein  F.  6708  wann  F.  pisman  S.  6709  solt  F.  6710  denn  WGSD. 
also  F.  6712  selben  s.  WFS.  6713  mennen  F.  nement  den  g.  G.  nyemen 
D.  dem]  aira  S.  6714  leihen  fehlt  G.  lehen  fehlt  D.  6715  teichen  F." 
tychen  G.  6716  wanj  was  GD.  6717  umb]  und  G.  oder  D.  leben  W. 
6718  waist  GD.  6719  wais]  west  GD.  6721  ims  nicht  GD.  6722  das] 
als  F.  sein  WS.  so  fehlt  F.  6724  beschicht  D.  ich  fehlt  F.  6729  und 
allweg  pleiben  dahaim  GD.  6730  abei]  oder  D.  stechen  G.  6732  darumb 
GD.  6733  chain  F.  piz  edel  man  W.    pis  edelman  FS.   pisz   edlen  man  D. 

15* 


228 

nicht  lies  zu  edlen  valken. 
6735  man  solt  si  fuder  schalken 

zu  der  eulen  hinten  zu, 

und  an  si  schreien  hu  hu  hu, 

an  die  selben  neuleich  edel. 

als  man  auch  list  an  ainer  zedel, 
6740  als  das  manigem  ist  bechant, 

das  an  dem  osterleichen  ampt 

zu  der  weich  wirt  getragen 

der  pock,  das  lamp,  hör  ich  sagen; 

und  ob  das  lamp  unten  leit, 
6745   so  wirt  im  doch  sein  weich  enzeit, 

und  dem  pock  oben  nicht. 

geleich  als  hat  der  adel  pflicht. 

der  selb  wirt  niemant  geben, 

nur  der  züchtikleich  chan  leben. 
6750  man  vindfc  vil  manigen  pösen  man, 

der  nicht  wil  sein  ain  villan, 

und  ob  er  dann  trait  ain  vechen  rock, 

so  stinket  er  doch  nur  als  ain  pock. 

wann  Unart  choppet  in  sein  art, 
6755  als  Salomon  wol  beweiset  wart 

mit  ainer  katzen,  die  da  was. 

die  selb  chunt  von  gewonhait  das : 

so  man  saz  ob  dem  tisch, 

man  äss  wildprät  oder  visch, 
6760  ain  cherzen  si  doch  alweg  hielt 

mit  iren  füessen,  der  si  wielt, 

unz  das  das  essen  ward  getan. 

so  lies  man  si  dann  fuder  gan. 

nu  west  ain  weiser  wol  die  chunst. 

6734  zu  den  e.GD.  6735  solt  fuder  sy  all  seh.  G.  furderD.  6736  kuolen 
S.  eulen  her  h.  W.  6737  sei  F.  6739  einem  GD.  6743  lamp  fehlt  GD. 
hör  ich  sagen]  zu  den  selben  tagen  WGS.  6745  wichy  zeit  GD.  entzeitFS. 
6746  obnan  GD.  6747  alsoFGD.  6750  pös  WS.  pisman  GD.  6752  und 
fehlt  FGD.  denn  WGD.  6753  nur  fehlt  GD.  6755  bewisen  G.  wart] 
hat  F.  6757  selb  die  k.  D.  6758  ob]  an  S.  tische  F.  6759  wilprat  F. 
wilpret  GD.  vischeF.  6760  doch  fehlt  G.  6762  hintz  GS.  nur  ein  das 
D.  6763  sei  danne  F.  denn  WGD.  furder  D. 


229 

6765  der  vieng  drei  meuse  mit  verrinnst, 

der  lies  er  pald  laufen  aine 

neben  der  chatzen  paine, 

doch  si  do  die  cherzen  hielt, 

das  si  si  nicht  von  ir  schielt, 
6770  und  graif  auch  nicht  nach  der  maus. 

do  lies  der  weis  ain  andere  heraus 

laufen  gar  nahent  pei  ir, 

die  chatze  winket  mer  denn  zwier, 

und  wolt  si  han  ersprungen. 
6775  doch  vorchte  si  ze  stunden 

alda  des  hohen  chüniges  wort, 

das  si  die  cherzen  hielt  fort. 

darnach  lies  man  die  dritten  maus 

für  die  chatzen  springen  heraus, 
6780  und  do  die  maus  ward  springen, 

do  chunt  sich  die  chatz  nicht  twingen. 

si  vieng  die  maus  mit  schallen 

und  liess  die  cherzen  vallen. 

also  tuet  nicht  das  edel  pluet. 
6785  ob  im  vercheret  wirt  der  muet 

zu  lasterperleichen  dingen, 

das  lat  er  sich  nicht  twingen, 

als  die  katze  tet  hie  vor. 

wann  adel  fleucht  der  schänden  spor, 
6790  als  ir  oft  habt  gehört, 

so  tuet  unart  nach  seiner  art. 

Augustinus  der  lerer  gicht, 

das  der  adel  chome  nicht 

von  vatter  noch  von  enen. 
6795  was  bedarf  ich  mich  darnach  senen, 

6765  Vernunft  WGD.  vernuft  S.  6766  der]  da  G.  do  SD.  er  fehlt  F. 
ainenG.  6767painenG.  6768  da  si  da  F.  die  fehlt  S.  cherzen]  katze D. 
hielte  F.  6769  si  es  WF.  sis  S.  schielte  F.  6772  nahent]  neben  S.  6773 
chatz  die  w.  W.  6777  fort]  hart  F.  so  fort  GD.  6778  man]  er  D.  dritte 
GD.  6779  springen  fehlt  F.  6981  nit  zwingen  GD.  6782  schalle  G. 
6785  der]  sein  F.  6786  lasterpären  GD.  6787  das]  so  F.  zwingen FGD. 
6792  spricht  F.  6793  kumeG.  6794  noch]  und  auch  G.  aennen  G.  ennen 
D.  6795  darff  D. 


230 


das  mein  vatter  ist  gesunt, 

und  das  ich  war  siech  alle  stunt. 

wann  rechter  adel  ist  so  mugent, 

das  er  nuer  chumpt  von  aigner  tugent. 
6800  wann  man  vindt  vil  manigen  wüetreich, 

die  do  sein  an  guet  reich, 
'  und  doch  nit  haben  adeleichen  muet. 

die  selben  velschen  das  edel  pluet. 

wann  etleich  leut  die  sind  so  her, 
6805   das  si  mainen  all  ir  er, 

die  si  haben  in  diser  weit, 

die  haben  si  von  irem  gelt 
.  und  von  irem  grossen  schätz 

und  auch  von  irem  aufsatz, 
6810  den  si  treiben  hie  auf  erd. 

sei  dunkt  halt  got  darzu  unwert. 

das  si  im  geben  nur  die  er, 

wann  si  mainen,  si  haben  mer 

ir  guet  von  in  selber  hie. 
6815  ir  sein  auch  vil,  wann  man  die 

straffet  umb  ir  missetat, 

so  fluechen   si  für  sich  an  der  stat 

got  und  der  vil  rainen  mait. 

das  sol  nun  sein  ain  manhait. 
6820  welcher  allerpest  fluechen  chan, 

den  sol  man  haben  für  ainen  man 

und  für  ainen  gueten  gesellen, 

aber  welcher  sich  chan  stellen 

tugentleich  nach  gotes  gepot, 
6825  der  selb  ist  ietz  der  leute  spot, 

aber  welcher  ietz  in  disen  jaren 

6797  siech  war  G.  siech  fehlt  F.  6798  adel  fehlt  S.  6799  nuer]  nu 
W.  nü  S.  6800  vil  fehlt  GD.  6802  nit  fehlt  F.  6803  d.  selben  die  D. 
edel]  adellichen  G.  6804  die  und  so  fehlen  F.  die  fehlt  D.  6807  die] 
das  WFS.  6809  aus s atz  F.  6810  tribent  auf  diser  e.  GD.  sew  hie  treiben 
auf  erd  F.  6811  si  WGD.  6812  geben  fehlt  F.  im  nur  gabent  die  G. 
im  nun  gebent  d.  D.  6813  wan  si  haben  mer  W.  6815  vil  fehlt  W. 
man  fehlt  S.  6817  für  sich  fehlt  D.  6818  vil  fehlt  F.  rayne  D. 
6820  und  w.  ietz  GD.  pastGD.  6824  und  nach  g.  GD.  6825  ietzundFD. 
leute]  weite  F.  6826  ietzund  F. 


231 


nuer  üppicleichen  chan  geparen 

und  neu  poshait  treiben, 

den  selben  sol  man  schreiben 
6830  ietzund  in  der  fürsten  rat 

und  sol  in  eren  an  aller  stat 

als  ainen  wirdigen  man. 

nun  secht  nur,  was  der  teufel  chan, 

das  er  manigen  chan  also  leren, 
6835   das  er  mues  ainen  pösen  eren 

noch  mer,  wann  den  lieben  got, 

als  man  wol  sieht  sunder  spot 

an  dem  heiligen  sacrament, 

das  uns  doch  allen  chummer  went. 
6840  wann  man  das  celebriert, 

so  sich  ich  manigen  als  unpoliert, 

das  er  sich  ungeren  cheret  dar, 

das  er  des  hailands  näme  war, 

oder  das  er  seinen  huet 
6845  abzüg  gen  dem  heiligen  pluet, 

oder  das  er  seine  pain 

ungeren  nur  pug  ain  ciain 

gen  der  höchsten  heilichait. 

wann  doch  Paulus  also  sait: 
6850  „alle  himlische,  irdische  und  hellische  chnie 

müessen  dem  gottes  namen  ie 

naigen,  als  das  pilleich  ist 

nur  wenn  si  hören  nennen  Christ." 

da  mag  man  merken  wol  dapei, 
6855  das  der  mensch  pöser  sei, 

wann  der  teufel  mit  seinem  triegen; 

wann  der  teufel  tuet  sich  piegen 

6827  nun  D.  üppicleich  FGSD.  paureri  G,  paren  D.  6828  neu]  nwr  G. 
nun  D.  p.  kan  tr.  GD.  6830  der]  diser  GD.  6833  nur]  an  GD.  wesz  D. 
6834  lernen  F.  6836  wann]  deun  GD.  6837  wol  fehlt  F.  6839  uns] 
und  S.  doch  fehlt  GD.  6840  wenn  GD.  celebrett  G.  eleviert  D.  6841 
sieht  man  W.  verpuliert  GD.  6845  dem  seligen  [selbigen  D.]  und  h.  GD. 
6847  ain  ciain]  allain  S.  6849  wenn  G.  6850  himellische  W.  und  fehlt 
S.  6851  dem  fehlt  F.  6853  nun  D.  nemen  Jhesum  Ch.G.  6854  da]  dz.  D. 
man  wol  m.  d.  S.  wol  iederman  m.  pei  G. 


gen  dem  heiligen  gotleichen  namen. 

o  mensch,  des  darft  du  dich  wol  schämen, 
6860  das  der  teufel  got  naigt,  als  man  spricht, 

und  du  wilt  got  naigen  nicht, 

der  dir  hat  geben  leib  und  leben. 

ei  lieber  mensch,  bedenk  dich  eben, 

das  du  so  gar  nichtz  nicht  pist. 
6865   du  wärst  noch  snöder  dann  ain  mist, 

ob  du  gottes  soltest  enperen. 

ich  waiss  wol,  das  du  ainem  herren 

naigen  muest  oft  und  vil, 

der  dich  nicht  als  lieb  haben  wil, 
6870  als  dich  got  hat  sicherleich. 

er  ist  als  wol,  als  du  ertreich. 

dem  muest  du  naigen  auf  paide  chnie, 

und  du  wilt  dich  riit  naigen  hie 

gen  dem,  der  für  dich  nackent  und  plos 
6875  hieng  und  lait  vil  marter  gros. 

es  war  zwar  wol,  das  got  der  herr 

die  selben  straffet,  die  im  sein  er 

wellen  also  nemen  hie, 

das  den  ir  unsälige  chnie 
6880  derstarten  als  dem  helfant, 

das  an  in  wurde  bechant, 

das  si  got  versmächet  hetten, 

und  das  in  für  ir  haub  ze  stetten 

wuechs  aus  dem  haupt  ain  pockshoren, 
6885   darumb  das  si  den  hochgeporen 

nicht  eren  wellen  mit  ainem  clainen  guet, 

das  st  nur  abtäten  den  huet 

6858  göttlichen  GD.  6859  der  bedarf  B.  soltu  d.  GD.  wol]  nicht  W.  6861 
wil  F.  6862  gab  GD.  leib]  lieb  S.  6863  ei]  sich  D.  gedenk  GD.  6864 
nicht  fehlt  GD.  nit  W.  6865  ain]  der  GD.  6867  du  fehlt  S.  6869 
als  fehlt  GD.  6870  all  W.  hat]  war  und  GD.  6871  wol  fehlt  S.  6872 
dem  du  m.  F.  paidew  G.  6873  nit  fehlt  S.  6874  nakchant  B.  nakat  S. 
und  fehlt  WS.  6876  wol  zwar  F.  zwar  fehl  fcS.  6877  die  im  sein  er]  serB. 
V.  6878  — 6911  fehlen  B.  6878  wellent  GD.  also  wollenS.  6879  denn 
irew  unsalligew  G.  ireD.  6880  erstartenD.  6881imWSF.  erchant  SGD. 
6882  versmachtF.  6883  und]  auch  GD.  für  haub  WS.  haupt  GD.  hauben 
wuchs  ze  F.  6884  wuchs  fehlt  F.  auf  W.  poxhorn  D.  6887  nun  D. 


233 

gen  der  allerhöchsten  sälichait, 

da  aller  unser  trost  an  leit, 
6890  das  si  den  nicht  eren  wellen. 

ich  han  gehört  von  meinem  gesellen, 

das  Albertus  Mangnus, 

der  do  was  ain  nigromaticus 

und  was  darinne  gar  behend, 
6895   ains  tags  sach  er  das  sacrament 

tragen  ainem  siechen  man 

und  sach  den  teufel  auch  dort  stan. 

der  zuckt  sein  chappen  für  sich  hie 

und  viel  nider  auf  die  chnie 
6900  gen  dem  starchen  Altissimus. 

do  sprach  zu  im  Albertus : 

„sag  an,  warumb  chniestu  nider?" 

do  sprach  der  teufel  zu  im  hin  wider: 

„siehst  du  nicht  den  heiligen  leichnam, 
6905   den  got  von  Maria8  an  sich  nam, 

und  darzue  neun  legion  der  engel, 

die  alle  do  sein  mitgengel 

der  gotleichen  glenz. 

den  selben  peut  ich  reverenz 
6910  hie,  als  das  pilleich  ist, 

wann  es  ist  der  wäre  Christ." 

noch  waiss  ich  ainen  tadel  gross, 

der  tuet  der  sele  mangen  stoss, 

das  maniger  petet  mit  dem  munt, 
6915   das  doch  dem  herzen  ist  unchunt. 

die  selben  betrachten  nicht 

mit  wem  si  reden,  als  Jeremias  spricht : 

„ditz  volk  petet  mich  an  mit  grosser  gir 

und  ist  doch  ir  herz  verre  von  mir." 

6890  sew  F.  6891  mein  S.  meinen  GD.  6892  magnus  GD.  6893  ain 
Nigromanticus  D.  was  nigramaticus  W.  ain  gramaticus  FSG.  6895  tags 
fehlt  S.  6896  zuo  ainem  GD.  V.  6898  —  6931  fehlen  W.  6899  die] 
paideF.  seineD.  6900  d.  heiligen  undGD.  6904  nit  GD.  6905  MariamS. 
6906  und  fehlt  F.  der]  mit  F.  der  fehlt  S.  6911  er  S.  der  war  hailig 
GD.  Jhesus  Ch.  G.  6915  das]  und  GD.  nit  ist  chund  BD.  nit  ist  unchund 
S.  6917  gicht  B.  6918  das  FS.  pitt  G. 


234 

6920  wie  möcht  got  die  geweren ! 

si  tuend  geleich,  als  der  mit  ainem  lierren 

redt  und  cheret  im  den  rucken  dar. 

sol  des  der  herre  nemen  war, 

das  man  so  spottleich  redt  mit  im 
6925  geleich  als  der  do  redt  aus  ainem  sin: 

„pa  pa  pa  herre  got!" 

das  ist  nicht  anders,  wann  ain  spot. 

der  mund  ist  hie,  daz  herz  ist  dort. 

das  sein  als  unnütze  wort, 
6930  des  werden  si  auch  gewert  also, 

als  der  esel  in  dem  stro. 

Von  der  mässichait  man  also  list, 

als  in  der  wibel  geschriben  ist, 

das  an  dem  anefank  beschuef  got  der  reich 
6935  den  himel  und  das  ertreich. 

aber  die  erde  was  üppig  und  läre, 

und  die  vinsternuss  was  swäre, 

und  der  gaist  gottes  was 

über  die  wasser  an  underlas. 
6940  und  got  der  sprach:  „ain  liecht  das  werde." 

das  beschach  also  nach  seiner  gerde. 

darnach  schied  der  starch  Altissimus 

das  liecht  von  der  vinsternuss 

und  nant  das  liecht  des  tages  glinster 
6945  und  die  nacht  nant  er  die  vinster. 

do  sprach  got:  „ain  vestung  werde 

6920  gewerren  F.  6921  tuen  F.  geleich  fehlt  GD.  6922  ruggen  G. 
6923  des]  es  BGD.  6925  do  fehlt  GD.  unsin  WSGD.  6926  pappa  h. 
G.  pa  pa  pa  fehlt  D.  6927  nit  dann  ainG.  dz.  ist  dann  nit  on  spotD.  6928. 
6929  das  herz  ist  ferr,  der  mund  git  unnutze  wort  also  G.  D.  stimmt  mit 
G.  nur  also  fehlt  6929  alles  B.  30.  31  fehlen  D.  6930  das  G.  sewF. 
sey  G.  auch  und  also  fehlen  G.  V.  6932  —  7027  fehlen  B.  6932  m. 
list  man  gewis  W.  6934  anfang  G.  schuff  GSD.  6935  und  auch  d.  GD. 
6936  üppig]  eitel  D.  6937  was  vast  sw.  GD.  693  8  gottes  der  w.  G. 
V.  6940.  6941  fehlen  D.  6940  ain  liecht  das  werde  fehlt  G.  6941 
das  beschach  fehlt  G.  geschach  F.  als  S.  also  fehlt  F.  gere  F.  girde  G. 
6942  schait  S.  und  got  sprach  der  Altissimus  D.  6943  und  schied  das 
liecht  v.  d.  D.  6944.  6945  nampt  G.  6946  festnung  .G. 


235 

zwischen  der  wasser  und  der  erde." 

darnach  machte  got  behende 

das  wasser  under  das  firmamente. 
6950  darnach  sprach  Marien  chint 

„samnen  sich  wasser,  die  nnderm  sint  himel 

alle  sampt  an  ain  stat!" 

das  geschach  also  nach  gottes  rat. 

do  nant  got  die  erde  dürr  und  her, 
6955  und  die  samnung  der  wasser  nant  er  mer, 

und  got  sach,  das  es  was  guet. 

do  sprach  also  der  hochgemuet: 

„es  sol  grüenen  die  erde, 

und  holz  und  kraut  das  werde 
6960  und  die  paum  sullen  tragen  frucht 

iegleicher  nach  seiner  genucht." 

das  geschach  alles  sampt  pei  namen 

und  iegleich  chraut  macht  seinen  samen, 

und  es  was  guet,  als  got  jach. 
6965   darnach  der  liebe  got  sprach: 

„werden  die  Hecht  im  firmament, 

die  da  stätz  umbe  gent 

und  da  erleuchten  das  ertreich." 

darnach  macht  got  zwai  Hecht  reich 
6970  und  das  meror  Hecht  het  genad, 

das  es  vor  war  dem  tag, 

und  das  minner  war  gemacht, 

das  es  vor  war  der  nacht. 

darnach  macht  er  die  sterne  clar 
6975  und  satzt  die  in  das  firmament  gar, 

und  got  sach,  das  es  guet  was. 

do  macht  er  aber  fürpas 

6949  under]  wider  F.  und  das  f.D.  der  firmente  S.  6950MareinS.  6951 
samen  WFS.  under  den  himeln  W.  69  52  allew  samet  G.  alle  sament  D. 
6953  also  nach]  alles  F.  6954  nampt  G.  hert  G.  6955  nani[)t  er  das  m." 
G.  6956  und  fehlt  G.  6959  das  fehlt  G.  6960  fruchte  F.  6961  ied- 
licher  G.  genuchte  F.  6962  sampt  fehlt  G.  6963  und]  wann  F.  6964 
guet  fehlt  F.  sprach  F.  6965  fehlt  F.  6966  werdent  G.  in  dem  WGS. 
6967  da  fehlt  F.  stätz]  alle  stett  G.  6968  u.  die  da  G.  erleuchtend  GS. 
6970  merer  WGS.  6971  es  fehlt  F.  6972  u.  daz  das  GD.  6975 
die]  si  GD. 


236 

visch,  vogel,  chriechende  tier 

und  was  da  seien  hat,  das  wart  do  schier 
6980  iegleichs  geordent  an  sein  stat, 

als  das  wolt  der  gotleich  rat, 

das  die  tier  auf  ertreich  sullen  leben, 

und  das  die  visch  im  wage  sullen  sweben. 

und  do  got  sach  ditz  und  das, 
6985  das  sein  geschepft  guet  was, 

do  gab  er  in  seinen  segen  her 

und  sprach:  „nu  wachset  immer  mer 

und  manigvaltigt  ewern  samen 

und  erfüllt  des  wassers  stramen, 
6990  und  die  vogel  sullen  werden 

gemanigvaltigt  über  die  erden." 

und  got  macht  die  stolzen  tier  gemait 

iegleiches  nach  seiner  sunderleichait 

und  iegleiches  nach  seinem  gesiecht. 
6995   und  do  got  sach,  das  es  was  recht, 

do  sprach  der  starch  Altissimus: 

„mach  wir  den  menschen  nach  unser  geleichnuss 

und  das  dem  selben  sei  undertan 

alle  geschepft,  die  ich  gemachet  han, 
7000  es  sei  in  wasser,  in  feur,  in  luft 

oder  was  sich  slinget  durch  die  gruft." 

darnach  schuef  got  Adames  leib, 

und  auch  Eva  sein  weib, 

die  macht  er  aus  der  rippe  sein 
7005  und  sprach:  „se  hin  das  weip  dein!" 

darnach  gab  er  in  den  segen 

und  sprach:  „wachset  und  manigvaltigt  euch  eben 

und  erfüllt  die  erden  mit  eurem  samen 

6978  vogel  und  auch  G.  kriechunde  S.  6979  das]  daG.  6980  das]  denn 
da  GD.  daS.  6982  das  fehltS.  d.  die  sullen  aufe.  D.  6983  visch  sullent 
im  G.  wasser  S.  6985  geschaftF.  geschöpft  GD.  gescheph  S.  6987  wach- 
sent  fürpass  i.  GD.  6988  und  sprach  manigfeltigt  F.  manigvaltigent  G. 
6993  sunderhait  GD.  6995  ward  S.  699  7  ain  mensch  G.  6998  selben 
menschen  s.  F.  6999  geschaft  F.  geschöpft  GD.  gescheft  S.  7001  sich] 
sy  S.  gufft  D.  7002  beschuf  W  7004  rippen  GD.  7005  hy  G.  wibe  G. 
weibe  S.  7007  und  sprach  fehlt  G.  und  fehlt  WS.  7008  erde  G. 


237 

und  herschet  über  alles,  das  da  namen 
7010  hat,  es  sein  visch,  vogel  oder  tier." 

darnach  sprach  got  gar  schier: 

„ich  han  euch  allen  gewalt  geben 

über  alles,  das  auf  erd  mag  leben, 

und  über  alles,  das  do  pringet  frucht, 
7015  das  ir  von  dem  nemet  genucht 

und  das  si  sein  ewer  speis." 

darnach  sach  got  der  weis, 

das  sein  werch  guet  was, 

wann  er  macht  es  alles  mit  mas. 
7020  also  macht  got  nach  seiner  gird 

himel  und  erd  und  alle  gezierd, 

und  got  erfüllet  an  dem  sibenteu  tag 

seines  werches,  des  er  pflag. 

darnach  ruewet  er  ze  stet 
7025  von  allen  seinen  werchen,  die  er  gemachet  het. 

also  het  die  obrist  gothait 

alle  ding  gemacht  mit  mässichait 

Und  wildu  haben  ain  guet  leben 

in  diser  weit  schon  und  eben, 
7030  so  muest  du  am  ersten  schaiden  dich 

von  betrüebten  gedenken  sicherlich, 

Und  leb  mit  ainem  fröleichen  antlutz* 

wann  des  menschen  wesen  war  nicht  nutz^ 

das  man  in  ainem  gueten   wesen  wär> 
7035  und  das  das  gemüet  war  dannoch  swän 

davon  so  sprach  her  Seneca: 

„treib  von  dir  traurige  melancolia 

und  auch  alle  swär  gedank, 

wann  si  machen  das  leben  chrank, 

7009  da  hat  n.  D.  7010  hat  fehlt  WGSD.  sei  FGD.  vogel,  fisch  o.  F. 
fisch  fehl  t  W.  7013  erden  F.  7015  genug  S.  7016  sewF.  sein  fehlt  F. 
das  das  euch  sei  sp.  G.  7019  er  hett  es  alles  gemacht  m.  GD.  7020  nach] 
mit  G.  gir  F.  7021  erden  F.  all  S.  zierd  SG.  7024  ruet  W.  ruebt  F.  rurt 
S.  zu  S.  7026  obrost  G.  7027  allew  G.  7031  von  dem  |  denken  F.  7032 
leben  S.  7033  wesen]  leben  FS.  nichts  SD.  V.  7036  —  7049  fehlen  B. 
7036  so  fehlt  GD.  her  fehlt  G.  der  F.  spricht  SD.  7037  trurigen  G. 
melancolica  WG.  7038  auch  fehlt  WGS.  schwäre  G. 


238 

7040  und  tröste  dich  in  widerwärtikait." 

Ptolomeus  hat  auch  gesait : 

„es  zimpt  sich  nicht,"  als  er  saget, 

„das  sich  ain  weiser  ze  vast  claget, 

wann  ain  weiser  sol  vest  sein,  als  ain  man, 
7045  und  sol  sich  nicht  leicht  vercheren  lan. 

auch  ob  du  haimleichen  smerzen  habest, 

so  sich,  das  du  es  nieinant  sagest, 

wann  es  ist  ainem  lieb,  dem  andern  lait. 

also  ist  der  weite  gewonhait." 
7050  Seneca  der  lerer  spricht: 

„der  weis  man  betrüebt  sich  nicht 

von  dem  tod  seiner  freunt  noch  chint, 

wann  er  wais  wol,  was  schaden  davon  chümpt." 

es  spricht  der  weis  man:   „in  widerwärtikait 
7055   soltu  dich  trösten  pald  und  gerait; 

auch  soltu  dich  nimmer  mer 

überchomen  lassen  dein  gedenk  ze  ser, 

ist  das  du  enpfindest  an  dir, 

das  du  si  nicht  macht  vertreiben  schier, 
7060  Wann  snöde  gedenk  die  geben 

sicherleich  ain  snödes  leben. 

wann  der  mensch  hat  geleich  snödichait  als  vil 

in  im,  als  er  ir  gedenken  wil." 

Wem  widerwärtichait  anleit, 
7065  und  die  bedenkt  zu  aller  zeit* 

der  hat  wol  ain  hertes  leben, 

wann  die  weit  chan  nicht  anders  geben > 

wann  ain  snöde  snödichait. 

es  hat  got  dem  menschen  selb  gesait^ 

7042  er]  manG.  7044  soltWS.  7045  soltS.  vercheren]  überkomen  WGD. 
uberkomen  verlorn  1.  S.  7046  haimleich  F.  tragest  G.  7047  lemant  WS. 
7049  ist  ietz  G.  7050  S.  spricht  der  lerer  es  istG.  7051  das  der  F.  man 
der  b.  BGSD.  7052  freunt  noch  fehlt  GD.  7053  waist  G.  was]  das  G. 
7054  in  der  w.  G.  7055  und  fehlt  F.  gemaitGD.  7056  mer  fehlt  FS. 
7057  lassen  fehlt  BGS.  sein  W.  gedank  F.  7059  magst  S.  nicht  ver- 
triben  macht  seh.  G.  n.  vertreiben  magst  seh.  D.  7060  gedank  WF.  7061 
sicherleichen  WB.  7062  wann  fehlt  GD.  7063  gedenk  die  machent  poses 
lustes  vil  B  7064  dem  G.  7065  gedank  F.  bedenk  S.  7067  anders  nicht 
F.  7069  selb  fehlt  F. 


239 

7070  das  er  sol  haben  betrüebnuss 

und  leiden  vil  not  und  beswärnuss 

und  sol  tragen  sein  aigen  sund, 

die  in  da  peinigen  alle  stund, 

wann  die  weit  haisst  überal 
7075   das  jämerleich  vinster  tal. 

warumb  es  aber  den  namen  hat? 

darumb  das  es  stat  an  ainer  frömden  stat; 

wann  die  weit  ist  ob  den  leuten 

und  unten,  als  ich  euch  chan  bedeuten, 
7080  so  hat  die  weit  nicht  anders  ein 

wann  angst,  trüebsal  und  pein. 

so  sten  wir  auch  allezeit 

in  chot,  in  wainen  an  widerstreit. 

der  weise  man,  der  lert  und  sait: 
7085   „ste  fest  in  freud  und  in  lait." 

„betrüeb  dich  nicht,"  spricht  Galienus, 

„wenn  du  nicht  enpfindest  die  beswärnus, 

und  suech  nicht  alle  freud  alhie. 

gedenk  an  die  jamerchait,  das  die 
7090  in  diser  weit  alzeit  ist." 

wann  die  weit  ist,  als  ain  mist^ 

als  auch  in  der  wibel  stet, 

do  got  mit  dem  menscheu  ret: 

„der  asch  der  ist  in  aschen  chümen," 
7095  ach  was  piächt  das  grossen  ft-umen* 

das  der  mensch  das  recht  betrachte 

aus  was  materje  er  ist  gemacht ! 

so  war  wol  pilleich  und  recht, 

das  er  sich  diemüetigt  als  ain  aigen  chnecht; 
7100  wann  got  der  macht  den  menschen  behend 

aus  dem  ertreich,  das  da  ist  das  grobist  element 

7071  fehlt  B.  vil  not  und  fehlt  WßSGD.  beswernuss  GD.  7075 
vinstertalBG.  V.  7076  — 7122  fehlenB.  7076  darumb  G.  707  9  unten], 
unda  G.  euch]  auch  W.  fehlt  F.  7081  und  auch  GD.  7082  st.  auch  w. 
F.  7083  zu  chot  S.  in  nott  GD.  ann  alle  w.  G.  7084  man  lert  G.  7085 
und  spricht:  stee  WSGD.  freuden  S  frid  D.  und  fehlt  WFS.  7088  s. 
auch  nit  a.  D.  7090  in]  zu  S.  7091  also  S.  7094  asch  ist  GS.  7097  ist] 
syG.  7099  aigen  fehlt  W.  aigner  D.  7100  wann  fehltGD.  der  fehlt 
FSGD.  7101  gröbest  GD. 


240 

und  das  do  auch  das  verrist  ist 

von  dem  himel,  als  man  list. 

wann  alle  andre  ding  sein  gemacht 
7105  aus  dementen,  die  da  sein  edler  geslacht, 

als  die  stern  und  die  planeten  geheur, 

die  sein  gemacht  aus  rainem  feur. 

so  sint  gemacht  die  süessen  wint 

von  der  luft,  als  man  geschriben  vindt. 
7110  so  sint  die  vogel  und  die  visch 

gemacht  aus  rainem  wasscr  frisch, 

aber  mensch  und  tier  geleich 

die  sein  gemacht  aus  ertreich. 

darumb  sprach  her  Salomon: 
7115  „leut  und  tier  sein  ainer  condicion," 

und  als  der  weise  prophet  sprach : 

„es  ist  auf  erde  so  vil  ungemach, 

das  chain  enpfintleich  natur 

nicht  mag  ruewen  nur  ain  ur, 
7120  oder  es  enpfind  etwas  wetag, 

als  man  das  wol  sehen  mag." 

Des  lesten  presten,  des  man  enpfint, 
das  ist  das  alter,  als  ich  han  besint; 
wann  alter  pringet  grossen  smerz. 
7125   es  wüest  den  gaist  und  das  herz, 
das  alter  machet  zittern  das  haubt 
und  ain  gerumphen  haut,  das  gelaubt. 
das  alter  feulet  frische  zende, 
das  alter  machet  niemant  behende. 

7102  do  fehlt  G.  verrest  WG.  7104  allew  andrew  G.  7105  aus  dem 
edlosten  [edlestenD.]  element  geschlacht  GD.  edel  geschlecht  S.  7106  als 
der  stern  G.  sternen  S.  und  pl.  F.  7107  gemacht  sind  a.  G.  die  sein  ge- 
macht die  süssen  wint  S.  7108  fehlt  S.  7109  dem  GD.  den  S.  7110  send 
vogel  und  auch  die  G.  und  v.  F.  7111  aus  dem  r.  F.  7112  menschen  GD. 
7114  spricht  SD.  7116  und  auch  als  G.  7117  erde  fehlt  S.  ertreich D. 
7119  ruchen  S.  ain  halbe  ur  F.  7121  das  man  G.  7122  geprestens  daz  G, 
7123  befintD.  besindtFG.  ich  befindt  S.  7124  wann  fehlt  GD.  smerzeu 
FSGD.  7 125  und  auch  d.  GD.  geist  des  herzen  F.  V.  7126  — 71  71  fehle  n 
B.  7126  das  fehlt  G.  Zuren  GD.  7127  und  auch  a.  G.  gerumpfne  F. 
7128  das  fehlt  W.  hend  und  z.  F.  7129  das  fehlt  FSGD. 


241 

7130  das  alter  peugt  die  starken  rucken, 

das  mau  muess  gen  auf  den  chrucken. 

alter  wüest  das  clar  gesicht 

und  das  gehör,  als  man  gicht. 

das  alter  wüestet  chosten  und  smecken, 
7135  chain  alte  sucht  lat  sich  nicht  decken. 

das  alter  ist  ain  soleich  present, 

das  es  verchert  die  regiment 

aller  menschleichen  natur, 

alter  ist  des  todes  cofertur, 
7140  alter  das  machet  scheuzleich, 

das  alter  das  ist  gämeleich. 

alter  macht  des  chindes  gank, 

das  alter  macht  die  sinne  chrank, 

das  alter  lobt  nuer  alte  geschieht, 
7145   chain  newes  ding  gevelt  im  nicht. 

darumb  sprach  der  weise  man : 

„er  was  auch  junk  sam  ich  getan, 

und  ich  wird  noch,  als  er." 

aber  so  spricht  der  weise  mer : 
7150   „wildu  vil  wissen,  so  wiss  das, 

das  du  nicht  macht  chomen  fürpass, 

wann  dir  got  gunnen  wil; 

wann  wer  vil  waiss,  der  zweivelt  vil, 

und  wer  do  wänt,  das  er  vil  wiss, 
7155  der  selb  der  waiss  nichtes  nicht. 

wir  wissen  wol,  was  got  nicht  ist, 

aber  was  got  ist,  das  wiss  wir  nicht; 

und  ob  halt  das  mügleich  war, 

das  du  erchantest  nach  deiner  ger 
7160  die  hiinel  all  und  den  Zentrum 

7130  peugt  starke  F.  7131  den  fehlt  S.  7133  gehord  W.  7134  das 
fehlt  G.  w.  daz  eh.  GD.  7135  altew  GS.  sucht]  fud  S.  nicht  fehlt  GD. 
bedeken  S.  7138  menschen  WF.  7139  kauffe  tewr  G.  kauffe  tür  D- 
V.  7141  fehlt  G.  alter  ist  W.  a.  ist  auch  g.  D.  7142  alter  das  m.  S. 
des  fehlt  S.  7144  nu  altes  G.  7149  weis  man  m.  G.  7151  magst  SD. 
7152  dir]  der  S.  7154  do  fehlt  F.  wais  FS.  7155  der  fehlt  F.  nichtes 
nicht]  nicht  niz  W.  nichtz  niss  SD.  nicht  niss  G.  nichts  das  ist  gewiss  F. 
7156  was]  dazG.  7157  des  waiss  nicht  nicht S.  7158  das  halt  S.  7160 
himl  und  all  den  z.  S. 

Zingerle,  Vintler.  \Q 


242 

und  wie  umblaufet  man  und  sunn, 

und  westest  darzu  des  meres  grünt, 

das  dir  das  war  alles  chunt 

was  auf  ertreich  Wunders  ist, 
7165  und  chundest  halt  darzu  noch  mer  list, 

so  wais  ich  nicht,  was  es  dir  frumpt, 

wann  das  dir  arbait  davon  chumpt 

und  grosser  smerz  an  underwint; 

wann  scharfe  sinn  ie  also  sint, 
7170  das  si  zerrütten  occiput, 

cerebrum  und  sinciput. 

davon  spricht  der  weise  man : 

„man  sol  mas  in  sinnen  han. 

wann  wenn  der  pogen  stat  gespannen 
7175  ze  aller  zeit,  so  wirt  er  lamen." 

davon  sol  man  trösten  das  herz 

underweilen  mit  hübschem  scherz. 

das  selb  das  erfreut  den  muet; 

wann  wenn  der  paum  nimmer  pluet, 
7180  so  pringt  er  auch  chain  frucht  nicht. 

Valerius  der  maister  spricht, 

das  man  von  Socrates  das  sach, 

dem  doch  chain  weishait  nicht  geprach, 

das  sich  der  machet  sere 
7185  so  müessig  oft  nach  seiner  lere, 

das  er  nani  ain  ror  gemait 

zwischen  die  pain  und  rait 

mit  den  chinden  und  spilt  mit  in 

und  legt  die  schäme  alle  hin, 
7190  das  sein   vernunft  wind  creftig  wider. 

7161  und  auch  die  s.  G.  und  die  s.  D.  7162  westet  W.  7163  dir  das 
alles  w.  G.  7164  w.  wäre  und  ist  G.  7165  darzu  halt  F.  noch  fehlt  GS. 
7166  er  G.  7167  das]  was  G.  7170  sey  errüttendG.  errittendD.  exciput 
GD.  7171  celebrum  und  auch  cinciput  G.  7172  davon]  also  B.  7173  im 
sinn  G.  in  sinn  D.  sinne  S.  7174  wenn  fehlt  WBSGD.  pog  GD.  7175 
allen  Zeiten  WF.  er  fehlt  G.  7176  so  sol  WB.  7177  fehlt  B.  7178 
selb  erfrewetFGD.  denn  den  GD.  71  79  wenn  wenn  B.  wan  wann  S.  wenn 
fehlt  B.  immer  W.  V.  7181 —7285  fehlen  B.  7182  man]  er  oft  G. 
Socr.  sach  GD.  7183  enprach  GD.  7184  das]  der  F. 


243 

des  selben  lacht  Alcibia  sider 

und  spottet  sein  do  an  der  stet, 

das  er  so  gar  chindisch  tet. 

Seneca  spricht  der  sinnereich  : 
7195   „die  begirlichait  ist  ain  prest  greuleich. 

wer  do  ze  vast  derhinder  chumpt, 

der  ist  arm  ze  aller  stunt. 

wann  begir  hat  nindert  end. 

darumb  haisst  si  ain  ereschend." 
7200  wann  der  weise  man  der  sprach: 

„der  geitig  tuet  chain  rechte  sach, 

nur  aüain  wann  er  stirbet, 

wann  er  ist  also  getirmet, 

das  er  lebt  nur  im  allain; 
7205  davon  ist  sein  tod  guet  der  gemain." 

Augustinus  spricht:  „mich  muess  verdriessen, 

das  die  geitigen  den  pfenning  messen 

und  das  si  got  nutzen  wellen. 

die  selben  teufelischen  gesellen 
7210  legent  nicht  den  pfenning  an 

durch  gotes  willen,  als  ichs  verstau, 

aber  si  eren  doch  got 

durch  des  pfennings  willen,  nu  secht  den  spot, 

was  doch  der  pfenning  Wunders  tuet. 
7215  mein  her  pfenning,  ir  seit  ze  fruet. 

mir  ist  laid,  das  man  ewer  gert 

so  geiticleich;  ir  seit  so  wert, 

das  ir  seit  in  hoher  fürsten  rat. 

eu  müessen  die  weisen  geben  stat, 

7191  AltibiaWS,  altiliaGD.  alltybiaF.  7192  do  fehlt  F.  7193kintlich 
GD.  7194  S.  der  sp.  G.  sinnen  r.  W.  7195  fehlt  D.  presten  F.  prech  G. 
7196  darh.  G.  7 1 9  9  ain  f  e  h  1 1  F.  er  sehend  WFS.  7200  man  sprach  SGD. 
7201  guettig  G.  rechte]  ander  GD.  7202  gestirbet  GD.  7203  geturmet 
G.  7204  im  nur  S.  7205  und  davon  FS.  darumb  GD.  tod  fehlt  S.  7206 
spricht  fehlt  D.  muess]  tuet  nichtz  so  GD.  720  7  die  pf.  F.  7208  sewF. 
nutzen]  nchtzig  G.  si  gut  nicht  tzyfc  w.  D.  7209  teuflichen  G.  7211  ich 
FGD.  7212  eren]  wend  GD.  7213  durchs  pf.  D.  nu]  nit  nu  G.  nit  D. 
secht]hortS.  7214  was]  das  G.  7215  herr  der  d'  pf.  D.  ze]  zers  S.  7216 
begert  GD.  7217  und  so  g.  GD.  ir  fehlt  GD.  so]  sein  F. 

16* 


244 

7220  ir  chaüfet  chirchen  und  kaplan, 

ir  habt  maniger  frawen  laid  getan 

an  ir  ere,  hör  ich  sagen. 

ir  machet  manigen  grossen  zagen, 

ir  nempt  den  diep  von  galgen  und  von  panne, 
7225  und  seit  doch  nicht  als  gross,  als  ain  spanne. 

wer  stet  und  purg  gewinnen  wil, 

der  muess  ie  haben  pfenning  vil. 

der  pfenning  machet  valsches  geticht, 

der  pfenning  wendet  gnet  gericht, 
7230  der  pfenning  chaufet  allen  rat, 

er  chaufet  got,  der  uns  all  geschaffen  hat. 

nu  merket  alle,  ob  ir  wellet, 

was  der  pfenning  wunders  stellet, 

das  er  den  frumen  oft  scheuchet 
7235  und  hin  ziie  dem  pösen  fleuchet. 

der  nie  gewan  preis  noch  lob, 

den  selben  setzet  er  nu  ob 

über  iegleichen  piderman. 

ei  zwar,  das  ist  nicht  wol  getan, 
7240  das  so  hoch  ist  dein  ampt, 

du  wirst  am  lesten  doch  verprant. 

ich  sprich  das  wol,  und  ist  auch  war : 

biet  ainer  alle  weishait  gar, 

die  David  het  und  Salonion, 
7245  und  war  als  starch  als  Sampson, 

alle  sein  chunst  war  enwicht, 

und  hiet  er  nu  der  pfenning  nicht; 

hat  er  aber  gelt,  so  ist  er  lieb, 

er  sei  rauber  oder  dieb. 
7250   und  wie  lieb  der  pfenning  immer  ist, 

so  ist  er  doch  nur  ain   mist. 

7220  kauffentGD.  7221  habt  auch  G.  7222  irer  SGD.  7224  von  dem  | 
von  demG.  pawmen  F.  7227  ie  f'ehltGD.  7231  all  fehlt  F.  beschaffen 
WSD.  7232  merken  allewG.  7233  erstellet!).  7234  er  fehltG.  schwechet 
G.  7235  den  WG.  7237  sitzt  W  7238  iegleichen]  manigen  F.  7239  eya 
G.  das]  esGD.  nie  G.  7241  wurstF.  7242  auch]  dochF.  7244  und  auch 
G.  7246  wer  im  e.  GD,  7247  nuerF.  denD.  7248  h.  aber  er  WS.  goltW. 
7250  doch  immer  F. 


245 

so  wais  ich  wol  das  maniger  ist, 

und  cliäme  ietz  der  endechrist, 

das  er  pfenning  geben  wolt, 
7255   er  fund  ir  vi]  an  seinem  solt, 

die  im  dienten  frue  und  spat, 

neur  das  si  pfenning  wurden  sat. 

ich  glaub  auch,  hiet  man  so  vil  gelt, 

das  man  erfüllen  möcht  die  weit 
7260  unz  auf  an  polum  articum 

und  under  sich  unz  an  den  Zentrum, 

dannoch  fund  man  manigen  man, 

der  sich  nicht  lies  genüegen  daran, 

und  wissen  doch  all  fürwar, 
7265  das  wir  nicht  leben  tausent  jar, 

und  stellen  doch  darnach  alle  geleich, 

als  ob  wir  leben  wellen  ewicleich. 

der  pfenning  ist  also  gestalt, 

und  war  der  winter  noch  als  ehalt, 
7270  so  singt  der  pfaff  an  under wint, 

die  weil  man  im  das  opfer  pringt. 

Nu  sag  mir,  warumb  geschriben  wart, 

das  der  reich  sol  chomen  hart 

zu  got  in  das  himelreich. 
7275  nu  was  doch  Jacob  und  David  reich 

und  sein  doch  pei  got  gar  nach. 

des  antwurt  Jesus  Syrach: 

„ist  der  reich  pös  spat  und  frue, 

so  spert  man  im  den  himel  zue 
7280  nicht  von  seines  reichtums  wegen, 

das  im  der  näm  das  ewige  leben. 

wann  reichtumb  ist  nicht  wider  got, 

wann  man  haltet  gotz  gepot; 

aber  der  reichen  poshait 

7253  ietzund  F.  ente  crist  GS.  entencr.  D.  anterc.  F.  7256  und  auch  sp.  G. 
7260  hintzWS.  pissGD.  7261  und  auch  G.  piss  GD.  das  D.  7263  nichtz 
G.  benuegen  F.  7264  wissend  doch  wol  a.  G.  doch  all]  all  wol  D.  7266 
stellentG.  7267  wellen  leben  e.  GD.  7269  also  GD.  7270  suog  S.  72  73 
solt  GD.  7275  David  und  Jacob  F.  7276  iedoch  F.  paid  pi  G.  nachentF* 
7278  pös  fehlt  F.  7281  im  das  nim  D. 


246 

7285  verdampt  die  reichen,  als  man  sait. 

wann  chain  reichtumb  ist  sicher  guet, 

da  man  got  sein  lob  nicht  von  tuet." 

als  auch  der  weise  man  das  gicht, 

das  der  reichtumb  sei  anders  nicht, 
7290  wann  ain  regierung  der  leut. 

wann  maniger  maister  das  bedeut, 

das  der  leib  mag  nimmer  nicht 

an  die  sele  leben,  als  man  gicht. 

geleich  also  ane  gelt,  spricht  man, 
7295  mug  die  sei  nicht  leben  mit  dem  leichnam 

besunderleich  ain  lange  frist, 

aber  die  tugent  die  ist, 

alzeit  an  ir  selber  rain. 

als  man  das  sieht  von  dem  wein, 
7300  das  er  ist  nutz  und  guet, 

und  das  er  doch  so  vil  übel  tuet 

an  den  leuten  sunderleich, 

die  in  do  trinken  überflüssicleich. 

wann  doch  in  Salomon  geschriben  stat: 
7305   „alles  das  der  mensch  hat 

über  das,  das  er  sol  haben, 

der  selb  der  muess  sein  aigne  purde  tragen." 

Boetius  der  maister  redt: 

„wer  do  nach  der  natur  lebt, 
7310  der  mag  nimmer  arm  gesein; 

wann  die  natur  die  ist  so  vein, 

das  si  sich  leicht  genüegen  lat." 

in  dem  decret  geschriben  stat: 

„wer  do  lebt  nach  dem  willen, 
7315  den  selben  chan  man  hart  erfüllen, 

7286  wann  fehlt  B.  7287  da]  wann  BS.  wenn  GD.  wann  da  F.  nicht 
davon  tuet  BSD.  lob  darvon  nit  t.  G.  V.  7288  —  7302  fehlen  B.  7289 
anders  sei  n.  G.  7291  wenn  maister  Plato  G.  w.  Plato  der  maister  das 
WS.  wann  Plato  uns  das  b.  D.  uns  das  G.  7293  sei  mag  leben  nicht  G. 
gicht]  sieht  S.  7294  alsS.  anefehltF.  7295  mug  leben  nicht  der  leichnam 
G.  geleben  F.  an  den  1.  S.  mug  nit  leben  der  reich  man  D.  7296  sunderleich 
F.  besonder D.  7297  tugent  ist  F.  7298  in  GD.  7299  das  fehlt  F.  7306. 
süll  W.  7307  selb  mus  F.  purden  B.  purdy  G.  burdinD.  7310  sein  FGD 
7311  natur  ist  FSGD.  7312  benugen  F.  7313  als  in- G. 


247 

das  er  immer  werde  reich, 

und  hiet  er  alles  guet  auf  ertreich." 

ain  weiser  man  also  gicht : 

„es  sol  cliain  man  nimmer  nicht 
7320  sein  guet  meren  mit  usuram, 

wann  wuecher  pringet  schad  und  schäm." 

Ecclesiastes  tuet  uns  chunt: 

„welcher  mensch  ist  ane  freunt, 

der  ist  geleich  mit  der  helle 
7325  als  ain  leichnam  an  ain  sele." 

aber  auch  das  geschriben  stat : 

„welcher  mensch  nicht  freunte  hat, 

der  selb  hat  chainer  freuden  nicht, 

noch  guet  leben,"  als  mau  spricht. 
7330  davon  sol  uns  ander  leute  leben 

alle  zeit  ain  maistrung  geben. 

wann  in  der  weishait  geschriben  stet: 

„alle  wort,  die  man  redt, 

da  soll  man  sich  wol  bedenken  inne, 
7335  wann  wort  die  haben  gar  vil  sinne." 

davon  sol  man  die  zunge 

alzeit  haben  in  warnunge, 

das  si  nicht  rede  aus  der  mas. 

wann  man  auch  sprichet  das : 
7340  „wer  do  grossen  gewalt  hat, 

der  sol  nimmer  sein  so  drat, 

das  er  iemant  missevall; 

wann  missevall  ist  ain  gall, 

die  do  ist  den  leuten  grob." 
7345  davon  so  tue,  das  man  dich  lob. 

wann  unrecht  tuen  als  hart  an  chumpt, 

als  recht  tuen  ze  aller  stunt. 

wann  von  natur  ist  unser  ampt, 

7316  nimmer  FS.  7319  chain  weiser  m.  F.  7321  schäm]  schand  GD. 
V.  7322  —  7325  fehlen  B.  7323  früd  G.  frewd  ze  aller  stund  D.  7325 
an  ain]  aune  G.  on  die  D.  7328  s.  der  hat  G  hat  auch  k.  D.  kain  freud 
WBSGD.  7329  gicht  W.  7330  sullen  F.  7331  alzeit  uns  a.  BFGS.  7333 
geredt  hat  D.  7334  gedenken  S.  7335  gar  fehlt  S.  7337  warunge  F. 
7343  missevallen  I).  7345  fehlt  F.  7346  an]  aim  F. 


248 

das  wir  fliehen  sullen  schaut, 
7350  und  alzeit  fürchten  den  tot, 

und  noch  mer  den  lieben  got. 

wann  her  Salomon  das  sprach : 

„wo  du  gest,  so  volgt  dir  nach 

allezeit  der  pitter  tot." 
7355  der  liebe  got  uns  auch  gepot: 

„vergib  iederman  pald  und  schier, 

so  wil  ich  auch  vergeben  dir, 

und  was  du  guetz  hast  in  dem  muet, 

das  tue  pald,  so  ist  es  guet." 
7360  man  sol  auch  nicht  sein  ze  gach, 

wann  die  gäch  wüestet  gar  vil  sach, 

und  freu  dich  nicht  ander  leut  laid, 

wann  das  male  ist  so  prait, 

das  es  überflüssicleichen  chumpt. 
7365  wann  chain  male  doch  niemant  frumpt, 

wann  alle  übel  die  selben  seint, 

das  si  geleich  treffent  freunt  und  veint. 

chain  ding  auch  niemant  verpieten  sol, 

das  man  nicht  mag  gelassen  wol. 
7370  du  solt  auch  an  niemant  begeren, 

was  du  selber  tätest  ungeren, 

und  wenn  du  dienst  spat  oder  frue, 

so  pis  albeg  frölich  darzue. 

es  zimpt  sich  nicht  in  diser  weit, 
7375  das  man  iemant  lob  noch  schelt 

in  seiner  gegenwürtichait  zehant. 

auch  freu  dich  nicht  ains  andern  schaut, 

noch  darzue  ander  leüte  tot. 

warumb?  es  stet  auch  hin  ze  got, 

7351  und  mer  furchten  d.  G.  mer  fürchten  d.  D.  7353  gaust  da  v.  G.  7355 
die  lieb  got  S.  die  lieb  in  gots  und  auch  F.  die  liebi  gotz  G.  pot  G.  7357 
ich]  got  G.  w.  auch  gotD.  auch  fehlt  BFS.  7358  deinem  GD.  7361  gar] 
auch  GD.  7363  male]  übel  D.  7364  uberflus  siel  eich  F.  7365  wann  doch 
kain  G.  male]  übel  D.  7366  selben  fehlt  F.  selbe  GD.  7367  si]  die  F. 
7371  selbs  G.  tust  B.  7372  wem  WGD.  wann  F.  oder]  und  FGD.  7374 
nit  G.  7375  niemant  F.  noch]  oder  BGD.  7376  gagenw.  GS.  7377  ains 
fehlt  W.  nit  andrew  G.  nit  andrer  S.  7378  ander]  an  der  F.  andern  S. 
7379  w.  wann  e.  F.  stat  BG.  hin  ze]  hintz  WBS.  untzt  F.  datz  G. 


249 

7380  ob  du  pald  von  hinnen  solt  varen. 

du  macht  wol  hie  dein  guet  sparen, 

aber  den  zoren  spart  man  hart. 

darumb  sprach  sand  Pernhart: 

„wenn  der  zorn  ain  ende  hat, 
7385  so  hebt  sich  für  sich  an  der  stat, 

ain  anfachung  der  pein. 

es  mag  chain  wille  nimmer  sein, 

er  minner  sich  in  die  lenge, 

und  das  gelück  verwandelt  sein  genge, 
7390  das  es  oft  wirt  en wicht, 

aber  ain  guet  hofFnung  verwandelt  sich  nicht." 

es  zimpt  sich  wol,  hau  ich  vernomen, 

wenn  die  freunt  oft  zu  ainander  chomen. 

laicher  die  tuend  anders  nicht, 
7395  wann  das  si  plasen,  als  man  gicht, 

alzeit  nur  in  den  staub. 

das  chumpt  in  auch  selber  in  das  aug. 

aber  man  vindet  gemainicleich, 

das  ir  selten  chainer  wird  reich, 
7400  der  also  mit  poshait  umbe  gat. 

wann  also  geschriben  stat: 

„wer  do  hofft  in  got, 

der  hat  chain  forcht  noch  not." 

es  ist  pesser,  das  man  den  ait 
7405  prech,  wann  das  man  die  poshait 

tat  für  sich  behend, 

wann  pöse  werch  machen  pöses  end. 

das  verdampt  den  menschen  nicht, 

ob  er  ainen  pösen  ait  pricht, 
7410  aber  wer  die  sund  tuet  snelle, 

der  selb  verdampt  leib  und  sele. 

7381  g.  hie  sp.  F.  7382  aber  zu  den  F.  zoren  den  sp.  WB.  V.  7383  — 
7402  fehlen  B.  7384  wenne  W.  enden  F.  7385  sich  fehlt  G.  7386 
anfang  GD.  7387  gesein  G.  7388  minder  GS.  mindert  D.  lengen  WS. 
7389  gengen  W.  7391  guet  fehlt  F.  7392  han  fehlt  F.  ich  fehlt  S. 
7394  die  fehlt  G.  tuen  FS.  7395  si  fehlt  D.  7396  dem  W.  die  G. 
7397  auch  fehlt  GD.  7401  wann  auch  a.  GD.  7403  noch  kain  n.  G. 
7404  pesser  fehlt  B.  7406  tut  B.  7411  der]  das  F.  das  si  verd.  D. 


250 

der  weise  man  lert  seinen  sun; 

„du  solt  pös  gedank  fuder  tuen, 

wann  pöser  gedank  pringt  vil  flust, 
7415  wann  er  machet  pösen  lust, 

und  pöser  lust  macht  pösen  willen. 

der  selb  ist  hart  ze  stillen, 

und  pöser  will  macht  pöse  werch, 

und  pöse  werch  die  sein  so  verch, 
7420  das  seu  pringen  ain  pös  gewon 

und  pös  gewonhait  geit  pösen  Ion. 

wann  seu  pringen  pös  notturftichait 

und  pöse  notdurft  macht  vil  lait, 

wann  si  pringt  verzweifelung. 
7425  und  die  Verzweiflung  pringt  den  sun, 

der  do  haist  der  ewig  tot." 

das  uns  davor  behüete  got! 

der  dich  beschaffen  hat  an  dich  und  mich, 

der  selb  macht  dich  nicht  sälig  an  dich. 
7430  es  ist  ain  torhait  ungenäm 

und  aller,  weishait  widerzäm, 

und  auch  den  glauben  vaste  chrenkt, 

das  ainer  gelaubt  und  gedenkt, 

das  das  fluechen  nutze  sei  und  guet, 
7435  das  der  pöse  mensch  hie  tuet, 

und  haben  es  für  ain  grosses  lob. 

es  ist  auch  chain  mensch  so  grob, 

oder  es  gewinne  alweg  geren. 

Salomon  spricht:  „ich  wil  dich  leren: 
7440  lueg,  wem  du  trauest  und  in  wen, 

wann  das  getrawen  laicht  etwen 

mag  und  freunt  nachent  geporn. 

7412  chert  F.  7413  gedenk  BGS.  sunder  W.  von  dir  D.  7414  pos  B. 
pösseG.  gedenk  BG.  7415  wenn  sey  machent  G.  gelustF.  7416gelustF. 
7417  s.  der  i.  B.  denn  h.  GD.  7418  und]  wann  F.  7419  und  fehlt 
WBSGD.  die  fehlt  F.  reich  S.  zwerckD.  7421  geit  ein  p.D.  7423  macht 
auch  vil  GD.  7425  sun]  sin  WS.  suen  F.  V.  7430—8508  fehlt  B.  7430 
ain  fehlt  S.  7433  oft  gel.  F.  7434  fluechen  s.  G.  nutz  FGD.  7436  haben t 
G.  7438  gwunn  G.  7440  getraust  F.  7441  getrewen  laichot  oft  G. 
etschwenWD.  7442  fieunt  u.  mag  F.  nachWBS.  frund  und  nauchpuren  G. 
mag  frund  und  nachpuren  D. 


251 

auch  ob  du  die  porten  sperrest  voren 

vor  deinen  veinten,  so  lueg  auch  vast, 
7445  das  du  das  hinder  tor  nicht  offen  last." 

auch  so  spricht  der  gross  philosophus : 

„die  gerech tikait  die  ist  alsus, 

das  si  vertreibt  weder  morder  noch  dieb 

von  ainander,  wann  si  haben  lieb 
7450  alzeit  ainander,  das  ist  wol  schein, 

das  in  ir  poshait  mues  ie  gerecht ikait  sein. 

wann  wenn  si  nicht  getrewe  wären 

ainander,  so  wurd  es  sich  dären 

zwischen  ir  paider  geselleschaft, 
7455  wann  die  war  fürpas  an  alle  chraft." 

auch  wer  sich  geren  zue  dem  fewer  menget, 

der  selb  wirt  geren  besenget, 

und  wer  sich  geren  mischet  under  die  cleien, 

den  essent  die  säu  mit  dem  preien. 
7460  es  sein  zwaierlai  dienst  in  meinem  muet. 

ainer  ist  mit  dem  willen,  der  ander  mit  dem  guet; 

aber  der  mit  dem  guet  der  ist 

leichter  ze  tuen,  als  man  list, 

besunderleichen  ainem  reichen  man; 
7465  aber  der  mit  dem  willen  ane  wan 

der  gevelt  vil  pas  der  verstandenhait. 

der  ain  dienst  chumpt,  als  man  sait, 

von  dem  peutel,  der  ander  von  dem  herzen, 

und  wendent  doch  paide  grossen  smerzen. 
7570  aber  der  von  dem  peutel  mag  välen  wol, 

wann  er  ist  ünderweilen  poshait  vol; 

aber  der  von  dem  herzen  der  välet  nicht; 

aber  ie  mer  er  dient,  als  man  gicht, 

7443  spartest  G.  7444  auch  fehlt  GD.  7447  der  g.  GD.  das  zweite 
die  fehlt  GD.  7450  an  einander  F.  7451  p.  ie  kain  posshait  sy  GD. 
p.  ie  g.  mues  sein  F.  7452  nicht  fehlt  GD.  7453  an  ainander  F.  wurd 
fehlt  G.  dären]  daren  F.  toren  S.  taren  G.  7455  wären  an  F.  7457  selb 
fehlt  G.  7458  wer  fehlt  GD.  geren]  auch  F.  kleiben  FS.  7459  fressen 
GD.  schweinF.  7460  ist  F.  7461  ist  fehltD.  7462  g.  ist  GSD.  7464  be- 
sunderlich  G.  7466  verstendigkaitGD.  7470  vallenFS.  mag  välen]  feilet 
G.  gefellet  D.  7472  aber  von  G.  aber  dem  v.  d.  h.  S.  7473  aber]  sunder 
GD.  er]  man  F. 


252 

ie  mer  in  ze  dienen  lust, 
7475  wann  er  acht  nicht  gewin  noch  verlust; 
wol  ist  der  peutel  ainer  solchen  heut, 
das  er  williger  macht  die  leut. 

Der  maister  von  sentenciis 

spricht:  „wildu  sein  gar  gewis 
7480  sele  und  leib  sicherlich, 

so  soltu  gesellen  dich 

zu  der  edlen  senftmüetikait." 

wann  doch  die  warhait  selber  sait: 

„die  senftmüetigen  sein  so  reich, 
7485  das  si  besitzen  himel  und  ertreich," 

und  David  der  sagt  es  auch  eben. 

auch  list  man  in  der  altväter  leben, 

das  der  apt  Macharius  was 

so  gar  güetig  an  underlas; 
7490  wann  do  er  aines  tages  gieng 

für  sein  zelle  und  enpfieng 

ain  naturleich  chüelung, 

und  do  er  eham  herwiderumb, 

do  vand  er  ainen  diep  in  seinem  haus. 
7495  der  trueg  seinen  plunder  allen  aus. 

do  was  Macharius  so  güetig,  hör  ich  sagen, 

das  er.  im  half  aufladen 

und  half  im  gedulticleichen 

von  dannen  tragen  gar  güetleichen, 
7500  und  sprach:  „got  gab,  got  nam; 

müess  immer  gelobt  sein  sein  nam." 

Pomegius  der  abt  spricht: 

„chain  übel  überwint  das  ander  nicht. 

darumb  so  tue  dem  wol, 
7505  der  dir  übel  tuet,  wann  man  sol 
7476  haut  F.  7478  sentencis  WG.  sentenis  F.  sentenais  S.  7480  Hb  gar 
s.  G.  7483  selb  G.  7485  himel  und  ertreich]  das  himelreich  G.  7486  D. 
s.  G.  auch  fehlt  W.  7487  alten  v.  S.  7490  er]  der  SG.  7495  sein  D. 
alle  G.  7497  auff  h.  1.  F.  7498  gedultikleich  D.  7499  güttikleich  F. 
guettiklichen  GD.  7501  gelobt  rauosz'sein  immer  sein  nam  D.  7502 
Pomeigius  FS.  Pompegius  D.  der  abt]  ain  maister  GD.  7503  das  ander 
übel  n.  FD. 


253 

nicht  übel  mit  übel  gelten ; 
aber  das  tuet  man  ietz  gar  selten, 
und  darumb  die  obrist  tugend  ist  mässichait 
und  die  man  halt  für  ain  volchomenhait 
7510  verre  für  alle  ander  tugent. 

wanu  die  mässichait  ist  so  mugent, 
wanne  man  sei  redleich  halt 
nach  den  sitten  und  nach  der  gestalt 
und  auch  in  allen  andern  Sachen, 
7515  das  der  mensch  anhebt  ze  machen, 
so  ist  doch  die  obrist  mainung, 
das  man  zwingen  sol  die  zung, 
als  auch  Katho  lert  gar  eben, 
iedoch  so  wil  ich  auch  anheben 
7520  und  sagen  etwas  davon, 

das  peste,  das  ich  da  chan, 
sunderleich  auf  die  sitt  der  red, 
wann  man  die  nem  und  geb. 
darnach  so  wil  ich  sagen, 
7525  wie  man  die  Ordnung  sol  haben 
mit  der  red  wa  und  wenn 
und  mit  wem,  das  man  das  bechenn 
und  von  weil  und  zu  welcher  zeit, 
wann  der  slüssel  der  weishait  leit 
7530  allersampt  in  dem  mund, 

als  uns  allen  wol  ist  chund. 
Jeronimus  sagt  in  seiner  omelei, 
das  under  zwaien  sachen  das  pezzer  sei 
das  sweigen,  wenn  man  nicht  reden  chan, 
7535  wann  das  man  reden  sol  mit  schäm. 
Man  list  von  ainem  abt  also, 
7507  ietzundF.  7508  und  fehlfcD.  obrostD.  obrestG.  senftmütikaitGD. 
7509  volkumeiihait  G.  7510  haut  [hatD.]  ferre  für  ander  Gl)    ander  alle 
F.  7511  senftmütikaitGD.  7514  dem  s.  GD.  7514  auch]  naüch  G.  7515 
und  dasG.  und  wz.  D.  7516  obrestG.  obrostD.  7519  so  fehlt  G.  7  521 
p.  das  das  ich  SG.  daj  denn  GD.     7522  besunder  G.  besonder  I).     besun- 
derleich  S.  auf  sitten  GD.    7523  wann]  wie  F.  die  G.    7524  so  fehl  t  G. 
7525  ornung  W.  ordnnngGS.  7527  wem  man  F.  7528  zu]  von  F.  7533 
dasdasWFGD.  7535  man  fehlt  F.  reden  sol]  red  GD.  V  7536—7547 
fehlen  F. 


254 

der  selb  der  hies  Agatho, 

der  zwang  sein  red  also  rain, 

das  er  dreu  jar  ainen  stain 
7540   alzeit  trueg  in  dem  mund, 

darumb  das  er  sweigen  chund. 

Jeronimus  spricht  auch  das: 

„der  gaistliche  mensch  rainiget  pas 

die  verfluechten  zungen  mit  dem  sweigen, 
7545  wann  das  er  sei  wolt  vertreiben. 

wann  ane  sweigen  ist  ain  gaistlich  man 

als  ain  weingart  ane  zäun." 

Man  list  von  ainem  ritter  das, 

der  bedacht,  was  nutz  an  sweigen  was, 
7550  do  tet  im  got  die  tugent  chunt, 

wann  er  fuer  in  ain  closter  ze  stunt, 

und  nam  sich  an  ainer  grossen  swär, 

geleich  als  er  ain  stumme  war. 

das  weret  etleich  zeit  also. 
7555  nu  geschach  das  aines  tages  do, 

das  er  mit  seinem  abt  ain  tag 

gieng  zu  ainem  siechen,  der  da  lag 

an  dem  tod  und  starb  auch  snel. 

do  sach  er,  das  die  teufel  die  sei 
7560  hin  fuerten  mit  grosser  ger. 

do  waint  der  ritter  gar  ser, 

und  do  si  von  dem  toten  man 

also  giengen,  do  becham 

in  ain  ander  ritter  wolgeporen, 
7565  der  wolt  auch  in  das  closter  varen, 

und  als  pald  er  das  versprach, 

do  giengen  si  alle  darnach 

7538  der  selb  zw.  D.  7539  jar  trueg*  a.  GD.  7540  allzeit  in  seinem  m. 
GD.  7541  darumb  fehlt  G.  7543  dem  g.  S.  den  gaistlichen  menschen 
r.  W.  das  die  gaistlichen  menschen  rainigent  G.  7544  die]  der  GD.  dem 
fehlt  GD  7545  sy  WD.  übertreiben  G.  7546  gaistlicher  G.  7547  aun 
ain  z.  G.  an  ainen  z.  D.  7549  gedacht  F.  7550  fehlt  GD.  Nach  7551 
steht:  und  beschloss  seinen  mund  D.  7553  gleichsam  GD.  als]  als  ob 
G.  ob  D.  7555  das]  es  S.  7560  gir  G.  7564  ander  fehlt  D. 


255 

über  ain  prucken,  hör  ich  sagen. 

do  viel  der  ritter  ab  den  chragen, 
7570  der  sich  in  das  closter  wolt  haben  ergeben. 

das  ersach  der  ander  ritter  eben, 

der  do  ain  stummer  solte  sein, 

das  die  engel  chamen  mit  vil  jerarchein 

und  fuerten  sein  sei  mit  gewalt 
7575  hin  in  aines  münches  gestalt. 

des  wart  der  stumme  ritter  fro. 

do  sprach  der  abt  zu  im  also: 

„ich  gepeut  dir  pei  der  gehorsam, 

das  du  mir  sagest  an  alle  schäm 
7580  ob  du  reden  chunnest  oder  nit? 

und  sag  mir  auch,  des  ich  dich  pitt. 

warumb  warntest  du  dort  so  harb, 

do  der  sieche  mensch  starb? 

und  hie  lachest u  an  underlas. 
7585  sag  an,  was  mainet  das?" 

do  sprach  der  ritter  mit  betrüebtem  herzen: 

„o  vatter,  was  machestu  mir  smerzen!" 

und  viel  im  ze  lüessen,  als  man  sagt, 

und  saget  do  seinem  abt 
7590  alles,  das  er  gesehen  het, 

und  hies  sich  do  versperren  an  der  stet 

in  ain  sunderleiches  gadem, 

darumb  das  er  sein  sweigen  möcht  haben. 

Got  vatter  allergüetigister, 
7595  Jhesu  Christe  allersüessister, 
o  hailiger  gaist  voller  milt, 
wann  chainer  gab  dich  nie  bevilt 
gen  den,  die  dich  anruefent  sint, 
hilf  mir,  das  ich  zesamen  pint 

7568  prugge  G.  prugk  D.  7572  stum  GS.  7573  ierachy  G.  7575  mun ich* 
S.  7  577  spr.  zu  im  der  a.  D.  7  578  peutGD.  7580  kindestD  75  81  wes 
GD.  7582  wainest  SG.  7585  wie  mainestu  das  F.  7587  wes  machstu  G. 
7589  do]  das  WFSGD.  7591  sich  fehlt  G.  sich  da]  dich  doch  S.  759Ü 
er  möcht  sein  sw.  h.  G.  macht  F.  7594  göttigoster  G.  gütigoster  D.  7595 
Crist  F.  Crist  du  G.  a.  süssigoster  G.  a.  süssoster  D.  7597  geviltF.  7599 
mir  fehlt  D. 


256 

7600  ditz  ciain  werch  nach  meiner  ger; 

wann  du  doch  zwar  pist  der, 

von  dem  Johannes  redt  oft  und  vi], 

das  du  gaistest,  wa  du  wil. 

so  pistu  auch,  als  man  sait, 
7605   ain  ewige  rue  in  arbait 

und  ain  trost  in  dem  wainen. 

ach  und  möcht  ich  dich  verainen 

zue  mir  in  das  herze  mein, 

das  du  da  selber  soltest  sein 
7610  ain  regierer  meiner  sinne! 

doch  wais  ich  wol,  du  wärest  drinne 

alzeit  in  meines  herzen  claus, 

ob  ich  dich  nicht  selber  daraus 

verjagt  mit  meinem  sinne. 
7615  du  pist  die  ewig  minne 

und  ain  gaistleiche  salbe, 

die  uns  in  diser  albe 

salbt  mit  gaistlicher  suesse. 

Paraclitus  ich  ruefe 
7620  dich  an  als  das  dritte  A. 

ich  maiii  dich,  hailiger  Ruha. 

hilf  mir  meine  zungen  laiten, 

das  ich  mich  müg  arbaiten 

durch  dich,  spiritus  sauctus. 
7625  ei  süesser  clementissimus 

du  gib  auch  weishait  meiner  zung, 

wann  du  pist  doch  der  lebentig  prunn, 

da  alle  weishait  fleusset  aus. 

chum  her  in  meines  herzen  claus 
7630   und  pis  selber  wirt  darinne! 

zünd  an,  ziind  an  mit  deiner  minne, 

so  wirt  mein  Vernunft  behende. 

dein  chunst,  dein  rat  mir  sende 

7600  das  G.  7604  pist  auch  du  G.  m.  uns  sait  F.  7606  in  dem  arbait 
und  w  F.  7609  da  fehlt  G.  V.  7612  —  7615  fehlen  S.  7613herauss 
GD.  7614  derjag  G.  verjag  D.  7616  und  auch  G.  7622  zung  FS.  7625 
ei]  ain  F.  7626  zungen  G.  762  7  lembtig  S.  prunue  G.  7628  allew  G. 
7629  chom  herr  F.  7630  selbert  G.  7632  vernuft  FS.  7633  deinen  r.  S. 


257 

und  deinen  fürstleichen  gaist, 
7635  wann  du  doch  pist  der  naichst 

pei  got  dem  vatter  und  dem  sun. 

du  pist  ain  ewig  nie  und  suen 

und  ain  feur  gotleicher  lieb, 

du  pist  ain  rechte  hinschieb 
7640  aller  traurichait  hie  und  dort. 

du  pist  das  starke  ewig  wort, 

das  got  sant  von  himel  nider. 

dein  gab  die  hilft  uns  alleu  wider, 

das  wir  beleiben  gottes  chint. 
7645  du  geest  auf  den  vedern  der  wint 

und  überwäest  alles  ertreich. 

ich  pitt  dich  heut  andächtikleich, 

das  du  mir  sendest  den  wind  her 

deins  hailigen  gaistes,  das  mich  der 
7650  enzünd  mit  gotleicher  tugent. 

du  pist  die  lieb  in  gotleicher  mugent 

und  in  der  hitz  ain  erchüelung. 

du  chamest  her  in  ainer  zung, 

das  du  die  unweisen  woltest  leren. 
7655  man  chan,  noch  mag  dein  nicht  enperen. 

du  chamst  in  feuer,  als  du  soltest, 

das  du  die  ehalten  erwermen  woltest. 

du  chamst  auch  her  in  ainer  stimme, 

das-  du  woltest  schrecken,  die  do  grimme 
7660  seind  aim  christenleichen  glauben. 

o  höchste  clueghait  himlischer  taugen 

mach  uns  geleich  mit  der  minne 

den  lieben  engein  Seraphinne, 

und  den  Cherubin  mach  uns  sus 

7635  nachenist  F.  maist  GS.  nähist  W.  7636  und  sun  GD.  7637  fehlt 
S.  ain]  die  GD.  und  ain  s.  G.  und]  on  D.  7643  uns  fehlt  G.  7645  geist 
WSGD.  verdernF.  7646  uberwachestF.  7647  heut  fehlt  S.  7648  sendest 
herr  von  dem  w.  h.  F.  7649  fehlt  F.  7650  entzünd  F.  7652  erchullung 

F.  7653  chomest  WFS.  ainer]  feur  G.  l'euriner  D.  7654  wellest  D.  7656 
chömd  W.  kämd  G.  kämbd  S.  7657  die  fehlt  S.  7658  chömd  W.  kämd 

G.  kämbdt  D.  kumbd  S.  7659  do  fehlt  G.  7660  aim]  an  WS.  am  D. 
7661  höchstu  G. 

Zingerle,  Vintler.  |7 


258 

7665   geleich  an  der  bechantnus, 

und  den  engein  Troni  gemait 

mach  uns  geleich  mit  gerechtikait, 

und  das  wir  geleich  werden 

den  Herschern  auf  diser  erden. 
7670  die  selben  haben  alzeit  streit 

wider  das  fleisch  ze  aller  zeit, 

und  das  wir  geleich  werden  bechant 

den  Principatus,  der  selben  ampt 

ist,  das  si  leren  wirdichait 
7675  erpieten  den  obrem,  als  man  sait, 

und  das  wir  geleich  seien 

den  gewaltigen  Jerarcheien. 

die  selben  chunnen  widerstan 

der  teufel  bechorung,  als  ich  han 
7680  vernomen  in  den  sinnen  mein, 

und  das  wir  geleich  mochten  sein 

den  Virtutes  mit  der  gedult. 

die  selben  sein  an  alle  schult. 

mach  uns  lieb  mit  den  mengein 
7685  den  lieben  zarten  erzengeln. 

die  selben  dienen  got  dem  herren, 

das  si  die  leut  alzeit  leren 

christenleichen  gelauben  hie. 

so  sein  die  lieben  engel  die, 
7690  die  da  leren  gerechticleich 

leben  hie  auf  erden  arm  und  reich, 

und  das  man  allain  got  sol  eren, 

wann  er  ist  chünig,  chaiser  ob  allen  herren. 

Aber  das  velscht  man  ietz  gar  ser, 
7695   wann  des  ungelauben  ist  mer, 

7665  in  F.  7666  genant  F.  7669  herscherren  F.  herschengeln  G.  her- 
schenden  engein  D.  7670  alzeit  fehlt  D.  7672  wir  auch  glich  G.  das 
auch  wir  g.  D.  7673  dem  WGS.  dem  s.  GD.  7674  lernen  F.  7675  obern 
FS.  obren  G.  erberen  D.  7678  chunden  W.  kundent  G.  kindent  D.  7681 
das  fehlt  G.  machten  F.  7683  alle  fehl t  F.  7684  der  FS.  der  menglen 
G.  der  mengen  D.  7691  liebe  GD.  lieben  S.  erd  arme  W.  7692  sol  eren] 
ere  GD.  7693  wann]  wer  S.  eh.  und  eh.  G.  7  694  ietzund  F.  7695  ist 
ietz  m.  GD. 


259 

wann  sein  iemant  chan  gesagen. 

ich  wais  ir  vil,  die  da  haben 

ganzen  gelauben  an  Zauberei, 

und  wissent  doch  wol  da  pei, 
7700  das  Zauberei  got  ist  unwert. 

auch  sprechent  si:  „mich  hatz  gelert 

ain  pfaff,  wie  möcht  es  pös  gesein?" 

das  sprich  ich  pei  den  trewen  mein, 

das  man  pilleich  ainen  solchen  pfaffen 
7705   darumb  solt  hertikleichen  straffen, 

das  sich  zehen  stiessen  daran, 

wann  si  sein  alsampt  im  pan, 

die  den  gelauben  also  chrenken. 

wa  wellent  si  nu  hin  gedenken, 
7710  oder  wissent  si  nicht,  was  got  sprach, 

do  er  zu  Moyses  jach: 

„sich  eben  zue  Moyses, 

das  du  das  volk  underweisest  des, 

das  es  nicht  frömde  götter  mach 
7715   weder  aus  stainen  noch  ander  sach, 

und  sullen  nicht  anpeten 

weder  sunnen  noch  planeten 

oben  in  des  luftes  reich, 

noch  chain  ding  auf  ertreich, 
7720   wann   ich  pins  der  ainige  got, 

der  do  haisset  Sabaoth." 

ach  süesser  milter  Jesu  Crist, 

seit  du  die  ewig  warhait  pist, 

so  hastu  pilleich  verpoten 
7725  das  opfer  den  valschen  gotten, 

wann  es  ist  wider  dich,  du  höchstes  guet, 

alles,  das  man  mit  Zauberei  tuet. 

7696  sein]  sy  GD.  niemant  F.  7700  dasj  die  G.  z.  die  ist  g.  G.  ist  gar 
u.  F.  ist  vast'u.  GD.  7701  hat  F.  7702  münch  G.  pös  fehlt  S.  7703 
do  sprach  ich  D.  den  fehlt  F.  7704  pilleich  fehlt  GD.  pilleichen  WS. 
s.  raunch  oder  pf.  G.  7705  also  solte  straffen  SGD.  7708  also  fast 
G.  7710  was]  wie  W.  7711  zu]  gen  GD.  mit  S.  7712  fehlt  F.  7715 
noch  mit  a.  F.  noch  aus  a.  GD.  7718  obnan  G.  obnen  D.  7720  aigen  S. 
7725  der  FGD. 

17* 


260 

und  wie  vast  es  wider  dich  ist, 

dannoch  vindet  man  ze  diser  vrist 
7730  die  Zauberei  dannoch  phlegen. 

etleich  die  wellen  pheil  aussegen, 

so  wellen  dise  den  teufel  pannen, 

das  si  in  pringen  guet  zesamen. 

so  wellen  etleich  warsagen 
7735   und  wellen  vil  den  teufel  fragen, 

wa  lige  golt  und  edel  gestain. 

so  haben  etleich  gemain 

mit  der  pösen  Erodiana. 

so  glauben  vil  an  Diana, 
7740  die  do  ain  valsche  gottin  ist, 

und  etleich  mainen  haben  den  list, 

das  si  die  leut  chunnen  schiessen 

durch  alles  gemäur,  und  etleich  giessen 

wachseine  pild  manigerlai. 
7745  so  wissen  dise  das  vogelgeschrai 

und  darzue  die  träum  auslegen. 

etleich  chunnen  den  swertsegen, 

das  si  nicht  auf  diser  erden 

von  chainem  dorf  erstochen  werden. 
7750  etleich  chunnen  an  feur  erchennen, 

wie  sich  ain  sache  hie '  sol  enden. 

so  chunnen  etleich  in  der  hant 

sehen  eitel  laster  und  schant. 

vil  alte  weib  chunnen  den  handel, 
7755   das  si  chunnen  die  herz  verwandeln 

zu  lieb  oder  zu  veintschaft. 

etleich  geben  lospüechern  chraft 

7729  d.  so  v.  W.  7731  die  fehlt  G.  aussegnen  G.  7736  wa  guefc  lig 
GD.  edel  fehlt  S.  7737  habent  denn  e.  GD.  7738  Herodiana  F.  7739 
do  wellent  gelauben  G.  vil]  etlich  GD.  an  die  Diadema  GD.  7741  u.  auch 
e.  G.  mainent  si  haben  D.  mainen]  man  F.  7743  und  durch  G.  und  fehlt 
WSD.  und  etleich  fehlt  G.  7744  wechssinew  G.  wechsyne  D.  7746  und 
auch  d.  auch  d.  G.  und  darzuo  auch  D.  trem  GD.  7747  e  die  ch  W.  den] 
die  GF.  7748.  7749  fehlen  D.  7749  werden  erstochen  G.  7751  ain] 
die  SGD.  7753  und  auch  seh.  D.  7754  w.  die  ch.  W.  handeln  S.  7755 
fehlt  GD.    7756  das  zweite  zu  fehlt  GD.    775.7  losspuecher  G. 


261 

und  etleich  chunnen  patoniken  graben, 

und  vil  die  wellen  den  eisvogel  haben. 
7760  so  nutzen  etleich  den  alraun, 

und  etleich  gelauben  an  die  fraun, 

die  do  haisset  Percht  mit  der  eisnen  nas. 

so  seind  ir  vil,  die  jehen,  das 

die  hantgift  sei  also  getan, 
7765  das  si  sei  von  ainem  man 

pesser  danne  von  dem  andern, 

und  vil  die  wellent  nicht  wandern 

an  den  verworfnen  tagen. 

so  sein  dann  vil,  die  hie  haben 
7770  gelauben,  es  pring  grossen  frum, 

ob  in  des  morgens  ain  wolf  chum, 

und  ain  has  pring  ungelücke, 

und  etleich  leut  die  haben  tücke, 

das  si  den  teufel  peten  an, 
7775  sterne,  sunnen  und  den  man. 

vil  die  wellen  auf  oblat  schreiben 

und  das  fieber  damit  vertreiben, 

und  etleich  segnent  den  zandwe. 

so  haben  andre  den  vierkle, 
7780  das  si  davon  gaugkeln  sehen. 

ir  ist  auch  vil,  die  do  jehen, 

si  chunnen  ungewitter  machen. 

und  etleich  zauberinn  die  wachen 

dem  steren  Venus  umb  die  minne. 
7785  etleich  dienen  der  hinderpredigerinne, 

das  si  des  nachtes  nicht  erplinden. 

so  sein  etleich,  die  do  slinden 

drei  palmen  an  dem  palmtag, 

7758  die  p.  F.  platoniken  W.  7759  die  fehlt  FGD.  7762  do  fehlt  G 
haissent  F.  Precht  FG.  eisen  W.  eisnen]  langen  GD.  7764  hantgib  F.  als 
wol  g.  GD.  7865  sey  fehlt  S.  7769  hie  fehlt  W.  7772  has  fehlt  F. 
7773  h.  die  t.  GD.  7775  und  auch  d.  GD.  den  fehlt  WS.  7776  die 
fehlt  G.  7778  und  fehlt  G.  den]  für  daz  GD.  zene  we  G.  7779  h.  die 
andern  F.  andre]  ene  S.  jene  D.  ettlich  G.  den  vierplättigen  F.  vierden  GD. 
7780  gaugekln  F.  gauglen  G.  7781  es  seind  auch  vil  D.  7783  Zauberei 
F.  Zauberer  GD.  zaubrerin  S.  7786  enpfinden  G.  7787  send  auch  e.  G. 
do  f  e  h  1 1  FSG. 


262 

und  etleich  segent  den   slag 
7790  mit  ainer  hacken  auf  den  drischübel, 

und  etleich  stelen  aus  dem  chübel 

das  smalz,  die  weil  mans  rüeret. 

etleicher  die  leut  auch  füeret, 

das  si  sein  invisibilis, 
7795  und  etleich  haben  den  beibis. 

so  spricht  maniger  tummer  leib, 

die  trutte  sei  ain  altes  weib 

und  chumme  die  leute  saugen. 

und  etleich  die  gelauben, 
7800  der  alpe  minne  die  leute. 

so  sagt  auch  maniger  ze  teute, 

er  hab  den  orken  und  elben  gesehen. 

und  etleich  die  jenen, 

das  schrattel  sei  ain  claines  chint, 
7805  und  sei  als  ring  als  der  wint, 

und  sei  ain  verzweivelter  gaist. 

so  gelauben  etleich  allermaist, 

das  der  sigstain  hab  die  chraft, 

das  er  mache  sigehaft, 
7810  und  vil  wissen  der  erchennen  sitt. 

so  nutzen  etleich  den  ertschnitt 

zu  manigerlai  Zauberei, 

und  etleich  schreiben  auf  plei 

under  der  cristmess  für  den  wurm. 
7815  so  nemen  etleich  für  den  stürm 

den  elsenpaum,  hör  ich  sagen, 

und  etleich  wellen  cholen  graben, 

wann  si  die  ersten  swalben  sehen, 

und  vil  chunnen  in  aingewaid  spehen, 

V.  7790 — 7844  fehlen  W.  7790  den]  ainem  G.  ainen  S.  7791  stellen 
FSG.  den  kübeln  GD.  7795  e.  die  h.  F.  piffys  G.  pippfis  D.  7796  menger 
G.  7797  drutte  die  s.  S.  sei  gewesen  a.  D.  7798  kunne  GS.  kinde  D. 
7799  etleich  lütt  d.  G.  e.  leut  d.  D.  7801  ze]  die  GD.  trewte  S.  7802 
esS.  und  elben]  gar  eben  G.  7804  schrättlin  das  s.  G.  schrätel  S.  schrätzlin 
D.  7  6  06  sei  fehlt  F.  verzweiffloterGD.  7808  sigerstain  S.  sigelstain  GD. 
7811  nutzend  auch  vil  die  erd  Schmitt  G.  die  D.  7812  zaubereie  F.  7813 
auf  das  p.  GD.  pleie  F.  7815  nennen  F.  7817  chol  FGD.  7818  den  GD. 
schwalm  G.  7819  und  fehlt  GS.  künden  G.  in  ir  gwänd  GD.  ingewautS. 


263 

7820  ob  es  gelückleich  sull  ergan. 

so  haben  etleich  leut  den  wan, 

das  verbena  das  chraut 

mach  die  leut  ainander  traut, 

wenn  man  sei  grabt  ze  sunnewent. 
7825  und  vil  leut  die  gent 

des  nachtes  durch  verslossen  tür. 

und  etleich  leut  die  tragen  her  für 

silber  und  golt,  hör  ich  jehen, 

wenne  si  newen  man  sehen. 
7830  so  tragen  etleich  leute  aus 

das  wasser  alles  aus  dem  haus, 

wenn  man  ainen  toten  trait 

für  das  haus,  als  man  sait. 

so  sein  etleich  als  unbesint, 
7835  wenn  man  in  frömde  hüener  pringt, 

so  sprechen  si:  „peleib  hie  haim, 

als  die  tut  pei  meinem  pain." 

und  vil  die  jehent,  die  wegwart 

sei  gewesen  ain  frawe  zart 
7840  und  wart  irs  puelen  noch  mit  smerzen. 

etleich  die  legent  des  withopfen  herzen 

des  nachtes  auf  die  slafenden  leut, 

das  es  in  haimleich  ding  bedeut. 

und  vil  zauberin  unrain, 
7845  die  sehen  an  dem  schulterpain, 

was  dem  menschen  sol  geschehen. 

und  etleich  die  jehen, 

es  sei  nicht  guet,  das  man 

den  tenken  schuech  lege  an 
7850  vor  dem  gerechten  des  morgens  frue. 

und  vil  die  jehen,  man  stel  der  chue 

7820  es  in  g.  GD.  gan  GD.  7821  so]  und  F.  etleich]  vil  G.  7822  das 
selb  eh.  G.  7823  anainander  F.  7824  wann  si  das  grabent  ze  sibent  D. 
sunibent  F.  sunbenten  S.  7825  u.  auch  vil  pös  1.  G.  7827  die  fehlt  GS. 
7828  g.  als  ich  h.  GD.  7829  s.  den  neuen  D.  7832  ainen  fehlt  GD. 
7834  besint  GD.  7835  frömde]  junge  GD.  7836  hie]  her  GD.  hin  S. 
7841  die  fehlt  SGD.  wildhopfenG.  7842  schlauffendeGD.  7844  Zauberei 
F.  zaubrei  GD.  7846  dem  fehlt  G.  7849  linken  D. 


264 

die  milch  aus  der  wammen. 

so  seind  auch  etleich  ammen, 

die  selben  nemen  die  jungen  chint, 
7855   so  seu  erst  geboren  sint 

und  stossens  durch  ain  häle, 

so  ist  dann  nicht  väle, 

oder  es  werd  ain  horenplasel  daraus. 

auch  treibt  man  mit  der  fledermaus 
7860  manig  teufelisch  spil, 

und  ist  des  ungelauben  so  vil, 

das  ich  es  nicht  gar  gesagen  chan. 

so  haben  etleich  leut  den  wan, 

das  si  mainen  unser  leben, 
7865  das  uns  das  die  gachschepfen  geben, 

und  das  si  uns  hie  regieren. 

auch  sprechen  etleich  dieren, 

si  ertailen  dem  menschen  hie  auf  erden, 

und  etleich  die  segent  die  pferde 
7870  für  ellenpug  und  renken, 

und  vil  leut  gedenken 

und  haben  sein  auch  ganzen  sinn, 

si  mugen  nicht  haben  gewinn 

des  tages,  unz  si  sehen 
7875   ain  pfäffin,  als  si  jenen. 

es  spricht  auch  maniger :  „ich  pin  gogel, 

ich  han  gesehen  sand  Marteins  vogel 

heute  an  dem  morgen  frue; 

mir  stosset  kain  ungelück  nicht  zue." 
7880  so  wellen  sumeleich  dapei, 

wann  es  ungewitter  sei, 

das  sei  alles  von  der  münich  wegen, 

7851  die  fehlt  F.  stel]  stoss  D.  7853  auch]  doch  S.  auch  f ehlt  GD 
ertlich  der  a.  GD.  7854  selben  die  S.  7856  hole  G.  hole  D.  7857  i.  doch 
dann  S.  nichtz  GD.  välle  W.  7858  horenplesel  W.  7860  teuschlich  GD. 
7861  ist  fehlt  D.  7862  gar  fehlt  F.  sagen  GD.  7864  sew  F.  7865 
gachschepfen  fehlt  GD.  7867  auch]  so  GD.  diernen  G.  7869  ettlich 
sendent  G.  etlich  segent  D.  7870  und  für  r.  F.  und  auch  für  GD.  7871 
und  auch  vil  GD.  7874  unz]  und  WFGSD.  fechten  GD.  7875  pfaffen  F. 
pfeifflmD.  hören  ein  pfeifflin  D.  7876  auch  fehlt  GD.  7879  nicht  fehlt 
WF.  7880  etleich  WGSD.  7881  wenn  G. 


265 

wann  die  gent  under  wegen. 

und  etleich  mainen  sicherlich, 
7885  wann  der  rapp  chopp,  das  main  ain  leich. 

auch  haben  etleich  ainen  newen  funt, 

si  behalten  den  pissen  in  dem  munt, 

wenninaii  ave  Maria  laut. 

so  seind  auch  etleiche  praüt, 
7890  die  legen  ir  hemde  an  irs  mannes  ort. 

so  chan  maniger  dreu  wort, 

das  er  nimmer  teurer  wirt. 

so  ist  etleicher  hirt, 

der  sein  vich  gesegen  chan, 
7895  das  ims  chain  wolf  trait  da  von. 

und  etleich  nement  ire  chint, 

wenn  seu  ain  wenig  chrank  sint, 

und  legens  auf  ain  drischübel. 

vil  chunnen  salben   den  chübel, 
7900  das  si  oben  aus  varen. 

etleich  spinnen  am  suntag  garen 

und  machen  daraus  sand  Jörgen  hemde. 

so  sein  etleich  als  behende, 

das  si  varen  hundert  meil 
7905  gar  in  ainer  clainen  weil. 

sumleich  die  prechen  den  leuten  ab 

die  pain,  als  ich  gehört  hab, 

und  legen  darein  porst  und  chol. 

manigeu  maint,  si  chunn  auch  wol 
7910  regen  hin  und  her  wenden. 

etleich  diep  die  leut  plenden 

7883  wann  fehlt  GD.  die  da  gand  GD.  under]  after  GSD.  umb  die  F. 
der  wege  D.  7884  und  auchGD.  7885  gropp  S.  das]  es  F.  main]  bedeut 
F.  tüttG.  teutD.  7886  auch  fehlt  GD.  h.  etlich  habent  denn  GD.  7887 
si]  die  F.  piz  WSG.  7889  auch]  denn  GD.  fehlt  FS.  7890  lengen  F. 
ort]  stat  F.  7891  eh.  auch  manger  GD.  7892  tewr  F.  tewer  S.  7894 
segen  WSD.  segnen  G.  7895  im  GD.  wolf]  has  WGD.  hin  dan  W.  7896 
etleich  fehlt  F.  irew  G.  7899  vil]  und  F.  7900  obnan  G.  obnen  D.  7901 
sampztag  GD.  7903  so]  und  F.  7905  kurzen  GD.  7906  sumleich]  sun- 
derleich  F.  ettlich  GD.  sämleich  S.  den  fehlt  F.  7908  legen  fehlt  F. 
7909  chund  WG.  kind  D.  7910  segen  G.  7911  diep]  die  F.  fehlt  GD. 
leut  die  diep  pl.  S. 


266 

mit  ainer  hant  von  dem  galgen. 

vil  wellent  den  taig  talgen 

an  der  heiligen  sampztagnacht. 
7915  maniger  auch  characteres  macht 

auf  pirmet  virgineum. 

etleich  punctieren  den  lioium 

in  der  chunst  geometria. 

so  nimpt  der  der  oberpra 
7920  von  dem  gerechten  äugen, 

und  das  pluet  von  der  tauben 

und  machet  daraus  Zauberei. 

maniger  nimpt  ain  jariges  zwei 

von  ainem  wilden  haselpaum. 
7925   so  sein  etleich  fraun, 

die  arsling  umb  die  chirchen  gen 

und  haissen  die  totten  aufsten, 

und  nemen  den  ring  von  der  tür 

in  die  hant  und  rueffent  her  für 
7930  und  sprechen :  „ich  rüer  disen  ring, 

stet  auf  ir  alten  pärting!" 

so  sein  etleich  man, 

die  nemen  von  dem  galgen  ain  span 

und  legen  den  ünder  die  chirchtür, 
7935  so  sol  chain  phäffin  gen  her  für. 

und  etleich  nutzen  den  strängen, 

da  ain  diep  ist  an  erhangen, 

und  an  der  rauchnacht  wirfet  man 

die  schuech,  als  ich  gehört  han, 
7940  über  das  haupt  arslingin, 

und  wa  sich  der  spitz  cheret  hin, 

da  sol  der  mensch  peleiben. 

und  vil  leut  die  treiben 

wunder  mit  dem  huefnagel. 
7916  auss  GD.  7917  puctieren  GS.  limum  W.  7918  ingramacia  F.  geo- 
matica  D.  7919  diser  der  F.  denn  der  den  obern  D.  der  denn  oberp.  G. 
7920  rechten  F.  7921  krawen  GD.  7922  machen  WFS.  7924  ainem 
fehlt  D.  hasselpaumen  GD.  7925  seind  denn  e.  GD.  7926  erschlingen 
GD.  7928  d.  kirchen  t.  GD.  7930  ich  und  diser  D.  7931  partling  F. 
pärtling  GD.  7932  seind  auch  GD.  7935  so]  es  D.  pfennig  G.  hin  f.  GD. 
7937  an  isb  e.  GD.  7938  naucht  G.  7940  erschlingen 'GD. 


267 

7945  und  etleich  die  stechen  nadel 

den  leuten  in  den  magen, 

und  sumleich  lant  nicht  jagen 

die  hund  auf  der  rechten  vart. 

und  etleich  sein  also  gelart, 
7950  das  si  nemen  mit  gewalt 

an  sich  chatzengestalt. 

so  vindt  man  zaubrerin  unrain, 

die  den  leuten  den  wein 

trinken  aus  den  kellern  verstollen. 
7955  die  selben  haisset  man  unhollen. 

so  sein  dann  etleiche, 

wann  si  sehen  ain  leiche, 

so  raunen  si  dem  totten  zue 

und  sprechen:  „nu  chum  morgen  frue 
7960  und  sag  mir,  wie  es  dir  dort  gee!" 

so  frieret  maniger  über  see 

die  leut  mit  guetem  winde, 

und  etleich  nemen  ir  chinde, 

wann  es  nicht  geslaffen  mag 
7965  und  traitz  her  für  an  haitern  tag, 

und  legt  für  sich  ain  aichen  prant 

und  nimpt  ain  scheit  in  die  hant 

und  siecht  den  prant  mer  dann  zwier; 

so  stet  ain  andreu  dann   pei  ir 
7970  und  spricht  zu  ir:   „was  newest  du?" 

„do  new  ich  hie  nu 

meins  chindes  masslaid  und  nachtgeschrai 

und  alle  mainzungen  entzwai." 

so  seind  etleich  also  getan, 

7945  etlich  steckend  G.  nadeln  S.  7946  die  m.  G.  7947  soraleich  F.  saem- 
leich  G.  etlich  D.  nicht  fehlt  D.  7  949  und  fehl  t  GD.  seind  so  wol  g. 
GD.  7950  nemen]  an  sich  G.  sich  D.  7951  an  sich]  nemen  G.  an  nemen 
D.  ainer  eh.  GD.  7952  s.  man  denn  z.  GD.  Zauberei  F.  7954  verstolen 
WSGD.  7955  unholen  WS.  unverholen  GD.  7958  räumen  WFS.  rennen 
D.  7959  nu  fehlt  SGD.  7960  sagt  D.  dir  fehlt  S.  7961  faret  man  ü. 
GD.  fuerent  S.  manig  W.  7963  ire  SGD.  kind  D.  7965  an  die  h.  G.  7966 
legtz  G.  aichein  S.  aichin  GD.  7967  scheit]  hacken  F.  die]  sein  G.  7970 
zu  ir  fehlt  WSGD.  7971  nae  G.  nu]  new  WFS  7972  deins  D.  7973 
mein  zung  F.  mainzunge  G.   mainaid  zungen  D.    7974  seind  denn  e.  GD. 


268 

7975  wenn  si  den  orenwützel  han, 

so  nemen  si  ain  chus  in  die  hant 

und  slahends  an  den  slaff  zehant 

und  spricht:  „fleuch,  fleuch  orenwützel, 

dich  jaget  ain  chuszipfel." 
7980  manig  zaubrerin  die  sein, 

die  nement  ain  hacken  und  slahent  wein 

aus  ainer  dürren  aichenseul, 

und  e  deich  machent  mit  dem  cleul 

vaden  manigerlai  trofferei. 
7985  so  nimpt  maniger  gerstprei 

für  den  affel,  hör  ich  sagen. 

manigeu  wil  den  dieb  laben, 

der  an  dem  galgen  erhangen  ist. 

auch  haben  vil  leut  den  list, 
7990  das  si  nutzen  das  totentuech, 

und  etleich  stelen  aus  der  pruech 

dem  man  sein  geschirre  gar. 

so  varen  etleich  mit  der  var 

auf  kelbern  und  auf  pöcken 
7995  durch  stain  und  durch  stocken. 

Von  dem  schreibt  also  Gregorius 

in  seinem  puech  dialogus, 

das  ain  pischolf  was, 

der  hiez  Germanus,  als  ich  las, 
8000  und  was  gar  ains  heiligen  leben. 

nu  ward  dem  selben  pischolf  geben 

ain  ander  pistum  ze  Ravenn, 

als  man  noch  wechselt  etwenn 

umb  die  pistum  ietzund. 
8005  nu  ward  dem  selben  pabest  chunt, 

7975  sew  F.  ormutzel  WSGD.  orbutzel  F.  7976  nement  sew  F.  ktissy 
G.  7977  slahens  F.  zuhant  F.  7978  orenmützel  SGL).  7979  kussiz  G. 
küssin  z.D.  7982  aichen  durrenF.  7983  knul  G.  chneulSD.  7984  vadem 
W.  traufferei  G.  truffrei  S.  7985  gerstenpr.  GD.  7986  nur  dri  affel  G. 
nassel  D.  7987  manige  F.  7991  stellen  FS.  7994  chelber  W.  und  auch 
p.  G.  pokche  W.  pöcke  S.  beck  D.  7995  und  st.  G.  stocke  WSG.  steck  D. 
7996  dem]  der  zaubry  G.  also  fehlt  GD.  7997  dem  F.  8001  pischolf 
fehlt  GD.  gegeben  F.  8004  umb]  und  G.  -      - 


269 

er  solt  den  bischolf  von  Ravenn 

schicken  in  die  stat  ze  Senn, 

da  er  vor  pischolf  was  gewesen, 

und  das  er  da  solte  lesen 
8010  christenleichen  gelauben  drat. 

also  füer  er  in  die  stat 

zu  ainem  wirt,  der  was  unfro 

und  sprach  zue  dem  pischolf  do: 

„herre  mein,  ich  wolt,  das  ir, 
8015  heint  die  nacht  nicht  wärt  pei  mir! 

wann  wir  haben  heint  ze  schaffen, 

darzue  wir  nicht  bedürfen  pfaffen.'4 

do  sprach  der  pischolf:   „sag  an, 

was  haben  dir  die  pfaffen  getan, 
8020  das  du  si  nicht  leiden  wil?44 

„herr,  do  hab  wir  heint  ain  spil, 

das  wir  schier  alle  sampt 

varen  mit  der  var  zehant.'*4 

do  sprach  der  pischolf:  „sag  mir  war, 
8025   was  ist  das,  das  man  die  var 

haisset  hie,  mein  lieber  freunt?" 

„herr  das  tuen  ich  eu  wol  chunt: 

anser  sein  hie  in  der  stat 

wol  zwainzig,'  die  da  in  dem  rat 
8030  sein  die  pesten  sicherlich. 

herre,  die  varen  all  als  ich." 

„nu  sag,  mein  freunt,  wa  vart  es  hin? 

„herr,  wir  varen  nach  gewin; 

wa  uns  nur  der  will  hin  get, 
8035  da  sei  wir  für  sich  an  der  stet." 

8008  er  fehlt  S.  was]  wer  S.  8009  er  solt  lesen  cristen  gelauben  D. 
8010  drat]  und  all  Zauberei  von  in  entschlachen  D.  und  alle  zaubri  von 
in  entschlachen  G.  8011  also]  und  GD.  f.  hin  zue  der  selben  st.  G.  als  im 
der  babst  enpotten  hat  GD.  8012  der  was  unfro  fehlt  GD.  8013  und] 
der  GD.  8014  wolt  ich  G.  8015  heinacht  SGD.  8016  heutG.  geschaffen 
F.  8017  das  wir  darzu  n.  SGD.  der  pf.  GD.  8020  si]  sein  F  8021  heut 
Gr.  8022  schier]  sicher  S.  alsampt  F.  8028  diser  GD.  8029  da  fehlt  S. 
8031  herre  und  all  fehlen  D.  8032  mein]  mir  GD.  es]  ir  WGD.  8134 
uns  nur  der]  unser  GD.  nur]  nu  W;  will  nu  h.  GD.    8035  an  der]  hin  ze  WS. 


270 

„vart  es  danne  ainen  steg?" 

„nain,  es  vert  iederman  sein  weg.44 

„nu  wann  chumpt  es  her  wider?" 

„zu  mitternacht  lass  wir  uns  nider 
8040  wider  in  das  selbe  haus,' 

da  wir  sein  gevaren  aus." 

„und  wie  gesecht  es  auf  der  strass?" 

„herre,  wir  gesehen  pas, 

dann  ob  wir  fueren  ze  mitten  tag." 
8045   „nu  sag  an,  freunt,  wes  ich  dich  frag: 

esset  ir  under  wegen  icht?" 

„herr,  wir  haben  alle  gericht, 

der  man  sich  nur  erdenken  chan. 

wa  wir  wissen  ainen  reichen  man, 
8050  der  do  hat  chost  und  wein, 

da  selbs  da  varn  wir  alle  ein, 

und  essen,  was  wir  bedürfen  da." 

„nu  sag  mir,  lieber  freunt,  wa 

weit  es  heint  varen  hin?" 
8055   „ich  sag  euchs,  herr,  als  ichs  vernim, 

wir  wellen  heint  ainen  verzeren, 

des  mag  er  sich  nicht  erweren, 

des  sei  wir  all  worden  in  ain, 

das  er  mues  sterben  an  ain em  pain." 
8060   „nu  underweise  mich  auch  des, 

was  habet  nur  ze  reiten  es?" 

„herr,  wir  haben  ze  reiten  genneg, 

iegleicher  nach  seinem  fueg. 

ainer  reit  ain  kue,  der  ander  ain  hunt, 
8065  der  dritt  ain  chalb,  dem  vierden  pald  ain  gais  chumpt, 

8036  ir  GD.  denn  SGD.  8037  seinen  SGD.  8038  es]  ir  GD.  8039  so 
los  wir  F.  8040  selbe  fehlt  D.  8042  und]  nun  F.  es]  irD.  8044  mittag 
D.  8046  nicht  FGD.  8047  allew  S.  rieht  D.  8048  sich]  herfür  F.  nur] 
nichtS.  gedenkenFGS.  8049  wa]  da  G.  8050  do  fehlt  GSD.  hat  allweg 
eh.  D.  8051  selb  faren  G.  alle]  zue  GD.  8053  wa]  da  G.  8054  wo!t  S. 
es]  ir  WGD.  heutG.  8055  euch  SGD.  ichD.  8056  aim  F  ainGD.  8058 
das  F.  wir  worden  all  uberain  F.  8059  in  F.  8061  nü  was  S.  habt  ir  nu 
ze  GD.  8063  iederman  F.  8065  vierden  wirt  pald  ain  gais  chunt  WS. 
pald  fehlt  D. 


271 

der  fünft  ain  pock,  der  sechst  ain  sweiu, 

der  sibent  ain  stuel,  der  acht  ain  schrein." 

„nu  sag  mir,  zarter  wirt  mein, 

möcht  ich  nicht  ewer  gevert  sein, 
8070  das  ich  auch  chund  sagen  da  von?" 

der  wirt  der  sprach :  „ja  traun ! 

ob  ir  sein  euch  hiet  bedacht, 

ir  möcht  halt  varen  heint  nacht. 

umb  die  zeit,  als  sich  tag  und  nacht  schait, 
8075   und  umb  die  ersten  hanenchrait, 

so  solt  ir  chomen  in  mein  chamer, 

da  vindt  ir  uns  all  pei  ainander, 

seit  ir  dann  darzue  gestelt, 

das  ir  mit  uns  varen  weit, 
8080  so  wil  ich  euch  wol  wissen  lau, 

auch  solt  ir  des  chain  sorge  han, 

das  eu  ichtz  Übels  widervar :  i 

wann  es  chumpt  maniger  in  die  schar, 

die  ir  alle  wol  bechennet, 
8085  ob  ich  eu  die  vast  nennet, 

so  wert  irs  mit  den  äugen  sehen." 

der  heilig  man  begunde  jehen : 

„mein  lieber  wirt,  ich  han  mich 

des  bedacht  gar  aigenlich, 
8090  das  ich  wil  varen  hin  nach.'4 

damit  gieng  er  in  sein  gemach 

und  chniet  nider  auf  seine  chnie 

und  sprach :  „herre,  ich  pin  hie 

nach  deinem  willen,  wie  du  wil. 
8095  du  siehst  wol,  das  der  teufel  ze  vil 

hat  über  ditz  volk  gewalt. 

8067  achtot  G.  8068  lieber  w.  G.  8071  traun J  trawen  F.  trewn  S.  ir 
truon  G.  ir  tron  D.  8072  sein]  sei  G.  ir  euch  des  hetten  D.  hettend  G. 
het  S.  8073  halt  wol  v.  GD.  heinacht  W.  hin  nach  SGD.  8074  sich 
fehlt  S.  8075  den  GD.  8076  chumen  F.  8077  all  fehlt  F.  8080  euch 
wol  fehlt  G.  wol]  das  D.  wissen  fehl  t  F.  8081  sült  |  daz  G.  8082nichtz 
FD.  8084  bekennen  G.  kennentD.  8085  die  vast]  siGD.  nennen  G.  8086 
werden  GD.  8087  begond  S.  8090  hin  auch  F.  8091  seinen  WF.  8093 
herre  fehlt  G    8095  du]  das  G.  das]  wie  S.  8096  das  G. 


272 

ach  minnicleicher  got,  du  solt 

den  ungelauben  stören, 

das  si  nicht  vertören 
8100  dein  volk,  das  du  erarnet  hast." 

hiemit  so  rueft  der  wirt  dem  gast 

und  sprach:  „herre,  wellet  ir 

varen,  so  chumpt  her  zu  mir, 

wann  man  pait  nur  eur  allain." 
8105  damit  stuend  auf  der  cheusch  und  rain 

und  tet  das  heilig  chreutz  für  sich 

und  sprach:  „herr,  behüete  mich!" 

damit  gieng  er  zu  der  tür  ein. 

do  wolten  si  auf  gestanden  sein 
8110  und  wolten  im  auch  geben  sein  stat. 

do  sprach  er:  „ich  gepeut  euch  drat 

pei  der  heiligen  drivaltikait, 

das  chainer  var  an  mein  gelait 

von  hinnen  aus  diser  chamer." 
8115  do  sassens,  als  der  si  mit  clamer 

hiet  gefestent  auf  die  pank. 

darnach  cham  ain  soleich  gestank 

under  das  teufelisch  gesiecht. 

darnach  schickt  er  des  wirtes  chnecht 
8120  in  die  stat  zu  allen  Strassen 

nach  den,  die  in  der  chamer  sassen. 

do  gieng  der  chnecht,  als  man  in  pat, 

zu  den  purgern  in  die  stat 

zu  iegleichem  besunder 
8125  und  sprach:  „euch  mag  wol  nemen  wunder, 

was  ich  so  spat  suech  alsus. 

mein  herr  der  pischolf  Germanus, 

der  ist  hie  und  gert  ewer  ain  weil, 

8098  zerstören  GD.  8101  damit  F.  so  fehlt  GD.  8103  her  fehlt  SG. 
8104  ewer  nuer  F.  ewer  fehlt  S.  8110  geben  auch  s.  W.  8111  sprach 
fehlt  F.  der  bischoff  sprach:  ich  peut  euch  GD.  euch  auch  dr.  F.  8114 
hinnan  G.  8115  chlampfer  F.  8116  geheftet  FGD.  penk  GD.  8117  dar- 
nach so  eh.  S.  stank  F.  gestenk  GD.  8118  under]  und  G.  von  dem  teuf- 
flischen  D.  8120  der  G.  8122  do  gieng  der  chn.J  der  chnecht  gieng  GD. 
8124  idleichem  F.  8125  wol  fehlt  G.  8128  begert  GD. 


273 

das  ir  zu  im  chumpt  mit  eil; 
8130  wann  er  bedarf  ietzund  ewer 

und  hat  euch  haissen  manen  tewer, 

das  ir  im  nicht  verzeichet  das; 

wann  er  will  euch  sagen  etwas." 

also  pat  ers  all  mit  nanien, 
8135  das  si  also  zu  dem  pischolf  chamen. 

der  enpfieng  si  wirdicleich. 

er  sprach:  „ir  herren,  nu  merket  mich. 

mir  seind  etleich  lauf  vorhant, 

die  wil  ich  eu  tuen  bechant. 
8140  nu  paitet  hinne  ain  claine  weil, 

ich  chum  herwider  mit  eil." 

do  gieng  der  pischolf  zehant, 

da  er  seinen  wirt  vant, 

und  jach:  „mein  freunt,  nu  gee  mit  mir, 
8145  so  wil  ich  wol  zeigen  dir, 

ob  jenes  die  rechten  purger  sein, 

die  dort  sitzen  in  des  teufeis  schein." 

darnach  fuert  er  in  gar  drate 

in  ain  sundere  chemnate 
8150  zu  den  purgern  von  der  stat 

und  sprach:  „mein  freunt,  sich,  wie  hat 

der  teufel  dich  betrogen  so!" 

der  Wirt  viel  im  ze  füessen  do 

und  sprach:  „erparm  dich  über  mich, 
8155  ich  han  getan  wider  dich." 

darnach  do  gieng  Germanus, 

da  die  teufel  sassen  sus. 

do  sprach  der  heilig  gottes  man: 

„ich  gepeut  dir,  pöser  Sathan, 
8160  das  du  pald  von  hinnen  varest 

und  dich  nicht  lenger  daran  sparest." 

8131  gemanet  tewre  G.  8132  im  fehlt  G.  verziehet  WGD.  8134  all] 
also  W.  8137  na  fehlt  FGD.  8140  hinne]  hin  G.  hye  D.  8141  kuni 
pald  h.  GD.  8144  sprach  WSGD.  nu  fehlt  S.  gangWSGD.  8146  genes 
WF.  8147  in]  an  W.  8149  besunder  G.  besonder  D.  8150  von]  in  F. 
8154  herr  erp.  GD.  8156  do  f  eh  It  FGD.  8159  dir  du  p.  FGD.  8160 
hinnan  G.  8161  lenger]  mer  WS.  daran  fehlt  GD.  ' 

Zingerle,  Vintler.  Jg 


274 

das  geschach  also  nach  seiner  ger. 
darnach  nam  er  den  wirt  her 
und  sprach  zu  im:   „mein  freunt,  nu  sich, 
8165  wie  hast  du  gesellet  dich 

zu  den  teufein  in  der  helle. 

hüet  dich  fürbass,  mein  lieber  geselle." 

Sand  Augustin  auch  also  gicht: 

„es  vert  chain  mensch  nicht 
8170  und  wänt  doch  maniger,  das  er  var." 

des  mag  man  wol  nemen  war 

an  den  pösen  leuten  unrain, 

die  varen  und  sein  doch  hie  haim. 

als  man  des  guet  beweisung  hat, 
8175   das  der  leib  nicht  chumpt  von  stat, 

aber  si  werden  verzucket  im  sinn, 

das  si  wänen,  si  varen  da  hin, 

und  mit  dem  bestrickt  sie  Sathanas, 

das  si  im  gelauben  dester  pas. 
8180  wann  wer  sich  also  dem  teufel  ergeit, 

der  wänt,  er  vare  alle  zeit. 

wanne  doch  der  teufel  hat 

nicht  gewalt  an  chainer  stat 

hie  über  des  menschen  leben, 
8185  im  welle  dann  der  mensch  selben  geben» 

der  teufel  hilft  zu  pös  und  zu  guet, 

doch  ist  im  laid  der  guet  tuet, 

wann  er  chan  gar  manigerlai. 

etleich  lert  er  nemen  das  ai, 
8190  das  an  dem  weihenpfinztag  wirt. 

etleich  auch  die  fut  beschirt 

und  lat  darüber  haben  ain  ampt. 

das  selb  sol  guet  sein  für  den  chramp. 

8163  nam]  sagt  D.  er]  der  bischoff  G.  8164  zu  im  fehlt  FGJD.  8166 
dem  teuffell  G.  indieGD.  8168  auch  s.  A.  S.  auchfehltW.  alsofehltD. 
8173  dahaim  FGD.  8174  guet  fehlt  F.  8176  varn  WS.  enzucket  G. 
entzuket  S.  8177  da  fehlt  WS.  8178  dem  so  stricket  GD.  8180  dem 
teufel  also  e.  G.  8184  daz  G.  8185  i.  wellen  denn  die  menschen  WS. 
denn  sich  die  m.  G.  der  mensch  well  sich  denn  selber  g.  D.  8186  pössem 
GD.  8188  gar  fehlt  F.  8189  lernet  F.  8191  schirt'S. 


275 

so  sprechen  etleich  dieren  : 
8195   „phui,  man  hat  mich  heut  beschrieren; 

ain  unraine  mainzung, 

das  die  selbe  schier  erchrum!" 

und  vil  die  sehen  in  dem  spiegel 

manigen  wunderleichen  triegel, 
8200  da  lange  wäre  von  ze  sagen. 

manige  zaubrerin  lassen  haben 

dem  teufel  oft  ain  hohes  ampt, 

das  er  in  helf  ze  laster  und  ze  schant. 

vil  leut  seind  also  gewissen, 
8205  das  si  vasten  mit  drein  pissen, 

und  etleieh  unz  si  die  steren  sehen. 

ir  seind  auch  vil,  die  da  jehen, 

wer  do  vast  den  suntag, 

das  got  dem  selben  nicht  versag 
8210  chainerlai  ding,  des  er  in  pitt. 

nu  secht  nur,  wie  der  teufel  mit 

uns  armen  sundern  umbe  gat. 

maniger  nimpt  den  vischgrat, 

der  an  der  weihnachtnacht  beliben  ist. 
8215  damit  schreiben  si  ze  diser  frist 

den  leuten  für  das  hauptschos. 

und  etleich  nemen  ain  laupfrosch 

und  tuend  den  in  ainen  chrueg 

und  machen  darein  maniges  lueg, 
8220  und  setzen  in  in  ainen  amaishaufen, 

das  die  amaisen  mugen  laufen 

aus  und  ain,  gross  und  ciain. 

so  wirt  aus  dem  frosch  ain  pain. 

das  selb  ist  guet  für  alles  gelück. 
8225  und  maniger  nimpt  des  prots  ain  stück, 

8195  pfeu  D.  heut  fehlt  F.  beschrien  GD.  8196  manne  zung  G.  main 
fehlt  D.  8197  schier]  sicher  S.  8198  dem]  die  F.  8203  und  seh.  G. 
8204  1.  die  sein  F.  gewisen  W.  8206  piss  si  GD.  den  G.  8207  auch 
fehlt  W.  8208  sunnetag  G.  8209  nichtz  GD.  8210  als  ainerlai  GD. 
das  SGD.  er]  man  W.  8211  nur  fehlt  FSGD.  8214  an]  im  G.  weihen- 
nacht  SGD.  über  pliben  GD.  8215  damit  so  F.  8218  den]  in  D.  8219 
loch  G.  löcher  genuog  D.  8222  u.  auch  cl.  D.  8224  ist  auch  g.  GD.  alF. 

18* 


276 

das  an  der  weihnachtnacht  peleibt. 

etleicher  der  sneit 

chreuzlein  under  dem  passion. 

etleich  die  sneiden  ainen  span 
8230  aus  unsers  herreu  rnarter. 

ach  lieber  got  vil  zarter, 

was  man  smachait  dir  enpeut! 

so  seind  danne  etleich  leut, 

die  got  gent  ze  laide 
8235   des  nachtes  an  ain  wegschaide 

und  ruefen  dem  milleartifex, 

der  do  ist  der  poshait  rex, 

als  das  von  im  gesprochen  stat. 

etleich  nemen  das  chraut  widertat. 
8240  das  selb  sol  sein  für  Zauberei. 

so  sein  etleich  da  pei, 

die  der  teufel  so  gar  betwinget, 

das  er  si  am  lesten  pringet, 

das  si  wänen  sicherleich, 
8245   si  varn  entzuckt  ins  himelreich. 

Von  der  entzuckung  list  man  also 

von  sand  Thomas  de  Aquino. 

der  selbe  was  in  ainer  stat 

lesmaister,  als  man  noch  hat 
8250  gewonhait  in  der  christenhait. 

do  cham  ain  purgerin  gemait 

und  peicht  sich  vor  dem  heiligen  man 

und  under  ander  sach  do  hueb  si  an 

und  sprach:  „vil  lieber  vatter  mein, 
8255  mag  es  an  euren  hulden  sein, 

so  wil  ich  eu  sagen  ain  haimlichait : 

8226  das]  derD.  weinacht  nacht  F.  weichnacht  nach  b.  W.  weichennacht 
p.  GSD.  8228  krützlach  G.  kreutzlach  D.  dem  hailigen  p.  GD.  8229  die 
fehlt  G.  8230  h.  hailigen  m.  GD.  8231  1.  herr  got  GD.  und  auch  vilz. 
G.  got  und  vil  z.  FD.  8233  danne]  auchG.  fehlt  WSD.  8236  denn  dem 
GD.  8237  do]  denn  GD.  p.  ain  r.  G.  der  posshait  ist  ein  r.  D.  8240  sein 
guet  f.  F.  8245  waerenS.  werden  GD.  8246  so  list  FS.  8248  fehlt  GD. 
8249  man  fehlt  D.  8253  ündern  sachen  G.  under  den  s.  D.  do  fehlt 
WSGD.  8254  lieber  zarter  v.  GD. 


277 

ich  var  oft  zue  der  mait, 

die  Jesum  Cristura  selb  gepar." 

sand  Thomas  sprach:  „hastu  war?" 
8260  si  sprach:  „ja  sicherlich! 

ich  chum  gar  oft  ins  himelreich, 

und  sich  da  freud  und  wunne  mer, 

wann  auf  ertreich  nie  chain  herr. 

auch  sich  ich  Marien  die  mait. 
8265  die  selb  trait  an  das  schönist  clait 

und  das  allerschönist  gewant, 

das  menschen  äugen  ie  bechant." 

„nu  sag  mir,  mein  liebes  chint, 

was  tuen  die,  die  dort  sint?" 
8270  „herr,  si  trinken  und  essen 

und  hübscher  minn  wirt  nicht  vergessen. 

auch  sieht  man  stechen  und  turnieren 

und  darzu  manige  hübsche  dieren 

an  dem  tanz  her  springen. 
8275  von  pfeifen  und  von  singen 

hört  man  da  vil  manigen  schall, 

so  spilt  man  dort  mit  dem  pall." 

do  das  erhörte  sand  Thoraas, 

das  soleich  churzweil  dort  was, 
8280  do  erchant  er  an  der  stet, 

das  es  des  teufeis  gespenst  tet. 

do  sprach  er  zu  der  frawen  clar: 

„mocht  ich  auch  nicht  chomen  dar, 

das  ich  auch  säch  Maria  ?a 
8285  si  sprach:  „lieber  herre,  ja! 

ob  eu  ist  ze  varen  ger, 

so  chum  ich  an  dem  pfinztag  her 

ze  nacht,  so  solt  ir  warten  mein, 

so  wil  ich  eur  geferte  sein." 
8290  do  sprach  der  liebe  sand  Thomas: 

8258  selber  SGD.  8263  ie  F.  8264  Mariam  F.  Marie  GD.  8265  die  hat 
an  das  D.  8267  fehlt  F.  nie  GD.  8269  ein  die  fehlt  G.  8274  dem 
selben  t.  GD.  umb  herr  s.  F.  8276  vil  da  m.  G.  da  fehlt  F.  8279  dort] 
da  G.  8281  gespen  F.  8283  auch  fehlt  S.  varen  F.  8284  auch  fehlt 
GD.  8285  lieber  fehlt  D.  8287  herr  F. 


278 

„frau,  ich  chum  an  underlas." 

die  frau  nam  urlaub  do  behent. 

sand  Thomas  gieng  in  sein  convent 

und  peicht  sich  seiner  sund  ze  stet, 
8295   die  er  ie  getan  het. 

darnach  nam  er  das  sacrament 

in  sein  puesem  ze  ainer  present, 

das  er  wolte  pringen  da 

seiner  mueter  Maria. 
8300  darnach  cham  die  frau  zu  im 

und  sprach:  „herr,  wolt  ir  hin 

varen,  so  seit  ietzund  perait." 

damit  wurden  si  do  paid 

verzuckt,  als  ich  gehöret  han, 
8305  auf  ainen  wunnicleichen  plan, 

da  er  sach  wunderleiche  ding. 

er  sach  vil  volk  an  ainem  ring. 

ainer  ass,  der  ander  trank, 

der  dritte  sprang,  der  vierde  sank 
8310  weltleicher  lieder  vil. 

so  het  der  fünfte  dort  ain  spil, 

da  vil  von  ze  sagen  war. 

am  lesten  sach  er  dort  her 

gar  ain  minnicleiche  mait, 
8315   die  trueg  an  so  reicheu  clait, 

die  niemant  wol  gesagen  chan. 

darnach  satzt  si  auf  ain  chron 

und  saz  auf  ain  gestuedel  hoch. 

iederman  sein  chappen  zoch 
8320  von  dem  haupt  und  chniet  für  sei. 

nu  stuend  sand  Thomas  auch  dapei 

und  sach  das  wunder  alles  an. 

am  lesten  cham  ain  alter  man, 

8191  ich.  fehlt  S.  chum  anderlos  F.  eh.  an  aun  u.  G.  8292  nam  fehlt  S. 
urlab  F.  8294  sund  behend  und  ze  F.  8297  püchsen  F.  8301  wellet  F. 
ir  von  h.  GD.  8302  yetz  S.  8303  hiemit  SGD.  do  fehlt  F.  8307  vil 
volks  D.  an]  in  F.  8309  dritt  der  SGD.  vierd  der  SGD.  8310  also  vil  F. 
8311  hett  denn  d.  GD.  8312  davon  vil  z.  G.  8315  an  fehlt  F.  8318 
gestul  WS.  stuel  GD.  8323  kam  auch  a.  GD. 


279 

der  nam  sand  Thomas  pei  der  hant 
8325  und  fuert  in  für  den  stuel  zehant 

und  die  frau  gieng  mit  in 

und  chnieten  für  die  chünigin. 

do  sprach  die  chünigin,  die  da  sas : 

„pistu  es  nicht  der  Thomas, 
8330  der  mich  do  lobt  ze  aller  stunt?« 

er  sprach:   „mein  frau,  mir  ist  nicht  chunt, 

wie  dein  nam  gehaissen  ist. 

pistu  die,  die  uns  da  Crist 

gepar,  den  waren  gottes  sun?" 
8335  die  frau  die  sprach:   „ja  ich,  treun." 

sand  Thomas  der  was  do  behent, 

und  zückt  herfür  das  sacrament, 

das  er  in  dem  puesem  het, 

und  sprach  zu  ir:  „nim  hin  ze  stet 
8340  deinen  aingebornen  sun, 

den  lieben  Jesum  Cristum." 

alspald  verswant  die  trugnuss  gar. 

des  nam  die  frau  eben  war, 

die  do  stuend  neben  sein. 
8345  die  sprach  do:  „lieber  vatter  mein, 

nu  sich  ich  wol,  das  mich  hat 

der  teufel  petrogen  an  diser  stat 

und  das  ich  ser  han   missetan." 

do  sprach  der  liebe  sand  Thomas: 
8350  „erchennest  du  das  selb  an  dir, 

so  wil  dir  got  vergeben  schier." 

si  sprach:   „ja,  lieber  vatter  mein, 

ich  erchenn,  das  ich  pin  ain  sunderin." 

do  sprach  sand  Thomas  an  der  stund: 
8355  „dir  sei  vergeben  all  dein  sund!" 

darumb  so  spricht  der  weise  man: 

8325  zu  dem  GD.  8326  im  WSGD.  8327  kriegten  GD.  8328  sas]  was 
GD.  8329  du  nit  G.  der  fehlt  F.  8333  die  da  u.  Jhesum  C.  G.  8335 
jach  F.  ich]  in  D.  truen  G.  8336  der  fehlt  GD.  8339  ir  fehlt  F.  8340 
sun  der  da  ist  D.  8341  Christ  D.  8342  t.  ganz  und  g.  G.  8349  lieb  herr 
s.  GD.  8350  du  selber  daz  GD.  selber  F.  8355  seien  GD.  sein  S.  8356 
so  fehlt  F. 


280 

„du  solt  chain  gemainschaft  han 

mit  dem  teufel,  das  rat  ich  dir, 

wann  all  sein  lust  und  begir 
8360  ist  nicht  anders,  wann  das  er 

den  menschen  mug  betriegen  mer." 

der  teufel  ist  gar  ain  pöses  chind. 

er  ratet  oft  ain  guetes  ding, 

das  ain  pöses  darnach  cham, 
8365  als  wenn  er  ratet  ainem  man, 

das  er  in  ainen  orden  var, 

darumb  das  er  werde  gar 

abtrünnig  in  dem  orden  sein. 

oft  ratet  er  ain  pös  under  ainem  gueten  schein, 
8370  als  wenn  er  ratet  mainaid  sweren, 

das  er  aim  andern  mug  bescheren 

sein  guet,  das  er  hat. 

zum  dritten  mal  ist  sein  rat 

etwas  guetes,  als  ob  es  schedleich  sei, 
8375  als  wenn  er  ainem  rat  hie  pei, 

das  er  nicht  in  ain  closter  var, 

das  er  nicht  werd  abtrünnig  gar, 

oder  das  er  nicht  pet  ze  sere, 

das  er  nicht  vall  in  üppig  ere. 
8380  auch  rat  er  oft  darzue, 

das  man  nicht  pöses  tue. 

das  tuet  er  alles,  als  man  sait, 

das  er  vall  in  grosse  poshait, 

als  ob  er  ainem  ratet  das, 
8385  das  er  sich  chestige  an  underlas. 

das  tuet  er  darumb,  das  er  in  laite 

in  ain  unmässig  beschaidenhaite ; 

wann  ain  iegleich  unmässichait, 

die  ist  got  alweg  lait. 
8390  der  teufel  macht  die  seinen  so  frei, 

8358  den  teuflen  G.  den  teuffein  D.  8359  alle  GD  aller  F.  list  S.  8369 
ain  g.  W.  8370  mainen  ait  F.  8371  ain  WDG.  ainen  S.  8372  er  auch  h. 
GD.  8373  ist  auch  s.  D.  8377  das  er  nicht]  und  G.  a.  werde  g.  GD. 
8380  oft  fehlt  F.  8381  nichtz  G.  8383  grosser  S.  8386  im  laide  F. 
8388  iedleich  F.  8390  t.  der  m.  G. 


281 

das  si  mainen,  das  chain  sunde  sei. 

wann  es  spricht  der  hochfertig  man: 

„ich  wil  gewalt  darurab  han, 

das  ich  mug  helfen  etwenne." 
8395  so  spricht  der  zornig  denne: 

„man  sol  vertragen  niemant, 

das  die  sund  nicht  nerae  überhant." 

so  spricht  der  neidig:  „ich  begere 

darumb  ander  leut  guet  und  ere, 
8400  das  si  sich  nicht  ze  hoch  erheben." 

so  spricht  dann  die  trachait  eben: 

„darumb  pin  ich  geinachsam  auf  erde, 

das  ich  nicht  gestraffet  werde 

umb  unbeschaidne  arbait." 
8405  so  spricht  dann  die  geitichait: 

„wir  begern  darumb  guet  alle, 

das  man  nicht  in  gepresten  valle, 

als  in  deubhait  und  in  rauben." 

die  frasshait  gicht:  „man  sol  gelauben, 
8410  ich  iss  darumb  die  cappaunflug, 

das  ich  got  dester  paz  gedienen  mug." 

so  spricht  die  uncheusch  also : 

„es  ist  aiu  leben  der  jubilo, 

der  sein  lust  also  chan  laben, 
8415  das  er  darnach  reu  sol  haben." 

also  wellen  si  ins  selb  glosieren. 

nu  secht  an,  wie  si  sich  mo vieren 

und  mainen  ir  poshait  sei  alle  guet. 

was  ist  denn  pös  in  irem  muet? 
8420  seit  si  doch  alle  poshait  han 

und  mainen,  das  sei  wol  getan, 

so  chan  ich  es  anders  merken  nicht, 
8397  nemen  S.  8399  guet  und  er]  guet  mer  W.  8400  sich 
fehlt  S.  überheben  F.  8401  danne  traurichkait  F.  trakait  WS.  8402 
darumb  pin  ich]  ich  pin  G.  darumb  so  p.  S.  8406  b.  guet  darumb  a.  G. 
8407  in  die  WS  gepreste  G.  8408  und  auch  in  D.  8409  spricht  F. 
8411  dester  paz  fehlt  F.  dest  G.  dienen  G.  8412  der  F.  8414  Wer  G. 
seinen  1.  kan  also  S.  8416  wellens  G.  selbsGD.  selben  S.  8417  sich  selb  S. 
8419  das  G.  pösen  F.  8421  das]  es  G.  8422  es  fehlt  GD.  merken] 
schätzen  F. 


282 

wann  das  si  dunkt  das  guet  ze  nicht, 

und  poshait  sull  gen  got  uns  zieren. 
8425  nu  secht  an,  wie  gar  rain  partieren 

chan  der  teufel  seine  rat. 

er  ratet  oft  ain  erberchait, 

das  ain  hochfart  werd  volpracht. 

sein  rat  sein  gar  maniger  slacht. 
8430  er  ratet  oft  beschaidne  sach, 

das  der  leib  hab  gemach. 

oft  ratet  er  rechtes  gerichte, 

darurab  das  man  sich  nicht  verslichte 

und  das  do  geschech  ain  rachung. 
8435  oft  ratet  er  erparmung, 

darumb  das  man  nicht 

volpring  das  rechte  gericht. 

oft  ratet  er  ain  miltichait, 

das  man  volpring  die  frasshait 
8440  und  das  man  füll  den  snöden  palk. 

der  teufel  ist  gar  ain  grosser  schalk. 

darumb  sol  man  im  getrawen  nicht. 

dannoch  maniger  zu  mir  spricht: 

„es  ist  nicht  pös,  das  ich  da  tue. 
8445  es  gen  nuer  guete  wort  darzue." 

darumb  sol  man  die  gueten  wort 

nicht  alzeit  nutzen  ze  fort, 

das  man  got  damit  nöten  well, 

das  er  den  teufel  aus  der  hell 
8450  sull  haissen  chunftige  ding  sagen. 

er  war  nicht  für  ainen  got  ze  haben, 

solt  im  gepieten  ain  altes  weib, 

der  do  verfluecht  ist  all  ir  leib. 

nu  waiss  ich  das  maniger  heiliger  man 
8455  hat  grosse  arbeit  darumb  muest  han, 
8423  ze  nicht]  vernicht  G.  für  nicht  D.  8424  sull  uns  g.  G.  8426  der 
pös  t.  GD.  seine  fehlt  GD.  rät  WD.  8429  mangerlai  G.  manigerlai  D. 
8431  lieb  FS.  8435  er  fehlt  F.  er  ain  erp.  GD.  8440  eden  p.  G.  pösen  D. 
8441  grosser  fehlt  GD.  8442  sol  fehlt  D.  getrewe  D.  8443  zu  mir 
fehlt  D.  8445  nuer]  mir  S.  nu  G.  8446  guotte  GD.  8447  n.  ze  fast 
und  ze  f.  G.  hört  F.  8453  alle  ir]  der  WS.  ir  poesser  1.  GD.  8455  arbait] 
ding  W.  muest  han]  müssen  han  GD.  getan  W. 


283 

das  im  got  ain  haimleicbait 

hat  geoffent  aus  seiner  taugenhait, 

und  ob  das  also  sein  solt, 

das  ain  altes  weib  got  zwingen  wolt, 
8460  so  war  er  chnecht  und  si  war  herr. 

nain  zwar,  si  sein  der  warhait  verr, 

die  soleich  ding  also  gelauben. 

die  selben  versuechen  got  an  laugen, 

als  uns  das  schreibt  Isaias, 
8465  das  got  sprach  zu  Achas: 

„pit  ain  zaichen  in  der  höhe  oben 

oder  unden  in  der  helle  chloben." 

do  antwurt  Achas  für  sich : 

„ich  versuech  den  herren  nicht. a 
8470  da  pei  mag  man  merken  wol, 

das  got  pilleich  zürnen  sol 

an  die,  die  in  also  versuechen. 

ach,  wie  wirt  si  got  verfluechen 

an  dem  jungisten  tag! 
8475  ich  wais  auch  wol,  das  ich  hab 

grosse  strafiung  von  manigem  man; 

die  mainen,  es  sei  recht  getan, 

was  man  tuet  mit  Zauberei. 

ist  dem  also,  so  sei, 
8480  aber  ich  gelaub  sein  nicht. 

wann  doch  die  warhait  selber  spricht: 

„es  werden  auf  sten  an  manigen  steten 

valsche  trugenhaft  propheten, 

die  die  leut  verlaiten  werden." 
8485  das  sein  die  selben,  die  do  eren 

den  teufel  und  sein  Zauberei. 

so  spricht  maniger  auch  dapei, 

ich  hab  ze  vil  für  genomen 
8456  hayleykait  W.  8457  tugenhait  F.  tugenthait  GD.  8459  ain  pöss 
altes  G.  8462  solche  D.  8463  got  fehlt  GD.  8464  das]  da  F.  der  G. 
8466hochenG.  8469  den]  meinen  GD.  8472  ein  die  fehl  tD.  8473  fehlt 
GD.  si  got]  er  sew  F.  got  sein  S.  8478  thue  WD.  tew  G.  Zauberei  listD. 
V.  8479.  8480  fehlen  D.  8480  sein]  sy  G.  8481  gichtF.  8484  die  die] 
die  G.  fast  vil  G.  8485  das  selb  sein  die  d.  e.  WSGD.  8486  und  auch  GD. 
8488  für  mich  g.  GD. 


284 

und  müg  sein  nicht  ze  ende  chomen. 
8490  den  selben  antwurt  ich  an  wan: 

„wenn  ich  tuen,  was  ich  chan, 

so  hau  ich  getan  mir  genueg." 

doch  so  ist  das  puech  so  clueg, 

das  iegleicher  da  von  nimpt 
8495  als  vil,  als  seiner  chnnst  gezimpt. 

dem  ochsen  heu,  dem  esel  distel, 

dem  ritter  golt  geit  dise  zistel. 

Jedoch  so  tuet  mir  dicke  zoren, 

gib  ich  den  gensen  haberchoren, 
8500  da  müschen  sich  die  valken  zue. 

das  selbe  machet  mir  unrue. 

oder  gib  ich  frisches  as 

den  valken,  so  wellent  die  gense  das. 

zwar  valken,  fledermäus  und  fliegen 
8505   seind  ungeleich,  man  well  dann  triegen. 

das  selbe  wüestet  auch  alle  recht, 

wenn  der  herr  tuet  als  der  chnecht, 

und  das  der  chnecht  tuet  als  der  herre. 

das  selbe  machet  allen  werren. 

8510  Aber  wer  do  well  volchomen  sein 

an  der  rede,  der  neme  ein 

ain  guet  lere  von  dem  han. 

wann  er  chrait,  so  chan 

er  sein  flügel  slahen  dreistünd. 
8515  also  sol  der  mensch  sein  mund 

alzeit  haben  in  der  huet 

und  bedenken,  ob  es  sei  guet. 

darnach  sol  der  mensch  besehen 

fünferlai  ding  in  seinem  jehen. 

8489  magSGD.  nicht]  nimmer  D.  8491  was]  das  S.  8492  han  ich  getan] 
tuon  GD.  8495  zimpt  G.  8498  dicke  fehlt  F.  8499  haber  oder  eh.  D. 
8503  d.  selben  v.  GD.  8  5  0  5  wel  mich  dan  F.  8506  auch  fehlt  GD.  8508 
u.  der  eh.  GD.  her  G.  herr  FS.  8509  s.  ist  mir  ain  wer  F.  allen  werren] 
aliweg  gwer  G.  alle  wer  D.  8513  wann  so  er  D.  krät  FGD.  8514  er 
fehlt  G.  schmaichenG.  8515  sol  auch  d.  G.  8516  in  alzeit  G.  der  fehlt 
FS.  8519  jehen]  wesen  F. 


285 

8520  ist  er  zornig,  so  sol  er 

sich  nicht  verreden  ze  ser. 

wann  der  zorn  das  geraüete  engt, 

das  man  nicht  die  warhait  erchent. 

auch  sol  der  mensch  haben  nicht 
8525  ze  grosse  begir,  als  man  gicht, 

und  in  der  red  besunderleich. 

Augustinus  sagt  auch:   „geleich 

als  der  wein  macht  trunken  manigen  gauch 

also  macht  die  überflüssig  rede  auch 
8530  manigen,  das  er  mues  wenken." 

auch  sol  der  mensch  wol  bedenken, 

was  er  red,  das  das  guet  sei! 

Tulius  spricht  auch  dapei : 

„ee  das  du  redest,  so  bedenke  dich 
8535   mer  denn  ainstund  aigenlich. 

und  ob  du  dann  ie  reden  wil, 

so  sich,  das  du  nicht  redest  ze  vil. 

sich  sol  der  mensch  bedenken  wol, 

das  er  wiss,  was  er  reden  sol." 
8540  Tolomeus  spricht  in  seinem  tractat: 

„du  solt  nicht  sein  ze  drat 

ze  reden  mit  nieman, 

du  erchennest  dann  gar  wol  den  man 

Und  sein  weise  und  sein  gestalt, 
8545   das  du  wissest,  was  du  reden  solt.Ä 

darumb  sol  man  mit  grossen  herren 

reden  mit  sinn  von  grossen  eren 

und  auch  von  hohen  dingen 

und  von  weistum  und  von  sinnen, 
8550  und  von  harnasch  und  von  stechen, 
8521  sich  fehlt  F.  ze  reden  G.  reden  D.  8522  g.  fast  engt  G.  8527 
auch]  ain  BS.  8528  manigen  fehlt  B.  den  g.  S.  t.  lut  gach  G.  leutgauchD. 
8531  a.  sol  das  das  mensch  F.  auch]  sich  D.  8533  gicht  SGD.  8534  so 
fehlt  F.  8535  ainest  WS.  ainost  GD.  8536  dann  fehlt  F.  8537  icht  S. 
8538  mensch  fehltD.  8539  er]  ich  S.  8542  ieman  G.  8544  das  erste 
und  fehlt  GD.  und  auch  s.  GD.  und  gestalt  F.  8546  so  sol  WSGD.  8547 
r.  mit  sinn  fehlt  WSGD.  8548  auch  fehlt  WSG.  8549  das  erste 
und  fehlt  F.  Weisheit  D.  v.  hofflichen  sinnen  GD.  8550  das  erste  und 
fehlt  GD. 


286 

und  von  schilt  und  sper  zerprechen, 

und  von  federspil  ze  machen, 

und  von  andern  lustleichen  sachen. 

und  mit  frawen  rainnicleich 
8555  sol  man  reden  von  claidern  reich 

und  von  pluemen  vergissmeinnicht, 

und  von  hübscher  minne  sitt, 

und  auch  von  hübscher  masarei 

und  von  waidenleicher  chrei. 
8560  und  mit  jankfrawen  sol  man  reden 

von  hübscher  liebe  schon  und  eben 

und  von  pfeifen  und  von  tanzen, 

von  stechen  und  von  swanzen. 

und  mit  gaistleichen  leuten  sol  man 
8565  reden  von  erberchait  und  schäm 

und  von  cheuschait  und  mässichait 

und  von  weishait  und  heilichait. 

und  mit  ainem  hantwerkman 

sol  man  reden  von  dem,  und  er  chan. 
8570  und  mit  pauern  red  man  von  säen 

und  von  vich  und  von  mäen, 

und  von  pelzen  und  von  reuten* 

so  sol  man  mit  betrüebten  leuten 

reden  von  mässichait  und  von  guet, 
8&75  das  selb  das  tröstet  den  muet. 

so  sol  man  mit  narren  eben 

älzeit  Von  narren  werch  reden  * 

Wann  chainem  narren  gevellet  nicht, 

wann  man  von  weishait  mit  im  spricht* 

855 1  das  erste  und  fehlt  FG.  und  von  sp.  WFGD.  8553  lustigen  D. 
8554  mit]  auch  von  G.  von  D.  8556  plüera  W.  plümlen  G.  plümlin  D. 
8557  u.  auch  v.  G.  8558  auch  fehlt  G.  materin  G.  masery  D.  8559 
waideleicher  S.  waidellicher  G.  8562  u.  auch  v.  t.  G.  8563  und  schwantzen 
D.  swanzen]  guottan  schantzen  G.  swanzen  ist  ausgeschnitten  F. 
8565  und  von  seh.  G.  8566  das  erste  und  fehlt  F.  und  von  m.  FGD. 
8567  das  erste  und  fehlt  F.  und  von  h.  FG.  8568  und]  darnach  GD. 
8569  von]  nach  GD.  dem  und]  dew  WS.  dem  als  er  denn  eh.  GD.  8570 
von  fehlt  BFS.  säwen  F.  8572  das  erste  und  fehlt  GD.  pflenzen  G. 
pflantzen  D.  8575  selb  tr.  FGD.  das  gemuet  SGD.  8577  narrenwerichB. 
8578  dhainem  B. 


287 

8580  und  also  sol  man  reden  ze  aller  frist 

nach  dem  und  dann  der  mensch  ist, 

damit  das  du  im  chumest  ze  gevallen. 

man  sol  sich  auch  bedenken  vor  allen 

andern  sunderleichen  dingen, 
8585  ob  man  die  red  sull  fürpringen 

und  ob  man  es  sull  sagen  oder  nit, 

wann  das  war  gar  ain  narren sitt, 

das  man  wolt  sagen,  das  nicht  ze  sagen  war; 

wann  es  prächte  grosse  swär. 
8590  ist  es  dann  ie  ze  sagen, 

so  sol  man  die  rede  nicht  verhaben, 

wann  der  mensch  mues  ie  jehen, 

aber  doch  sol  er  für  besehen 

sechserlai  ordenunge : 
8595  am  ersten  die  überflüssichait  der  zunge, 

als  Salomon  spricht  an  ainer  stat : 

„wer  sein  zung  nicht  in  huet  hat, 

der  selb  der  ist  geleich  getan 

als  ain  ros  an  ainen  zäum, 
8600  und  als  ain  haus  an  ain  dach 

und  als  ain  scheff  auf  ainem  pach* 

das  do  ist  an  ainen  scheffman." 

auch:  „alle  sund  und  poshait  gram4 

die  chumpt  von  der  zungen  her. 
8605  so  ist  des  narren  herze  mer 

in  der  zunge,  als  man  listj 

aber  des  weisen  zunge  ist 

alzeit  in  seines  herzen  sdhrein." 

David  gicht:  „die  chlaffer  sein 

8581  dann  fehlt  F.  denn  GD.  8582  chömestf.  ie  gevallen]  ze  Valien  G. 
kindest  gefallen  G.  8583  fehlt  D.  sich  denken  G.  8584  und  vor  all 
andren  s.  G.  8585  sol  BF.  8586  sagen  süllG.  sol  BF.  8587  das]  es  BSD. 
8588  solt  GD.  ze  sagen  fehlt  F.  8589  es]  das  F.  8590  denn  ze  GD. 
8592  fehlt  GD.  8593  doch]  soWBGD.  8594  will  er  der  menschen  nutz 
verjehen  D.  8595  das  die  F.  die  fehlt  GD.  zungen  B  8597  fehlt  F. 
zungen  in  GD.  8598  selb  ist  FSGD.  8600  und  haus  G.  8601  auf  ainem] 
an  ain  SGD.  8602  das  da  ist]  und  auch  GD.  8603  alle  fehlt  D.  8604 
chumpt  alle  F.  8605  hertzen  F.  8606  gicht  WBGS.  8607  die  ist  FGD, 
8609  spricht  GD.  die  do  B.  c.  die  sein  GD. 


288 

8610  also,  das  si  auf  diser  erden 

von  chainem  weisen  gelobt  werden." 

Socrates  der  gicht  auch  vi: 

„wer  im  selber  nicht  sweigen  wil, 

der  mues  andern  leuten  sweigen 
8615  und  wirt  darzue  zue  den  vaigen 

gezalt  von  dem  maister  behend." 

auch  spricht  er:  „wer  do  sweigt,  der  chent 

ander  leut  rede  auf  ain  ort, 

und  der  do  redt,  der  chent  sein  wort 
8620  an  dem  sweigen,  das  ener  tuet." 

massig  sweigen  das  ist  alweg  guet, 

als  das  Salomon  auch  sait: 

„wa  vil  narren  sint,  da  ist  vil  üppichait 

und  unnutze  rede  ane  zal." 
8625  es  spricht  der  weise  man:  „man  sol 

wenig  reden  und  doch  mit  mas, 

und  nicht  gelauben  alles  das, 

das  du  hörest  reden  umb  und  umb." 

tue  underweilen,  als  du  seist  ain  stum. 
8630  wann  wer  nicht  wol  sweigen  chan, 

der  redt  nimmer  wol  ane  wan. 

vil  sünden  mit  rede,  als  man  gicht, 

aber  mit  sweigen  sündet  niemant  nicht 

Und  pis  gach  in  dem  hören  dein 
8635  Und  trag  in  der  rede  dein. 

Catho  spricht:  „sweigen  schat  chainer  stat* 

aber  vil  reden  das  schat. 

wildu  sein  züchtig  an  gevär, 

so  sich,  das  du  nicht  seist  ain  claffer; 
8640  wann  es  verdreust  die  leut  gar  ser. 
8612  fehlt  GD.  8614  ander  GS.  8615  u.  darzu  im  gepotten  die  GD. 
frygen  G.  veigen  D.  zue  fehlt  W.  8616  auch  gezelet  GD.  gezetF.  8617 
erchent  F.  8619  der  der  da  BSG.  chent]  schent  D.  8620  ener]  iener  GD. 
ainer  F.  8621  gescheigen  W.  messiglich  GD.  mässikleichen  S.  das  fehlt 
BFGD.  8622  das]  uns  G.  das  fehlt  D.  auch]  das  GD.  8624  und  auch 
u.  G.  8628  reden  fehlt  GD.  8629  als  ob  du  D.  8632  reden  GD.  8634 
gächSD.  8635  auch  zimpt  trag  i.  d.  r.  ze  seinW.  8636  reden  seh.  BSGD. 
8637  r.  daz  gar  ser  seh.  GD.  8638  a.  alle  g.  GD.  8639  seist 
fehlt  F. 


289 

hastu  Vernunft  oder  er, 

so  verantwurt  nicht  alle  stund. 

hab  ee  die  hand  für  den  mund, 

ee  das  du  redest  ane  not, 
8745  so  wirst  du  nimmer  schamrot." 

Gregorius  der  spricht  das : 

„es  wonent  vil  wort  an  underlas 

in  der  narren  gemüete 

und  pringen  doch  chain  plüete, 
8650  aber  wer  do  ist  weise, 

der  selbe  üebt  sein  wort  gar  leise. a 

Plato  der  hat  auch  gesait: 

„der  weise  ist,  der  redt  von  weishait, 

und  dienet  iederman  mit  seiner  rede, 
8655  wann  seine  wort  die  sein  so  gäbe, 

das  si  alzeit  pringen  frucht, 

wann  weishait  lert  uns  alle  zucht". 

darumb  sprach  sand  Jacob: 

„es  ist  chain  tier  so  grob, 
8660  es  sei  vogel ,  wurm  oder  spin, 

oder  es  überwind  des  menschen  sin; 

aber  chain  mensch  mag  nicht 

sein  zungen  zwingen,  als  man  gicht." 

es  spricht  sand  Gregorius  das: 
8665   „ainer  iegl eichen  creatur  hat  der  mensch  etwas. 

er  hat  nach  dem,  als  er  mensch  ist, 

wesen  mit  den  stainen,  als  man  list, 

und  mit  den  päumen  das  leben 

8641  oder]  und  F.  8642  n.  ze  aller  st.  D.  8643  dein  G.  8646  der  fehlt 
B.  8647  wonet  vil  volk  F.  8651  selb  der  BS.  üebt]  füert  GD.  8652  der 
fehlt  S.  8653  ist  fehlt  GD.  8654  iedem  man  mit  r.  F.  8655  die  fehlt 
F.  8656.  8657  fehlen.  D.  8657  lernet  alle  F.  pringet  allzitt  z.  G. 
8658  spricht  D.  Nach  V.  8659  folgt  in  B.  am  untern  Rande: 

Wer  merket  und  kan  sweigen, 

den  lassen  alle  reiten, 

im  solt  der  kaiser  naigen. 

man  findt  ir  laider  wenig  in  disen  Zeiten. 
8663  zung  F.  V.  8664  — 8675  fehlen  D.  8665  das  von  yegli  eher  crea- 
tur etwas  B.    8666   als]  und  F.  er]  der  G.    8667  fehlt  G.    8668  und] 
wessen  G. 

Zingerle,  Vintler.  19 


290 

und  enphintnus  mit  den  tieren  eben, 
8670  und  verstantnus  mit  dem  engel, 

noch  hat  der  mensch  so  vil  mengel 

mit  aller  seiner  natürlichen  chraft. 

dannoch  hat  er  nicht  so  vil  macht, 

das  er  sein  zungen  gar  müge  zwingen 
8675  alweg  zue  nützl eichen  dingen. 

Zu  dem  andern  mal  sol  man  sich 

hüeten  gar  aigenlich 

vor  unnutzen  reden, 

als  Salomon  lert  gar  eben, 
8680  was  dich  mit  red  nicht  angee, 

das  selb  berede  nimmer  me. 

wann  die  rede  ist  vil  leuten 

geben,  als  Socrates  chan  bedeuten, 

aber  die  weishait  wirt  geben 
8685  wenig  leuten  in  disem  leben. 

es  ist  pesser  in  meinem  sinne, 

das  dich  dein  freunt  gewinne 

mit  Worten,  wann  das  du  woltest, 

das  du  in  mit  guet  gewinnen  soltest. 
8690  auch  wer  do  geren  sait 

seines  freundes  haimleichait, 

der  verleust  die  freuntschaft  damit 

und  macht,  das  man  im  trawet  nit. 

Zu  dem  dritten  mal  sol  man 
8695  sich  hüeten  gar  angel  davon, 

das  man  sag  nimmer  nicht 

chain  haimleichait,  als  Seneca  gicht, 

als  du  auch  woltest  in  deiner  gir, 

das  man  nicht  sagen  solt  von  dir. 
8700   wann  du  solt  gedenken  an   underlas, 

8669  tierlein  F.  8670  den  engein  G.  9672  naturlicher  WG.  8673  fehlt 
G.  8674  zuug  müg  so  vil  zw  F.  8679  als  uns  S.  GD.  redt  F.  8681  be- 
rede] wider  red  G.  were  D.  8686  ist  auch  p,  F.  ist  vil  p.  G.  8689  guet] 
Worten  FSGD.  8691  feindes  G.  8693  getrawet  FGD.  9694  nam  so  sol 
WS.  8695  angel]  aigenlich  GD.  eben  F.  8697  spricht  S.  8698  begir 
GD.  8699  sol  F. 


291 


das  du  geren  sehest  das, 
das  man  dein  haimlichait  nit  offenet. 
Tulius  gicht  an  ainer  stet: 
„du  solt  versperren  ze  aller  stunt 
8705  dein  gehaim  in  deines  herzen  grünt, 
und  nicht  in  aines  andern  herzen, 
wann  es  pringet  gar  vil  smerzen." 
es  gicht  der  weise  man  da  pei: 
„schau,  ob  der  nicht  ain  tor  sei, 
8710  der  sein  aigen  haimleichait 
nicht  verporgen  selber  trait, 
und  wils  aim  frömden  menschen  sagen, 
der  selb  sol  es  verswigen  haben 
und  er  mags  selber  versweigen  nit. 
8715  das  selb  sein  alles  wankelsit." 

Salomon  spricht:  „es  steuret  den  adel, 
der  do  versweigt  ander  leut  tadel, 
da  maniger  ist  mit  behaft, 
und  meret  auch  vil  freuntschaft; 
8720  aber  wer  die  tadel  geren  sagt, 

der  wirt  nicht  für  ainen  freunt  gehabt." 

auch  wer  ander  leute  haimleichait 

sagt,  als  Longinus  sait, 

darumb  das  er  freuntschaft  gewinn, 
8725  der  selb  wirt  sicher  inn, 

das  im  wirt  trawen  niemant  mer. 

Priscianus  geit  uns  auch  1er 

und  spricht:  „la  dir  begraben  sein 

alzeit  in  deines  herzen  schrein, 
8730   was  man  dir  haimleichait  sagt; 

wann  es  wirt  gehabt 

für  die  grösten  poshait, 

wer  also  sagt  die  haimleichait." 

8702  nit  fehlt  B.  offen  F.  offenbart  GD.  8703  spricht  FG.  stat  alle  HS. 
8707  fehlt  G.  8710  werG.  aignew  G.  aigne  D.  8712  f  menschen  fehl  t 
G.  man  WßSD.  8713  tragen  G.  8716  gichfc  F.  8718  mit  ist  b.  FGD. 
8725  selb  fehlt  GD.  8726  trewen  F.  getrawenB.  wirt  trawen]  trawet 
fürbass  D.  fürpass  trewet  G.  8727  gicht  GD.  uns  fehlt  D.  ain  1.  F.  a.  die 
1.  GD.  8728  dir  ie  b.  F.  8730  das  dir  h.  wirt  gesagt  GD.  8732  grossew  G. 

19* 


292 


Der  vierte  tadel  der  ist, 
8735  das  man  sich  miete  ze  aller  frist 

vor  pösen  snöden  Worten, 

wann  seu  sein  an  allen  orten 

widerzäm  mensehleichem  gemüet. 

Catho  spricht:  „widerste  mit  deiner  güet 
8740  den  pösen  Worten,  wie  du  mügest, 

und  das  du  es  alzeit  also  fliegest, 

und  das  seu  dir  nicht  machen  pein 

noch  widerzäm  im  herzen  dein." 

Faro  gicht:  „ist,  das  ich 
8745   pin  alzeit  selber  wider  mich, 

so  werden  vil  leute  zwar 

wider  mich  sein  offenbar. 

so  darf  ich  es  chlagen  nieman, 

wann  ich  han  es  selber  getan." 
8750  Plato  der  hat  auch  gesait: 

„es  ist  aiu  zaichen  der  narrhait, 

der  wider  sich  ist  an  manigen  orten 

mit  seinen  unnützen  Worten." 

sanctus  Augustinus  spricht: 
8755  „wir  sullen  darumb  predigen  nicht 

durch  das,  das  wir  essen, 

sunder  wir  sullen  es  messen, 

das  wir  essen  nach  dem  tugen, 

das  wir  dester  pas  predigen  mugen." 

8760  Zu  dem  fünften  mal  so  ist  mein  1er, 

das  man  sich  hüete  vast  und  ser 

vor  üppiger  rede,  wa  man  chan, 

wann  die  unnutzen  red  die  han 

die  narren  ze  aller  zeit. 
8765  als  uns  Sixtus  urchunt  geit, 

das  die  üppigen  wort  sein 

8737  an  fehlt  W.  8739  deinem  gemüt  F.  8740  wa  GD.  8742  und 
fehlt  G.  8744  spricht  FG.  8745  selber  fehlt  WBSD.  dich  G.  8748 
bedarf  B.  8754  sand  F.  gicht  BSGD.  8757  es]  uns  F.  8758  der  GD.  den 
WBFS.  tügen  F.  tugend  GD.  8759  mugent  D.  8760  so  fehlt  FGD. 
8762  wa]  wo  WBS. 


293 

ain  richter  der  üppigen  gewissen  dein. 

Seneca  spricht  in  seinem  rat: 

„sich,  das  deine  wort  frue  und  spat 
8770  nicht  unnutz  sein  an  chainer  stat, 

das  si  sein  alweg  ze  raten 

oder  ze  maistern  oder  ze  pitten 

oder  ze  straffen  die  pösen  sitten." 

auch  Salonion  spricht  in  seinem  rat: 
8775   „wer  sein  lebsen  in  huet  hat, 

der  ist  der  allerweisist  man" 

David  sagt  auch  davon: 

„herz,  setz  mir  zu  aller  stund 

ain  rechte  huet  in  meinem  mund 
8780  und  naig  dich  von  dem  pösen  muet 

und  tue  das  pest,  das  ist  dir  guet." 

Seneca  spricht:  „du  solt  dich  selber  wissen 

ze  volherten  in  deiner  gewissen 

in  allen  deinen  reden, 
8785  ob  du  sei  mugest  geben, 

oder  ob  man  mag  reden  wol 

oder  ob  man  nicht  reden  sol.a 

So  sol  man  zu  dem  sechsten  mal 

sich  hüeten  angel  und  wol 
8790  von  ainer  zwifachen  znng, 

wann  si  ist  ain  Ursprung 

aller  poshait,  die  da  geschieht. 

si  redet  under  angesicht 

ain  guetz  aus  ainem  valschen  chragen, 
8795   und  doch  ain  pös  hinnach  chan  sagen. 

si  tuet  geleich  als  die  chatz, 

die  voren  leckt  und  hinden  chratzt. 

8767  üppigen  fehlt  S.  sein  F.  8769  dein  S.  8770  sei  S.  an  chainer 
stat]  allweg  ze  rat  GD.  8771  fehlt  GD.  sew  albeg  sein  F.  8774  auch  - 
spr.  G.  8775  der  F.  seinen  lobsen  B.  8776  allerweist  B.  8777  spricht 
BGD.  8778  herz  hie  s.  F.  herr  WBSGD.  878]  pest]  guet  BGSD.  dir 
vast  g.  G.  8782  gicht  B.  weisen  FG.  8786  ob  feh  lt  G.  mag  fehlt  F. 
8788  So  fehlt  S.  male  W.  8789  angel]  gar  eben  F.  aigenlich  G.  wol] 
walle  W.  8792  beschicht  GD.  8795  ain  fehlt  B.  8796  als  tuet  d.  G. 
8797  vornan  G.  hindan  G. 


294 

Socrates  der  maister  gicht : 

„es  ist  auf  erden  chain  tier  nicht 
8800  das  da  zwo  zungen  mug  gehan, 

wann  das  weib  und  der  man." 

ain  zwifache  zungen  geleichet  man 

aim  faulen  stock,  der  prinnen  chan 

des  nachtes  pei  der  vinster, 
8805   und  der  doch  chain  glinster 

geit  pei  des  Hechten  tages  schein. 

Terencius  spricht  in  seiner  omelei : 

„wer  zwo  zungen  hat  im  mund, 

das  verpirgt  sich  nicht  ain  lange  stund." 
8810  es  sprach  Christus  der  rain 

„eure  wort  die  Süllen  nicht  sein 

anders  wann  ja  und  nain 

und  sullen  nicht  haben  ain  ander  main." 

Aristotiles  gicht,  es  war  pesser, 
8815  das  ain  mensch  an  ain  zungen  war, 

als  ain  storch,  als  man  tuet  sagen, 

wann  das  er  zwo  zungen  solt  haben, 

oder  het  ain  ochsen  lange  zung 

und  war  doch  underweilen  ain  stumm. 

8820   I)er  sibent  tadel  ist  gar  toret, 

das  man  geren  poshait  höret, 

als  Jesus  Syrach  sprach  hie  voren: 

„du  solt  versperren  ee  dein  oren 

mit  den  achseln ,  mügest  du 
8825  nicht  anders  haben  darzu, 

und  hör  nicht  geren  pöse  mär, 

wann  si  pringen  grosse  swär." 

der  weise  gicht  zu  seinen  chinden : 

„die  da  die  poshait  vinden, 

8800  da]  es  S.  han  WBSGD.  8802  fehlt  B.  8803  der]  das  F.  8806 
geit  fehlt  G.  hat  D.  8807  gicht  B.  spricht  auch  in  D.  8809  der  prucht 
sy  nit  lang  G.  der  bringt  sich  nit  in  ein  1.  D.  8810  spricht  GD.  881 1  die 
fehlt  GD.  8812  dann  B.  denn  WSGD.  8815  ain  fehl  t  GD.  8817  wann] 
ee  GD.  8818  oder  er  hietF.  ain  ochsenlange]  ainer  zwo  lange  GD.  8820 
toracht  B.  torrötF.  8823  dein]  die  BFS.  8824  funsten  GD.  macht  BG.  ma- 
gest  S.  8  8  2  6  pössew  G.  8  8  2  7  sew  F.  8  8  2  9  die  die  da  die  b.  WB.  die  dew  da  F. 


295 

8830   die  werden  mit  der  poshait 

vertriben",  als  Salustius  sait. 

wann  alle  poshait  chumpt  von  den 

zuetragern  und  die  sieh  geben, 

das  si  loben  die  poshait. 
8835    wann  sanctus  Augustinus  sait: 

„die  lober  sind  raitzer  der  sunt, 

wann  si  von  in  dar  chumpt; 

wann  alle  poshait  ist  ir  ampt 

und  werden  doch  damit  ze  schant." 

8840   Der  achte  tadel  ist  got  unwert, 

wann  man  ane  not  swert, 

Augustinus  spricht:  „mich  betrüebet, 

das  man  so  vinstre  wort  üebet 

und  zweifelhaftige  mit  dem  mund; 
8845    wann  uns  doch  allen  wol  ist  chunt, 

das  wir  unsern  herren  laichen 

nicht  mugen  mit  chainerlai  smaichen. 

wann  er  wais  alle  ding 

wie  si  sein  an  irem  urspring." 
8850   Salomon  der  weise  sprach: 

„wer  vil  sweret  ane  sach, 

das  ist  ain  zaichen  der  toren, 

und  wirt  im  Ionen  der  zoren, 

und  alles  übel  das  chumpt  im 
8855   in  sein  selbes  hanpt,  als  ich  vernim". 

sand  Thomas  spricht:  „du  solt  nicht  sweren, 

wann  man  versuechet  got  den  herren," 

Dt*r  neunte  tadel  ist  nicht  guet, 
wer  sein  red  mit  droen  tuet, 
8860    als  Faro  gicht  in  seiner  1er: 

8831  vertreiben  FS.  als  uns  GD.  8833  zu  tragen  F.  gewen  BSD.  ge- 
waen  G.  8836  1.  daz  sind  G.  sunde  WBS.  sünde  G.  siinden  D.  8837  in 
das  kinden  GD.  chumbfce  W.  8840  achtet  F.  achtod  G.  g.  vast  u.  G. 
8843  vinstrew  G.  8845  ist  doch  allen  eh.  W.  8849  sew  F.  8852  ain 
fehlt  G.  8854  das  fehlt  SGD.  8855  seines  s.  G.  8856  man  sol  n.  F. 
8857  v.  damit  g.  Gl).  8859  red   nit  mit  trewen  G.  trawen  D.  toren  W. 


296 

„wer  do  droet,  der  wirt  mer 

zu  ainem  rechten  narren  geschätzt, 

wann  er  tuet  nicht,  wann  das  er  trätzt." 

Oracius  der  maister  spricht: 
8865    „es  ist  chain  val  scher  ding  nicht, 

als  das  ainer  ain  ding  erzaigt 

in  ainem  schimpf  und  sich  naigt 

dannoch  auf  ain  valschait, 

die  er  die  weil  im  herzen  trait." 
8870   die  rechten  übermüetigen  toren 

die  wellen  alweg  erzaigen  iren  zoren. 

Isopus  spricht  auch  eben: 

„alle  die  do  vil  reden, 

die  tuen  vil  nimmer,  hör  ich  sagen, 
8875    wann  man  soll  er  bejagen." 

sanctus  Paulus  gicht: 

„es  zimpt  dem  gotes  chnechfe  nicht, 

das  er  mit  droworten  umbegee, 

wil  er  halten  die  götleichen  ee." 

8880    Den  zehenten  tadel  lob  ich  selten 

wenn  sich  die  leut  an  ainander  schelten, 

als  uns  der  weise  man  tuet  chunt : 

„ee  das  sich  das  feur  enzunt, 

so  get  der  rauch  vor  auf. 
8885    also  ist  der  weite  lauf, 

und  ee  das  sich  vergeust  das  pluet, 

so  wirt  betrüebt  ir  paider  muet, 

das  si  an  ainander  droen  und  schelten, 

wann  iegleicher  wil  dem  andern  gelten." 
8890    sanctus  Augustinus  redt: 

„der  pöse  spricht  in  seinem  gepet: 

8861  träwetG.  8862  rechten  fehlt  D.  8862  denn  W.  8865  seiBGD.  8866 
zaigt  F.  8867  ain  FSD.  8871  wend  GD.  alwegen  WS.  8872  J.  der  sp. 
F.  8873  rede  geben  W.  8874  minner  S.  minder  GD.  8875  ere  sol  b.  G. 
8876  spricht  F.  8877  den  g.  chnechten  GD.  8878  untrewen  w.  F.  trew 
w.  G.  8870  behalten  F.  götleiche  F.  8880  tadel  den  lob  WS.  8881  die 
fehlt  F.  an  ander  G.  8882  man  fehlt  F.  8883  feure  anz.  G.  8885  ist 
auch  d.  GD.  8888  an  fehlt  W.  trewen  G.  droen  und  fehlt  S.  8889 
yedleicher  F.  8891  pet  S. 


297 

„herr,  tot  mein  veint  nach  meiner  ger." 

dem  selben  antwurt  unser  herr: 

„welchen  sol  ich  töten  under  eu? 
8895   ir  seit  paid  pös,  ich  wais  umb  weu." 

diser  wil  in  ainer  sache  sein 

clager  und  richter  seiner  pein. 

er  ist  wol  ain  natürleicher  tor, 

der  sein  aigen  swert  lat  vor 
8900   gen  durch  sein  aigen  herz, 

darumb  das  er  pringe  smerz 

seinem  veinde,  den  er  hat, 

und  volget  er  meinem  rat, 

so  solt  er  den  zoren  überwinden  vor, 
8905    so  war  er  nicht  gehaissen  ain  tor. 

auch  vindet  man  erznei  genueg 

für  den  zoren  in  manigem  fueg, 

am  ersten  die  behaltunge 

des  sweigens  mit  dem  munde, 
8910   als  Salomon  sagt  in  seiner  schrift: 

„so  dem  feur  des  holzes  geprist, 

so  erlischt  es  an  der  stet, 

und  auch  als  das  fewer  get, 

wann  man  zwen  hert  staine  vecht 
8915    und  die  wider  ainander  siecht, 

also  chumpt  an  allen  orten 

der  zorn  von  zwain  pittern  worten* 

sand  Perenhart  der  gicht: 

„es  mag  chain  mensch  nicht 
8920    andächtig  sein  in  seinem  gepet 

in  grossem  geschäft,  als  geschriben  stet, 

und  warhaft  in  vil  reden. 

auch  mag  des  menschen  leben 

8892  meinen  FS.  8894  eu]  enkch  S.  8895  paid]  selber  S.  waiss  nit  u. 
GD.  8896  diser]  iglicher  GD.  in  ainer]  umb  die  F.  meiner  GD.  8897  mei- 
ner B.  8899  swert]  streit  B.  lät  FS.  let  B.  8901er  fehlt  S.  es  G.  8906 
auch  wo  vint  F.  8908  behaltung  FSGD.  8909  mund  FGD.  8910  ge- 
schrift  FGD.  8911  das  SG.  holz  WFS.  enprist  GD.  8912  der  lischet  B. 
8913  als  auch  BF.  8914  veioht  D.  8918  der  fehlt  BSGD.  8920  sein 
fehlt  D.  8921  als  das  g.  I).  als  die  geschrift  sett  G.  8923  daz  G. 


298 

nicht  clueg  sein  in  übrigem  essen  und  trinken, 
8925  wann  es  macht  das  flaisch  oft  hinken." 

Man  list  in  der  altväter  tat, 

das  Macharius  der  abt  hat 

got  gedient  gar  lange. 

nu  gewan  er  groz  getwange, 
8930    darumb  das  er  nicht  west, 

was  lones  er  verdient  ze  lest. 

do  wart  im  aines  tags  gesagt, 

es  wären  zwai  weib  in  ainer  stat, 

den  selben  war  er  vor  got  geleich. 
8935    da  loff  er  hin  gar  reschleich 

und  fragt  si  paide  in  der  minn, 

was  lebens  si  hieten  under  in? 

do  sprachen  si:  „wir  sein  ain  leib 

und  sein  zwaier  prüeder  weib, 
8940    und  haben  paide  also  zwar 

gelebt  mer  danne  dreissig  jar, 

das  chaine  die  andere  hat 

betrüebt  mit  worten  oder  mit  tat, 

und  haben  uns  das  in  unser  gemüet 
8945   gesetzet  für  mit  warer  güet, 

das  wir  das  wellen  halten  vest 

unz  an  unsern  tag  ze  lest, 

das  wir  wellen  chriegen  nimmer  nicht 

umb  chainerlai  ding,  was  uns  beschicht" 
8950    damit  zaigt  got  Machario, 

wie  wol  im  geviel  do, 

das  man  sich  hüet  vor  fluechen  und  schelten. 

so  lobens  auch  die  weisen  selten. 

man  spricht:  „zwo  gellen 
8924  in  überessen  SGD.  8925  oft  fehlt  B.  8926  alten  v.  FS.  leben 
und  tat  W.  9829  er  fast  gross  zwange  G.  fast  grossen  zwang  D.  getrange 
S.  8931  verdient  het  ze  B.  ze]  ain  G.  8932  do]  dar  F.  tag  F.  8933  wei- 
ber  S.  8935  lief  W.  penteklich  G.  behendiglich  D.  8938  do  fehlt  F.  si 
spr.  F.  si  fehlt  BS.  8939  seiner  F.  8942  der  F.  anderen  FD.  die]  der 
G.  8943  wort  F.  oder]  noch  F.  8945  vor  W.  mit]  uns  S.  für  mit]  in  GD. 
894ß  halten  wellen  WSD.  8947  huntz  GS.  unser  GD.  8948  nimmer  mer 
G.  nimmer  me  D.  8949  geschieht  WSGD.  8950  erzaigt  WSG.  8952  von 
fl.  und  von  seh.  F.  und  vor  seh.  G. 


299 

8955  wurden  oft  guet  gesellen, 
aber  zwaier  prüeder  weib 
beleiben  selten  ane  streit." 

Zu  dem  aindliften  mal  sol  man 

sich  hüeten  gar  wol  da  von 
8960    von  üppigen  scharfen  Worten, 

wann  si  wüesten  des  himels  porten. 

das  herz  ains  gueten  menschen  ist 

als  ain  himel,  als  Jeremias  list, 

so  ist  des  menschen  mund  geleich 
8965   als  ain  porte  am  himelreich. 

Jeronimus,  der  lerer  fort, 

spricht:  „das  ist  ain  müessiges  wort, 

da  chaine  notdurft  nicht  ist  an 

und  da  man  got  nicht  lobet  von." 
8970    Salomon  spricht:   „die  honigfladen 

und  die  süessen  wort  die  haben 

an  in  ain  geleiches  ding, 

wann  si  machen  das  gemüet  ring, 

und  süesse  antwurt  pringt  süesse  wort 
8975   und  pricht  den  zorn  an  allem  ort, 

und  scharfe  wort  tuen  nur  die  toren, 

da  mit  erkücken  si  den  zoren." 

Jesus  Syrach  tuet  uns  chunt: 

„süesse  wort  machent  freunt 
8980   und  stillent  die  grossen  veint." 

„die  harpfen  und  psalterie  seint 

gar  und  gar  süess  mit  irem  don, 

aber  über  alle  süessichait  ain  chron 

das  ist  ain  süesse  frumme  zung, 

8955  werden  D.  8957  beliben  FG.  8958  zu]  an  F.  ainliften  BS.  ailf- 
tem  GD.  8960  vor  GD.  8962  in  aim  F.  8963  gleich  dem  h.  GD.  Jero- 
nimus BF.  gicht  GD.  8966  lerer]  lert  S.  fort]  forcht  B.  8967  spricht 
fehlt  F.  8968  nicht  fehlt  S.  n.  ist  nit  an  G.  8971.  72  und  süssew  worfc 
habent  an  ain  ding  G.  und  süsse  wort  haben  ein  ding  D.  8972  geleiches 
fehlt  WBS.  soleiches  F.  8973  wann]  und  G.  das  D.  8974  u.  süsse  wort 
pringen  süsse  antwurt  GD.  8976  und]  aber  G.  8981  herphe  BGS. 
8982  gar  und  fehlt  D.  getun  G.  £eton  D.  8983  aber  fehlt  F.  8984  ist 
fehlt  G.  fr.  tilgen thafte  z,  G. 


300 

8985   die  do  ist  an  mailung." 
Salomon  der  weise  sait: 
„antwnrt  dem  toren  nach  seiner  torhait, 
das  er  icht  wän,  er  sei  weis 
und  gib  im  nicht  ze  vil  speis." 

8990   Der  zwelft  tadel  vast  übel  stet, 

das  man  von  andern  leuten  redt 

übel,  als  her  Salomon  list: 

„welcher  mensch  der  ist, 

der  ander  leut  tadel  offen  wil, 
8995  der  wirt  die  sein  auch  hören  vil, 

ee  das  im  lieb  ist  sicherlich." 

Aristotiles  der  sinnereich 

spricht:  „wer  do  hat  im  äugen  ain  träumen, 

der  selb  der  wil  aim  andern  räumen 
9000   ainen  halm  aus  dem  gesicht, 

und  wil  im  selben  räumen  nicht." 

sand  Pernhart  spricht:  „nachreden 

oder  nachreden  hören  eben, 

welches  da  under  den  paiden 
9005   wirser  sei,  das  chan  ich  nicht  beschaiden. 

den  nachred  er  geleichet  man 

der  pösen   vippernater  gram." 

Gregorius  spricht:  „was  tuen  anders  die, 

die  da  nachreden  hie, 
9010   dann  das  si  in  selber  in  die  äugen 

den  aschen  plasen  taugen." 

der  waise  man  also  sait: 

„es  ist  ain  grosse  tumbhait 

der  ander  leut  unchunst  misset, 
9015    und  sein  selbs  unchunst  vergisset." 

8985  an  alle  m.  GD.  8988  das  erste  er  fehlt  F.  8992  her]  man  von  GD. 
her  fehlt  F.  8994  offen  W.  öffnen  D.  8995  der  GD.  seinen  B.  8996  ee 
das]  so  S.  das  fehlt  WBGD.  8997  sinnenreich  WBS.  899-8  spricht  fehlt 
D.  träm  W.  träum  FSD.  8999  selbig  wil  F.  räum  WSD.  9000  halben  F. 
halmen  S.  9019  selb  G.  9003  hören  nauch  reden  G.  9004  da  und  under  S. 
9005  pösser  GD.  des  FS.  9007  vipernatern  BS.  vippernatren  G.  pösen 
fehlt  D.  9014  unkumen  G.  unkomenheit  D.  9015  sein  fehlt  S. 
unkummen  G.  unkommen  D. 


301 

es  spricht  Jeremias : 

„ich  send  zu  euch  fürpass 

die  wirsisten  natern  in  mundo 

den  nicht  schat  chain  incantacio." 
9020    da  maint  er  die  nachreder, 

die  do  sein  als  die  greber, 

die  offen  stend  mit  stinkendem  as, 

als  der  psalmiste  sprichet  das: 

„ir  zung,  ir  hals  der  ist 
9025   als  ain  offens  grab  mit  stinkendem  mist." 

Der  dreizehent  tadel  ist  wider  got, 

wer  ander  leute  macht  ze  spot. 

Salomon  spricht:  „des  spotter, 

des  spottet  got  immer  mer, 
9030   aber  dem  tugentreichen 

geit  got  genad  auf  ertreichen, 

und  dem  spotter ,  dem  ist 

der  spot  berait  ze  aller  frist, 

so  ist  dem  narren  ain  scheit  berait." 
9035   Catho  der  hoch  maister  sait: 

„du  solt  nicht  spotten  mit  Worten, 

noch  mit  werken  an  chainen  orten." 

Socrates  spricht  mer  dann  zwier: 

„spot  niemands,  das  rat  ich  dir, 
9040   wann  es  ist  ane  tadel  niemant." 

Seneca  tuet  uns  auch  bechant: 

„du  solt  deines  freundes  spotten  nicht, 

anders  die  freuntschaft  wirt  enwicht, 

wann  es  müet  in  ee  von  dir, 
9045    wann  von  ainem  frömden,  das  gelaube  mir." 

Salustius:   „die  spotter  sein  geschaffen, 

9018  wirsten  B.  veinstren  D.  finstren  G.  wirist  S.  mundo]  irondo  G. 
irundo.  D.  9019  chain  fehlt  FGD.  9022  stinkundem  FS.  9023  psal- 
mist FGD.  9024  der  fehlt  S.  9025  offne  grueb  F.  stinkundem  FS. 
9027  wer]  wenn  G.  9029  mers  GD.  9030  den  BGSD.  tugentlichen  GD. 
9031  ertreich  WBS  ederreichen  F.  9032  u.  auch.  d.  GD.  9035  hoch 
fehlt  GD.  m.  der  s.  G.  9037  in  GD.  9039  niemant  WBSD.  9043  war 
F.    9044  ye  G.     9045    des   W.    9046  der  G.  sein  also  g.  F. 


302 

das  si  geleich  sein  als  die  äffen. 

die  selben  spotten  iederman 

und  iederman  spot  ir  auch  an  wan. 
9050   und  wer  mit  gespöt  umbgat, 

der  wirt  ze  spot  an  aller  stat." 

maniger  wil  gespöt  machen, 

das  sein  die  leut  sullen  lachen, 

und  macht  sich  selber  ze  ainem  narren. 
9055  ich  wais  ir  vil  in  diser  pfarren, 

die  sich  also  machen  wellen 

zu  gespöt  durch  der  gesellen 

willen,  das  er  in  gevalle. 

also  wirt  er  gar  mitalle 
9060    zu  ainem  rechten  wuffun. 

das  sol  nu  sein  ain  grosser  ruem, 

und  welcher  vil  gesmätz  chan  machen, 

als  hül  mit  tiltaffen 

und  hury  mi  nisty  mi  fan 
9065   und  illi  minef  und  tilmitan 

und  soleich  narren  wort  unrain, 

die  selben  sein  ietzund  gemain 

under  etleichen  milchtutten, 

und  welcher  sich  chan  zue  sluppen 
9070    mit  üppiger,  snöder  ribaldrei, 

der  selb  der  trait  der  eren  chrei, 

ich  main  nur  pei  andern  toren. 

das  selb  sein  esel  mit  churzen  oren, 

und  mainen  sich  doch  die  weisisten  sein, 

9047  sein]  tun  B.  9051  ze  spot]  verspot  G.  gespött  W.  gespöt  D.  9054 
und]  er  F.  9059  al  B.  9060  wüfün  W.  pufen  F.  puben  B.  riffiaun 
G.  riffion  D.  9061  nu  fehlt  F.  im  GD.  grosser]  rechter  GD.  ruem] 
ruffen  F.  9063  hül  mit  tyl  tafen  B.  mit  altaffen  F.  tili  taufen  S.  düll  daff- 
len  G.  hüllen  und  närrisch  lachen  D.  V.  9064.  65  fehlen  D.  9064 
hurey  S.  hürü  nimistus  mein  fan  F.  hury  mit  mist  myfan  G.  9065  und 
illumtef  und  tüllmutan  G.  und  tillumitan  B.  tillunitan  S.  u.  allimitan  F. 
9066  soleichen  F.  narren  werk  D.  9067  ietz  WS.  ietzund  fehlt  GD. 
9068  milchtutten  W.  milichrudeu  F.  miichtuken  S.  9069  schuppen  GD. 
sluphen  S.  9070  snöder]  pö.ser  D.  9071  chrei]  drei  D.  9072  main  aber 
nuer  F.  nur  fehlt  GD.  9073  selb  fehlt  F.  seind  esels  oren  GD.  9074 
sich]  sy  G.  sich  fehlt  D.   weisosten   GD. 


303 

9075   doch  hangt  in  an  dem  munt  der  prein. 

das  merkt  man  wol  an  den  sachen, 

das  si  sich  selber  zu  narren  machen, 

und  soltz  ain  andern  also  treiben  umb, 

so  hueb  sich  erst  ain  numerdum; 
9080   aber  das  si  sich  selber  treiben 

zu  narren  und  narren  beleiben, 

das  selb  sol  ietzund  nu  hofleich  sein, 

und  das  si  als  die  unsinnigen  schrein. 

so  haben  etleich  chnaben  funden 
9085   ain  newe  sprach  pei  disen  stunden, 

und  haist  mans  die  rotwalsch. 

da  treibt  man  ietz  mit  manigen  valsch, 

der  sich  nicht  wol  verlunzen  kan. 

doch  sieht  man  manigen  an  tolhart  gan. 
9090    so  vaiet  etleicher  über  die  flech, 

und  ob  der  clainer  recht  zue  säch, 

so  wurd  im  wol  ain  kiepeis. 

nu  secht  nur,  wie  der  teufel  sein  weis 

treibt  mit  manigem  öden  hach. 
9095    ach  und  säch  ich  sei  im  pach 

dertrenken  als  die  jungen  hunt, 

die  soleioh  snöde  unfuer  fcuent! 

doch  haben  die  alten  war  gesait: 

„wenn  der  abt  die  würfel  trait, 
9100    so  spilen  die  müiiich  alle  geren.^ 

also  ist  es  hie  pei  den  herren, 

9075  pryG.  Nach  9075  hat  G.  und  si  allweg  als  die  unsinngen  schri  das 
sol  yetzund  hofflich  sein.  Auch  inD.folgen  V.  9083  u.9082  hier.  9077 
zu  ainem  n.  F.  V.  9078- -9081  fehlen  B.  9078  ander  SGD.  9079  umer- 
dum  S.  so  wolten  si  zürnen  darurab  D.  9082  nun  ietzund  F.  ietz  S.  V. 
82  u.  83  fehlen  hier  Gl).  9084  gefunden  GD.  9086  man  haist  F. 
roten  w.  F.  rotwalsch  WBGD.  9087  da]  die  D.  damit  man  ietzund  treibt 
manigen  valsch  F.  ietzund  B.  da]    das  W.    manigem  WD.    valsch]    Heiz  S. 

9088  sich]  si  WG1D.  verwützen  B.  verläntzen  F.  verlützeu  G.  verbwutzen  S. 

9089  an  tolhart)  wie  iborhait  F.  ain  torhait  GD.  began  D.  9090  faig-et  F. 
flecht  S.  9091  der]  er  GD.  chainer  F.  9092  kleppeis  F.  klippeis  G.  klüp- 
peis  D.  9093  nur  fehlt  FGD.  9094  mangen  öden  sachen  und  hach  G. 
9095  und]  ich  F.  9090  ertrenken  F.  ertrinken  GD.  dertrinken  S.  9097 
ungefuer  F.     9098  noch  G. 


304 

wann  si  ain  recht  peispil  trüegen, 

so  möcht  sich  das  hart  gefüegen, 

man  müest  in  recht  tuen  hinnach. 
9105   aber  wenn  das  haubt  ist  swach, 

so  sein  die  andern  gelider  gemain 

nimmer  mer  wol  in  ain. 

und  was  die  grossen  herren  an 

tragen,  das  ist  recht  getan, 
9110   und  trüeg  er  halt  ain  sauhaut, 

so  wolt  mans  tragen  überlaut. 

da  von  so  sei  wir  geschaffen 

als  die  jungen  wilden  äffen. 

was  die  sehen  tuen  vor  in, 
9115    das  selbe  lassens  nimmer  hin, 

oder  si  wellens  tuen  hinnach. 

so  ist  manigem  nach  wunder  gach 

und  vert  darumb  über  mer, 

und  chäin  der  selbe  zu  mir  her, 
9120   ich  wolt  im  zaigen  wunder  hie, 

das  er  gesach  so  vil  nie 

an  weiten  ermein,  zotten  und  läppen, 

da  si  inne  gen  als  die  trappen. 

Zu  dem  vierzehenden  mal  sol  man  sich 
9125    hüeten  gar  und  gar  aigenlich, 

das  man  nicht  leichtleichen  rede, 

noch  unsaubre  wort  niemant  gebe, 

als  sand  Paulus  spricht  da  mit: 

„unsaubre  wort  wüesten  guete  sit." 
9130    Omerius  der  gicht  das: 

9102  wenn  die  BG.  si]  die  D.  die  recht  ain  ebenpild  tr.  F.  9104  in 
fehlt  GD.  9105  wanne  F.  9107  mer  fehlt  FGD.  in]  über  F. 
9108  herren  tragent  an  GD.  9109  tragen  fehlt  GD.  ist  ietz  alles  r.  GD. 
9110  seuhut  D.  9112  davon  so]  darumb  GD.  sein  B.  seien  D.  9114  tuen 
sehen  WBS.  9116  oder  waz  si  tun  wellent  alweg  h.  G.  9117  ist  denn 
m.  GD.  9119  chum  B.  9121  gesech  B.  nie]  nie  BG,  1922  kappen  FGD. 
9123  fehlt  GD.  da]  das  WBFS.  sen  F.  V.  9124-9167  fehlen  F. 
9125  und  gar  fehlt  D.  9126  lychtigklich  G.  leichtiglich  D.  9130 
Honorius  D.-O.  ain  maister  g.  G. 


305 

„die  zung  erzaigt  an  underlas, 

wie  der  mensch  ist  gestalt, 

oder  was  er  in  seinem  herzen  halt." 

Priscianus  der  maister  list: 
9135    „wa  ain  pöse  zunge  ist, 

da  ist  auch  geren  der  neit", 

als  der  weise  urchunt  geit. 

des  neidigen  munt  ist  plaich 

und  suchtig  und  au  dem  gemüet  waich, 
9140   wann  er  tar  niemant  nicht 

tuen,  als  Oracius  spricht, 

wann  das  er  sich  freut  ze  aller  zeit, 

das  sein  nächster  in  ungelück  leit. 

der  neidig  hat  gall  in  seinem  herzen  beslossen, 
9145    und  sein  zung  ist  mit  gift  undergossen. 

ich  wolt,  das  neidig  leut  an  allen  stetten 

äugen  und  oren  hetten, 

das  sie  horten  und  sähen, 

das  den  leuten  gelück  wolt  nähen. 
9150   als  oft  wurden  si  von  irem  neit 

gemartert  und  geprest  zu  aller  zeit. 

Seneca:  „als  vil  freud  die  säligen  haben, 

als  vil  seuften,  leiden,  wainen  und  clagen 

haben  die  neidigen  leut  zu  aller  stund." 
9155   Jeronimus  der  tuet  uns  chunt, 

das  der  neit  martert  seinen  aigen  herren, 

als  ain  wurm,  der  do  wächst  in  dem  holzkeren 

und  der  das  holz  hernach  frisst 

darin  und  er  geporen  ist. 
9160   Oracius  spricht  der  maister  clueg: 

„die  neidigen  sein  ungelückhaftig  genueg, 

wann  von  ander  leut  gesund 

werden  si  siech  alle  stund, 

und  von  ander  leute  leben 

9134  gicht  W.  9135  wo]  wann  G.  9140  tor  W.  getar  B.  9144  ain 
gallen  GD.  im  h.  D.  Verstössen  GD.  9145  überg.  GD.  9152  säligen  leut 
h.  WGD.  9153  seunftzen  G.  seufzen  D.  9156  neidig  GD.  9157  dem 
fehlt  D.  9158  und  fehlt  GD.  9162  von  der  a.  D.  9163  ze  aller  B. 
zu  aller  D.  siech  alle  stund]  dem  tod  gegeben  G.  9164  —  65  fehlen  G. 
Zingerle,  Vintler.  20 


306 

9165    werden  si  dem  tod  gegeben. 

der  neidig  mensch  peisst  und  isst 
sich  selber  zu  aller  frist" 

In  dem  fünfzehenten  capitel  wil  ich  sagen 

von  den,  die  da  vinstre  rede  haben, 
9170   sam  die,  die  da  vil  reden 

und  verporgne  wort  dannoch  geben, 

als  die  valschen  zuetrager  tuen, 

und  wellen  in  also  machen  ruem. 

Isiderus  spricht,  es  pring  mer  frum, 
9175    das  ainer  ste  als  ain  stum, 

wann  das  er  red,  das  man 

nicht  wol  versten  chan. 

Syrach:   „wer  umb  get  mit  vinstern  Worten, 

der  selbig  maint,  an  allen  orten 
9180    vil  witziger  ze  sein, 

wann  er  doch  ist,  das  ist  wol  schein. a 

darumb  sol  der  mensch  besehen, 

was  in  anbring  ze  jehen, 

und  sech  auch  eben,  was  er  tue, 
9185    das  er  zeit  und  stat  hab  darzue. 

Plato  gicht:  „was  man  redt  an  sach, 

das  giltet  wenig  und  ist  swach, 

und  der  weise  halt  ez,  als  man  sait, 

für  aine  grosse  torhait." 

9190  Per  secbzehent  tadel  und  der  lest 
der  ist  wol  ain  grosser  prest, 
das  ist,  das  man  nicht  ordenleichen 
antwurten  chan  nach  allem  geleichen, 

9167  selb  G.  9168  funfzehendisten  W.  9170  dew  die  F.  9171  und 
unverporgne  F.  wort]  red  W.  haben  S.  9172  tuend  F.  9173  und]  die 
F.  also  fehlt  F.  9174  mer  fehlt  S.  pringt  GD.  9176  das  er]  der 
man  GD.  er]  man  BS.  9178  Sydrach  spricht  G.  9179  selb  GD.  selb 
der  BS.  9180  ze  fehlt  G.  9181  doch  fehlt  GD.  9183  angehör 
F.  9185  fehlt  G.  und  auch  st.  D.  9186  spricht  FGD.  redt]  sait  F. 
9188  halt  ez]  halten  S.  9189  grosse  fehlt  G.  torhait  als  man  sait  G. 
9190funfzehentWBSG.undauchd.WBS.  9192  ordenleich  F.  9193  allen 
WBS.  geleich  F. 


S07 

und  darumb  sol  iederman 
9195    sein  Ordnung  machen  schon, 

und  sol  sich  bedenken  gar  wol, 

wie  man  sich  hie  halten  sol. 

wann  des  menschen  regiment, 

die  gent  aus  dem  visainent 
9200   und  besunderleich  aus  den  äugen, 

die  offen  sich  gar  taugen. 

darumb  so  ist  gar  nutz, 

das  man  hab  ain  fröleich  antlutz, 

und  das  die  lebsen  nicht  ze  ser 
9205    sich  rüeren  hin  und  her. 

auch  sol  man  das  gesicht 

nicht  stät  halten  in  ainer  pflicht, 

wenn  man  mit  ainem  weisen  redt, 

wann  er  vervacht  es  an  der  stet. 
9210    so  sol  man  sich  auch  nicht 

ze  vaste  naigen  mit  dem  gesicht, 

und  hab  alzeit  ain  hübsche  mas 

und  ain  guete  mainung  an  unterlas. 

und  wann  du  redest  nach  gemainem  sit, 
9215   so  rüer  nicht  das  haupt  damit, 

noch  fües  noch  hende, 

noch  die  achseln  an  chainem  ende, 

und  spürzel  nicht  ze  vil  aus, 

wann  es  macht  den  leuten  graus, 
9220    und  fürb  auch  nicht  ze  vil  die  nas, 

als  vil  du  macht  und  doch  mit  mass, 

und  hab  alweg  erberig  sitt, 

und  prich  nicht  vil  dein  tritt. 

9196  gedenken  F.  gar  fehlt  G.  9201  offent  S.  9202  so  fehlt  GD. 
nütze  WBG.  nutze  S.  9203  hab  fehlt  G.  antlütze  WG.  9204  löffen  G. 
9207  stetz  G.  9208  weisen  man  r.  D.  9209  verfecht  WBS.  9210  sich 
fehlt  F.  9211  vastew  F.  vest  B.  dem  fehlt  S.  9212  hab  fehlt 
D.  9214  gemain  WS.  9215  haubt  mit  GD.  9216  noch  die  h.  GD. 
9217  dich  auch  nit  fast  hin  und  her  wende  GD.  9218  und  spür- 
zel nicht]  noch  die  achslen  GD.  9229  nasen  F.  9221  magst  WSD. 
machst  B.  doch]  auch  G.  9222  erber  BSGD.  sitten  GD.  9223  pricht 
F.  den  S. 

20* 


308 

auch  streck  den  hals  nicht  ze  hoch, 
9225    und  spring  nicht  umb  als  ain  floch, 

und  ob  du  danne  lachen  wil, 

so  sich,  das  du  nicht  lachest  ze  vil, 

und  nicht  mit  ze  heller  stimm, 

und  slach  ze  nider  nicht  dein  tinn. 
9230   du  solt  dein  achseln  nicht  strecken, 

noch  die  zende  lassen  plecken, 

und  solt  deine  red  gar  eben 

ordenleichen  auslegen, 

und  trink  auch  nicht  ze  vast, 
9235   das  die  zunge  icht  behaft, 

und  das  der  wein  icht  smecke 

aus  dem  mund  noch  ecke, 

und  hab  ain  pause  mitterleich, 

nicht  ze  lang,  noch  ze  sittleich, 
9240   und  red  nicht  ze  trag,  noch  ze  snell, 

und  nicht  ze  nider,  noch  ze  hell. 

und  wenn  du  redest,  so  mach 

deine  rede  nicht  zwivach, 

und  leg  dein  wort  redleichen  für, 
9245   und  doch  nicht  mit  ze  heller  chür. 

und  wann  man  redt  von  grossen  sachen, 

so  sol  man  die  red  auch  heller  machen 

und  fürpringen  mit  weisem  sinn, 

und  doch  nicht  mit  ze  heller  stimm. 
9250   aber  wann  man  redt  von  clainen  sachen, 

so  sol  man  die  stimm  auch  clainer  machen  * 

und  wann  du  pittest  dienst  oder  minn, 

9224  auch]  und  GD.  9226  du  fehlt  S.  9228  nicht  red  mit  GD. 
halber  D.  9229  slach]  halt  GD.  die  F.  9231  zän  G.  lan  S.  9233 
aus]  für  GD.  9235  d.  dir  dein  z.  G.  zung  dir  n.  D.  nicht  FS,  9236 
das  fehlt  G.  9237  deinem  G.  9238  natürleich  W.  mittellich  D. 
9239  noch]  nicht  G.  sitteklich  G.  9240  und  fehlt  GD.  trag  F. 
9241  nider]  leis  D.  9242  wann  F.  9244  deineW  G.  redleich  FSD. 
9245  mit  fehlt  F.  mit  der  hellen  eh.  W.  nit  mit  halber  tür  GD.  V. 
9247-9250  fehlen  S.  9247  die  red  auch]  reden  GD.  9248  und 
auch  G.  9249  nit  mit  halber  st.  GD.  9252  wem  WB.  pietest  WB. 
bietes  S. 


309 

das  solt  du  vorsehen  mit  diemüetiger  stimm; 

aber  die  dienst,  die  man 
9255    will  haben  von  ainem  undertan, 

die  sol  man  vorsehen  ernstleich 

und  doch  mit  masse  sittleich. 

und  wenn  du  redest  von  lustleicher  chür, 

das  selb  pring  froleichen  für, 
9260   und  das  dein  wort  alweg  haben  in, 

das  seu  beleiben  pei  dem  sin, 

und  bedenk  dich  auch  gar  eben, 

das  du  wissest,  was  du  wild  reden. 

ist  es  dann  also  gewant, 
9265   das  du  werdest  in  potschaft  gesant, 

so  tail  dein  potsehaft  in  sechs  partier, 

und  merk  gar  eben  die  divier: 

am  ersten  sol  tu  grüessen  den  man, 

dem  du  die  potschaft  hast  getan. 
9270   zum  andern,  das  du  im  enpfelhest  drat 

den,  der  dich  dar  gesant  hat, 

und  gib  im  dann  prief  oder  gab, 

und  darnach  dein  potschaft  sag, 

und  hab  darinne  chain  erschreckung, 
9275   und  lueg  nicht  vaste  umb  dich  umb. 

darnach  soltu  herfür  pringen 

deine  red  mit  weisen  sinnen 

mit  ainer  schönen  mainüng, 

und  hab  doch  alzeit  die  zung 
9280   in  huet  mit  hübscher  1er, 

also  das  du  icht  sagest  mer, 

wann  man  dir  enpfolhen  hat. 

9253  das]  die  BS.  das  solt  du  v.]  die  forsch  GD.  9257  sittigklich  GD 
9259  d.  selb  das  lustleich  herfür  F.  frölich  D.  9260  das  fehlt  GD.  al 
wegen  in  S.  9261  dehn  W.  9264  es  ist  S.  9265  wirst  BGD.  wurst  S 
9266  party  G.  9267  merk  eben  dir  diesfcir  F.  eben  da  die  fier  G.  eben  die 
vier  S.  9269  wirfc  G.  9270  andern  mal  D.  9271  dar  fehlt  G.  9272 
dann]  dein  W.  den  GD.  9273  p.  denn  sag  GD.  9274  darinne]  dann  B. 
9275  vaste  fehlt  F.  9276  d.  so  soltu  WB.  hinfur  S.  9279  und  doch 
allzit  halt  inn  die  z.  GD.  9280  in  huet]  alzeit  F.  huet  alzeit  WB,  mit] 
in  B.    9281  du  fehlt  S.    9282  man  dir]  mir  S. 


330 

Ain  exemplum  list  man  in  der  Romär  tat, 

das  die  edeln  Romani 
9285   ir  poten  santen  gen  Taren ti, 

und  hiessen  sei  da  reden 

mit  gesatzten  Worten  eben, 

und  das  si  auch  nicht  anders  sagten. 

und  do  si  in  die  stat  trabten, 
9290  do  wurden  die  poten  mit  iren  scharen 

alle  sampt  begossen  mit  harem, 

und  wurden  gehandelt  gar  smächleich. 

do  ritten  die  poten  gar  tugentleich 

in  ir  herberg  in  der  stat. 
9295   darnach  giengen  si  in  den  rat 

und  würben  ir  potschaft  gar  eben, 

und  hiessen  in  do  ain  antwurt  geben, 

und  clagten  auch  nicht  fürpas, 

was  in  smachait  widervaren  was, 
9300    wann  in  was  pei  irem  leben 

nicht  mer  enpfolhen  ze  reden. 

und  do  si  wider  gen  Rom  chomen, 

do  sagten  si,  als  si  dort  hetten  vernomen, 

und  sagten  darnach  von  dem  harem, 
9305    als  in  dort  was  widervaren. 

do  fragtens  die  Romär  ze  stetten, 

ob  si  es  dort  geclaget  hetten? 

do  sprachen  die  poten:  „nain, 

wann  es  was  enpfolhen  unser  chaim, 
9310   das  wir  solten  reden  mer." 

und  do  die  Romär  die  uner 

sahen,  die  iren  poten  da  was 

widervaren  auf  der  stras, 

do  fueren  die  Romär  mit  gemainem  rat 

9283  Ain  fehlt  WBSGD.  ain  ebenpild  F.  9284  RomamaniF.Romayn  S. 
9285  ir  fehlt  S.  potschaft  GD.  karenti  WSG.  9286  sew  reden  F.  si  GD. 
9287  gesetzten  BS.  gar  eben  G.  9288  das  si  fehlt  GD.  9290  roten 
S.  9291  härmen  W.  härm  S.  9292  handelt  S.  9293  gar  fehlt  W. 
9294  in]  zu  S.  irer  B.  an  der  stat  S.  9297  liessen  S.  9301  e.  do  ze 
GD.  9302  gen]  gan  F.  ze  G.  9304  härm  B.  9307  bechlagt  F.  hetten 
geclagten  G.    9309  dhain  B.    9311  do   fehlt   G. 


311 

9315   für  Tarentin  und  gewunnen  die  stat. 

damit  maint  der  maister  her, 

das  niemant  sol  reden  mer, 

wann  mit  im  sei  geschaffen, 

so  darf  in  niemant  darumb  straffen. 
9320   darumb  sag  nicht  ze  wenig  noch  ze  vil., 

darnach  sag  ain  hübsches  peispil, 

und  sag  dannoch  da  pei, 

was  mit  dir  geschaffen  sei. 

zue  dem  sechsten  mal  sol  man, 
9325    die  red  besliessen  gar  schon, 

und  solt  es  slechtleich  auslegen, 

und  lass  chain  red  underwegen. 

auch  soltu  begeren, 

das  man  wol  müg  geweren; 
9330    wann  chain  pet  doch  nicht  döcht 

ze  pitten,  das  man  nicht  getuen  möcht, 

oder  das  da  ungerecht  war, 

wann  das  selb  war  mit  gefär. 

Sag  auch  chain en  rat 
9335    ungepeten  an  chainer  stat, 

und  gee  auch  an  chainen  steten 

in  chainen  rat  ungepeten. 

und  wann  du  pist  in  dem  rat 

umb  weu,  das  sei  frue  oder  spat, 
9340   so  mach  in  deinem  rat  ain  sum 

und  tail  in  in  fünf  partierung. 

an  dem  ersten,  das  man 

ain  hübschen  anfang  hebe  an. 

das  ander,  das  man  bedenk  gar  wol, 

9315  Carentum  WS.  Taratin  F.  9316  herre  F.  9317  mere  F.  931.8 
dann  BSGD.  9319  fehlt  F.  bedarf  B.  9321  fehlt  B.  9325  gar  fehlt 
D.  9326  sl.  aus  und  aus  1.  WBS.  slechtikleichen  a.  F.  9327  red]  recht 
SGD.  9329  weren  BGS.  9330  pott  G.  gebet  D.  9331  pietten  G.  bieten 
S.  des  F.  ra.  doch  nit  F.  tuen  D.  9332  unrecht  GD.  9333  selb  das  w.  B. 
9334  sag]  gib  F.  9336  gang  GD.  9337  in]  zu  BSD.  ze  G.  9338  pitest 
S.  9339  weu]  wo  S.  was  D.  9340  so]  und  F.  mag  W.  9342  partierum 
D.   9343  ausgankch  B.   9344  das  man  fehlt  WBSGD.  gedenk  F. 


312 

9345   was  man  reden  wil  oder  sol. 

zue  dem  dritten  mal  sich  an  die  stat, 

ob  du  da  solt  geben  rat, 

oder  ob  ain  ander  man 

den  rat  vor  dein  sol  heben  an. 
9350  zum  vierden  mal  mach  ain  geleichnuss 

mit  ainer  hübschen  bewärnuss, 

so  soltu  zue  dem  fünften  mal 

dein  red  besliessen  gar  wol 

und  ain  guet  gedächtnuss  haben, 
9355   ob  man  den  rat  müest  wider  sagen, 

das  man  es  dann  chund  offen  recht; 

und  sunst  andreu  märe  siecht, 

die  man  in  schimpfe  oft  tuet  reden, 

den  darf  man  chain  solch  Ordnung  geben. 
9360   aber  doch  sol  maus  besliessen 

churzleich,  so  wirt  es  an  verdriessen, 

als  Tulius  der  maister  sprach: 

„in  wenig  Worten  begreift  man  vil  sach, 

und  was  churz  ist  und  ordenleich, 
9365   das  ist  schön  und  lobleich, 

und  was  lang  ist,  das  ist  verdrossen. 

so  hat  das  churze  vil  beslossen." 

So  bedarf  der  mensch  am  lesten  das, 

das  er  in  der  red  hab  sit  und  mas, 
9370   und  beschaiden  sei  mit  dem  gesicht. 

wann  der  philosophus  der  spricht, 

das  man  an  chainer  visamei 

den  menschen  als  wol  erchennent  sei, 

als  man  an  den  äugen  tuet. 
9375   dar  Limb  sol  man  sich  in  huet 

alzeit  haben  mit  dem  gesicht. 

auch  sol  der  mensch  nimmer  nicht 

9349  dein]  im  G.  9359  mag  WBS.  9353  besliessen]  weisleich  F.  9354 
bedachtnuss  F.  gedenknus  S.  9355  müs  F.  9356  m  denn  es  G.  chun 
F.  9357  sust  WS.  andre  WBS.  9359  tuet  oft  r.  W.  9359  bedarf  chain 
F.  9360  d.  so  sol  G.  9361  churtzl eichen  S.  9365  schön]  hüpsch  GD. 
9366  das  ist]  und  W.  9368  darf  W.  9371  das  zweite  der  fehlt  SGD. 
9373  erkennet  BS.  erkennen  GD.    9375  sich]  sein  WS.  sei  B. 


313 

seine  äugen  ze  hoch  aufheben 

und  nicht  hin  und  her  sehen. 
9380   wann  es  spricht  der  weise  man: 

„man  sol  die  leut  nicht  ze  starr   an 

sehen,  aber  doch  mit  mas, 

und  rüer  seu  dannoch  etwas, 

doch  nicht  ze  wenig  noch  ze  ser, 
9385   und  plick  nicht  vast  hin  und  her, 

und  hab  auch  mas  in  deinem  gen, 

und  wann  du  für  die  leut  wild  sten, 

so  tritel  nicht  umb  als  ein  huen, 

wann  das  selb  neur  narren  tuen." 
9390    Salomon  spricht:  „pei  fünf  tadel 

erchennet  man  des  narren  adel, 

am  ersten  an  seiner  rede  dank, 

zum  andern  mal  an  seinem  gank, 

darnach  an  seinem  lachen  unnutz, 
9395    zum  vierden  mal  an  seinem  antlutz, 

zum  fünften  mal  an  seinem  gewant." 

ich  glaub,  man  vind  auch  narren  im  lant, 

die  da  narrenplunder  tragen. 

manige  wil  ain  rock  haben, 
9400   der  ir  gee  zwo  eilen  nach, 

als  ainst  an  ainer  frawen  beschach. 

die  trueg  gar  ain  langen  rock   an. 

das  selbe  sach  ain  heiliger  man, 

das  ir  plunder  was  so  reich. 
9405  des  lacht  der  teufel  gar  ernstleich. 

do  fragt  in  der  heilig  man : 

„wes  lachestu,  du  pöser  Sathan  ?a 

9378  ze]  so  B.  9381  nit  stätz  an  WB.  leut  stätz  an  GD.  nicht  stätz 
han  S.  9382  doch  fehlt  G.  masse  WBGS.  9383  rüeren  GD.  siWG.  sei 
BS.  sich  D.  dannocht  WG.  etzwas  W.  9384  nicht  wenig  WBFGS.  noch] 
nicht  G.  9385  nicht  plick  F.  plitz  BG.  9386  auch  fehlt  GD.  sten  GD. 
9387  gen  D.  9388  han  F.  9390  gicht  BSD.  bei  der  füss  tadel  D.  9391 
der  GD.  9392  zue  dem  e.  mal  G.  zu  dem  D.  krank  G.  —  V.  92.  93  sind  in 
G.  umgestellt.  9398  da  fehlt  D.  9399  maniger  GS.  9400  im  G.  gang 
GD.  9401  ainost  G.  ainst  ainer  an  aime  sach  F.  geschach  B.  9402  die 
selb  die  B.  9403  selb  das  BSGD.  9404  so  fehlt  WBSGD.  9405  das 
GS.  gar  fehlt  F.    9407  du  feh  1 1  WBS. 


314 


do  sprach  der  teufel:  „ich  mues  dir  jehen, 

ich  han  dort  meinen  gesellen  gesehen 
9410   reiten  auf  ainer  frawen  geren. 

nu  wolt  die  frau  den  rock  eren 

und  hueb  den  geren  auf  genot, 

do  viel  mein  gesell  in  das  chot. 

des  selben  muest  ich  also  schallen, 
9415   das  mein  gesell  ins  chot  was  gevallen." 

Manige  frau  wil  haben  ain  chappen, 

die  sechs  eilen  hab  ze  läppen, 

so  wil  die  dritt  ir  zotten  formieren 

mit  vehem  aus ,  das  sol  nu  zieren, 
9420   wenn  si  im  chot  vast  sweben. 

so  wil  die  vierde  niemant  geben 

enpfor  als  ciain  als  utnb  ain  har. 

die  selb  die  wil  denn  haben  gar 

ir  zotten  gar  durchhawen. 
9425    so  chan  die  fünfte  prawen 

ain  newen  funt  wunderleich. 

das  selb  das  ist  ietz  nu  hofleich, 

und  welche  die  allergrößten  läppen 

in  dem  chot  lat  nachslappen, 
9430   und  die  vil  plunder  verwüesten  chan. 

so  sein  dann  etleich  frawen  man 

worden  ietz  in  churzen  tagen, 

wann  was  die  man  an  tragen, 

das  wellen  si  alles  tragen  nach, 
9435    und  dannoch  das  selb  wol  zwivach. 

wil  der  man  ain  chappen  tragen, 

so  wil  si  ain  zwier  grössre  haben, 

oder  wil  der  man  tragen  an 

ain  langen  rock,  so  wil  si  han 

9412  auf  gar  g.  GD.  4913  fehlt  G.  9414  lachen W.  9415  fehlt  .S 
g.  aho  in  das  F.  ist  BFG.  941 6  so  will  denn  mange  GD.  9419  Ausnan  G. 
aussen  D.  9420  wenne  sew  vaste  i.  eh.  sw.  F.  9422  emphor  B.  chl.  nur 
als  B.  9425  prunen  G.  9427  selb  ist  FGD.  nun  ietzund  h.  F.  das  iezund 
nu  S.  nu  ietzG.  9428  grossistenF.  9430  plunders  G.  9431  daun]  doch 
S.  fr.  selbs  m.  G.  fr.  selb  m.  D.  9432  ietz  fehlt  GD.  ietzund  FS.  9433 
fehlt  GD.   9435  zwiflach  G.   9437  si  zwir  ain  gr.  WBSGD. 


315 

9440   ainen,  der  do  sei  vil  lenger. 

wil  sich  dann  der  man  enger 

ziehen  in.  sein  underjop, 

so  wil  si  ie  haben  selb  das  lop, 

das  si  wil  die  clainist  sein. 
9445    wil  er  sich  danne  ziehen  ein 

mit  abgenäten  preisen, 

so  lat  si  sich  nicht  weisen, 

si  well  zwen  preise  also  han, 

die  mit  nesteln  sein  gechnüpfet  an. 
9450   wil  dann  der  man  tragen  ain  chranz, 

so  wil  si  haben  ainen  schober  ganz 

von  pluemen  und  von  grüenem  gras. 

wil  er  dann   sagen  etwas 

abentewerlicher  spil, 
9455    so  chan  si  sein  zwier  als  vil. 

wil  dann  der  man  über  lant 

varn,  so  wil  das  weib  zehant 

auch  die  frömden  lant  sehen. 

wil  er  dann  ain  wort  jenen, 
9460    so  wil  si  jenen  dreu. 

da  von  wais  ich  nicht,  an  weu 

die  man  haben  vortail, 

wann  das  si  haben  ain  ciain  teil, 

das  wir  pruech  tragen  an. 
9465   doch  vindt  man  manige  also  getan, 

die  do  pruech  und  hosen  trait, 

und  sol  dannoch  sein  ain  mait, 

aber  es  ist  unweipleich, 

wann  iederman  sol  mit  sehn  geleich 

9440  da  vil  sei  1.  B,  do  fehlt  S  9442  seiner  underjuppen  G.  underiope 
W.  underioppen  FS.  9443  selb  fehlt  BFSG.  den  1.  W.  lobe  G.  9444 
klainost  G.  9445  denn  WG.  9447  nit  abweisen  GD.  9448  wil  S.  9449 
seien  GD.  knepfet  G.  knöpfelt  D.  V.  52—55  fehlen  D.  9452 
grüenem  fehlt  BGS.  andern  W.  9454  spüle  W.  spile  BS.  9455  vile  S. 
zwirot  G.  9458  fremdeuG.  leutF.  9460  dru  wider  denmanD.  V.  61 — 64 
fehlen  D.  9461  ich  fehlt  F.  nicht  fehl  t  G.  9462  das  daz  die  m.  G. 
9464  wir]  si  W.  9465  raanigen  F.  also]  so  wol  GD.  9466  hoss  G.  an- 
trait  SG.   9468  unpüllich  D.   9469  solt  BG. 


316 

9470  tragen,  als  das  im  püret,  an. 

als  das  spricht  der  weise  man : 

„wenn  der  pischolf  den  topf  treibt, 

und  wenn  der  ritter  püecher  schreibt, 

und  das  der  münich  harnasch  trait, 
9475   und  wenn  ain  hübsche  stolze  mait 

ze  rosse  sol  ain  schütze  sein, 

und  wenn  die  nunnen  und  die  pagein 

wellent  zue  den  höfen  varen, 

und  wenn  der  man  sol  spinnen  garen, 
9480   und  wenn  ain  achtzigjärig  man 

sol  gen  schuel  umb  lernung  gan, 

und  wenn  ain  chint  mit  ainem  geren 

sol  stechen  ainen  alten  peren : 

das  selb  ist  alles  widerwärtig 
9485   und  wirt  nimmer  recht  artig". 

der  weise  man  also  sait, 

das  alle  widerwärtichait 

sei  von  frawen  am  ersten  komen, 

als  ir  selb  wol  habt  vernomen, 
9490   an  Eva  in  dem  paradeis, 

da  si  prach  der  gehorsam  reis. 

sand  Augustin  der  spricht  da  pei, 

das  nicht  als  widerwärtig  sei, 

als  ain  übel  weib  swach. 
9495   die  ist  widerwärtig  in  aller  sach. 

doch  main  ich  nicht  die  artigen, 

ich  main  neur  die  widerwärtigen. 

darumb  so  sol  man 

mir  es  nicht  vervahen  in  gram, 

9470  als  in  das  BGS.  in  W.  purt  BS.  gepürt  F.  9471  das]  da  G.  9472 
pischoff  BGD.  topfe  D.  topfen  G.  9473  wanne  F.  9475  banne  F.  9477 
wanne  F.  nunn  WBSGD.  und  pegein  GD,  9478  wellen  WBS.  9479  wanne 
F.  9480  u.  81  fehlen  GD.  9480  wanne  F.  9481  lerungF.  9482  wanne 
F.  wenn  fehlt  D.  9483  stechen]  vachenW.  alten  fehlt  GD.  8484  selb 
das  B.  selbig  F.  9488  chumen  FGD.  9489  irs  G.  selbs  F.  9491  da]  das 
GD.  9492  der  fehlt  GD.  9493  nichtz  G.  9495  die  da  i.  G.  9496  fehlt 
S.  ich  main  nicht  GD.  die  recht  ä.  G,  9497  ich]  doch  S,  9499  es  fehlt 
F.  mir  es  nit  für  übel  han  G.  mir  nicht  für  übel  han  D. 


317 

9500   das  ich  die  frawen  straffen  well. 

ich  tuen  recht  als  ain  guet  gesell, 

dem  laid  ist,  was  frawen  unert; 

wann  frumme  frawen  sein  so  wert, 

das  man  sei  pilleich  warnen  sol 
9505   von  dem,  das  in  nicht  chumpt  wol. 

doch  vindt  man  manige  also  getan, 

die  sich  nicht  wil  straffen  lan. 

ob  man  ir  ratet  nutz  und  er, 

so  spricht  si  für  sich:  „ich  pin  ser 
9510   edel  von  meinem  gesiechte, 

wie  chund  ich  oder  möchte 

ich  das  geben  immer  enpfor, 

das  ain  soleich  hudel  vor 

solte  vor  mein  also  gan? 
9515    so  han  ich  als  ain  edeln  man, 

als  der  ir   nimmer  wirt. 

nu  secht  neur  zue,  wie  rain  uns  schirt 

die  arme  edel  in  disem  lant. 

so  wil  si  haben  ain  gewant 
9520   von  perlein  und  von  spangen, 

darinn  so  wil  si  prangen 

neben  der  hohen  fürstin, 

und  hat  die  weil  ir  chuchen  inn 

nicht  als  vil,  das  man 
9525    geziehen  mücht  davon  ain  han, 

und  wil  dannoch  als  edel  sein, 

und  mues  doch  oft  wasser  für  wein 

an  irem  tische  trinken, 

und  manigen  dürren  schinken 

9508  frömde  fr.  F.  frawen  die  s.  GD.  9504  sew  F.  sy  WB.  billeichen  B. 
9505  vor  G.  9506  man  fehlt  S.  9507  n.  straffen  wil  F.  9512  ich  fehlt 
G.  immer  geben  FGD.  empfore  WBSG.  9513  solcher  BS.  sollicher  G.  hulde 
B.  vore  WG.  9514  wolt  vor  mir  G.  sold  also  vor  mein  g.  F.  9515  edel 
FSGD.  9516  der  ir]  dir  G.  immer  WBSGD.  9517  sirfc  WBD.  syrfc  S. 
neurj  newerS.  nu  G.  neur  fehlt  D.  9518  der  arm  GD.  adel  G.  armen  B. 
seinen  landen  S.  9520  perlen  D.  9521  so  fehlt  GD.  si  fehlt  F.  wil 
fehlt  W.  9522  höchsten  GD.  9523  hat  fehlt  W.  chöchin  FG.  hat  doch 
innir  küchin  D.  inn  fehlt  GD.  9524  als  das  man  GD.  9525  davon  fehlt 
GD.   9527  doch  fehlt  B.    9529  türen  schenklen  G. 


318 

9530   mues  si  essen  von  dem  kastrauu. 

das  ist  ir  wildprät  und  kappaun. 

aber  wolten  si  volgen  mir, 

so  wolt  ich  in  raten  schier, 

das  ir  lob  wurd  weit  erchant. 
9535   wenn  si  antruegen  gewant, 

das  da  hiet  mass  und  fueg, 

si  hieten  dannoch  adels  genueg. 

wann  der  plunder  macht  nieman 

edel,  als  ich  gehört  han, 
9540    aber  die  schöne  zucht,  die  macht 

adel,  tugent  maniger  slacht. 

davon  sprich  ich  auf  meinen  ait, 

das  chain  plunder  pas  chlaid, 

als  aine  wäre  diemuet. 
9545    die  selb  ist  edel  und  guet. 

si  gee  hinden  oder  vor, 

so  hat  si  doch  das  enphor, 

das  man  si  bechennet  wo), 

da  man  leut  prüefen  sol; 
9550    und  ob  sich  aine  zwinget 

und  sich  herfür  dringet, 

die  da  her  hinder  pas  gehört, 

so  ist  doch  das  der  weisen  wort: 

„die  närrin  die  erchent  sich  nicht". 
9555   nu  hab  si  dank,  die  es  Übersicht! 

zwar  si  ist  von  rainer  art, 

aber  ene  mit  irer  hochfart, 

die  wirt  zue  gespöt  damit. 

so  haben  etleich  ainen  newen  sit, 

9530  gastraun  F.  castran  GD.  9531  fehlt  F.  wilpret  BGD.  cappan  GD. 
9532  wolt  F.  9533  ir  F.  9535  wanne  F.  si  nur  an  G.  si  nun  an  D.  9536 
das  da  mas  hietu.F.  9538  der  fehlt  B.  plündert  der  F.  9540  Beide  die 
fehlen  WBSGD.  9541  mangtrlaiGD.  9542  darumb  GD.  mein  WSD.  aide 
GD.  9543  klaide  G.  9544  als]  das  F.  9545  adel  GS.  9546  gang  GD. 
hindan  G.  voren  WBS.  9547  das  fehlt  WGD.  enphore  WBSGD.  9549 
da]  das  WS.  9551  sich  fehlt  G.  9552  her]  hin  GD.  9553  doch  fehlt 
GD.  9554  narren  B.  narre  D.  derkent  GS.  9555  die  es]  das  sy  F.  es] 
irs  GD.  9557  ene]  ainew  G.  eine  D.  ir  GD.  der  F.  9558  ze  spot  FGD. 
9559  ain  W. 


319 


9560    ob  sie  halt  aine  lat  vor  gau, 
so  lat  sis  doch  nicht  oben  stau 
gen  der  tenken  hant  umb  nichteu  nicht, 
wann  si  deucht  sich  sein  enwicht. 
das  selb  seind  sinn  mit  langem  har. 

9565    so  habent  die  alten  gesaget  war: 
„wenn  die  muck  wil  legen  ain  ai, 
als  die  henn,  so  pricht  si  entzwai". 
der  wreise  man  hat  auch  bechant: 
„wenn  die  arm  wil  tragen  gewant 

9570    neben  der  reichen,  das  mag  sich  zwar 
nicht  vergen  lange  jar-\ 
Berenhardus  der  lerer  sait: 
„es  ist  ain   pöse  gewonhait, 
wenn  die  hausdieren  wil 

9575   über  die  frawen  herschen  ze  vil". 
her  Salomon  hat  auch  gejehen: 
„ich  han  die  chnechte  reiten  sehen 
auf  schönen  pfärten  wol  getan, 
und  muesten  die  fürsten  ze  füessen  gan 

9580    auf  dem  ertreich  als  die  chnecht. 
das  selb  ist  alles  unrecht". 
Plato  der  weise  man  spricht: 
„es  ist  chain  snöder  hochfart  nicht, 
als  die  mit  armuet  ist  umfangen. 

9585    die  selb  die  wil  mit  nichteu  prangen, 
und  wil  doch  wider  iederman 
sein  mit  irem  hohen  nam, 
und  haben  dabei  nicht  im  pluet". 
sei  dunkt  halt  niemant  darzue  guet, 


9560  aine  fehlt  S.  8561  sis]  si  sei  B.  si  sie  G.  sichs  F.  ob  ir  st.  G.  ob 
stan  WBS.  9562  linken  D.  nichteWBG.  9563  daucht FG.  9567enpricht 
GS.  zepricht  B.  enzwai  WG.  V.  9568—9781  fehlen  B.  9569  arme  G. 
armen  SD.  wellen  S.  wellent  GD.  9570  den  SG.  sich]  si  F.  9574  wanne 
F.  9575  hausfrawen  F.  9576  euch  G.  ielien  W.  9577  fehlt  F.  den  den 
knecht  G.  9579  ze  fuess  G.  9581  selbig  F.  selb  das  W.  9582  man  fehlt 
F.  9585  selb  die]  selbe  FS.  wilj  sol  S.  nichte  WGD.  nichten  S.  9586 
wider]  mit  S.  ieden  m.  FS.    9588  dapei]  da  weil  WS.    9689  sew  F. 


320 

9590   der  si  mit  eren  dutzen  müg. 

ich  wän  auch  nicht,  das  er  sich  püg 
gen  die  fürsten  mit  chainem  recht. 
als  gar  edel  ist  sein  gesiecht, 
und  selb  unadeleichen  tuet. 

9595   er  wänt,  er  well  sich  machen  guet, 
wann  er  von  seinem  vater  sagt. 
es  war  vil  pesser  verdagt. 
wann  es  ist  sein  schände  mer, 
wann  es  im  sei  ain  er. 

9600   wann  es  sprichet  iederman: 

„pfui  hin,  pfui  hin,  du  pöser  sam, 
wo  pistu  geraten  hin? 
du  hast  nindert  deines  vaters  sin", 
und  hieten  si  indert  ain  edel  chrei, 

9605   si  achten  nicht  der  püeberei, 
wann  es  ain  püeberei  neur  ist. 
als  Socrates  der  weise  man  list, 
das  nimmer  chain  pöser  sam 
mug  gepringen  ain  gueten  stam, 

9610   aber  ain  iegleich  edel  frucht 
die  pringt  alzeit  schöne  zucht. 
wann  rechter  adel  ist  so  güetig, 
das  er  sich  alzeit  diemüetigt 
und  füert  alweg  ain  erleich  leben. 

9615    darumb  ist  der  adel  geben 

den  züchtigen  und  den  frummen, 
und  nicht  den  toren  und  den  tummen, 
die  da  mainen,  das  ir  edel 
sei  von  hoher  chünige  sedel. 


9590  der]  das  F.  sew  FS.  dautzen  W.  tuitzenF.  mugen  G.  muge  S.  9691 
auch]  halt  F.  puge  GS.  9592  dem  G.  dhainem  G.  9593  gar]  gross  D. 
9694  unadleich  F.  unadellich  G.  9602  wa  WG.  9603  das  du  F.  hast 
fehlt  F.  9604  si  nindert kains  adel  pry  G.  eins  adels  krei  D.  9605  sew 
achtetent  F.  bobry  G.  bibrei  D.  9606  es  als  nwr  bobry  G.  es  als  nun  ein 
bibery  ist  D.  9607  man  fehlt  F.  9609  pringen  G.  9610  edel  fehlt 
WF.  zucht  W.  9611  f  e  h  1 1  S.  zucht]  frucht  W.  gnucht  GD.  9  6 1 2  so  f  e  h  1 1 
GD.  9613  alweg  WSGD.  9615  gegeben  D.  9616  und  auch  d.  G.  9618 
adel  FGD.   6519  hohen  GD.  chungen  G.  künigen  D.   sadel  G. 


321 

9620   und  si  wellen  doch  da  pei 

treiben  alle  ribaldrei, 

aber  si  wellen  merken  nicht, 

was  der  weise  man  spricht, 

das  man  geren  halt  den  man 
9625   nach  dem  und  er  sich  halten  chan. 

halt  er  sich  als  ain  wuffun, 

so  halt  man  in  als  ain  zuccun. 

wann  rechter  adel  ist  also  gestalt, 

das  man  in  darnach  halt, 
9630   als  er  sich  selb  halten  tuet, 

nicht  das  man  ansech  sein  pluet, 

das  da  sol  als  edel  sein. 

Andronicus  spricht  in  seiner  omelein: 

„es  ist  chain  underschaide  nicht 
9635    zwischen  dem  pluet,  als  man  wol  sieht 

an  den  leuten,  den  man  lasset, 

und  do  man  paide  pluet  vasset. 

so  chan  man  zwar  erchennen  nicht 

das  edel  pluet  an  dem  gesicht, 
9640    aber  an  den  werken  wol". 

Socrates  spricht,  man  sol 

niemant  haissen  ain  edelman, 

er  hab  dann  forcht,  zucht  und  schäm. 

so  sein  etleich  also  gestalt, 
9645   die  selben  wellen  mit  gewalt 

die  leut  nöten  darzu, 

das  man  in  nicht  spreche  „du", 

und  wissen  doch  wol  all  geleich, 

das  si  auch  sein  ertreich, 

9620  si  fehlt  SGD.  9621  allew  ribaldei  S.  reb.aldeiD.  9622  aber  wer 
sy  well  S.  9624  geren  fehlt  F.  9626  wüffin  W.  wüffin  S.  wulfin  G.  . 
wülffin  D.  puben  F.  9627  iüttim  W.  ziitun  F.  sutfcin  S.  futtin  G.  füttin  D. 
9628  als  W.  9630  selbs  GD.  V.  9632—9637  fehlen  D.  9632  als 
fehlt  F.  9633  der  gicht  S.  gicht  G.  omely  G.  9634  underschait F.  unter- 
schaiden  S.  9636  1.  die  man  G.  9338  wann  man  kan  e.  D.  9639  adellich 
GD.  9643  dann]  denn  W.  auch  G.  V.  9644— 9649  fehlen  D.  8647  nit 
zue  spruch  tue  G.  9649  si]  wir  F.  sein  fehlt  F.  9650  und  fehlt  S.  und 
das]  wann  D. 

Zingerle,  Vintler.  21 


322 

9650   und  das  aller  adel  am  ersten  cham 
von  Eva  und  von  Adam, 
da  wil  sich  niemant  an  cheren. 
so  haben  ietzund  etleich  herren 
die  allersnödisten  hochfart, 

9655   als  si  ie  bechennet  wart, 

als  umb  die  schilt  und  panier 
und  ander  wunderleich  groyr, 
die  da  in  der  chirchen  stecket, 
und  mit  dem  selben  so  wecket 

9660   man  neur  die  abgötterei 

und  vergisst  man  got  da  pei. 
wann  es  sieht  maniger  man 
die  wappen  also  mit  vleis  an, 
das  er  vergisst  der  heilichait  da, 

9665   als  da  gicht  Jeremia: 

„das  volk  hat  vergessen  mein 

und  hat  mir  gechert  den  rucken  sein", 

so  schreibt  uns  da  von  alsus 

der  vierde  pabst  Gregorius 

9670   in  dem  concilio  Lugdonensi. 
so  list  man  es  auch  da  pei 
in  dem  capitel  und  in  der  summ, 
das  do  sagt  von  der  chirchen  freiung: 
„deinem  haus  zimpt  die  heilichait". 

9675   in  dem  capitel  besleusset  er  und  sait, 
das  alle  vechtleiche  ding, 
die  do  sint  der  sunden  urspring, 


9653  ietz  D.  9654  a.  snodist  F.  a.  schnödestu  G.  schnödiste  D.  9655  ie 
fehlt  F.  9656  die  fehlt  G.  als  mit  schulten  D.  paner  G.  9657  wunder- 
lichew  groyer  G.  gewyer  F.  wunderliche  zier  D.  9658  den  GD.  steckent 
WSGD.  V.  9659  — 9661  fehlen  D.  9659  den  G.  weckentWSG.  9660 
man  fehlt  G.  8661  u.  man  v.  F.  9663  als  S.  9664  der  h  vergisst 
da  F.  haimlichait  W.  9665  gicht]  staut  in  G.  stat  in  D.  9666  volk  daz 
h.  GD.  8667  kert  GD.  rukch  F.  9668  da  von  schreibt  uns  alsus  D.  so] 
da  G.  davon]  von  G.  9670  Lugdonensis  D.  9671  so]  und  F.  es  sei  auch 
d.  F.  da  man  auch  da  lizt  G.  do  mans  auch  da  list  D.  dapei  fehlt  GD.  9673 
freyumD.  9675  besleusset  fehlt  F.  er  fehlt  W.  9676  besleusset  er  das 
F.  weltliche  W.  rechtleiche  S.    9677    sund  Ursprung  F. 


323 

die  sullen  alle  sein  hie  vor 

und  nicht  bechummern  den  gotleichen  chor. 
9680    wann  an  der  stat  sol  man 

ain  vergebnus  der  sunde  han, 

und  nicht  raitzen  da  die  sund, 

Wilhelmus  tuet  uns  auch  chunt 

in  seinem  puech  Racional, 
9685    das  etleich  edling  sein  so  chal, 

die  sich  lassen  genüegen  nicht 

an  den  schönen  panier  Hecht, 

die  da  in  der  chirchen  hangen, 

es  müessen  auch  ir  wappen  prangen 
9690    auf  den  kaseln  und  umeral, 

da  man  got  inne  wandeln  sol; 

so  sein  die  kelch  mit  wappen  geziert, 

da  man  got  inne  celebriert. 

das  verhengen  die  pfaffen  als  gerait 
9695    umb  aine  pöse  geitichait, 

als  das  auch  geschriben  stat 

in  dem  capitel  und  in  dem  rat, 

das  do  sagt  von  der  begrebnus 

und  das  sich  anhebt  alsus: 
9700    „der  selbe  schad  et  cetera". 

ach  wie  ain  pöse  avaricia 

ist  ain  soleich  symonei! 

sullen  nu  pfaffen  ain  soleich  chrei 

tragen  mit  den  spilleuten, 
9705   die  da  pfeifen  sullen  den  preuten, 

und  sullen  wappen  als  herolt  tragen! 

9678  sullen  sein  a.  W.  allen  G.  hie]  hin  W.  9679  nichtz  GD.  9681  Ver- 
gebung D.  sunden  S.  9682  da  die]  die  da  FGD.  send  G.  sind  D.  9683 
bekant  G.  Wilh.  uns  auch  verkindt  D.  9684  buchdemR.  D.  9685  edling] 
edelleut  F.  entlich  D.  9687  panern  GD.  9690  gaselnF.  kasulen  GD.  gasel 
S.  humeral  GD.  9692  send  auch  d.  G.  9694  als  gerait]  prait  G.  also 
prait  D.  9697  und  raut  G.  9698  das  do]  do  daz  GD.  969  9  das  fehlt 
GD.  sich]  siW.  9700  et]  und  S.  9701  ach]  auch  D.  9702  fehlt  GD. 
9703  nu]  in  G.  sullen  nu]  sey  in  D.  Zwischen  3  und  4  haben  GD. 
Und  treibent  also  die  Symony.  9704  da  mit  GD.  9705  da  tribent  und 
pfiffent  G.  da  f  e  h  1 1  S.  sullen  f  e  h  1 1 D.  9  7  0  6  sullen]  soleich  F.  ain  herolt  GD. 

21* 


324 

sullen  si  des  ain  ere  haben, 

das  si  haben  der  pfeifer  ampt? 

pfui  hin,  pfui  hin  der  grossen  schant! 
9710    wissen  si  nicht,  das  das  Racional 

hat  geordent,  kasel  und  umeral, 

das  iegleichs  sol  haben  ain  chreutz, 

das  da  sei  für  alle  scheutz? 

es  möcht  sich  leicht  also  füegen, 
9715    das  etleich  den  teufel  trüegen, 

ob  er  in  wurd  auf  genat 

für  ain  wappen.    also  stat 

sein  si  an  dem  lieben  got, 

also  machen  si  in  ze  spot. 

9720    So  sein  etleich  in  disen  tagen, 

die  ir  begrebnus  pei  den  altern  haben, 

und  haben  doch  gelebt  in  uncheusch    . 

und  in  wunderleichem  geteusch. 

warleich  so  war  pesser  das, 
9725   das  das  selbe  unrain  as 

lag  pei  gemainen  leuten, 

als  Augustinus  chan  bedeuten. 

alle,  die  mit  grossen  sunden  sein 

umbvangen  und  lassent  sich  dannoch  ein 
9730   in  die  chirchen  also  begraben, 

und  so  vil  turstichait  an  in  haben, 

darumb  so  vertailt  si  das  gericht, 

wann  chain  heilig  stat  löst  si  nicht, 

sunder  ir  frävel  bechlagt  sei 
9735   vor  got  und  seiner  jerarchei, 

9707  ain  grosse  er.  GD.  9709  pfiff  pfiff  G.  9710  si  fehlt  F.  9711 
geornet  WS.  gasel  S.  kasul  SD.  und  fehlt  S.  humeral  G.  9712  das]  und 
S.  yedleichs  F.  9718  lebendigen  g.  GD.  9'719sy  in  machen  ain  söllichen 
spott  G.  si  machen  in  ein  sollichen  sp.  D.  9720  s.  sein  auch  etleich  F. 
9721  grebnus  vor  dem  altar  wend  h.  GD.  9722  chäuschF.  9723  wunder- 
lich S.  9724  werleich  WSD.  9727  a,  sant  Augustin  GD  chan  fehlt  G. 
9728  a,  die  do  mit  D.  9731  und  fehlt  F.  durstichait  FS.  durstigkait  S. 
9732  so  fehlt  F.  9733  löst]  lat  F.  erlöset  GD.  9734  sein  F.  9735  und] 
in  SGD. 


325 

als  man  des  ain  urchunt  hat 

in  Ysaie,  als  geschriben  stat 

von  dem  probst  Sobna. 

der  lies  im  ain  grab  machen  da 
9740   in  dem  tempel,  der  da  was. 

do  sprach  zue  im  Ysaias : 

„got  der  wirt  dich  austragen 

lassen  gar  in  churzen  tagen 

in  Babilon  als  ain  han  gerait, 
9745    den  man  mit  paiden  füessen  trait." 

„nu  merket",  spricht  der  maister  da, 

„seit  das  der  obrist  probst  Sobna 

sich  aus  dem  tempel  muest  heben 

neur  von  seiner  hochfart  wegen, 
9750   und  was  doch  in  dem  tempel  nicht 

anders,  als  die  schrift  gicht, 

wann  Moyses  arche  und  sein  pot 

und  ain  wenig  himelprot, 

das  doch  neur  ain  figur  was 
9755    des  leichnams  Christi,  michel  pas 

wirt  got  die  ausjagen, 

die  sich  also  lassen  begraben 

pei  dem  altar,  da  man 

den  waren  leichnam  wandeln  chan. 
9760    sanctus  Augustinus  sait: 

„alle  zier  und  schönhait, 

die  man  mit  den  toten  tuet, 

das  ist  der  sele  lutzel  guet, 

und  ist  mer  der  lebendigen  lust  da  pei, 
9765    wann  es  der  toten  hilfe  sei". 

als  man  das  list  von  Lazarus, 

der  des  guetes  armer  was  alsus 

9737  als  da  GD.  9738  baubst  G.  9742  aus]  auch  F.  9743  fehlt  G. 
9744  berait  GD.  9745  mit]  bei  D.  austraitFS.  9747  obrist  fehlt  GSD. 
baubst  G.  9751  änderst  F.  als]  auch  G.  geschrift  SGD.  9752  auch]  doch 
S.  gepot  GD.  9755  fronlichnams  Christi  GD.  9757  vergraben  GD.  9758 
alter  WS.  9760  saud  FGD.  Augustin  GD.  uns  s.  F.  9762  den  fehlt  F. 
9764  i.  auch  m.  G.  lembtigen  S.  9765  wenn  daz  es  GD.  9767  das  der 
was  arm  alsus  GD.  arm  S.  alsus  fehlt  WFS. 


326 

und  starb  also  in  armuet. 

do  wolt  im  niemant  tuen  chain  guet 
9770    an  seiner  bevilde  chlain  noch  gross. 

do  hueb  in  got  in  Abrahams  schoss. 

aber  der  reich  het  sich  besacht, 

wann  er  het  ain  grab  gemacht 

hoch  auf  gen  der  sunn, 
9775    und  het  sein  epitafium 

gemacht  aus  veinem  golde, 

noch,  do  er  starb,  als  got  wolde, 

do  fuer  er  in  der  helle  grünt, 

und  darumb  ist  uns  allen  chunt, 
9780   das  toteu  hochfart  ist  ain  spot, 

wann  si  ist  alzeit  wider  got. 

Seit  dann  die  hochfart  also  ist 

wider  den  güetigen  Jesu  Christ, 

und  auch  also  geschriben  stat, 
9785   das  got  chain  guettat 

lat  ungelonet  nicht, 

so  lat  sein  gotleich  gericht 

chain  poshait  ungepeinet, 

als  das  selb  wol  scheinet 
9790   an  der  gruntlosen  helle  prait, 

die  da  sein  gerechtichait 

hat  gemacht  den  sundigen  seien, 

darinne  sei  die  teufel  quelen 

ze  aller  zeit  an  underlas, 
9795    als  da  gicht  Ysaias : 

„die  hochfertigen  werdent  geladet 

9768  arm'  mutW.  9770  bevild  weder  gross  noch  klain  GD.  noch]  und  F. 
9771  In  Abrahams  schoss  er  da  erschain  GD.  9772  der  reich]  da  G.  erD. 
9774  hoch]  noch  G.  sunnen  W.  9  775  epifracum  GD.  9776  seinem  SD. 
9777  er]  der  F.  9778  hellen  W.  9780  tote  WS.  totten  G.  9781  sy 
alzeit  istG.  9784  also  fehlt  G.  9786  1ausset  G.  lasset D.  9787  1.  auch 
s.  GD.  9788  ungepeiniget  nicht  F.  ungepeinigt  SGD.  9789  schein  istS. 
9790  in  G.  9791  die]  wie  G.  9792sellenW.  gesellen  GD.  9793  quellen 
WBG.  9794  zeit  und  auch  on  u.  GD.  9795  das  WS.  spricht  F.  9796 
hoffartigen  die  WS.  geladen  GD.  geladent  S. 


327 

■ 
in  ain  päd  und  werdent  gepadet 

in  der  gruntlosen  helle, 

wann  si  sein  ain  grünt  und  stelle, 
9800   der  stinkenden  helle  grünt". 

Jeremias  tuet  uns  chunt 

und  spricht:  „es  chumet  noch  der  tag, 

das  der  sunder  wol  sprechen  mag : 

„verfluecht  sei  die  zeit  hie  voren, 
9805   darinn  ich  ie  wart  geporen". 

Chrisostomus  der  lerer  gicht: 

„da  hilft  den  reichen  der  reichtum  nicht, 

noch  die  wolgefreunten  ir  freunt, 

wann  si  sein  in  der  peunt 
9810   gevangen,  da  engel  noch  hailigen  nicht 

turren  pitten  das  gotleich  gericht. 

wann  got  hat  selb  also  gejehen, 

das  chain  parmung  sol  da  geschehen*. 

Gregorius  spricht:  „nu  merk  eben, 
9815   der  tot  der  lebt  da  alwegen, 

und  das  ist  der  ander  tot, 

als  auch  spricht  der  zwelfpot". 

so  spricht  Jeremias  das: 

„die  verdampten  dienen  an  underlas 
9820   mit  dem  zins  der  pein, 

und  mugen  doch  nicht  vergeltent  sein." 

da  ist  die  hitz  an  ende 

und  ain  griesgram  der  zende, 

und  vinsternus  und  rauch, 
9825    und  jämerikleich  zäher  auch, 

und  angesicht  der  teuflischen  gestalt, 

9797padet  F.  paden  GD.  gepadent  S.  9799  und  ain  st.  G.  9800  stin- 
kende G.   9801  I.  der  t.  G.  uns  auch  eh.  F.    9802  komet  WS.  9803  sun 

F.  9805  ie  fehlt  F.  9807  der]  sein  D.  9808  die]  derB.  den  GD.  noch 
die  freuntschaft  irer  freunt  W.  9810  geswigen  do  heiligen  noch  engel  S. 
9811  gepitten  F.  9812  selb  fehlt  S.  got  selb  h.  G.  also  fehlt  FGD. 
iehen  S.  9813  da  sol  g.  G.  da  fehlt  S.  9814  merkt  S.  9815  da  fehlt 
WGSD.  9816  fehlt  B.  9817  auch]  da  GD.  9819  verdienen  G.  9821 
mugent  BG.  vergeltund  F.  vergolten  GD.  9822  das  ist  F.  die]  ain  S.  9823 
u.  auch  a.  G.  grisgramen  FGD.   9824  und]  aun  G.  onD.   9825  iämerlich 

G.  9826  der  fehlt  D.  stalt  F. 


328 

geschrai,  hass,  schelten  manigvalt, 

durst  und  hellischer  gestank, 

und  ain  churze  weil  tausent  jar  lank. 
9830   da  peist  der  wurm  der  conscienzen 

da  ist  we  summer, .  herbst,  winder  und  lenzen, 

da  ist  schäm,   smerz  und  drowung 

und  ain  mangel  der  gotleichen  beschowung, 

und  ain  hinnemen  aller  zueversicht, 
9835   nimmer  mer  ze  sehen  das  gotleich  Hecht. 

und  was  all  creatur  begerent  sein, 

das  ist  in  alles  sampt  ain  pein 

und  ain  vil  grosse  not, 

wann  si  suechen  alzeit  den  tot, 
9840   und  mugen  sein  doch  vinden  nicht. 

sanctus  Dyonisius  spricht: 

„da  ist  ain  veintleich  fantasung 

und  ain  unfinnige  begirung 

und  ain  tobleiche  zorenhait." 
9845   Isaias  der  prophet  sait: 

„des  sunders  antlutz  wirt  also  gestalt, 

das  die  sele  geren  wolt, 

das  er  ain  soleichen  leichnam  solt  haben, 

als  do  in  die  würmer  hetten  durchnagen." 
9850   da  fluecht  der  vater  dem  chint 

und  die  mueter  der  tochter  an  underwint. 

so  fluecht  der  man  seinem  weib  gram, 

und  das  weib  fluecht  dem  man, 

so  seu  also  grosse  not  haben. 
9855    und  als  der  leib  hie  wirt  begraben 

9827  hassen  F.  weschrai  hass  und  nid  und  seh.  G.  9829  churtzweil  FGD. 
9830  das  concientz  G.  conscientem  W.  conciencien  B.  concienten  S.  9831 
da]  das  F.  we]  weder  FS.  winder  fehlt  G.  und]  noch  F.  glentz  D.  9832 
dröwung  B.  droung  FS.  traeung  GD.  9833  m.  göttlicher  GD.  schauung  G. 
9835  nimmer  gesehen  F.  ze  fehlt  GD.  9836  aller  F.  begerund  F.  9837 
in  fehlt  GD.  allen  F.  9841  sand  F.  D.  der  spr.'F.  9842  da]  das  FGD. 
fantasmung  GD.  9843  unfindigung  B.  unfindige  WS.  unsinnige  F.  vindige 
D.  sundigew  G.  9844  und  todleiche  F.  9846  der  sunder  F.  antlutz  fehlt 
D.  so  WB.  9847  sele]  selbe  B.  selben  G.  —  der  selbe  D.  9848  er]  der 
G.  9849  umbnagen  S.  9851  und  fehlt  WSGD.  9855  als]  das  S.  wirt 
hie  W. 


329 

in  die  erde,  man  und  weib, 

also  wirt  dort  sei  und  leib 

begraben  in  der  helle  grünt, 

da  selb  man  nimmer  dannen  chumpt. 
9860   Christus,  der  sich  durch  unser-  not 

gab  in  den  pittern  tot, 

der  lacht  der  verdampten  chint, 

als  man  das  geschriben  vindt 

in  her  Salomons  proverbio. 
9865    da  selben  spricht  er  also: 

„in  euren  verloren  sachen 

wird  ich  eur  spotten  und  lachen". 

es  spricht  sanctus  Gregorius 

von  dem  hellischen  feur  alsus: 
9870    „es  prennet  neur  und  leuchtet  nicht", 

es  sei  dann,  als  Augustinus  spricht, 

das  si  davon  werden  gepeint, 

als  wann  in  in  der  vinster  scheint, 

das  si  da  sehen  ain  betrüebung, 
9875   nicht,  das  es  in  leucht  darumb, 

das  si  davon  erfrewet  werden. 

wann  si  sehen  oft  in  grossen  eren 

die  lieben  heiligen  in  dem  thron, 

und  haben  doch  nicht  wan  pein  davon. 
9880   das  selb  ist  von  des  neides  wegen. 

Gregorius  spricht:  „nu  merk  gar  eben, 

die  verdampten  haben  die  ewig  not, 

wann  si  haben  den  tot  an  tot 

und  haben  nindert  zuelent, 
9885   ir  tag  gewinnen  nimmer  end, 

die  sie  in  der  helle  sein  müssen, 

und  das  si  als  vil  zäher  güssen, 

9857  und  auch  G.  9859  selben  WBSGD.  9864  Salomonis  F.  9865  da- 
selbs  BGD.  sprach  also  G.  9866  ewern  G.  9867  ewer  BG.  9870  prinnet  GD. 
neur  fehlt  WBGS.  lichtet  G.  9871  gicht  F.  9872  sew  werdent  davon  F. 
gepeiniget  GD.  9873  erscheint  B.  9874  das]  da  BGSD.  betaubung  GD. 
9876  erfreut  sullen  WBSG.  9881  nu  merk  fehlt  F.  gar  fehlt  B.  9883 
an  not  S.  9884  zu  lende  F.  9885  fehlt  G.  ende  F.  9887  fehlt  S.  si 
fehlt  G.  Vergüssen  GD. 


330 

als  wassers  ist  in  meres  grünt, 

es  hulf  sei  nicht  um  die  chlainste  sund, 
9890   das  si  davon  würden  erlost; 

also  gar  sein  si  verost. 

aber  wann  der  mensch  weinet  hie 

umb  sein  sund  und  chlaget  die, 

das  hat  vor  got  mer  chraft, 
9895   wann  alles  wainen  teufelischer  gesellschaft". 

ei,  werder  mensch,  nu  volge  mir, 

und  betracht  gar  eben  in  deiner  gir, 

das  du  muest  leben  ewikleich 

ze  helle  oder  ze  himmelreich, 
9900   und  betracht  auch  ze  aller  frist 

die  pein,  die  da  ze  helle  ist, 

und  nim  das  eben  in  deinen   muet. 

darnach  betracht,  wie  gar  guet 

ist  die  gotleich  contemplierung 
9905   und  die  lobleiche  zierung. 

also  betracht  himmel  und  helle 

und  nim  die  wal,  was  dir  gevelle. 

Augustinus  lert  uns  eben: 

„o  snödes  mensch,  nach  dem  leben 
9910   soltu  alzeit  werben, 

da  leben  ist  ane  sterben, 

und  da  jugent  ane  alter  ist, 

und  da  des  Hechtes  nimmer  geprist, 

und  da  freude  ist  ane  traurichait, 
9915   und  fride  ist  ane  misshellichait, 

und  da  reichtumb  ist  ane  Wandlung". 

sand  Bernhart  gicht  in  seiner  summ: 

9888  wasser  WB.  im  G.  9889  hilff  sew  F.  chlainisten  F.  ain  klaine  stund 
GD.  9890  erlöst  F.  9891  als  F.  si]  ir  G.  yerröst  F.  9893  chlagtgot  hie 
die  F.  9895  teuflicher  W.  9896  eya  lieber  m.  rolg  G.  9897  begir  F. 
9898  müssest  F.  9999  oder  in  dem  G.  9900  aller  stund  und  fr.  G.  9904 
götleiche  B.  complexierung  D.  9905  loblich  WG.  zirrung  W.  9906  und 
also  S.  9907  nim  dir  die  F.  was]  die  GD.  9908  A.  der  1.  F.  uns  auch  e. 
GD.  V.  9909.  9910  fehlen  GD.  9910  Ja  solt  a.  W.  9913  da  fehlt 
GD.  enprist  G.  emprist  D.  9914  da  die  fr.  GD.  9915  fehlt  S.  unde  F. 
fride]  frewd  G.  froed  D.  misshellung  G.  ist  fehlt  BGD.  9916  da  fehlt 
S.  reichtung  W.    9917  sieht  G.  spricht  F. 


331 

„der  Ion  der  heiligen  ist  als  gross, 

das  man  in  nicht  mag  messen  ploss. 
9920    so  ist  er  auch  als  manigvalt, 

das  er  nicht  mag  werden  gezalt." 

sand  Augustin  gicht  also, 

das  das  got  gelobt  wirt  do, 

das  selb  das  mag  auf  diser  erden 
9925    mit  chainem  gelauben  begriffen  werden, 

und  mit  chainer  zueversicht 

gerüeret  werden,  als  er  gicht, 

und  auch  mit  chainer  minne 

umbvangen  werden  noch  mit  sinne, 
9930    wann  es  Übertrift  alle  begirde 

und  alle  andacht  und  zirde, 

und  wirt  doch  wol  gewunnen, 

und  doch  nicht  betracht  ze  chainen  stunden. 

sanctus  Augustinus  gicht: 
9935    „da  gepristet  chaines  guetes  nicht, 

und  da  nimpt  chain  Ion  nicht  abe, 

und  da  gepristet  chainer  gäbe, 

noch  chaines  dinges,  das  man  minnet, 

und  da  selben  hin  da  pringet 
9940   man  chain  ding,  das  da  nicht  sei". 

Augustinus  gicht  da  pei: 

„es  ist  so  vil  freude  da, 

das  alle  arismetrica 

sei  nicht  erzellen  chunde, 
9945    noch  alle  geometria  funde, 

die  mugen  sei  gemessen  nicht". 

Augustinus  aber  gicht: 

„gramatica  und  loyca 

9918  als]  also  F.  so  GD.  9920  als]  so  GD.  9921  gezalt]  ze  alt  GD.  9923 
wirt  gelobt  WG.  9924  selb  mag  FSGD.  m.  auch  a.  S.  9925  chlainem  F. 
9930  aller  F.  begir  F.  9931  ziere  F.  gezirde  D.  9933  nicht  fehlt  S. 
ze]  mit  S.  kainer  stunde  G.   9934  sant  S.    9935  chain  S.  guetes]  getichtes 

F.  9936  nicht  fehlt  GD.  ab  B.  9937  da  feh  1 1  G.  9939  und]  wann  G. 
dasselben  hin  dan  p.  S,    9941  g.  auch  d.  GD.    9944   entzelen   F.    künden 

G.  kinden  D.  9945  geometrica  F.  finden  GD.  9946  sei]  sein  FG.  gewissen 
F.    9947  aber]  auch  raer  G.  aber  mer  D. 


332 


und  alle  die  rhetorica, 
9950   die  mochten  nicht  das  minnist  sagen, 
was  freuden  die  lieben  heiligen  haben a. 

Es  stet  geschoben  von  dem  prehen: 

„es  mag  chain  äuge  nicht  gesehen, 

noch  chain  or  nicht  gehören, 
9955   was  got  in  seinen  chören 

hat  den  perait,  die  in  da  minnent. 

die  heiligen  frewent  sich  und  prinnent 

von  dem  gotleichen  angesicht, 

daramb  so  sein  si  stätz  mit  pflicht. 
9960   auch  frewen  si  sich  an  underwint 

von  den  dingen,  die  under  in  sint. 

das  selb  ist  von  der  schönhait 

des  himels  und  ander  chlarhait. 

auch  frewen  sich  die  himelischen  degen 
9965    und  von  der  glorificierung  wegen, 

die  si  nach  dem  leib  und  sele  haben a. 

Berenhardus  spricht:  „ich  wil  dir  sagen, 

got  der  ist  da  ain  Spiegel 

des  gesichtes  an  allen  triegel, 
9970   und  ist  ain  härpfe  der  gehörung 

und  ain  hönig  der  versuechung, 

und  ist  ain  baisam  der  smeckung, 

und  ain  pluem  der  berüerung. 

da  wirt  got  gesehen  ein 
9975    als  ain  sumerleicher  schein, 

und  als  des  lenzes  lustichait 

und  als  ain  herbstleiche  fruchtpärchait 

und  als  ain  winterleiche  ruea. 

9949  die  fehlt  GD.  9950  möchten  BG.  machten  F.  niinest  W.  minst  G. 
9951  was]  ie  G.  freud  GS.  die  die  G.  V.  9952  —  9966  fehlen  S.  9952 
prechen  FGD.  9953  nit  sechen  G.  9954  ore  B.  hören  D.  9955  das  G. 
9956  den  fehlt  F.  9957  heiligen  fehlt  F.frawen  W.  9959  darinn  send 
D.  9965  und  fehlt  G.  9966  si]  sich  W.  und  nach  der  s.  GD.  9969 
allem  F.  alles  D.  9970  herphe  BS.  hörung  GD.  9971  honigBS.  hinickG. 
9973  werwrung  BS.  eckung  GD.  9975  sunnenliechter  W.  9976glenzes 
GD.  9977heribstleicheF.  fruchtpärichait  BFS.  9978  als  f  e h  1 1  F.  winter- 
licher sehne  GD. 


333 

sand  Augustin  spricht:  „schau  zue, 
9980   es  scheint  da  ain  soleich  liecht, 

das  chain  stat  begreifet  nicht, 

und  da  dönet  nacht  und  tag, 

das  die  zeit  nicht  begreifen  mag. 

da  smeckt  das  süesse  sengen, 
9985    das  der  wint  nicht  mag  zersprengen, 

da  smeckt  der  smac  geheuer, 

den  nicht  verzeren  mag  das  feuer." 

es  spricht  der  meister  behende: 

„da  wirt  got  gesehen  an  ende 
9990   und  wirt  an  urdrutz  geminnet, 

und  ir  gemüet  das  prinnet 

in  got  und  got  mit  in. 

da  ist  schöne,  sterke  unde  sinn, 

da  wirt  der  gotleich  nam 
9995    gelobt  an  alle  genuegsam, 

da  wirt  gesehen  die  weishait 

Salomonis  für  ain  torhait, 

und  da  wirt  die  snellichait 

Azahels  gesehen  für  ain  traghait, 
10,000  und  da  war  her  Sampson 

geschätzt  ain  kranker  man, 

und  da  war  Matusalems  leben 

ain  behender  tot  gegeben, 

und  da  war  das  grosse  guet 
10,005  des  chaisers  Augusti  ain  armuet.a 

Augustinus  gichi:  „da  ist  ain  sit, 

9979  sand  fehlt  SGD.  Augustinus  GD.  sagt  D.  gicht  S.  schau  zue]  du  solt 
zue  schaweGD.  9980  seh.  allweg  daGD.  soleich  fehltD.  9981  stat]  ge- 
stalt  GD.  9982  dönet]  donet  BS.  dannocht  F.  dienet  GD.  9983  die]  chain 
S.  9984  da]  das  F.  seigen  G.  der  süsse  segen  D.  9985  kau  G.  versprengen 
GD.  mug  ze  spr.  B.  9986  gar  geheuer  S.  gar  hewr  GD.  9987  verzern 
nicht  m.  S.  9990  verdries  B.  9992  mit]  in  W.  9993  da]  das  WFG. 
9995  mit  aller  F.  9998.  9999  fehlen  F.  snellhait  BS.  9999  Azahel 
WBS.  Asahel  G.  trauckait  G.  10,000  wirt  GD.  10,001  g.  für  ein 
chranken  SGD.  10,002  Matusales  G.  Matusahelis  F.  10,003  lebendiger 
t.  GD.  gewesen  F.  10,005  chaiser  Wß.  ein  grosse  a.  D.  10,006  spricht 
FGD. 


334 

da  schadet  noch  gepristet  nit, 

und  darzue  fleusset  nit, 

und  da  von  fleusset  alle  zeit, 
10,010  und  da  ist  nicht  auswende, 

des  man  beger  an  chainem  ende, 

und  da  ist  inwendig  verslossen, 

des  man  nicht  mag  werden  verdrossen a. 

Augustinus:  „bedenk  die  glorie  ze  aller  zeit, 
10,015    da  die  obrist  sicherhait  an  leit, 

und  die  sicherist  ruewichait, 

und  die  geruewtiste  lustichait, 

und  die  lustleichiste  sälichait, 

die  ewig  ist  an  alles  lait, 
10,020   und  ain  sälige  angesicht  an  wende. 

da  fleusset  zue  aller  reichtumb  an  ende". 

Gregorius  spricht  von  der  wunn: 

„da  ist  ain  infliessung 

alles  wollustes  umb  und  umb, 
10,025  und  zuefliessung  alles  guetes". 

dannoch  sein  ir  vil  des  muetes, 

die  da  nicht  wellent  betrachten 

die  obristen  sälichait  noch  achten, 

und  betrachten  auch  nicht  die  pein, 
10,030    als  das  an  etleichen  wol  ist  schein, 

die  sich  nicht  daran  wellen  cheren 

an  das  guet  verhaissen  des  herren, 

noch  an  sein  droen,  das  er  tuet. 

sicher  die  selben  sehen  noch  pös  und  guet 

10,007  noch]  nicht  da  BS.  nicht  und  F.  nicht  da  G.  da  nit  F.  gepricht 
WGD.  10,008  fehlt  G  darzue]  do  D.  10,009  und  fehlt  F.  da  fehlt 
G.  Nach9  hatG.  Müssigkait  aun  peitt.  10,010  ausbende  F.  10,011  das 
D.  an  allen  e.  G.  10,013  das  SG.  10,014  A.  spricht  G.  der  gl.  G.  glorieren 
F.  10,016  fehlt  G.  burchait  S.  sichrist  rue  bechant B.  10,017  gerubtiste 
WBSD.geruobtesteG.grössistF.  10,018  lustleiche  S.  lustige  G.  lustiste  D. 
10,019  und  die  GD.  lait]  ende  WBS  an  ende  GD.  10,021  an  ende  fehlt 
WBGSD.  an  ende]  ande  F.  10,022  wurde  F.  sp.  auchv.D.  10,023  flies- 
sung  GD.  10,024  urabendumb  G.  u.  umbe  F.  1  0.026  fehl  t  S.  10,027 
wellen  WBS.  10,028  obroster  G.  10,029  der  G.  10,030  das]  daG.  ert- 
lichen ist  wol  W.  10,033  trewen  S.  trawen  G.  10,034  noch]  weder  GD. 
und]  noch  GD. 


335 

10,035   an  dem  jungstleichen  gericht. 

als  sand  Augustinus  spricht: 

„das  jungst  gericht  wirt  also  swer 

den  sundem,  oben  ist  ain  strenger  richter, 

und  unden  ain  offne  helle, 
10,040   da  hörent  si  ain  teüfelisch  gepeile, 

und  inwendig  ain  peissende  consciencie 

und  ain  zitterung  aller  dencie, 

und  auswendig  das  prinnent  lant, 

und  danne  zue  der  rechten  hant, 
10,045   da  rüget  aigne  sunde, 

und  zue  der  tenken  die  teufellischen  hunde, 

die  da  sein  ain  erschreckung 

den  sundern.    so  treiben  dann  umb  und  umb 

die  gueten  engel  die  verdampten  chint 
10,050   in  die  helle  an  underwint". 

Jeronimus  der  lerer  spricht: 

„o  mensch  bedenk  das  jungst  gericht, 

so  magst  du  hart  sunde  tuen, 

wann  du  fürchtest  alzeit  Jhesum". 
10,055   ich  mag  es  nicht  halbs  gesagen, 

was  pein  die  sunder  haben, 

oder  was  freude  ze  hirael  ist. 

wann  es  mag  menschen  list 

nimmer  mer  begreifen. 
10,060   da  von  lass  ich  es  sleifen 

auch  aus  meiner  sinne  röre, 

wann  es  ist  pesser,  das  ich  höre, 

10,035  iungsten  GD.  10,036  Augustin  BG.  10,037  iungist  F.  10,038 
ob  in  GD.  10,039  unden  ain]  under  in  GD.  offnew  G.  10,040  höret 
BFGSD.  si  fehlt  BS.  er  F.  man  GD.  geschelle  W.  10,04;  ain  fehlt  GD. 
pfeiffende  W.  conciencia  B.  gewissene  D.  10,042  zittrungW.  zittirungF. 
aller]  der  GD.  zene  D.  19,043  fehlt  F.  10,044  und  darzü  die  S.  ge- 
rechten GD.  10,045  rügenet  aignew  G.  10,046  tengen  hand  die  G.  lincken 
hand  die  D.  10,047  derschreckung  BS.  10,048  sunden  D.  10,052  ge- 
denk GD.  jungist  FS.  10,053  machstu  FG.  sunden  FGS.  getunF.  10,054 
w.  du  alzeit  förchtest  J.  F.  wann  die  die  frucht  aller  zeit  Jhesum  G.  und 
gedenk  allzeit  an  die  frucht  Jhesum  D.  10,059  mer  fehlt  S.  10,060  d. 
so  1.  SD.    10,061  sinnen  WBD.  ror  W. 


336 

wann  das  ich  sagen  solt  ze  vil, 
wann  ze  vil  wüestet  alle  spil. 

10,065   Ach  starker  got,  Marien  chint, 

du  sihest  wol,  das  ich  laider  plint 

pin  in  meines  getichtes  chür, 

iedoch  so  prächt  ich  geren  für 

deine  wunder  manigvalt. 
10,070   so  pin  ich  laider  also  gestalt, 

das  ich  nicht  waiss  end  noch  drum, 

doch  waiss  ich,  das  ich  Jhesum, 

den  süessen  namen,  anruefen  sol. 

der  selbe  chan  helfen  wol 
10,075   zu  allen  gueten  dingen, 

wann  ich  möchtz  nicht  volpringen, 

war  der  selbe  Christus  nicht. 

wann  er  hilfet,  als  er  spricht 

durch  Johannem  den  ewangelisten : 
10,080    „ich  wil  euch  alzeit  leren  und  fristen 

und  wil  eu  geben  sterk  und  sinn". 

des  chüm,  lieber  Jhesus,  chüm 

und  geus  in  mich  dein  weishait, 

da  mit  das  puechlein  werd  berait, 
10,085    und  das  man  sich  pesser  da  von, 

und  das  ich  auch  verdien  den  Ion, 

da  chain  freud  nicht  ende  hat, 

und  da  dein  hohe  trinitat 

erfreut  die  heiligen  und  engel  chlar 
10,090   mit  wunnikleicher  freude  gar. 

ei,  mein  lieber  Hans  Vintlär, 

10,063  solt  sagen  BF.  V.  10,065  bis  zum  Ende  fehlen  B.  10,065 
Mareien  F.  Marie  GD.  10,071  waz  e.  Gr.  wais  was  e.  S.  10,072  ich  wol 
dz  D.  das  fehlt  G.  10,075  selb  der  k.  WGD.  kan  iederman  h.  GD. 
10,076  mocht  S.  10,077  selbe  fehlt  F.  selb  Jhesus  C.  D.  lieb  Jhesus 
C.  G.  10,079  den  fehlt  GD.  10,080  ew  WSG.  10,081  euch  FGD. 
sterke  geben  u.  F.  10,082  Jesus  in  F.  10,084  d.  m.  daz  das  puech  GD. 
10,085  besreG.  pessere  D.  10,086  verdien  auch  F.  verdienen  d.  G.  10,087 
da  chain]  den  die  G.  nicht]  kain  GD.  do  die  D.  10,089  und  die  e.  GD. 
10,090  fraude  chlarhait  g  F.  10,091  Eya  G.  sy  S.  mein  fehlt  D.  Hans] 
Chunrat  F.  Vinclär  W.  Vindler  GD. 


337 

du  wilt  ze  lange  machen  das  mär, 

du  solt  es  enden  mit  chluegen  sinnen, 

wann  mass  füegt  zu  allen  dingen. 
10,095   das  tat  ich  geren  sicherleich, 

ob  ich  war  so  sinnereich, 

das  ich  chunt  in  allen  sachen 

ain  hübsches  raines  ende  machen. 

wann  alle  ding  die  sein  unfruet, 
10,100    wenn  das  ende  nicht  ist  guet, 

doch  wil  ich  tuen  das  beste  und  ich  chan; 

aber  ich  han  ain  soleichen  nam, 

das  man  mich  haisset  den  Vintlär, 

des  pin  ich  hübscher  fünde  lär, 
10,105    das  ich  nicht  wol  vinden  chan 

hübsche  fünde,  mit  den  man 

die  weile  müg  vertreiben. 

ich  mues  es  lan  peleiben 

von  des  schuld,  das  ich  pin  lär 
10,110   der  hübschen  fünde,  die  mir  ze  swär 

sein  ze  tichten  und  aus  ze  legen. 

hie  mit  wil  ich  dem  püechlein  geben 

ain  hübsches  raines  ende. 

herre  got,  nu  wende 
10,115   den  alles  laid,  die  es  da  lesen, 

und  das  si  chomen  zu  deiner  zesen 

an  dem  jungstleichen  tag, 

dem  da  niemant  entrinnen  mag. 

ei,  werde  diet,  ob  ich  nu  han 
10,120    dem  püechlein  nicht  sein  recht  getan, 

das  ist  des  schuld,  das  mein  mund 

10,092  das]  die  GD.  10,094  mausz  D.  m.  die  f.  G.  10,096  ob]  wann 
F.  sinnente'reich  W.    10,099  die  fehlt  FGD.    10,100  wann  SD.  ist  nicht 

F.  10,101  doch]  dannocht  D.  und  fehlt  WFS.  10,102  solchen  S.    sollich 

G.  10,103  den  fehlt  F.  Vinclär  W.  Vindler  GD.  10,104  fünde]  freude 
W.  10,105  nicht  fehlt  GD.  10,106  dem FSG.  der  W  10,108  es  fehlt 
F.  lassen  D.  10.109  von]  und  F.  schuld]  willen  GD.  10,111  seind  F.  aus 
legen  F.  1  0,1  1  5  da  fehlt  F.  10,1 1  7  jungistleichem  F.  jungisten  S.  jüng- 
sten GD.  10,119  eya  G.  werder  dyt  S.  10,120  sein]  so  GD.  10,121 
des  fehlt  F. 

Zingerle,   Vintler.  %2 


338 

nicht  pessers  chunt  ze  diser  stund. 

da  von  so  wil  ich  pitten  eu, 

das  ir  es  pessert  an  alle  deu, 
10,125   das  ir  wänet,  das  guet  sei, 

wann  mir  ist  die  chunst  nicht  pei, 

die  man  haisset  gramatica. 

so  chan  ich  nicht  rethorica, 

die  hübsche  rede  pricht  enzwai, 
10,130    wann  ich  pin  ain  eitel  lai, 

der  teutsch  ain  chlain  lesen  chan. 

danimb  sol  manz  für  guet  han, 

wann  ich  hau  es  getan  in  guet, 

Und  das  es  pringe  hohen  muet, 
10,135    und  das  vermiten  werde 

die  mueter  auf  der  erde, 

die  man  do  haisst  verdrossenhait, 

wann  das  püechlein  das  sait 

gar  churzleichen  guete  lere. 
10,140   Ei,  starker  got  und  herre, 

ob  ich  icht  hab  gesait 

wider  deine  hohe  hailichait, 

so  zaig  dein  alte  diemuet 

und  nim  es  auch  von  mir  für  guet, 
10,145    wann  ich  pin  laider  nicht  ain  man, 

der  dich  nach  wirde  loben  chan. 

wann  vor  dir  mein  getichte 

ist  als  der  fledermaus  gesichte 

10,122  pesserWS.  chan  F.  10,123  euch  G.  ich  euch  pitten  D.  10,124 
dz  ir  dz  pesseren  an  allem  dem  D.  allem  G.  alleu  S.  10,128  han  F.  auch 
nit  G.  10,129  red  die  p.  e.  F.  enpricht  S.  10,132  verguefc  FS.  10,134 
pringtS.  10,135  und  10,136  umges  teilt  G.  D. liest:  10,135.  10,136. 
10,137- 

und  demuot  auff  der  erde 

und  das  vermitten  werde 

das  man  heysset  die  yerdrossenheyt. 

10,137  die]  das  G.  do  fehlt  F.  h.  die  v.  FG.  10,138  puchel  F.  10,139 
churzleich  FD.  gar  g.  G.  vil  gueter  1er  D.  10,140  Eya  G.  her' D  10,143 
alte]  heilige  F,  10.144  verguet  FS.  10,146  nach  feilt  G.  dich  wirdig 
1.  D.  wirden  F.    10,147  geticht  F.    10,148  gesicht  F. 


339 

gen  der  Hechten  sunnen  dar. 
10,150   hiet  ich  halt  weishait  als  der  ar, 
der  auf  deiner  pruste  slief, 
dann  och  war  es  mir  ze  tief 
gen  deiner  hohen  wirdichait. 
ei,  Maria,  mueter,  raine  mait, 

10.155  hilf  mir  gen  deinem  lieben  sun, 
ob  ich  icht  gesuechet  ruem 
hab  in  disem  getichte, 

das  er  mir  das  verslichte 

mit  seiner  parmherzichait 
10,160    gen  seiner  hohen  gerechtichait. 

des  hilf  mir,  herre  Jhesu  Crist! 

hie  mit  das  puech  gemachet  ist 

in  dem  namen  der  heiligen  drivalt. 

do  man  tausent  jar  zalt 
10,165   von  gotes  gepurde  sicher  zwar 

und  vierhundert  und  aindlif  jar, 

zehen  tag  in  dem  Junius, 

quarta  die  Idus, 

in  dem  zaichen  Aquario, 
10,170   do  ward  das  puech  volpracht  also. 

des  lob  wir  got  und  seinen  namen 

und  sprechen  alle  amen. 

10,149  dir  liechte  G.  sunn  F.  10,150  adler  G.  adlar  D.  10,151  pruste 
W.  deinen   pristen  D.     10,153   hocher  G.     10,154  Eya  GD.  rainew  G. 

10.156  sueche  G.  10,157  disem]  deinem  G.  10,158  mir]  nim  F.  mir  v. 
GD.  10,159  s.  hailiger  p.  G.  s.  heyligen  p.  D.  10,160  fehlt  S.  hohen 
fehlt  F.  10,161  das  F.  herrWSG.  her'D.  10,164  do]  das  G.  10,165 
gepurt  D.  10,166  das  erste  und  fehlt  F.  ailfften  G.  und  im  ailften 
j.D.  10,168  quarto  D.  10,170  püchlin  GD.  volpracht]  getichtetW.  voll- 
endet GD.  aldo  FS.  do  GD.  10,171  loben  FGD.  10,172  und]  nun  F.  spre- 
chend G.  sprechent  D.  sp.  wir  allen  F.  amen  amen  amen  S. 


22* 


Anmerkungen. 


1 — 8.*  Ho  fatto  come  colui,  ch'  e  in  uno  grandissimo  prato 
di  fiori,  che  elegge  e  coglie  tutta  la  cima  de'  fiori  per  fare  una 
bella  ghirlanda;  pero  voglio  che  questo  mio  piccolo  lavoretto  abbia 
nome  Fiore  di  virtudi  e  di  costumi. 

9—186  fehlen  im  ital.  Werke. 

19.  Proverbia  8,   iL 

60.  Jeremias  1,  6 

69.  Exodus  4,  10. 

84.  Vergl.  9079.  Wolkenstein  LXX,  2,  11:  sich  numerdum 
und  numine.     Mhd.  Wß.  II,  423 ».     Lexer  II,  119. 

113.  vor  mein  119.  9514.  vor  sein  813.  2918.4462.4658. 
4996.  5561.  vor  dein  9349. 

171.  in  Valerio  Maximum.  Vintler  erlaubt  sich  eine  Menge 
solcher  Verstösse:  die  philosophus  149.  Armoniam  906.  910.  912. 
915.  920.  ain  weip  Scipio  Africanus  942.  in  dem  puech  Machabeo 
1689.  chaiser  Anastasia  4035,  in  dem  lant  Ceciliam  6057  u.  m.  S. 
Beiträge  zur  altern  tirol.  Literatur  II,  21.  Haupt's  Zeitschrift 
IX,  116. 

187.  e  se  alcuno  difetto  ci  fosse,  che  sono  certo  che  egli  ne 
ha,  la  discrezione  di  coloro  che  leggeranno  si  l'emendi;  che  infino 
a  ora  io  mi  tengo  alla  loro  correzione,  e  lasso  lo  mio  fallo. 

195—209.  fehlen  im  ital.  Werke. 

209.  Vergl.  zwar  alle  ding  verkert  sich  knaus.  Wolkenstein 
VI,   145. 

215.  lo  primo  movimento  di  ciascuno  amore. 

235.  e  questa  conoscenza  si  e  il  primiero  assalto  d'amore,  e 
la  maggior  parte  discende  dagli  occhi,  secondo  lo  Filosofo,  che  im- 
primamente  la  volonta  delle  persone  si  muove  per  questa  conos- 
cenza; poi  si  muta  nella  memoria  e  converte  se  in  piacere  e  im- 
magimento. 


*  Anm    Ich  citire  das  Original  nach  Gelli*s    Ausgabe.     Florenz   1855. 


341 

251.  E'l  detto  frate  Tommaso  prova,  che  nessuna  virtü  d'amore 
puote  essere  senza  amore,  e  tutte  si  form  an  o  ed  hanno  comin- 
ciamento  per  lei. 

262.  Calandra  0.  In  deutschen  Quellen  wird  dies  vom  Vogel 
Karadrius,  Kaladrius  (WB.  I,  788.  Lexer  I,  1516)  erzählt.  Ka- 
rajan.  Sprachdenkmale  104,8.  Fundgruben  I,  36.  Massmann, 
deutsche  Gedichte  des  12.  Jahrh.  I,  324.  Haupt's  Zeitschrift  VII, 
147.  Freidank  143,7  ff.  u.  Einleitung  LXXXVI.  MSH.  II,  378. 
Renner  19,521.  Megenberg   173,  23.  Wolfs  Zeitschrift  I,  319. 

323.  E  di  queste  due  virtü  si  crea  nello  animo  una  dispo- 
sizione,  per  la  quäle  si  dee  entrare  nello  amore  d'  Iddio  per  la 
virtü  dello  spirito  santo. 

336.  Ecclesiastes  2,  4  ff. 

363.  Santo  Paolo  dice:  Lo  senno  di  questo  mondo  si  e  mat- 
tezza  appresso  d'  Iddio:  sieche  chi  piü  sa,  men  sa.  I.  Cor.  3,  19. 

408.  Sirach  40,  11. 

433.  Lo  terzo  amore,  il  quäle  si  dice  amistade,  ovvero  com- 
pagnia,  si  e  di  volere  ogni  cosa  lecita  e  onesta  insieme,  e  fondasi 
e  fermasi  in  su  uno  congiungimento  di  vita,  che  diletta  alle  persone 
di  volere  stare  insieme. 

464.  che  gli  amici  si  s'  acquistano  e  mantengonsi  per  tre  cose, 
onorandogli  in  pre  senza,  laudandogli  in  assenzia,  e  serven- 
dogli  a'  bisogni. 

471.  AI  fedele  amico  nessuna  cosa  si  puo  apparecchiare. 

478.  Quanto  1'  albero  e  maggiore,  cotanto  gli  fa  mestiero  di 
maggiore  sostentamento 

528.  La  dilettazione  di  questo  amore  si  e  tutta  nel  corpo- 
rate diletto. 

540.  La  corporale  discende  e  viene  per  cinque  principali 
sensi  del  corpo. 

544.  La  intellettuale  viene  da  immaginare  dello  intelletto. 

566.  Vergl.  7639. 

582  e  di  questo  cotale  amore  di  coneupiscenza  si  pu6  dire 
che  tratte  la  regola  dell'  amore,  la  quäle  dice,  che  1'  amore  niente 
si  puote  negare  alla  mente,  e  degli  diletti  della  mente  non  si  puote 
saziare  e  sempre  e  timoroso  in  palese. 

600.  Socrate  dice:  nessuna  servitü  e  maggiore  ch'  essere 
suggetto  e  servo  d'  amore. 

640.  642.  Vergl. 

also  das  gleich  sein  gleichen 
im  auserwelt  mit  liebem  gunst. 

Wolkenstein  XX,  3,  4. 

651  ff.  E  di  questo  si  puo  fare  pruova  per  gli  uccelli  e  per 
le  bestie,  e  per  tutti  gli  altri  animali  che  non  hanno  alcuno  intel- 


342 

letto,  che  tutti  s'  accompagnano   e   dilletano   di    stare  con   lo   suo 
simile  senza  alcuno  carnale  diletto.     Vergl. 
Ir  vogelein 

und  andre  tier,  baide  wilde  und  die  zamen, 
ir  traget  rechte  liebe  gar, 
geleich  kiest  sein  geleichen, 
gemahel  sein  gemahelein, 
in  nöten  si  bei  ainander  stan. 

Wolkenstein  CXVIII,  4,  4. 
707.  Perche    dalle   donne  discende    lo    fermamento   d'  amore, 
sono  fermo  d'  essere  loro  difenditore  a  ciascuno,  che   dice  di   loro, 
per  ordine. 

719.  e  alla  fine  concorderö  queste  autoritadi   insieme    e  darö 
verace  soluzione,  volendo  tagliare  le  lingue  a'  malvagi  dicitori. 
727.  Proverbia  18,  22. 
731.  Proverbia  12,  4. 
733.  Proverbia  14,   1. 

738.  Vergl.  5037.  WB.  III,  89.  Lexer  I,  1876. 

739.  Proverbia  14,  1. 

749.  per  quinto  elemento.  Vergl.  des  kluegen.  elemente  Wolken- 
stein XXVIII,  2,   12,  der  edel  dement  XXIX,   1,  10. 

754.  Sirach  25,  33. 

757.  Ecclesiastes  7,  29. 

762.  Sirach  42,  13.  Vergl.   1001. 

765.  Sirach  25,  30. 

767.  Proverbia   19,  13.  27,  15.     Martina  131,  93. 

781.  Salustio  dice  d'  una,  che  imprendea  a  leggere:  La  ov' 
e  lo  veleno  del  serpente,  s'  aggiugne  lo  veleno  dello  scarpione. 

816.  perche  eil'  e  cosa  palese. 

823.  Liber  regum  3,  11,  1. 

849  ff.  Im  ital.  Werke  heissen  die  Personen  Pitia  und 
Damone.  Der  Erzählung  liegt  die  bekannte  Sage  von  Dämon  und 
Phintias  zu  Grunde.  Valerius  Maximus  IV,  c.  7,  ext  §  1.  Gesta 
Romanorum  ed.  Keller  S.  164.  Grässe,  das  älteste  Märchenbuch 
des  Mittelalters  S.  212. 

899.  Dies  Beispiel  fehlt  im  ital.  Werke.  H.  v.  Mügeln  Bl.  42  b. 

941.  Auch  diese  Erzählung  fehlt  im  Original.  Vintler  hat 
dieselbe  Valerius  Maximus  VI,  c.  7,  §  1,  H.  v.  Mügeln  Bl.  48  b,  entlehnt. 

959—971*  Invidia,  ch'  e  vizio  contrario  all'  amore,  si  e  di 
due  maniere:  1'  una  e  addolorarsi  del  bene  altrui,  1*  altra  ralle- 
grarsi  del  male;  ma  ciascuna  puo  essere,  perche  egli  e  bene  a 
rallegrarsi  del  male  altrui,  acciocche  si  gastighi,  e  a  dolersi  de'  suoi 
beni,  acciocche  non  s'  insuperbisca. 

981.  e  amore  d'  Iddio. 

984.  Vintler  setzt  hier  ar  für  nibbio,  Weihe,  Hühnergeier. 


343 

990.  Seneca  dice :  la  invidia  trae  del  male  bene ,  e  de 
bene  male. 

1001.  Vergl.  762  u.  Anm. 

1002.  Proverbia  24,  17. 

1007.  Ancora:  ein  si  rallegra  de'  mali  altrui,  non  rimarra  im- 
punito.     Proverbia  17,  5. 

1015.  La  maggiore  Vendetta,  che  si  posse  fare,  si  e  a 
fare  bene. 

1023.  Ovidio  dice:  ia  invidia  fa  sempre  parere  alle  persone 
maggiore  biada  negli  altrui  campi  che  ne'  suoi.  Ovidius,  ars  am. 
1,349.     Vergl: 

Frömder  acker  stuont  ie  baz 
dan  eigen  sät,  daz  machet  haz. 

Freidank  113,  4. 
den  nider  dunket  vremdiu  sät 
vil  schoener,  denn  di  er  selber  hat. 

Renner  14342. 

1042.  Genesis  4,  3—8. 

1055-1068.  fehlen  im  ital.  Werke. 

1074.  ff,  La  vita  dell'  uomo  si  e  allegrezza  di  cuore.  (Sirach 
30,  23).  Chi  ha  allegrezza  soperchia  nelle  cose  che  non  si  dee, 
gia  non  e  virtü,  ma  vizio. 

Nach  V.  1082  hat  unsere  Ueberlieferung  eine  Lücke.  Im 
ital.  Werke  folgt:  E  puossi  appropriare  Fallegrezza  al  gallo.  II 
gallo  s'  allegra  e  canta  secondo  il  corso  deir  ore  del  di  e  della 
notte,  disponendo  la  sua  allegrezza  per  forma  di  ragione.  Salo- 
mone  dice:  Non  e  allegrezza  ne  ricchezza  sopra  la  sanita  del 
corpo,  e  non  e  dilettazione  sopra  1'  allegrezza  del  cuore.  Ancora: 
1*  allegro  cuore  fa  fiorire  la  vita  delT  uomo,  e  lo  spirito  tristo 
dissecca  Tossa.  Non  ti  allegrare  del  male  altrui,  perche  tu  non 
puoi  sapere  come  vadano  gli  tempi  contro  a  te.  Seneca  dice: 
non  ti  allegrare  troppo  per  le  cose  prospere,  ne  le  contrarie  non  ti 
contnrbino.  Hier  folgt  dann  erst  die  Erzählung  vom  heiligen  Macharius. 

1124.  La  seconda  si  e,  quando  l'uomo  non  sa,  ne  dice,  ne 
pensa  fermamente  niente,  ma  sta  comeozioso,  e  come  uno  corpo  morto; 
e  questo  si  e  molto  grave  vizio. 

1134.  e  questa  si  e  malinconia,  che  ne  e  di  molte  ragioni. 

1143.  Vergl.  Megenberg  176,  27  ff.  Lonicerus  Kräuter- 
buch  672. 

1163.  Sirach  30,  22.  24. 

1186.  Bernardo  dice:  prima  mi  dea  Iddio  la  morte,  che  io 
mi  lasci  vincere  alla  malinconia. 

1199.  La  legge  dice:  nessuna  cosa  e  piü  certa  che  la  morte, 
e  piü  incerta  deir  ora  della  morte. 

1235.   Quirico    disse:    questi    e    quegli,    che    signoreggiava   il 


344 

mondo   dal   Levante    al  Ponente,  e  ora    si   contiene   in    due   passi 
di  terra. 

1249.  e  egli  non  e  possuto  durare  contro  alla  morte. 

1254.  Oh  morte  scura  e  dolorosa !  oh  morte  spietata ! 

1258  ff.  Oh  senno  scurato!  oh  giustizia  abbassata!  oh  lealta 
perduta!  oh  cortesia  discacciata!  oh  larghezza  disparita!  oh  pro- 
dezza  infangata!  oh  gentilezza  distrutta!  che  fara.  la  provincia  da 
che  e  morto  lo  re  Alessandro?  Dunque  chi  non  piange,  ora  de' 
piangere;  e  allora  cominciö  tutta  la  gente  a  piangere,  e  fece  il 
maggior  corrotto  che  mai  fosse  udito. 

1274.  Pace,  secondo  Santo  Bernardo,  si  e  purita  di  mente, 
semplicita  di  cuore,  riposamento  d'animo,  ]egame  d'amore  e  com- 
pagnia  di  carita. 

1280.  Plinius,  nat.  hist.  8,  47.  32,  13.  Isidor  12,  2.  Phy- 
siologie (Fundgruben  31.  Massmann  Gedichte  d.  XII.  Jh.  319.) 
Megenberg  127,  18.  Renner  19,385  ff.  MSH.  2,  335.  Freidank 
139,5  u.  Einleitung  LXXXVI. 

1292  ff.  Isaia  profeta  dice :  le  malvage  persone  non  potreb- 
bono  mai  avere  pace. 

1300  ff.  Barbarico  dice:  la  pace  e  sopra  tutte  le  ricchezze 
e  grandezze  del  mondo. 

1316.  Vergl.  Gesta  Romanorum  c,  39. 

1364 — 1385.  Ira,  secondo  Aristotile,  si  e  turbamento  di  animo 
per  discorso  di  sangue,  che  trae  al  cuore  per  volonta  di  fare  Ven- 
detta: e  deir  ira  nasce  indegnazione;  che  quando  il  sangue  ha  tur- 
bato  il  cuore,  egli  rimane  indegnato,  e  poi  si  convertisce  in  odio. 
Se  la  indegnazione  dura  nel  cuore,  ella  acquista  tre  vizj,  come  ira, 
indegnazione  e  odio.  Della  ira  invecchiata  discende  discordia  e  rissa 
e  guerra,  che  son  contrarj  vizj  della  virtü  di  pace;  e  si  e  differenza 
tra  discordia  e  guerra  e  rissa,  siccome  prova  Frate  Tommaso; 
che  discordia  e  nel  cuore  di  quelli,  che  hanno  qualche  volere  1'  uno 
contra  Paltro. 

1386.   Vergl. 

des  beren  zorniger  muot 

im  selben  dicke  schaden  tuot. 

Freidank  139,  9. 
hie  vähet  man  den  bern  mite, 
der  richet  einzele  schaden, 
unz  er  mit  schaden  wirt  beladen. 

Tristan  9,  4. 

1409.  Sirach  30,  26. 

1418.  e  quel,  che  si  fa  per  alcuno  turbamento  d'  animo,  non 
puo  mai  esser  giusto,  ne  onesto. 

1432.  perche  eil'  e  piü  pericolosa. 

1434.  11  maggiore  nimico,  che  1'  uomo  possa  avere,  si  e  la  sua  ira. 


345 

1438.  Socrate  dice:  l'ira  vede  l'irato,  ma  Tirato  non  vede  l'ira. 

1444.  Umana  cosa  e  adirarsi,  ma  cosa  diabolica  a  perseverare 
nell'  ira. 

1449.  Chi  e  vinto  dall  ira,    si  e  vinto  da  tutti  gli  altri  vizj. 

1474.  Vuo'  tu  ben  fare  la  tua  Vendetta,  lasciala  a  Dio. 

1476.  Socrate  dice :  non  ti  lasciare  vincere  all'  ira,  ma  fa  che 
la  mansuetudine  vinca  1'  ira. 

1483.  Salomone  dice :  di  due  cose  s'  attrista  lo  mio  cuore,  e  la 
terza  m'arreca  grande  ira:  l'uomo,  che  studia  di  far  guerra  per 
poverta,  e  Fuomo  savio  dispregiato,  o  chi  si  parte  dal  bene  per 
far  male.  —  Sirach  26,  25. 

1507,  Tullio  dice:    il    mele    si  toglie  per  sua   dolcezza,    e  '1 
ferro  non  si  lima  se  non  col  ferro. 
1510—1519.  fehlen  im  ital.  Werke. 

1520.  Liber  regum  II,  c.   11. 

1551.  Valerius  Max.  IX  c.  3.  ext.  §4.  H.  v.  Mügeln  Bl.  128a. 
Im  ital.  Werke  fehlt  dies  Beispiel. 

1570.  Valerius  Max.  IX.  c.  3.  ext.  §  3.  H.  v.  Mügeln  Bl.  128» . 
Diese  Erzählung  fehlt  im  ital.  Werke. 

1620.  E  puossi  appropriare  la  virtü  della  misericordia  alli 
figliuoli  d' uno  uccello,  c'  ha  nome  Ipega.  Es  ist  der  Wiedehopf 
gemeint,  von  dem  es  im  Physiologus  ed.  Massmann  S.  324  heisst: 
„Physiologus  zellit  von  der  witehophun.  So  siu  alt  wirdit,  so  vir- 
gent  ir  diu  ougen,  daz  si  gesehen  nimach.  So  ir  jungen  des  ge- 
ware  werdent,  daz  ir  muoter  gesehen  nimach,  so  salbent  si  ir  diu 
ougen  und  bruotent  sia,  unze  si  gesehent  wirdit".  Megenberg 
schreibt:  „die  gar  alten  widhopfen  setzent  sich  in  der  jungen  ge- 
viderten  nest  und  mauzent  sich  und  so  speisent  si  die  jungen,  unz 
si  wider  koment  ze  kreften.  ez  sprechent  auch  die  maister,  daz 
die  jungen  widhopfen  ain  ander  tugent  habent  gegen  den  alten,  wan 
so  die  alten  vor  alter  niht  mer  gesehen  mügent,  so  pringent  die 
jungen  ain  kraut,  daz  ist  von  nätür  in  bekant,  und  salbent  der 
alten  äugen  da  mit,  so  werdent  si  wider  gesehent  228,  13  ff.  Vergl. 
auch  Lonicerus  Kräuterbuch  S.  680. 

1644.  Chi  avera  misericordia  d'altrui,  altrui  l'avera  di  lui. 

1655.  Proverbia  28,  27. 

1661.  Non  essere  avaro  in  misericordia,  se  tu  la  volli  tro- 
vare  in  te. 

1663.  Giovenale  dice. 

1667.  Se  la  mano  offende  l'occhio,  e  '1  dente  offende  la  lingua, 
non   cade  Vendetta,  perche  chi  la  fa,  se  stesso  offende, 

1692.  Cicero  de  republica  ed.  May.  1822  p.  238  Augustinus 
de  civitate  dei  4,4.  Gcsta  Romanorum  ed.  Keller  c.  146.  Grässe 
II,  10.  Pauli,  Schimpf  und  Ernst  No.  351,  dessen  neuester  Heraus- 
geber, Oesterley,  die  reiche  Literatur  dieser  Erzählung  S.  512  ver- 


346 


zeichnet.  Sentlinger  erzählt  diese  Geschichte  in  seiner  Reimchronik 
Bl.   194a   und  beruft  sich  auf  Valerius  Max. 

1730.  Dies  Exempel  fehlt  im  ital.  Werke.  Vergl.  Valerius 
Max.  I,  c.  8,  ext.  §  7.    Nepotiani  epitoma  IX,  20.    H.  v.  Mügeln 

Bl.    21  a. 

1755.  La  prima  si  e  non  avere  mai  alcuna  compassione 
d'  altrui. 

1760.  La  terza  si  e  non  perdonare  ad  altrui  l'offese;  la  quarta 
si  e  volere  punire  altrui  d' alcuna  cosa  piü,  che  si  convenga. 

1768.  Vergl.  Plinius  hist.  nat.  VIII,  33.  Renner  14,315. 
Megenberg   152,  20.  192,  32.  Lonicerus  Kräuterbuch  629. 

1782.  Sirach  4,  35. 

1788.  Piu  vil  cosa  non  e  nel  mondo  d'una  vile  persona  mon- 
tando  in  istato. 

1800.  Diese  Erzählung  f  e  h  1 1  im  ital.  Werke.  Vergl.  Valerius 
Max.  IX,  c.  2.  §  1.     H.  v.  Mügeln  Bl.   124  a. 

1808.  Quatuor  legiones  contrariae  partis.  Val.  Max. 

1822.  Dies  Beispiel  fehlt  im  ital.  Werke.  Vergl.  Valerius 
Max.  IX,  cap.  2.  ext.  §  2.    H.   v.  Mügeln  Bl.  125  a. 

1842.  Diese  Erzählung  fehlt  im  ital.  Werke.  Vergl.  Valerius 
Max.  IX.  cap.  2.  ext.  §  10.     H.  v.  Mügeln  Bl.   126  b. 

1852.  Ovidii  metamorph.  VII,   1   ff. 

1888.  e  dare  a' non  bisognosi  e  come  spargere  acqua  in  mare. 

1889.  Vergl 

Der  treit  das  wasser  in  den  Ryn. 

Murner,  Schelmenzunft  d 6.  Mhd.  Sprichwörter  164.  Germania 
VII,   191.  Simrock,  Sprichwörter  No.  11,240. 

1900.  Ma  pure  e  maggiore  vizio  1'  avarizia  che  la  prodigalitä, 
perciocche  piü  s'  accosta  alla  virtü  del  mezzo,  cioe  alla  libertä, 
ch'  e  propriamente  in  dare,  che  non  fa  1' avarizia,  ch'  e  pure  in 
tenere. 

1916.  Vergl.  Nu  ist  unser  herre  zuo  dem  ersten  male  dem 
adelar  gelich  umbe  die  heilige  gemeinsame,  also  wie?  dö  lesen  wir 
also  von  dem  adelar,  daz  er  also  erbaere  ist  und  also  milte,  daz 
er  sine  spise  lät  gemeine  andern  vögeln  und  den  wol  gan,  daz  siu 
mit  ime  ezzent.  Haupt's  Zeitschrift  3,  7.  Der  adlar  tailt  andern 
vögeln  seinen  raup  mit,  aber  die  gest  schüllent  sich  hüeten  vor 
dem  wirt,  wan  hat  er  niht  genuog,  so  daz  ezzen  verzert  ist,  so 
greift  er  die  gest  an  und  frizt  si.  Megenberg  167,  5.  Auch  bei 
Dichtern  gilt  der  Adler  als  Sinnbild  der  Milde,  s.  Walther  L.  12,  24. 
Reinmar  v.  Zweter  MSH.  II.  195a.  I.  Titurel  1861,  1.  1954,  1. 
Rother  4984.  Wartburgkrieg  ed.  Simrock  3,  7.  In  einem  Müglin 
zugeschriebenen  Gedichte  heisst  es  : 

„der  edel  wirt  sin  nar  lieplichen  teilen  als  der  ar  den  gesten". 
Wiltener  HS.  bl.  46.     Germania  5,  99. 


347 

1927 — 1933.  Salomone  dice:  Se  tu  fai  bene,  sappi  a  chi  tu 
lo  fai;  e  ne'  tuoi  beni  saranno  molte  grazie.  Ancora:  Sara  ia  limo- 
sina  nel  seno  del  povero,  e  liberatti  d'ogni  male.  Ancora:  II  fuo- 
co  arde,  e  l'acqua  ammorza;  cosi  la  limosina  ammorza  lo  peccato. 
Ancora:  Non  dire  allo  amico  tuo:  „Va  e  torna",  se  tu  lo  puoi 
servire.  Ancora:  Parti  i  danari  per  lo  fratello  e  per  lo  amico, 
quando  bisogna,  e  non  li  nascondere  sotterra. 

1930.  Sirach  3,  33.  Vergl.  Freidank  39,  6.  Guter  Ger- 
sart 152. 

1938.  Faceto  dice:  Spendi  largamente,  quando  si  dee,  senza 
alcuno  m ormora m  e  n  t o. 

1940.  Vergl.  Sirach   18,   15.  16. 

1955 — 1960.  Seneca  dice:  Piu  e  da  guardare  il  viso  di  colui, 
che  dona,  che  il  dono.  Ancora  dice:  Nessuna  cosa  costa  piü  cara 
che  quella,  che  si  compra  per  prego. 

1992.  0  morte,  come  tu  se'dolce  cosa  al  povero! 

1993 — 2001.  Cato  dice:  Ama  si  altrui  che  tu  sii  caro  amico 
a  te  stesso,  e  sii  buono  altrui,  che  mai  danno  non  ti  seguisca. 
Usa  delle  cose  a  chi  tu  dei  temperatamente;  che  quando  abbandono 
le  spese,  consumano  in  brieve  tempo;  e  brigato  acquistare,  sappialo 
compartire  temperatamente. 

2015.  Sirach  18,  25. 

2022 — 2027.  In  quanta  miseria  e  pena  ista  il  povero !  che  se 
domanda,  di  vergogna  si  confonde;  e  se  non  domanda,  da  povertä 
si  consuma. 

2036.  Meglio  e  nella  sua  morte  lasciare  le  ricchezze  agli 
amici,  che  nella  sua  vita  per  povertä  dimandare  servigio  agli  amici. 

2042.  Diese  Erzählung  fehlt  im  ital.  Werke.  S.  Valerius 
Max.  IV.  c.  8.  §  5.     H.  v.  Mügeln  Bl.  64  b. 

2070.  Alexanders  Milde  war  im  Mittelalter  sprichwörtlich. 
Vrgl.  Walther  17.  9.  Erec.  2820.  Wälscher  Gast  3767.  MSH. 
IL  362b. 

2090—2119  fehlen  im  ital.  Werke. 

2120  ff.  Avaricia  e  contraria  della  libertä,  secondo  che  dice 
Tulio,  che  la  soperchia  cupidigia  d' avere  si  e  in  acquistare  in- 
giustamente,  e  in  tenere  quello,  ch'  e  da  vendere,  e  in  lassare 
guastare  le  cose,   che  egli  ha,  innanzi  che  volerne    dare  ad    altrui. 

2136.  Vergl.: 

Diu  krote  getar  der  erden  niht 
sat  werden,  wann  si  sich  versiht, 
daz  ir  der  zerinne. 
also  Stent  des  gitigen  sinne: 
er  getar  des  selben,  daz  er  hat, 
selten  immer  werden  sat. 

Renner  4861. 


348 

Die  krot  hat  die  art,  daz  si   fürht,    ir  zerinn  der  erden.     Da  pei 
verste  wir  die  geitigen.  Megenberg  296,  7.  In  Tirol  ist  das  Sprich- 
wort:   „Geitig   wie   eine    krot"    sehr   gebräuchlich.     Zeitschrift   für 
deutsche  Myth.  I,  7. 
2146  ff.  Vergl.: 

alle  sünde  werden t  alt, 
gitekeit  junget  manigvalt; 
so  der  gitig  minr  des  weges  hat, 
so  er  me  guotes  üf  sich  lat. 

Boner  89,  47. 
Vergl.  Berthold  I,  417,  5.  486,  19.     Martina  125,  35. 
die  geitekait  nit  bodems  hat, 
si  lat  es  hart  bis  an  den  tot. 

Wolkenstein  XXII,  3,  17. 
2150.  I.  Tim.  6,  10.     Freidank  91,  2.     Renner  7325. 
Diu  leidic  giticheit 
aller  schänden  ein  wurzel  breit. 

Sentlinger  195*». 
2154  e  chi  amera  le  ricchezze,  mai  non  avra  frutto  di  quelle. 
2176.  Dies  Exempel  fehlt  im  ital.  Werke.  —  Valerius  Max. 
IX,  cap.  4,  §  2.  H.  v.  Mügeln  Bl.   128 1>. 

2198.  Vergl.  Der  seien  troist  No.  100.  Frommann's  Zeitschrift 
II,  302.  Dieselbe  Geschichte  wird  vom  hl.  Antonius  von  Padua 
erzählt.  Vita  e  miracoli  di  santo  Antonio  da  Padova,  descritti  dal 
Helia  da  Cortona.  Padova  1647  S.  73.  Sie  soll  sich  1228  zu 
Florenz  zugetragen  haben.  Bildliche  Darstellungen  im  Franziskaner- 
kloster in  Kaltem  und  in  der  Antoniuskapelle  im  Kapuzinergarten 
in  Meran.  Diese  Erzählung  dient  zur  Veranschaulichung  des  Spruches : 
Ubi  enim  est  thesaurus  tuus,  ibi  est  cor  tuum.  Math.  6,  21. 
Lucas  12,  34. 

des  menschen  herz  ist  alle  zit, 
swä  sin  schätz  verborgen  lit. 

Freidank  147,   11. 
Vergl.  56,  7.  —  Swä  din  hört  ist,  da  sint  dine  sinne  MSH. 
II,  277*. 

swä  des  menschen  schätz  lit, 
da  ist  daz  herze  alle  zit. 

Martina  129,  73. 
2221  in  uno  scrigno. 

2232.  si  parte  dalla  virtü  della  correzione  e  cade  nel  vizio 
della  crudelta. 

2235.  Proverb.  13,  23.  Vergl.  Sirach  30,  1.  Mittelhoch- 
deutsche Sprichwörter  S.  81.  Deutsches  Kinderspiel  im  MA.  S.  53. 
Rochholz,  allemannisch.es  Kinderspiel  S.  513. 

2244.  Wenne  der  wolf  über  ainen  zäun  get  oder  da  pei  und 


349 

er  den  schäfen  hain deich  lag  setzt,  ist  dann,  daz  im  ain  fuoz 
rauscht  oder  kraspelt  an  dem  zäun,  so  peizt  er  sich  selber  in  den 
fuoz,  sam  ob  der  fuoz  dar  an    schuldig   sei.     Megenberg  148,  10. 

2270.  Chi  vuole  essere  amato  dallo  amico  suo,  riprendolo 
occultamente. 

2298.  Exodus  7,  1  ff. 

2385—2415  fehlen  im  ital.  Werke. 

2416  ff.  Vergl.  Müllenhofs  Denkmäler  S.  205.  Massmann, 
Gedichte  des  XII.  Jahrh.  S.  315.  Megenberg  240,  6.  Mhd.  WB. 
II2,  319. 

2450.  Seneca  dice :  piü  e  da  temere  le  lusinghe,  che  le  minacce. 

2459.  e  nienalo  per  mala  via. 

2464.  üeber  Tarant  (Scorpion)  vergl.  Megenberg  283,  21  ff. 
Schon  im  Reinardus  2,  597  heisst  es:  Scorpio  blanditur  vultu, 
pars  postera  pungit,  und  Boner  sagt  von  den  Zweizünglern : 

si  tuont  also  der  scorpio: 

der  lecket  vor,  und  ist  ouch  vrö, 

so  er  sich  balde  richet, 

und  mit  dem  sweife  suchet.     91,  67. 

Vergl.  Grimm  I.  Ausgabe  des  Freidank.  Anm.  S.  391.  Auf 
den  Scorpion  spielt  auch  Wolkenstein  CX,  3,   16  an. 

2478.  Babrius  I,  13.  Reinhart  217—290  MSH.  II,  398. 
Renner  2456.     Boner  No.   18. 

2521  ff.  E  queste  tre  virtü  si  formano  per  due  altri  modi, 
cioe  consiglio  e  sollecitudine  circa  le  quistioni,  che  procedono  d'una 
parte  e  d' un'  altra.  Consiglio  si  e  esser  sollecito  di  quello,  che 
l'uomo  ha  a  fare. 

2530.  Vergl.  Proverbia  6,  6.  Physiologus.  Massmann,  deutsche 
Gedichte  des  12.  Jahrh.  S.  320.  Renner  5619.  19,905.  Megen- 
berg 302.    Boner  No.  42.  Walther  13,  26.    Berthold  I,  561,  21. 

2538.  Vergl.  5260.  61. 

2546.  Proverbia  8,   11. 

2548.  Sirach  40,  20. 

2557.  Sirach  1,1. 

2560.  Psalmen  110,  10.  Vergl.  Proverbia  1,  7.  9,  17. 
Sirach  1,   16. 

2587.  Braschio  dice :  la  chiave  della  certezza  si  e  il  pensiero, 
e  impero  il  breve  pensamento  fa  molti  errare. 

2596.  Seneca  dice:  piü  leggiera  cosa  e  a  contrastare  al  co- 
minciamento  che  alla  fine. 

2600.  U  decreto  dice :  chi  ha  malo  corainciamento  non  puö 
mai  avere  buon  finc. 

2608.  Salomone  dice:  farai  tutte  le  cose  con  consiglio,  e  non 
ti  pentirai  mai.     Vergl.  Sirach  32,  24. 


350 

2629.  Proverbia  1,  7. 

2838.  Proverbia  1,  25. 

2644:.  Nelle  cose  consigliate  1'  uomo  dee  essere  sollecito,  e  nel 
consiglio  tardo. 

2650—2654.  fehlen  im  ital.  Werke. 

2650.  Vergl.: 

wo  der  schalk  ze  rate  gät, 
des  fürsten  hof  vil  übel  stät. 

Germ.   18,  226. 

2662.  Diese  Erzählung  fehlt  im  ital.  Werke.  Valerius  Max. 
VII,  c.  2,  ext.  §   1.    H.  v.  Mngeln  Bl.  95  a. 

2886.  Gesta  Remanorum  ed.  Keller  c.  103.  Grässe  S.  200. 
Boner  No.  100. 

2762.  Plato  dice,  che  n'e  di  molte  maniere. 

2767.  Vergl.  Sirach  27,  12. 

2769.  E  si  e  pazzia  di  maninconia,  come  quelli  a  cui  manca 
la  mente,  e  quelli  sono  di  mille  modi. 

2816.  Proverbia  18,  2. 

2826.  Ecclesiastes  10,  3. 

2829.  Sirach  21,  23. 

2832.  Proverbia  17,  12. 

2843—2913.  fehlen  im  ital.  Werke. 

2918.  i  fanti,  che  andavano  a  piedi.  Vergl.  2924. 

2932.  Giusticia,  secondo  Andronico,  si  e  disporre  egualmente 
la  sua  ragione  a  ciascuno. 

2946.  Vergl. 

Einen  vürsten  hänt  die  bien, 
swar  der  vert,  si  volgent  nach. 

MSH.  I,  202  a  und  Megenberg  287,  26  ff. 

2980.  Sirach  75  6. 

2986.  Ermes  dice:  non  punire  altrui,  se  tu  non  dai  termine 
alla  sua  difesa;  ne  non  tardare  troppo,  acciocche  cagione  non  venisse 
che  la  giustizia  perisse. 

3002-  Cinque  cose  corrompono  la  giusticia:  amore,  odio,  prego, 
timore  e  prezzo. 

3012.  La  giustizia  perisce  ne'  tiranni  e  regna  ne' re  per  cinque 
ragioni. 

3016.  perche  gli  tiranni  amano  il  loro  proprio  bene. 

3040.  Cato  dice :  non  dare  consiglio  a  uomo,  ch'  abbia  podesta 
sopra  te;  che  se  addiviene  che  gliene  venga  male,  lo  fara  tornare 
sopra  il  tuo  capo. 

3052.  Tolomeo  dice:  lo  savio  signore  riprendilo,  quando  egli 
falla,  se  tu  vuoi  avere  grazia  appresso  di  lui. 

3057.  piü  perde  il  suo  amore 

3058.  Vintler  weicht  bei  dieser  Legende  theilweise   vom   ital. 


351 

Werke  ab.  Vergl.  Vitae  patrum  5,  93.  Zingerle,  Findlinge  2, 
118.  Gesta  Romanorum  c.  80.  Pauli,  Schimpf  und  Ernst  No. 
682.  Oesterley  gibt  die  Literatur  dieser  weitverbreiteten  Erzählung 
S.  550. 

3168.  Dies  Exeinpel  fehlt  im  ital.  Werke.  —  Valerius 
Maximus  Vi,  c.  5,  §  1.     H.  v.  Mügeln  Bl.  85  b. 

3247.  Diese  Erzählung  fehlt  im  ital.  Werke.  Vergl.  Pauli's 
Schimpf  und  Ernst  No.  95  und  Oesterley's  Anmerkungen  S.  483. 
Sehr  verbreitet  ist  das  Sprichwort:  „Man  muss  dem  Teufel  ein 
Licht  anzünden".     Simrock  10,137.  10,13^.  Körte  7392. 

Eine  ähnliche  Erzählung  lebt  hier  im  Volksmunde:  Ein  armer 
Handwerker,  der  keinen  Kreuzer  mehr  im  Sacke  hatte,  kam  in 
einem  Walde  zu  einem  „Marterl",  das  einem  dort  verunglückten 
Bösewichte  gesetzt  worden.  Der  Arme  glaubte,  es  sei  das  Bild- 
stöcklein einem  Heiligen  geweiht,  kniete  nieder  und  flehte  inbrünstig 
um  Geld.  In  der  folgenden  Nacht  träumte  ihm,  es  erscheine  ihm 
der  vermeinte  Heilige,  führe  ihn  in  den  Wald  und  zeige  ihm  die 
Stelle,  wo  ein  Schatz  liege.  Der  Arme  bezeichnete  den  Platz,  um 
ihn  sicher  zu  finden,  auf  die  von  Vintler  mitgetheilte  Weise. 

3346.  Proverbia  30,  21. 

3356.  e  quaudo  lo  fante  signoreggia  la  donna. 

3374-3400.  fehlen  im  ital.  Werke. 

3395.  Vergl.: 

der  hat  die  fünf  gezierde  schier 
verlorn,  swenne  in  üf  hebent  vier 
unt  tragent  in  enbor. 

Renner  1005. 

So  es  die  vier 

hie  sprechen  tuen;  „heb  auf,  trag  hin,  lass  gelden 

sein  schuld,  grab  in  und  deck  in  zue", 

erst  wirt  sein  nam  erkennet, 

er  ist  gewesen  diser  und  der, 

was  er  der  falsch,  in  vacht  der  helle  latz. 

Wolkenstein  XX,  2,  6  ff. 
3402.  an  sache]   contro  a  ragione. 
3412.  Proverbia  26,  27. 

3420.  Quello  che  si  da  per  volonta  e  dono;  e  quello  che  si 
toglie  contro  all  altrui  volere  e  violenza. 

3432—3441.  fehlen  im  Original.    Vergl.  Proverbia  2,  13  ff. 

3436.  Proverbia  2,   21. 

3460.  Vergl.  3790  ff. 

3165-3189.  fehlen  im  ital.  Werke. 

3473.  Vergl. 

ob  dinem  houpte  üf  einem  zwi 

saz  ein  rabe,  ein  krä  da  bi: 


352 

din  här  was  dir  bestroubet, 
dö  straelte  dir  daz  houbet 
zeswenhalp  der  rabe  da; 
winsterhalp  schiet  dirz  diu  krä. 

Helmbrecht  623. 

3510  ff.  Lealta,  secondo  Terencio,  si  e  pura  e  perfetta  fede 
in  non  mostrare  una  cosa  per  un'altra. 

3520.  Vergl.  Plinius,  hist.  natur.  10,  30.   Megenberg  190,  31. 

3548.  Proverbia  20,  6. 

3552.  Aristotile  dice :  non  rompere  la  fede  a  niuno ;  che  non 
si  conviene  se  non  a  meretrici  o  a  fanciulli. 

3570.  Valerius  Max.   I,  c.  5,   §  14.     H.  v.  Mügeln  Bl.  5*>. 

3613.  e  valorosi  combattitori  di  guerra. 

3630.  per  animo  d' ingannare  altrui  di  alcuna  cosa. 

3636.  Malizia  si  e  a  pensare  maliziosi  pensieri  nelF  animo 
suo,  e  dalla  malizia  nasce  sospezione. 

3646  ff.  La  seconda  si  e,  perche  colui  di  cui  l'uomo  ha  sö- 
spetto,  e  nso  di  fare  male;  la  terza  si  e,  perche  l'uomo  voglia  male 
ad  altrui,  e  perö  crede  leggermente  male  di  lui ;  la  quarta  si  e  per 
avere  provato  molte  cose. 

3662—3675,  fehlen  im  ital.  Werke. 

3676—3693.  Gelosia  e  a  temere  che  la  persona,  che  1*  uorao 
ama,  non  faccia  cosa  che  potesse  tornare  danno  o  vergogna  a  lui 
o  a  se;  e  discende  da  virtü  d'amore,  che  nessuno  non  puo  essere 
geloso  se  non  per  due  cose:  la  prima  per  paura,  che  l'uomo  ha 
della  persona,  che  non  faccia  cosa  che  non  sia  da  fare :  la  seconda, 
che  F  uomo  non  possa  nuocere  al  suo  bene  e  amore,  e  perö  la  ge- 
losia e  effetto  d'amore,  siccome  prova  Fra  Tommaso. 

3694  ff.  Vergl.  Physiologus  ed.  Massmann  S.  319.  Megenberg 
163,  32. 

3717.  Iddio  distrugga  la  falsitä  e  le  male  lingue. 

3720.  II  falso  s'infigne  di  non  conoscere  le  offese  per  potersi 
meglio  vendicare. 

3724.  Quelli  che  e  pieno  d'inganno,  non  puo  lasciare  le  sue 
ingiurie;  e  chi  imprende  d' ingannare  disidera  di  fare  sempre  ciö. 

3748.  49.  fehlen  im  ital.  Werke. 

3751.  Liber  sapientiae  1,  3. 

3753—3755.  fehlen  im  ital.  Werke. 

3756.  II  primo  movimento  del  pensiero  non  e  nella  podesta 
d' altrui,  ma  la  perseveranza;  la  quäle  molto  si  conviene  contrastare, 
se  '1  pensiero  non  e  buono. 

3766.  Proverbia  23,  6. 

3774.  che  la  sospezione  da  cagione  di  far  male. 

3781.  Chi  perfettamente  ama,  sempre  ista  in  paura  della  cosa, 
ch'  egli  ama. 


353 

3784—3799  fehlen  im  ital.  Werke. 

3790.  Vergl.  3463  ff.  und  Berthold  151,  14  ff. 

3800.  Genesis  19,12 — 38.  Im  ital.  Originale  ist  dies  Exempel 
viel  kürzer  gefasst. 

3857.  Vergl.  Physiologus.  Massmann  323.  Fundgruben  1,  35. 
Karajan,  Sprachdenkmale  102.  Megenberg  215,  11.  Freidank 
144,  11.  Geiler  von  Kaisersberg,  Brosämlein  Bl.  55a.  Schon  Je- 
remias  sagt  17,   11:  Perdix  fovit,  quae  non  peperit. 

3866.  Sirach  4,  30. 

3872.  e  chi  vuole  colorare  la  bugia  si  ha  grande  fatica. 

3876.  Quello  che  t'  e  promesso  non  lo  promettere  per  certo  ad 
altrui. 

3884.  85.  fehlt  im  ital.  Werke.     Proverbia  3,  3. 

3886.  Vergl.  Boner  No.  85.  Pauli,  Schimpf  und  Ernst  No. 
111  und  Oesterley's  Nachweise  S.  485. 

3973.  si  e  a  celare  la  verita  con  alcuno  colore  di  parole, 
per  animo  d'ingannare  altrui  per  alcun  modo. 

3976—3980  fehlen  im  ital.  Werke. 

3982.  Le  bugie  che  si  dicono  per  diletto,  siccome  le  favole  e 
le  novelle. 

3993.  ma  pure  egli  e  male  a  dirle  a  chi  le  puö  schifare. 

4017.  In  simile  modo  fa  la  bugia,  la  quäle  si  conviene  coprire 
di  qualche  colore  di  parole;  e  quando  il  lume  della  verita  la  vede, 
incontanente  muore  come  fa  la  talpa. 

4027.  Sirach  20,  27. 

4032.  Im  ital.  Werke  heisst  die  Kaisertochter  Lemma  und 
der  Geliebte  Amantino. 

4106.  Diese  Erzählung  fehlt  im  ital.  Werke.  Valerius  Ma- 
ximus IX,  c.  15,  §  2.     H.  v.  Mügeln  Bl.   139  a. 

4138.  La  seconda  si  e  prodezza,  ch'  e  una  sicurta  d' animo 
in  non  temere  gravi  cose. 

4146.  Vergl.  Proverbia  30,  30.  Physiologus,  Müllenhof's 
Denkmäler  S.  204.  Massmann  310.  Megenberg  143,  21.  Ueber 
Löwe  als  Sinnbild  der  Kraft  und  des  Muthes  vergl.  Walther 
12,  24.  MSH.  II,  195^.  J.  Titurel  1021,  4.  —  1776,  2. 
1862,  1.  Wartburgkrieg  ed.  Simrock,  S.  7.  43.  121.  Wälscher 
Gast  10495. 

4183.  e  questa  prodezza  si  e  forzata. 

4184.  la  seconda  si  e  d' essere  pro'  per  usanza,  perch'  egli 
abbia  usato  in  guerra. 

4186.  la  quarta  si  e  d' essere  pro',  quando  egli  trova 
piü  vile. 

4192.  e  queste  cinque  prodezze  non  sono  perfette. 
4194  ff.  Diese  Erzählung  fehlt  im  ital.  Werke. 

Zinserle,  Vintler.  23 


354 

4256  ff.  Aehnliche  Gedanken  begegnen  uns  öfters  z.  B. : 
Die  nü  ze  vollen  boese  sint, 
gewinnent  die  noch  boeser  kint, 
ja  herre  got,  wem  sol  ich  diu  geliehen? 

Walther  23,   14. 
Wir  suln  den    argen  iemer  clagen,  der  uns  hie  lät   sin    erger 
kint.     MSH.  2,  230^. 

Als  ist  ez  umb  den  diep  gewan, 
der  einig  grözen  schaden  tuot. 
gewint  er  kint,  daz  ist  nicht  guot. 
man  sieht  dicke,  daz  diu  kint 
vil  boeser  denn  der  vatter  sint. 

Boner  No.  10,  28. 
und  vergl.  Helmbrecht  1926  ff. 

4262.  la  sesta  si  e  perfetta,  quando  la  persona  vuole 
essere  pro'  per  non  ricevere  disonore  nella  persona  o  nelle  sue 
cose,  ovvero  per  la  sua  patria. 

4272.  La  pazienza  e  parte  della  misericordia. 
4276.   La    sapienza   delle    persone    si    conosce    alla   pazienza. 
Vergl.  Proverbia   19,    11. 

4284.  Vergl.  Judices  XVI,  4—31. 

4330.  Dies  Exempel  fehlt   im  ital.  Werke.     Livius  Ilf,   10. 
Valerius  Max.  III,  c.  2,  §  1.   H.  v.  Mügeln  Valerius  Max.  Bl.  39 a. 
4370.  si  e  di  tre  maniere. 

4380—4385.  La  terza  si  e  a  non  potere  sostenere  per  fie- 
volezza  d' animo  aleuna  avversitade,  e  questa  si  e  chiamata 
fievolezza. 

4386.  Megenberg  sagt  vom  Hasen;  „daz  ist  gar  ain  vorchtig 
tier*.  149,  12,  Oft  wird  der  Hase  als  Bild  der  Furcht  und 
Feigheit  gebraucht,  z.  B. :  ir  sint  eines  hasen  genöz.  Arm.  Heinr. 
1123.  gar  ein  hase  des  muotes.  Jüngling  244.  verzagter  denn 
ein  has.  Altswert  161,  15.  rehter  vräzmunt,  ein  hase.  Helbling 
2,  515. 

4400.  Vergl.  Liber  sapientiae  17,  10. 

4416.   Diese   Erzählung    fehlt   im    ital.    Werke.     Val.  Max. 
IX,  c.   13,  ext.  §  4.    H.  v.  Mügeln,  Val.  Max.  Bl.   137». 
4440.  Cicero,  tusc.  quaest.  5,  21. 

4484.  Magnanimita,  secondo  che  Tullio  dice,  e  a  intendere  in 
alte  e  nobili  cose  e  di  grande  valore. 
4488.  Vergl.  Megenberg  85,  25  sf. 

4506.  Diese  Erzählung  fehlt  im  ital.  Werke.  Val.  Max. 
IV,  c.   1,  ext.  §  2.     H.  v.  Mügeln,  Valerius  Max.  Bl.  53  b. 

4530.  Das  ital.  Werk  nennt  Storie  di  Roma  als  Quelle.  — 
S.  Valerius  Max.  VI,  c.  5,    §  1.    H.    v.   Mügeln,    Valerius   Max. 


355 

Bl.  86 a,     Vergl.  Pauli,  Schimpf  und  Ernst  No.  660  und  Oester- 
ley's  Nachweise  S.  548. 

4560  ff.  quando  la  persona  vuole  mostrare  tutte  le  grandezze 
sue  per  volersi  far  lodare  piü  che  non  si  conviene;  che  il  con- 
venevole  non  e  vizio,  siccome  pruova  Fra  Tommaso. 

4568.  Proverbia  22,  1. 

4578.  Vergl.  Megenberg  213,  8. 

4594  ff.  Chi  ama  la  vanagloria  e  servo  de'  giullari. 

4600  Proverbia  27,  2.  Vergl:  Guter  Gerhart  37.  Freidank 
60,  23.  Krone  9855  u.  a.    Mittelhochdeutsche  Sprichwörter  93.  94^ 

4662.  Dies  Exempel  fehlt  im  ital.  Werke.  H.  v.  Mügeln, 
Val.  Max.  Bl.  119b.  Val.  Max.  VIII,  c.   14,  ext.  §  4. 

4696.  Vergl.  Herodot  II,  73.  Piinius,  hist.  nat.  10,  2.  Phy- 
siologus,  Massmann  324.  Megenberg  186,  23.  In  mhd.  Gedichten 
wird  dieser  Wundervogel  oft  erwähnt :  Alexanderlied  4993  ff.  Par- 
zival  469,  8.  C.  v.  Würzburg,  Trojanerkrieg  32  ff.  Goldene 
Schmiede  365.  -  MSH.  I,  336a.  II,  340*>.  J.  Titurel  6172. 
Martina  S.  218.  Altswert  S.   136,  6. 

4730.  Sii  costante  come  richieggiono  le  cose. 

4739.  Mille  persone  corrono  al  palio;  ma  la  perseveranza 
vince. 

4742.  Diese  Erzählung  fehlt  im  ital.  Werke.  Valerius  Max. 
III,  c.  2,  ext.  §  1.  H.  v.  Mügeln,  Val.  Max.  Bl.  43*.  Gesta 
Romanoram  ed.  Graesse  II,  196. 

4772.  Plutarch.,  Lyc.  c.  29.    Aelian,  var.  hist.   13,  23. 

4818.  Diese  Erzählung  fehlt  im  ital.  Werke.  Val.  Max. 
III,  c.  8,  §  8.  H.  v.  Mügeln,  Val.  Max.  Bl.  50  a. 

4850.  Vergl.  Megenberg  200,  12. 

4934.  Diese  Erzählung  fehlt  im  ital.  Werke.  Vergl.  eine 
ähnliche  in  Pauli's  Schimpf  und  Ernst  No.  398  und  Nachweise 
S.  518. 

5034.  Vergl.:  manec  wip  ist  unstaete.  Freidank  103,  21. 
Unstaet  ist  ouch  der  vrouwen  muot, 
des  sint  ir  wort  nicht  wol  behuot. 
waz  einiu  weiz,  wie  schade  daz  si, 
daz  wizzent  zwo  schier  od?r  dri. 
wä  von  dir  mag  besehenen  leit, 
daz  lä  den  vrouwen  ungeseit. 
Boner  No.  97,  91.  und  Hartmann's  Gregor  1255  ff. 

5037.  Vergl.  738. 

5045.  La  prima  e  a  contrastare  alla  cupiditade,  che  viene 
dall'  animo,  e  questa  e  propriamente  temperanza. 

5051.  che  per  natural  movimento  si  muove  a  ciö. 

5055.  e  questa  si  chiama  sofferenza;  ch'  e  troppo  maggiore 
virtü  che  non  e  temperanza. 

23* 


356 

5068.  E  puossi  assimigliare  la  virtü  della  temperanza  a  una 
bestia,  che  si  chiama  cammello,  che  naturalmente  si  e  il  piü  lus- 
surioso  animale,  che  sia  al  mondo;  ch'  egli  anderebbe  dieci 
miglia  dietro  a  una  cammella  solo  per  vederla,  e  poi  si  ha  tanta 
temperanza  e  sofferenza  in  se,  ch'  essendo  egli  colla  madre,  ovvero 
colla  sorella,  non  la  toccherebbe  mai.  Vergl.  Megenberg  124, 
28  ff. 

5083.  Vergl.: 

Swer  im  einem  an  gesit, 
der  hat  verendet  allen  strit. 

Wälscher  Gast  7751,  und  Freidank  113,  16. 

5087.  Vergl.: 

Wie  sol  der  straffen  weib  und  man, 
der  sich  selbs  nicht  straffen  kan? 

Wolkenstein  XXVI,  288. 

5097.  e  sofferente  nelle  avversita. 

5099.  Vergl.: 

mäz  ist  ein  meisterin  aller  werk. 
Buch  der  Väter  306  und  mittelhochd.  Sprichwörter  99. 

5102.  Dies  Exempel  fehlt  im  ital.  Werke.  Valerius  Max. 
IV,  c.  1,  §  4.  H.  v.  Mügeln,  Val.  Max.  Bl.  51K  Es  wird  dies 
von  L.  Quintius  Cincinnatus  erzählt. 

5120.  Auch  diese  Erzählung  fehlt  im  ital.  Werke.  H.  v. 
Mügeln,  Valerius  Max.  Bl.  58 a. 

5142.  Nelle  storie  di  Roma  si  legge  della  temperanza, 
che  il  re  Priamo. 

5156.  e  poi  mando  per  tutti  coloro  che  aveano  peggiore  lingua 
in  dir  male,  e  ordinö  che  ciascuno  gli  dicesse  il  peggio  che  sapesse. 

5163.  La  mia  schiatta  comincia  in  me,  e  la  tua  finisce  in 
te;  sieche  la  mia  nobilta  val  piü  per  me,  e  la  tua  val  meno 
per  te. 

5170.  Ed  egli  rispose:  le  persone  non  si  cognoscono  per  le 
vestimenta,  ma  per  l'opere. 

5179.  Messer  lo  Re.  guardati  di  Coarda,  ch'  egli  si  e  ispia, 
ch'  io  lo  vidi  anco  nell'  oste  de'  Greci. 

5194.  Disse  l'altro:  oli,  com'  egli  favella  questo  traditore! 
Ed  egli  rispose:  io  diro  oggimai  a  cui  dira  che  tu  non  hai  lingua, 
ch'  egli  s'inganna. 

5256.  Vintler  weicht  hier  von  der  ital.  Vorlage  ab.  E  puossi 
assimigliare  la  intemperanza  al  liocorno,  ch'  e  una  bestia,  che  ha 
tanta  dilettazione  di  stare  con  aleuna  donzella  vergine,  che,  com' 
egli  ne  vede  aleuna,  incontanente  va  da  lei,  e  addormentasi  nelle 
sue  braccia;  poi  vengono  gli  cacciatori,  e  si  lo  prendono;  che  altri- 
menti  non  lo  potrebbono  pigliare,  se  non  per  la  sua  intemperanza. 
Ueber  Otter  vergl.  Megenberg:  daz  tier  ist  so  girig  auf  ezzen,  daz 


357 

ez  der  visch  so  vil  samnet  in  sein  hol  und  in  sein  wonung,  daz 
si  so  ser  faulent,  daz  niht  allein  daz  hol  stinket,  ez  stinkt  auch 
aller  luft  umb  und  umb  da  von.     150,  6  ff. 

5260.  61.  Vergl.  2538.  39. 

5279.  Varro  dice:  chi  e  volonteroso  non  puö  essere  senza 
molti  vizj. 

5284—5289.  fehlen  im  ital.  Werke. 

5291.  Dies  Exempel  fehlt  in  Gelli's  Ausgabe,  steht  aber  in 
anderen,  wo  die  Jungfrau  Jaccina  heisst. 

5307  ff.  E  avendo  fatto  ciö  piu  volte,  un  di  ella  s'  immaginö 
il  vitupero  della  lussuria,  e  della  virginita,  ch'  ella  non  poteva 
ricoverare. 

5314-5381  fehlen  im  ital.  Werke. 

5364.  Vergl.  7621. 

5394.  Vergl.: 

behalt  ir  neur  den  orden  saelig, 
der  eu  von  im  ist  ausserwelt. 

Wolkenstein  XXI,   1,  4. 

5398 — 5413.  La  prima  si  e  a  mostrarsi  sempre  minore  degli 
altri;  la  seconda  si  e  a  sottomettersi  a  ciascuno  con  umiltä,  come 
si  dee;  la  terza  a  credere,  di  non  potere  essere  sufficiente  a  tutte 
le  cose;  la  quinta  a  temere  quello,  che  si  dee. 

5418.  La  seconda  si  e  a  fare  riverenza  a  maggiori  di  se. 

5434—5461  fehlen  im  ital.  Werke. 

5435.  Vergl.  Freidank  50,  22.  Krone  20253.  Berthold 
334,  3. 

5462.  Sirach  3,  22. 

5466.  Sirach  3,  20. 

5471.  Mathäus  23,  12. 

5476.  San  Piero  dice:  Dio  contrastare  agli  superbi;  e  a  chi 
e  umile,  dare  grazie.     Petri  ep.  I,  5,  5. 

5484 — 5489  fehler,  in  vorliegenden  ital.  Texten. 

5496.  Longino  dice:  siccome  gli  uccelli  stringono  bene  l'alia, 
quando  vogliono  volare  in  alto,  cosi  si  conviene  aumiliare  chi  vuole 
venire  in  grande  stato. 

5504.  S en e c a  dice :  non  lodare  altrui  in  sua  presenza* 
e  non  lo  biasimare  in  sua  assenza. 

5516.  Cato  dice:  fa  luogo  al  tuo  maggiore. 

5521.  Sirach  32,  14. 

5538.  Della  virtü  della  gratificazione  dice  Cato:  quando  alcuno 
tuo  povero  amico  ti  da  alcun  d  o  n  o ,  to'  lo  piacevolmente,  e  ricör- 
dati  di  lodarlo  pienamente. 

5548.  H.  v.  Mügeln,  Val.  Max.  Bl.  35 ».  Vergl.  Gesta  Ro- 
manorum c.  30.     Renner  22600. 

Nach  5625  folgt  im  ital.  Werke:    E   puossi   assimigliare  il 


358 

vizio  della  superbia  al  falcone,  che  vuole  sempre  mostrare  di  signo- 
reggiare  gli  uccegli;  es'  e  gia  trovato  degli  falconi  che  hanno  avuto 
ardire  di  volere  uccidere  l'aquila,  ch'  e  donna  e  reina  di  tutti  gli 
uccelli;  e  la  dove  il  falcone  fa  nido,  batte  tutta  la  riviera  d'attorno, 
e  mai  non  lascia  usare  ivi  alcuno  uccello,  che  viva  di  rapina,  per 
volere  essere  signore  della  riviera.  Salomone  dice:  tre  generazioni 
di  gente  sono  che  non  s'amano:  il  povero  superbo,  il  ricco  bugiardo, 
e  il  vecchio  lussurioso.  Anche  dice:  e  sempre  quistione  fra  gli  su- 
perbi.  Santo  Bernardo  dice:  egli  e  gran  maraviglia  de'  superbi, 
che  non  possono  abitare  in  terra  colle  persone,  ne  possono  volare 
in  cielo;  dunque  rimangono  alla  fiamma  del  fuoco  che  durera.  Plato 
dice:  superbia  si  e  vizio  che  corrompe  le  persone;  e  chi  va  piü 
innanzi,  meno  lo  conosce,  Jesus  Sirac  dice :  la  superbia  e  comin- 
ciamento  di  tutti  i  mali.  Ancora  dice :  gli  piati  e  le  guerre  meno- 
mano  l'avere,  e  la  superbia  si  disfa  le  case  ricchissime.  E  di  cio 
sono  tre  ragioni:  la  prima,  perche  fu  lo  primo  peccato;  la  seconda, 
perche  non  e  cosa  al  mondo,  che  sia  in  dispiacere  a  Dio,  che  la 
superbia  non  la  cresca;  la  terza,  che  da  lei  nascono  tutti  gli  altri 
peccati.  —  Da  Vintler  am  wenigsten  das  Exempel  vom  Falken 
übergangen  hätte,  ist  anzunehmen,  dass  in  dem  ihm  vorliegenden 
ital.  Codex  das  bezügliche  Blatt  fehlte. 

5626—5637  fehlen  im  ital.  Werke. 

5638.  E  da  superbia  a  vanagloria  si  e  grande  diffe- 
renza. 

5648.  Superbia  si  e  dentro,  vanagloria  si  e  fuori. 

5650  —  5667.  Hier  weicht  Vintler  von  den  mir  vorliegenden 
ital.  Ausgaben  ab. 

5668—5676.  Santo  Agostino  dice:  piü  e  da  temere  la  inub- 
bidienza  che  la  morte.  Salomone  dice:  chi  non  ubbidisce  il  padre 
e  la  madre  sara  sventurato.  Santo  Agostino  dice:  di  tutte  le 
criature  del  mondo  non  sono  altro  che  tre  disubbidienti  a  Dio,  cioe 
Tuomo  e  la  femmina  e'l  diavolo. 

5692—5763  fehlen  im  ital.  Werke. 

5725.  Apocal.  8,  13. 

5785.  Vergl.  6441.  6522.  10064. 

5786.  Vergl.  Megenberg  120,  26. 

5804.  Salomone  dice:  chi  e  astinente,  si  gli  cresce  vita. 
Sirach  37,  14. 

5850.  Vergl.: 

Die  gire  fliegent  dar, 

da  si  des  äses  werdent  gewar. 

Freidank  142,  19. 
Vergl.  Ruodlieb  7,  21.     Megenberg  230,  14. 
5934.  Vergl.  Parzival  57,  10  ff.   Flore  1475  ff.  Mähre  von 
der  Minne  248  ff.     J.  Titurel  5109.     Megenberg  225,   19  ff. 


359 

5974.  Vergl.:  Stat  macht  diebe,  daz  ist  war.  Boner  96,  1. 
State  leret  diebe  stein.  Eraclius  2444.  Die  stat  lert  den  diep 
stein.     Heidin  115, 

6004.  Vergl.  Pauli,  Schimpf  und  Ernst  No.  1 1  und  Oesterley's 
Nachweise  S.  474. 

6054.  Diese  Erzählung  fehlt  im  ital.  Werke.  Vergl.  H.  v. 
Mügeln,  Val.  Max.  Bl.  66 a. 

6074.  Auch  dies  Exempel  fehlt  im  ital.  Werke.  Vergl.:  Der 
seien  troist  No.  71.     Renner  15654. 

6149.  siccome  si  legge  nella  Somma  de'  vizj. 
6150-6191.  Die  entsprechende  Stelle  fehlt  in  G-elli's  Aus- 
gabe, findet  sich  aber  in  anderen  Texten.  Die  Trientner  Ausgabe 
(1853)  bietet:  Lussuria,  ch'  e  contrario  vizio  della  castita,  siccome 
si  legge  nella  somma  de'  vizj,  si  e  di  quattro  cose,  cioe  in  vesti- 
menta,  in  unzioni,  in  bagnarsi,  e  in  toccarsi.  Ancora  quattro 
sono  le  maniere  di  questo  peccato.  La  prima  e  detta  fornicazione, 
e  questo  e  usando  senza  matrimonio,  e  la  seconda  e  detta  incesto, 
e  questo  e  usando  con  propria  parente.  La  terza  si  e  adulterio, 
quando  l'uomo,  ovvero  amendue  sono  maritati.  Lo  quarto  peccato 
si  e,  quando  si  fa  contra  natura,  il  quäle  non  e  da  nominare  per 
sua  cecita. 

6164.  Vergl.  Sirach   12,  3  und: 

Nam  tangendo  picem  vix  expurgaris  ad  unguem. 

Ruodlieb  457, 
Swer  heizez  bech  rüeret, 

meil  er  dannen  fiieret.  Freidank  118,  5. 

Swer  an  daz  pech  ruoret,   der  wirt  dervon  gemeiligt. 

Leys.  Pred.  2,  34. 
6202  —  6209  weicht  vom  ital.  Werke  ganz  ab. 
6230.  nel    quäle    peccato    poche  persone  sono    che    in    alcuno 
modo  non  pecchino. 

6232—6236  fehlen  im  ital.  Werke. 
6232.  Vergl.  Oseas  4,  11.     Sirach  19,  2. 
Wein,  zoren,  spil  und  schöne  weib, 
die  vier  betören  mangen  man. 

Wolkenstein  XXII,  3,  1. 
6246—6248  fehlen  im  ital.  Werke. 
6254.  ammaestrando  gli  suoi  occhi  a  piangere. 
6256.  Seneca  dice:  se  tu  pensassi  il  fine  della  lussuria, 
e  lo  cominciamento  di  essa,  ti  dispiacerebbe. 
6259.  Sirach  26,   12. 

6264.  Proverbia  30,  16.  Vergl.  Freidank  69,  5.  Narren- 
schiff 64,  63. 

6275.  Proverbia  30,   18.     Vergl.  Mone's  Anzeiger  VII,  507. 


360 

Freidank  128,  6.    Barlaam  213,  8.    Tochter  Syon  (Diütisca  3,  7). 
MSH.  H,  230.     Martina  74,  50.     Narrenschiff  64,  69. 

6287.  San  Paolo  dice:  tutti  gli  delitti  del  mondo  mise 
Iddio  nella  lussuria. 

6294—6305  fehlen  im  ital.  Werke. 

6296.  et  inveni  amariorem  morte  mulierem.    Ecclesiastes  7,  27. 

6311—6329  fehlen  im  ital.  Werke. 

6315.  üeber  Tyrus  s.  Megenberg  284,  7  ff. 

6338.  imperocche  egli  e  meglio,  che  altri  venga  alla  tue 
merce,  che  tu  vada  all'  altrui. 

6350.  Vergl.  Boner  59,  79. 

6358.  Diese  Erzählung  fehlt  im  ital.  Werke.  S.  Valerius 
Max.  IX,  c.  1,  §  9.     H.  v.  Mügeln  Bl.  122*. 

6378.  Vergl.  Barlaam  292,  3  ff. 

6438.  si  e  ad  avere  modo  in  tutte  le  cose,  ischifando  il 
soperchio  e  il  poco. 

6441.  Vergl.  5785  und  Anm. 

6462.  Onesta  si  e  a  simiglianza  de'  remi  della  nave,  che 
conducono  la  nave  per  buona  e  diritta  via. 

6469.  La  cortesia  e  solamente  in  tre  cose:  la  prima  si  e  a 
essere  libero  della  persona ;  la  seconda  si  e  ad  avere  be'  costumi ; 
la  terza  in  onorevole  parlare. 

6473.  Della  cortesiaebbe  incominciamentolagentilezza,  e,  secondo 
che  dice  Allessandro,  la  gentilezza  si  e  belli  costumi  e  virtuosi  con  antica 
ricchezza,  cioe  costumi  di  laudabili  virtudi,  e  ricchezza  bene  acquistata. 

6505.  Vergl.  Mhd.  Sprichwörter  S.  99.  156. 

6509.  Seneca  dice:  chi  troppo  corre,  ispesso  scappuccia. 

6512.  Socrate  dice :  siccome  il  cavallo  si  rifrena  per  lo  freno, 
cosi  si  rifrenano  tutti  i  vizj  per  la  moderanza. 

6515.  Der  mittelmäze  pflägen  ie  die  wisen.  MSH.   II,    194  *>. 

6520.  Per  lo  soperchio  e  per  lo  poco,  si  corrompono  tutti 
l'arti  e  tutte  le  virtü. 

6524.  Poco  fiele  fa  amaro  assai  mele,  e  un  piccolo  vizio  guasta 
molte  virtudi. 

6529.  ma  antico  peccato  fa  nuova  vergogna.     Vergl.: 
alte  sund  pringt  newe  schäm, 
hör  ich  die  weisen  sagen. 

Wolkenstein  XVIII,  2,  2.  Körte,  Sprichwörter  7261.  Sim- 
rock  10029. 

6530—6541  fehlen  im  ital.  Werke. 

6542-  Avicenna  dice:  chi  vuole  che  tutte  le  cose  gli  pajano 
buone  e  dolci,  usile  rade  volte. 

6551.  Cassiodoro  dice:  chi  non  teme  vergogna,  sarä  sep- 
pellito  vivo. 

6560—6575  fehlen  im  ital.  Werke. 


361 

6578.  chi  non  ha  in  se  onesta,  d'alcuna  altra  virtü  non  si 
dee  ioframettere. 

6587,  Omero  dice:  chi  vuol  scampare  de'  pericoli  del  mondo, 
accompagnisi  con  la  cortesia. 

6602.  Socrate  dice:  [la  nobilta  delle  persone  si  e  solamente 
nel  valoroso  animo.  Ancora :  ]a  gentilezza  ch'  e  prestata,  e  siccome 
lo  specchio,  che  mostra  di  fuori  quelle-,  che  non  e  dentro. 

6625—6931  fehlen  im  ital.  Werke. 

6629.  Vergl.  6639. 

6633  ff.  Die  folgenden  nichtigen  Gründe  erinnern  an  Helm- 
brecht 1129—1171. 

6645.  Vergl.  gein  ritterlicher  hende  biüt  ich  min  hant  sunder 
eren  graete.  I.  Titurel  2981,  2.  so  taet  ich  laster  mere,  daz 
selbe  heizen  fürsten  ere  graete.     J.  Titurel  2983,  2. 

6648.  Vergl.: 

wie  berichtet  der  ein  andern  man, 
der  sich  berichten  nicht  enkan? 


Boner  98,  53. 


6660  ff.  Vergl.: 

Ez  sprach  der  reine  Senecä: 

die  werlt  mit  vride  immer  möhte  sin, 

denn  zwei  Wörter  min  und  din, 

die  machent  angst  und  not 

und  mangen  unmaezlichen  tot. 

Renner  13941. 

zwei  kleiniu  wort  „min  unde  din" 

begunden  sere  werren 

bedenthalp  die  herren.    Wilh.  Orl.  269. 
Vergl.  Freidank  31,    7.  und  W.  Grimms  Anm.   zu  Freidank 
S.  333.     Narrenschiff  83,  42  und  Zarncke's  Anm.  S.  428.    Boner 
34,  11.  14.  —  95,  1. 
6680  ff.  Vergl.: 

man  hiez  iueh  in  dem  ritter  segen 

zühte  und  ere  staete  phlegen, 

witewen,  weisen  alle  zit 

schermen  in  dem  lande  wit, 

da  von  ir  schermaere 

heizet,  ob  ez  waere, 

guoter  liute  durch  got. 

ir  habt  ez  aber  vür  spot: 

swer  iueh  schermaere  hat  genant, 

der  hat  iueh  leider  niht  erkant, 

ir  hiezet  s eher a ere  vil  baz  ff. 

Buch  der  Rügen  1127.  ff. 
6698.  Vergl.  6704.  6733. 


362 

Zarncke  (Haupt's  Zeitschrift  9,  88)  bemerkt  über  diesen  Aus- 
druck: „Gervinus,  Gesch.  d.  poet.  N.  L.  2.  Bd.  S.  382  nennt 
ihn  ein  arges  Schimpfwort,  bringt  ihn  also  mit  mingere  zusammen. 
Allerdings  kommt  bereits  in  Lexicis  des  15.  Jahrh.  vor  Pysse  od' 
saiche  od'  pruntzwasser,  urina  minctura,  und  das  Wort  erscheint 
in  unserem  Gedichte  in  verdächtiger  Nähe  von  Mist  und  Dünger ; 
dennoch  scheint  mir  diese  Deutung  des  Ausdruckes  so  ohne  alle 
Analogie  dazustehen,  dass  ich  mich  bei  derselben  nicht  beruhigen 
möchte.  Tobler  im  appenzeller  Sprachsch  S.  54  führt  an  Bisz  = 
die  Krätze;  Schmidt  im  schwäb.  Wörterbuch  S.  70  eingebissen  = 
stolz,  einbildisch.  Sollte  das  Wort  mit  einem  dieser  zusammen- 
hängen? oder  sollte  man  etwa  gar,  wenn  man  den  regen  Verkehr 
des  südlichen  Deutschlands  mit  Oberitalien  bedenkt,  es  in  Ver- 
bindung bringen  können  mit  dem  alten  Ausdruck,  der  namentlich 
in  Oberitalien  zu  Hause  war,  bezzo  =  Geld,  der  auch  sprich- 
wörtlich mehrfach  in  derselben  Weise  vorkommt,  wie  unser  deutsches 
Pfennig,  und  sollte  vielleicht  auch  das  von  Schmeller  1,  298  an- 
geführte, das  Piessel  =  6  Kreuzer  oder  5  Schilling,  quinarius, 
sich  richtiger  zu  diesem  bezzo  gesellen,  als  zu  dem  französischen 
piece?  Zu  betrachten  ist  jedenfalls,  dass  das  Gedicht  hauptsäch- 
lich gerade  die  Habsucht  des  Adels,  theilweise  auch  den  Geldadel 
im  Auge  hat44. 

6725.  Vergl.  8875. 
6748.  Vergl.: 

niemen  ist  edel  niwan  der  man, 

der  sin  herze  und  sin  gemüete 

hat  gekert  an  rehte  güete. 

Wälscher  Gast  3861. 

hie  bi  möht  ir  merken  wol, 

daz  niemen  edel  heizen  sol 

niwan  der,  der  rehte  tuot.     Wälscher  Gast  3901. 
Vergl.  mittelhochdeutsche  Sprichwörter  9. 

6753.  Vergl. :  und  stinkent  sam  die  bocke.  I.  Titurel  236,  4. 
wanne  er  schmeckt  als  ain  alter  bock.  Keller  altdeutsche  Erzählungen. 
180,  17. 

6754.  Vergl.  6791.  Narrenschiff  5,  20  und  Zarncke's  Anm. 
S.  310.  Grimm,  Wörterbuch  5,  1790,  3. 

6755.  Diese  Erzählung  wird  von  Morolf  berichtet.  Morolf  ed. 
H.  v.  Hagen  S.  55 a.     Simrock's  Dichtungen  S.   152. 

6791.  Vergl.  6754. 

6793.  Vergl.  mittelhochdeutsche  Sprichwörter  9.   10. 

6826  ff.  Vergl.  Wolkenstein  XX,   1,  8  ff. 

6840.  Vergl. :  Nu  stet  etelicher  als  im  ein  spiz  in  dem  rücke 
stecke,  unde  kumt  im  daz  keppelin  oder  der  huot-  niemer  von  dem 
houbte.     Pfi,  gebürenherze,  ungewizzener  lip !     Du    mäht   gein   im 


363 


also    da  gebären,    daz    du    niemer    mer    saelic   wirdest.     Berthold 
457,   16  ff. 

6849  ff.  Ep.  ad.  Philippenses  II,  9,   10. 

6871.  Vergl.  Berthold  348,  9  ff. 

6917.  Jesaias  29,  13. 

61)32.  Genesis   1,   1   ff. 

7028.  Se  tu  vuoi  avere  buona  vita  in  questo  mondo,  e'  con- 
vienti  partire  da'  dolorosi  pensieri,  e  stare  coli'  animo  allegro; 
perche  lo  stato  dell  uomo  secondo  1' animo  si  e  giudicato. 

7064 — 7083.  Chi  sopra  tutte  le  avversita  che  gli  incontrano 
vorra  sempre  pensare,  non  sentira  mai  che  bene  si  sia,  perche 
questo  mondo  non  e  altro  che  miserie;  e  da  Dio  fu  dato  all'  uomo, 
perch'  egli  dovesse  tribolare  e  tormentare  e  portare  pena  de'  suoi 
peccati;  e  imperö  questo  mondo  e  chiamato  valle  tenebrosa,  perch' 
eil'  e  come  la  valle  in  luogo  sottano,  alla  quäle  discorrono  tutte 
le  sozzure  del  mondo;  cosi  e  il  mondo  in  luogo  sottano,  che  sopra 
alla  gente,  ch'  e  al  mondo,  discorrono  tutte  le  tribulazioni,  angosce, 
pene ;  e  stiamo  sempre  in  lutto  e  pianto, 

7091.  Vergl. :  wan  uns  ist  über  den  fülen  mist  der  pfeller 
hie  gespreitet.     Arm.  Heinrich  730. 

7114.  E  imperö  dice  Salomone,  che  gli  uomini  e  le  bestie 
sono  d'una  condicione  e  fine. 

7122 — 7145.  E  1'  ultimo  dolore,  che  l'uomo  sente,  si  e  la 
vecchiezza,  ch'  e  sopra  tutti  gli  mali;  perch'  ella  infiebolisce  il 
cuore,  e  fa  languire  lo  spirito,  e  fa  crollare  la  testa,  e  la  faccia 
crespa,  e  gli  denti  marci,  e  '1  dosso  inchinato,  e  menoma  lo  vedere, 
e  '1  udire  e  1'  odorare,  e  '1  saporare  e  '1  toccare,  e  mutare  lo 
'ntendimento.  L'uomo  vecchio  tosto  crede  e  tardi  discrede;  volon- 
toso  e  a  favellare  e  tardo  a  udire,  ed  e  cupido  e  lamentoso;  e 
sempre  loda  le  cose  antiche,  e  le  nuove  dispregia.  Vergl.  Martina 
124,  67  ff. 

7144.  Vergl.: 

Altiu  dinc  er  gerne  lobet, 

diu  er  den  niuwen  alles  obet, 

der  niuwen  ahtet  er  niht, 

diu  dunkent  in  ein  wiht.     Martina  125,  57  ff. 

7169—7193  fehlen  im  ital.  Werke. 

7181.  Valerius  Max.  VIII,  c.  8,  ext.  §  1.  H.  v.  Mügeln 
Bl.  193  b. 

7206—7271  fehlen  im  ital.  Werke. 

7213  ff.  Aehnliche  Stellen  über  die  Macht  des  Pfennigs 
(Geldes)  s.  Haupt's  Zeitschrift  VI,  303.  MSH.  II,  188  *.  III,  166*. 
Freidank  147,  17.  Renner  685.  18847.  Berthold  365,  7.  Teichner 
44.  148.  228.  291.  Keller,  alte  gute  Schwanke  S.  71.  Keller, 
Fastnachtspiele    III,    1183.    1437.     Narrenschiff    17,    9.     Mittel- 


364 

hochdeutsche  Sprichwörter  112  ff.  In  unverkennbarem  Zusammen- 
hange mit  unserer  Stelle  steht  ein  Spruch  in  der  Kolmarer  und 
Wiltener  Meistersängerhandschrift  (s.  meinen  Bericht  über  letztere, 
Sitzungsberichte  der  k.  Wiener  Akademie  XXXVII,  378),  der 
manchmal  wörtlich  stimmt. 

7253.  Schon  Freidank  sagt: 

.   bringet  der  Endekrist  uns  schätz, 
er  gewinnet  kleinen  widersatz. 
dem  glouben  maneger  widerseit 
durch  des  Schatzes  gitekeit.     172,  14  ff. 
und :  den  fürsten  git  er  alse  vil, 

daz  si  geloubent  swaz  er  wil.     173,  4. 
Reinmar  v.  Zweter: 
Wes  sümestü  dich,  Endekrist, 

daz  du  niht   kumst,    si  al  diu  werlt  so  gar  schazgitig  ist? 
nü  hast  du  doch  ze  gebene,  des  si  da  gert ;  gist  ir,  si  git  sich  dir  ff. 
MSH.  II,  201  b.     Vergl.  Renner   8753  ff.  und  Eezzenbergers 
Freidank  S.  462  ff. 

7269.  Der  pfaff  der  gluot  niht  begert 
al  die  wil  daz  opfer  wert. 

Diutisea  1,  324. 
Quamvis  algescit  et  prebyter  ipse  senescit,  Frigora  non  curat, 
donec    oblatio    durat.     Br.    Seidelius,    loci    communes    proverbiales 
(1572]   121.     Wander,  Sprichwörterlex.  3,  1230. 

„Die  phaffen  die  sint  gitic"  sagt  H.  v.  Melk,  Erinnerung  423 
und  im  Gedichte  „Von  dem  gemeinen  Leben44  heisst  es: 
swer  in  ze  gebene  hat, 
der  mac  tuon  swaz  er  wil, 
daz  er  dehaeine  weis  so  vil, 
mac  getuon  böser  dinge, 
ez  buozen  die  phenninge. 

Wackernagel,  altdeutsches  Lesebuch  (1847)  221,  6. 
Ueber  den  Geiz  der  Priester   vergl.  Wartburgkrieg  (Simrock) 
S.  147.  159.  233.     Berthold  von  Regensburg  S.  304. 
7282.  Sirach  13,  30. 
7286.  Vergl.: 

daz  guot  mac  wol  heizen  guot, 
da  man  mite  rehte  tüot. 

Freidank  56,  13. 
7288 — 7303.  E  perö  dicono  i  Savi,  ch'  eile  non  sono  ree, 
reggendo  la  vita  degli  uomini;  siccome  il  corpo  non  puö  vivere 
senza  1'anima,  cosi  senza  le  pecunie  l'anima  col  corpo  lungamente 
non  puö  durare;  ma  interviene  di  loro,  siccome  si  dice  del  vino, 
il  quäle,  avvegnache  sia  buono  e  utile,  ma  egli  fa  molto  male  nella 
persona  di  colui  che  ne  bee  troppo. 


365 

7327  ff.  che  senza  amici  l'uomo  non  puö  avere  allegrezza, 
ne  buona  vita:  e  imperö  l'altrui  vita  dee  essere  a  noi 
maestra. 

7360.  Vergl.:  Unrehtiu  gaehe  schaden  tuot.  Freidank  116, 
21  und  mhd,  Sprichwörter  76. 

7362.  Del  male  d'altrui  non  ti  allegrare,  perche  il  male  non 
viene  senza  grande  abbondanza  di  male,  e  avviene  a  chi  non  ne 
crede  avere. 

7389 — 7393.  La  Ventura  abbandona  spesse  volte,  ma  la  buona 
speranza  non  ti  abbandona  mai,  ma  datti  buon  conforto  infra  gli 
amici. 

74:12—7429  fehlen  im  ital.  Werke. 

7430  —  7438.  Nessuna  cosa  e  si  matta  come  la  mattezza  del 
villano,  il  quäle  pensa,  che  lo  gridare  gli  sia  utile.  II  biasimo  de' 
rei  uomini  togli  per  uno  grande  lodo.  E'  non  e  alcuno  si  mal- 
vagio  uomo,  che  non  volesse  avere  di  dritto  guadagno  cio  ch'  egli 
ha  di  rio. 

7446 — 7455.  Dice  uno  Savio  della  virtü  della  dirittura,  che 
gli  traditori,  scherani  e  ladri  non  possono  durare  insieme  senza 
alcuna  drittura;  e  quando  alcuno  di  questi  ingannasse  l'altro,  si 
converrebbe  partire  la  compagnia. 

7456—7459  fehlen  im  ital.  Werke. 

7456.  Vergl.: 

Swer  zem  vi  wer  näht  ze  hart, 
der  besengt  dick  sinen  bart. 

Wälscher  Gast  1199. 

7458.  Vergl. :  Wer  sich  under  die  kligen  mischet,  den  ezzent 
diu  swin.     Diutisca  I,  325. 

Swer  sich  menget  under  die  klien, 
den  ezzent  die  swin  under  dem  brien. 

Morolf  II,  307. 

Mischt  du  dich  in  kleien,  dich  fressen  die  seu.  Fastnacht- 
spiele 527,  6. 

7470  —  7477.  ma  quello  della  borsa  puo  ben  fallire,  tanto 
se  ne  puo  trarre;  ma  quello  del  cuore,  quanto  piü  ne  trai,  piü  ne 
truovi.  Vero  e  che  quello  della  borsa  fa  l'uomo  piü  presto  e  piü 
apparecchiato  e  piü  allegro. 

7478—7508  fehlen  im  ital.  Werke. 

7487  ff.  Vita  patrum  III,  §  552.  VII,  3,  1. 

7536—8510  fehlen  im  ital.  Werke. 

7536  ff.  Vita  patrum  V,  4,  7. 

7603.  Ev.  Johannes  3,  8.     Deutsche  Mystiker  II,   28,   11. 

7662—7693.  Ueber  die  neun  Chöre  der  Engel  vergl.  Dionysius 
Areopagita,  de  coelesti  hierarchia  c.  6 — 10.     Passional  H.  S.  339, 


366 

55  ff.     Deutsche  Mystiker  I,  209,   13.     Berthold  von  Regensburg 
nennt  zehen  Chöre   141,  6  ff. 

7694.  In  ähnlicher  Weise  eifern  Berthold  von  Regensburg 
264  ff.  530  ff.  und  Geiler  von  Kaisersberg  in  seiner  Emeis  gegen 
den  Aberglauben.  Vergl.:  Zur  Geschichte  des  Volksaberglaubens 
im  Anfange  des  XVI.  Jahrhunderts.  Aus  Dr.  Joh.  Geilers  von 
Kaisersberg  Emeis.     Herausgegeben  von  Aug.  Stöber,  Basel  1855. 

7731.  Ueber  Pfeilsegen,  s.  Anzeiger  für  Kunde  deutscher 
Vorzeit  1,   166.     Haupt's  Zeitschrift  11,  35.     Panzer  2,  277. 

7732.  Vergl.  Wuttke,  Volksaberglaube  §  186.  207.  Panzer 
2,  271.  Alpenburg,  Mythen  S.  253.  Schönwert,  Aus  der  Ober- 
pfalz 3,  47. 

7738.  Ueber  Erodiana  vergl.  Grimm's  Mythol.  260.  599.  885. 
1011  und  I.  Aufl.  XXXIV.  Simrock's  Myth.  193.  195.  199. 
352.  454.  Wolfs  Beiträge  zur  deutschen  Myth.  I,  8.  86.  89. 
142.  198.     Wolfs  Zeitschrift  I,   102.  319. 

7739.  Grimm's  Myth.  260  ff.  885.  902.  1008.  1114  und 
I.  Aufl.  XXXIV.  Simrock's  Myth.  193.  353.  Wolfs  Beiträge  1,  186, 

7741.  Vergl.  Wuttke  §  714.  Quitzmann,  die  heidnische  Re- 
ligion der  Baiwaren  29.     Alpenburg,  Mythen  357. 

7743.  Vergl.  Grimm's  Myth.  1045.  Panzer  2,  272.  Emeis 
(Stöber)  39.     Soldan,  Geschiente  der  Hexenprozesse  95. 

7745.  Vergl.  Keller's  Fastnachtspiele  1372.  Simrock's  Myth. 
420.    Panzer  2,  257.  262.    Zingerle,  Sagen  468.    Quitzmann  285. 

7746.  Vergl.  Grimm's  Myth.  1098.  Simrock's  Myth.  510. 
Zingerle,  Sagen  468.     Quitzmann  286. 

7747.  Vergl.  Keller's  Fastnachtspiele  1372.  Quitzmann  74. 
Haupt's  Zeitschrift   17,  430 

7750.  Vergl.  Panzer  2,  257.  Quitzmann  270.  Grohmann  42. 
Wuttke  §  325. 

7752.  Wuttke  §  309.  Quitzmann  28Q.  Curtze,  Volksüber- 
lieferungen 418. 

7754.  Vergl.  Wuttke  §  547  ff.  Alpenburg,  Mythen  265. 
Schönwert  1,   125. 

7757.  Panzer  2,  262.     Quitzmann  284. 

7758.  Vergl. :  So  gent  eteliche  mit  boesen  batönjen  umbe  unde 
mit  boesem  zouberlehe  umbe,  daz  si  waenent  eines  gebüren  sun 
oder  einen  kneht  bezoubern.  Berthold  264,  28.  Du  solt  niht 
geloben  an  die  bataenien.  Wackernagel,  altdeutsche  Predigten  42,  7. 
Daz  kraut  suochent  die  zaubraer  gar  vil  und  sprechent,  daz  ez  ain 
kraft  hab  zuo  wärsagen,  wenn  man  ez  beswer,  als  man  schol.  und 
zwar,  ich  waiz  ain  mairinn,  diu  vil  mit  dem  kraut  würkt  und  gar 
wunderleicheu  dinch.  Megenberg  386,  29.  batonje  so  ist  ez  genant 
und  grabent  altiu  wip.  Neidhart  187,  4.  Grimm's  Myth.  1159. 
I.  Aufl.  XLI.     Wolf,  Beiträge  1,  249. 


367 

7759.  Ein  Eisvogel  (Alcedo  hispida)  im  Käfig  gehalten,  ist 
ein  Glücksgeist  für  das  Haus.  Wuttke  §  164.  Grohmann,  Aber- 
glauben S.  64.  Vergl.  auch  Wolf,  Beiträge  1,  249.  Lonicerus, 
Kräuterbuch  684.     Panzer  2,  261. 

7760.  Vergl.  Grimm's  Myth.  376  ff.  Simrock's  Myth.  441. 
Wuttke  §  131.  Panzer  2,  260.  272.  Wolf,  Beiträge  I,  233.  235. 
Grohmann,  Aberglauben  S.  88.     Quitzraann  27. 

7761.  S.  Grimm's  Myth  250  ff.  Simrock's  Myth.  368. 
Wuttke  §  23.  24.  Quitzmann  111  ff.  Zingerle,  Sitten  S.  127. 
128.  186.  Zingerle,  Sagen  S.  16—19.  409.  465.  Alpenburg, 
Mythen  46  ff.  Landsteiner,  Reste  des  Heidenthums  34  ff.  W. 
Menzel,  deutsche  Dichtung  I,  133.  145. 

7764.  So  geloubent  eteJiche  an  boese  hantgift.  Berthold  264, 
28.     Der  gloubet  an  handgift.    Berthold  530,  6. 

7767.  Keller's  Fastnachtspiele  1372.  Wuttke  §  66  ff.  Quitz- 
mann 289.  Zingerle,  Sitten  S.  200.  285.  Zingerle,  Sagen  468. 
Leoprechting,  aus  dem  Lechrain  212.  Wolfs  Zeitschrift  2,  357. 
Panzer  2,  262.  263.  284. 

7770.  So  geloubent  eteliche  an  boesen  aneganc:  daz  ein  wolf 
guoten  aneganc  habe,  der  aller  der  werlte  schaden  tuot.  Berthold 
264,  21.  Grimm's  Myth.  1079.  IOöO.  Simrock's  Myth.  510. 
Wuttke  §  271.     Quitzmann  287.     Panzer  2,  259. 

7772.  Schon  Berthold  predigt:  so  ist  dem  der  hase  übern 
wec  geloufen  265,  4.  Vergl.  Grimm's  Myth.  1079.  1080.  Sim- 
rock's Myth.  510.  Wuttke  §  270.  Wolfs  Beiträge  1,  231.  Quitz- 
mann 287.     Panzer  2,  295.     Emeis  (Stöber)  49. 

7773.  Panzer  2,  257.  Grimm's  Myth.  I.  Aufl.  XXX.  XLIV. 
Rochholz,  Naturmythen  232. 

7776.  Schon  Berthold  eifert  öfters  gegen  Zauber  mit  heiligen 
Hostien  206,  21.  355,  22.  547,  16.  Vergl.  Wuttke  §  193. 
Grohmann   149. 

7778.  Panzer  2,  258.  Kuhn,  westfälische  Sagen  2,  205. 
Wolf,  Beiträge  1,  255.  Meier,  Sagen  519.  523.  Temme,  Sagen 
von  Pommern  343.     Zingerle,  Sagen  468.     Grohmann  S.   168. 

7779.  Wuttke  §  130.  Quitzmann  247.  Panzer  2,  283.  304. 
Zingerle,  Sitten  107  ff.  Wolf,  Beiträge  1,  235.  Meier,  Sagen 
251.     Panzer  2,  283.     Kuhn,  nordd.  Sagen  458. 

7781.  Vergl.  Schönwert  2,  126.  3,  183.  Vonbun,  Beiträge 
93.     Grimm's  Myth.   1026-     Wuttke  §  216. 

7783.  Schönwert  1,  133.  2,  80. 

7787.  Zingerle,  Sitten  147.  Vernaleken,  Mythen  313.  315. 
Wuttke  §   196.     Reinsberg,  das  festliche  Jahr  98. 

7789.  Vergl.  Wuttke  §  107,  §  444.  Grimm's  Myth.  1118. 
Temme,  Volkssagen  Ostpreussens  284.  Rochholz,  deutscher  Glaube 
II,  165  ff. 


368 

7791.  Wuttke  §  217.  Zingerle,  Sitten  64.  Müllenhof,  Sagen 
224.     Lütolf,  Sagen  225.     Grimm's  Myth.  1025. 

7793.  Vergl.  Schönwert  3,  208.    Wuttke  §  184. 

7795.  Beibis  ist  pipöz,  bibes,  Artemisia  vulgaris.  Vergl. 
Grimm's  Myth.  1161.  Wuttke  §  137.  Grimm's  Wörterbuch  1, 
1370.  Lonicerus,  Kräuterbuch  343.  Wolfs  Zeitschrift  2,  172. 
Schiller's  Kräuterbuch  1,  15. 

7797.  Ueber  Trute  vergl.  Simrock's  Myth.  459.  Leoprech- 
ting  9.  Zingerle,  Sitten  69.  Wuttke  §  402.  Meier's  Sagen  173. 
Vernaleken,  Sagen  395.  Schönwert  1,  208.  211.  Landsteiner, 
Reste  des  Heidenthums  60  ff. 

7800.  Ueber  Alp  vergl.  Simrock's  Myth.  420.  Wuttke 
§  402.     Eibofolke  2,  255.     Kuhn,  westf.  Sagen  2,   18. 

7802.  Ueber  Orke  vergl.  Simrock's  Myth.  398.  Alpenburg, 
Mythen  88.  Staffler's  Tirol  2,  295.  Weber's  Passeier  252. 
Grimm's  Myth.  1.  Aufl.  XXX.     Rochholz,  Naturmythen  96. 

7804.  Grimm's  Myth.  447  ff.  Simrock's  Myth.  422.  Wuttke 
§  45.  47.  402.  Vonbun,  Beiträge  39.  Quitzmann  172.  Schön- 
wert 2,  291.  Birlinger,  Volkstümliches  1,  302  ff.  480  ff.  Meier's 
Sagen  171.  Eibofolke  2,  241.  Alpenburg,  Mythen  269.  Roch- 
holz, Naturmythen   108.     W.    Menzel,    deutsche  Dichtung    I,  118. 

7807.  Vergl.  Stricker's  kleinere  Gedichte  ed.  Hahn  11,  121. 
Helbling  4,  125.  Grimm's  Myth.  1170.  Simrock's  Myth.  516. 
Mhd.  Wb.  22,  616. 

7810.  Vergl.  Wuttke  §  468. 

7811.  Vergl.  Grimm's  Mythologie  I.  Aufl.  XXX.  XXXIX. 
LXXXVIII. 

7815.  Vergl.  Wuttke  §  145.  Alpenburg,  Mythen  261.  391. 
Schönwert  1,  335. 

7817.  Wuttke  §  159.  529.  Grimm's  Myth.  1085.  1.  Aufl. 
LXXVI.     Zingerle,  Sagen  470. 

7819.  Wuttke  §  272. 

7821.  Verbena  officinalis,  Eisenkraut.  Megenberg  S.  424,  9 
schreibt:  daz  kraut  ist  an  kraft  haiz  und  trucken  und  ist  den 
zaubraeren  gar  nütz,  daz  wizzent  die  wol,  die  in  den  netzen  sint 
gewesen,  aber  die  haimleichait  und  ander  schol  diser  gazzenspringer 
niht  wizzen  etc.  Geiler:  Eysenkraut  (Verbena),  das  muosz  man 
graben  an  dem  morgen  vor  der  sonnen  aufgang  mit  gold.  Emeis 
S.  50.  Mehrere  Aberglauben,  die  am  Kraute  haften,  s.  Wolfs 
Zeitschrift  2,  171.     Alpenburg,  Mythen  397. 

7825.  Vergl.  Wuttke  §  125. 

7827.  Vergl.  Grimm's  Myth.  I.  Aufl.  LXXVI,  223. 

7830.  Vergl.  Vernaleken,  Sagen  400.  Panzer  1,  257.  Kuhn, 
westf.  Sagen  2,  49.     Märkische  Sagen  368.     Curtze,   Volksüber- 


369 

lieferungen    384.      Grimm's    Myth.   I.   Aufl.   XXXVH.     Rochholz, 
deutscher  Glaube  I,  176.     Flügel,  Volksmedizin  80. 

7838.  Panzer,  Beiträge  2,  204.  Grimm's  Myth.  1165.  Sim- 
rock's  Myth.  475.  Grohmann  S.  100.  W.  Menzel,  Unsterblich- 
keitslehre 2,  272.     W.  Menzel,  deutsche  Dichtung  1,  216. 

7841.  Des  widhopfen  herz  ist  den  zaubraern  gar  nütz  und 
den  haimleichen  übeltaetigern,  aber  daz  schüll  wir  niht  auzlegen, 
Megenberg  228,  24.  Vergl.  Kuhn,  nordd.  Sagen  461.  Alpen- 
burg, Mythen  386. 

7845.  Vergl.  Simrock's  Myth.  509.  Grimm's  Myth.  1067. 
I.  Aufl.  LXVI. 

7847.  Zingerle,  Sitten  S.  33.     Panzer  2,  260. 

7851.  Grimm's  Myth.  1025.  Zingerle,  Sitten  S.  64.  Leo- 
prechting  14.  Rochholz,  Sagen  2,  167.  17'?.  Kuhn,  norddeutsche 
Sagen  No.  31.  Müllenhof,  Sagen  S.  298.  Wolf,  niederländische 
Sagen  S.  370.  Eibofolke  2,  208.  218.  Schönwert  3,  172.  Wuttke 
§  216.     Landsteiner,  Reste  des  Heidenthums  59. 

7856.  Ueber  an  die  Häle  geknüpfte  Aberglauben  vergl.  Wolfs 
Zeitschrift  3,  312.  Zingerle,  Sagen  471.  —  Vergl.  auch  Grimm's 
Myth.  1118. 

7859.  Vergl.  Vonbun's  Sagen  S.  63.  Wolf,  Beiträge  1,231. 
238.  Zingerle,  Sitten  73.  91.  Grohmann  58.  Wuttke  §  166. 
Kuhn,  nordd.  Sagen  460. 

7865.  Vergl.  Grimm's  Myth.  385.  MSR  2,  248.  Simrock's 
Myth.  332.     Quitzmann   154. 

7869.  Vergl.  Grimm's  Myth.  1181.  Grohmann  128.  129. 
Lütolf,  Sagen  544.  Birlinger  1,  207.  Kuhn's  Zeitschrift  13,  58  ff. 
Kuhn,  nordd.  Sagen  451. 

7871.  Grimm's  Myth.  1074.  1077.  Schönwert  3,  274. 
Russwurm,  Eibofolke  2,  232. 

7876.  Vergl.  Simrock's  Myth.  511.  Grimm's  Myth.  1083  ff. 
1233.     Wolf,  Beiträge  1,  52. 

7881.  Vergl.  Kuhn,  nordd.  Sagen,  Aberglauben  415  und  An- 
merkung hiezu  S.  524.  Wolf,  Beiträge  1,  82.  Strakerjan.  Sagen 
aus  Oldenburg  II,  5.     Rochholz,  Argovia  (1863)  S.  63. 

7885.  Kuhn,  uordd.  Sagen  452.  Zingerle,  Sitten  86.  Bir- 
linger 1,  123.  Russwurm,  Eibofolke  2,  197.  Wuttke  §  274. 
Grimm's  Myth.   1087.   1099. 

7887.  Vergl.  Grimm's  Myth.  I.  Aufl.  LXIX.  Chemnitzer 
Rockenphilosophie  3,  53. 

7889.  Vergl.  Meier,  schwäb.  Sagen  S.  484.  No.  270.  Wuttke 
§  560.     Zingerle,  Sitten  No.   137. 

7891.  Vergl.  Grimm's  Myth.,  I.  Aufl.  CXLVI.  Wuttke 
§  549. 

7893.  Grimm's  Myth.,  I.  Aufl.  CXXXVII.  Wolf,  Beiträge  1, 243. 

Zingerle,  Vintler.  24 


370 

7896.  Wuttke  §  542. 

7899.  Grimm's  Myth.  1023.  Sehönwert  1,  368.  Zingerle, 
Hexenprozesse  7.   18.  40. 

7901.  Grimm's  Myth.  1053.  Wolf,  Beiträge  1,  15.  Panzer, 
Beiträge  2,  295.     Rochholz,  deutscher  Glaube  2,   13. 

7903.  Grohmann  S.  201. 

7908.  Vergl.  Grimm's  Myth.   10341,  I.  Aufl.  XXXIX. 

7909.  Grimm's  Myth.  1040.  Panzer  2,  272.  Vernaleken, 
Alpensagen  No.   105.    Alpenburg,  Mythen  S.  257.    Zingerle,  Sitten 

S.  60. 

7911.  Vergl.  Wuttke  §  188. 189.  Kuhn,  nordd.  Sagen  460.  Ver- 
naleken, Sagen  419.  Grohmann  S.  224.  Chemnitzer  Rocken- 
philosophie 3,   14. 

7915.  Panzer  2,  257.  262.  263.  277.  Grimm's  Mythologie 
I.  Aufl.  XXXVI. 

7916.  Emeis  49  a.  ed  Stöber  50.  Zingerle,  Sagen  469.  Dies 
Pergament,  so  genannt,  weil  es  aus  der  Haut  eines  neugebornen, 
vor  der  Taufe  gestorbenen  Kindes  mit  sonderbaren  Zeremonien  zu- 
bereitet ,  und  mit  gewissen  Zeichen ,  Worten  und  Namen  über- 
schrieben wurde,  war  sehr  gebraucht,  um  die  Liebe  fremder  Per- 
sonen  gegen  sich  zu  erwecken.     Philo,  Magiol.  952. 

7919.  Vergl.  Wuttke  §  157.  512. 

7923.  Grimm's  Myth.  996.  Panzer  2,  296.  Leoprechting 
98.     Vernaleken,  Sagen  415.     Schönwert  3,  216. 

7925.  üeber's  „Arslinggehen"  vergl.  Grimm's  Myth.  1023. 
Zingerle,  Sitten  66.  Alpenburg,  Mythen  261.  265.  üeber  Todte- 
beschwören  vergl.  Schön  wert  3,  200.     Wuttke  §  773. 

7936.  Vergl.  Panzer  2,  279.  Wuttke  §  189.  Grohmann 
39.   224. 

7938.  Grimm's  Myth.  1072.  Eibofolke  2,  101.  Panzer 
1,  266.  2,  257.  Vernaleken,  Mythen  349.  Kehrein,  Sagen  2, 
258.  Zingerle,  Sitten  184.  Schönwert  1,  141.  Temme,  Sagen 
von  Pommern  349.  Ueber  Rauchnächte  vergl.  Innsbrucker 
Phönix  3,  335.  349.  Weim.  Jahrb.  2,  140.  Vernaleken,  Mythen 
344.    Schönwert  1,  312.   Landsteiner,  Reste  des  Heidenthums  36. 

7943.  Vergl.  Wuttke  §  389.     Panzer  1,  262. 

7945.  Vergl.  Wuttke  §  417.  Strackerjan,  Sagen  aus  Olden- 
burg 1,  361. 

7949.  Grimm's  Myth.  282.  1051.  Simrock's  Myth.  458. 
Wuttke  §  150.  Zingerle,  Sitten  S.  65.  Birlinger,  Volkstüm- 
liches 1,  325.  Leoprechting  89.  Schneller,  Sagen  244.  Lütolf 
213.  215.  225.     Müllenhof  227  ff.     Müllers  nieders.  Sagen  179. 

7952.  Zingerle,  Sagen  S.   337. 

7961.  Vergl.  Wuttke  §  443.  Temme,  Sagen  von  Pommern 
348.  349. 


371 

7979.  Vergl.  Alpenburg,  Mythen  371. 

7983.  Emeis  Bl.  47  b.     Stöber  47. 

7989.  Vergl.  Wuttke  §  719.  732.  740. 

7991.  Vergl.  Zingerle,  Hexenprozesse  44.  Kuhn,  westfäl. 
Sagen  2,  191.  Wolf,  Beiträge  1,  257.  Emeis  BL  54b.  Stöber  64. 

7993.  Grimm's  Myth.   1024.     Vonbun,  Beiträge  91. 

7996.  Diese  Legende  wird  öfters  erzählt.  Emeis  37 a.  Stöber 
19.  Selentroist  No.  3.  Frommann's  Zeitschrift  1,  183.  Grimm, 
Myth.  1011. 

8189.  Vernaleken,  Sagen  369.  Leoprechting  171.  Wuttke 
§  85.  373.  448.  Kuhn,  westf.  Sagen  2,  133.  Wolf,  Zeitschrift 
3,  51.  Schönwert  1,  311.  348.  Zingerle,  Hexenprozesse  26. 
Rochholz,  deutscher  Glaube  II,  49.  Landsteiner,  Reste  des  Heiden- 
glaubens 44. 

8196.  Wuttke  §  224.  Flügel,  Volksmedizin  im  Frankenwalde 
24.  Eibofolke  2,  216. 

8198.  Panzer  2,  257.  263.  270. 

8217.  Panzer  2,  307.  Zingerle,  Hexenprozese  29.  Groh- 
mann  82.  210. 

8225.  Gemeint  ist  hier  wohl  der  Weihnachtzelten.  Vergl. 
darüber  Amthor's  Alpenfreund  II,  314  ff. 

8229.  Zingerle,  Sagen  474.     Grohmann  S.  49. 

8233.  Vergl.  Panzer  2,  272.  305.  Lütolf,  Sagen  558.  Emeis 
(Stöber)  S.  50.     Grimm,  Myth.   1069.     Flügel,  Volksmedizin  29. 

8239.  Vergl.  Grimm's  Myth.   1164.    Alpenburg,  Mythen  408. 

8246-8355.  Vergl.  Schönwert  1,  389. 

8464  fi.  Isaias  7,  10. 

8510.  Onde  ciascuno,  che  vuole  perfettamente  favellare,  se- 
condo  che  dice  Albertano,  conviene  si  pigli  esempio  dal  gallo,  il 
quäle  innanzi  ch'  ei  canti,  batte  l'alia  tre  volte. 

8515—8526.  Ancora  si  dee  guardare  nelle  sue  parole  in  due 
principali  cose:  La  prima,  s'  egli  e  irato,  non  dee  favellare;  onde 
Cato  dice:  l'ira  intriga  l'animo,  e  non  lascia  conoscere  il  vero. 
Ancora  si  dee  pensare  l'uomo  se  troppa  volonta  lo  muove  a 
favellare. 

8546  ff.  Imperocche  con  baroni  e  cavalieri  si  dee  parlare  cose 
altissime,  di  signorie,  di  battaglie,  di  cortesie,  di  prodezze,  d'arme, 
di  cavalli,  di  seile,   di  cani  e  d'ogni  altra  gioja  e  diletto. 

8554  ff.  Con  donne  si  dee  contare  di  cose  di  cortesia  e  di 
allegrezza  e  d'amore,  e  di  belle  gioje  e  di  vestimenta,  e  di  cose 
e  di  masserizie. 

8556.  Ueber  Vergissmeinnicht  s.  altdeutsche  Wälder  1,  151. 
Wackernagel's  kleine  Schriften  1,  224.  Die  angehängte  Wurzel 
dieser  Pflanze  soll  die  Buhler  holdselig  und  wert  machen.  Loni- 
cerus,  Kräuterbuch  504. 

24* 


372 

8560.  Con  douzello  si  dee  ragionare  cose  d'amore,  di  cortesia, 
d' allegrezza,  di  belle  cacce,  di  bagordare,  d' armeggiare. 

8564.  Con  religiosi  e  con  persone  vecchie  si  dee  dire  d'one- 
stade  e  di  castitä,  di  temperanza,  di  scienza,  di  santita;  con  per- 
sone di  popolo.  si  dee  ragionare  di  cose,  ch'  appartengono  al  suo 
mestiero. 

8570.  Co'  villani  si  dee  dire  cose  d' arare  e  di  seminare  e  di 
fare  fossati,  di  tagliare  boschi,  di  vigne  e  di  bestiame. 

8574.  Con  matti  si  dee  dire  cose  di  pazzia,  imperocche  a  lui 
non  piace  mai  se  non  cosa  che  si  affa  alla  sua  pazzia,  e  con  per- 
sone tribolate  si  dee  dire  di  pacienza  e  di  temperanza  e  di  misericordia. 

8597.  Vergl.  Sirach  21,   19. 

8600.  Vergl.  Sirach  21,  21. 

8ö05.  Vergl.  Sirach  21,  29. 

8612.  Socrate  dice:  chi  per  se  non  tace,  sara  fatto  tacere 
per  altiüi,  e  sara  meno  apprezzato. 

8636.  Vergl.:  Nam  nulli  tacuisce  nocet,  nocet  esse  loquutum. 

Cato,  ed.  Zarncke  175,  24. 
Swigen  schadet  keinen  tac, 
klaffen  wol  geschaden    mac. 

Deutscher  Cato  133. 

8658.  Santo  Jacopo  dice:  la  natura  degli  uccelli  e  delle  bestie 
e  de'  serpenti,  e  di  tutti  gli  altri  animali,  l'uomo  li  doma  tutti,  e 
la  sua  lingua  non  puote  domare. 

8665.  Vergl.  Grimm's  Myth.  531  ff. 

8676 — 8693.  II  secondo  vizio  si  e  a  non  guardarsi  di  con- 
tendere  con  altrui.  Cato  dice:  con  quello,  che  non  ti  molesta,  non 
contendere.  La  parola  e  data  a  molti,  e  la  sapienza  a  pochi. 
Ancora:  Lasciati  vincere  di  parole  al  tuo  amico,  avvegnache  tu 
possa  vincere  lui. 

8716.  Proverbia  17,  9. 

87-14:— 874:9.  Varo  disse:  chi  a  se  medesirao  contraria,  molti 
troverä  contrariatori. 

8754:— 8759  fehlen  in  den  mir  vorliegenden  Ausgaben  des 
ital.   Werkes. 

8774—8787  fehlen  ebendort. 

8775.  Proverbia  10,  19. 

8778.  Psalmen  140,   3.  4. 

8793.  Vergl.  Boner  91,  50  ff. 

8796.  97  fehlt  im  ital.  Werke.  Vergl.  Boner  91,  63  ff. 
und  über  dies  Sprichwort  Zarnckes  Anmerkungen  zu  Brant's  Narren- 
schiff S.  235  a. 

8802—8806  fehlen  im  ital.  Werke.  Das  faule  Holz,  das 
in  der  Finsterniss  leuchtet,  braucht  auch  Berthold  als  Bild  52,  25. 
250,   23. 


373 

8816.  Im  Traugemundsliede  wird  auf  die  Frage:  „waz  vögele 
ist  äne  zungen?"  geantwortet:  „der  storc  ist  an  e  zun  gen."  Müllen- 
hoff  und  Scherer,  Denkmäler  XL VIII,  3,  5.  4,  4  und  Anmerkung 
S.  487.  —  Unlands  Volkslieder  I,  3,  4.  Wackernagel,  altd.  Lese- 
buch 833.  Vergl.  Simrock,  das  deutsche  Kinderbuch  (1857)  S.  295. 
In  „Caii  Plinii  S.  etc.  Bücher  und  Schriften"  (Frankfurt  a.  M. 
1584)  heisst  es  S.  346:  „Es  wellen  etliche  sagen,  der  storck  sol 
gar  keine  zungen  haben". 

8822.  Sirach  28,  28. 

8829.  Proverbia  14,  32. 

8850.  Sirach  23,  12.  13 

8875.  Vergl.  6725. 

8883.  Sirach  22,  30. 

8890-8957  fehlen  im  ital.  Werke. 

8911.  Proverbia  26,  20. 

8926  ff.  Vitae  patrum  Rosweidi  III,  97,  p.  515.  VI,  3,  17, 
p.  687.  Simrock,  der  gute  Gerhard  und  die  dankbaren  Todten  24. 
Wa  aber  zweier  brüder  weiber  bei  einander  sein,  da  ist  nimer  frid. 
Pauli,  Schimpf  und  Ernst  c.   133. 

8970.  Proverbia  16,  24. 

8979.  Sirach  6,  5. 

8981.  Sirach  40,  21. 

8987.  Proverbia  26,  5. 

9002—9026  fehlen  im  ital.  Werke. 

9017.  Quia  ecce  ego  mittam  vobis  serpentes  regulos,  quibus 
non  est  incantatio.     Jeremias  8,   17. 

9024.  Psalmen  5,   11. 

9028.  Proverbia  3,  34. 

9032.  Proverbia  19,  20. 

9047.  Vergl.: 

Swer  al  die  Hute  äffen  wil, 
der  wirt  vil  lihte  der  äffen  spil. 

Freidank  83,  5. 
wer  alle  menschen  effen  wil, 
der  wirt  vil  licht  der  äffen  spil. 

Boner  No.  36,  41. 

9050-9123  fehlen  im  ital.  Werke. 

9050.  Vergl.: 

Ez  was  ein  Sprichwort  manigen  tac: 

swer  gespotes  gerne  pflac, 

daz  der  ze  gespote  dihet.  Teichner  31. 

Ze  spotte  wirt  vil  gern  der  man, 

der  alzit  nicht  wan  spotten  kan. 

Boner  No.  36,  39. 


374 

9075.  Vergl.  Grimm,  Wörterbuch  II,  354. 
9085.  Vergl.  Wackernagel,  kleinere  Schriften  1,  175.    Mhd. 
WB.  3,  468.     Lexer  2,  510. 
9099.  Vergl.: 

als  wenn  der  apt  die  Würfel  tragt, 
die  brüeder  spilen  all  hin  nach 
zu  lieb  dem  herren  wüester  sach. 

Wolkenstein  XXVI,  32. 
Ludendum  licite  talos  abbate  ferente.   Wander,  Sprichwörter- 
lexikon 1,   17. 

Tessero  tune  licite  decios  abbate  ferente.  Neander  ed.  Laten- 
dorf  p.  53. 

9101.  Vergl.: 

weiz  got,  der  herren  ist  ze  vil, 

vür  war  ich  ez  iu  sagen  wil, 

die  uns  machent  untugenthaft 

mit  ir  untugende  kraft. 

Wä  von  mac  man  niht  vinden  hiute 

also  tugenthafte  Hute, 

also  man  hie  bevor  vant? 

daz  mag  ich  iu  sagen  zehant: 

die  herren  wären  tugenthaft, 

so  liebte  den  andern  ir  tugende  kraft, 

daz  si  vüeren  nach  der  tugent 

beidiu  an  alter  und  an  jugent. 

nu  habent  si  verkert  ir  site, 

ää  müeze  wir  ouch  varen  mite. 

Wälscher  Gast  6277  ff. 
9105.  Vergl.:   Wenne  so  daz  houbet   siechet,   so   ist  al  dem 
libe  we.     MSH.  3,  5*>. 

Wan  siecht  des  houpt  durch  blöden  wank, 
die  glider  werden  alle  krank. 

Wolkenstein  XXVI,  209. 
9112.  Vergl.  9044  ff.  und 

Swaz  man  dem  äffen  vor  tuet, 

daz  tuot  er  nach  und  dunkt  im  guot. 

Helbling  1,  453. 

9129.  I.  Cor.  15,  33. 

9130.  Omero  dice:  la  lingua  dimostra  quel  ch'  e  ascoso 
nel  cuore. 

9184— 9167  fehlt  in  den  mir  vorliegenden  Ausgaben  des 
ital.  Werkes. 

9138.  Vergl.  Freidank  60,  5.  Renner  13970.   MSH.  2,  240b. 

9168  ff.  In  quintecimo  vizio  si  e  a  favellare  troppo  scuro, 
come  fanno  gli  motteggiatori. 


375 

9207 — 9209.  II  guardo  degli  occhi  ncm  teDga  sempre  fermo 
contro  a  quegli  con  chi  egli  favella. 

9214 — 9237.  Non  muova  testa,  ne  spalle,  ne  mani,  ne  piedi, 
ne  alcuna  altra  parte  della  persona,  e  guardi  da  sputare  o  forbirsi 
il  naso  quando  favella. 

9242.  e  non  radoppiare  le  parole  favellando. 

9244—9251.  Poi  de  l'uomo  bene  disporre  la  sua  voce,  im- 
perocche  le  cose  di  grande  affare  altamente  si  denno  proferire  e 
non  troppo  gl  idare ;  e  le  picciole  cose  con  piü  bassa  voce  si 
deono  dire. 

9252.  II  servigio  e  la  misericordia  con  piena  umilta  e  umile 
voce  si  dee  dimandare. 

9258—9263.  Le  novelle  e  le  cose  di  diletto  con  piena  voce 
e  allegro  volto  si  deono  dire  e  contare;  e  sempre  secondo  la  qualita 
delle  parole  si  dee  accordare  la  voce.  E  poi,  alla  fine,  de  l'uomo 
ben  disponere  quello  che  e'  vuole  dire. 

9265 — 9267.  E  l'ambasciate  s'appartiene  partire  in  sei 
p  a  r  t  i. 

9283—9320  fehlen  im  ital.  Werke. 

9283.  Valerius  Maximus  H,  c.  2,  §  5.  H.  v.  Mügeln  Bl.  26 ». 

9357.  Le  novelle,  che  si  contano  per  lo  sollazzo,  non  si  puö 
se  non  per  certo  ordine;  ma  'n  brieve  si  dee  dire,  perche  tutte 
le  cose,  che  sono  brievemente  dette,  si  piacciono. 

9380 — 9389.  Ancora  ti  guarda  da  teuere  lo  guardo  troppo 
fermo  addosso  altrui,  ma  con  alcuno  moderamento  muovi  gli  tuoi 
occhi,  sieche  non  gli  muovi  troppo  tosto ;  e  non  debbi  badare  troppo 
intorno.     E  poi  de  l'uomo  avere  modo  nello  andare. 

9394.  Sirach  21,  23. 

9397.  Alles  folgende  fehlt  im  ital.  Werke. 

9416.  In  ähnlicher  Weise  geissein  schon  Heinrich  von  Melk 
(Erinnerung  319  ff.)  und  Berthold  54.  115.  118.  253  und  besonders 
396  ff.  414  ff.  die  Hochfahrt  und  Kleidersucht  der  Frauen. 

9428.  Vergl.: 

Wir  sehen  ce  gazzen  unt  ze  chirchen 
umbe  die  armen  tagewurchen 
diu  nicht  mer  erwerben  mac, 
si  gelebt  ir  nimmer  guoten  tac, 
si  enmache  ir  gewant  also  lanc, 
daz  der  gevalden  nächswanc 
den  stoub  erweche  da,  si  hin  ge, 
sam  daz  riche  al  deste  baz  ste. 

H.  v.  Melk,  Erinnerung  319  ff. 

Nach  Osw.  v,  Wolkenstein  VI,  49  trug  man  die  längsten 
Schleppen  in  Spanien: 


m 


376 


* 


Zwar  lenger  schwänz  kund  ich  nie  schowen 
an  leonen  noch  an  phaben, 
wann  in  dem  selben  lant  die  frowen 
hinden  an  den  rocken  haben. 
Ueber  den  Unfug  langer  Schleppen  s.  Weinhold,  die  deutschen 
Frauen  in  dem  Mittelalter  441. 
9554.  Vergl.: 

doch  erkennet  der  töre  niht 
sich  selbe,  swie  dicke  er  siht 
in  daz  betrogen  spiegelin. 

Martina  247,  43. 

9564.  Vergl.  Mittelhochdeutsche  Sprichwörter  S.  35. 

9565.  Vergl.  Wander,  Sprichwörterlexikon  3,  742. 
9577.  Ecclesiastes  10,  7. 

9624.  Vergl.  Freidank  108,  27. 

9669.  Richtiger  Pabst  Gregorius  X. 

9670.  Das  Concil  vom  7.  Mai  bis  17.  Juli  1274  ist  hier 
gemeint. 

9672.  Conc.  Lugd.  cap.  XXV.  De  immunitate  ecclesiarum. 
Decet  domuni  Domini  sanctitudo,  decet,  ut  cujus  in  pace  factus  est 
locus  ejus,  sit  cultus  cum  debita  veneratione  pacificus.  Mansi,  sacr. 
conciliorum  nova  collectio  XXIV,  p.  98. 

9675.  Sint  postremo  quaecumque  alia  divinum  turbare  possunt 
officium,  aut  oculos  divinae  majestatis  offendere,  ab  ipsis  prorsus 
extranea,  ne,  ubi  peccatorum  est  venia  postulanda,  ibi  peccandi 
detur  occasio,  aut  deprehendantur  peccata  committi.     Mansi  1.  c. 

9737.  Isaias  22,  15  ff. 

9780.  Vergl. 

armiu  höchvart  ist  ein  spot, 
riche  demuot  minnet  got. 

Freidank  29,  6,  und  Boner  No.  39,  45. 

9795.  Vergl.  Isaias  14,  11.  15. 

9866.  Vergl.  Proverbia  1,  26. 

9996.  Vergl.  Herbort  v.  Fritzlar,  Lied  von  Troja  11225. 
Erec  2815.  Lichtenstein  610,  19.  MSH.  II,  382.  Colmarer 
Meisterlieder  S.  288.  396. 

10094  Vergl. :  Mäze  ist  ze  allen  dingen  guot.  Renner  4793, 
5511.  Diu  mäze  ist  ze  allen  dingen  guot.  Colmarer  Handschrift 
111,  1  und  mittelhochdeutsche  Sprichwörter  99. 


'*% 


Namen -Verzeichniss. 


A. 

Abraham  9771. 

Abrecke  6363. 

Achas  8465,  8468. 

Adam  795,  5341,  5880,  5905, 

7002,  9561. 
Agatho  7537. 
Alcibia  7190. 

Albertus  magnus  6892,  6901. 
Alexander    136,    1227,    1238, 
1243,    1247, 

1725, 

2077, 

2915, 


1719, 

2072, 
2638, 
4743,    4757, 
5816,    5827, 


1266, 
1934, 

2084, 
3772, 
4766, 

5828, 


1693, 
2071, 
2592, 
4504, 
5544, 
5840, 


6474. 
Alexandria  4825. 
Alicus  2156. 
Ambrosius  163,  6297. 
Amene  4039. 
Ameno  5301. 

Amore  868,  871,  875,  885,  898. 
Amulcar  1573,  1580. 
Anastasia  4035. 
Andronico    158,    2933,    5391. 

6437,  Andronicus  1753, 4690, 

9633. 
Anthonius  4819,  4824,   4826. 

4840. 
Aristotiles  150,  367,  377,  567, 

1210,  1250,  1365,  1883, 

2002,  2290,  2523,  2574, 


2581,  2640,  2917,  2927, 
2993,  3046,  3400,  3552, 
3869,  3972,  5490,  5502, 
5598,  6306,  6608,  6615, 
8814,  8997. 

Armoniam  906,  910,  912,  915, 
920. 

Assiria  1554. 

Augustin  217,  305,  371,  797, 
1029,  1079,  1136,  1181, 
1474,  1499,  1510,  1603, 
4494,  4614,  5284.  5668, 
5717,  6202,  9492,  9922, 
9979. 

Augustinus  164,  3420,  3573, 
3664,  3852,  3880,  6324, 
6792,  7206,  8168,  8527, 
8754,  8835,  8842,  8890, 
9727,  9760,  9871,  9908, 
9934,  9941,  9947,  10,006, 
10,014,  10,036. 

Augustus  4819,  4822,  10,004. 

Avicenna  6542. 

Azahel  9999. 

B. 

Babilon  1559,  1567,  9744. 

Babilonia  6298. 

Barbonicus  1300. 

Basilico  157. 

Beda  166,  1428,  3768. 

Berenhart  176,  630,  6156, 6224, 

7383,  8918,  9002,  9572, 

9917,  9967. 


378 


Bersabe  1523,  1531. 

Boecius  178,  7308. 
Braschus  2648. 

a  s,  k, 

33. 

Damascenus  3780,  5252. 

Daniel  6301. 

Darius  4743,  4763. 

David  141,  1312,  1521,  1525, 
1526,  1529,  2560,  5488, 
7244,  7275,  7486,  8609, 
8777. 

Diana  7739. 

Dionisius  851,  4442,  9841. 

E. 

Egipto  6075. 

Elicon  2905. 

Eligisto  1321, 1340, 1346, 1354. 

Ermes    156,  600,  1791,  2986. 

Ermocles  4666. 

Ermogenes  155. 

Erodiana  7738. 

Esau  5287. 

Eva  795,  5880,  5895,  5896, 

5907,  5916,  7003,  9490, 

9651. 

F.  s.  V. 
Gk 

Galienus  152, 4362,  5542,  6522, 
7086. 

Geminus  2199. 

Germanus  7999,  8127,  8156, 

Gilio  3010,  4176. 

Gregorius  164,  1010,  1479, 
2132,  4738,  5480,  5626, 
5650,  5978.  6192,  7996, 
8646,  8664,  9008,  9669, 
9814,  9868,  9881,  10,022. 

H. 

Haimo  6188. 

Hanibal  1572, 1582, 1589, 1822. 


Hans  Vintler  122,  5370,  5761, 

10,091. 

Hispanien  2178. 

Homerio  6587.     Omerius  9130. 


Jason  1854,  1865,  1868,  1873, 

1878. 
Innocencius  5695,  5705. 
Ipocras  153,  772. 
Ipolito  1319,  1322, 1324, 1336, 

1349,  1358. 
Isaias  1314,  8464,  9737,  9741, 

9595    9845. 
Isiderus'l78,  1296,  2654,3762, 

4604,    4683,    4732,    5522, 

5530,    5862,    5870,     6237, 

6650,  9174. 
Isopus  2468,  2478,3340,3695, 

3724,  6344,  8872. 
Ispanien  1581. 

J. 

Jacob  1466,  7275,  8658. 
Jeremias  61,  142,  6917,  8963, 

9016,  9665,  9801,  9818. 
Jeronimus    164,    5948,    6302, 

6354,    7532,    7542,    8964, 

9155,  10,051. 
Jesus  5368. 
Jesus  Syrach  142. 
Johannes   5373,    5725,    5731, 

5751,    5752,    5754,    5756, 

5757,  7602,  10,079. 
Josue  142. 
Judas  5314. 
Jurina  4034. 
Juvenalis  2160,    2616,    3560, 

3776,  6514. 
Juvenale  159. 

O.  .K 

Calphurnus  2181. 
Camillus  3170,  3194. 
Cassiderus   157,    1221,    1415, 


379 


1660,    2022,    2277,    3738, 

6552. 
Cassiodrus  1794. 
Cateline  6360,  6366. 
Catho  151,  1946,  1993,  2452, 

3876,    4597,    4730,    5516, 

.*538,    7518,    8636,    8739, 

9035. 
Cecilia  6057. 
Chartago    1571,    1595,     1600, 

1822,    3574,    3576,    3581, 

3582,    3596,    3606,    3610, 

3619. 
Chriecher  2044,  4773. 
Chrisostomus  166,  9806. 
Christus     1672,    3334,    5471, 

7595,  7722,  8810. 
Coardus  5146,  5182,  5210. 

L. 

Latine  5293. 

Lazarns  4166,  9766. 

Livius  4339. 

Longinus  158, 1647,3428,3564, 

3742,  3770,  5496,  8723. 
Lot  3807,  3815,  3822,   3825, 

3829. 
Lucifer  3271,  3281,  5765. 
Lucius  Emptinatus  5106. 
Lucius  Syla  1802. 

M. 
Macarius    1085,    7488,    7496, 

8927,  8950. 
Macedonia  2916,   4747,   4769. 
Machabeo  5815. 
Macrobius    155,    1117,    3211, 

4133,  6447. 
Marcus   Cassius    2177,    2183, 

2191. 
Marcus   Regulus    3570,    3578, 

3584,    3589,     3592,    3602, 

3617,    3618.    6055,    6061, 

6071. 
Maria   28,    796,    5356,    6905, 

10,154. 


Marsianus  1787,  2604. 
Matusalem  10,002. 
Medea,  1853,  1869. 
Menius  4823,  4827. 
Michel  5316,  5773.  5919. 
Modena  3247. 

Moyses  69,  2357,  2334,  2342, 
7711,  7712,  9752. 

ist. 

Nabuchodonosor  6298. 

O. 

Octaviane  4114,  4122. 

Octavianus  4107. 

Ofidius  151,  470,  1191,  1026, 
1034,  1238,  1451,  1615, 
1679,  1853,  1936,  2440, 
5075,  5086,  5967,  6249, 
6290,  6330. 

Omerius  9130. 

Oracius  4332.  4338,  4362, 
4366,  6241.  8864,  9141, 
9160. 

Orienem  166. 

Origenes  2270,  4282,  5383. 

Osue  6232. 

Otoria  1843. 


Palastin  3174. 

Paulus  175,  363.   1195,  1215, 

2150,    5484,    6287,    6303, 

6849,  8876,  9128. 
Pausanias  4664,  4674,  4679. 
Percht.  7762. 
Peter  1976,  5476. 
Pefrus  Damascenus  5252. 
Pharao  146,  2301,  2305,  2333, 

2340,  2345. 
Philippus  2044,  2056,  4676. 
Physoia    853,   867,   876,   880. 

884,  890,  898. 
Pirrus  4534. 
Pitagoras  152, 1666, 2610, 5998. 


380 


Plato  150,  501,  604,  702,  789, 

1303,  1310,  1634,  1675, 

2008,  2019,  2036,  2285, 

2460,  2656.  2762,  3040, 

3730,  3756,  4507,  4512, 

4513,  4520,  4526,  4857, 

5089,  5276,  5680,  6526, 

6554,  6571.  6598,  8652, 
8750,  9186,  9582. 

Pomegius  7502. 

Priamus  5145,  5211. 

Priscianus  1070,  1433,  4557, 
4847,  8727,  9134. 

Ravenn  8002;  8006. 

Rein  1889. 

Rom  1317,  1595,  1801,  2687, 
2710,  3169,  3580,  3583, 
3589,  3592,  3605,  3611, 
4033,  4331,  4334,  4535, 
4935,  5121,  5549,  6359, 
9302. 

Roma  6379. 

S. 

Salomon  18,  141,  197,  331, 
408,  470,  726,  730,  753, 
756,  767,  776,  785,  806, 
824,  973,  1002,  1174,  1235, 
1483,  1654,  1686,  1927, 
2035,  2152,  2234,  2254, 
2544,  2608,  2629,  2816, 
2832,  2980,  3343,  3346, 
3411,  3710,  3750,  3766, 
4024,  4276,  4399,  4568, 
4594,  4600,  4860,  5375, 
5430,  5455,  5510,  5527, 
5653,  5795,  6259,  6546, 
6311,  6350,  6755,  7114, 
7244,  7304,  7352,  7439, 
8596,  8622,  8679,  8716, 
8774,  8850,  8910,  8970, 
8986,  8992,  9028,  9390, 
9576,  9864,  9987. 


Salustius  154,  781,2508,4855: 
6594,  8831,  9046. 

Samson  4286, 4299, 4315, 4323, 
4324,  4327,  7245,  10,000. 

Scipio  942,  1823. 

Scopia  1735. 

Semiramus  1553. 

Seneca  990,  1018i  1258,  1425, 
1458,  1464,  1955,  1961, 
2004,  2168,  2259,  2450, 
2457,  2630,  2563,  2596, 
2996,  3357,  3418,  3548, 
3668,  3720,  3764,  4164, 
4608,  5072,  5098,  5281, 
5504,  6256,  6538,  6660, 
7036,  7050,  7194,  8697, 
8768,  8782,  9041,  9152. 

Senn  8007. 

Sicilien  4441. 

Sims  2182. 

Simonides  1731,  1734,  1739, 
1742,  1749. 

Sixtus  8765. 

Sobna  9738,  9747. 

Soerates  151, 1438, 1476, 1968, 
1983,  2012,  2470,  2577, 
2614,  2663,  2668,  2684, 
3006,  3558,  4030,  4172, 
4510,  4519,  4522,  5082, 
5506,  5534,  5676,  6512, 
6516,  6580,  6591,  6602, 
7182,  8612,  8683,  8798, 
9038,  9607,  9641. 

Sodoma  3803. 

Sodomiten  6186. 

Syon  5374. 

Syrach  142,  1073,  1164,  1408, 
1782,  1940,  2015,  2548, 
3867,  5462,  5466,  5518, 
7277.  8822,  8978,  9178. 

Syracusa  900,  4417,  6056. 

T. 

Tarenti  9285. 
Tarentum  9315. 


381 


Teifer  1814,  4337,  4357. 
Teopastrus  4501. 

Terencius  159,  1972,  4414, 
8807. 

Tessalia  1737. 

Theodosras  6380,  6531. 

Thomas  210,  251,  283,  456, 
530,  549,  617,  1039,  1186, 
1203,  1382,  1607,  1901, 
2937,  3639,  3693,  4567, 
8349,  8856. 

Thomas  de  Aquino  160,  8247, 
8259,  8278,  8290,  8293, 
8321,  8324,  8329,  8336, 
8354. 

Titus  Quintus  2043,  2054, 

Tolomeus  153,  2568,  3052, 
4280,  5078,  7041,  8540. 

Tramonia  1736. 

Troja  1852,  5142. 

Tulius  150,  489,  692.  1179, 
1243,  1456,  1460,  1507, 
1952,  2028,  2122,  2435, 
2507,  2998,  4160,  4272, 
4412,  4485,  4498,  4611, 
4724,    5041,    5070,    5846, 


5929,    6200,    8533,     8703. 
9362. 
Tuscan  4334. 

TT. 

Urias  1524,  1526,  1533,  1543, 
1547,  1550. 

F.  und  V. 

Faceto   152.     Facetus   1938. 
Valerius    Maximus     171,    941, 

1552,  1570,  1750,  1815, 

2042,  3171,  4439,  4506, 

4531,  4742,  4766,  6054, 

6070,  7181. 
Faro  151,  1440,  1497,  2466, 

3728.  4621,  5279,  6502, 

8744,  8860. 
Vintler  122,  5370,  10,091, 

10,103. 
Virgilius  2447. 

W. 

Wilhelmus  9683. 


Zipern  4533,  5123. 


Wörterbuch. 


abtrünnig    adj.    abtrünnig    8368. 

8377. 
achtet  num.  ord.  der  achte  2321, 
adelar  swm.  Adler  4497. 
alefanz     stm.    Schalkheit,    Betrug. 

0634.6646.  Schmeller  Fr.  1,5 5. 

Mhd.  Wb.  I,  21.  III,  236.  Lexer 

1,36. 
alpeswm.  Alp,  gespentisches  Wesen 

7800.    Mhd.  Wb.  I,  '24.    Lexer 

1,41. 
alters ain    adj.   ganz   allein  4344. 

Mhd.  Wb.  I,  420.     Lexer  I,  44. 
altissimus  Prädikat  Gottes  6900. 

6942.   6996.    Mhd.  Wb.  I,  27. 

Lexer  I,  45. 
altfränkisch  adj.  altfränkisch  3392. 

Grimm  Wb.  I,  2  7 1 .  Mhd,  Wb.  III, 

395. 
amacht  stf.  Ohnmacht  1095.  Mhd. 

Wb.  II,  9. 
anbringen    stv.   muovere,  bewegen 

9183. 
anegeng  stn.  Anfang.   5742.   Mhd. 

Wb.  I,  477.  Lexer  I,  66. 
angel   adv.    genau,    scharf    8695. 

8789.  Schmeller  Fr.  1, 105.  Mhd. 

Wb.  I,  42. 
anfachung  stf.   Anfang,   comincia- 

mento  7386. 
anweiser  stm.  combattitöre,  Streiter, 

Kämpfer  3613. 


ar swm.  l.Adler5726.  5728.  2.  sinn- 
bildlich für  Johannes  Eyangelista 
10150.  3.  Weihe,  nibbio  984. 

arkwanen  swv.  argwähnen  3769. 

arsling  ady.  rückwärts  ,  verkehrt, 
7926.arslingin  7940.  Schöpf  19. 
Schmeller  Fr.  I,  148. 

artig  adj.  artig,  entsprechend,  gut 
9485.  9496.  Mhd.  Wb.  I,  51. 
Lexer  I,  682. 

asch  swm.  Asche  7094. 

ast  stm.  Laster,  yizio  (!)  1136. 
1138. 

aufenthaltung  stf.  a.  gehaben,  so- 
stenere,  ertragen,  aushalten4383. 

aufsatz  stm.  Aufgeld,  Aufschlag, 
Zins  6809.  Grimm  Wb.  1,  718. 
Schmeller  Fr.  IT,  342. 

aufstroben  swv.  aufsträuben,  em- 
porstehen 4582.  Grimm  Wb.  I, 
754.   Mhd.  Wb.  II2,  702. 

auswende  adv.  auswendig,  aussen 
10010. 

affel  stm.  die  eiternde  Materie  in 
Geschwüren  7986.  Schöpf  5. 
Schmeller  Fr.  1,40.  Hintner,  Bei- 
träge zur  tir.  Dialektforsch- 
ung 7. 

B.  P. 

paidesam  adv.  utramque  3847. 
pagein  swf.  Begine,  Laienschwester 

9477.  Lexer  I,  145.    Schmeller 

Fr.  I,  215. 


383 


palas  stm.  für  tempio  gebraucht 

4315.  4323.  4325. 
palm  swf.  Blüthenkätzchen  der  am 

Palmsonntage    geweihten    Wei- 
denzweige  7788.    Schöpf  485. 

S,  Anmerkung  zu  V.  7788. 
palmtag  stm.  Palmsonntag  7788. 
pankart  stm.  Bastard  4243.  Lexer 

I,  120.   Schöpf  29. 
pargamast  stm.  Dolch  aus  Bergamo, 

BergamaskerKlinge42 16.4218. 

4238. 
pärmecleichadv.  Erbarmen  erregend 

3409.  Mhd.  Wb.  I,  59, 
partier  stf.  Theil,  in  sechs  p„  in  sei 

parti  9266. 
partierung  stf.  Theil,  in  fünf  par- 

tierung,  in  cinque  parti  9341. 
pärting stm.  barbatus  793 1 .  Schmel- 

ler  Fr.  I,  283.  Mhd.  Wb.  I,  90. 

Lexer  I,  197. 
patonike   swf.  Schlüsselblume,  pri- 

mula  7758.    Mhd.  Wb    I,    93. 

Lexer  I,  35.  S.  Anm. 
pause  swf.  Pause,  Rast  9238. 
bech  s.  bek. 
becken  swy. stechen,  picken  6317. 

Mhd.  Wb.  I,  115.  Lexer  I,  265. 
bedenknus   stf.  memoria,  Gedächt- 

niss  2509. 
begarbe  adv.  ganz  und  gar,  völlig 

2977.  Mhd.  Wb.  I,  480.  Lexer 

I,  144. 
begegen  swv.  begegnen  2832. 
beger  stf.  Verlangen  3041. 
begirung  stf.  Begehren,  Verlangen, 

concupiscenza    399.    522.   551. 

582,  cupidigia  2123. 
behaltunge  stf.  Erhaltung,  Bewah- 
rung 8908. 
behangen  stv.  hangen  bleiben  4925. 

Mhd.  Wb.  I,  609.  Lexer  I,  150. 
bejagen    swv.    erjagen,    gewinnen 

6725.  8875. 
beibis  stm.  vermuthlich  Beifuss,  ar- 


temisia  vulgaris  7795.  S.  An- 
merkung. 

peichten  swv.  sich  p. beichten, con- 
fessarsi  8252.  8294. 

pein  stf.  Biene  2466.2948.2952. 
2961.  2965.  2967.  2970. 

pein  stf.  Busse,  penitenza  7386. 

peinen  swv.  peinigen,  quälen  9872. 

peinung  stf.  Betrübniss,  afflizione 
355. 

peinvass  stn.  Bienenfass,  Bienen- 
korb 2959. 

peitig  adj.  zaudernd,  zögernd  4674. 

bechorung  stf.  Versuchung  7679. 
Mhd.  Wb.  I,  830.  Lexer  I,  168. 

bechrenken  swv.  kränken,  betrüben 
3569. 

pelzen  swv.  propfen  8572.  Mhd. 
Wb.  I,  103.  Lexer  I,  176. 

benotung  stf.  Zwang,  forza  1484. 
1506 

beredung  sf.  Verteidigung,  difesa 
2988. 

pern  stv.  refl.  zum  Vorschein  kom- 
men, wachsen  762.  763.  2142. 
3642.  3646.  Mhd.  Wb.  I,  137. 
Lexer  I,  195. 

besacben  swv.  besorgen,  vorsehen 
9772.  Mhd.Wb.  III,  282.  Lexer 
I,  200. 

beschaffen  stv.  erschaffen  6934. 

beschaiden  adj.  vorsichtig,  provve- 
duto  1463. 

beschönen  swv.  beschönigen,  colo- 
rare  3874. 

beschönung  stf.  Beschönigung,  co- 
lore  3974-  4019. 

pesser  adj.  grösser,  maggiore  4172. 

pessern  swv.  strafen,  punire  1681. 
2986.  3821.  Mhd.  Wb.  I,  95. 
Lexer  1,261. 

pessrung  stf.  Strafe  1763. 

bestäten  swv.  befestigen ,  bekräf- 
tigen 437.  Mhd.  Wb.  IL2,  610. 
Lexer  I,  225. 


384 


pet  stn.  Bitte  9330. 

betrüebnus  stf.  Störung,  turbamento 

1370. 
betumbelt  adj.  betäubt,    attonitus 

2064.      Mhd.   Wb.    III,    1030. 

Lexer  1,245. 
betungen  swv.  düngen  6720. 
peunt   stf.    Gehege,   Pferch    9809. 

Mhd.  Wb.  I,  180.  Lexer  I,  289. 

Schöpf  493. 
bevesten  swv.  befestigen,  raffermare 

2639. 
bevilde  stf.  Begräbniss  9770. 
beviln,  bevillen  swv.  impers.  mich 

beviltein  dinc,  mir  wird  dessen 

zu  viel,  es  verdriesst  mich.   331. 

2875.  2877.  7579.  Mhd.  Wb. 

III,  314.  Lexer  I,  249. 
beforschen  swv.  erkundigen,  diman- 

dare  1947. 
bewär   stf.   Beweis,    Entscheidung 

5636. 
bewären  swv.   bewähren,  als  wahr 

aussagen  5808. 
bewärnuss  stf.  Beweis  9351. 
bezigen  part.  beschuldigt,  bezichtigt 

6061. 
pirin  stf.    Bärin   2833.    Mhd.  Wb. 

I,  104.  Lexer  I,  281. 
pirmet  stn.    Pergament  7915.    S. 

Anmerkung, 
pisedelman  stm.  6733.  pisedelleut 

6698.  6704.   S.  Anm. 
pitten  stv.  begehren,  suchen,  diman- 

dare  9252. 
pläen  swv.  blähen,  auftreiben  6219. 
plödichait  stf.    Schwäche,  fievolezza 

4385. 
pluetvergiez    stn.      Blutvergiessen 

1053. 
plunder  stm.  Geräthe,  Kleider  5171. 

7495.  9430.  9538.  9543. 
port  stm.  Theil,  parte  4272. 
pot  stn.  Gebot,  Befehl  5902.  5917. 

9752. 


povel  stm.  Volk,  pöpolo  901.  2301. 
3881.  4776.  4783.  5562. 

prasem  stm.  1 .  Gaumen :  da  gustare, 
che  e  nella  bocca,  und  als  das 
chosten  mit  dem  prasem  224.  2. 
Gestank  4631. 

prawen  stv.  machen,  bereiten  524, 
9425.  Mhd.  Wb.  I,  260.  Lexer 
I,  357. 

prehen  stn.  Glanz,  Schimmer  9952. 
Mhd.  Wb.  I,  235.  Lexer  I,  346. 

prein  stm.  Brei,  Mus  9075. 

preise  stf.  Einfassung  von  Kleidungs- 
stücken 9446.  9448.  Mhd.Wb. 
I,  255.  Lexer  I,  354.  Schöpf 
516. 

prest  stm.  1.  Seuche,  pistolenza 
2329.  7195.  2.  Fehler,  vizio 
9191.  widerwärtiger  prest,  con- 
trario vizio  3971.  4845. 

pruechstf.  kurze  Hose  7991.  9464. 
9466.  Mhd.  Wb.  I,  270.  Lexer 

I,  368. 

psalterie  stf.  ein  besaitetes  Ton- 
werkzeug 8  9  8 1 .  Mhd.  Wb.  II.  5  4 1 , 
Lexer  II,  304. 

pfäffin  stf.  Concubine,  Hexe  7875. 
7935.  Mhd.Wb.  II,  474,  Lexer 

II,  234. 

pflicht  stf.  in  seiner  pflicht,  in 
se  4849.  in  ainer  pflicht,  in 
einer  Richtung  9207. 

C.  s.  K. 

r>. 

danknemichait  stf.  Beschenkung, 
gratificazione  5538. 

dären  swv.  verletzen,  schaden :  s  o 
wurde  er  sich  dären  zwi- 
schenir  paidergesellschaft, 
si  converrebbe  partire  la  compa- 
gnia  7453.    Mhd  Wb.  III,   14. 

degen  stm.  Held  5830.  9964. 

degenchint  stn.  Knabe  3848. 

deihen,  teihen  stv.  langsam  gehen, 


385 


schleichen  6715.  Mhd.  Wb.  III, 
34.  Schmeller  Fr.  1,482.  Grimm 
Wb.  II,  906. 

dencie  gen.  pl.  dentium  10042. 

deubhait  stf.  Diebstahl,  Stehlen 
8408. 

diech  stn.  Oberschenkel,  costa987. 
Mhd.  Wb3  I,  324.  Lexerl,  423. 
Schöpf  81. 

diet  stf.  Volk  341.  10119.  Mhd. 
Wb.  I,  325.  Lexerl,  430. 

divier  (?),  Abtheilung  6267. 

drangen swy.  drängen  5713.  Mhd. 
Wb.  I,  396.  Lexer  I,  459. 

drat  adv.  eilig,  schnell  2800.  2818. 
3841.  4075.  4472.  4782  u.  ö. 

drischübel  stm.  Thürschwelle  7790. 
7898.  Mhd.  Wb.  I,  396.  Lexer 
I,  465.  Schmeller  Fr.  I,  5  70. 
Schöpf  9 1 .  Vergl  Rochholz,  deut- 
scher Glaubeil,  158 — 166. 

drivalt  stf.  Dreieinigkeit  10163. 

drowung  stf.  Drohung  9832. 

drum  stn.  Ende,  Anfang  10071. 
Mhd.  Wb.  I,  391.  Lexerl,  471. 

durch  präp.  mit  Gen.  wegen,  ver- 
möge 451.  510.  2916.  4166. 
4318.      Grimm  Wb.    II.    1571. 

durchfrässig  adj.  gefrässig  5259. 

durftstf.Bedürfniss,  Not.  81 5. 1895. 

E. 

ecken  swv. riechen  9237.  Schmeller 
Fr.  I,  33. 

edel  stf.  edle  Abstammung,  edles 
Benehmen,  gentilezza  6604. 
6612.  9518. 

edelchait  stf.  1.  Adel,  nobilta  6602. 
6614.  2.  edles  Benehmen,  Höf- 
lichkeit, gentilezza  6473.  6501 . 
6598. 

ediing  stm.  Sohn  eines  Edelmannes 
9685. 

eilung  stf.  Eile,  Hast  2784. 

eisen  adj.  schrecklich,  furchtbar 
Zingerle,  Vintler. 


7762.  Vergl.  Grimm  Mythologie 

255. 
eisleich   adv.   schrecklich,  abscheu- 
lich 3272.     Mhd.  Wb.  I,   411. 

Lexer  I,  512. 
eisvogel  stm.    alcedo  hispida  7759. 

S.  Anm. 
eiteler    stf.    Ruhmsucht,    Eitelkeit, 

vanagloria  4578.  4590.  4624. 

4653. 
eitelerig  adj.  prahlerisch,  eitel,   va= 

naglorioso  4598. 
eifernstn.  Eifersucht,  gelosia3658. 
eifrer    stm.    Eifersüchtiger ,    geloso 

3684. 
eifrung  stf.  Eifersucht,  gelosia  1409. 

3676.  3777. 
elbe  swm.  Elbe,  Elfe  7802. 
demente  swm.  Element  749. 
ellenpng  stm.  Ellenbogenleist,  eine 

Pferdekrankheit  7870. 
ellent  adj.  fremd,  pellegrino  1642. 
elsenpaumstm.  prunuspadus  7816. 

S.  Anm. 
einzig  adj.  emsig,  betriebsam,  solle- 

cito  2528.  2532. 
emzikait   stf.    Emsigkeit,  Sorgfalt, 

sollecitüdine  2649.  2656. 
endleichait  stf.  Tapferkeit,  prodezza 

4138.  Lexerl,  551. 
ene  swm.    Grossvater  6794.    Mhd. 

Wb.  I,  37.  Lexer  I,  65.   Schöpf 

465. 
ener,  ene  pron.  jeuer,  jene  3109» 

6794.  8620.  9557.  Vgl.  Wein- 
hold, baier.  Grammatik  §  253. 
engagen   adv.   entgegen,    zugegen. 

wenn  ander  leut  sind  engagen,  in 

altrui  presenza  2288. 
enplanden  stv.refl.  überdrüssig  wer- 
den, satt  bekommen  4482.  Mhd. 

Wb.I,  197.  Lexer  I,  545. 
enpfor  adv.  im  voraus,  zuvor  9422. 

9512.  9547.  Mhd.  Wb. III,  447. 

Lexer  I,  565. 

25 


886 


entpintung  stf.  Lösung,  Erklärung 
792. 

enwicht  stn.  Nichts,  es  ist  en- 
wicht  ist  Nichts,  taugt  nicht 
2902.3300.3670.3762.4141. 
4871.  u.  ö.  Mhd.  Wb.  111,651. 
Lexer  II,  97. 

erarnen  swv.  einärnten,  erwerben, 
erlösen  2848.  8100.  Mhd.  Wb, 
I,  61.  Lexer  I,  606. 

erbärekleich  ady.  anständig,  ehrbar 
6448. 

erberig  adj.  ehrbar,  ehrenhaft  9222. 

erberchait  stf.  Ehrbarkeit,  onesta 
6443.  6462.  6466. 

erge  stf.  Bosheit  4515. 

ergeben  stv.  begeben  4102.  —  adj. 
der  sich  in  den  Orden  begeben 
hat,  conversus  3947. 

erhellen  swv.   ertönen  3750. 

erchomen  swv.  erschrecken,  in 
Furcht  kommen  3063.  Mhd.  Wb. 
I,  905.  Lexer  I,  644. 

erkücken  swv.  neu  beleben,  an- 
fachen 8977.  Mhd.  Wb.  I,  893. 
Lexer  I,  662 

erleucht  adj.  erlaucht,  illustris  4671. 

erlösung  stf.  Erklärung  721. 

erschellen  swv.    erschallen  5751. 

ereschend  stf.  Schändung  der  Ehre 
7199. 

ersamkait  stf  Ehrbarkeit,  Sittsam- 
keit, onesta  6576.  6614. 

ertreiche  swh.  Erde  2137. 

ertsnitstm.  Erdschnitt,  ausgeschnit- 
tene Erde  zu  zauberischen  Ge- 
bräuchen 7811. 

erfolgen  swv.  refl.  erfolgen,  sich  be- 
geben, zutragen  1598. 

erwegeu  swv.  bewegen,  erregen, 
muovere243. 1486. 1517.1540. 
1721.  1725.  Mhd.Wb.IH,643. 
Lexer  I,  697. 

erwirdichait  stf.  Ehrfurcht,  riverenza 
5519. 


erzünden  swv.  anzünden,  in  Brand 
stecken  1519.  7650. 

espron.Ihr,  vos  8032.  8036,  8038. 
8042.  8054.  8061.  Weinhold, 
baier.  Gramm.  §358.  Schmeller, 
Mundarten  186.  189.  Schmeller 
Fr.  I,  159.  182.  Schöpf  109. 

F.  s.  V. 

Gh 

gäbe  adj.  angenehm, lieb  8655.  Mhd. 
Wb.  I,  509.  Lexer  I,  721. 

gach  adj.  schnell,  voreilig,  ungestüm 
7360.  mir  ist  gach.  ich  habe  Eile 
3085.5841.5852.5908.6047. 
9117.  Mhd.  Wb.  I,  453.  Lexer 
I,  722. 

gäch  stf.   Eile,  fretta  2660.  7361. 

gachschepfe  swf.  Norne,  Schick- 
salsgöttin. Vergl.  Grimm's  Myth. 
379.  385.  Pf.  Germania  1,238. 

gadem  stn.  einstöckiges  Haus,  Ge- 
mach 7592.  Mhd.  Wb.  I,  455. 
Lexer  I,  723.  Schöpf  166. 

gagenhait  stf.  Gegenwart  2452. 

gähes  adv.  schnell,  plötzlich  1100. 

gaisten  swv.  geistig  wirken  7603. 
Mhd.Wb.  I,  497.  Lexer  I,  799. 

gam  s.  gaum. 

gamalia  stf.  weibl.  Kameel,  cam- 
mella  5063. 

gämleich  adj.  spasshaft,  thöricht 
7141.  Mhd.  Wb.  I,  461.  Lexer 
r,  844. 

gauch  stm.  Thor  7528. 

gaugkeln  swv.  Zauberei,  Gaukel- 
possen treiben  7780.  Mhd.  Wb. 
I,  540.  Lexer  I.  1060. 

gaum  stf.  Aufmerken ;  gaum  nemen 
eines  dinges,  Acht  darauf  haben, 
wahrnehmen  2807.  3297.5342. 
5702.  gam  n.  6457.  Mhd.  Wb. 
I,  559.  Lexer  I,  1061. 
gepreste  swm.  Fehler.  Mangel  187. 
gedeuten  swv.  erklären,  sagen  1816. 


387 


geding  swm.  stn.  Gedanke,  Zuver- 
sicht 4899.  5485.  Mhd.  Wb.  I, 
339.  Lexer  I,  772. 

gedon  stn.  Mühe,  Qual  1390.  Mhd. 
I,  380.  Lexer  I,  773. 

gedon  stn.  Gesang,  Getöne  5337. 

gegeben  stv.  geben  863.  1532. 

gcgenwürtichait  stf.  Gegenwart 
7376. 

gehaimer  stm.  Vertrauter  4040. 
4066. 

gehörd  stn.  das  Hören,    udire  222. 

gehören  swv.  hören  9954. 

gehorsam  stf.  Gehorsam,  ubbidienza 
3913.  5413.  7578.  9491. 

gehörung  stf.   Gehör,  Hören  9970. 

gehürne  stn.  Gehörne,  Geweihe, 
teufe  1  ich  s  gehürne,  cosa 
diabolica.  Vielleicht  statt  gehürme 
stn.  impugnatio,  vexatio.  Lexer 
I,  795. 

gelaich  stn.  Betrug,  inganno 
3724. 

gelaichen  swv.  betrügen,  ingannare 
2484.  3998.  6253.  Mhd.Wb.I, 
960.   Lexer  I,  808. 

geleben  swv.  leben  742. 

geleich  adj.  ähnlich,  gleich;  substan- 
tivisch, das  Gleiche,  Aehnliche, 
Seinesgleichen  4109.  5400. 
5604.  9469.  Mhd.  Wb.  I,  972. 
Lexer  I,  813. 

geleichsenhait  stf.  Heuchelei,  ipo- 
crisia  4577.  4608.  4618. 

gelimpfen  stn.  Nachsicht,  Milderung 
1959.  Mhd.  Wb.  I,  999.  Lexer 
1, 8 1 8  .Wolkenstein  LXXII,  1,18. 

gelle  swf.  Nebenbuhlerin,  Kebsweib 
8954.  Mhd.  Wb.  I,  428.  Lexer 
I,  821. 

gelogen  swv.  läugnen,  negare  584. 
Mhd.  Wb.  1, 1027.  Lexer  I,  824. 

gelt  stm.  Einkommen,  Rente  2544. 

gelübniss  stf.  Versprechen,  Gelübde 
4215. 


gemächelein  stn.  dem.  Gemahl  5938. 

Wolken  stein  CXVIII,  4,  5. 
gemachsam  adj.  bequem,  gemäch- 
lich 8402. 
gemait  adj.    froh,   vergnügt,  keck 

966.  973.  1867.  4725.   6992. 

7186.  7666. 
gemueten  swv.  begehren,  wünschen 

3051. 
gen  am  adj.  wert,  lieb  6534. 
genennen  swv.  nennen  181. 
genot  adv.  eifrig,  eilig  9412.  Mhd. 

Wb.    II,    414.     Lexer   I,    860. 

Schöpf  473. 
genucht  stf.     Genüge,  Fülle  6961. 

7015.  Mhd.Wb.II,  354.  Lexer 

I,  865. 
genuegsam  stf.  Genügsamkeit9995. 

Mhd.Wb.II,  359.  Lexer I,  866. 
ger  stf.    Begierde,   Wunsch   7560. 

7600.  8162.  8286. 
ger  swm.  Wurfspiess,  Speer  9482. 

Saum  des  Kleides,  Schleppe  9410. 

9412. 
gerait  adj.  gänguud  gäbe,  verbrei- 
tet 4002.  5614.  bereit,  fertig 

9744. 
gerait  adv.    alsbald,   schnell  4455. 

4714.  4797.7055.  9694.  Mhd. 

Wb.  II,  672.  Lexer  I,  877. 
gerat  adj.  behende,  rasch,  tüchtig 

4971.  Mhd.Wb.  II,  558.  Lexer 

I,  871. 
gerechen  swv-  spvechen,  favellare 

1239.  Mhd.  Wb.  II,  590.  592. 

Lexer  I,  873. 
gerde  stf.    Verlangen,  Wille  6941. 
gerecht  adj.    recht,  dexter  7850. 

7920. 
gerechtikait  stf.   Redlichkeit,  dirit- 

türa  7447.  7451. 
gereden  swv.  reden,  sprechen  72.   - 
gerich   stn.    Rache,    Strafe    2889. 

3824.  3831. 
gerich  adj.  rauh  (?)  3312.  Vergl. 


388 


Schmeller  Fr.  raeh  II,  80.  rieh, 
riech  II,  85. 

gericht  stf.  gerade  Richtung',  gera- 
der Weg  4633. 

gericht  adj.  gerichtet  4585.  5185. 

gericht  stn.  Richte,  Speise  8047. 

gerstenprei  stm.  Gerstenbrei  7985. 

geschepft  stn.  Schöpfung  6985. 

geschieht  stf.  1)  Art,  Weise,  modo, 
maniera  11 15.41 32.2)Gegen- 
stand,  Sache,  waffen  geschieht, 
Waffenzeug  4437.  in  der  ge- 
schieht, in  Folge  der  Umstände, 
zufällig  2676. 

geschirre  stn.   Gemächt  7992. 

geschrift  stf.  Schrift,  die  heilige 
Schrift  1144.  2709.  3059.  u.  ö. 

gesinden  swy.  refl.  sich  gesellen 
2885. 

geslacht  adj.  beschaffen,  geartet 
7105. 

gesmätz  stn.   Geschwätz  9062. 

gestan  stv.  stehen  79. 

gesten  swv.  refl.   entfremden  1031. 

gestuedel  stn.  Gestelle,  Gerüste, 
Stuhl  9318.  Schöpf  724. 

geteuseh  stn.  Täuschung,  Betrüge- 
rei ,  Blendwerk ,  lockende,  täu- 
schendeRede  3503.  3834.5296. 
5986.  6100.  6372.  9723. 

getirmet  adj.  betäubt,  verblendet 
7203.  Mhd.Wb.  III,  151.  Schöpf 
777. 

getön  an.  v.  thun  5168. 

geturren  an.  v.  wagen,  getrauen, 
sich  unterstehen  5234.  Mhd.Wb. 
III,  15.  Lexer  I,  951. 

getwang  stn.  Zwang,  Bedrängniss 
1631.  4237.  8929. 

geuden  swv.  sich  freuen,  frohlocken 
727.  Mhd.  Wb.  I,  538.  Lexer 
I,  1025. 

geudichait  stf.  Eitelkeit,  Ruhmsucht, 
ranagloria  4600.  Lexer  1,1025. 

geudig  adj.   verschwenderisch,  pro- 


digo  1908.  1912.    Mhd.  Wb.  I, 

539.  Lexer  I,  1025. 
geudung   stf.     1)   Verschwendung, 

prodigalita   1892.  1897.  1903. 

2)  Prahlerei,  vantagiöne   4570. 
gevellen  swv.  gefallen  9907. 
ge  viert  adj.  geeignet,  passend  3901. 

Mhd.  Wb.  III,  308. 
gefügel  stn.   Geflügel,  Vögel  2487. 

3701.  4493. 
gewerren  stv.  hindern,  schaden  17. 

Mhd.   Wb.   III,    745.     Lexer  I, 

988. 
gewissen  stf.  Gewissen  6547.  8204. 

8767. 
gewon  stf.  Gewohnheit  5080. 
gewonhait  stf.   Sanftmuth,  mansue- 

tüdine  1478. 
geziltadj.  geschaffen,  geartet  3560. 
gift  stf.   Gift,  veleno  784.  1228. 
glenz  stf.  Glanz,  Herrlichkeit  6908. 

Lexer  I,  1032. 
glinster  stm.     Glanz   280.    5323. 

6944.  8805. 
glos  stf.  Auslegung,  Ausrede  2093. 
glosieren  swv.    erklären,  ausreden 

8416. 
gogel  adj.  lustig  7876.  Mhd.  Wb. 

1,540.  Lexer  1, 1 043.  Schöpf  1 99. 
gram  adj .  erzürnt,  böse  9007.9852. 
grat  stm.    Gräte,  Spitze,    die  sein 

eren   grät,    die  sind  der  Ehren 

Nachtheil,  Schande.  6645.  Mhd. 

Wb.  I,  566.  Lexer  I,  1073. 
griesgram     stm.      Zähneknirschen 

9823.  Mhd.  Wb.  I,  575.  Lexer 

I,  1088. 
grome  swf?    Hode,  granelli  1284. 

1290. 
groyr  stn.  Wappen,  Schilderei  (?) 

9657.  Lexer  I,  1745. 
guet  stn.   Gutes,  in  guet,  in  guter 

Absicht  81.  10133. 
güetigen  swv.  gut  machen,  gut  er- 
weisen 5469. 


389 


guettat      stf.       Gutes,     Wohlthat 
839. 

H. 

haben  swv.  halten  6689. 

sich  haben,   sich  halten,  stehen 
1245. 

auf  haben,  empor  halten,  levare 
3534. 
haberchorn  stn.   Haberkorn  8499. 
hach  swm.     Kerl,  Bursche   9094. 

Lexer  I,  1137.    Schmeller  Fr.  I, 

1041. 
hag  stm.  Wald,  Hain  3253. 
haimlichait  stf.     Heimlichkeit,  Ge- 

heimniss,  credenza  8697.  8700. 

8722.  8730.  8733. 
häle    stf.    mhd.    hähel,    Kette   und 

Hacken,  woran  der  Kessel  über 

dem  Feuer  hängt   7856.    Mhd. 

Wb.   I,    610.     Lexer  I,    1144. 

Schöpf  237.  Rochholz,  deutscher 

Glaube  II,  113. 
halt    adv.    freilich,    ja,   nun  denn 

5746.  7158.  7165.    Mhd.  Wb. 

I,  618.    Lexer  I,  1159.    Schöpf 

238. 
handelstm.  Handlung,  Kunst  7754. 
hanenchrait  stf.   das    Krähen    des 

Hahns  7085. 
hantgift  stf.    das  Geben  der  Hand, 

Gabe  7764.    Mhd.  Wb.  I,  510. 

Lexer  I,  1174. 
hantig    adj.    bitter,    scharf   6296. 

Mhd.  Wb.I,627.  Lexer I,  1165. 

Schöpf  243. 
hantwerch    stn.    Handwerk,    arte 

2007, 
harb  adv.  herbe,  bitter  7582.  Mhd. 

Wb.  I,   635.     Lexer  I,   1183. 

Schöpf  245. 
harem  stm.  Harn  9291.  9304. 
härmelein  stn.    Hermelin,  Wiesel, 

ermellino  6479.  6493. 
härphe  swf.  Harfe  5336.  9970. 


haselpaum  stm.  Haselnussstrauch 
7924. 

hässichait  stf.  Hass  609. 

hauptschos  stn.  Nach  Lexer  (1, 353) 
Kopfsteuer;  ich  vermuthe  eine 
Krankheit  darunter,  Kopfweh. 
Vergl.  die  volksthümlichen  Aus- 
drücke: Hexenschuss,Hitzschuss, 
Milzschuss.  Schöpf  653. 

heinacht  adv.  heute  nachts,  diese 
Nacht  3291.  Mhd.  Wb.  11,300. 
Lexer  I.  1292. 

heint  adv.  abends,  diese Nacht80 15 
8016.8021.8054.8056.8073 
Schöpf  254.  Mhd.  Wb.  II,  301. 

helfig  adj.  helfend, hilfreich  3279. 

henken  swv.  hängen  3125. 

herschaften  swv.  regieren,  beherr- 
schen, signoreggiare  1236. 

hertichait  stf.  Härte,  durezza4689. 
4691. 

herzen welich  adj.  traurig,  tiefbe- 
betrübt  929. 

heuschreck  swm.  Heuschrecke2  315. 

himelkor  stm.  Himmel  1158. 

hinder  präp.  m.  gen.  hinter,  hinter 
sein  1747.  4342.  4353.  Mhd. 
Wb.  I,  690.  Lexer  I,  1293. 
Schöpf  266. 

hinderpredigerinne  stf.  ein  mythi- 
sches Wesen  7785. 

hinleger  stm.  Vernichter,  Zerstörer 
2294. 

hinn  adv.  hier  innen  4053.  Mhd. 
Wb.I,  689.750.  Lexer I,  1299. 

hinschieb  stf.  Entfernen  566.  7639. 

hinz  adv.  bis  383.  Mhd.  Wb.  I, 
689.  III,  852. 

hochmüetig  adj.  überflüssig,  soper- 
chio  2123. 

hol  stn.   Höhle,  Loch  2538.  3830. 

holdenung  stf.  Band,  Verbindung, 
legame  1278. 

holzkern  stm.  das  Innerste  des  Bau- 
mes, Holzmark  9157. 


390 


hÖnig  stn.    Honig  9971. 

horenblasel  stn.  Hornbläserin,  Hexe? 
Vergl.  Mhd.  Wb.  I,  201.  Lexer 
I,  1341. 

hört stm. Schatz  3300.  4978,  6034. 

hofleichait  stf.   Gefälligkeit,  !piace- 

volezza  2471. 

hübschait  stf.  Höflichkeit,  Gefällig- 
keit 2473.  2476.  Mhd.  Wb.  I, 
701.  Lexer  I,  1367. 

hudel  f.  schlechte  Person,  Hure 
9513.  Lexer I,  1374.  Schmeller 
Fr  I,  1055. 

huefnagel  stm.  Hufnagel  7944. 

I. 

icht  sfcn.    1)  irgend  ein  Ding,  etwas 

3925.  5069.   6648.  8046. 

10141. 

2)    in    untergeordneten    Sätzen 

nach   das   für  nicht  85.  3328. 

4491.  5389.  9235.  9236. 
inmuetichait       stf.       Melancholie, 

Schwermuth,  maninconia  2769. 
intrachtung  stf.    Einbildung,   im- 

maginare  545.  immagina- 

zionell31. 
infliessung  stf.  Einfliessung  10024. 

J. 

jamerchait  stf.  Elend,  Not  7089. 
jerarchai    swf.    Jerarchia     7573. 

7677. 
jungest  adj.  zuletzt  2564. 
jungestlich    adj.   jüngster,    letzter 

10035.  10117. 
Jörgen    hemde,     Zauberhemd,    St. 

Georgen  Hemd  7902.     S.  Anm. 

K.  C. 

chainadj.Zahlpron.  1)  irgendeiner, 

alcuno  1419.  2895.3042.  5069. 

6063   u.  ö.    2)  keiner  nessüno, 

nullo. 
chal  adj. kahl,  gemein,  schlecht  9  685. 

Grimm,  Wb.  5,  29. 


calander  stm.  die  Haubenlerche,  ca- 

landra  262.  S.  Anm. 
chämlein    stn.    Kameel,    cammello 

5059. 
kappaun  stm.  Kappaun  9531.  cap- 

p  a  u  n  f  1  u  g    stf.    Kappaunflügel 

8410. 
charren  stm.    Wagen,  carro  5559. 

5563.  5576. 
kasel  stf.  Messgewand,  casula  9690. 

9711.   Lexer  I,  1526. 
kastraun    stm.     Hammel,    Schöps 

9530.    Lexer  I,   1529.    Schöpf 

306. 
chemnate    stf.     Kammer,    Gemach 

8149. 
chempfe  swm.  Vertheidiger,  difendi- 

tore   710.     Mhd.   Wb.  I,    785. 

Lexer  I,  1546. 
eher  stm.  Richtung,  Wendung,  eher 

tuen,  sich  abwenden  119. 
chestigen    swv.    kasteien,    quälen, 

züchtigen  8385.     Mhd.  Wb.  I, 

802.  Lexer  I,  1561. 
chirchgang  stm.  Gang,  Weg  in  die 

Kirche  4873. 
claftig  adj.  geschwätzig  2672. 
claffer  stm.    Schwätzer,  cianciatore 

8639. 
chlam  stf.   tiefe,  enge  Bergschiucht 

3451.     Schmeller  Fr.  I,    1329. 

Schöpf  319. 
clamer    stf.    Klammer,    tenaculum 

8115.  Mhd.  Wb.  I,  842.  Lexer 

I,  1604.  Schöpf  320. 
clauben    swv.    pflücken,    auflesen, 

sammeln  123.  2534.  2583. 
durchclauben, durchsuchen  1 83. 
Mhd.  Wb.  I,  845.     Lexer  I, 
1634.  Schöpf  321. 
claus  stf.    1)  Klause,  Wohnung,  in 

meines  herzen  claus  7612.  7629. 

2)  Oeffnung,   Spalte,    der  äugen 

klaus  1629. 
kiepeis  stn.  Klebeis  (?)  9092. 


391 


cleul  stm.    Knäuel  7982.     Grimm, 

Wb.  V,  1030. 
chlobe  swm.  Spalte  8467.    Lexer 

I,  1628.  Schöpf  324. 
close  swf.  Klause, Einsiedelei  4920. 

6083. 
chnaus  adj.  keck,  vermessen  3929. 

6722.  Mhd.  Wb.  I,  855.  Lexer 

I,  1657. 
conscienz,  consciencie  swf.Gewissen, 

conscientia  9830.  10041.   Mhd. 

Wb.  I,  859.  Lexer  I,  1647. 
contemplierung    sfcf.    Betrachtung, 

Beschauung  9904. 
choppen  swv.  fallen,  verfallen,  zu- 
rückfallen   6754.   7885.     Mhd. 

Wb.  I,    861.     Lexer  I,    1677. 

Grimm,  Wb.  V,  1790. 
chot  stn.  Koth  9413.  9415. 
cofertur    stf.     Schabracke,    schöne 

Decke,  Verhüllung  7139.    Mhd. 

Wb.  I,  869.  Lexer  I,  1698. 
kralen,  krelen  swv.  kratzen,  kämmen 

1556.      Schöpf  338.     Lexer  I, 

1752. 
chramp  stm.  Krampf  8193. 
chraien  swv.  krähen  8513. 
chrauf  stm.  der  erhobene  Fuss,  pie 

levato    3535.     Vergl.  kraupen 

spreizen.  SchmellerFr.il,  1377. 

Grimm  Wb.  V.  2088. 
chrei  stf.  Schlachtruf,  Parole,  Ab- 
zeichen, Schrei,  Ruf  192.  3487. 

8559.  9071.   9604.  9703.    2) 

Reihe,  Kranz  493.  3529.  narren- 

chrei   632.     Mhd.  Wb.  J,   879. 

Lexer  I,  1725.   Schöpf  343. 
chriegenswv.  streiten,  zanken8948. 
Christan,  Christus  5458.  Verniuth- 

lich  ist  zu  lesen:  so  chumptdann 

Christ  an  in  dem  anger. 
chübel  stm.  Kübel  7791.  7899. 
kuchenstf.  Küche  9523. 
kunterfait  stn.  Falschheit,  Bosheit, 

falsita  206.  445.  2411.   3855. 


weg  der  kunterfait,  mala  via 
2459.  Mhd.  Wb.  I,  914.  Lexer 
I,  1783. 

chür  stf.  Prüfung,  Wahl,  Stimme, 
Sache  9245.  9258.  10067, 

chus  stn.  Kopfküssen  7975.  chus- 
ziphel  Spitze,  Ecke  des  Küs- 
sens 7979. 

L. 

lab  stf.  Labung,  Speise  1156. 
laben  swv.  gemessen  1921.8413. 

Mhd.  Wb.  I,  938.  Lexer 1, 1806. 
lag    stf.    Hinterhalt,    Nachstellung 

2997. 
laichen  swv.    betrügen,   ingannare 

2387.3630.3667.3726.3736. 

3924  u.  ö.     Mhd.  Wb.  I,   958. 

Lexer  I,  1863. 
laicher  stm.  Betrüger,  ingannatore 

7394. 
laidichait   stf.     Geduld ,   sofferenza 

5056.  5057. 
laidung    stf.      Beleidigung,    offesa 

1609.  1762. 
laidvertreib  stm.    Vertreibung  des 

Leides  738.  5037. 
laim  stm.  Lehm  5341. 
lamen  swv.  erschlaffen  7175. 
lantherreswm.  barone  1229.2715. 
läppe  swm.  Lappen  9417.  9428. 
lasshait  stf.  Nachlässigkeit,  negli- 

genza  2788, 
lassen  stv.  zur  Ader  lassen  9636. 
last  stm.  umschreibend  1441.2879. 
lauf    stm.     Vorgang,    Begebenheit 

8138.  Vergl.  Wolken  stein  XVIII, 

1,  6.  XXXI,  1,  32.  Schöpf358. 
laugen   swv.   läugnen    589.    Mhd, 

Wb.  I,  1027.  Lexer  I,  1969, 
laupfrosch  stm.  Laubfrosch  8127. 

S.  Anm. 
laussen  swv.  verborgen  liegen,  lau- 
ern 5648.    Mhd.  Wb.  I,   1061. 

Lexer  I,  2000. 


392 


laz  adj.  mit  gen.  frei  von,  ledig  5199. 
Jebse  swf.  Lippe  8775.  9204. 
ledigen  swv.  frei  machen,  lindern 

5378.  Mhd.  Wb.  I,  958.  Lexer 

I,  1853. 
lenze  swm.    Lenz,  Frühling  9831, 

9976. 
leon  swm.  Löwe  4147. 
lernung  stf.  Lernen  9481. 
lesmaister  stm.  Lehrer  der  Theolo- 
gie undPhilosophie,Lector8249. 
leumunt  stm.     Leumund,  Gerücht, 

nominanza     303.     513.    4612. 

4568. 
liebe  stf.   Geduld,  pazienza  4277. 
liebhaberin  stf.  amatrix  6130. 
liebhabung  stf.  das  Liebhaben  670. 
liebung  stf.  Liebe,  amore  1279. 
list  stm.  Weisheit,  Klugheit  2473. 

3305. 
lomen   swv.    erschlaffen,    ermatten 

2038.     S.  lüemen   bei  Lexer  I, 

1977.    Wackernagel,  Wb.  186. 
lospuech  stm.  Loosbuch  7757. 
lotter    stm.     Taugenichts,    Schelm 

5256. 
lüeg  stn.  Höhle,  Loch  5266.  8219. 

Mhd.   Wb.   I,    1052.     Lexer  I, 

1985. 
lüSt  stm.     Vergnügen,  dilettazione 

550.  4580. 
lützellutzel  adj\  wenig  5  7  Ö  2 . 9  7  6  3 . 

Mhd.   Wb.  I,    1060.     Lexer  I, 

1999. 

M. 

mag  stm.  Blutsverwandter  4448. 

6177.  7442.    Mhd.  Wb.  II,  11. 

Lexer  I,  2001. 
magenschaft   stf.    Verwandtschaft, 

parentädo  397. 
magt  stf.  Jungfrau  28.  6170  u.  ö. 
magtum      stm.      Jungfräulichkeit, 

Jungfrauschaft     5310.      6326. 

6328. 


mailung  stf.    Fehler,  macula  8985. 
main  stf.    Meinung,  Absicht  8813. 

Mhd.  Wb.n,  110.  Lexer  1,2079. 
mainung  stf.    Art,  Weise,  maniera 

4370.  5044. 
mainzunge  swf.  böse  Zunge,  Zauber- 
zunge 7973.  8196. 
maistern  swv.  belehren,  unterrichten, 

maesträre  6453. 
man  swm.  Mond  2768.  7161. 
raanierstf.  Ding, Sache,  cosa6l50. 
manhait   stf.    Tapferkeit,  prodezza 

4169. 
tnanigvaltigen     swv.      vermehren, 

moltiplicare  6988.  6991.  7007. 
mar  adj.  zart,  tenero  2604.     Mhd. 

Wb.   II,    63.     Lexer   I,    2041. 

Schöpf  422. 
märe  stn.     Kunde,  Nachricht,   Er- 
zählung 95.  8827.9357. 10091. 
marner  stm.  Seemann  2427.  Mhd. 

Wb.  II,  82.  Lexer  I,  2051. 
Marteins  vogel,  falco  cyaneus,  oder 

wahrsheinlicher  der  Specht  7877. 

Vergl.  GrimmMyth.  1083. 1084. 

1233  u.  Anm. 
massen  swv.  massigen,  beschränken 

3724.  Mhd.Wb.  II,  210.  Lexer 

I,  2066. 
masarei  stf.  masserizie,  Hausgeräth 

8558. 
masslaid    stn.     Widerwille    gegen 

Speise   7972.     Lexer  I,   2067. 

Schmeller  Fr.  1,1 662.  Schöpf  426. 
mässleich  adv.  mit  Mass,  massig 

1997.  2001. 
maus  stf.    Maussern,  Federwechsel 

der  Vögel  4718.    Mhd.Wb.   II, 

281.  Lexer  I,  226  J. 
mausen  swv.  schleichen  2248.  Mhd. 

Wb.   II,    278.    Lexer  I,    2258. 

Schöpf  430, 
menen  swv.  das  Zugvieh  treiben  u. 

führen  6713.  Mhd.Wb.II,  135. 

Lexer  I,  2099.  Schöpf  432. 


393 


michel  adv.  viel  9755.  Mhd.  Wb.  II, 
165.   Lexer  I,  2132. 

milchtutte  swm.  Schelte:  junger 
Laflfe  9068. 

minn  stf.  Barmherzigkeit,  Erbar- 
men, misericordia  9252. 

misseliellung  stf.  Misshelligkeit 
5662. 

missevall  stm.  Missfallen  7343. 

mitalle  adv.  sehr,  assai  6525. 

mitgengel  stm.  Mitgänger,  Beglei- 
ter 6907. 

mitter  adj.  in  der  Mitte  befindlich, 
ll  mezzo  6515. 

niitterleicll  adj.  mittelmässig,  nicht 
allzu  gross  9238.   Schöpf  440. 

mitterung  stf.  Mass,  modo  6438. 

model  stm.  Form,  Vorbild  6 10.  Mhd. 
Wb.  II,  216.  Lexer  I,  2193. 
Schöpf  441. 

mordiscll  adj.  mörderisch  1844. 

mordisckait  stf.  Grausamkeit,  mör- 
derisches Wesen  1816. 

mort  stn.   Missethat  6632. 

mortprant  stm.  Brandstiftung  mit 
räuberischem  Angriffe,  peccato 
dello  incehdio  3370. 

mugent  adj.  vermögend,  kräftig  246. 
1880. 1905. 54i4.6798. 7511. 
Mhd.  Wb.  II,  10.  Lexer  I, 
2219. 

mugent  stf.  Vermögen,  Macht  1456. 
7651.  Mhd.  Wb.  II,    10.    Lexer 

I,  2220. 

murmeln  stn.    Gemurmel,   niormo- 

ramento  1934. 
müschen  swv.  mischen  8500. 

IST. 

nachten  adv.  gestern  abend  3322. 
6125.  Mhd.  Wb.II,  300.  Lexer 

II,  48.   Schöpf  456. 
nachreden  sw.   verleumden  9002. 

9003.  9009. 
nachreder  stm.    Verleumder  9006. 


nachtgeschrai  stn.    Weinen  in  der 

Nacht  7972. 
nähen  swv.  nahen,  nähern  9149. 
naichst  adj.  superl.  nächst   7635. 

Vergl. Weinhold,  bair.  Gram.  §  66. 
nar  stf.  Nahrung,  Unterhalt  6390. 

Mhd.  Wb.  II,  385.  Lexer  II,  34. 
narrenplunder  stm.    Narrenkleider 

9398. 
neidikleichen  adv.  stark, forte  2809. 
Neithart    stm.   geiziger,  neidischer 

Mensch,  Neid,  Hass.    Lexer  II, 

87.   Schöpf  464. 
nestel    stf.      Bandschleife,    Riemen 

9449.  Mhd.Wb.  II,  330.  Lexer 

II,  59.   Schöpf  466. 
newen  swv.  zerstossen,  zerstampfen 

7970.  7971.  Mhd.Wb.  II,  418. 

Lexer  II,  95.   Schöpf  476. 
noch  adv.  dennoch,  gleichwol  9777. 
nöten  swv.    nöthigen,    anstrengen 

3721. 
notung  stf.  Nöthigung,  Notwendig- 
keit, von  notung,  quando  bisogna 

4174. 
numerdum,  Entstellung  aus  lat.  in 

nomine  domini    84.  9079.   Mhd. 

Wb.  II,  423.   Lexer  II,  119. 
nutz  adj.  nützlich  7434. 
nutzperkait  stf.    Nutzen,  Gedeihen 

205.   Lexer  II,  123. 
nutzperleich  adj.   nützlich,  beherzt, 

muthig,  valoroso  6603. 

O. 

obedach  stn.  Höhle,  Lager,  tana 
6486. 

oberpra  stf.  Oberbraue,  obere  Wim- 
per 7919. 

oblat  stf.  Oblate,  Hostie  7776.  S. 
Anm. 

obrer  swm.  der  Vornehmere,  Mäch- 
tigere, Vorgesetzte ,  maggiore 
5419.   5621. 

ochsenlang  adj.  ochsenlange  zung, 

25* 


394 


eine  so  lange  Zunge,  wie  sie  ein 

Ochse  hat  5818. 
orenwützel  stm.    Ohrwurm,  vermis 

auricularius  7975.7978.  Schöpf 

822. 
Orke   swm.     Org,  elbisches   Wesen 

7802.      Schmeller   Fr.   I,    142. 

Schöpf  482.  S.  Anm. 
ort  stm.    j.  Ort,  Stelle  387.  7890. 

2.  das  Ende,  Aeusserte,  Höchste 

5209.  8618. 
Otter   stm.   otter,   Fischotter   5257. 

5268.  5270.  5274. 
offen  swv.  öffnen,  zeigen  1 405.2743. 

.8703.8994.9201.  Mhd.Wb.ü, 

432.   Lexer  II,  145. 

Q. 

quater  stn.  vier  Augen  im  Würfel- 
spiel, quadrio,  bildlich  für  Maria, 
die  in  der  Dreifaltigkeit  das 
Quater  ist  5362.  Vergl.  Lexer 
II,  316.  San  Marte,  Parcival- 
studien  3,  196.  198  ff. 

quit  adj.  los,  frei  208.  Mhd.  Wb.  I, 
898.   Lexerll,  327.  Schöpf  523, 

R 

racllung  stf.  Rache,  Vendetta  1669. 

8434.  Mhd.Wb.  II.  685.  Lexer 

II,  332. 
faid  adj.  gedreht,  gekräuselt,   wie 

hol   ist   im     gemacht    sein 

raides   harl     Chi   ti   ritondo   i 

capegli?    5174.     Mhd.    Wb.    II, 

697.  Lexer  II,  5  97. 
raissung  stf.    Anreizung,   Drohung, 

le  minacce  2451 . 
raubung  stf.   Rauben,  Raub  1709. 

1710 
rauchnacht  stf.     die   Weihnachts-, 

Silvester-  oder  Dreikönigsnacht, 

hier  vermutlich   die  letzte  7938. 

Lexer  II,  514.   Schmeller  Fr.  II, 

14.   Schöpf  524. 


rawen  stv.  reuen  6035.  Vergl  Wein- 
hold, bair.  Gram.  §  39.  Schmeller 

die  Mundarten  Baierns  §  246. 
rechen  stv.  rächen,  strafen  5745. 
recht  stn.  Zorn,  ira  1438.    1439. 
redehaft    adj.     redend,    beredt    74 

Mhd.  Wb.  II,  597.  Lexerll,  366. 
regierer  stm.  Herr,  Lenker  7610. 
reichen   swv.   reich   werden   2546. 

Mhd.Wb.  II,  694.  Lexer II, 4 19. 
reiden  swv.  wenden,  drehen  3994. 

Wolkenstein     XXVIII,    3,     17. 

LXXII,  2,11.  Mhd.Wb.  II,  696. 

Lexer  II,  422.   Schöpf  545. 
reschleich  adv.   rasch,   eilig  8935. 

Mhd  Wb.  II,  556.  Lexer  11,409. 

Schöpf  550. 
rest  stf.    Rast,  Ruhe   709,   4844. 

Mhd.Wb.  11,556.  Lexerll,  410. 
ribaldein   stm.    Schurke,    ribaldöne 

2130. 
ribaldrei    stf.     Büberei,    ribalderia 

6621.  9070.  9621.  Vergl.  Lexer 

II,  414. 
rieht  stf.  angerichtete  Speise,  Sache 

5382.     Lexer  II,   433.    Schöpf 

552. 
riemeswm.  Ruder,  remo  6463.  Mhd. 

Wb.  II,  699.   Lexer  II,  424. 
röre  swf.  Rohr,  Röhre  10061. 
rotwalsch  stf.  das  Rotwälsch,  Gau- 
nersprache 9086.  Vergl.  Anm. 
rufFian   stm.    Lotterbube,    Knppler, 

hier  fanciullo  3556. 
Iluha.    Ruha-gaist,  5364.   hailiger 

Ruha  7621,  heiliger  Geist. 

S. 

sache  stf.  Sache,  Ursache,  Art  3344. 
an  sache,  controaragione3402. 
senza  cagione  9186.  manigerlai 
sach,  di  molte  ragioni  3981.  in 
dreierlai  sach,  di  tre  modi  4558. 

Sager  stm.  Redner,  Erzähler  4518. 

saichen  swv.  harnen  6629.  6639. 


395 


sälde swf. Glück,  Heil  5004.  5009. 
Mhd.  Wb.  K2,  35.  Lexer  II, 
579.    Grimm  Myth.  822. 

sam  ady.  u.  conj.  ebenso,  so,  als  ob 
5485.  5589.  6214.  6585  u.  ö. 
Mhd.  Wb.  II2,  44.  Lexer II,  591. 

samnung  stf.  Sammlung  6955. 

säten  swv,  satt  machen,  sättigen 
562.  Mhd.  Wb.  II2,  58.  Lexer  II, 
615. 

schabe  swf.  Schabe,  tinea,  tarma 
762.  1001. 

schämen  swv.  zeigen,  offenbar  ma- 
chen 1268. 

Schalken  swv.  zum  Knechte  machen, 
erniedrigen  6735.  Mhd.  Wb. 
II2,  78. 

schallen  swv.  laut  lachen  9414. 
Mhd.  Wb.  II2,  126. 

schalten  stv.  fort  stossen,  wegwerfen 
6769. 

Scham  stf.  Scham,  Schamhaftigkeit, 
vergogna  6443.  6444.  6461. 
6551.  6560  u.  ö. 

schämig  adj.  schamhaft,  bescheiden, 
vergognoso  6559. 

scharf  adj.  mit  gen.  scharf  an,  mäch- 
tig an  483.  Vergl. Wolkenstein: 
ain  doctor  aller  weishait  scharf 
XX,  1,  3. 

schein  adj.  strahlend,  hell,  schein 
tuen,   zeigen,  offenbaren  2220. 

scheutz  stm.  Abscheu,  Furcht, 
Schrecken  9713.  Mhd.  Wb.  II2, 
109.   Schmeller  Fr.  II,  389. 

scheuzleich  adj.  abscheulich  hässlich 
7140.   Mhd.  Wb.  II2,  109. 

schober  stm.  Schober,  Haufen  9792. 
Mhd.  Wb.  II2,  169.  Schöpf  642. 

schon  adv.  schön  103.731. 49 12.U.Ö. 

schrattel  stn.  Schrätl,  elbisches  We- 
sen, Zwerg  7804.  Mhd.Wb.II2, 
205.   S.  Anm. 

schüten  swv.  schütteln  4325.  Mhd. 
Wb.  II2,  229. 


se  interj,  da  nimm,  nimm  hin  7005. 

Mhd.  Wb.  II2,  275.  Schöpf663. 

Schmeller  Fr.  II,  201. 
sedel  stm.  Sitz,  Thron  9619.  Mhd. 

Wb,  II2,  234. 
sei   pron.    sie,     accus,    sing.    255. 

2021.3000.5388.  6094.  accus. 

pl.  2013.  6430.  9734.  9793. 
seigerät   stn.   letzter  Wille,  Testa- 
ment 4211.   Mhd.Wb.II,    574. 

Schmeller  Fr.   II,    165.    Schöpf 

668. 
sengen  stn.  Brennen,  Brand,  Feuer 

9984. 
ser  stf.  Leid,  Betrübniss  4803.  stn. 

Schmerz,  Leid  4895. 
setzen  swv.  schätzen,  halten 4755. 
seul  stswf.  Säule, Pfeiler  249.4313. 

4316.  4326.  aichenseul  7982. 
sigehaft  adj.  siegreich  5 551.  7809. 

Mhd.  Wb.  II2,  265. 
sigstain  stm.  Sieg  verleihender  Stein 

7808.  Mhd.Wb.II2,  6 16.  Grimm 

Myth.  1170.  Vergl.  Anm. 
sit  stm.    Sitte,  Gewohnheit,  Brauch 

4130.  4607.  9214.  9559  u.  ö. 

Mhd.  Wb.  II2,  322. 
slacht    stf.     Gattung,    Art    8529. 

9541  u.  ö. 
slappen    swv,      ziehen,     schleppen 

9429.     Schöpf  617.    Fromann's 

Zeitschrift  VI,  133. 
siecht  adj.   gerade,   schlicht  1978. 

6465. 
sleifen  stv.    gleiten,    fallen  10060. 

Mhd.  Wb.  II2,  399. 
sltippen  swv.  schleichen  9069.  Vil- 

mar,  Idiotikon  358. 
smaichen   swv.  mit  accus,  schmei- 
cheln, lusingare  2458. 
smaichenred  stf.    Schmeichelei,  lü- 

singa  2396.  3382.  smaichungred 

2416. 
smalz  stn.  Butter  7792. 
snöd  adj.    1.  schlecht,  gemein,  vile 


396 


4443.    4544.    2.    elend,   raisero 
7060.  7061. 

snödichait  stf.  1 .  Schlechtigkeit,  Ge- 
meinheit, vita  4380.  2.  Elend, 
miseria  7062.  7068. 

sorgsam  adj.  gefährlich,  gefahrvoll, 
pericoloso  1432.  6589. 

sorgsamleicll  adj.  gefährlich,  peri- 
coloso 6460. 

SOten  swv.  verwesen,  in  Fäulniss 
übergehen  1851. 

specher  stra.  Späher,  ispia  5179. 

spehender  adj.  grausam,  spietato 
1254. 

spilleutstm.pl.  Possenreiser,  Gauk- 
ler, giullari  9704. 

sporstn.Spur,Fussspur  6789.  Mhd. 
Wb.IT2,516.  Schmellerlll,  575. 

Sprung  stm.  Ursprung  521.  Mhd. 
Wb.    I2,  547. 

spürzeln  swy.  spucken,  speien,  spu- 
tare  9218.  Mhd.  Wb.  II2,  514. 
Schmeller  III,  577.  Schöpf  695. 

stahelzain  stm.  Stäbchen  aus  Stahl 
1509.  Mhd.  Wb.  III.  868. 

stainen  swy.  steinigen  6238.  Mhd. 
Wb.  II2,  618. 

starkmüetichait  stf.  1.  Starkmuth, 
Grossmuth,  magnanimita  4484. 
4488.4506.  2.  Grösse, Erhaben- 
heit, grandezza  4561. 

Stat  stf.  Gelegenheit  9185.  Mhd. 
Wb.II2,  604. 

stätichait  stf.  Standhaftigkeit,  Be- 
ständigkeit, costanza4  682.4696. 
4724. 

stechen  stn.  Ritterpiel,  Buhurdieren, 
bagordare  8563. 

sterben  swv.  tödfcen  6376.  Mhd. 
Wb.  H2,  644. 

Steur  stf.  Hilfe,  Abhilfe,  Unterstütz- 
ung, Beistand  134.  1930.  Mhd. 
Wb.  H2,  650. 

steur en  swv.  unterstützen,  fördern 
8176.   Mhd.  Wb.  H2,  652. 


stören,  stören  swv.  zerstören,  ver- 
derben 5748.  8098. 

störer  stm.  Zerstörer,  Verderber 
2294. 

strälen  swv.  kämmen  1557.  1568. 
3474.   Mhd.  Wb.  II2,  672. 

stram  swm.  Strom,  Fluss  6989. 
Mhd.  Wb.  II2,  673. 

Strange  swf.  Strang,  Strick  1693. 
5569.7936.  Mhd.  Wb.  II2,  674. 

straffung  stf.  Zurechtweisung,Tadel, 
correziöne  195.  200.  201.  203. 
2224.2244.  Mhd.  Wb. II2  671. 

straus  stm.  Handel,  Sache  3943. 

streit  stm.  Rache,  Vendetta  1676. 
1683. 

strengichleich  adv.  strenge,  gewal- 
tig 5738. 

stuet  stf.  Heerde  von  Zuchtpferden, 
Gestüte  2603.  Mhd.  Wb.  H2, 
715. 

stumb  adj.  besiegt,  überwunden, 
vinto  1449.  1450. 

stumme  swm.  Stummer,  Sprachloser 
7553. 

SUen  stf.  Gericht,  Urtheil,  giudizio 
1475.  Versöhnung,  Friede  4945 
u.  ö.   Mhd.  Wb.  II2,  749. 

sumeleicli  pron.  mancher,  nonnullus 
7880.7947.  Mhd.Wb.n2,276. 
Schmeller  Fr.  H,  281. 

sunnewent  stf.  Sonnenwende,  Som- 
mersolstitium  7824.  Mhd.  Wb. 
ni,  688.  Schöpf  730. 

surthart  stm.  Hurer,  Luderkerl. 
Vergl.  sirte  mhd.  Wb.  II2,  320. 
Schmeller  Fr.  II,  327. 

swanzen  stn.  zierliches  Bewegen, 
hier  Turnieren ,  armeggiare 
8563.  Mhd.  Wb.  II2,  762. 
Schöpf  658. 

swern  stv.  schmerzen,  weh  thun, 
abswernin  Folge  des  Geschwü- 
res abfallen.  Mhd.  Wb.  II2,  808. 
Schöpf  661.   Schmeller  HI,  546. 


397 


T. 

tadel  stra.  Laster,  vizio ;  wider- 
wärtiger tadel,  contrario 
vizio  4555.  allen  seinen  ta- 
del, tutti  ivizj  4589. 

tag,  verworfene,  Unglückstage  7  768. 
Vergl.  Anm. 

tagwaid  stf.  Tagereise  5817.  Mhd. 
Wb.  III,  553. 

taheswf.  Dohle  1621.  1626.1630. 
Mhd.  Wb.  III,  1 1 .  Schmeller  Fr. 
I,  994.  Schöpf  73.  Vintler über- 
setzt damit  irrig  Ipega.  Vergl. 
Anm. 

talgenswv.  kneten  7913.  Schmeller 
Fr.  I,  505.  Schöpf  74. 

tar  s.  turren. 

tarantstm.  Scorpion,  scarpiöne  784. 
2664.  5983.  Mhd.  Wb.  III,  16. 
Schöpf  737. 

tatelpaum  stm.  Dattelbaum  5444. 

tatler  stm.  Dattelbaum  5441. 

taugen  adv.  verborgen,  heimlich 
4024.  9011.  9201.  Mhd.  Wb. 
in,  59. 

taugen  stn.  Geheimniss  7661. 
taugenhait  stf.     Heimlichkeit,  Ge- 
heimniss 8457.  Mlid.  Wb.  III,  60. 
taugenleich    adv.    heimlich    2432. 

Mhd.  Wb.  III,  60. 
tenk  adj.  link  7849.  9562. 10046. 

Mhd.  Wb.  in,   29.     Schöpf  79. 

Schmeller  Fr.  I,  524. 
test  stm.  zusammengedrücktes  Zeug, 

verflochtene,    zusammenklebende 

Haare   u.   Aehnl.    1626.   4704. 

Schmeller  Fr.  I,  550.  Schöpf  81. 
teur  stf.    Theuerung,   Not,  carestia 

2003. 
teut  stn.  Auslegung,  Frklärung ;  z  e 

teute,  deutlich,  klar 7 8 01.  Mhd. 

Wb.  I,    327.      Schmeller    Fr.  I, 

551. 
tierel  stn.  kleines  Thier,  Thierchen 

5424. 


tinnestf.  Stirne,  Schläfe  9229.  Mhd. 
Wb.  in,  38.  Schöpf  744. 

tolhart  stm.  toller  Mensch,  Tollheit 
(?).  Ueber  Appellativa  mit  der 
Endsilbe  hart  gebildet  s.  Schmel- 
ler Fr.  I,  1167. 

topf  stm.  Kreisel  9472.  Mhd.  Wb. 
in,  48.  Vergl,  deutsches  Kinder- 
spiel im  Mittelalter  27.  28 

toret  adj.  thöricht  8821.  Schöpf 
747. 

torocht  adj.  thöricht,  dumm  740. 
2767.  Mhd.  Wb.  III,  51.  Wol- 
kenstein XVII,  5,  12. 

totentuech  stn.  Leichentuch  7990. 

totleichkait  stf.  Tod,  morte  1201. 

trachtein  stm.  Herr,  Gott  3141. 
Mhd.  Wb.  III,  122. 

trappe  swm.  Trappe,  tarda  9123. 
Mhd.Wb.  III,  84. 

trätzen  swv.  necken,  reitzen8863. 
Schmeller  Fr.  1,681.  Schöpf752. 

träum  swm.  Balke  8998.  Mhd.Wb. 
I,  391.  Schmeller  Fr.  I,  662. 
Schöpf  750. 

treiben  stv.  treiben,  wider  treiben, 
vorwerfen,  vorhalten,  rimprove- 
rare  1973.  1974. 

triegel  stm.  Betrug,  Trugbild  5338. 
6604.  8199.  9969.  Mhd.  Wb. 
IU,  105. 

trinken  stn.  das  Trinken,  der  Trank 
3839.  Mhd.  Wb.  III,  92. 

triteln  swv.  kleine  Tritte  machen, 
trippeln  9388.  Schmeller  Fr.  I, 
680.   Schöpf  755. 

trofferei  stf.  dummes  Zeug,  Zauberei 
7984.  Vergl.  das  Scheltwort 
Tropf.  Schmeller  Fr.  I,  673. 
Schöpf  759. 

tror  stn.  Tropfen,  Feuchtigkeit 
1157.  Mhd.Wb.  IU,  1 1 4.  Schmelr 
ler  Fr.  I,  674. 

tr u genhaft  adj.  betrügerisch,  falsch 
8483.  Mhd.Wb.  III,  105. 


398 


trutte  stf.  Trude,  Nachtmahr  7  7  9  7 . 
Mhd.  Wb.  HI,  124.  Schmeller 
Fr.  I,  648  Schöpf  760.  Vergl 
Anm. 

tugen  v.  anom.  pr.  tochte,  conj.töchte, 
tochte,  angemessen  sein,  taugen, 
passen,  nützen2089.3448.36 15. 
5150.  9331.  Mhd.  Wb.  III,  54. 

tugen  stn.  Taugen, Ziemen  8758. 

tugenthait  stf.  Tugend,  virtü  2232. 

tugentleich  adj.  tugendhaft  97. 
3088.   Mhd.  Wb.  III,  56. 

turren  v.  anom.  wagen,  sich  erküh- 
nen, präs.  ind.  1.  und  3.  pers. 
tar.  plur.  turren.  prät.  ind.  torste 
1256.  5087.9811.9140.  Mhd. 
Wb.  III,  14. 

turstichait  stf.  Kühnheit,  Verwegen- 
heit 9731.   Mhd.  Wb.  III.  16. 

twangen  stn.  Zwang,  Selbstüber- 
windung 4760. 

twingen  stv.  zwingen,  beherrschen 
6781. 

tyrus,  eine  Schlange  6315.  Vergl. 
Megenberg  284,  6  ff. 

u. 

überchommen    stv.      überkommen, 

überwinden  7057.    Mhd.  Wb    I, 

905. 
Überlaut    adv.    sichtlich,    öffentlich 

9111. 
übervil  adj.  übermässig  viel,  soper- 

chio  6520. 
übrig   adj.    übermässig,  überflüssig 

8924. 
umeral  stn.    Humeral,  Schultertuch 

bei      der     Messkleidung     9690. 

9711. 
unainung  stf.  Zwietracht,  Zorn,  dis- 

cordia  1380.  ira  1485. 
unbesint    adj.     unverständig,    thö- 

richt  7834. 
und  relativ    8569.    9159.   9625 

10101. 


undanknäm  stf.  Undankbarkeit,  in- 
gratitüdine  5624. 

underjop  stf.  Unterjacke  94  42. 
Mhd.  Wb.  I,  774.   Schöpf  294. 

Linderweilen  adv.  zuweilen,  manch- 
mal 7177.   Mhd.  Wb.  III,  607. 

Underwint  stm  Verzug,  Zögern 
2764.4810.5345.5726,6596. 
7168.  7269  u.  ö,  Mhd.Wb.HI, 
682. 

ungerechtikait  stf.  1.  Ungerechtig- 
keit, ingiustizia  3210.  3335  u.ö. 
2.  Beschimpfung,  Beleidigung, 
ingiiirie  3725. 

uneren  swv.  verunehren,  beleidigen 
9502. 

Ungepeinet  adj.  ungepeinigt,  unge- 
quält  9788. 

ungepessert  adj.  ungestraft,  impu- 
nito  1009. 

ungeschicht  stf.  Missgeschick,  Un- 
fall 3543.  Mhd.  Wb.  II2,  117. 

ungewarleich  adj.  unsicher,  gefähr  - 
lich2030.Mhd.Wb  111,505.522. 
Schmeller  IV,  124.   Schöpf  801. 

unholle  swf.  Unholdin,  Hexe  7955. 
Mhd.  Wb.  I,  704.  Grimm,  Myth. 
942.  Schöpf  272. 

uncheuschenswv.  coire6217  Mhd. 
Wb.  I,  823.   Megenberg  748. 

unchunst  stm.  Mangel  an  Kunst, 
Ungeschicklichkeit  1 2.  Mhd.  Wb. 
I,  816. 

Unmäradj.  gleichgiltig,  wertlos,  un- 
wichtig 3025.  Mhd,Wb.  II,  69. 

unpoliert  adj.  ungeschliffen,  roh 
6841. 

unsaubern  swv.  verunreinigen,  be- 
flecken, macchiare  6195.  Mhd. 
Wb.  II2,  719. 

unfinnig  adj.  sehr  unlauter,  sehr 
un keusch  9843.  Vergl.  Schöpf 
137.  un  ist  hier  verstärkend, 
Vergl.  Lexer,  kärntisches  Wörter- 
buch 247.  Schöpf  782. 


399 


Ullfruet  adj.  unklug,  thörichfc,  schäd- 
lich 535.  1328.  10099.  Schöpf 
157.  Lexer,  kämt.  Wb  103. 

unfuer  stf.  ausgelassenes  Betragen, 
Unfug,  Lärm  9097.  Mhd.  Wb. 
III,  263.  Schmeller  Fr.  I,  748. 
Schöpf  159. 

unwillig  adj.  veraltet,  invecchiato 
1379. 

unwirdichaitstf.  Wegwerfung,  Ver- 
geben derWürde, dejezione  5390. 

Unz  präpos.  u.  conj.  bis,  so  lange 
bis  1152.  1594.  1841.  4761. 
5564.  6118  u.  ö.  Mhd.Wb  III. 
190.  Schöpf  783.  Schmeller  Fr. 
I,  118. 

Üppig  adj.  leer,  unbewohnt  6936. 
Mhd.  Wb.  III,  193. 

ur  stf.  Stunde,  hora  4482.  7119. 
Schöpf  784. 

urdrutz  stm.  Ueberdruss,  Unlust 
6540.  9990.   Mhd.Wb.  I,  398. 

Üren  stf  ein  Maass  für  Wein  4225. 
Schmeller  Fr,  I,  147.  Mhd.Wb.  III, 
195.  Schöpf  785. 

urspring  stn.  Ding,  Sache,  cosa 
2040. 

F.  u.  V. 

vaien  swv.  sieben,  cribrare?  9090. 
Vergl.  Schmeller  Fr.  I,  683.  Ver- 
muthlich  ist  faiget  (F)  zu  lesen: 
faigen,  faicken  swv.  scher- 
zen, schäckern,  scherzend  zerren. 
Schmeller  Fr.  I,  689.  Schöpf 
114. 

vaigadj.  feige,  schlecht;  und  wirt 
darzue  zue  den  vaigenge- 
z  a  1 1 ,  e  sara  meno  apprezzato 
8615. 

fäilung  stf.  Irrthum,  Lüge,  ob  er 
ain  failung  zue  dirspricht, 
quando  egli  falla  3053. 

vaiz  adj.  feist,  fett  986.  Mhd.  Wb. 
III,  292. 


väle  stf.  das  Fehlen,Fehl  7857.  Mhd. 
Wb.  III,  215. 

välen  swv.  fehlen,  betrügen,  faliire 
7470.7472.  Mhd.Wb.III,  214. 

valke  swm,  Geierfalke,  girfalco 
4489. 

valsch  stm.  Unredlichkeit,  Falsch- 
heit, Betrug  9087.  Mhd.  Wb. 
III,  228. 

vanknusstf.  Gefangenschaft  2302. 
Mhd.  Wb.  III,  211. 

fantasung  stf.  Einbildung  9842. 

var  stf.  Fahrt,  wilde  Fahrt,  wildes 
Heer  7992.  8023.  8025.  Mhd. 
Wb.  III,  250. 

vart  stf.  an  diser  vart,  dies- 
mal, sogleich  4094.  auf  der 
vart,  bei  dieser  Gelegenheit,  da 
776.  an  der  vart  sogleich 
4242.  Mhd.Wb.III,  252.  Schmel- 
ler Fr.  I,  759. 

Vasnacht  stf.  Fasnacht,  Fasching 
6636.  Mhd.Wb.  II,  302.  Schmel- 
ler Fr.  I,  763.   Schöpf  122. 

vaste  adv.  fest,  sehr  5000.  Mhd. 
Wb.  in,  274.   Schöpf  123. 

vech  adj.  bunt,  mit  Pelzwerk  ver- 
brämt 6752.  Mhd.Wb.  III,  285. 
Schöpf  126.  Schmeller  Fr.  1,700. 

vech  stn.  Pelzwerk  9419.  Mhd. 
Wb.  III,  285.  Schöpf  126. 

vechten  stn.  Fechten,  Schlacht,  bat- 
taglia  4161. 

vechtleich  adj.  anfechtend,  anreit* 
zend  9676. 

verbena,  Eisenkraut  7822.  S.  Anm. 

verpelt  adj.  geschwollen,  unempfind- 
lich 4252.  Mhd.  Wb.  I,  118. 
Schmeller  Fr.  I,  227.  Schöpf  35. 

verpern  stv.  beiseitelassen,  unter- 
lassen, das  war  vil  pesser 
verporen,  dies  bliebe  viel  besser 
unterlassen  1  08.  Mhd,Wb.  1,158. 

verch  adj.  tödtlich,  schädlich  7419, 
Mhd.  Wb.  III,  302. 


400 


verdagenswv.  verschweigen  9597. 

Mhd.  Wb.  I,  297. 
vergeben    stv.    mit    dat.    vergiften 

4541.  Mhd.  Wb.  I,  505. 
vergen   v.    an.   red.    vorübergehen, 

fortgehen   9571.     Mhd.  Wb.   I. 

473. 
verhaben  swv.   verhalten,  zuhalten 

4642.  4646.4649,8591.  Mhd. 

Wb.  I,  601. 
verhalten  stv.  zurückhalten,  tenere 

2125.  2130.  Mhd.Wb.  I,  622. 
verchoren    adj.    aufgegeben ,    ver- 
gessen, discacciata  1261.    Mhd. 

Wb.  I,  827. 
Verlunzen  swv.  refl.  sich  ruhig  ver- 
halten,     stille     bleiben     9088 

Schmeller  Fr.  I,    1495.    Vilmar, 

kurhess.  Idiotikon  255. 
vermären    swv.    verrathen   4539. 

Mhd.  Wb.  II,  71.  Schöpf  421. 
vermessen  adj.  entschlossen,  tnuthig 

5956.  Mhd.  Wb.  II,  215. 
Vernewen  swv.  erneuen,  rinnovare 

4714.  Mhd.  Wb.  II,  389. 
vernunst  stf.     Vernunft,   Klugheit 

6765.  Mhd.Wb.  11,376. 
VerÖsen  swv.  verderben,  vernichten 

302.  9891.    Mhd.  Wb.  II,  447. 

Schmeller  Fr.  I,  164. 
Verratenschaft  stf.  Verrätherei,  tra- 

dimento     3632.     3741.    4549. 

Falschheit,  falsita  4623. 
Verräter  stm.  Wahrsager,  indovina- 

tore  3767. 
verreren  swv.  verrinnen,  verderben 

2679.  Vergl.  Mhd.  Wb.  11,677. 
Verrichten  swv.  refl.  sichentschlies- 

sen,  sich  bewegen  86.  Mhd.Wb. 

II,  651.  Schöpf  552. 
Verschroten    swv.    verhauen,     wie 

habt   ir   euch    so   gar  ver- 
schrotet,   wie    habt    ihr    euch 

verhauen,  im  Hauen  geirrt  932. 

Mhd.Wb.  II2,  220.  Schöpf  649. 


Versionen  stv.  merken,  beachten 
290.  Mhd.  Wb.  II2,  310. 

versuchten  swv.  ausgleichen,  ver- 
zeihen 10158. 

verstanstv.  stille  stehen,  versäumen 
884.   Mhd.Wb.  II2,  586. 

verstandenhait  stf.  Verständigkeit 
7466.  Mhd.  Wb.  II2,  589. 

vertören  swv.  vollends  bethören 
8099.   Mhd.  Wb.  III,  51. 

vertragen  stv.  sich  gefallen  lassen 
5772.  Mhd.Wb.  III,  74. 

vervachen,  vervahen  stv.  1.  ver- 
nehmen, wahrnehmen  1242. 
9209.  2. tadeln, riprendere  3052. 
3.  refl.  sich  unterfangen,  begin- 
nen 5607.  Mhd.  Wb.  III,  208. 

verwarken  v.  anom.  wirke,  schaffe 
in  etwas  hinein  5330.  Vergl. 
verwürke  Mhd.  Wb.  Iil,  593. 

verzaghait  stf.  Verzweiflung,  dis- 
peraziöne  1138.  3129. 

verzeichen  stv.  versagen,  verwei- 
gern 8132.  Mhd.  Wb.  III,  878. 

vestichait  stf.  Beständigkeit,  Be- 
harrlichkeit, stabilita  4682. 

feurein  adj.  feurig  3273.  5919. 
Mhd.  Wb.  III,  333. 

vierkle  stm.  vierblätteriger  Klee 
7779.   S.  Änm. 

viezstm.  Held  4287.  Mhd.Wb.  Iil, 
308. 

villan  stm.  Dörfer,  Bauer  4197. 
6716.  6751.  Mhd.  Wb.  III, 
314. 

vinster  adj.  entgegengesetzt,  feind- 
lich 1808. 

vippernater  stf.  Vipper  9007. 

firmnus  stf.  Firmung,  confirinatio 
6173. 

visamei  stf.  Phisiognomie  9372. 

visament  stm.  Gesicht  9199.  Vergl. 
Mhd.  Wb.  III,  330.  Schmeller 
Fr.  I,  849. 

visieren  sw.   modelliren,  darstellen, 


401 


schildern    5372.    Mhd.  Wb.   III, 

330,   Schmeller  Fr.  I,  849. 
vischgrat  stm.  Fischgrat  8213. 
flech  stf.    Fläche,  Platz  (?)  9090. 

Mhd.  Wb„  ffl,  334. 
flaudern  swy.  flattern  4704.   Mhd. 

Wb.  III,  353.  Schmeller Fr.1, 788. 
fledermaus  stf.    Fledermaus  6723. 

7859.  10148. 
flust  stf.    Verlust,   Schaden    7414. 

Mhd.  Wb.  I,  1033. 
volherten  swv.  fest  bestimmen,  ent- 

schliessen8783.  Vergl. Mhd.Wb. 

I,  639. 
vollaist stf.  Vervollständigung,  Hilfe 

33.  Mhd.Wb.  I,  962. 
vor  präp.  m.  genit.   yor  113.  119. 

813.  2918.  4462.4658.4996. 

5561.  9349.  9514. 
vorchtig    adj.    furchtsam,    pauröso 

4372.  4401.  4418.    Mhd.  Wb. 

III,  385. 
vorchtichleichen  adv.  furchtsam,  ti- 

morosamente  3765.     Mhd.  Wb. 

III,  385. 
forchtsamadj.  gefährlich,  pericoloso 

2425.      Mhd.    Wb.     III.    385. 

Schmeller  Fr.  I,  753. 
vordem  swy.   bitten,  begehren,  do- 

mandare  2026.  2300. 
Vorhaut     ady.     vorhanden     8138. 

Schmeller  Fr.  I,  1121. 
formieren   swv.   gestalten,  formare 

9418.  Mhd.  Wb.  III,  388. 
formung  stm.   Befestigung,  ferma- 

mento  708. 
vorsehen  swv.  bitten,  begehren,  do- 

mandare, dimandare  1950.  2006. 

2024.  2072.  9253.  9256, 
fort  adv.   stark,  sehr,  forte  8447. 

8966. 
fraidig  adj.  übermüthig,  ausgelassen, 

prahlerisch  4l80.  4184.  4264. 

Mhd.  Wb.  m,   397.     Schmeller 

Fr.  I,  806.  Schöpf  149. 
Zingerle,  Vintler. 


fraidichait  stf.  Muth,  Kühnheit,  pro- 
dezza  1263.4172.4177.4181. 
4183  ff.  Mhd.  Wb.  III,  397. 
Schmeller  Fr.  I,  80  7. 

fraislich  adv.  schrecklich,  gefähr- 
lich 5195.  Mhd.  Wb.  III,  399. 

frasshait  stf.  Gefrässigkeit,  gola 
5844.5860.5878.5921.5922. 
Mhd.  Wb.  I,  762. 

frat  adj.  abgerieben,  verschlagen 
6626.  Schmeller  Fr.  1,829.  Mhd. 
Wb.  III,  395. 

freilich  adv.  frei, liberamente  2553. 
Mhd.  Wb.  III,  403. 

freiung  stf.  Befreiung,  Emunität 
9673. 

fruet  adj.  gesund,  munter,  klug 
5092.  7215.  Mhd.Wb.III,  389. 
Schmeller  Fr  I,  831, 

fr  um  stm.  Vortheil,  Gewinn  4788. 
7770.   Mhd.Wb.  III,  429. 

frumchait  stf.  Bravheit,  Trefflich- 
keit 1265.    Mhd.  Wb.  III,  431. 

frummenswv.  bereiten  3100.  Mhd. 
Wb.III,  432. 

fuder  adv.  weiter  vorwärts,  fürder, 
weg  1482.  6695.  6735.  6763. 
7413.  7763.  Mhd. Wb.III,  382. 
Schöpf  158. 

füeren  swy.  führen,  füeren  das 
recht,  fare  gius tizia  2939. 

fundament  stn.  Grund,  Grundlage, 
fundamento  3788.  4261.  5860. 

fürben  swv.  reinigen,  putzen,  schneu- 
zen, forbirsi  9220.  Mhd.  Wb. 
III,  446,  Schöpf  162.  Schmeller 
I,  751. 

fürbesehenhait  stf.  Vorsicht,  pro- 
videnza  25  19. 

fürbesichtichaitstf.  Klugheit,  Weis- 
heit, prüde nza  2530. 

fürsatz  stm.  Vorsatz,  proponi- 
mento  4685.  4^87.  4691. 

fut     stf.     eunnus ,     vulva.      7837. 
8191. 

26 


402 


Mhd.   Wb.   in,  448.     Schmeller 
Fr.  I,  693.  Schöpf  158. 

W. 

wacker  adj.  munter,  wacker  5324. 

Mhd.  Wb.  III.  452. 
wag  stm.  Wasser,  Flut  6983.  Mhd. 

Wb.  in,  645.  Schöpf  794. 
wagenungstf.  Zank,  Gebalge,  rissa 

1381. 
waidenleich  adj.  jagdgemäss,  frisch 

8559.  Mhd.  Wb.  III,  554. 
wal  stn.  Walstatt  3235.  Mhd.  Wb. 

III,  466. 
Walch    stm.    der  Wälsche    3748. 

Mhd.  Wb.  III,  467. 
wankelsit     stm.       Unbeständigkeit 

8715. 
Warnung  stf.  Hut,  Acht  7338.  Mhd. 

Wb.  III,  526. 
wart  stn.  Wort  1116.2121.  Vergl. 

Weinhold,  bair.  Gram.  §  6. 
wegschaide  stf.Wegescheide,  Kreuz- 
weg 8235.   S.  Anm. 
wegwart  stf.  Wegwarte,   Cichorium 

7838.   S.  Anm. 
weih  n  ach  tn  acht    stf.      Christnacht 

8214.  8226. 
weislos  ady.  ohne  Führer,  ohne  Lei- 
tung 1877. 
weif  stm.  das  Junge,  der  junge  Löwe 

2834.  Mhd.  Wb.III,  563.  Schmel- 
ler IV,  66. 
wende  stf.  Umkehr,  Aenderung  des 

Schiksals  10021.  Mhd.  Wb.  III, 

687. 
wendig  adj.  rückgängig  4411.  Mhd. 

Wb.  HI,  694. 
wenken    swv.    wanken,    straucheln 

8530.  Mhd.  Wb.  III,  707. 
werre  swm.    Verwirrung,  Aufruhr, 

Streit,  guerra2749.  3057.  3350. 

5875.    8509.     Mhd.    Wb.    III, 

746. 
werren  stm.  Streit,  guerra  4936. 


Wesen  stn.  Gewohnheit,  Betragen, 
usanza  4184. 

wetag  swm.  Schmerz,  Weh,  Krank- 
heit 3145.  3146.  Schmeller IV, 
2.  Schöpf  805. 

weu instrum  Ton w a s  4292.8895. 
9339.  9461. 

widerpart  stm.  stf.  Gegentheil,  con- 
trario vizio  1115.  2083.  2120. 
5396.   Mhd.  Wb.  II,  467. 

widerdriez  stm.  Verdruss  4038. 
Mhd.  Wb.  I,  39  7. 

Widerreden  swv.  widersprechen,  con- 
tradire  3866. 

widertat,wolWiderthon,Frauenhaar, 
capillus  Veneris  8239.  Vergl. 
Lonicerus,  Kräuterbuch  459. 

widerwärtichait  stf.  1.  das  Gegen- 
theil, contrario  2760.  3625. 
4368.  2.  Widerwärtikeit,  Un- 
glück, aversita  4 162.  4384.  Mhd. 
Wb.  III,  601. 

widerzäm,  widerzam  adj  wider  wär- 
tig,  missfällig 5689.  619.9.  6258. 
7431.  Mhd.  Wb.  III,  891. 

widerzäm  stf.  Missfallen,  Verdruss 
8743. 

wirs  adj.  böse,  schlimm  90 18.  adv. 
3659.  Mhd. Wb.III,  747,  Schöpf 
818.    Schmeller  IV,  149. 

wit  stf.  Wiede,  gedrehtes  Zweig, 
ritorta  4923.  Mhd.  Wb.III,  618. 
Schmeller  IV,  31.   Schöpf  814. 

withoph  swm.  Widehopf  7841.  Mhd. 
Wb.  I,  710. 

wolgevallenchait  stf.  Gefälligkeit, 
Freundlichkeit,  Anmuth,  piaceyo- 
lezza  211.  242.  2385.  3423. 

wollust  stf.  Vergnügen  ,  diletto 
3020. 

wolmugentadj.  stark, munter,  atante 
4136. 

WÜetreich  stm.  Tirann,  tiranno3  019. 
3027.  3378. 

WÜlscherr    stm.     Maulwurf,    talpa 


403 


4011.  4023.   Schmeller  IV,  60. 
Schöpf  821. 
wuffun   m.    Possenreisser,   Schalks- 
narr, bufföne  9626.  9060. 

Z. 

zäch  adj.  zähe,  fermo  2606.    Mhd. 

Wb.  Iir,  840.   Schöpf  823. 
zagel  stm.    Schwanz   2467.  4554. 

Mhd.Wb.  in,  839.   Schöpf 824. 
zan  stm.  Zahn,  plur.   zende   2117. 

2250.  7128. 
zandwe  stm.  Zahnweh  7778. 
zart  adj.  lieb,  geliebt  2881.    Mhd. 

Wb.  III,  850. 
zart  stm.   Liebling,  Geliebte  4966. 

Mhd.  Wb.  III,  850. 
zedel  stf.  Zettel,  Blatt  6668.  6739. 

Mhd.  Wb.  III,  860. 
Zentrum  stm.    das  Centrum,  Mittel- 
punkt 7160. 
zerütten  swv.  verderben,  corrompere 

3760. 
zese  swf.   die  rechte  Hand,  Rechte 

10116.     Mhd.  Wb.  m,  872. 
zestrewen  swv.    zerstreuen,  zerstö- 
ren 1579.  Mhd.  Wb.  II2,  701. 
zicken  swv.  leise  berühren,  necken, 

quälen  2603.  Mhd.  Wb.  III,  873. 

Lexer,  kämt.  Wb.  265.  61.  — 

Schmeller  IV,  265. 
zun  swv.  bestimmen   1917.  2707. 

2984  3560.  Mhd.  Wb. III,  884. 
zisma  stn.  Schisma,Zwietracht4  958. 


zistel  stn.  Tragkorb,  flacher  Korb 

8497.      Mhd.    Wb.    III,    910. 

Schmeller  IV,  290.  Schöpf  829. 
zogen    swv.    ziehen,    gehen    3185. 

Mhd.  Wb.  in,  935. 
zorenhait  stf.  Zorn,  ira  1460. 
zornichait  stf.  Zorn,  ira  1472. 1512. 
zotte  stf.  Zotte, Haare  9122.  9418. 

9424.Mhd.Wb.ni,  947.  Schmel- 
ler IV,  29  6. 
zuccun    stm.    Grosser    Kürbis,   als 

Schelte,   zuccone   9627,   oder  ist 

zuttun,    suttun    zu   lesen?     Sieh 

zote.  Tropf,  Pinsel.    Diez.  rom. 

Wörterbuch  II.  Aufl.  I,  448. 
Zucht  stf.  Ding,  cosa  6469. 
zuelent  stf.  Landung,  Landungsplatz 

9884.  Mhd.Wb.  I,  938.   Schöpf 

386. 
zuetrager    stm.      1.   Hinterbringer, 

Ohrenbläser,  rapportatöre  8833. 

2.  Spötter,  motteggiatöre  9172. 
zwehel  swf.  Tischtuch,  tovaglia  385. 

Mhd.  Wb.  iU,  157.  Schmeller  IV, 

303.  Schöpf  833. 
zwei  stn.  Zweig,  Ast  5947.  7923. 

Mhd.Wb.  III,  656.   Schöpf 834. 
zweu,  ze  weu,  wozu  923  s.  weu. 
zwinken  swv.  blinzeln  6261.   Mhd. 

Wb.  111,959.  Schmeller IV,  307. 
zwischen  präpos.   mit  genit.  1592. 

6947.  Mhd.  Wb.  III,  955. 
zwivach  adj.  zwiefach,  doppelsinnig 

9243. 


Berichtigungen. 


28  Mareie.  —  708  1.  in  st.  iu.  —  803  1.  den  st.  der.  —  807  funden. 
1376  und.  —  1479  der  wolbesint.  —  1711  worden.  —  2066  lüfte.  —  2095  1. 
sie  st.  sich.  —  2918  yil.  —  3329  purger.  —  3477  iederman.  —  37261.  unterm 
Text  wil  st.  wie.  —  3729  1.  unterm  Text  verpringt  st.  verspringt.  —  3733 
wenn.  —  4277  an.  —  5420  wirstu.  —  6437  Andronico.  —  6715  teihen.  — 
6827  neur.  —  7889  präut.  —  8748  herr.  —  8829  1.  unterm  Text  poshait 
stiften  und  finden  GD.  —  8840  1.  unterm  Text:  fast  unmer  D<  —  8997  ant- 
wurt.  —  9012  weise.  —  9028  1.  unterm  Text:  spotters  WBSGD.  —  9330  töcht. 
—  9419  vechem.   —  9463  tail.  —  9517  sirt. 


Aus  dem  Verlage  der 

Wagner'schenUniversitäts-Buchhandlung 

in  Innsbruck. 


Vom  Herausgeber  dieses  Werkes    ' 

Dr.  Ignaz  V.  Zingerle 

ist  im  gleichen  Verlage  erschienen: 

Fresken-Cyclus  des  Schlosses  Runkelstein  bei  Bozen.  Ge- 
zeichnet und  lithographirt  von  Ignaz  Seelos,  erklärt  von 
I.  V.  Zingerle.     1858.     fl.  8  ö.  W. 

Sitten,  Bräuche  und  Meinungen  des  Tiroler  Volkes.  2.  ver- 
mehrte Auflage.     1871.     fl.  2.80  kr.  ö.  W. 

Das  deutsche  Kinderspiel  im  Mittelalter.  2.  vermehrte  Auf- 
lage.     1873.     90  kr.  ö.  W. 

Sagen,  Märchen  und  Gebräuche  aus  Tirol.   1859.  fl.  3  ö.  W. 

Tirol.  Natur,  Geschichte,  Sage  im  Spiegel  deutscher  Dichtung. 
Mit  Titelbild.     1852.     fl.  2.52  kr.  ö.  W. 

Lusernisches  Wörterbuch.     1869.    fl.  1. 

König  Laurin,  oder  der  Rosengarten  in  Tirol.  1850.  72  kr.  ö.  W. 

Barbara  Bachlerin,  die  Sarnthaler  Hexe  und  Mathias  Perger 
der  Lautenfresser.    Zwei  Hexenprozesse.    1858.    42  kr.  ö.  W. 

Die  Sagen  von  Margaretha  der  Maultasche.  Erinnerungs- 
gabe zum  29.  September  1863.     1863.    40  kr.  ö.  W. 

Gedichte.     1853.    fl.  1  ö.  W. 

Ton  San  Gregorio  auf  dem  Stain  und  von  Sant  Gerdraut. 
Aus  dem  Winter-Teile  des  Lebens  der  Heiligen,  herausgegeben 
von  I.  V.  Zingerle.     Mit  Titelbild.     1873.     40  kr.  ö.  W. 


Oswald  yon  Wolkenstein's  Gedichte.  Mit  Einleitung,  Wort- 
buch und  Varianten,  herausgegeben  von  Beda  Weber.  1847. 
fl.  3.16  kr.  ö\  W. 

Tirolisches  Idiotikon  von  J.  B.  Schöpf.  Nach  dessen  Tode 
vollendet  von  J.  A.  Hofer.     1866.     fl.  6  ö.  W. 

Ueber  das  Drama  des  Mittelalters  in  Tirol.  Von  Dr.  A» 
Pichler.     1850.     fl.  1.6  ö.  W. 

Märchen  und  Sagen  aus  Wälschtirol.  Ein  Beitrag  zur  deutschen 
Sagenkunde  von  Chr.  Schneller.     1867.     fl.  2.  ö.  W. 

Der  Heber  gat  in  litum.  Ein  Erklärungs- Versuch  dieses  alt- 
hochdeutschen Gedichtes.  Mit  einer  Beigabe  tirolischer  Acker- 
bestellungs-  und  Aernte-Gebräuche,  von  Dr.  L.  v.  Hörmann. 
1873.     80  kr.  ö.  W. 

Ueber  Heribert  von  Salurn.  Beitrag  zur  Kunde  deutscher 
Sprache  am  Ende  des  17.  Jahrhunderts  von  Dr.  A.  Hueber. 
1872.     40  kr.  ö.  W. 

Deutsche  Haussprüche  aus  Tirol.  Gesammelt  von  W.  O.  1871. 
20  kr.  ö.  W. 

König  Laurin  und  sein  Rosengarten.  In  neue  Reime  gebracht 
von  Gottlieb  Putz.     1868.     50  kr.  ö.  W. 


DIB 


PLUEMEN  DER  TÜGENT 


DES 


HANS  VINTLER. 


HERAUSGEGEBEN 


VON 


IGNAZ   V.   ZINGERLE, 


$ 


n  & 

b 

INNSBRUCK. 

VERLAG  DER  WAGNER' SCHEN  UNIVERSITÄTS- BUCHHANDLUNG. 

1874. 


MAY  19  1902 


^^y 


AELTERE 

TIROLISCHE  DICHTER. 


ERSTER  BAND: 


DIE  PLÜEMEN  DER  TÜGENT 


DES 


HANS  VINTLEE. 


HERAUSGEGEBEN 


IÖNAZ    V.    ZINGERLE. 


INNSBRUCK    ' 

VERLAG  DER  WAGNER' SCHEN  UNIVERSITÄTS -  BUCHHANDLUNG. 

1874. 

WAGNER'SCHE  UNIVERSITÄT  S-BUOHDRHCKEREI. 


SS 


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PreservationTechnologies 

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